Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Vernetzung fehlt

    11.12.2012, Walter Weiss
    Als Betroffener - ich habe Prostata-Krebs mit Metastasen außerhalb der Prostata - habe ich folgendes feststellen und lernen müssen:

    (1) Die allgemein empfohlene und demgemäß auch ganz allgemein praktizierte Behandlungsmethode ist
    - mittelalterlich,
    - hygienisch höchst gefährlich,
    - sehr schmerzhaft und
    - absolut unzuverläßlich und von Zufallstreffern ausgehend,
    - auch arbeitet sie ausschließlich mit Röntgenstrahlen
    (immer ausgehend von einer im Blutbild feststellbaren Erhöhung des sog. PSA-Wertes).

    (2) Demgegenüber gibt es bereits seit Jahren moderne Behandlungsmethoden, die
    - den neuesten Forschungen entsprechen,
    - hygienisch völlig einwandfrei,
    - völlig schmerzfrei und
    - sehr präzise und verlässlich arbeiten, zudem auch
    - mit MRTs arbeiten, also ohne Röntgenstrahlung.

    Diese Methoden und entsprechende - sehr wenige - Spezialkliniken habe ich erst in mühsamer Online-Recherche ermittelt. Es handelt sich übrigens um Kliniken und Ärzte, die mit modernster Technik arbeiten, nicht um Alternativmedizin, und: die Kosten werden anstandslos von den Kassen übernommen.

    Daraus habe ich gesehen: Es genügt durchaus nicht, nur den ersten Schritt zu gehen, also jede Krebserkrankung mit den genauen Daten auch der Behandlung und des Behandlungs-Erfolges / -mißerfolges Registern zu melden - es müssen auch die KONSEQUENZEN aus den entsprechenden Registereintragungen zügig gezogen werden, d.h. es muß im Wege der Rückkopplung die jeweilige generell für diese Krebsart erfolgreichste Behandlung zur allgemein zwingend vorgeschriebenen Behandlung erklärt werden.
  • Hindernis für Neuerungen

    10.12.2012, Manfred Watzl
    Durch die im Bericht beschriebene vorgesehene Normierung von Krebstherapien wird nach meiner Ansicht die Entwicklung schon zum Zeitpunkt von Ansätzen zu neuen Therapieüberlegungen gebremst, wenn nicht verhindert. Fast jede Entwicklung von neuen Methoden (dies gilt auch im Großen und Ganzen für Entwicklungen aller im Ansatz neuen Technologien) ist am Beginn im Vergleich mit lange verwendeten Arbeitsweisen unterlegen.
  • Maßnahmen?

    10.12.2012, Jutta Paulus
    Es wäre schön, wenn Spektrum auch bei der Berichterstattung über (ja, noch unzulängliche, verbesserungswürdige, ausbaufähige, "teure") erneuerbare Energien dieselbe kompromisslose Haltung "pro Klimaschutz" an den Tag legte wie in diesem Kommentar zu den mageren Ergebnissen von Doha.
    Stattdessen wurde ein journalistisches Machwerk mit begrenztem Fachwissen zur "Pflichtlektüre für Entscheider" hochstilisiert, und die weltweiten Subventionen der Fossilen oder die externalisierten Kosten der zivilen Nutzung der Kernkraft (selbst ohne Fukushima und Tschernobyl) wurden in "Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen" nicht einbezogen.
    Schade.
  • Zwei Fragen an die Simulation Bolshoi

    07.12.2012, Dr. Ernst Haugeneder
    Der Artikel hat mich sehr interessiert und mir auch einige, lang ersehnte Erklärungen geliefert (z. B. die Größe des Universums im Vergleich zum Alter). Ich habe mich während meiner gesamten Berufslaufbahn mit numerischen Simulationen, allerdings in der Mechanik und Festigkeitslehre, beschäftigt. Zu Ihrem Beitrag würden mich noch folgende Details interessieren:
    1) das numerische Modell hat eine Größe von 1 Milliarde Lichtjahre - vermutlich bezogen auf den heutigen Zeitpunkt. Da die Gesamtmasse nicht verändert wurde, müsste die Modellgröße am Beginn der Berechnungen kleiner sein, da ja die Ausdehnung des Raumes berücksichtigt werden muss - richtig? Wie groß war das Modell beim Start, oder wurde die Ausdehnung des Raumes anders berücksichtigt?
    2) Ab einer Modellgröße von mehreren Millionen Lichtjahren müsste die Wirkung entfernter Objekte zeitverzögert berücksichtigt werden. Wurde dies berücksichtigt, oder ist diese Wirkung vernachlässigbar?

    Antwort der Redaktion:

    1) Selbstverständlich berücksichtigen wir in kosmologischen Simulationen wie "Bolshoi" die Expansion des Universums. Sie hat entscheidende Auswirkungen.

    2) In der Tat wirkt die Gravitationsanziehung einer bewegten Masse, die eine Million Lichtjahre entfernt ist, nicht von dem Ort aus, an dem sich diese Masse heute befindet, sondern von dem Ort, wo sie sich vor einer Million Jahre befand. Unsere großräumigen Simulationen berücksichtigen derartige Bewegungen nicht, weil deren Geschwindigkeiten relativ klein sind: typischerweise nur ein Tausendstel der Lichtgeschwindigkeit, was auch die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Gravitationswechselwirkung ist. Wir haben nachgeprüft, dass der dadurch entstehende Fehler vernachlässigbar ist. In kleinräumigeren Simulationen, zum Beispiel wenn es um die Dynamik in der Nähe eines Schwarzen Lochs geht, gehen wir von Newtons Physik ab und berechnen alle Bewegungen mit einem voll relativistischen Modell.

    Joel Primack

    Director, University of California High-Performance Astrocomputing Center (HiPACC)

    Hauptautor des Projekts Bolshoi

    University of California, Santa Cruz

  • Zwingende Konsequenzen

    06.12.2012, Walter Weiss
    Hoffentlich nehmen die für die Überwachung von Atomanlagen zuständigen Institutionen von diesem sehr wichtigen Artikel Kenntnis. Hoffentlich überdenken auch diejenigen Staaten, die bisher dem Atomwaffensperrvertrag nicht beigetreten sind, aufgrund dieser Hinweise Ihre Einstellung; hoffentlich ziehen ihre - mündigen? - Bürger bei der nächsten Wahl (sofern sie überhaupt die Möglichkeit einer Wahl haben) die nötigen Konsequenzen.

    Im übrigen: Wie entscheidend wichtig und richtig ist doch die bei uns in Deutschland beschlossene Energiewende - unbeschadet der zu beobachtenden Bestrebungen sehr einflussreicher Mächte, ihre Durchführung zu verzögern und zu behindern, womöglich sogar zu konterkarieren und den bewußt falschen Eindruck zu erwecken, sie sei sehr teuer. Natürlich auch gleich wieder zulasten nicht etwa der großen Vermögen und der großen an der Energiewende Verdienenden, sondern der Gesamtheit der kleinen Stromkunden und Steuerzahler.
  • Das Ende der Welt

    05.12.2012, che
    Die Welt muss untergehen, da Gott auf Windows 8 umstellt!
  • Leserbrief an den Südkurier

    05.12.2012, Reinhold Lühmann
    Das Interview mit Alexander Unzicker, übrigens der Sohn des besten deutschen Schachgroßmeisters der 1960er Jahre, habe ich mit großem Interesse gelesen und denke, dass er völlig Recht hat mit Feststellung, dass die Lage der modernen Physik und besonders der Astronomie sehr schwer ist. Das liegt aber in der Natur der Sache: Ein Astronom lebt nun einmal keine viele Millionen Jahre und so lange und länger dauern die von ihm analysierten Vorgänge. Und er kann sich nicht ernsthaft von der Erde entfernen, vielleicht mal irgendwann ein bis zwei Lichtstunden. „Seine“ Sterne sind aber beginnend ab 4.5 Lichtjahre entfernt, die Galaxien noch viel weiter. Man ist also auf extreme Extrapolationen und auf Modelle mit Annahmen und nachfolgenden Simulationen angewiesen, wenn man die immer mehr werdenden und immer detaillierteren Beobachtungen erklären möchte. Somit fehlt mir hier Antwort auf die Frage, was Astronomie und Physik denn anders machen können. Vielleicht ihre Ergebnisse etwas zurückhaltender verkaufen? Mehr von Hypothesen als von Fakten sprechen? Auf alle Fälle sehe ich in dem aktuellen Dilemma dieser Wissenschaften eher ein Zeichen für den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt und weniger einen Mangel.
  • Giordano Bruno

    04.12.2012, Olaf Schlüter
    Etwas überraschend und unmotiviert endet der Artikel mit einem Abschnitt, der mit "Brunos Vermächtnis" überschrieben ist und darstellt, Bruno sei wegen naturwissenschaftlicher Erkenntnisse, die das damalige Weltbild erschütterten, verbrannt worden.

    Das ist so eine Legende der Moderne, wie die, dass man im Mittelalter noch an die Erde als Scheibe glaubte oder dass die katholische Kirche die Hexenverfolgung verantwortet. Das heliozentrische Weltbild des Kopernikus hat niemals Anlass zu einer Ketzerei-Anklage gegeben. Auch Bruno, Zeitgenosse der frühen Reformation, der das Talent besaß, aus jeder Gemeinschaft über kurz oder lang herausgeworfen zu werden, ist nicht deswegen verbrannt worden, und im übrigen auch nicht von der Kirche. Es war ein weltliches Gericht, das gegen die Bitte der katholischen Kirche keine Milde walten ließ. Bruno vertrat allerlei Ansichten, von denen die wenigsten etwas mit Naturwissenschaften zu tun hatten, und hat sich im Laufe seines Lebens zu viele Feinde gemacht, aufgrund seines Charakters und seinem Hang zu Polemik. Das konnte einen zu jener Zeit durchaus den Kopf kosten.
  • Quantencomputer können jeden denkbaren Algorithmus ausführen?

    04.12.2012, Gilbert Brands
    Wer so etwas behauptet, hat anscheinend grundsätzlich nicht verstanden, wie die Dinger funktionieren.
  • Planck

    03.12.2012, Frank G. Gerigk
    Auch die Stringtheorie, die ein mindestens 11-dimensionales Raum-Zeit-Kontinuum voraussetzt, folgtert, dass Materie wie z.B. Leptonen nur Knoten in der Raumzeit darstellen. Sofern es mit der Knotentheorie Kongruenz gäbe, wäre ich perplex!
  • Alter Hut!

    03.12.2012, Werner Kohl
    Laut Artikel wurde im IPCC-Report von 2007 der Meeresspiegelanstieg mit 2 mm/Jahr beziffert. Die jetzt durch Rahmstorf et al. gemeldeten 3,2 mm/Jahr bedeuten also, dass alles noch viel schlimmer ist als gedacht.

    Seltsam an der Sache ist jedoch, dass auf der Homepage des PIK (http://www.pik-potsdam.de/~stefan/anstieg_des_meeresspiegels.html ) ein Auszug des 2007 (!) erschienenen Buches „Der UN-Weltklimareport (2007)“ steht, in dem u.a. folgender Satz zu finden ist:

    "Satellitenmessungen zeigen für den Zeitraum 1993-2003 einen Anstieg um 3,1 mm/Jahr – berücksichtigt man die neuesten Daten bis 2006, sogar um 3,3 mm/Jahr (Rahmstorf et al., 2007)."

    Diese damaligen Forschungsergebnisse von Prof. Rahmstorf haben also bereits Eingang in den Report von 2007 gefunden. Dies zeigt auch Kap. 5.5.2.2 des IPCC-Reports von 2007 (http://www.ipcc.ch/publications_and_data/ar4/wg1/en/ch5s5-5-2-2.html):

    "… show a current rate of sea level rise of 3.1 ± 0.7 mm yr–1 over 1993 to 2003"

    Mitnichten wurde in diesem Report der Meeresspiegelanstieg zu niedrig angegeben.

    Auch von einem beschleunigten Anstieg, auf den die Formulierung "verläuft der Anstieg nun sogar deutlich rasanter" schließen lassen könnte, kann keine Rede sein.
    Satelliten-Messdaten, wie sie z.B. von der University of Colorado publiziert wurden (http://sealevel.colorado.edu/content/2012rel4-global-mean-sea-level-time-series-seasonal-signals-removed) deuten darauf hin, dass sich der Meeresspiegelanstieg seit 2006 verlangsamt hat. Ob dies signifikant ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Jedoch hat sich der Anstieg definitiv nicht beschleunigt.
  • Geld ist Schuld, die durch einen Buchführungstrick entsteht.

    02.12.2012, Yoshi Frey
    Was in dieser Debatte oft vergessen wird, ist der Geldschöpfungsprozess und wie Schulden entstehen. Wenn Banken ein Darlehen geben, verleihen sie gar nicht das Geld anderer. Sie monetarisieren vielmehr den Schuldkontrakt. Praktisch geschieht eine Bilanzverlängerung: Der Kredit an den Kunden ( Aktiva) wird beim Kunden als Deposition angerechnet und erscheint bei der Bank als Einlage also eine Schuld der Bank an den Schuldner (Passiva). Es gibt also zwei Schuldverhältnisse, die bei der Geldschöpfng gleichzeitig entstehen. Die Schuld des Kreditnehmers und die der Bank an den Kunden. Die Schuld der Bank besteht in dem (leeren) Versprechen, jederzeit "richtiges", gesetzmässiges Geld bei Anfrage (auf Sicht) auszuzahlen, daher der Name "Sichtguthaben". Richtiges Geld ist Zentralbankgeld, also Cash. Aber alle wissen, dass die Schuld der Bank an den Kunden als Geld benutzt wird. Wir bezahlen eben meist mit Banküberweisungen. 95% der Geldmenge ist daher elektronisches Geld - die Schuld der Bank an den Kunden!
    Der Punkt auf den ich hinaus will, ist der: Der Kunde ist gezwungen die Schuld an die Bank zurückzuzahlen, die Bank ist aber fast niemals gezwungen, ihre Schuld an den Kunden zurückzubezahlen, weil ihre Schuld als Geld gilt. Die berechtigte Frage ist, ob eine Schuld des Kunden, die mit einer Schuld der Bank an den Kunden ausbezahlt wird, nicht "odious" also ungültig ist. Die beiden Schuldverhältnisse müssten sich doch gegenseitig auflösen. Denn letztlich handelt es sich bei der Kreditvergabe um einen raffinierten Buchführungstrick. Wer das System versteht, erkennt, dass die Schuldvergabe eine gesellschaftliche Konstruktion ist, ein Glaubenssystem, das Macht an die Schuldgeber überführt. Daher könnte Graebers Aufforderung, die Schulden zu streichen, durchaus eine sowohl rechtliche als auch rechtmässige Forderung sein.
  • Biotechnologie - künstliche Organe

    28.11.2012, Dr. Christiane Gräf
    Artikel aus diesem Gebiet sind besonders anschaulich und helfen mir, meinen Unterricht aktuell und attraktiv zu gestalten. Erst gestern diskutierte mein Bio-LK über Organspende, künstliche Organe, Züchtungen und Therapie-Erfolge (z.B. Züchtung von Knorpelzellen..).

    So kommt heute dieser Artikel wie gerufen, um das Thema aktuell zu vertiefen.
  • Know-how würde verloren gehen

    28.11.2012, Bernard Neelen
    Ich würde mich der Meinung von Herrn Kächele anschließen wollen. Eine öffentlich finanzierte Weiterentwicklung der vorhandenen Trägersysteme halte ich ebenfalls für sinnvoll.

    Es wurde bisher schon sehr viel Geld für den Aufbau und die Entwicklung dieser einsatzfähigen Systeme verwendet so das es mir nicht sinnvoll erscheint hierbei vorschnell auf einen möglichen privatwirtschaftlich Ersatz zu setzen.

    Bei der Aufgabe dieser komplexen technologischen Strukturen - wie jetzt auch bei der NASA sichtbar - geht zuerst einmal sehr viel Know-how verloren.
  • Unglücklicher Titel

    27.11.2012, Hans Brügelmann
    Na ja, der Begriff "Schrift" ist mehrdeutig und der Beitrag zeigt doch eher, dass Schriftarten NICHT "gleich" verarbeitet werden - sogar innerhalb desselben Zeichensystems...
    Antwort der Redaktion:

    Lieber Herr Brügelmann,

    ich denke, es kommt darauf an, ob man eher das Gemeinsame oder Trennende in den Vordergrund rücken will. Da nach Aussage der Forscher grundverschiedene Schriftsysteme mit identischen Mechanismen - wenn auch in unterschiedlichem Maß - verarbeitet werden, ist es meiner Meinung nach gerechtfertigt, von "gleicher Verarbeitung" zu sprechen. Dies entspricht zumindest der Deutung der Autoren: "... we demonstrate that two universal circuits ... are similarly activated and show identical patterns of activation ... in the two language groups." (Abstract)

    Mit freundlichen Grüßen

    Jan Dönges/Redaktion