Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Gensprungaktivität und Vernetzungsdichte

    16.10.2012, Dieter Eichrodt, Glengarriff (Irland)
    Zwar enthält jede Nervenzelle, ebenso wie jede Zelle jedes anderen Gewebetyps, das vollständige Genom eines Organismus. Aber die Autoren weisen zu Recht darauf hin, dass es das Verschaltungsmuster der rund 100 Milliarden Nervenzellen ist, und nicht das einzelne Neuron, das die Unterschiede zwischen Gehirnen ausmacht. Der Gensprungmechanismus, den die Autoren beschreiben, ist ein innerzellulärer Prozess, der in allen betroffenen Neuronen parallel, aber jeweils zufallsbedingt, d. h. völlig unkoordiniert abläuft. Dann stellt sich die Frage, wie davon eine Nettowirkung auf den Phänotyp ausgehen kann. Auf welche Weise werden die innerzellulären Gensprünge – wenn überhaupt - im Verschaltungsmuster der Nervenzellen wirksam? Andererseits deuten die Autoren an, dass die Gensprünge, zunächst ohne Einfluss auf das Verschaltungsmuster, einzelne Neuronen hervorbringen können, "mit deren Hilfe das Gehirn ungewohnte Herausforderungen besonders gut bewältigen kann". Könnte es, im Gegensatz hierzu, aber im Einklang mit der Verschaltungshypothese sein, dass eine insgesamt höhere Gensprungaktivität in einer bestimmten Gehirnregion, dort zu einer korrelierten höheren Vernetzungsdichte der Neuronen führt? Aber auch eine solche Außenwirkung des stets nur innerzellulären Gensprungmechanismus bedürfte noch der Erklärung.
  • @Peter Kantheimer

    16.10.2012, Werner Kohl
    Wie kommen Sie auf die Idee, dass das Hadley Center sowie das CRU nicht den gesamten Planeten abbilden? Deren Daten sind global erhoben und gelten als exzellente Referenz.

    Im Posting #3 bezog ich mich auf den Messdatensatz HadCRUT3.
    Inzwischen gibt es aktualisierte Daten, die die britische Daily Mail zu einem Artikel veranlasste:
    http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2217286/Global-warming-stopped-16-years-ago-reveals-Met-Office-report-quietly-released--chart-prove-it.html
    Demnach stoppte die globale Erwärmung bereits vor 16 Jahren.
    Die Kernaussage des Artikels von Prof. Rahmstorf "Der Trend geht klar nach oben" finde ich daher in den aktuellen Daten des Met Office nicht wieder.
  • Implementierungen in Show Laser Systemen

    15.10.2012, Norbert Stangl
    In den Show Laser Systemen der Pure Micro Serie wurden bereits erste Arrays mit diesen grünen Dioden von Osram verbaut. Das Modulationsverhalten ist sehr gut, allein die geringe Leistung erfordert die optische Kopplung im Array:
    http://www.laserworld.com/de/show-laser-kaufen/swisslas-laserworld-pure-micro-serie/laserworld-pm-800rgb-pure-diode-show-laser-display-system-45-detail.html

    Eine vielversprechende Entwicklung und speziell für professionelle Anwendungen interessant!
  • Naturwissenschaftler sind (eigentlich) die besseren Ethiker

    15.10.2012, Hans-Jürgen Steffens, Zweibrücken
    Entspannt am Frühstückstisch sitzend bin ich (sehr) versucht, hier einige Gedanken zum Streitgespräch zu formulieren. Sicher etwas "quick und dirty", aber vielleicht doch hinreichend authentisch, um auf Interesse stoßen zu können.

    Das Erste, was mir beim Lesen auffiel: Was sind die Thesen von Herrn Wiesing? Die Thesen von Herrn Lehrach lassen sich leicht identifizieren: Individualisierte Medizin führt zu weniger unmittelbaren "Menschenversuchen", gezielterer ("customisierter") Medikamentenanwendung und damit einhergehender Reduktion von unangenehmen respektive dramatischen Nebenwirkungen.

    Suche ich dagegen die Standpunkte von Herrn Wiesing, dann sehe ich mich im Nebel stochern. Ich lese: Die Versprechungen der genetischen Grundlagenforschung erscheinen nicht realistisch. Es sind noch keine Medikamente hieraus entstanden. Die Leute sollen sich mehr bewegen und generell gesünder leben. Seine weiteren Standpunkte: "Die Ärzte sollen gut beraten. Das ist eine komplexe Aufgabe ... Derlei Beratung kostet und muss finanziert werden."

    Where is the meat?

    Etwa die Aussage, dass wir "drängendere Probleme haben" als die Forschungen von Lehrach? (Das ist nebenbei bemerkt, nicht die einzige Ausweichbewegung unseres Philosophen.)

    Und dort, wo er konkret wird, irrt er sich auch noch: "Alle bisherigen Medikamente, die Leistungen des Menschen nachweislich verbessern können, haben langfristig fürchterliche Nebenwirkungen". Nennen wir doch das Kind beim Namen und sprechen wir von Doping im Sport. Die Nebenwirkungen dort sind in der Regel alles andere als fürchterlich. Sie sind bei Licht betrachtet so gering, dass die Strahlkraft leistungsfördernder Mittel ungebrochen ist: Angst haben die Athleten nicht vor den pharmakologischen Nebenwirkungen, sondern den juristischen.

    Nun könnte man den letzten Schluck Kaffee trinkend über das Streitgespräch hinweggehen, wäre da nicht die Macht und der Einfluss, die Personen wie Wiesing in Ethikkommissionen ausüben (und sie üben Macht aus). Er soll einer der renommiertesten sein - lese ich.

    Lassen Sie es mich einmal so zusammenfassen: Von Lehrach würde ich mir eine Marsrakete bauen lassen - und sie würde mich hinbringen. Wiesach ließe ich das Missionsemblem entwerfen lassen und den zugehörigen Wahlspruch, da könnte er wenigstens kein Unheil anrichten. ;-)
  • Nachholbedarf zur Zusammenarbeit im Naturschutz und Umweltsektor

    13.10.2012, Dr. Hans-Joachim Scheel, Diplombiologe im Fach Zoologie
    in manchen Bereichen muss es noch eine engere Zusammenarbeit in der EU geben: im Naturschutz und Artenschutz gibt es noch viel zu tun. weil es hier eine mangelnde Zusammenarbeit eines Mitgliedstaates (Deutschland) im konkreten Fall der Ortsumgehung Reisbach, Niederbayern gibt. sowohl die FFH-RL der EU als auch das Schutzprojekt Natura 2000 wurde dort mit Füßen getreten. meine EU-Beschwerde diesbezüglich bei der Umweltkommission läuft schon und wird gerade geprüft.
  • engere Zusammenarbeit ist in allen Bereichen dringend notwendig

    13.10.2012, dDr. Hans-Joachim Scheel freischaffender Biologe und Autor
    leider ist eine engmaschige Zusammenarbeit in der EU noch nicht in allen Bereichen erreicht, im Naturschutz und Umweltbereich gibt es noch viel zu tun um die FFH-RL und das Projekt Natura 2000 voran zu bringen
  • die Seiteneffekte (Side-Effects) des Nobelpreises

    12.10.2012, Walter H.
    Da dieser Preis doch sehr hoch dotiert ist, wäre es doch nur richtig - auch im Sinne des Friedens - dies unter den Ärmsten der Armen INNERHALB der EU gleichberechtigt und gleichmäßig zu verteilen;
    Denn: wer ist denn die EU? Das sind wir alle; rein aus Solidarität sollte dieses Kapital zu Gunsten der Armen umverteilt werden;
    Nicht die Politiker haben diesen verdient, sondern das Volk,
    denn ohne jeden einzelnen EU-Bürger würde es auch keine EU-Politiker geben ...
  • Gleichgeschlechtliche Eltern noch nicht gleich gestellt

    12.10.2012, Daphne Köhler, Wald-Michelbach
    Gespannt war ich auf den Artikel „Vielfalt der Familie: Problem, Herausforderung und Chance“ im Spektrum der Wissenschaft Oktober 2012. Beim ersten Durchblättern war ich erfreut zu sehen, dass sowohl Regenbogenfamilien als auch verschiedene Formen von Stieffamilien erwähnt werden. Beim Lesen hingegen stellte ich fest, dass die Formulierungen, die die eingetragene Lebenspartnerschaft betreffen, zumindest missverständlich sind. Als wichtigster Punkt: Die eingetragene Lebenspartnerschaft ist der Ehe nicht gleichgestellt, weder im Erbrecht noch im Finanzrecht noch im Adoptionsrecht. Ein lesbisches Paar, dass inseminieren lassen möchte, wird nicht überall einen Gynäkologen finden, der dies tut, da der Arzt sich in einem Graubereich befindet. Im Gegensatz zu einem Ehepaar, das sich zur Insemination entschließt, muss die Komutter das Stiefkind adoptieren – mit allem, was dazugehört, einschließlich Besuch des Jugendamts. Beim Ehepaar ist der Ehemann automatisch Vater, wenn das Kind in der Ehe gezeugt wurde. Je nach Bundesland wird die Stiefkind-Adoption auch unterschiedlich spät möglich, was für die betroffenen Eltern belastend ist, da sie bis zu diesem Zeitpunkt gesetzlich Nichteltern sind und demzufolge keine Rechte haben, im schlimmsten Fall beim Tod der Mutter das Kind verlieren. Schwule Paare können auch nicht als Paar adoptieren, sondern nur als Einzelperson, womit der Adoptierende in der Paarbeziehung der einzige rechtliche Erziehungsberechtigte ist, mit aus diesem Grund sind die Jugendämter auch zurückhaltend ein Kind in eine eingetragene Partnerschaft zu vermitteln. Im Fall einer Trennung hat der Partner weder ein Umgangsrecht noch das geteilte Sorgerecht.
    Antwort der Redaktion:
    Sie weisen zu Recht darauf hin, dass die eingetragene Partnerschaft der Ehe (noch) nicht gleichgestellt ist - was nicht zuletzt vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe reklamiert wurde. Entsprechend wird im Artikel auch nur von einer weit gehenden Gleichstellung gesprochen. Grundsätzlich können zwar auch in eingetragenen Lebenspartnerschaften Kinder adoptiert werden, jedoch stehen solchen Paaren nicht alle Adoptionsmöglichkeiten offen. So werden Kinder anderer Eltern oder Waisen nahezu ausschließlich an verheiratete Paare vermittelt. Eine gute Begründung dafür gibt es allerdings nicht, schließlich hat die Forschung gezeigt, dass die Entwicklung und das Wohlergehen von Kindern nicht vom Geschlecht der Eltern oder der rechtlichen Form abhängen. In dieser Sache und auch in anderen von Ihnen angesprochenen Bereichen wird die eingetragene Lebenspartnerschaft gegenüber der Ehe noch benachteiligt. Fragwürdig ist zudem, warum gleichgeschlechtliche Paare keine Ehe eingehen dürfen. Dennoch darf nicht übersehen werden, dass in den letzten Jahrzehnten bereits erhebliche Fortschritte in der Gleichstellung gemacht wurden. Dieser Weg muss noch weiter beschritten werden, so dass - wie es am Ende des Artikels heißt - soziale Sicherheit und Lebensarrangement entkoppelt werden. Rechte und Pflichten werden also nicht vom gelebten Familienmodell und Geschlecht der Fürsorgenden bestimmt.

    Klaus Haberkern, Zürich
  • Urgliedertier hat rezente Verwandte

    11.10.2012, Dr. Hans-Joachim Scheel, Diplombiologe im Fach Zoologie
    Dem Urgliedertier ist der noch heute lebende Kleinkrebs Lepidurus apus sehr ähnlich: Auch er hat zwei Schalen, einen beweglichen Schwanz und ist meist am Gewässerboden zu finden.
    Antwort der Redaktion:

    Stimmt, die Verwandtschaft des "Urzeitkrebses" Lepidus mit seinem frühen Ahnen aus dem Kambrium ist unverkennbar - das Modell hat sich offensichtlich bewährt. (Ein paar Details - man vergleiche etwa die Augen und Extremitäten - hat die Evolution natürlich im Laufe der Jahrmillionen noch dazu erfunden) ...

    Grüße an alle Gliedertierfreunde,
    jo
  • Lob

    11.10.2012, Alex Pelzer (Schweiz)
    sehr guter artikel
  • AMO durchaus prognostizierbar

    10.10.2012, Kai Abt
    "Wann die AMO wieder in die vorherige Phase ihres Zyklus schwingt, ist nach Ansicht der beiden Forscher noch völlig unklar." — Völlig unklar?! Die AMO zeigt doch eine sehr regelmäßige Fluktuation mit ca. 60-jähriger Periodenlänge. (http://de.wikipedia.org/wiki/Atlantische_Multidekaden-Oszillation). Manche Forscher sehen das als Ergebnis astronomischer Einflüsse. Die derzeit tonangebenden, ganz auf Klimagase fixierten Vertreter scheinen dagegen bemüht, vorsorglich jede feste Periodizität bei Klimaschwankungen zu leugnen. Diese Position wird sich auf Dauer wohl nicht halten lassen. Den nächsten Tiefpunkt der AMO kann man jedenfalls um 2035 herum erwarten.
  • Mal ein Auge zu kneifen ...

    08.10.2012, Anne Simon
    Jetzt wissen wir endlich, woher diese Redensart kommt!
  • Widersinn?

    08.10.2012, Dieter Götzl
    Brian Hayes schreibt in seinem ansonsten interessanten und lesenswerten Artikel, dass es widersinnig sei, dass "das Maximum [der auf die Menge der reellen Zahlen erweiterten Funktion V(n;1)] nun auch noch bei einer nicht ganzzahligen Dimension erreicht wird". Ist es das wirklich?

    Jedem Schüler wird früh eingebläut, dass eine Funktion nicht allein durch die Funktionsgleichung definiert ist, sondern dass zusätzlich immer auch der Definitionsbereich angegeben werden muss. Anders ausgedrückt: Bei unterschiedlichen Definitionsbereichen handelt es sich nicht mehr um die gleiche Funktion. Verschiedene Funktionen nehmen sich aber durchaus manchmal das Recht, z. B. das Maximum an verschiedenen Stellen zu haben. Man kann also nicht ernsthaft erwarten, dass bei einer Erweiterung des Definitionsbereichs eine Funktion ihr Maximum für eine Zahl annimmt, die noch in der ursprünglichen Menge liegt.

    Die Funktion V(n;1) hat ihr Maximum bei n = 5, wenn n die Menge der natürlichen Zahlen durchläuft, und bei n = 5,2569..., wenn als Definitionsbereich die Menge der reellen Zahlen zugrundegelegt wird. Eine Widersinnigkeit kann ich hier nicht erkennen. Auch den im Artikel sich anschließenden Ausflug in die Fraktale Geometrie hätte man sich daher sparen können.
    Antwort der Redaktion:

    Danke für die Klarstellung! Dass die Funktion V(n; 1) ihr Maximum bei dieser krummen Zahl annimmt, geht nur dem "wider den Sinn", der sich die Sache nicht bis zu Ende überlegt. Das sind zwar die meisten; aber "kontraintuitiv" statt "widersinnig" wäre das treffendere Wort gewesen.

    Christoph Pöppe, Redaktion

  • Stoßweises Ausatmen

    08.10.2012, Sauerwein, München
    Der Autor dürfte mit seiner These richtig liegen. Denn wenn man die Luft eine Zeit lang angehalten hat, genügt schon ein klein wenig ausatmen, damit der Atemdrang sofort spürbar nachlässt, offenbar auf Grund der mit dem teilweisen Ausatmen verbundenen Zwerchfellbewegung. *Das* kann man leicht selber ausprobieren.

    In der Konsequenz kann man durch stoßweises Ausatmen kleiner Atemvolumina die Stoppuhr für den Atemzwang immer wieder auf null zurücksetzen, bis keine Luft zum Ausatmen mehr vorhanden ist. Ich glaube mich erinnern zu können, mit zusätzlichem vorherigem Hyperventilieren und mehrmaligem tiefen Ausatmen (um die verbrauchte Restluft vollständig aus der Lunge zu entfernen) in jungen Jahren auf zirka drei Minuten vom Luftanhalten über das Ausatmen bis zum nächsten Luftholen gekommen zu sein. Damals war ich im Glauben, dass diese drei Minuten unkritisch seien. Nach der Lektüre des Artikels ist mir jetzt klar geworden, dass man dabei körpereigene Kontrollmechanismen überlistet, wobei unter Umständen kritisch niedrige Sauerstoffwerte im Blut auftreten. Deswegen sei diese Methode auch nicht zur Nachahmung empfohlen, jedenfalls nicht ohne ärztliche Aufsicht!

    Interessant wäre zu wissen, was die asiatischen Perlentaucher anstellen, um ihre langen Tauchzeiten zu erreichen. Durch die niedrige Temperatur und den Wasserdruck sind die Bedingungen natürlich andere.
  • Gott und das Raum-Zeit-Kontinuum

    08.10.2012, Paul Kalbhen, Gummersbach
    Ganz so unglaubwürdig und primitiv, wie sie Joachim Datko darstellt, muss man die christliche Religion nicht unbedingt sehen, wenn man das oftmals archaische und gewalttätige Gottesbild des Alten Testamentes im Judentums, das auch auf den Islam abgefärbt hat, zu dem eines allgütigen und freimachenden Gottes sublimiert (auch der Rationalismus hat bisweilen archaische Züge angenommen, wenn man an Nationalsozialismus, Stalinismus und Maoismus denkt). Immerhin kann ich aus der Vergangenheit ein Dutzend Atom- bzw. Quantenphysiker anführen, die christlich orientiert waren: Planck, Bohr, Schrödinger, Heitler, von Laue, Sommerfeld, Born, Pauli, Dirac, de Broglie, Jordan, von Weizsäcker - oder waren sie allesamt "deppert"? Ich setze Joachom Datko meine "Überlegungen zur Existenz des christlichen Dreieinigen Gottes aus der Sicht der modernen Physik" entgegen:
    Nach den Aussagen der christlichen Dreifaltigkeitslehre ist „Gott-Vater“ allwissend, man könnte folgern, weil er als Schöpfer der Welt außerhalb unseres Raum-Zeit-Kontinuums existiert. Jesus Christus sagt dazu nach den Schriften der Evangelisten Markus 13,31-32 bzw. Matthäus 24,35-36: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.“ Man könnte folgern, dass selbst Jesus als „Gott-Sohn“ der räumlichen Begrenztheit unseres irdischen Wissens unterlag o;- trotz seines Anspruchs nach Johannes 8,58: „Noch ehe Abraham wurde, bin ich.“ Der theoretische Physiker Paul Davies teilt die Bedenken einiger neuzeitlicher Theologen, dass sich die Ewigkeit eines allwissenden Gottes und die Zeitlichkeit eines lebendigen Gottes ausschließen. Ich setze dagegen: Das Geheimnis der Dreieinigkeit Gottes löst dieses Problem - „Gott-Vater“ als Schöpfer der Welt, der allwissend außerhalb unseres Raum-Zeit-Kontinuums existiert; „Gott-Sohn“ als Mittler zwischen Gott und der Welt, der materiell in unserem Raum-Zeit-Kontinuum verweilte und göttliche Wahrheit - „Information“ - offenbarte; „Gott-Heiliger Geist“ als Erhalter der Welt, der ideell in unserem Raum-Zeit-Kontinuum wirkt und geistige Prinzipien überträgt (ich wage eine moderne Metapher: der Heilige Geist, die „Software“ Gottes in der Welt).
    Der Kirchenlehrer Thomas von Aquin, heilig gesprochener Dominikanermönch, schrieb schon im ausgehenden Mittelalter in bewundernswerter Klarheit der Gotteserkenntnis: „Gott hat weder Anfang noch Ende, er besitzt sein ganzes Sein auf einmal – worin der Begriff der Ewigkeit beruht.“ und „Göttliches Erkennen aber ist über der Zeit und wird nur an der Ewigkeit gemessen. Darum erkennt er die Dinge nicht, sofern sie in der Zeit, sondern sofern sie in der Ewigkeit, das ist gegenwärtig sind, und zwar sowohl die notwendigen wie auch die nicht notwendigen Dinge. So erkennt Gott alles als gegenwärtig in seiner eigenen Gegenwärtigkeit.“ Thomas von Aquin führte im 13. Jahrhundert ein rationales und analytisches Denken in die Theologie ein, das auf den Sinneswahrnehmungen des Menschen beruhte. Im Zuge der so genannten Aristotelesrezeption der mittelalterlichen Scholastik griff er auf die Erkenntnistheorie des vorchristlichen griechischen Philosophen Aristoteles zurück, dass auch Sinneserfahrung und Empirie dem Menschen Einblick in die „Wahrheit“, d. h. in das Wesen, die „Substanz“ der Dinge, erlauben – im Gegensatz zur scheinbar allein „wahren“ immateriellen Ideenwelt Platons, des Lehrers des Aristoteles, auf der Augustinus (um 400 n. Chr.) fußte. Thomas von Aquin übertrug diese Erfahrung auf die Gotteserkenntnis, dass nämlich das menschliche Denkvermögen Gott auch aus der sinnlichen Wahrnehmung, dem empirisch Gegebenen heraus begreifen könne, und begründete die Einheit von Glaube und Vernunft („fides et ratio“), welche die christliche Theologie maßgeblich beeinflusst und bereichert hat. Heutzutage könnte er geradezu als Kronzeuge für die metaphysische Synthese von Glaube und Naturwissenschaft angeführt werden.
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