Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Wissenschaft ungleich Kaffeesatz lesen

    30.01.2013, Hans-Christian Eick
    Alles was ich aus dem Artikel herauslesen konnte, was möglicherweise an fehlenden Einsichten in diesem Gebiet liegen mag, war, dass diese Wissenssucher ein paar Atome mit so viel potentieller Energie aus extern angelegten Feldern vollgepumpt haben, wie sie konnten und sich dann darüber wunderten, dass diese Energiebündel ihre Umgebung wärmten. Wo ist da der Witz? Und sind die da wirklich auf ihre Erklärung gekommen, weil ihre Messergebnisse einer schon bekannten Verteilung ähnelten?! Das mutet mir eher nach zwanghafter Sensationssucht anstatt professioneller Wissenschaft an.
  • Kommentar oder Glosse?

    30.01.2013, Alan Smithee
    Manchmal weiß man nicht wo man anfangen soll.

    Ich vermisse bei diesem Kommentar eine Argumentationsreihe und insbesondere auch ein Pro und Kontra, denn der Leser soll sich ja eine eigene Meinung bilden können. Hinzu kommen eine Reihe von Behauptungen, die in einem Kommentar nichts zu suchen haben und Unverständliches.

    "Die Medienreaktionen lassen glauben, das größte Problem läge darin, dass sexistisches Verhalten schwer zu definieren ist."
    Welche Medienreaktionen? Wer scheibt hier was?
    Das trifft aber vor allem für diejenigen zu, die sich nicht sexistisch verhalten wollen.
    Aha, nicht-Sexisten schreiben da was, aber wo?
    "Sie zählen in der Regel jedoch nicht zur aufdringlichen oder übergriffigen Kerngruppe."
    Hm. Was für eine Kerngruppe? Der FDP? Der Männer? Hab ich nicht verstanden!

    "... kann ein Kommentar über weibliche Attribute an die traditionellen Geschlechterrollen und Machtverhältnisse erinnern."
    Aha. KANN. Es Kann aber auch nur so interpretiert werden.

    "Natürlich ist ein einvernehmlicher Flirt auf Augenhöhe kein Problem."
    Und wann weiß man, wann es einvernehmlich ist? Einer von Beiden muß ja anfangen mit dem Flirten. Aber ich muß ja vorher wissen, ob es einvernehmlich sein wird, denn ansonsten werde ich ja ans Kreuz genagelt.

    "Und jedem steht es frei, sich gedanklich unablässig mit den sexuellen Vorzügen einer Frau zu beschäftigen (man muss sich allerdings fragen, wie viel Kapazität dann für andere Aufgaben bleibt)."
    Ein überflüssiger Satz, der aber viel über den Schreiber verrät.

    "Wie die meisten Frauen versuchte sie zunächst, sich höflich aus der Situation herauszuwinden."
    Genau. Spiegel-Journalisten sind ja als besonders zart besaitet bekannt, und als solche steht Frau Himmelreich in so einer gefährlichen Situation sicherlich total hilflos da.
    Obwohl sie als Journalistin gegenüber Brüderle in einer unabhängigeren Position ist als eine Sekretärin gegenüber ihrem Chef, muss sie nun Nachteile in Kauf nehmen, weil sie den Vorfall öffentlich gemacht hat.
    Wegen der Nachteile hat sie ja auch ein Jahr lang überlegt, und sich erst jetzt zur Veröffentlichung durchgerungen und nicht etwa aus Kalkül. Natürlich ist es reiner Zufall, daß Herr Brüderle kürzlich zum Spitzenkadidaten der FDP wurde.

    "Nummer eins auf der Liste unsäglicher Reaktionen ist der Versuch, der Journalistin die Schuld zuzuschieben: Was treibt sie sich auch nachts auf einer Feier der Partei herum?"
    Die Aussage, die Atmosphäre nachts an der Hotelbar wäre privater als ein Interview in einem Büro, wird gleichgestellt mit dem Argument Frauen in kurzen Röcken seien selbst schuld, wenn sie vergewaltigt würden.Wenn etwas unsäglich ist, dann wohl dieser Vergleich.

    "Eine weitere Strategie - sich selbst zum Opfer stilisieren - zeigt, dass sich auch gebildete Frauen vor den Chauvi-Karren spannen lassen."
    Eine Strategie zeigt, dass ... Habe ich wieder nicht verstanden. Eine Strategie kann erfolgreich sein. Oder auch nicht. Aber wir wissen ja trotzdem, was uns Die Redakteurin sagen möchte.

    "Sabine Leutheusser-Schnarrenberger behauptet, es gehe dem 'Stern' nur um seine Auflage."
    Also Frau Leutheusser-Schnarrenberger hat keine eigene Meinung, sondern das Dummchen hat sich nur durch eine kluge Strategie vor den Chauvi-Karren spannen lassen. Gehts noch? Wer ist denn hier jetzt dem eigenen Geschlecht gegenüber wirklich abwertend?

    "Inwiefern das Gewinnstreben eines Magazins von Bedeutung ist, wenn die Informationen zutreffen, bleibt noch dazu ein Geheimnis."
    Hm, ja also wenn das der Redaktuerin nicht klar ist, der Zusammenhang liegt doch auf der Hand, gilt: "Gehe zurück aus Los!" Ansonsten finde ich Journalismus nicht gut, der offensichtlich gute Argumente der Gegenseite (wenn es im Journalismus überhaupt eine solche geben darf) einfach ignoriert.

    Es wird jetzt einfach zu lang. Wer etwas wirklich Gutes und Gesundes zum Thema lesen will, dem lege ich den Artikel von Birgit Kelle vom theeuropean nahe.
    http://www.theeuropean.de/birgit-kelle/5805-bruederle-debatte-und-sexismus

    Vielleicht würde ich ja etwas mehr auf der Seite der Redakteurin (oder muß es heißen des Redakteurs?) stehen, wenn nicht die angeprangerte Ingnoranz bzw. beharren auf dem eigenen Standpunkt nicht aus allen Poren dieses "Kommentars" schwitzen würde.
  • Nichts solidarisiert Männer besser als bärbeißige Frauen

    29.01.2013, Till Benz
    Durch einen sexistischen Kommentar eine Frau "in ihre Schranken weisen" und als "nicht gleichwertig" herabstufen?
    Das ist doch wohl eine Frage des Selbstbewusstseins, wenn sich jemand durch primitive oder überhebliche Äußerungen herabgewürdigt fühlt.

    Mit tun Menschen leid, die von anderen gedemütigt oder vorgeführt werden, egal ob nun sexistisch oder sonst wie. Ich würde mir wünschen, dass Menschen nicht verletzt werden, durch Worte anderer.

    Aber wenn sich Frauen hinstellen und Männern erklären wollen was die sagen dürfen und was nicht, dann sehe ich dass als Fanprogramm für all jene, die schon immer wussten dass man Frauen entweder nicht für voll nehmen kann oder in ihre Schranken weisen muss.

    "Das schwache Geschlecht ist so empfindsam und so schutzbedürftig, auf das muss man vorauseilend Rücksicht nehmen - sonst springen einem Frauen an die Gurgel."
    Hand aufs Herz, wen soll das überzeugen.
    So erreicht man nur dass sich Männer solidarisieren. Und das Gemeine ist doch, dass es dann genau die Frauen trifft, die nichts dafür können, während die, die mit ihrer lauten Schreierei die Situation nur verschärft haben, oft der beste Beweis dafür sind dass sexistische Äußerungen eine Frau keineswegs notwendig klein machen.

    Raus aus der Opferrolle! Das muss die Botschaft sein.
    Dann muss man halt seinem Gegenüber zu verstehen geben was man mag und was nicht, sich ggf. zurückziehen oder wo nötig kraftvoll seine Position behaupten.
    Über einen Schutz für Frauen in Abhängigkeit kann man diskutieren aber an einer Bar, da kann man ausweichen. Und besagte Reporterin hat ja wohl auch danach immer wieder von sich aus den Kontakt gesucht (Artikel habe ich leider gestern noch nicht im Netz gefunden).

    "Jeder Jeck ist anders!" Auch das ist ein Wert.
    Es kann nicht sein dass die schlimmsten Seelchen die anderen mit ihrer Wehleidigkeit tyrannisieren und ihnen das Wort verbieten. Ein freies Wort sollte man in einer freien Gesellschaft schon aushalten, sonst kommen heute die Feministinnen, morgen die Religiösen und wer weiß wer übermorgen.
  • Es ist aber eigentlich schon klar

    29.01.2013, Jens
    dass es nicht um Himmelreich/Brüderle geht sondern dass das der Auslöser für eine längst überfällige Benennung unseres Alltagssexismus ist? Nicht dass im Artikel das Derailing ohnehin schon benannt wurde. Dass sich hier einige Kommentare tatsächlich genau die benannten Abwehrmechanismen raussuchen, ist ja schon in gewisser Weise eine sehr ironische Form des Beweises für die Notwendigkeit des Artikels.
  • Agression aus Verunsicherung?

    29.01.2013, U. Jung
    Ich verfolge die Debatte mit Faszination und gewissem Grauen und finde den Kommentar von Frau Gelitz den bisher sachlichsten und treffendsten zum Thema.

    Was mir auffällt in den völlig am angesprochen Sachverhalt vorbeigehenden, angreifenden Kommentaren ... die Verunsicherung, die bei den so reagierenden Personen herrschen muss.
    Denn sie zeigen - bewusst oder unbewusst - EXAKT das Verhalten, welches von Frau Gelitz angesprochen wird: ignoriere den Sachverstand, greife die Person an oder generalisiere ins Abstrakt-Allgemeine bis hin zu völlig sachfremden Gegenvorwuerfen (Sprachverschandelung).
    Vielleicht ist da mehr Schuldgefühl vorhanden, als uersprünglich gedacht? Wenn etwas nicht "juckt", der agiert so ja nicht. Also was könnte solche Reaktionen hervorrufen?
    Ich denke, es ist der Mangel an Wissen, wie man anders und besser agieren könnte, die Unsicherheit, jetzt in Zukunft angreifbar zu sein für Dinge, die man "normal" findet und andere Verhaltensweisen nicht hat/kennt.

    Insofern wäre es für die so in ihrem Verhalten und Rollenbild gestörten, zurückschiessenden Menschen egal welchen Geschlechts doch hilfreich, zu zeigen, wie man es anders und nicht sexistisch macht.
    Und das ist eigentlich ganz einfach. Da gibt es (ganz ohne Ironie) zwei Regeln:
    1. Niemand sollte lernen müssen, sich zu wehren gegen eine Abwendung von der Sachebene hin zu einer physischen. D.h. wenn ich mit jemandem rede, dann halte ich mich an das Sachthema und springe nicht auf Kleidung/Körperbau/Beziehungsebene um. Eine Person spricht mich über Politik an - ich reagiere NICHT, indem ich auf ihre Oberweite oder Schrittausbeulung zu sprechen komme. Wenn ich es doch tue, habe ich mich falsch verhalten und entschuldige mich und lasse es künftig.
    2. Wenn ich das Bedürfnis habe, jemandem ein Kompliment zu machen, stelle ich mir die Person als erstes als das deutlicher Vertreter des anderen Geschlechts vor und frage mich, ob ich das Kompliment immer noch machen wollen würde. Und wenn nicht, frage ich mich, ob der die Wirkung des Geschlechtsunterschieds in die Situation passt (ist sie beruflich oder privat, auf welcher Ebene bin ich mit der Person).

    Wenn ich das ein paar Mal so handhabe, lernt man sehr schnell, was Sexismus ist und was nicht. Dann kann ich auch Komplimente machen egal welchem Geschlecht. Dann braucht sich niemand mehr in die Defensive begeben, Ablenken vom angesprochenen Thema, Allgemeinplätze bauen oder sonst was ...
  • Viel Lärm um nichts!?

    29.01.2013, Marianne Kolberg
    Was für ein Aufstand!
    Man hätte die Bemerkung auch als Kompliment auffassen können – sage ich als Frau, die keine Probleme hat/hatte von ihren überwiegend männlichen Kollegen respektiert zu werden.
  • Einseitig

    29.01.2013, Sabrina Unter
    Die Diskussion wird sehr einseitig geführt, Brüderle sofort als Täter und Frau Himmelreich als Opfer gesehen.
    1.) Warum redet keiner über Himmelreichs Altersdiskriminierung? Haben alte Menschen weniger Rechte als Frauen? Mit Altersdiskriminierung fing Himmelreich immerhin das Gespräch an.
    2.) Kam der Spruch von Himmelreich doch nachdem geklärt wurde, Himmelreich komme aus München. Somit ist ein traditioneller Bezug zu Dirndle u.U. gegeben. Ob dem so ist, müßte geklärt werden, z.B. ob das Gespräch um das Oktoberfest herum stattfand.
    3.) Warum brauchte Frau Himmelreich so lange, um den Sexismus zu erkennen? Besteht vielleicht ein quotentauglicher Zusammenhang zu seiner Spitzenkandidatur?
    4.) Wie war Frau Himmelreich gekleidet? Wenn ein muskulöser Mann ein Netzshirt trägt, will er doch, daß jeder seine Muskeln bewundern kann. Trägt eine Frau eine enges, tiefausgeschnittenes Oberteil, darf sicherlich ähnliches angenommen werden. Dies heißt nicht, daß sie dadurch zum Freiwild wird, aber sie will sicherlich für das schöne Dekolte bewundert werden. Falls Himmelreich derartiges trug, reagierte Brüderle nur entsprechend ihrem Wunsch der Anerkennung. Die Frage ist, warum trägt man Klamotten, die den Körper betonen? Doch nicht, damit keiner hinsieht, oder?

    Betrachtet man insbesondere Punkt 2 und 4 zusammen, ergibt sich ein gänzlich anderes Bild (das auch nicht stimmen muß).

    Weiter, der Hinweis, daß dieser Artikel in Gehirn und Geist kam und deswegen hier abgedruckt werden kann, ist eine Ausrede auf die Fragen, warum er gedruckt wurde. Auch Gehirn und Geist hat sich wissenschaftliches auf die Fahnen geschrieben. Zur Wissenschaft gehört aber gründliches Analysieren beider Seiten. Und dies geschah nicht. Der Artikel hätte auch nicht in Gehirn und Geist erscheinen dürfen, da nicht Für und Wider erörtert wurden sondern rein einseitig und reflexartig Täter- und Opferrollen verteilt wurden.
    Frau Gelitz disqualifiziert sich bereits durch die Erwähnung, daß die Definition von Sexismus unklar ist. Genau das ist das Problem. Wenn das klar wäre, hätte jeder einen Leitfaden wie er sich verhalten kann. Fehlt die Definition, ist es unklar. Und bereits wirklich nur nett gemeintes kann sexistisch werden.
  • Nachvollziehbar

    29.01.2013, Werner Hoyer
    Versetze ich mich nur einen Moment in die Situation versetze, die Frauen durchleben, wenn statt sachlicher Debatte meine Verfügbarkeit getestet wird, dann wird die Haltung für mich verständlich.
    Denn es geht auch um unsere Fähigkeit mit neuen Verhältnissen umzugehen. Unsere Arbeitswelt verändert sich. Frauen werden in Zukunft in noch stärkerem Maße wie heute in sogenannten "Männerdomänen" ihren Platz finden. Und da ist gerade ein Diskurs in Fragen des Geschlechterverhältnis eine Notwendigkeit. Ich kann auch die Haltung von Frau Gelitz gut nachvollziehen und finde an dem Artikel, auch im Rahmen des Spektrum.de, nichts auszusetzen.
  • Merkwürdiges Verständnis von Komplimenten und die Unschuldsvermutung

    29.01.2013, Ursula Hollwedel
    Wie fände es Herr Dubert, wenn die Journalistin Herrn Brüderle aufgefordert hätte, sein "Maurer-dekolleté" zu zeigen, statt sich ihre Oberweite im Dirndl vorzustellen, oder wie hätte sie sich sonst wehren sollen?

    Von Unschuld kann keine Rede sein, niemand hat bisher die sexistische Attitüde des Herrn Brüderle bestritten und es steht nicht Aussage gegen Aussage.

    Frau Gelitz hat mit ihrem Kommentar ins Schwarze getroffen!

  • Brüderle im Geiste wie aus dem letzten Jahrhundert....

    29.01.2013, G. Becker
    Vielen Dank, Frau Gelitz, für diese nüchterne und fundierte Tatsachenbetrachtung. In den letzten 30 Jahren hat sich offensichtlich in diesen Hinsicht nicht viel verändert.
  • Wenn schon das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse fehlt, dann bitte keine Ad-Hoc-Hypothesen

    29.01.2013, Christian Wille
    Die ganze Diskussion wird hier von beiden Seiten mit zahlreichen Ad-Hoc-Hypothesen geführt, das heißt, mit Argumenten, die dazu dienen, eine Hypothese zu retten, und die ansonsten weder Erkenntniswert noch Beweiskraft haben. Ich bin schockiert, solches publizistisches Gerümpel auf der Internetseite einer ehrwürdigen Wissenschaftszeitung zu finden. Auf was für ein Niveau begeben wir uns denn hier?

    Ich will hier keine polemische Auseinandersetzung zu einem an den Haaren herbeigezogenen Boulevard-Thema sehen! Wenn man hier methodisch sauber ein Bild-Zeitungs-Thema sezieren möchte, meinetwegen, aber wenn ich hier noch einmal so eine rhetorische Wirtshausschlägerei vorfinde, werde ich mein Abo kündigen!
  • Kompliment in Bayern

    29.01.2013, Kinseher Richard
    Bei uns in Bayern tragen immer mehr Frauen ein Dirndl wenn sie auf ein Volksfest oder das Oktoberfest gehen. Wenn man zu einer Frau sagt, dass sie eine "Dirndl-Figur" hat, dann ist dies ein nettes Kompliment, eine wertfreie Höflichkeitsfloskel. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Dieses Kompliment ist weder als sexuelle Anmache gemeint, noch wird es so verstanden.

  • Interessant!

    29.01.2013, Thomas Sattler
    Kaum ein Beitrag wurde bisher so zahlreich kommentiert!

    Das Frau Himmelreich selbst Grenzen überschritten und der Stern sicher seine Auflage im Blick hat, ändert an dem Verhalten von Herrn Brüderle leider gar nichts und rechtfertigt es auch nicht.

    Und die Reaktionen hier bestätigen zum Teil genau den Inhalt des Artikels, es wird kleingeredet, der Frau wird selbst die Schuld gegeben. Man fragt, warum ist sie damit nicht schon vor einem Jahr an die Öffentlichkeit gegangen.

    Dabei verliert man aber ganz aus dem Blick, dass es die Bürger gerade jetzt etwas angeht, was Herr Brüderle für ein Mensch ist. Und hier haben wir einen Mosaikstein seiner Persönlichkeit. Ein anderer ist sein Auftreten nach dem Reaktorunfall in Fukushima. Vor einem Jahr hätte keiner damit gerechnet, dass Brüderle noch einmal eine solche Bedeutung für die FDP bekommt und ein Artikel über ihn wäre kaum veröffentlicht worden.
  • Komplimente sind kein Sexismus, und wo bleibt eigentlich die Unschuldsvermutung?

    29.01.2013, Joachim Dubert
    Es ist unglaublich, wie unwissenschaftlich, unsachlich und unreflektiert das Wort "Sexismus" in der Debatte meist verwendet wird. Und wie die Unschuldsvermutung mit Füßen getreten wird. Solche mittelalterlichen, die Aufklärung Hohn sprechenden Anwürfe disqualifizieren jeden Journalisten und Kommentator.

    Der Stern gehört ins Zentrum der Kritik, ebenso wie Frau Himmelreich, die ein Gespräch nach ihrer eigenen Schilderung mit einer altersdiskriminierende Attitüde anfängt ("in ihrem Alter noch einen Vorsitz, Herr Brüderle?") und sich dann wundert, dass an einer Hotelbar nach einem Gläschen Wein mal eine private Bemerkung erfolgt, die weder die Frauenwelt herabwürdigt noch Frau Himmelreich persönlich beleidigt.

    Die ganze Debatte ist somit ein Schlag ins Gesicht der wirklichen Opfer von sexueller Gewalt oder Nötigung.

    Wir sind ein freies Land, Meinungsfreiheit und persönliche Entfaltung gehört zwingend dazu. Wer ein Problem damit hat, Komplimente und auch plumpe Komplimente zu ertragen, harmlose Flirtversuche skandalisiert, wer sich sich nicht wie ein Erwachsener selbst wehren kann und deshalb daraus eine Staatsaffäre macht, soll sich bitte einen Ort zum Reifen suchen und die Menschheit nicht zu Humorlosigkeit, Geschlechterkrieg und Denunziantentum drängeln.
  • etwas zwiespältig...

    29.01.2013, Wolfgang Waas
    Als Beispiel für den (zweifellos existierenden und in überwältigender Mehrzahl männlichen) Alltags-Sexismus scheint mir gerade dieses etwas fragwürdig - *dass* das Thema aber wieder mal lautstark in der Öffentlichkeit diskutiert wird, finde ich richtig und auch die Behandlung im Rahmen von G&G durchaus passend. Bedenkenswert - auf einer anderen Abstraktionsstufe - jedenfalls die Meinung von Frau Baudson (Nr.16)