Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Bewußtsein

    21.08.2015, Dipl.-Phys. Ulrich Schulz
    Letztendlich führen die obigen Diskussionen auf die Frage: Was ist "Bewusstsein" bzw. was bedeutet "Ich"?
    Für interessierte Leser empfehle ich
    1. Penrose "Computerdenken" und
    2. Hofstadter "Ich bin eine seltsame Schleife".
    Während Penrose u. a. über Algorithmen bzw. algorithmisches Denken den Zugang zu finden sucht diskutiert Hofstadter z. B. über Spiegelneuronen u. ä.
    Beide versuchen sich dem "Bewusstsein" auf unterschiedlichen Wegen zu nähern. Bin ich dadurch einer Antwort näher gekommen?
    Ein herzhaftes "Vielleicht". Ob man irgendwann einer Antwort wirklich richtig nahe kommt?
    Aber einem Wissenschaftler vorzuwerfen, er forsche zu einem Thema und speziell an diesem um an Gelder zu kommen ...
    Ich bin sicher, daß dieser in der" freien Wirtschaft" ein Vielfaches mehr erhalten würde. Wo kommt bloß so eine Argumentation her? Fehlt noch der "FerraBenzMW" in der Garage, der auch immer mal wieder von dem einen oder anderen "Kritiker" vermutet wird.
  • Zweifelhafte Verteidigung des freien Willens

    21.08.2015, Johannes
    Die vorgebrachten Argumente sind insofern problematisch, als sie den eigentlichen Kern deterministischer Weltanschauung nicht widerlegen. Dass Handlungen oftmals bewusster Kalkulation unterliegen berührt ja nicht die Hypothese, dass alle, auch bewusste Denkprozesse kausal ablaufen.

    Akzeptiert man dies, so lässt sich nicht mehr von Freiheit sprechen, zumindest nicht in einem Sinne von dem sich moralische Verantwortung ableiten ließe. Bestreitet man hingegen die kausale Natur von Denkprozessen erringt man in der Sache des freien Willens wenig mehr als einen Pyrrhussieg.

    All dies behält seine Gültigkeit natürlich nur innerhalb eines physikalistischen Weltbildes - wird von jenem abgewichen ist allerdings die übergeordnete Frage nach Prüfbarkeit und Sinnhaftigkeit angebracht.
  • Schwieriger Beweis

    21.08.2015, Klaus Wrede
    Wenn jemand spontan addiert statt zu subtrahieren, dann wird man das seinem freien Willen wohl auch dann zuschreiben können, wenn die neurologischen Bedingungen der Wahl erklärbar sind. Jedenfalls sind neurologische Erregungen vor der Rechenoperation (selbst wenn deren Prognosekraft 100% betrüge), schon deshalb kein Beweis, weil damit nicht geklärt ist, ob weiter zurück liegende Erfahrungen und Überlegungen solche neurologischen Erregungen möglicherweise beeinflussen oder formen können.

    Der Beweis für die Unmöglichkeit von Willensfreiheit wäre doch erst erbracht, wenn gezeigt würde, dass die Wahl vollständig einer Steuerung unterliegt, die ganz unabhängig von einer freien Entscheidung der Person ist. Erst dann läge eine „Illusion des freien Willens“ vor. Oder einfach gesagt: es kann nur dann keinen freien Willen geben, wenn alle Gedanken und Handlungen vollständig unfrei sind.

    Der Beweis, dass der Wille nicht frei ist, müsste demnach zeigen, dass jede beliebige menschliche Handlunge vollständig beschrieben werden kann, ohne auf das Konzept eines freien Willens zurückgreifen zu müssen.

    Die Forderung der Vollständigkeit setzt übrigens voraus, dass menschliche Sprache überhaupt geeignet ist, vollständige Beschreibungen der Wirklichkeit zu geben. Sollte das nämlich nicht der Fall sein, wäre die Unfreiheit des Willens prinzipiell nicht beweisbar.

    Gerade aufgrund des Problems der Vollständigkeit scheint es mir nicht wahrscheinlich zu sein, dass dieser Beweis in nächster Zeit tatsächlich erbracht werden kann.
  • Alle Jahre wieder

    21.08.2015, Kronberg
    Und nicht nur alle Jahre, sondern über alle Sportarten hinweg wird sich über Doping aufgeregt, ohne den Begriff Doping überhaupt sinnvoll definiert zu haben. Wikipedia entnehme ich den Satz: "Eine einheitliche Logik der Verbote gibt es nicht: In jedem Jahr wird im Spätherbst die Liste der verbotenen Substanzen überprüft; die neue Liste gilt dann ab 1. Januar des folgenden Jahres." Diese Liste enthält auch körpereigene Substanzen, wie zum Beispiel Testosteron, was einen Nachweis von Doping in diesem Fall durch Setzung von Obergrenzen zu einem Willkürakt macht, der naturgegebene Abweichungen von dieser Obergrenze zu einem Vergehen macht. Der Fall Pechstein führt deutlich vor Augen, was solche Willkür (hier natürlich nicht mit Testosteron) für Folgen haben kann. Die Definition selbst (Quelle ebenfalls Wikipedia) "Unter Doping versteht man die Einnahme von unerlaubten Substanzen oder die Nutzung von unerlaubten Methoden zu Steigerung bzw. Erhalt der - meist sportlichen - Leistung." läßt die waltende Willkür noch deutlicher erkennen. Während der großen Radrundfahrten wird über die erlaubten Energiezufuhrmethoden für die Fahrer mit berichtet. Während der Fahrt selbst werden Getränke und und sogenannte Energieriegel einverleibt. Nichts davon hat etwas mit natürlicher Nahrung oder natürlichen Getränken zu tun. Weshalb ist das Eine erlaubt und das Andere nicht? Wenn man das Dopingthema vom Tisch haben will, gibt meines Erachtens nur einen sinnvollen Weg. Laßt die Sportler in Eigenverantwortung entscheiden, was sie ihrem Körper zumuten wollen und was nicht. Sie tun es ja ganz legal auch mit ihren Trainingsmethoden, die gelegentlich auch nicht unbedenklich in gesundheitlicher Sicht sind, wie auch mit ihrer Ernährung, die ganz auf die zu erzielende Leistung abgestimmt ist, und mit dem Eßverhalten des normalen Menschen nichts zu tun hat. Ergänzend sollte ein jährliches Pflichtseminar über die Wirkungen und besonders die Gefahren der zur Verfügung stehenden Substanzen für alle, die an bestimmten Wettbewerben teilnehmen wollen abgehalten werden. Kriminell handelt dann nicht der, der eine besimmte Substanz einnimmt, sondern nur der, der sie ohne Wissen des Athleten verabreicht hat. Selbstgefährdung unter Strafe zu stellen ist ein Unding. Damit müßte jede Teilnahme an den großen Radrundfahrten schon per se strafbar sein, wenn man die Bergabfahrten betrachtet.
  • Der Ausgewogenheit zuliebe ...

    21.08.2015, Gerd Knoll
    ... ein Hinweis auf Ergebnisse aus Großbritannien, nach denen die e-Zigarette eben keine Einstiegsdroge ist:

    "Latest data finds no evidence that electronic cigarettes are a gateway to smoking for young people"

    http://www.ash.org.uk/media-room/press-releases/:latest-data-finds-no-evidence-that-electronic-cigarettes-are-a-gateway-to-smoking-for-young-people

    Allerdings gibt es auch in England Probleme, und zwar in der Wahrnehmung des Gefahrenspotentials der e-Zigarette, die fälschlicherweise zunehmend als ähnlich riskant wie Tabakzigaretten eingeschätzt wird:

    "The authors were concerned, however, about the increase in false perceptions about electronic cigarettes. Although most young people correctly believe that electronic cigarettes are less harmful than smoking tobacco, between 2013 and 2015 the proportion believing that the electronic devices are as equally as harmful increased from 11% to 21%."

    Die Regierungsorganisation "Public Health England" hat eine umfassende Beurteilung zur e-Zigarette erstellen lassen ("latest comprehensive review of the up-to-date evidence on e-cigarettes"). Darin wird festgestellt, dass nach vorsichtiger Einschätzung auf der Grundlage der vorliegenden Evidenz die e-Zigarette mindestens zu 95% weniger schädlich ist als die Tabakzigarette. Das ist schon etwas anderes als ein "immerhin etwas gesünderes – ... – Ersatzprodukt für das Rauchen".

    https://www.gov.uk/government/news/e-cigarettes-around-95-less-harmful-than-tobacco-estimates-landmark-review

    Die gesundheitlichen Vorteile der e-Zigarette sind nach dieser Analyse so weitreichend, dass eine Verschreibung auf Krankenschein für arme Raucher erwogen wird.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Knoll,

    vielen Dank für Ihren Beitrag. Tatsächlich ist unter Medizinern nicht umstritten, dass E-Zigaretten, wiewohl gesunddheitsschädlich, eben auch weniger schädlich als klassisches Zigarettenrauchen ist. Das haben wir ja auch in unserem Beitrag angesprochen.

    Fraglich bleibt aber - und das war Thema unseres des Beitrags - ob E-Zigaretten zur Einstiegsdroge für das Zigarettenrauchen gerade von Jugendlichen werden. Gesundheitsexperten warnen davor, die Forschung dazu ist aber noch nicht abgeschlossen. Sie zitieren dazu ja selbst einen Beitrag der englischen Anti-Raucher-Organisation ASH (die sich, im übrigen gegen den jede Form des Nikotin-Missbrauchs - auch in E-Zigaretten - ausspricht, eine differenzierte Zusammenfassung, die auch die stärkere Schädlichkeit des Rauchens anspricht, findet sich hier: http://www.ash.org.uk/files/documents/ASH_715.pdf).

    "Der Ausgewogenheit zuliebe" könnte man zum eigentlichen Thema des Artikels natürlich viele weitere Beiträge finden - zur Verdeutlichung einige von der Seite der US-amerikanischen Organisation ASH, die das selbe Akronym wie die britische Seite trägt).

    http://ash.org/e-cigarettes-proving-to-be-a-danger-to-teens/
    http://ash.org/use-of-e-cigarettes-rises-sharply-among-teenagers/
    http://ash.org/the-cool-factor-teens-report-positive-feedback-to-using-e-cigarettes/

    Wissenschaftliche Studien zum Thema "E-Zigarette als Einstiegsdroge" - wie die in unserem Artikel zusammengefasste - sind allerdings dünn gesät und ein wissenschaftlicher Konsens daher bisher nicht erreicht.

    Mit freundlichem Gruß
    Jan Osterkamp
    Redaktion Spektrum.de

  • Bewegung und Ort

    21.08.2015, Uta Baranovskyy
    Ich hoffe, ich habe es richtig verstanden: Das Gehirn besitzt ein neuronales Abbild der Orts-Position als auch der Bewegungsabläufe des Selbst in seiner Umwelt. Wenn es beides zugleich kann - was ja offensichtlich ist - hat es der von Heisenberg gefundene physikalischen Energie-Zeit-Unschärferelation etwas voraus. ;-))
    (Die Unschärferelation ist ein fundamentaler Satz der Quantentheorie und besagt, dass einer Materiewelle nie gleichzeitig ein Ort und ein Impuls mit beliebiger Genauigkeit zugeordnet werden kann.)
    Antwort der Redaktion:
    Liebe Frau Baranovskyy,

    obgleich offenbar scherzhaft gemeint, ist Ihr Einwand grundsätzlich nicht von der Hand zu weisen. Allerdings: Laut Unschärferelation kann das Produkt aus Orts- und Impulsunschärfe nicht kleiner sein als das Plancksche Wirkungsquantum. Damit das bei einem makroskopischen Objekt wie einer Ratte gegeben wäre, müsste deren Gehirn den Ort auf etwa 10-17 Meter und die Geschwindigkeit auf etwa 10-16 Meter pro Sekunde genau erfassen. Das Gehirn leistet zwar Erstaunliches - aber dies wäre dann doch etwas viel verlangt ;-)

    Mit freundlichem Gruß
    Frank Schubert
  • Der Mond beeinflußt irdisches Leben! - Wie er das aber tut, ist noch nicht sicher

    21.08.2015, Steffen Seidel
    Der Mond beschreibt eine elliptische Bahn um die Erde. An seinem erdfernsten Punkt ist er zirka 1½ Lichtsekunden (ca. 450 000 km) von der Erde entfernt. An seinem erdnächsten Punkt dagegen nur eine Lichtsekunde (ca. 300 000 km). Bei Ebbe und Flut bewegt sich keineswegs nur das Wasser. Auch der Festlandsboden hebt und senkt sich. Ist der Mond an seinem erdfernsten Punkt, um 30 cm. An seinem erdnächsten Punkt um ca. 80 cm. Im Durchschnitt sind es ca. 50 cm.
    Bei Voll- und bei Neumond sind die Gezeitenkräfte besonders stark, da Erde, Mond und Sonne auf einer Linie stehen. (Springtide/Springflut)

    Das Erde-Mond-System ist ein Zwei-Körper-System, das um eine gemeinsame Achse rotiert. Dabei befindet sich das Rotationszentrum noch innerhalb der Erde. (Die Bewegung eines Leichtathleten beim Hammerwurf oder eine Einarm-Zentrifuge [mit Gegengewicht] könnten das bildlich darstellen.) Die tatsächliche Auswirkung des Mondes ist darüber hinaus deshalb so schwierig aufzuzeigen, weil der Mond ca. 19 Erdenjahre benötigt, um die gleiche Position wieder einzunehmen. Da externe Störungen auftreten können, ist aber selbst eine Beobachtungsdauer von 19 Jahren nicht sicher genug. 3x19 Jahre (ohne offensichtliche Störeinflüsse) sollten es schon mindestens sein. Das wären knapp 60 Jahre.

    Die 'Gezeiten-Berge' und '-Täler' laufen dem aktuellen Mondstand um ca. 3 Stunden (soweit ich mich erinnere) hinterher. Wenn sich also der Boden hebt, ist der Mond schon 3 Stunden weiter gezogen. Die Schwerkraftwirkung des Mondes steht also nicht annähernd mehr Senkrecht über der Stelle, die sich gerade hebt. (Nicht mehr auf der gleichen Linie, die durch Erdzentrum und die sich hebenden Position des Bodens führt.) Ein dort befindlicher Gegenstand erfährt dadurch eine Beschleunigung. Diese scheint vernachlässigbar klein zu sein. Wie gravierend solche 'Kleinigkeiten' aber sein können, zeigt ein Experiment, das nicht nur rechnerisch sondern auch mehrfach praktisch durchgeführt wurde.

    Ein Fluss fließt immer bergab. Gibt man einem Schiff einen Antrieb, der die Fließgeschwindigkeit des Flusses exakt neutralisiert, sollte man annehmen, das Schiff bleibt unverrückbar auf seiner Position stehen. Der geringe Schwerkraftunterschied zwischen den beiden Enden des Schiffes reicht jedoch aus, dass sich das Schiff trotzdem und sogar gegen den Wasserwiderstand in Bewegung setzt. Ohne jeglichen Antrieb bedeutet das, dass das Schiff trotz Wasserwiderstand schneller als die Strömung flussabwärts fährt. Das gilt für kleine Boote wie für große Schiffe. Ermittelt man den den Höhenunterschied zwischen Bug und Heck des Bootes gegenüber dem Meeresspiegel, und rechnet diesen um, auf ein Boot mit der Größe einer Pflanzenzelle so ist die beschleunigende Kraft sicher deutlich kleiner, als die, die auf eine Pflanzenzelle wirkt, die vom Heben auf einen Gezeiten-Berg oder oder dem Senken in ein Gezeiten-Tal auf so eine Pflanzenzelle wirkt.
    Die Pflanzen haben Mechanismen, die dafür sorgen, das Wasser in einem Stängel nicht zurückfließen kann, sondern nur vor- bzw, aufwärts. Das Heben eines Gezeiten-Berges sollte auf den Wassertransport im Pflanzenstängel keine Auswirkung haben. Senkt sich jedoch der Gezeiten-Berg, senkt sich der mit dem Boden verbundene Pflanzenstängel gezwungenermaßen mit gleicher Geschwindigkeit. Das enthaltene Wasser kann jedoch träger reagieren. Es wird scheinbar nach oben gedrückt und gelangt in die höheren Pflanzenteile.

    Die Verhältnisse in einer Raumstation sind etwas komplizierter als auf der Erde. Das ganze zu berechnen, liegt nicht innerhalb meiner Möglichkeiten und ganz sicher nicht in dem Zeitrahmen, den ich für einen Leserbrief aufwenden kann.

    Da die auftretenden Kräfte zwar fast unmessbar klein scheinen, aber immer noch größer sind als nötig, um ein Kreuzfahrtschiff oder einen Supertanker in Bewegung zu versetzen, kann man mit Sicherheit annehmen, dass sie sich auch auf Tiere und Menschen auswirken.

    Wir haben nun außer dem Lichteinfluss eine direkte und eine indirekte Gravitationswirkung des Mondes. Ob die unterstellten Phänomene aber tatsächlich diejenigen sind, die durch die Mondkräfte bewirkt werden, und welchen Anteil die einzelnen Kräfte daran haben, wird noch jede Menge Forschungsarbeit erfordern.

    Zusätzlich kann man nicht zwingend anscheinend offensichtliche Kausalitätsketten in biologischen Systemen unterstellen. Interne Taktgeber, so hat die Forschung gezeigt, können an ganz anderen Orten zu finden sein, als erwartet. Hier Spektrum war kürzlich ein Artikel, dass der Jagderfolg nachtaktiver Beutegreifer (Löwen) um so höher ist, je dunkler es ist, also bei Vollmond nahe Null.
    Für potentielle Beutetiere bedeutet das, sie können mögliche Jäger bereits auf große/sichere Distanz entdecken. Vollmond ist für sie also eine Zeit, bei der eine hohe Aktivität bei minimalem Risiko möglich ist und die es deshalb zu nutzen gilt.
    1. Ist das (das Vollmondlicht) die Ursache für die menschliche Unruhe bei Vollmond, (die übrigens 3 Tage vor dem eigentlichen Vollmondtermin beginnt) so geht das bereits weit über die bisher allenfalls unterstellte Lichtwirkung hinaus.
    2. Ich hatte eben die internen Taktgeber erwähnt. Es spricht nichts prinzipiell dagegen, dass zwar das Ziel (die Ausnutzung des Vollmondlichtes), das Gleiche ist wie oben, die Steuerung jedoch nicht durch das Mondlicht erfolgt, sondern der Taktgeber auf direkte oder indirekte Gravitationswirkungen z.B. Springtide/Springflut reagiert. Dafür könnten auch marginal geringen Kräfte hinreichend sein.
  • Wille Ja, Frei Nein

    20.08.2015, Sylvia
    Ich finde der Autor hat viele wichtige wissenschaftliche Fakten nicht beachtet. Ja es gibt die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen und zwischen alternativen zu wählen, Verhalten "willentlich" zu verändern und zu steuern. Was der Autor aber vergisst ist dass die Fähigkeit sich für eine alternative zu entscheiden stark von "der Biochemie" in unserem Gehirn abhängt. Da man mit Medikamenten oder ähnlichen Wirkstoffen die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen beeinflussen kann oder im Tierversuch sogar komplett inhibieren kann, kann man nicht vom freien Willen sprechen. Das wird auch sichtbar wenn man Fälle von Hirnverletzungen betrachtet, bei denen sich der Charakter eines Patienten komplett verändert. Es gibt einen Willen, aber frei ist dieser Willen nicht, sondern abhängig davon, welche Neurotransmitter sich gerade wo in unserem Gehirn befinden.
  • Freier Wille kommt aus der Seele

    20.08.2015, hahoyer
    Kann man am Konzept der Willensfreiheit festhalten, ohne so etwas wie eine Seele anzunehmen? Eine Seele wäre etwas, was außerhalb der materiellen Welt exisitiert. Ich kann mir das schwer vorstellen. Deshalb ist der Glaube an die Willensfreiheit für mich so etwas wie Religösität. Vermutlich ist es sogar äquvalent zum Glauben an höhere Wesen.
    Somit ist es vermutlich auch müßig für Libet und Co. die Existenz des freien Willen zu widerlegen, noch ist es für die "Antiwillusionisten" erfolgversprechend, seine Existenz zu beweisen.

    Jedoch wäre es schon ein Fortschritt, wenn man aufhören würde, das Konzept des freien Willens im Bereich der Wissenschaft verorten zu wollen.

    Aber natürlich ist selbst das nicht so einfach, da Rechtssysteme gewöhnlich ziemlich auf der Existenz der freien Willens basieren. Das muss dann getrennt werden. Ist nochmal so ein Akt, wie die Trennung von Kirche und Staat, denke ich.
  • Weltanschauung statt Wissenschaft

    20.08.2015, Tobias
    "Mit den künftigen Fortschritten der Neurowissenschaft wird sich präziser klären lassen, inwieweit wir bewusste Kontrolle ausüben und in welchem Maß unbewusste Prozesse unsere Aktionen beherrschen."

    Im letzten Satz wird meiner Meinung nach das Dilemma deutlich. Die Neurowissenschaft zu fragen, inwieweit "wir" bewusste Kontrolle ausüben ist nicht zielführend. Die Neurowissenschaft bestreitet ja eben, dass es so etwas wie ein "wir" (Singular: Ich) überhaupt gibt.

    Einigte man sich darauf, dass Entscheidungsprozesse vollständig auf neuronale Aktivität zurückzuführen sind, dann sind "wir" nichts anderes als unser Gehirn. Definiert man das "ich" auf diese Weise, dann obliegt ihm der Wille vollständig. Allerdings wäre jeder Prozess determiniert, also mit Kenntnis aller Umstände theoretisch vorhersehbar. Ob man da von Freiheit sprechen möchte bleibt am Ende immer eine Frage der Weltanschauung.
  • Naive Wissenschaftsgläubigkeit

    20.08.2015, Dieter Freundlieb
    Die Diskussion um die Willensfreiheit bleibt solange ein müßiger Streit, als sie unter der Voraussetzung eines Wissenschaftsglaubens ausgetragen wird, der über ein naturalistisches bzw physikalistisches Weltbild nicht hinausgeht. Deshalb sind auch die Argumente, die hier gegen die Leugner der Willensfreiheit vorgetragen werden, letzten Endes nicht erfolgreich. Sie verbleiben nämlich selbst noch innerhalb des selbstgesetzten Rahmens eines naturalistischen Weltbilds.

    Um die Unhaltbarkeit der von den 'Willusionisten' wie von ihren Gegnern vorgebrachten Argumente zu erkennen, muss man über die naive Metaphysik der Naturalisten hinausgehen. Sie können nicht erkennen, dass ihre Argumente, philosophisch betrachtet, auf selbstwidersprüchlichen Annahmen beruhen. Viele Gehirnforscher sind leider philosophisch zu ungebildet, um das zu sehen, und glauben, mit ihren provokativen Behauptungen zur angeblichen Unfreiheit des menschlichen Geistes könnten sie große Aufmerksamkeit erzielen (die dann auch bei der Einbringung von Forschungsgeldern nützlich sein könnte).

    Wie kann man also die Widersprüchlichkeit ihrer Argumente zeigen? Das geht folgendermaßen:

    Mit ihrer These der Unfreiheit des Willens aufgrund der angeblichen Tatsache, dass alle Vorgänge im menschlichen Gehirn naturgesetzlichen Regeln unterworfen sind - seien sie deterministisch oder indeterministisch - erheben die Gehirnforscher einen Wahrheitsanspruch. Die entgegengesetzte These der Willens- und Entscheidungsfreiheit wird ja ausdrücklich geleugnet.

    Nun kann man aber zeigen, dass für einen Begriff von Wahrheit in einem rein naturalistischen Weltbild überhaupt kein Platz ist. Innerhalb dieses Weltbilds gibt es nämlich nur faktisch vorhandene Dinge, Zustände oder ablaufende Vorgänge, eben in diesem Fall alles, was faktisch im Gehirn abläuft, wenn wir Gedanken abwägen und Entscheidungen treffen, die wir (angeblich irrtümlich) für frei halten und als richtig oder falsch einstufen.

    Es wäre aber unter den naturalistischen Annahmen auch der Fall, dass die These der Hirnforscher, dass es keinen freien Willen gibt, selbst nur als deterministische oder indeterministische Folge ihrer eigenen Hirnprozesse zustandekommt. Wenn 'Willusionisten' das zugeben, müssten sie sofort einsehen, dass ihr Wahrheitsanspruch genauso eine Illusion ist wie alles andere, was sie als wahr (oder falsch) behaupten. Es kann ja unter ihren naturalistischen Voraussetzungen so etwas wie Wahrheit gar nicht geben. Denn mit Wahrheit meinen wir nie nur so etwas wie einen faktisch ablaufenden oder abgelaufenen, neurophysiologisch beschreibbaren Hirnprozess. Ein Vorgang im Gehirn oder wo auch immer ist niemals an sich wahr oder falsch. Vielmehr meinen wir mit Wahrheit das Zutreffen einer Behauptung auf etwas in der Welt außerhalb des Hirnprozesses.

    Entweder erheben also die 'Willusionisten' einen Wahrheitsanspruch, was innerhalb ihres Weltbilds aber keinen Sinn ergibt. Oder sie produzieren, wenn sie ihre Thesen vortragen, nur Sprachgeräusche, die von irgendwelchen Hirnprozessen verursacht sind, aber mit Wahrheit oder Falschheit nichts zu tun haben können. Wenn sie Wahrheitsansprüche stellen und zugleich an ihrem naturalistischen Weltbild festhalten, befinden sie sich, ohne es zu bemerken, in einem performativen Widerspruch. So nennt man das in der neueren Philosophie, wenn etwas negiert wird (in diesem Fall Willensfreiheit), die Behauptung aber nur Sinn macht, wenn das Negierte wahr ist. Wenn ihre Behauptungen also das Ergebnis von freien Abwägungen im Licht von Evidenzen sind und nicht bloß die Wirkung einer neurologisch beschreibbaren Ursache.

    Die Ontologie, also die Lehre davon, was es gibt, an die die 'Willusionisten' glauben, ist einfach zu restriktiv und simplistisch. Und leider trifft das auch auf ihre Gegner zu, solange sie in derselben restriktive Ontologie gefangen sind.

    Ich kann nur empfehlen, sich einmal mit Thomas Nagels kleinem Werk "Mind and Cosmos" (2012) vertraut zu machen. Nagel zeigt meines Erachtens unwiderleglich, dass wir unseren Kosmos nie auch nur annähernd vollständig verstehen werden, solange wir nicht einsehen, dass wir es in der Welt des menschlichen Geistes unter anderem mit Dingen zu tun haben (Wahrheit, aber auch ethische Normen), die prinzipiell aus dem Rahmen der naturalistischen Ontologie und der rein naturwissenschaftlichen Verstehbarkeit herausfallen, aber deshalb noch lange nicht nichts sind.
  • Zustand des Gehirns entscheidet über Reaktion: zuerst

    20.08.2015, Kinseher Richard
    Ein Experiment mit Nematoden zeigte, dass nur der Zustand von Neuronen zu dem Zeitpunkt wo ein neuer Reiz registriert wird - darüber entscheidet, welche Reaktion darauf erfolgt. D.h. auf einen bestimmten Reiz können zustandsabhängig unterschiedliche Reaktionen kommen.
    ( www.sciencedaily.com/releases/2015/03/150313110402.htm ´Free will? Analysis of worm neurons suggest how a single stimulus can trigger different responses´; DOI: 10.1016/j.cell.2015.02.018)
    Dieser Ablauf würde zunächst eindeutig gegen einen freien Willen sprechen.
    Allerdings - müssen wir Menschen uns meist nicht sofort entscheiden. Denn wenn wir ein Problem gedanklich abwägen - dann ergibt sich in unserem Gehirn immer jedesmal ein anderer Zustand von Neuronen *) ; auf dessen Grundlage dann eine Entscheidung erfolgen kann.
    *) dieser Zustand ändert sich dauernd, da unsere Wahrnehmung auch von Körper-/Umwelteinflüssen zusätzlich stimuliert wird

    Weil wir bewusste Überlegungen anstellen und Reaktionen verschieben können, haben wir die Möglichkeit, eine Entscheidung und Folgehandlung zumindest zu beeinflussen.
    Die Experimente von Libet/Haynes haben den Nachteil, dass nur eine sehr eng begrenzte Wahlmöglichkeit (Handbewegung) vorgeschrieben ist. Eine echte Willensfreiheit ist somit nicht möglich. Man hätte den Versuchspersonen z.B. auch noch anbieten müssen, dass sie zum Kaffee trinken oder auf ein kühles Bier gehen könnten
  • Der tatsächliche Erdmittelpunkt ?

    20.08.2015, Rappelkopf
    "Denn den modernen Messungen liegt der tatsächliche Erdmittelpunkt als Referenz zu Grunde."

    Kann mir als Laie nicht vorstellen, dass der tatsächliche Erdmittelpunkt unverrückbar immer an der gleichen Stelle ist. Die Erde unterliegt Verformungen durch Schwerkrafteinflüsse, Gezeitendynamik, Verschiebungen der Plattentektonik, jahreszeitliche Eisschildveränderungen an den Polen usw.

    Daher müsste wohl auch der tatsächliche Erdmittelpunkt ständig in Bewegung sein; keine Ahnung allerdings, ob um Millimeter, Meter oder was auch immer.
    Antwort der Redaktion:

    Das ist richtig. Gemeint ist der Erdmittelpunkt in Bezug auf das durch die Längen- und Breitengrade definierte Koordinatensystem einer idealisierten Erdkugel.
    Mit besten Grüßen jd/Red.

  • Die Skepsis überwiegt.

    19.08.2015, Robert Orso
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    Die lunar bedingten Gravitationsschwankungen sind in kleinem Maßstab, also in einem winzigen Wasserkörper wie dem der Zelle, jedoch deutlich geringer als kombiniert etwa in den Weltmeeren
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    Das kann man durchaus sagen. Bei der gravitativen Wechselwirkung die einen inneren (oder äußeren) Tidenhub verursachen soll wirkt ja nicht die absolute Anziehungskraft des Mondes – die hier schon fast unmessbar ist, sondern nur die Differenz zwischen Mond zugewandter und Mond abgewandter Seite der Zelle.

    Ich vermute, die Autoren der Studie haben die Größe dieses Wertes berechnet und in ein Verhältnis zu den möglichen gravitativen Störungen durch vorbei gehende Menschen, vorbeifahrende Autos usw. gesetzt. Ich habe das tatsächlich gemacht und der postulierte, durch den Mond verursachte intrazelluläre "Tidenhub" ist wahrlich verschwindend gering im Vergleich zu allen möglichen alltäglichen Störungen. Ganz abgesehen davon dass die Schwerkraft Differenz ohnehin nur auf Objekte unterschiedlicher Dichte wirkt, auf gelöste Stoffe innerhalb von Zellmenbranen beispielsweise so gut wie überhaupt nicht. Was beispielsweise dazu führt dass Zellbestandteile selbst in einer Ultrazentrifuge nur schwer voneinander zu trennen sind.

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    Im Orbit ist der lunare Zyklus deutlich schneller...
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    Aha? Der lunare Zyklus wird durch den Umlauf des Mondes um die Erde bestimmt und ändert sich nicht willkürlich, wenn sich ein Objekt in der Erdumlaufbahn befindet.

    Was sich ändert sind die geometrischen Positionen von "Testobjekt", Mond, Erde und Sonne. Es ist natürlich richtig, dass die ISS und die Testobjekte in etwa 93 Minuten eine um 12.700 + 800km Änderung des Abstandes zum Mond durchführen. Wie im Übrigen auch zur Sonne, sowie durch die Elipsenbahn der ISS auch ein gutes Stück Differnz im Erdabstand. Während sich in der Zeit die Geometrie zwischen Sonne Erde und Mond nur um eine Winzigkeit geändert. Die beobachteten Zyklen entsprechen also mit hoher Präzision der Position zum Mond und nicht etwa dem der Sonne? Dieser Zyklus unterscheidet sich in seiner Länge ja nur wirklich minimal vom "Mond Zyklus". Die Messungen müssen also eine außerordentliche Präzision aufweisen um diese Differenz in den Daten überhaupt erkennen zu können. Das müssen dann allerdings andere Diagramme sein als die die in dem Papier veröffentlicht wurden. Da sind die Zyklen und Korrelationen schon sehr "ungefähr".

    Meine Hochachtung an die Wissernschaftler, die all diese Störungen aus den Beobachtungen heraus gerechnet haben, sodass kein Einfluss der wechselnden Beleuchtung durch den Umlauf und der Eigen Rotation der ISS, durch die gravitativen(?) Einflüsse von Erde und Sonne sowie durch die Besatzung und das Equipment der ISS mehr erkennbar ist.

    Die Beleuchtung der Pflanzen durch den Mond wurde natürlich ausgeschlossen? Nicht dass eine lichtempfindliche Pflanze auf das reflektierte Licht des Mondes reagiert und am Ende das Ergbenis verfälscht.

    Im Übrigen habe ich in dem verlinkten Papier überhaupt keinen Hinweis gefunden, dass Beobachtungen auf der ISS diese These unterstützen würden. Da habe ich wohl nicht sorgfältig genug gelesen.

    Ich bezweifle nicht, dass Herr Barlow etwas wichtiges gemessen hat. Ich bezweifle allerdings die Behauptung, dass die Ursache dafür ein durch die differenzielle Mond Gravitation an der Pflanze oder in der Zelle ausgelöster "Tidenhub" sein soll. Diese Annahme halte ich für sehr ... spekulativ.
  • Paradies?

    19.08.2015, bossel
    "Davor lebten die Menschen quasi im "Paradies". Aus dem wir vertrieben wurden."

    Das ist totaler Nonsens. Wenn es Sie interessiert, können Sie sich folgendes ja mal durchlesen:
    Proving communal warfare among hunter-gatherers: The quasi-rousseauan error
    http://onlinelibrary.wiley.com/enhanced/doi/10.1002/evan.21446/

    Darin geht es zwar hauptsächlich um Jäger & Sammler, aber mit Aufkommen der Landwirtschaft (& dazugehörigen Territorialansprüchen) wird es kaum besser geworden sein.