Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Grundsätzlich redlicher wäre es ...

    28.12.2017, Dr. Josef König
    ... wenn Journalisten die Fakten ausbreiteten und sie analysierten - wohlwissend, dass auch schon in der Analyse und Aufbereitung der Fakten eine Bewertung mitgeliefert wird. Aber dann wäre es immerhin noch möglich, dem wohlwollend zu folgen. Wenn daneben (oder darunter) Journalisten ihr "Kommentar" auch unter diesem Titel brächten, wäre zumindest ihr Bemühen um eine Trennung von Sache und Meinung offensichtlich.
    Dass mein Kommentar hier einer gewissen Blauäugigkeit nicht entbehrt, ist mir sehr wohl bewusst, weiß ich doch, dass das Aufkommen von "Features" und die dadurch bedingte Vermischung von Fakten, Analyse und Kommentar dem Bedürfnis der Medien(-Macher) und ihrem Interesse an verstärkter Aufmerksamkeit unter dem Diktat der Ökonomie geschuldet ist. Schließlich müssen die Zahlen stimmen, damit die Medien weiter arbeiten können - und natürlich ist es für das Publikum deutlich angenehmer, entspannender und unterhaltsamer, wenn ihm die Denkrichtung "vorgedacht" wird, als dass es gezwungen werde, selbst zu denken.
  • Sonderweg?

    28.12.2017, Glückspilz
    Wieso befindet sich Deutschland auf einem Sonderweg? Deutlich mehr Länder in dieser Welt haben keine Atomkraft. Deutschland verlässt gerade einen Sonderweg, der sich als Irrweg erwiesen hat.
  • Medienmanipulation

    28.12.2017, Sebastian Kurtz
    Es gibt einen Wikipediaartikel mit dem Titel Medienmanipulation.
    Dort werden diverse Schwerpunkte gesetzt:
    - Lobbyverstrickungen von Redakteuren (relativ bekanntes Beispiel: Herr Joffe von der Zeit hat dort einen Standpunkt einer Lobbyorganisation zu TTIP journalistisch vertreten, welchen er selbst als Mitglied jener Organisation mit ausgearbeitet hat; "Die Anstalt" berichtete.)
    - Abhängigkeit von Werbekunden (~50% der Zeitungsfinanzierung)
    - Tendenzschutzparagraph (Abhängigkeit der Journalisten von der Vorgabe des Zeitungseigentümers)
    - Prekäre Beschäftigung (Journalisten müssen Artikel verkaufen, aufklärerische Artikel haben geringere Chancen abgenommen zu werden wenn sie den Intentionen des jeweiligen Eigentümers widersprechen)

    Unter dem Gesichtspunkt

    „Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“ Paul Sethe

    denke ich, dass wir schon lange primär Meinung in der journalistischen Arbeit wiederfinden, zumindest da wo die Interessen zahlungskräftiger/zahlungsfähiger Kundschaft (dazu zähle ich primär Werbekunden) betroffen sind.

    Von daher sollte die Frage nicht sein wie viel Meinung erlaubt sein darf, sondern inwiefern die Leserschaft Informationen erhalten muss, welche erkennen lassen um wessen Meinung es sich handelt, wessen Geld hinter der Meinung steckt.

    MfG
  • Und wieder sollen sie „sicher“ sein ...

    28.12.2017, Klaus
    ... wie schon die erste, zweite, und dritte Generation - und keine war sicher genug, als dass ein solches Risiko einzugehen nachvollziehbar wäre.

    Die Endlagerung ist weiterhin ungeklärt, und auch Uran gibt es nicht endlos.

    Die Lösung für die Energieproblematik der Welt kann nur in der Nutzung regenerativer Energien liegen. Weil diese schier unerschöpflich ist, und dezentral organisiert werden kann.

    Dass die Atomlobby mit „weniger CO2“ argumentiert, ist an Zynismus kaum zu überbieten, sind das doch die selben Leute, die zeitgleich neue Braunkohlekraftwerke bauen, weil diese billig zu betreiben sind.

    Realsatire.
  • Die Kernenergie wird ein neues Leben beginnen

    28.12.2017, Henry
    Man muss gut kartierte, organisierte und zugängliche Zwischenlager für die - aus heutiger Sicht - radioaktiven Abfälle bauen, denn es werden die Rohstoffe der Zukunft sein. Die bisherigen Energiequellen können den Anspruch und Bedarf, den die Menschheit hat, nicht decken. Auch die sog. regenerativen Energien schaffen das nicht, auch nicht mit der viel beschworenen Vernetzung aller Regionen der Welt. Somit wird es eine dezentrale Energieproduktion geben, die autark die Energie im Haus für den Bedarf aller Bewohner bereitstellen wird.
    Ich werde es -altersbedingt - wahrscheinlich nicht mehr erleben, aber so wird es kommen müssen, wenn die Menschheit nicht zurück auf die Bäume will.
  • www.reaktorpleite.de

    28.12.2017, derPragmatiker
    Wer sich mit der kritischen Seite der Atomenergie beschäftigen will, findet auf www.reaktorpleite.de reichlich Lesefutter.
    Der Helium-gekühlte Graphit-moderierte Kugelhaufen-Reaktor THTR 300 stand in unserer Nachbarschaft, der Natrium-gekühlte Schnelle Brüter in Kalkar wurde trotz Milliarden-Subventionen nie fertig und ist heute ein Freizeitpark. Beide Reaktorkonzepte stehen im Artikel als Generation IV.
    Viel Geld wurde schon immer mit Atom verdient, aber wenn hinten nichts rauskommt außer gefährlichem Müll...
  • Atomkraft schönreden....

    28.12.2017, nozomi07
    Man muss nur Augen und Ohren fest genug zuhalten, dann lässt sich die Atomkraft weiter schönreden...

    Schaut euch den Irrsinn in Finnland oder England an: Gewaltige Kosten- und Terminüberschreitung für exotische Einzelprojekte. Und das Atommüll-Problem ist gänzlich ungelöst, nicht mal ein Ansatz einer Lösung in Sicht.

    Zukunftstechnik? Ich sehe da eher Sturköpfe, die nicht zugeben können, dass sie sich Jahrzehntelang verrant haben. Wenn es ein "Sonderweg" ist, Realitäten anzuerkennen, dann nennt es meinetwegen "Sonderweg". Richtig ist er dennoch.
  • Thorium / Kugelhaufen ging mir noch ab

    28.12.2017, mhwse
    Thorium ist billiger als Uran - die Kugeln aus Graphit brechen - können die Anlage verstopfen, das Graphit kann mit Luft reagieren und brennen wie z.B. in Tschernobyl. (Wurde alles getestet - funktioniert - ist aber unsicher.)

    An den Problemen mit Natrium als Kühlmittel ändert auch das 21 Jahrhundert wenig - irgendwann muss / oder kann Natrium indirekt mit Wasser oder Luft in Kontakt treten - wer das durchaus spektakuläre Feuerwerk mit einem 2 Gramm Würfel nicht kennt - sollte das mal probieren.

    Natrium (2-3 Gramm) auf den Boden in eine Grube (ggf. feiner Sand) legen - Wasser aus der Entfernung aufgiessen - weglaufen ..

    (jetzt haben wir noch gar nicht über die Entsorgung der kontaminierten zum Teil flüssigen und hoch reaktiven oder gasförmigen - ausser Wasser (lässt sich immerhin ohne weitere Kosten in Tanks lagern ..) - Kühlmittel gesprochen ..)

    Reaktoren sind ggf. in der Betriebszeit günstig, wenn man auf Versicherung etc. verzichtet (d.h. sich um seine Menschen wenig kümmert) - im Nachlauf und Rückbau entstehen dann aber wieder hohe (Energie) Kosten ..

    die Idee ist ja wohl, das Wohlergehen der Menschen langfristig zu verbessern .. länger als 20-30 Jahre - sonst macht es wenig Sinn, Milliarden in den Bau zu investieren ..
  • Was ist "gut" und was nicht ?

    28.12.2017, Vion Berhard
    ich denke das ist Ansichtssache, deshalb müssen Journalisten 100% neutral bleiben und nicht ihre eigene private Meinung in die Welt hinaus posaunen.
    So habe ich das vor Jahren in der Schule gelernt und so ist das auch richtig.
    Alles andere ist Meinungsmache !
  • Deutscher Sonderweg

    28.12.2017, Dietmar Gleich
    Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich die Realität in Deutschland von der übrigen Welt zu unterscheiden scheint.
    Die Endlagerfrage ist gelöst. Sowohl in Finland wie in Schweden ist man dabei, Endlager zu bauen. Widerstand aus der Lokalbevölkerung gibt es kaum. Das demokratische System dieser Länder ist dem der BRD zumindest ebenbürtig.
    http://www.posiva.fi/en/final_disposal/general_time_schedule_for_final_disposal#.WkTKJDciG70

    Wind- und Sonnenenergie sind weit davon entfernt, kommerziell tragfähig zu sein. Weltweit werden diese massiv unterstützt. Ein Anteil über etwa 40 % (Wind) oder 15 % (Sonne) setzt großtechnischen Einsatz von Speichertechnologie voraus. Tragfähige Konzepte dazu gibt es zur Zeit nicht.

    Schweden, Schweiz und Frankreich haben den Stromsektor schon vor Jahrzehnten dekarbonisiert, durch Kernenergie. Eine dekarbonisierung durch intermittente Energietechnik wurde bislang noch nirgends realisiert.

    Es ist völlig unverantwortlich, eine kohlenstoffarme Energietechnik auszuschließen, solange keine anderen kohlenstoffarmen alternativen existieren.

    Es ist spannend wie sich das Projekt Hanhikivi entwickeln wird. Ein Projekt in einem Land mit rationeller Bevölkerung und bewährter Technik.
    https://www.fennovoima.fi/en/hanhikivi-1-project


  • Die Kosten sollten im Vordergrund stehen

    28.12.2017, Klaus Schröder
    @Peter Silberg: Der von Ihnen zitierte Artikel geht mit den Kosten noch sehr sachte um. Das eigentliche Problem ist die massive Unterversicherung der Reaktoren. Hierzulande sind die Reaktoren nur mit 2,5 Mrd. Euro gedeckt. Das ist erschreckend wenig. Denn letztlich können hier Schadenssummen bis zu 5 Bio. Euro entstehen. Das ist das 2000-fache dessen, was abgedeckt ist. Alle anderen Länder gehen hier genau so vor.

    Daher muss man darauf bestehen, dass die volle mögliche Schadenssumme abgedeckt ist. Jede andere technische Anlage muss das schließlich auch (z.B. Automobile). Dann sieht es mit dieser Energieform aber extrem düster aus: http://www.manager-magazin.de/finanzen/versicherungen/a-761954.html

    Da hilft auch die aller modernste Technik nicht weiter. Sobald die theoretische Möglichkeit besteht, dass ein Unfall solch einen Schaden entsteht, muss das auch versichert werden.
  • Ist der Kernkraft-Optimismus wirklich angebracht?

    28.12.2017, Peter Silberg
    Die von Herrn Hummel genannten Zahlen stehen im Widerspruch zu den Zahlen im World Nuclear Industry Report.
    https://www.worldnuclearreport.org/IMG/pdf/20170912wnisr2017-en-lr.pdf
    Dieser wurde in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal veröffentlicht und verdeutlicht, dass die Atomenergie auf dem Rückzug ist.
    Gegenwärtig sind demnach weltweit 403 Reaktoren in Betrieb, das sind 35 weniger als noch im atomaren Rekordjahr 2002, in dem 438 Atomreaktoren Strom erzeugten. Bereits im vierten Jahr in Folge sinkt die Zahl der Reaktoren, die im Bau sind. Waren 2013 noch 68 Reaktoren in der Bauphase, sind es Mitte dieses Jahres noch 53.

    Im Vergleich zu PV- und Windstrom ist Strom aus Atomkraftwerken nicht wirtschaftlich. Nach Untersuchungen des DIW hat wurde bei mehr als 600 Reaktoren herausgefunden, dass kein einziger Kraftwerksbau wirtschaftlich war – stets habe es Subventionen gebraucht.
    http://www.klimaretter.info/politik/hintergrund/23961-die-atomare-auferstehung

    Und wenn dann auch noch die Proliferations- sowie die Entsorgungs-Problematik in Betracht zieht, so scheint die Stromerzeugung in Kernkraftwerken keine sinnvolle Zukunftsoption zu sein.
  • Sehr optimistisch ...

    28.12.2017, Steffen Müller
    Die Erfahrungen mit neuen Kernreaktoren in Finnland und Großbritannien: Termin- und Kostenüberschreitungen wie bei BER. Und wenn denn die Konzepte schon so lange bekannt sind - warum wurden sie bisher nicht umgesetzt?
    Im übrigen erwarte ich einen Artikel über den effizienten Energieeinsatz. Wenn ich lese, dass man schon durch den Einsatz moderner Pumpen den Stromverbrauch erheblich reduzieren kann, dann erscheint mir so ein Vorgehen schneller und effizienter zu sein, den CO2 Verbrauch zu reduzieren, als den Bau neuer KKWs. Siehe z. B. hier http://ish2011.bdh-koeln.de/pdf/vortrag107_bdh_hocheffizienzpumpen.pdf. Vier Kohlekraftwerke liesen sich in D alleine schon dadurch einsparen, dass Heizungspumpen! ersetzt werden..
    Die Stadtwerke München liefern jetzt Fernkälte, um den Energieverbrauch bei Klimaanlagen zu senken. Eine entsprechende Architektur, bei der man ganz auf Klimaanlagen verzichten kann, wäre auch nicht schlecht - gibts auch schon.
    Oder glauben sie, dass all die nachträglich eingebauten Klimaanlagen besonders energieeffizient sind?
    Die Liste liese sich noch weiter fortführen ....
    Und viele Massnahmen liesen sich weitaus schneller realisieren alws neue Atomkraftwerke.
  • Dieser Artikel ist Teil des Problems

    28.12.2017, Harald Berenfänger
    Es wäre völlig ausreichend gewesen, im Beitrag das Für und Wider abzuwägen. Einschübe wie "Es ist schade, wenn" oder "Ich finde diese Haltung übertrieben,..." sind dagegen überflüssig, denn nun muss ich als Leser wieder trennen zwischen Argument und (fremder) Meinung, um mir meine eigene Meinung bilden zu können. Lästig. Meinungen und Bewertungen gehören aus gutem Grund ein eigene Formate wie Glosse oder Kommentar – wer als Leser einen Bericht lesen will, hat den Journalisten nicht um dessen persönliche Meinung gebeten sondern um seriöse Recherchearbeit und deren Aufbereitung.
    Stellungnahme:
    Sehr geehrter Herr Berenfänger,

    der Artikel ist eine personalisierte Kolumne und darf daher Meinungen bzw. Bewertungen aufweisen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Die Redaktion
  • SFR (Sodium-Cooled Fast Reactor) Hatten wir so was Ähnliches nicht schon mal?

    28.12.2017, Thomas S.
    Also wenn ich Sodium-Cooled Fast Reactor höre, muss ich unweigerlich an eine der größten deutschen Investitionsruinen denken, und zwar an den schnellen Brüter in Kalkar am Niederrhein. Der wurde trotz jahrelanger Proteste zwar komplett fertiggestellt, ging aber nie ans Netz und wurde 1991 endgültig stillgelegt. Trotz anderer Technik haben Tschernobyl und seine Wolke über Deutschland diese Entscheidung wohl beeinflusst.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Kalkar

    Damals hat man wegen Sicherheitsbedenken (Bethe-Tait-Störfall) usw. den Gegenwert von heute 6 Milliarden Euro in den Sand gesetzt, obschon er laut Aussagen der Befürworter, eine moderne "Eier legende Wollmilchsau" sein sollte. Stichwort wiederaufbereiteter Brennstoff aus konventionellen Leichtwasserreaktoren.

    Die Naturkatastrophen-/Terror-/Endlagerfrage (Schachtanlage Asse) ist nach nunmehr 60 Jahren Kernkraft noch immer nicht gelöst, genauso wie die Gefahr besteht, das aus dem Abfall Waffen (auch schmutzige) hergestellt werden können. Und der Begriff Ewigkeitskosten sollte ja bereits aus dem Bergbau bekannt sein.

    Auch wenn ich die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit gGmbH (GRS) für eine seriöse Organisation halte, finde ich diesen Artikel viel zu unkritisch. Wer einen Teich austrocknen will, sollte nicht ausschließlich die Frösche fragen. Was für Großprojekte mit wesentlich kürzerer Laufzeit gilt (Einheitskosten, AGENDA 2010, BER, Stuttgart21), gilt erst recht bei der Kernkraft. Da geht es bei der Endlagerung um Zeiträume von mehreren tausend Jahren und man nenne mir nur einen Staat der annähernd solange existiert hat. Oder sind vielleicht die Pyramiden von Gizeh ein antikes Endlager? Dann sollten wir aber tunlichst keine Löcher zu Forschungszwecken bohren.

    Der Mensch hat diese und ähnliche Technik derzeit einfach nicht im Griff und ich stehe ausnahmsweise voll und ganz hinter einer der wenigen richtigen Entscheidungen unserer Bundesregierung in der vergangenen Dekade: Dem verspäteten Atomausstieg nach Fukushima!