Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Darwin war Lamarckist!

    27.11.2017, Henrik Ullrich
    Vielen Dank Herr Schubert für Ihre Stellungnahme.
    Charles Darwin vertrat den Vererbungsansatz von Lamarck, die Vererbung erworbener Eigenschaften, ähnlich wie auch später Ernst Haeckel in Deutschland. Im 5. Kapitel von Darwins Hauptwerk (Gesetze der Abänderung) kann man sehr eindrucksvoll lesen, wie Darwin in seiner vorsichtigen Art über Vererbung dachte. Der Mechanismus der Vererbung von Veränderungen zusammen mit dem Gebrauch und Nichtgebrauch von Organen gekoppelt an die Selektion war ja gerade das Eindrucksvolle, was die Evolution in den Augen seiner Zeitgenossen so gut erklären konnte. Diese Vorstellung von Vererbung war damals in der wissenschaftlichen Welt anerkannt. Neun Jahre nach Erscheinen der ersten Auflage von Die Entstehung der Arten veröffentlichte Darwin 1868 eine spezifische Abhandlung über die Vererbung in "Die Variation von Tieren und Pflanzen unter Domestikation". Er nannte den Mechanismus „Plangenesis“. Aber Lamarck, und damit Darwin und Haeckel haben sich bekanntlich geirrt. Das kann man Ihnen nicht zum Vorwurf machen, vielleicht nur darin, dass Darwin die Arbeiten von Mendel nicht berücksichtigt hat. Leider wird dieser Aspekt in vielen populärwissenschaftlichen Darstellungen nicht erwähnt.
    Richtig ist, wie Sie es schreiben, dass wir extrem viel mehr Detailkenntnisse haben zu den Themen kambrische Evolution, der fossilen Überlieferung von Blütenpflanzen oder der Augen. Aber dieses "mehr" an Wissen ist nicht gleichzusetzen mit einem besseren Verständnis der Mechanismen bzw. der Abläufe, die diese Strukturen bzw.Organismen in der Evolution hervorgebracht haben. Das "Wie" der Evolution - das für Darwin klar war - steht nach wie vor zur Disposition. Ein Beispiel aus der Forschung zur Evolution des Auges:
    "Overall, the question of whether “eyes” evolved once or many times remains an open one, though the available answers depend more than anything on definitions and levels of analysis. In fact, it may not be useful to consider complex organs in this way at all. Instead, it is more productive to focus on the components of eyes, which have evolved and been combined and modified in a variety of ways in different groups (Gregory 2008).”
    Das Argument der evolutionäre bedingten Fehlkonstruktion des menschlichen Wirbeltierauges, hat sich auch durch die aktuelle Forschung erledigt: http://www.spektrum.de/magazin/lichtleiter-in-der-netzhaut/905613#socialshareprivacy

    Mit freundlichen Grüßen Henrik Ullrich
    Stellungnahme:
    Diese Argumentation erscheint mir deutlich zu kurz gesprungen. Elemente von Lamarcks Theorie finden sich bei Darwin wieder, das ist richtig. Aber es gibt auch entscheidende Unterschiede: das Konzept der natürlichen Selektion, die fehlende Notwendigkeit eines Spontanzeugungs-Postulats sowie das Einführen einer echten Abstammungslehre bei Darwin. Deshalb ist Ihre Andeutung, Darwin habe sich in gleicher Weise geirrt wie Lamarck, entschieden zu pauschal. Die Grundzüge der darwinschen Theorie (Vererbung, Variabilität und Selektion) haben sich empirisch vieltausendfach bestätigt, während der Lamarckismus mit seinen vererbten somatischen Mutationen, seiner Spontanzeugung und seinen autarken Parallel-Evolutionen heute nur noch von geschichtlichem Interesse ist.

    Zu Ihrem zweiten Einwand: Natürlich versteht man heute die Mechanismen der Evolution deutlich besser als zu Darwins Zeiten. Gerade über das "Wie" von Mutationsprozessen (Punktmutationen, Deletionen, Duplikationen, illegitimes Crossing-over, Wirkung von Transposons und viralen Elementen etc.) und über das "Wie" der Selektion (auf der Ebene von Individuen, von Verwandtengruppen, von Sozialverbänden, von Populationen) ist heute wesentlich mehr bekannt als vor 160 Jahren. Wenn Sie andeuten, da habe sich nichts getan, ist das schlicht falsch.

    Mit freundlichen Grüßen, Frank Schubert
  • Rotiert er um seine 3 Achsen?

    27.11.2017, Dieter Meinert
    oder ist er in Flugrichtung gestreckt. Dann könnte die Form in Jahrmillionen auch durch Erosion und Anlagerung interstellaren Mediums entstehen.
  • Problem

    27.11.2017, Herold Herd
    Das viel größere Problem sehe ich darin, dass mit der Bereitstellung vorhandener Kamerainfrastruktur, die seit Jahren bereits intensiv ausgebaut wird, sowohl von privater als auch von staatlicher Seite, für eine zentrale Gesichtserkennungssoftware, einer in Zukunft nicht auszuschließenden Diktatur, ein dermaßen invasives Kontrollinstrument, zur Verfügung gestellt wird, das die Orte von Millionen von Menschen verfolgbar macht, ob beim Bummeln, beim Spazieren oder bei sonst was. Der Private Raum wird weiter zurückgedrängt zugunsten vermeintlicher Sicherheit. Das finde ich höchst problematisch und sollte dringend diskutiert werden.
  • Zum Thema Insektensterben in Deutschland bestätigt

    27.11.2017, Heinrich Graf
    https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2017/10/unstatistik-des-monats-insektensterben-die-zweite


    Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion Spektrum.de,

    ich will hier nicht den Eindruck erwecken, das ich das Insektensterben bestreite oder bestätige.
    Ich empfehle nur jedem den Artikel der Max Planck Gesellschaft in Berlin in o. g. Link. Diese setzt sich kritisch mit der nicht wissenschaftlich fundierten Datenerhebungsmethodik auseinander, die dann im Ergebnis zu unzutreffenden Einschätzungen bzw. Aussagen zum Thema führt.

    MfG.

    Heinrich Graf
  • Fehler

    27.11.2017, Thomas
    "Hat man eine vorgegebene Menge an Punkten, die alle in einer Ebene liegen, dann existiert entweder eine Linie, die durch exakt zwei von diesen Punkten verläuft. Oder aber alle Punkte sind entlang einer Linie angeordnet." Das kann offensichtlich nicht stimmen; schon eine Menge mit vier Punkten, davon drei auf einer Geraden, einer daneben, widerlegt es. Korrekt müsste es heißen (vgl. Wikipedia zum Satz von Sylvester-Gallai): "Sei P eine endliche Menge von in einer Ebene liegenden Punkten, die nicht alle auf einer Geraden liegen. Dann gibt es eine Gerade, die genau zwei Punkte von P enthält."
  • Zu viel Distanz bei einem so emotionalen Thema befremdlich

    27.11.2017, Astrid
    Ich finde diesen Artikel etwas seltsam. Mir ist klar, dass die Autoren eine wissenschaftliche Sprache wählen müssen, auch, wenn das Thema selbst hochemotional ist. Aber der Satz "...damit sei zwar noch nicht der endgültige Beweis erbracht, dass Züchtigung schädlich ist" liest sich sehr merkwürdig angesichts verschiedenster Forschungsergebnisse, die durchweg große Schäden für das kindliche Gehirn und die Seele aufzeigen. Zumal der Titel "Kindesmisshandlung" ja die gleiche Sprache spricht. Insgesamt würde ich zum heutigen Stand der Forschung und der Kinderrechtskonventionen weltweit eine deutlichere Sprache bevorzugen. So, wie der Artikel geschrieben ist, könnte er auch in einem Erziehungsratgeber für Mütter in den 50-er Jahren/der Nachkriegszeit verfasst worden sein. Dort konnte man unter anderem auch von der für den Säugling schädlichen Nähe zur Mutter lesen, was durch die Bindungsforschung seit den 70-er Jahren ja zum Glück wiederlegt wurde. Eine Studie, die lediglich leichte Unterschiede zwischen Kindern, die körperlich misshandelt wurden, und Kindern, denen keine Gewalt zugefügt wurde, nachweisen kann, ist für mich nicht valide.
  • Weltretter

    27.11.2017, Nora Sausmikat
    Soviel Oberflächlichkeit, falsche Begriffe und Überheblichkeit in einem kleinen Artikelchen versammelt habe ich lange nicht mehr gelesen-Hut ab! Richtig ist, dass es an der Zeit war, dass sich auch die linken, verrauchten Spontihöhlen in professioelle Organisationen wandeln, dass Schluß sein muss mit der Selbstausbeutung und kompetente Arbeit auch bezahlt werden muss. Wenn die Paradise-Papers dazu führen würden, dass keine Entwicklungshilfe mehr geleistet werden muss, da die Bergbauriesen ihre Steuergewinne dem ausgebeuteten Land zugute kommen lassen, dann haben die Medien wirklich mal was geschafft. Aber den Leuten, die aufdecken, welchen Dreck die multinationalen Unternehmen hinterlassen, und aufzeigen, wie diese sich auch noch mit "Ökolabeln" schmücken -diesen Leuten so das Wasser abgraben zu wollen, ist ein schäbiger Schritt eines Journalisten.
  • Interessant...

    27.11.2017, Thomas Hilleke
    Also sind wir mal ehrlich...
    Temperaturänderungen (Warm-, Kalt(Eis)zeiten) hat es schon vor uns gegeben.
    Es liegt jedoch Nahe, dass wir mit dem Verbrennen fossiler Rohstoffe, der Abholzung von Ur-und Regenwäldern, dem Raubbau an der Natur usw... den Vorgang um ein Vielfaches beschleunigen.
    Liebe Leute, das ist also schon „Geoengineering“ und seit Jahrhunderten im Gang. Davor fürchten sich jetzt Menschen/Wissenschaftler, die Gutes tun wollen?
    Was könnten die noch schlimmer machen, als die Menschen zuvor?

    Aus dem Versuch gutes zu tun, ist schon sehr oft das Gegenteil geworden bzw hat das Gegenteil bewirkt. Also könnte das auch hier passieren, aber aufgrund der aktuellen Situation bleibt außer einem Wunder nur noch die Flucht nach vorn.
    Der Anbau von Jatropha Plantagen ist wenigstens einen Versuch wert. Dazu müssten aber auch anderswo Regenwälder wieder aufgeforstet werden usw.

    So oder so, wir werden sehen was auf uns zu kommt :(
  • „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und meist das Schlechte schafft.“

    26.11.2017, Dr. Armin Quentmeier
    Sehr geehrter Herr Ebert, vielen Dank für Ihren kritischen Beitrag zum Thema NGOs! Das arrogante, selbstgerechte und sich moralisch selbst erhöhende Auftreten von Greenpeace und Co. ist mir seit Jahrzehnten herzlich zuwider. Sie haben dankenswerterweise die „Brent Spar“-Geschichte erwähnt – seit dieser Zeit ist Greenpeace für mich erledigt.
    Und wenn ich an die jahrzehntelange Agitation selbsternannter Umweltschützer gegen die Kernkraft und gegen Kohlekraftwerke, aber auch gegen Gentechnik denke, bin ich jedes Mal aufs Neue verärgert und wundere mich, wie viele Menschen den NGO-Parolen auf den Leim gehen.
    Ein Beispiel: der Einsatz von Greenpeace, BUND und anderen für die sogenannten „erneuerbaren Energien“ Wind, Sonne und Biomasse sorgt mittlerweile für die größte Umweltzerstörung seit Beginn der industriellen Revolution. Unser ganzes Land wird mit Windmühlen zugebaut, immer mehr und immer größere verschandeln fast die gesamte Nordseeküste, nur die Inseln sind zum Glück fast vollständig verschont geblieben. Aber auch liebliche Mittelgebirgslandschaften, von Harz und Sauerland bis zum Alpenvorland, an denen 200 Jahre Industrialisierung weitgehend vorübergegangen sind, werden jetzt mit Windrädern zugebaut, hoch wie der Kölner Dom und über viele Kilometer sichtbar. Gegenwärtig sind es 28.000 Windmühen und jedes Jahr kommen hunderte dazu. Und weil selbst das nicht reicht, soll sogar das vergleichsweise kleine Stück der deutschen Nordsee mit mindestens 5000 Windmühlen zugebaut werden. Und wofür? Ziel der von den genannten NGOs vehement unterstützten „Energiewende“ ist die Verringerung von Treibhausgasen, allen voran CO2. Dieses Ziel wurde krachend verfehlt: der „Spiegel“ hatte im August berichtet: 2009 lagen die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland bei 907 Millionen t., 2016 bei 906 Millionen t - ein kaum messbarer Effekt der Energiewende, obwohl von 2009 bis 2016 die installierte Windkraftleistung um 80 % gestiegen ist und mittlerweile 27.000 Windmühlen unser Land von der Nordsee bis zum Alpenrand verschandeln. Die installierte Leistung für Solarstrom hat sich in dieser Zeit sogar vervierfacht – alles für die Katz! Dafür zahlen die Bürger in Deutschland für diesen Wahnsinn gegenwärtig 25 Milliarden Euro Subventionen, die nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz über den Strompreis eingezogen werden.


    Bei diesen „Erfolgen“ der genannten NGOs möchte ich Goethes Mephisto seinen wundervollen Satz im Munde umdrehen, den er auf Fausts Frage „…Nun gut, wer bist du denn?“ vorstellt: „Ein Teil von jener Kraft, Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Ich betrachte Greenpeace, BUND und Co als „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und meist das Schlechte schafft…“
  • danke für den Kommentar 4.

    26.11.2017, gegen Gift
    Ich bin voll deiner Meinung. Es gibt Probleme auf dieser Welt. Großflächiger Einsatz von Gift.. Hat bei keinem bisherigen Problem auch nur ein kleines Bisschen zu dessen langfristigen, nachhaltigen Lösung beigetragen. Wie wärs wenn ihr mal die ganzen Klunker in Forschung und Projekte investiert wos drum geht Ökosysteme großflächig zu entgiften? Findet z.B. mal raus, wie man radioaktiv verstrahltes Wasser wieder genießbar macht. Ich wär sicher ned der Einzige, der sich darüber freuen würde.
  • Faszinierend.

    26.11.2017, Markus Kraffczyk
    Es gibt übrigens Leute, die es für möglich halten, Oumuamua nachzueilen und ihn vor Ort zu untersuchen:

    https://arxiv.org/ftp/arxiv/papers/1711/1711.03155.pdf
  • Ehrlichkeit und Sachlichkeit bei der Rezeption von Darwins Werken

    26.11.2017, H. Ullrich
    "Umso verblüffender, wie oft seine Vermutungen zutreffen, wenn er den Gesetzen der Abänderung nachgeht. ... Man fragt sich, was Darwin wohl zur heutigen Molekulargenetik gesagt hätte – wenn er gesehen hätte, wie richtig er lag."
    Ich kann dem Rezensenten hier nicht zustimmen. Die Molekulargenetik hat seinen kausalen Erklärungsansatz hinsichtlich der Vererbung eindeutig widerlegt, weshalb neodarwinistische, moderne synthetische und die erweiterten synthetischen evolutionstheoretischen Erklärungsansätze erforderlich wurden. Zum anderen muß festgehalten werden, dass alle Probleme, die Darwin als ein äußerst ehrlicher und vorbildlicher Naturwissenschaftler in Bezug auf seine Theorie in seinem Hauptwerk formuliert hat, durch die evolutionsbiologische Forschungen in den letzten fast 160 Jahren nicht gelöst werden konnten sondern sich verschärft haben (z.B. Kambrische Explosion, Entstehung der Blütenpflanzen, Entstehung des Auges). Ich wünschte mir die gleiche Sachlichkeit und Ehrlichkeit bei der Rezeption von Darwins Werken, wie sie Darwin selbst an den Tag gelegt hat.
    Stellungnahme:
    Welchen kausalen Erklärungsansatz meinen Sie? Darwin betont immer wieder "unsere gänzliche Unwissenheit über die Ursache jeder besonderen Abweichung". Das zieht sich durch das gesamte Buch und war aus seiner Sicht, ohne Molekulargenetik, auch kaum anders möglich.

    Zur "Kambrischen Explosion" sind immer noch viele Fragen offen. Das Problem hat sich aber seit Darwins Zeiten deutlich relativiert, insbesondere, da man mittlerweile die Fossilien der Ediacara-Fauna kennt. Es ist nicht klar, was Sie meinen, wenn Sie schreiben, das Problem habe sich verschärft.

    Zur Entstehung des Auges sind ebenfalls noch viele Fragen offen. Aber auch hier weiß man mittlerweile deutlich mehr als zu Darwins Zeiten. Anatomische, physiologische, genetische und Entwicklungsvergleiche weisen darauf hin, dass das Wirbeltierauge vor 500-550 Mio Jahren entstand, zunächst als reiner Lichtdetektor einfachen Aufbaus (zweischichtige Netzhaut), der noch nicht zum Sehen taugte (http://www.spektrum.de/magazin/das-auge-organ-mit-vergangenheit/1135748). Auch hier ist nicht klar, inwiefern sich das Problem verschärft haben soll, wie Sie schreiben. Ebenso bei den Blütenpflanzen.

    Mit freundlichen Grüßen, Frank Schubert
  • Ein Dilemma, ja, aber wie sich dem Zeitgeist wiedersetzen?

    26.11.2017, Andreas
    Ich gebe Ihnen leider recht. Auch ich habe schon hautnah erlebt, wie eine NGO der ich bei der Beschaffung von Mitteln für ein Projekt geholfen habe – sobald das Geld da war – ein ganz anderes Gesicht gezeigt hat. Der anfangs versprühte Idealismus schien verflogen, die Fratze der Gier trat deutlich zum Vorschein. Die Leute die ich alle zusammengebracht hatte haben mich anschließend gemeinsam vor die Tür gesetzt.

    So werden wir die Welt meiner Meinung nach nicht retten, denn die Grundlage der Zerstörungswut ist aus meiner Sicht die Gier. Jeder will mehr als er braucht und die Vielfalt des Lebens geht daran zugrunde. Wenn Umwelt-NROs auf breiter Front dem gleichen Schema verfallen, dann gute Nacht.

    Allerdings leben wir inzwischen leider in einer Aufmerksamkeitsökonomie. Jeder, der ein Projekt zum Schutze von was-auch-immer umsetzen möchte und keine reichen Eltern hat, die ihn/sie finanzieren (also Wohnung, Nahrung, Krankenkasse bezahlen) braucht in irgend einer Form Fördergelder oder Spenden. Und an der Stelle spielt die Marke ein ganz entscheidende Rolle. WWF, BUND, NABU und Co. spenden die Leute, weil es bekannte Marken sind, über deren Arbeit man in sich in Mitgliederzeitschriften und Newslettern halbwegs transparent informieren kann.

    Und diese Organisationen beschäftigen dann ab einem bestimmten Punkt auch viele Mitarbeiter, die alle Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes haben. So beginnt dann – obwohl man in der Sache zusammen stehen müsste – ein Konkurrenzkampf unter den NGOs. Um staatliche Fördergelder und um Spenden. Und die junge Idealisten neuer Umwelt Start-Ups wundern sich ganz schnell, was in diesem von Außen so idealistisch wirkenden Umfeld für ein rauer Wind weht. Die Jungen/Neuen werden weg gebissen. Nicht offen, sondern sehr subtil, dabei aber mit aller Entschlossenheit.

    Ja, auch die NROs leben im Kapitalismus und dementsprechend ist auch ihr Verhalten. Ich glaube daher auch nicht mehr daran, dass es uns gelingen wird die heutige Artenfülle zu erhalten. Es ist traurig aber wahr.
  • Vince Ebert macht den Trump

    26.11.2017, Norbert Röder
    Sehr geehrter Herr Ebert,

    ein bißchen Recherche würde auch einem Kabarettisten helfen.

    a) die Umweltbewegung ist doch ein bißchen älter als die 80er des letzten Jahrhunderts; hängen sie einen Hunderter an; dann wird's realistischer und auf der Straße aktiv war sie spätestens seit den Siebziegern (AKW Whyl; Startbahn West, Wackersdorf)

    b) Ihre rhetorische Figur "Viele der anfangs so idealistischen Öko-Davids ..." ist pure Demagogie. Selbst wenn es nur einen gäbe, wäre Ihre Aussage nicht bestätigt. Diese Figur hat die selbe Qualtität, wie "es gibt krimininelle Männer" und dann dem Leser den Schluss unterzuschieben alle Männer sind kriminell.

    c) "Während Konzerne verpflichtet sind, Informationen über Vorstandsgehälter, interne Geschäfte mit Mitgliedern oder des Aufsichtsrats ihren Aktionären und Behörden vorzulegen, müssen NGOs dies nicht tun." Dies gilt nur wenn es eine AG ist, den Geschäftsbericht eines Familienunternehmens werden Sie nie sehen. Und die Transparenz gilt primär ggü den Aufsichtsbehörden, dies ist bei Vereinen nicht anders. Und im übrigens jeder dt. gemeinnützige Verein muss seine Finanzdaten gegenüber dem Finanzamt offenlegen. Dort wird nämich seine Gemeinnützigkeit geprüft. Viele der großen Umwelt-NGO geben auch die von Ihnen geforderten an, da sie das Spendensiegel des DZI haben wollen.

    d) "Und das, obwohl ihre ethische Leistungsbilanz oft ganz anders aussieht." Was soll dieser Satz. In dem Zusammenhang kann ich Ihn nur so lesen. Konzerne sind ethische Engel. Sind sie ernsthaft der Meinung das Geldverdienen ein ethisches Motiv ist. Dies mit Brutal-Calvinismus zu beschreiben ist ja schon sehr verharmlosend.

    e) "Allein die EU-Kommission finanzierte im Jahr 2015 die Ökolobby mit mehr als 1,2 Milliarden Euro." Sie beziehen sich augenscheinlich auf den Pieper-Bericht. Dieser wurde 1) zurückgezogen (wegen ziemlich krummer Berechnungsmethodiken), 2) ging es Lobbygruppen im Sozial-, Umwelt- und Handelspolitischen Kontext, 3) der Hauptposten ist "Global Europe" hier geht es insbesondere um Marktöffnung und Marktzugang und der VDMA, VDA oder der VCI sind alles auch NGO's (siehe Darstellung zur Transparenz oben). Ohne eine Darlegung wer für was Geld erhält ist die Zahl reiner Bullshit. Zudem übernehmen viele NGO's Teile von staatlichen Pflichtaufgaben. (Siehe Life-Projekte zur Umsetzung der Natura 2000-Richtlinien). Was können die NGO's dafür, dass der Staat seine Pflichtaufgaben nicht umsetzt.

    f) "Neulich kam ich übrigens mal in der Fußgängerzone mit einem jungen Umweltschützer ins Gespräch." Wie der einmal eine glänzende rhetorische Figur um impliziet vom Einzelnen auf's Ganze zu schließen. Wie Sie sicherlich Wissen, gibt es gute Gründe für eine unterschiedliche Bewertung von Leder und Pelz. a) Leder i.d.R. "Abfall"-Produkt der Fleischerzeugung; b) Haltungsbedingungen in Pelztierfarmen sind gelinde gesagt eine tierschutzrechtliche Katastrophe (i. Vgl. dazu geht es dem sprichwörtlichen Käfighuhn fasst gut) c) Viele Arten, deren Pelze begehrt sind, sind hochgradig gefährdet (z. B. die meisten Katzenarten).

    Natürlich sind nicht alle NGO's Engel und es gibt bei vielen eine Menge zu kritisieren, aber ohne Nennung von Ross und Reiter sind das alles Latrinenparolen nach dem Motto "alle Journalisten sind käuflich"
  • Passend zum Evolutionstag (24. 11.)

    26.11.2017, Achim Stößer
    http://antitheismus.de/archives/229-Evolutionstag-2017.html