Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • kunst und religion

    18.05.2014, josef martin
    alle lebewesen tun zwei dinge : sie sorgen fuer ihr individuelles physisches ueberleben , und sie sorgen fuer den erhalt der jeweiligen spezie ....nur der mensch hat noch eine moeglichkeit in seinem leben noch etwas anderes zu tun : er kann ( und muss ) fuer sein psychisches ( seelisches , geistiges ) ueberleben sorgen . dafuer hat er die faehigkeit zur kunst .
    religion ist kunst , sie ist die einzige kunstart die verlangt , sich an dem kunstwerk oder am kuenstler zu orientieren . sie ist deshalb goetzendienst .
    im uebertragenen sinne : ich knie nicht vor dem bild der mona lisa nieder , auch nicht vor dem kuenstler . wenn ueberhaupt , so tue ich dies nur vor der faehigkeit des menschen zur kunst .
    religion ist stillstand . stillstand ist die religioese form von ewigkeit , der versuch der ewigkeit und dem absoluten ein gesicht zu geben .
    die kunst ist unendlich , nicht in der zeit , aber in der anzahl ihrer moeglichkeiten .
  • Abwägung bei Tiermodellen

    18.05.2014, dr. josef wieser
    Morddrohungen sind immer Reflexe "cortical etardierter" Menschen.
    Nichtsdestotrotz darf Wissenschaft kein für sich stehender Selbstzweck sein und Rechtfertigung mit der Freiheit der Forschung - welche auch meiner Meinung nach eine der wichtigsten Freiheiten ist - darf nicht als Totschlagargument, d.h. als Rechtfertigung für alle erdenkbaren Experimente missbraucht werden.
    Eine sensible Abwägung unter Berücksichtigung neuster Primatenforschung, welche nie gedachte Ähnlichkeit der physischen wie psychischen Leidensfähigkeit nahelegen bzw. sogar belegen, ist in jedem Fall angezeigt.

    Kurz:
    Tiere leiden menschenähnlich.
    Um diese Belastungen zu rechtfertigen muss durch den Versuch gleichwertiges Positives erwartbar sein.
    Der Grund "Forschung ist frei" allein ist nicht ausreichend, daman damit auch abartige sinnlose Tests rechtfertigen kann.

    P.S.
    Wenn Politiker dem Willen der Bevölkerung entsprechen und Wahlversprechen einhalten, ist dies manchmal gut und manchmal schlecht in einer Demokratie.. ' j
  • Niedergang der Mehrsprachigkeit

    18.05.2014, Dieter Krogmann
    Jürgen Trabant ist insgesamt nur zuzustimmen. Die Sprache einer Ethnie ist eine ganz spezifische Fähigkeit und hat, wie das J. Trabant treffend formuliert, "Konzeptualisierungen und Denkweisen im Gepäck". Sie ist über Jahrtausende gewachsen und das wichtigste Werkzeug einer geistig-kulturellen Optimierung. Gerade die deutsche Sprache läßt viele sprachliche Ausdrucksweisen zu, in denen sich analytisches Denken und Vorstellungskraft, je nach dem Bildungs- und Wissensstand, hervorragend widerspiegeln. Deutsch und Latein waren über Jahrhunderte die Sprache der Wissenschaft.
  • Teilchen…

    17.05.2014, fj
    Ich hatte bei „Teilchen“ ja eher an Backwaren gedacht, statt an Obst. ;-)
  • Ultraleichte Teilchen oder hellere Materie-Theorie?

    17.05.2014, Peter Pohling, Dresden
    "Angesichts ausgebliebener Erfolge anderswo" beginnt das Spiel auf der Klaviatur der Dunklen Kandidaten nun von vorn: Da sich die "experimentellen Möglichkeiten dramatisch verbessert haben" und die Axionen-Experimente "für nur wenige Millionen Euro zu haben sind", sollten wir ganz ohne Zweifel die niedrig hängenden Früchte pflücken. Gut so.

    Wenn aber auch diese "Früchte" taub sein sollten, muss irgendwann nach einer dritten Antwort des Materie-Paradoxons gesucht werden! Meine Lesermeinung ist:
    Albert Einstein hätte sicher eine Weile über seine Theorie gegrübelt und die richtige Antwort inzwischen gefunden. Leider ist Einstein seit fast 60 Jahren tot.
  • Wissenschaftsmüll wegwerfen, Lebensqualität steigern

    16.05.2014, Peter Kosek, Gütersloh
    Wenn 85 Prozent der medizinischen Forschungsgelder nur der Müllproduktion dienen, sollte man im Gegenzug die Fakten aus dem Medizinalltag herausholen. Diese belegen: Die Probleme liegen nicht in fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnissen oder Medikamenten. Sie liegen im alltäglichen Verhalten der Menschen. Gemäß Statistischem Bundesamt sind 52% der Deutschen übergewichtig oder fett, die Energiezufuhr über Fette beträgt im Schnitt 40% (Empfehlung höchstens 30%, davon hoher Anteil ungesättigter Fette), zwischen 30 und 40 Jahren rauchen fast 50% der Männer und 36% der Frauen, und zu viel Alkohol trinken 33% der Männer und 22% der Frauen. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass unter den zehn häufigsten Diagnosen bei 65-Jährigen und Älteren in Arztpraxen, Krankenhäusern und in der Todesstatistik zwischen 40 und 80% auf diese Fakten zurückzuführen sind. Das sind die Niederungen der Realität, wie sie jeder Hausarzt von früh bis abends erlebt. Die Menschen müssen ja nicht unbedingt älter werden, als sie es jetzt schon erleben, aber zumindest sollten sie schöne Jahre im Rentenalter verleben und nicht im Pflegeheim verebben. Finanzielle Investition in die Motivierung zu gesundheitsbewusstem Leben ist sicher besser angelegt als in der Produktion von Wissenschaftsmüll. Das kostet viel weniger Geld, entlastet die Pflegeversicherung und bringt Lebensfreude.
  • Gesunder Selbstzweifel

    16.05.2014, Wolfgang Huß, Hamburg
    Zunächst bin ich Michael Springer sehr dankbar, dass er das Thema der sozialen Verantwortung mit auf die Tagesordnung gesetzt hat.

    Ob die von ihm erwähnte Unterstellung der Forscherin Cech, dass »externe Ursachen im ideologischen Bereich« für die festgestellte, fortschreitende Abnahme der »Sensibilität für die Verantwortung des Forschers« tatsächlich ursächlich sind oder nicht, lass ich mal dahingestellt sein. Für mich kämen diesbezüglich auch die Rahmenbedingungen des Studiums, der Umgang der Studenten untereinander und die Vorbildfunktion der Lehrenden in Betracht. Nach Springers Aussage meint Cech, »dass […] falsche gesellschaftliche Ansichten über Technik und Wissenschaft« bei den Studenten vorhanden seien. »Die Studenten verinnerlichten ein verbreitetes Klischee des Forschers als einer unpolitischen, wertfreien und allein der Naturerkenntnis verpflichteten Person.«

    Michael Springer meint nun, »dass ein naturwissenschaftliches Studium ganz von selbst eine objektiv-wertfreie, nicht moralische Einstellung fördert.« Da bin ich anderer Meinung. Meiner Meinung nach unterliegt jede Interpretation einer Untersuchung oder Messung dem Bild, welches der Naturwissenschaftler von seinem Forschungsgegenstand oder allgemeiner gesagt, von der Welt hat. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass profilierte Wissenschaftler die Relativitätstheorie Einsteins als jüdische Physik ablehnten? Dass Wissenschaftler Schwarze für dumm und Juden für minderwertig hielten? Dass Wissenschaftler jahrzehntelang kein homosexuelles Verhalten im nicht menschlichen Tierreich beobachten konnten, obwohl es ständig vor ihrer Nase stattfand? Um nur ein paar Beispiele zu nennen, die so heute hoffentlich nur noch von wenigen behauptet oder gesehen werden.
    Was ist mit den Diskussionen darum, dass Wissenschaftler unbewusst oder gar absichtlich ihre Forschungsergebnisse so selektieren, dass sie zu ihrer Meinung oder ihrer Karriere passen?
    Alles was der Mensch tut, wird durch den Filter seiner Einstellung und seiner Meinung beeinflusst, denke ich. Und so fördert das Studium der Naturwissenschaften nach meiner Meinung nicht automatisch die objektiv-wertfreie, nicht moralische Einstellung. Denn eine objektiv-wertfreie, nicht moralische Einstellung gibt es in Wirklichkeit so nicht. Die Wissenschaften sind voll von Wertungen, von moralischen und von nicht moralischen Einstellungen und Verhaltensweisen. Dies ist nach meiner Meinung nicht nur menschlich, sondern es ist sogar unvermeidlich. Daher sollten sich Studenten dessen bewusst sein. Es sollte natürlich im Unterricht auch zusammen mit sozialer Verantwortung thematisiert werden.

    Wir alle tun gut daran, dies nicht zu leugnen, sondern es offen auszusprechen. Zu meinen, man wäre Teil einer „objektiv-wertfreien und nicht moralischen“ Wissenschaft – was auch immer dies sein sollte – oder würde sich zumindest dieser annähern, das wäre eine fatale, gefährliche Selbsteinschätzung, die einem gesunden Selbstzweifel im Wege stünde.
  • Mit dem Finger drauf zeigen

    16.05.2014, gelb allein macht nicht glücklich
    Ja, wieder jemand, auf den man mit dem Finger zeigen kann. Der hat was falsch gemacht, der ist nicht politisch korrekt, der benutzt das böse …wort. Und wir haben es enthüllt. Wie wäre es denn mal mit einer Statistik, wieviel Feinstaub und Schadstoffe die Deutschen jedes Wochenende durch Grillen in die Luft pusten, wieviel zusätzliche Tonnen Kunststoff durch die Verpackungswut der Deutschen täglich anfallen (ohne eingeschweißt zu sein wird eine Ware nicht mehr als neu anerkannt) oder wieviel Dreck dadurch entsteht dass man Sonntags beim Bäcker nebenan und unter der Woche beim Biohof im SUV vorfährt.
    Wie wäre es mal, sich an die eigene Nase zu fassen statt andere anzuschwärzen, liebe Generation-Anprangern?
    Hier ist eine Entwicklung im Gange, die mehr als bedenklich ist. Heutzutage kann man mit Hilfe von Statistiken, Zahlen und Hochrechnungen alles niedermachen ohne dass sich die Betroffenen wehren können und unter dem Deckmantel der Aufdeckung werden digitale Hexenjagden in Form von shitstorms veranstaltet.
    Übrigens, auch unser Wohlstand basiert auf dem Boom der Mopeds in den 50er und 60er Jahren.
    Der wirtschaftliche Aufschwung in China und ähnlichen Länder und der damit verbundene Wunsch nach mehr Mobilität wird durch unseren Konsumwahn erst möglich gemacht.
    Statt andere mit Zahlen zu steinigen sollte man sich zuerst einmal über das eigene Verhalten und die daraus entstehenden Folgen Gedanken machen.
  • Grundlegende Gedanken

    16.05.2014, Detlev Schlegel
    Wissenschaft und Forschung sind gut und wichtig, aber oft auch nur zweckdienlich? Und können dabei auch unethisch und kontraproduktiv werden, je nach dem, aus welcher Sicht man die Forschungen betrachtet?

    Ich kann Tierversuchsgegner verstehen, wenn ich mir vor Augen führe, daß der Mensch aus seiner angeblich geistig am weitesten entwickelten Position heraus -und einer damit verbundenen Führerschaft im Tierreich?- sich anmaßt, zum Beispiel über die Schmerzempfindlichkeit anderer Arten zu befinden und dafür einen Vorgehenskatalog zu entwickeln. Dabei beruht unsere geistige Überlegenheit lediglich auf unserer Selbsteinschätzung, mangels einer höheren unvoreingenommenen Instanz? Mir scheint jede andere Tierart besser an ein natürliches und gesundes Leben auf der Erde angepasst, solange sie von der Spezies Mensch darin nicht gestört wird.

    Forschungen befassen sich wie in dem benannten Fall mit der Zielsetzung Schlaganfalltherapien entwickeln zu wollen, viel zu oft nur mit der Bekämpfung von Sympthomen einer unnatürlichen und ungesunden Entwicklung des Menschen, anstatt dessen Ursachen erkennen zu wollen und diese zu bekämpfen. Denn der moderne Mensch ist schon lange nicht mehr Teil einer natürlichen Evolution, sondern versucht diese umzukehren, indem er sich selbst und ihr gesamtes Umfeld auf diesem Planeten nach eigenen Vorstellungen gestaltet und dabei in einer immer künstlicheren selbstgeschaffenen "Umwelt" unnatürlich und ungesund lebt. Dies beginnt bei elementaren Dingen wie der täglichen Fortbewegung von A nach B aus eigener Muskelkraft, die den Menschen in den hochentwickelten Staaten schon weitgehend fremd geworden ist.

    Abschließend möchte ich ein Zitat von Albert Einstein anführen, welches die Irrungen menschlichen Denkens und Forschens sehr anschaulich darlegt, indem er sagte "Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren."

    Stahlradtreter - Freigeist, Humanist, Pazifist und Radfahrer
  • Den Feind des Froschkillers verbreiten?

    15.05.2014, Dr. rer.nat. Wolfgang Lehmann
    Ist alles geklärt? Welche Funktionen hat der Froschkiller-Pilz sonst noch? Wer oder was wird sie beim Verschwinden des Pilzes übernehmen? Was wird der Pilz-Killer in anderen Habitaten anrichten, außer den Froschkillerpilz auszulöschen? Ich erinnere: Mensch greift in Natur ein, Mensch verursacht immer wieder Chaos.
  • Eine wahre Fundgrube

    15.05.2014, Daniel Adler
    D. Herrmann, Die antike Mathematik, Berlin/Heidelberg 2014

    Der Klappentext bezeichnet das vorliegende Buch als eine „wahre Fundgrube“. Dies ist leider allzu wahr. Es ist schwer, zwischen all dem anderen, was diese Fundgrube birgt, die Schätze zu finden. Eine Ansammlung von Funden ist auch noch keine Geschichte. Auch keine „Geschichte der griechischen Mathematik“, die uns der Autor vorlegen möchte.

    Neben Kapiteln zu einzelnen Mathematikern (z. B. „Euklid von Alexandria“, aber auch „Platon“) stößt man auf Beiträge, die zeitgeschichtlichem Hintergrundwissen („Athen und die Akademie“) oder mathematischen Themen („Anfänge der Trigonometrie“) gewidmet sind. Mit großem Wohlwollen habe ich begonnen, dieses Buch eines renommierten Sachbuchverlags zu lesen. Aus meiner großen Hoffnung bin ich schnell gestürzt, als ich beim Lesen vorankam und merkte, dass der Autor "den νοῦς nicht gebraucht". Schon nach kurzer Lektüre wird deutlich, dass Herrmann kein ausgesprochener Kenner des Altertums ist. Es fängt, noch harmlos, damit an, dass etliche Jahreszahlen falsch sind, so wird einmal Milet im Jahre 496 (S. 11), ein andermal 494 (S. 57) zerstört, der Peloponnesische Krieg beginnt hier 432 (S. 57), dort 431 (S. 61), die Jahre 127, 129, 130 und 132 ordnet er der Regierung des Trajan zu (S. 317), „vor“ und „nach Christus“ wird verwechselt (S. 213, 325 (mit kuriosen Folgen), 385). Das geht weiter, dass Geschichtliches oder Geographisches falsch eingeordnet wird: So schwächte der Peloponnesische Krieg Athen nach Herrmann so, dass es ab 338 unter makedonischen Einfluss geriet (S. 14), so wohnten während der Dorischen Wanderung Perser und Meder an der kleinasiatischen Küste (S. 9), so sei die Akademie während der Zeit des Perikles gegründet (S. 14), an anderer Stelle „zwischen den Perserkriegen“ gebaut worden (S. VI). Herrmann lässt eine stoische und eine epikureische Akademie gründen (S. 58), er lässt Heidelberg durch die Franzosen erobern, die die Bibliotheca Palatina nach Rom überführen (S. 402), er lässt 711 den Feldherrn Tarik „von Gibraltar nach Spanien über[setzen]“ (S. 404). Euklids „Data“ seien nicht überliefert (S. 356), ein Beweis wird fälschlich dem Euklid zugeordnet (S. 149). Viel Seltsames findet man – Anachronismen wie: „Die Kepler-Übersetzung verwendet die Version von Friedlein.“ (S. 388) Oder: „Dies berichtet Heraklios, der Autor einer (verloren gegangenen) Biografie über Archimedes, die sich wiederum auf Schriften von Eutokios stützt.“ (S. 233) Läppische, neuzeitliche Zeichnungen wie: „Abb. 3.1 Thales vor den ägyptischen Priestern.“ „Abb. 4.1 Pythagoras vor den ägyptischen Priestern“, „Abb. 26.5 Orientalischer Markt“. Unkritisches wie: „Seine [des Aristoteles; Anm. D.A.] Schriften zur Physik hemmten den Fortschritt bis Galilei“ (S. 81). Merkwürdiges wie: „Merkwürdigerweise sucht man die Geschichte vom Trojanischen Pferd vergeblich in der Ilias; sie findet sich im achten Gesang der Odyssee.“ (S. 96)

    An dutzenden Stellen schmückt der Autor seinen Text mit griechischen Zitaten, sogar ein griechisches Motto ist der Einleitung vorangestellt (ohne Übersetzung). Kaum ein Wort davon ist richtig geschrieben. Drei zufällige Beispiele: αγεομετρετος (S. 62), Μεχηανικος (S. 257), Ματηεματικε Σψνταξις (S. 291). Auch seine lateinischen Zitate sind mitunter fehlerhaft, z. B. „opera ominia“ (S. 259), „Archimedis opera omnis“ (S. 181), „congregatio unititatum“ (S. 122) usw. Herrmann benutzt Werktitel wie „Geometrica“ usw. im Singular, er schreibt (schon im Inhaltsverzeichnis): „Aus der Geometrica“usw. (S. IX). Die Schreibung von Eigennamen bleibt dem Zufall überlassen (hat man den Eindruck), „Zykikos“ für Kyzikos (S. 87), „Diophantosus“ für Diophantos (S. 7), mehrfach liest man „Hypothenuse“ (S. 39, 391, 392), selbst ein Cavalieri bekommt noch ein „l“ verpasst und heißt dann (gleich viermal) „Calvalieri“ (S. 203). Einfach mangelndes Textverständnis zeigt Herrmann, wenn er meint, Platon halte Mathematik für einfach (S. 68): „In dem etwa gleichzeitig entstandenen Werk Georgias [sic] (450C) findet sich eine Textstelle, die Mathematik zu den leichteren Wissenschaften zählt: Es gibt aber auch andere Künste, welche ihr Ziel ganz durch die Rede erreichen und eine Arbeit, sozusagen, entweder gar nicht oder doch sehr wenig nötig machen, z. B. Arithmetik, Geometrie [...].“ Da frage ich mich schon, warum ein Autor von Dingen schreibt, um die er sich noch nicht einmal bemüht zu haben scheint.

    Leider ist auch meine Enttäuschung im Mathematischen nicht gering. Zeigt der Autor hier ohne Zweifel Fähigkeiten, so ist doch alles ganz flüchtig und unzuverlässig behandelt. Eine kleine Auswahl: Bei Zeichnungen stimmen die Bezeichnungen mit denen im Text nicht überein (z. B. Abb. 15.5, 15.10, 15.11). Bei Beweisen sind Zeilen vertauscht (z. B. S. 365 Mitte, S. 371 oben, zweimal auf S. 423). Ärgerlicher ist es, wenn Beweisschritte ausgelassen werden (z. B. S. 280, S. 353). Sein Satz: Sind zwei Zahlen teilerfremd, so auch Summe und Differenz dieser Zahlen. ist so schön wie falsch (S. 37). Auf S. 198 wird ein angeblicher „Archimedes“-Beweis vorgeführt, der bei Herrmann keinen Sinn ergibt und bei Archimedes (zum Glück) anders lautet. Nicht besser ist ein nur bruchstückhaft überlieferter „Beweis“ bei Pappos, der – unkommentiert – vorgerechnet wird (S. 357f.). Auf S. 337 rechnet Herrmann offenbar unbeabsichtigt zweimal hintereinander die gleiche Aufgabe (Diophantos IV, 26) mit leicht verändertem Text, aber nur einmal mit dem Ergebnis, das auch Diophantos hat. Hat das Buch denn niemand gelesen, bevor es gedruckt wurde?

    Die einzelnen Beiträge zu den einzelnen Mathematiker sind, wie ich meine, nicht zu einer Mathematikgeschichte verwoben, eher handelt es sich um eine lose Folge von Sätzen und Beweisen aus der Antike, zu denen nur spärlich Bemerkungen von Herrmann zu finden sind. Manchmal ist alternativ ein moderner Beweis neben einen alten gestellt, manchmal nur der moderne Beweis (S. 182f.); er schreibt (S. 183): „Da die Herleitung von Archimedes umfänglich und von vielen anderen Lemmata abhängig ist, wird hier die moderne Methode gewählt.“ Es folgt ein Beweis mit der Sektorformel von Leibniz. Welcher Sinn liegt nun in dem Vorgehen, den antiken Beweis durch einen modernen zu ersetzen, der ja von nicht weniger Lemmata abhängig ist? Auf die verbale, symbollose Schreibweise antiker Mathematik geht Herrmann leider nicht ein, im Vorwort schreibt er (S. VI): „Um die Darstellung lesbar zu machen und kompakt zu halten, wird die gewöhnliche Formelsprache verwendet [...]“; bedauerlich besonders deshalb, da er, um mit einem Schatz zu schließen, im Einleitungskapitel „Zum Stand der mathematikgeschichtlichen Forschung“ gerade die Bedeutung dieser Eigenart anzudeuten scheint.

    Sachbücher konkurrieren heute mit Onlinelexika. Diese haben, auch wenn ihre Beiträge noch so fehlerhaft begonnen haben sollten, durch Bearbeitung einen oft hohen Wissensstand erreicht. Dies wird diesem Buch nicht zuteil werden können. Es bleibt großteils eine wahre Grube der antiken Mathematik.
  • Endlich mal...

    15.05.2014, Manfred Eberling
    ..eine sehr gute Beschreibung, (und Bebilderung) der kleinsten Teilchen.
    So kann sich auch ein Laie ungefähr vorstellen wie es im Kleinsten aussieht.
    Braucht aber auch dazu noch sehr viel Phantasie, um sich die Grössenverhältnisse und Sichtbarkeitsdauer einigermassen vorzustellen.
    Vielen Dank.
  • Einige Fakten zu dem El-Nino-Artikel sind nicht korrekt

    15.05.2014, Ralph Buchheit
    Antwort der Redaktion:
    Es muss natürlich heißen: Westküste. Ein sehr unangenehmer Verschreiber. Ich habe den Fehler korrigiert.
  • Wahl des Artikeltitels schlecht

    13.05.2014, Dr. Jürgen Götz
    Auch Wissenschaftsjournalisten sind Menschen, die etwas verkaufen wollen, um ihre Existenz zu bestreiten, nämlich Information. Dafür habe ich Verständnis, denn ich tue Vergleichbares in meinem Job. Andererseits suche ich im Spektrum-Newsletter nach interessanten Informationen. Warum aber der besagte Asteroid ein Killer- Astereoid ist, erschließt sich mir nicht.

    Ich habe kein Verständnis dafür, dass Spektrum mit dieser reißerischen Aufmachung Methoden des Boulevardzeitungsjournalismus anwendet. Dem Asteroiden sind weder Tötungsabsichten noch eine Veranlagung dazu zuzuschreiben. Zufällig haben sich seine und die Bahn der Erde gekreuzt - mit fatalen Folgen für das Leben auf der Erde. Nicht mehr und nicht weniger.
  • Schade, ...

    13.05.2014, David
    ... dass nicht mehr viel übrig ist. Eine interessante Geschichte bleibt es allemal.