Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Unklarheiten im Bezug auf die Gegenstands- und die Beobachterebene

    20.11.2012, Arno Ros, Magdeburg
    Ich schätze Ihre durchweg eingängig geschriebenen und anregenden Artikel sehr - was nicht heißt, dass ich ihnen immer inhaltlich zustimmen kann. Für Ihren Beitrag über "Komplexität und Emergenz" zum Beispiel scheint mir eine nicht hinreichend herausgestellte, und keineswegs nur bei Ihnen zu beobachtende Doppeldeutigkeit im Gebrauch des Wortes "Emergenz" kennzeichnend zu sein.

    "Emergenz" wird ja üblicherweise, wie Sie selber schreiben, für das "Entstehen" eines bestimmten Phänomens verwendet, und damit also, wie man meinen sollte, für ein bestimmtes, in der Zeit ablaufendes Geschehen, das im Normalfall durch bestimmte Faktoren bewirkt oder zumindest begünstigt worden ist. Beim von Ihnen unter anderem verwendeten Beispiel der "Emergenz" eines makrophysikalischen Systems aus einer immensen Menge kleiner physikalischer Teilchen aber handelt es sich natürlich nicht um ein in der Zeit ablaufendes, durch bestimmte Faktoren beeinflusstes Geschehen. Das, was hier abläuft, spielt sich gar nicht auf der Objektebene ab, sondern auf der Ebene des Beobachters: dadurch, dass dieser von einem Begriffs-, einem Beschreibungssystem (dem der Mikrophysik) zu einem anderen (dem der Makrophysik) übergeht.

    Diesen Umstand in Rechnung zu stellen, ist unter anderem deswegen wichtig, weil man sich darüber im Klaren sein sollte, dass der mal objekt- und mal beobachterbezogene Gebrauch von "Emergenz" mit unterschiedlichen Erklärungswünschen verknüpft werden kann: Objektbezüglich gebraucht ist beispielsweise die Frage danach, wie sich die "Emergenz" (Konrad Lorenz: die "Fulguration") von Lebewesen aus Anhäufungen chemischer Stoffe erklären lässt, eine Frage der Evolutionsbiologie. Dieselbe Frage beobachterbezüglich verstanden läuft hingegen auf die Frage hinaus, ob es möglich ist, methodisch nachvollziehbare Schritte zu benennen, die es uns erlauben, von einer Beschreibung eines bestimmten Phänomens als eine Anhäufungen chemischer Stoffe zu einer anderen Beschreibung zu wechseln, der zufolge es sich hier um ein mehr oder weniger komplexes Lebewesen handelt.

    Eine weitere wichtige Implikation der genaueren Differenzierung zwischen dem gegenstands- und dem beobachterbezogenen Gebrauch des Begriffs "Emergenz" betrifft - wie ich hier allerdings nur andeuten kann - die von Ihnen ebenfalls angeschnittene Frage der "Realität" emergenter Phänomene. Normalerweise versuchen wir die Frage, ob es Gegenstände einer bestimmten Art tatsächlich gibt, ja dadurch zu klären, indem wir prüfen, ob sich mindestens ein Gegenstand direkt oder indirekt sinnlich nachweisen lässt, der unter einen bestimmten Begriff fällt. Eine zentrale Voraussetzung dafür ist aber natürlich, dass der betreffende Begriff als ein methodisch einwandfreier Begriff gelten darf. Da dies beispielsweise auf Begriffe wie (als Substanzen verstandene) "Geist" oder "Seele" nach allem, was wir gegenwärtig wissen, nicht zutrifft, "gibt es" keine Geister oder Seelen. Da wir hingegen auf der anderen Seite keine Probleme haben, Begriffe für z. B. alltagsweltliche Gegenstände wie Stühle oder Tische als methodisch unproblematisch aufzufassen, und da sich natürlich tatsächlich Gegenstände sinnlich nachweisen lassen, die unter diese Begriffe fallen, spricht nichts dagegen, Stühle oder Tische als "reale" Gegenstände aufzufassen - auch wenn man natürlich versuchen könnte, sich ihnen mit Begriffen der Mikrophysik zu nähern.

  • Guetekriterien?

    20.11.2012, Jeremias Grynspan
    Ich frage mich, wie bei einem alltagspsychologisch bekannten (und wissenschaftlich umstrittenen) Konstrukt, anthropogenen und offensichtlich unscharfen Antwortkriterien und fuer psychologische Beobachtungen ungeschulten Ratern eine reliable, valide und objektive Messung zustande kommen soll.
  • Vorsicht, Fehler

    19.11.2012, M.L. Winz
    Hier haben sich Fehler eingeschlichen. Die Poren bestehen nicht, wie beschrieben aus Alpha-Helices (diese wären bei Proteinen/Peptiden, jedoch nicht bei DNA zu finden), sondern aus Doppel-Helices. Außerdem sind es laut Originalartikel 54, nicht 48 davon, die zusammen die Nanopore bilden.
    Mit freundlichen Grüßen
    Antwort der Redaktion:
    Vielen Dank, es muss natürlich "Doppelhelix" heißen. Die Anzahl der Helices im Text ist allerdings korrekt: Sechs der Elemente bilden die Pore, die restlichen 48 nur den kürzeren Kragen - zusammen die im Originalartikel genannten 54.
  • Feigenblatt praktische Anwendungen

    19.11.2012, Harald Kirsch, Düsseldorf
    So gerne ich Spektrum der Wissenschaft auch lese, den nahezu zwanghaften und teilweise an den Haaren herbeigezogenen Hinweis auf die möglichen praktischen Anwendungen einer Forschung finde ich unnötig und störend. Ein aktuelles Beispiel ist der Artikel über den Physiknobelpreis. Wenn sogar der Nobelpreisträger Serge Haroche damit zitiert wird, dass er seine Forschung primär als Grundlagenforschung versteht, dann könnte man es doch dabei belassen. Der Hinweis auf Quantencomputer scheint mir fast reflexartig in jeden Artikel über Quantenphysik eingefügt zu werden. Ich würde nichts vermissen, wenn Grundlagenforschung in Spektrum der Wissenschaft als solche dargestellt wird. Die Rechtfertigung durch praktische Anwendung ist im Unterschied zur Rechtfertigung durch reinen Erkenntnisgewinn eher schwach.
  • Ereignishorizont

    19.11.2012, Manfred E.
    Diese Galaxie ist für mich gesehen, jenseits unseres gegenwärtigen Ereignishorizontes.
    Wir leben somit in einer sehr interessanten und ereignisreichen Zeit.
    Schauen wir zu, was noch alles auf uns zukommt.
  • Der Sinn der Übung?

    19.11.2012, Robert Orso
    Das mag wissenschaftlich ja recht interessant sein. Ob es vertretbar ist, ein komplettes, funktionierendes Ökosystem eines Sees zu Testzwecken absichtlich zu zerstören, wie es beim Tuesday Lake offenbar geplant ist, möchte ich allerdings bezweifeln.

    Was ist der zu erwartende Nutzen bei der Aktion? Man will feststellen, ob und wie weit im Voraus man das Umkippen erkennen kann und mit welchen massiven Mitteln es dann noch abgewendet werden kann. Man will also feststellen, wie weit man ein Ökosystem 'beherrschbar' an den Rand des Zusammenbruchs treiben kann.

    Das wird wohl kaum dazu führen, dass ökologischer Missbrauch möglichst frühzeitig abgestellt wird, sondern eher dazu, dass man noch ein wenig weiter macht, weil das System doch noch nicht ganz am Absterben ist und man das kurz vor dem endgültigen Kollaps (vermutlich) noch wieder irgendwie gerade biegen kann. Die Kosten der Sanierung muss dann natürlich die Allgemeinheit tragen.

    Eine neue Variante der ewig gleichbleibenden Mentalität: Wir wissen, dass unser Handeln in die Katastrophe führt, aber gerade jetzt können gerade wir leider nichts dagegen tun. Wenn es WIRKLICH brenzlig wird, werden andere nach uns schon eine Lösung finden. Und ein Bisschen geht's ja noch.

    Wer finanziert solche Studien?
  • Ökonomische Lithium-Einsenphosphat-Batterie-Zelle 26650

    18.11.2012, otto krammer
    kostet derzeitFOB China 0,32€ pro Watt Ladevermögen, bei garantierter 2.000 facher Wiederaufladung zu 80% Beständigkeit, also über 10 Jahre Lebensdauer, Tendenz fallend. So wird sich die Lithiumbatterie immer mehr durchsetzen.
  • Wie rechnet sich das?

    16.11.2012, Joachim Blechle
    Ich lese das so:
    420 Mio. Jahre nach dem Urknall, das sind 3 % des bisherigen Alters des Universums, sendete die Galaxie Licht aus, welches dann 13,3 Milliarden Jahre bis zur Erde brauchte und hier vom „Hubble“ Teleskop empfangen wurde. Die Galaxie dürfte dann jetzt so ca. 440 Milliarden Lichtjahre (13,3 x 100:3) von uns entfernt sein. Vielleicht aber noch weiter, da sich das Universum ja beschleunigt ausdehnt.
    Frage: Wie rechnen Sie das?
  • Quid pro quo

    15.11.2012, Gilbert Brands
    In den vergangenen Zwischeneiszeiten war es mehrfach erheblich wärmer (im Mittel) als heute, und weder ist das Eis komplett geschmolzen noch sind Eisbären und Robben ausgestorben.

    Ich denke allmählich über ein typisches James-Bond-Szenarium nach: wenn Leute mit dem eigenen Vorgarten nicht mehr zufrieden sind und anfangen, selbstherrlich mit der ganzen Welt spielen zu wollen, ist es Zeit, sich zu überlegen, wie man sie erschlagen kann.

    Das eigentliche Kernproblem - die maßlose Überbevölkerung der Erde durch die Spezies Mensch - wird leider nirgendwo berücksichtigt. Im Gegenteil: die in einigen Industriestaaten zu beobachtende Umkehr der Bevölkerungsdichte, die man mit einigem guten Willen auch als Reaktion der Natur auf den Störfaktor betrachten kann, wird politisch massiv durch Massenimmigration aus "demografischen Gründen" ausgebremst.
  • Richtigstellung zur Zerfallsrate des Bs-Mesons

    14.11.2012, Reinhard Funk
    Vielleicht haben sich einige Leser über den Satz gewundert:

    "gelang es ... den Zerfall eines Bs-Mesons zu beobachten – ein Ereignis, das ... extrem selten vorkommen soll: ... passiert dies tatsächlich nur einmal pro 300 Millionen Zerfälle."

    Das Ganze ergiebt natürlich nur dann einen Sinn, wenn ein bestimmtes Zerfallsereignis zur Gesamtheit aller möglichen Zerfälle in Beziehung gesetzt wird (natürlich zerfallen alle Bs-Mesonen und damit ist der Zerfall eines Bs-Mesons keineswegs selten, sondern Gewissheit). In diesem Fall ist es der tatsächlich extrem seltene Zerfall des Bs-Mesons in ein Paar aus Myonen (Myon und Antimyon) der mit einer Wahrscheinlichkeit von 3.2x10-9 gemessen wurde (mit einem Fehle von +1,5x10-9 und -1,2x10-9). Die nach dem Standardmodell berechnete Wahrscheinlichkeit beträgt(3.54±0.30)x10-9.
  • Mir wird speiübel,

    14.11.2012, Anita Oberegger
    wenn ich lese, was Tiere wegen alles erleiden müssen, nur damit der Mensch sein Schweineschnitzel auf den Tisch bekommt, das billig ist und nicht nach Natur schmeckt. Tierschutz in Schlachthäusern. Geht das überhaupt? Ich sage NEIN! Die Wissenschaftler "verkünstlichen" unsere Nahrung immer weiter, bis keine Natur mehr übrig bleibt. Ich frage mich, warum es nicht gelingt ein "künstliches" Schnitzel herzustellen, wie es für die Vegatarier und Veganer schon gibt. Den Fleischessern reden wir dann ein, dass es vom Schwein kommt. Die Menschen lassen sich eh jeden Schwachsinn einreden, ohne auch nur im Ansatz irgend etwas zu hinterfragen.

    Hier macht mir nur eines noch Hoffnung ... dass der Mensch die Rechnung dafür bezahlen wird für die Grausamkeiten, die er anderen Lebenwesen, selbstverständlich zum *Verbraucherschutz*, antut. Ich denke hier auch an "Jurassic Park 2", als der Chaostheoretiker Dr. Ian Malcolm sagt: "Das Leben findet immer einen Weg."

    Ich hoffe, dass das Leben einen Weg findet, den Menschen, die in ihrem Forscherwahn den SINN des Lebens vergessen, einen Strich durch die Rechnung zu machen. Einen gewaltigen Strich!!! So gewaltig, dass es solche Auswirkungen hat, die NIEMALS wieder gut zu machen sind. Auswirkungen, bei den der Mensch GEZWUNGEN wird, andere Wege zu gehen. Es gibt diese Auswirkungen schon, doch sie sind zuwenig *noch* zu wenig!

    LG, Anita Oberegger
  • Erstbeobachtung des Zerfalls eines Bs-Mesons

    14.11.2012, Reinhard Funk
    Mir scheint, Sie haben den ersten Satz Ihres Artikels "Erstmals gelang es ..... den Zerfall eines Bs-Mesons zu beobachten" etwas unkritisch übernommen. Denn zur Bestimmung einer Zerfallsrate gehören natürlich mehrere (lieber viele!) Beobachtungen des Zerfallsereignisses, so daß die erste Beobachtung des Zerfalls eines Bs-Mesons wohl schon einige Jahre zurückliegt. Aber erst jetzt sind genügend Daten vorhanden um die Zerfallsrate, wenn auch noch ungenau, eingrenzen zu können. So habe ich jedenfalls den Rest des Artikels verstanden.
    Immer um Genauigkeit bemüht, grüßt Sie
    Ihr ergebener Leser Reinhard Funk
  • ein ermutigender Anfang eines noch langen Weges

    13.11.2012, DDr. Hans-Joachim Scheel, Diplombiologe im Fach Zoologie
    seit einem Unfall aus Kindertagen bin ich Innenohr geschädigt und mit Hörgeräten aufgewachsen. von allen bisherigen Implantaten und Hörhilfen ist dieser Ansatz der Beste, bedarf aber der weiteren Abklärung,vor allem WELCHEN Gehörgeschädigten es wirklich helfen kann!
  • Berechtigter Einwand

    12.11.2012, Sören Schewe
    Hallo M.M Ecker,

    Sie haben sicherlich recht mit der Befürchtung, dass die Zucht geruchsfreier oder -armer Eber andere eher unerwünschte Folgen haben kann. Diese müsste man dann in Versuchen vorher natürlich herausfinden. Vielleicht gibt es ja auch keine, schwer zu sagen. Möglich wäre es aber durchaus.

    Bei einer Sache muss ich Ihnen allerdings widersprechen. In der Evolution gibt es keinen Sinn. Da wird einfach ausprobiert und was nicht funktioniert, stirbt aus. Dieser Prozess läuft übrigens ständig - auch jetzt ;)

    Grüße
    Sören Schewe
  • Konkurrenzkampf

    12.11.2012, Hans Tappeiner
    Wozu das alles? Um Konkurrenzkampf zu bestehen.
    Warum gibt es Konkurrenzkampf? Weil unsere Wirtschaft an Überkapazitäten leidet, weil sie in erster Linie den Wohlstand bedient, nicht den Magel. Es geht schließlich darum, der Überflussgesellschaft Geld abzulocken. Die Mangelgesellschaft hat keines.
    Also: Wozu das alles? Um menschliche Dummheit zu pflegen.