Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Schutz vor Psychose? Wohl kaum!

    23.11.2012, Renate FitzRoy
    Den Satz, dass eine "skeptische" Grundhaltung vor Psychosen schützt, halte ich für gewagt, wenn man sich einmal überlegt, was alles eine Psychose auslösen kann. Ich nenne nur Überarbeitung, Hormonumstellungen, traumatische Erlebnisse...

  • Eugenik? Nein Danke!

    22.11.2012, Andreas Micheler
    "Ziel ist es letztlich, Behandlungsmöglichkeiten zur Verbesserung der psychischen Belastbarkeit zu entwickeln."

    Das darf doch nicht wahr sein! Ich bin empört darüber, eine Aussage wie diese gerade in einem Wissenschaftsmagazin zu lesen! Es kann doch nicht Ziel der Gesellschaft sein,
    Menschen zu züchten, die aufgrund ihrer genetischen Disposition eine höhere psychische Belastbarkeit haben.
    Leute, lasst doch die natürliche Vielfalt so, wie sie sich natürlich entwickelt! Das riecht ganz übel nach der Eugenik im Nazi-Regime!

    Denn es kann durchaus Sinn machen, wenn sich ein Trauma so stark äußert: Dadurch kann sich auf lange Sicht nämlich die Gesellschaft wandeln und es entsteht gesellschaftlicher Druck, solche Traumata zu vermeiden: Durch Aktivität solcher Traumatisierten, auch politische Aktivität, neue Gesetze zum Beispiel, die helfen, Handlungen, die bei anderen Lebewesen zu Traumata führen, zu verhindern
    durch entsprechende Strafen und sogar durch Bonus-Malus-Systeme.

    In der Psychiatrie entstehen viele schwere Traumata durch die leider immer noch praktizierte Zwangsbehandlung,
    die in Deutschland seit 17.7.2012 offiziell illegal ist:
    (Der Bundesgerichtshof hat DEN Meilenstein in der Überwindung der Zwangspsychiatrie bekannt gegeben: Keine gesetzliche Grundlage für eine betreuungsrechtliche Zwangsbehandlung die beiden Entscheidungen im Einzelnen: XII ZB 99/12 und XII ZB 130/12)

    Es ist im Allgemeinen schlecht, seine eigene Verantwortung zu ignorieren. Wenn die öffentliche Meinung durch Beiträge wie diesen gesteuert wird, nimmt der Verlag von "Spektrum der Wissenschaft" seine Verantwortung nicht genug wahr.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Micheler,

    vielen Dank für Ihre engagierte Zuschrift. Wir halten es generell für sinnvoll, Ziele der Forschung (oder einzelner Forscher) tatsächlich auch (neutral) darzustellen - nur so kann ja auch ein öffentlicher Dialog darüber beginnen, ob diese Ziele von der Gesellschaft als erstrebenswert angesehen werden.

    Mit freundlichem Gruß,
    Jan Osterkamp
    (Redaktion Spektrum.de)
  • Imaginäre Einheit

    22.11.2012, Martin Lehl, München
    Auf Seite 46 Ihres aktuellen Hefts heißt es: "Dabei ist i die imaginäre Zahl Wurzel(-1)". Diese Formulierung ist unglücklich. Die Wurzelfunktion bildet von den
    nichtnegativen reellen Zahlen in die nichtnegativen reellen Zahlen ab, d. h. für die reelle Zahl a mit a größer oder gleich null liefert Wurzel(a) die nichtnegative reelle Lösung der Gleichung x^2 = a. Zunächst ist Wurzel(-1) also nicht definiert. Die Gleichung x^2 = -1 besitzt die beiden komplexen Lösungen i und -i. Auf dem Körper der komplexen Zahlen lässt sich keine Ordnungsrelation (größer, kleiner) definieren. Somit kann man nicht einfach die Lösung wählen, die größer oder gleich null ist. Die Interpretation Wurzel (-1) = i lässt eine einfache mathematische Spielerei zu: -1 = i^2 = i*i = Wurzel(-1)*Wurzel(-1) = Wurzel((-1)* (-1))= Wurzel((-1)^2) = Wurzel(1)= 1, was offensichtlich falsch ist, denn sonst hätten wir gerade gezeigt, dass -1 = 1 gilt. Der Fehler dieser "Rechnung" besteht darin, dass die Rechenregel Wurzel(a)*Wurzel(b) = Wurzel(a*b) nur für nichtnegative reelle Zahlen a und b gilt. Es müsste also geklärt werden, in welchem Sinn der Autor die Wurzelfunktion auf negative Zahlen erweitert. Man sollte den Satz "Dabei ist i die imaginäre Zahl Wurzel(-1)" einfach durch "Dabei ist i die imaginäre Einheit" ersetzen.
  • Preiswürdig

    21.11.2012, Fritz Kronberg
    Für diese Art Erkenntnisse wurde der Ig-Nobelpreis geschaffen.
    Antwort der Redaktion:
    Hallo Herr Kronberg,

    es handelt sich ja sogar weniger um empirisch gewonnene Erkenntnisse als um eine Spekulation. Allerdings, fanden wir, um eine recht interessante. So gesehen vielleicht tatsächlich ein Fall für den IG-Nobelpreis?

    Viele Grüße,
    Jan Osterkamp
    (Redaktion Spektrum.de)
  • Quantenmechanische Unbestimmtheiten und Entscheidungsfreiheit

    21.11.2012, Gunter Berauer, München
    Herr Springer baut seinen Beitrag unter anderem auf der Annahme auf, dass die Vorgänge in der Mikrophysik reversibel seien. Das ist aber leider nicht korrekt. Die newtonsche Theorie beschreibt zwar alle Geschehnisse als reversible Vorgänge, auf atomaren Skalen gilt diese Theorie aber definitiv nicht mehr. In der Mikrophysik gilt die Quantenmechanik, nach der bei allen Wechselwirkungen eines Teilchens mit seiner Umwelt durch den quantenmechanischen Zufall beim Kollaps der Wellenfunktion die Reversibilität immer wieder gestört wird. Die Wellenfunktionen sind zwar zeitsymmetrisch, sie beschreiben die Entwicklung der Auftrittswahrscheinlichkeiten von Ereignissen (nicht die Ereignisse selbst) aber ausschließlich für die Zeit zwischen zwei Wechselwirkungen, wie etwa zwischen zwei Zusammenstößen eines Gasteilchens mit einem anderen. Durch die zufallsbedingten Unschärfen bei den vielen Kollisionen der Teilchen in einem Gas wird selbst der Weg eines einzelnen Teilchens in hohem Grade irreversibel. Diese Sicht ist übrigens nicht meine persönliche Meinung, sondern entspricht der gängigen Interpretation der Quantenmechanik. Die Richtung des Zeitpfeils hat deshalb weniger mit Emergenz als vielmehr mit der Quantenmechanik zu tun.

    Noch etwas zur Freiheit: Mit den quantenmechanischen Unbestimmtheiten kann man Entscheidungsfreiheit zwar noch nicht vollständig erklären, da stimme ich Herrn Springer zu. Der durch die Quantenmechanik begründete Indeterminismus unserer Welt ist aber, auch nach Ansicht etlicher Philosophen, dennoch eine notwendige Voraussetzung für die menschliche Freiheit.
  • Nachhaltige Therapie für neurodermitiskranke Kinder - Gewinn an Autonomie und Gesundheit

    20.11.2012, Katrin Grella, Leipzig
    Warum meidet die Wissenschaft so konsequent den Blick nach Gelsenkirchen in die dortige Städtische Kinderklinik? Das ist mir schon immer ein Rätsel. Als Mutter eines stark von Neurodermitis betroffenenen Kleinkindes haben wir das dort erprobte und erfolgreiche Behandlungsmodell kennen gelernt und selbst mit Erfolg absolviert. Wie viele andere vor und nach uns auch. Bitte dort informieren. Für Betroffene unbedingt empfehlenswert!!! Alles Gute.
    http://www.kjkge.de/Inhalt/Fachbereiche/Paediatrische_Psychosomatik_Allergologie_und_Pneumologie/Behandlungsspektrum/Neurodermitis.asp
  • Unklarheiten im Bezug auf die Gegenstands- und die Beobachterebene

    20.11.2012, Arno Ros, Magdeburg
    Ich schätze Ihre durchweg eingängig geschriebenen und anregenden Artikel sehr - was nicht heißt, dass ich ihnen immer inhaltlich zustimmen kann. Für Ihren Beitrag über "Komplexität und Emergenz" zum Beispiel scheint mir eine nicht hinreichend herausgestellte, und keineswegs nur bei Ihnen zu beobachtende Doppeldeutigkeit im Gebrauch des Wortes "Emergenz" kennzeichnend zu sein.

    "Emergenz" wird ja üblicherweise, wie Sie selber schreiben, für das "Entstehen" eines bestimmten Phänomens verwendet, und damit also, wie man meinen sollte, für ein bestimmtes, in der Zeit ablaufendes Geschehen, das im Normalfall durch bestimmte Faktoren bewirkt oder zumindest begünstigt worden ist. Beim von Ihnen unter anderem verwendeten Beispiel der "Emergenz" eines makrophysikalischen Systems aus einer immensen Menge kleiner physikalischer Teilchen aber handelt es sich natürlich nicht um ein in der Zeit ablaufendes, durch bestimmte Faktoren beeinflusstes Geschehen. Das, was hier abläuft, spielt sich gar nicht auf der Objektebene ab, sondern auf der Ebene des Beobachters: dadurch, dass dieser von einem Begriffs-, einem Beschreibungssystem (dem der Mikrophysik) zu einem anderen (dem der Makrophysik) übergeht.

    Diesen Umstand in Rechnung zu stellen, ist unter anderem deswegen wichtig, weil man sich darüber im Klaren sein sollte, dass der mal objekt- und mal beobachterbezogene Gebrauch von "Emergenz" mit unterschiedlichen Erklärungswünschen verknüpft werden kann: Objektbezüglich gebraucht ist beispielsweise die Frage danach, wie sich die "Emergenz" (Konrad Lorenz: die "Fulguration") von Lebewesen aus Anhäufungen chemischer Stoffe erklären lässt, eine Frage der Evolutionsbiologie. Dieselbe Frage beobachterbezüglich verstanden läuft hingegen auf die Frage hinaus, ob es möglich ist, methodisch nachvollziehbare Schritte zu benennen, die es uns erlauben, von einer Beschreibung eines bestimmten Phänomens als eine Anhäufungen chemischer Stoffe zu einer anderen Beschreibung zu wechseln, der zufolge es sich hier um ein mehr oder weniger komplexes Lebewesen handelt.

    Eine weitere wichtige Implikation der genaueren Differenzierung zwischen dem gegenstands- und dem beobachterbezogenen Gebrauch des Begriffs "Emergenz" betrifft - wie ich hier allerdings nur andeuten kann - die von Ihnen ebenfalls angeschnittene Frage der "Realität" emergenter Phänomene. Normalerweise versuchen wir die Frage, ob es Gegenstände einer bestimmten Art tatsächlich gibt, ja dadurch zu klären, indem wir prüfen, ob sich mindestens ein Gegenstand direkt oder indirekt sinnlich nachweisen lässt, der unter einen bestimmten Begriff fällt. Eine zentrale Voraussetzung dafür ist aber natürlich, dass der betreffende Begriff als ein methodisch einwandfreier Begriff gelten darf. Da dies beispielsweise auf Begriffe wie (als Substanzen verstandene) "Geist" oder "Seele" nach allem, was wir gegenwärtig wissen, nicht zutrifft, "gibt es" keine Geister oder Seelen. Da wir hingegen auf der anderen Seite keine Probleme haben, Begriffe für z. B. alltagsweltliche Gegenstände wie Stühle oder Tische als methodisch unproblematisch aufzufassen, und da sich natürlich tatsächlich Gegenstände sinnlich nachweisen lassen, die unter diese Begriffe fallen, spricht nichts dagegen, Stühle oder Tische als "reale" Gegenstände aufzufassen - auch wenn man natürlich versuchen könnte, sich ihnen mit Begriffen der Mikrophysik zu nähern.

  • Guetekriterien?

    20.11.2012, Jeremias Grynspan
    Ich frage mich, wie bei einem alltagspsychologisch bekannten (und wissenschaftlich umstrittenen) Konstrukt, anthropogenen und offensichtlich unscharfen Antwortkriterien und fuer psychologische Beobachtungen ungeschulten Ratern eine reliable, valide und objektive Messung zustande kommen soll.
  • Vorsicht, Fehler

    19.11.2012, M.L. Winz
    Hier haben sich Fehler eingeschlichen. Die Poren bestehen nicht, wie beschrieben aus Alpha-Helices (diese wären bei Proteinen/Peptiden, jedoch nicht bei DNA zu finden), sondern aus Doppel-Helices. Außerdem sind es laut Originalartikel 54, nicht 48 davon, die zusammen die Nanopore bilden.
    Mit freundlichen Grüßen
    Antwort der Redaktion:
    Vielen Dank, es muss natürlich "Doppelhelix" heißen. Die Anzahl der Helices im Text ist allerdings korrekt: Sechs der Elemente bilden die Pore, die restlichen 48 nur den kürzeren Kragen - zusammen die im Originalartikel genannten 54.
  • Feigenblatt praktische Anwendungen

    19.11.2012, Harald Kirsch, Düsseldorf
    So gerne ich Spektrum der Wissenschaft auch lese, den nahezu zwanghaften und teilweise an den Haaren herbeigezogenen Hinweis auf die möglichen praktischen Anwendungen einer Forschung finde ich unnötig und störend. Ein aktuelles Beispiel ist der Artikel über den Physiknobelpreis. Wenn sogar der Nobelpreisträger Serge Haroche damit zitiert wird, dass er seine Forschung primär als Grundlagenforschung versteht, dann könnte man es doch dabei belassen. Der Hinweis auf Quantencomputer scheint mir fast reflexartig in jeden Artikel über Quantenphysik eingefügt zu werden. Ich würde nichts vermissen, wenn Grundlagenforschung in Spektrum der Wissenschaft als solche dargestellt wird. Die Rechtfertigung durch praktische Anwendung ist im Unterschied zur Rechtfertigung durch reinen Erkenntnisgewinn eher schwach.
  • Ereignishorizont

    19.11.2012, Manfred E.
    Diese Galaxie ist für mich gesehen, jenseits unseres gegenwärtigen Ereignishorizontes.
    Wir leben somit in einer sehr interessanten und ereignisreichen Zeit.
    Schauen wir zu, was noch alles auf uns zukommt.
  • Der Sinn der Übung?

    19.11.2012, Robert Orso
    Das mag wissenschaftlich ja recht interessant sein. Ob es vertretbar ist, ein komplettes, funktionierendes Ökosystem eines Sees zu Testzwecken absichtlich zu zerstören, wie es beim Tuesday Lake offenbar geplant ist, möchte ich allerdings bezweifeln.

    Was ist der zu erwartende Nutzen bei der Aktion? Man will feststellen, ob und wie weit im Voraus man das Umkippen erkennen kann und mit welchen massiven Mitteln es dann noch abgewendet werden kann. Man will also feststellen, wie weit man ein Ökosystem 'beherrschbar' an den Rand des Zusammenbruchs treiben kann.

    Das wird wohl kaum dazu führen, dass ökologischer Missbrauch möglichst frühzeitig abgestellt wird, sondern eher dazu, dass man noch ein wenig weiter macht, weil das System doch noch nicht ganz am Absterben ist und man das kurz vor dem endgültigen Kollaps (vermutlich) noch wieder irgendwie gerade biegen kann. Die Kosten der Sanierung muss dann natürlich die Allgemeinheit tragen.

    Eine neue Variante der ewig gleichbleibenden Mentalität: Wir wissen, dass unser Handeln in die Katastrophe führt, aber gerade jetzt können gerade wir leider nichts dagegen tun. Wenn es WIRKLICH brenzlig wird, werden andere nach uns schon eine Lösung finden. Und ein Bisschen geht's ja noch.

    Wer finanziert solche Studien?
  • Ökonomische Lithium-Einsenphosphat-Batterie-Zelle 26650

    18.11.2012, otto krammer
    kostet derzeitFOB China 0,32€ pro Watt Ladevermögen, bei garantierter 2.000 facher Wiederaufladung zu 80% Beständigkeit, also über 10 Jahre Lebensdauer, Tendenz fallend. So wird sich die Lithiumbatterie immer mehr durchsetzen.
  • Wie rechnet sich das?

    16.11.2012, Joachim Blechle
    Ich lese das so:
    420 Mio. Jahre nach dem Urknall, das sind 3 % des bisherigen Alters des Universums, sendete die Galaxie Licht aus, welches dann 13,3 Milliarden Jahre bis zur Erde brauchte und hier vom „Hubble“ Teleskop empfangen wurde. Die Galaxie dürfte dann jetzt so ca. 440 Milliarden Lichtjahre (13,3 x 100:3) von uns entfernt sein. Vielleicht aber noch weiter, da sich das Universum ja beschleunigt ausdehnt.
    Frage: Wie rechnen Sie das?
  • Quid pro quo

    15.11.2012, Gilbert Brands
    In den vergangenen Zwischeneiszeiten war es mehrfach erheblich wärmer (im Mittel) als heute, und weder ist das Eis komplett geschmolzen noch sind Eisbären und Robben ausgestorben.

    Ich denke allmählich über ein typisches James-Bond-Szenarium nach: wenn Leute mit dem eigenen Vorgarten nicht mehr zufrieden sind und anfangen, selbstherrlich mit der ganzen Welt spielen zu wollen, ist es Zeit, sich zu überlegen, wie man sie erschlagen kann.

    Das eigentliche Kernproblem - die maßlose Überbevölkerung der Erde durch die Spezies Mensch - wird leider nirgendwo berücksichtigt. Im Gegenteil: die in einigen Industriestaaten zu beobachtende Umkehr der Bevölkerungsdichte, die man mit einigem guten Willen auch als Reaktion der Natur auf den Störfaktor betrachten kann, wird politisch massiv durch Massenimmigration aus "demografischen Gründen" ausgebremst.