Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Super Idee

    25.05.2015, Robert Orso
    Falls ein zukünftiger Empfänger einer Gen Therapie (oder einer seiner Nachkommen) die jährlichen Lizenzgebühren für seine Heilung nicht mehr bezahlt, knipst man ihm einfach ein paar Gene heraus und stellt damit sicher, dass nicht versehentlich noch ein paar patentierte Gene unlizensiert Verwendung finden. Also baut man eine Zeitbombe gleich mit ins Genom.

    Bin ich der einzige, der die Idee gruselig findet?
  • Anregungen für Gehirnbenutzer

    25.05.2015, Robert Orso
    Immer wieder empfehlenswert: Prof. Dr. Gerald Hüther mit seinem leicht verdaulichen und kurzweiligen Vortrag zur Gehirnforschung und Potentialentfaltung
    https://vimeo.com/14898862
    Der Vortrag ist nicht mehr ganz neu, aber die Erkenntnisse sind soweit ich weiß noch nicht überholt. Er beschreibt auch sehr griffig, was im Gehirn beim Lernen passiert und was wie das Gehirn reagiert, wenn man sich einfach vom Fernseher berieseln lässt.
  • Wissenschaftlicher Diskurs und die Verantwortungsfrage

    25.05.2015, Reinhold Leinfelder
    Lieber Herr Paál,

    Sie stellen eingangs die Frage, ob es aufregend sei, im Anthropozän zu leben. Für die Wissenschaften ist es dies auf alle Fälle, und sicherlich könnte es auch für die gesamte Gesellschaft ähnlich aufregend werden. Ich gebe Ihnen recht, dass das Anthropozän zuallererst eine wissenschaftliche These darstellt bzw. darstellen sollte. Diese These geht davon aus, dass a) der Mensch zu einem Erdsystem-Faktor geworden ist und zumindest die exogene Geologie (Sedimentationsprozesse, Wasserkreislauf, Stoffflüsse, Bodenbildung, Biodiversität uvm) enorm beeinflusst, b) dieser Eingriff in das Erdsystem entsprechende Spuren auch in der geologischen Überlieferung, also in den Sedimenten hinterlässt, und c) dieser Eingriff so stark ist, dass die umweltstabile Situation des Holozäns, also die Nacheiszeit bereits verlassen wurde und damit grundsätzlich keine Rückkehr ins Holozän mehr möglich ist, also tatsächlich eine neue erdgeschichtliche Epoche angebrochen ist.
    Wie gesagt, dies alles ist erst einmal ein wissenschaftlicher Thesensatz, für den die Wissenschaften inzwischen aber umfassend Argumente zur Untermauerung zusammengetragen haben und noch weiter zusammentragen.

    Im Detail geht es hoch her bei dieser wissenschaftliche Auseinandersetzung, dies ist auch richtig und wichtig. Es geht zum einen natürlich um die Frage, wo die Untergrenze des Anthropozäns am besten zu legen sei, ob zuerst die Analyse der Sedimente, danach die der zugrundeliegenden Prozesse einsetzen sollte oder umgekehrt, wie Stratigrafie (also im weiteren Sinne die Genese von Gesteinsschichten) und Erdsystemforschung zusammespielen, ob bzw wie stark sich die Erdsystemforschung noch weiter öffnen sollte, ob bzw. wie diese sich dann von anderen Wissenschaftssparten abgrenzen sollte oder dies überhaupt noch muss. Bereits seit 1993 gibt es die Forderung, die Erdystemforschung um eine Anthroposphäre (sensu WBGU 1993, s. www.wbgu.de Hauptgutachten 1993) zu ergänzen; tatsächlich ist eine der Schlüsselaussagen aus der wissenschaftlichen Analyse, aber auch aus theoretischen Überlegungen, dass der angebliche Dualismus Mensch - Natur nichts mehr zum Erkenntnisgewinn beiträgt und statt dessen die Tätigkeiten der Menschheit in die Analyse, Modellierung und ggf. Szenarienbildung der Erdystemforschung mit integriert werden müssen. Daher sollten Sozial-, Kultur-, Technik- und Geisteswissenschaften mithelfen, die nicht linearen Vorgänge und dynamischen Wechselwirkungen im überkomplexen Erdsystem eines Anthropozäns besser zu verstehen. Manche Wissenschaftlern sehen hier einen genuinen Paradigmenwechsel der integrierten Erdsystemforschung, auf den wir nachher nochmals zu sprechen kommen werden.

    Lassen Sie mich aber zuerst auf Ihren Einwand eingehen, ob ein paar Jahre oder auch Jahrhunderte für die Wissenschaften einen Unterschied machen würden? Selbstverständlich machen sie das, wenn man den Sinn von zeitlichen Korrelationen verstanden hat. Um erdgeschichtliche Prozesse aus den Gesteinen herauslesen zu können, benötigt man eine möglichst akkurate und hohe zeitliche Auflösung. Je genauer diese ist, je weniger also Äpfel mit Birnen verglichen werden, desto exakter ist die Interpretationsmöglichkeit. So erlauben z.B. nur die sehr hohen zeitlichen Auflösungen an der Paläozän-Eozän-Grenze den Vergleich mit aktuellen Business-as-Usual-Zukunftsszenarien, nur die jährliche Auflösung auch von fossilen Zeitabschnitten etwa mithilfe der Jahresringe zooxanthellater Korallen erlaubt Aussagen über frühere El Niños, nur das Vorhandensein von "Tidal Bundles" in 230 Millionen Jahre alten Sedimenten lässt die Gezeitenaktivität von damals in ihrer Höhe abschätzen. Wo diese Auflösung fehlt, sind auch keine entsprechenden Aussagen möglich. Wenn wir also häufige Plastikreste als wesentliches Merkmal anthropozäner Sedimente definieren und dann die Untergrenze des Anthropozäns bei 1800 oder gar zu Beginn des Neolithikum legen würden, könnten wir die rasche technische Evolution nicht mehr aus den Sedimenten herauslesen, sondern spätere Geologen könnten ggf. fälschlicherweise zu dem Schluss kommen, dass Plastik seit dem Neolithikum verwendet wurde.

    Neben der wissenschaftlich sehr wichtigen Sachdiskussion zur Definition des Anthropozäns, aber auch zu den methodischen Forschungsansätzen gibt es natürlich auch die ebenfalls mehr oder weniger wissenschaftliche Diskussion vieler Kollegen, darunter natürlich auch klassischen Bedenkenträgern, wo ist das nicht so? So gibt es fast aus allen Wissenschaftsbereichen vehemente Befürworter, aber auch vehemente Gegner des Anthropozän-Konzeptes. Und etliche bauen sich ihr eigenes Anthropozän, indem sie z.B. Strohpuppen aufbauen, um sie dann genüsslich wieder einreißen zu können (siehe dazu den früheren Kommentar von Christian Schwägerl, dem ich mich voll anschließe). Die meisten dieser Kommentare entstammen der nachvollziehbaren, dennoch in der Regel kontraproduktiven Furcht, die "Anthropozäniker" könnten einem den eigenen Claim streitig machen. Viele Geografen befürworten das Anthropozän-Konzept, weil es längst überfällig physische Geografie und Humangeografie wieder zusammenbringt, andere Geographen kritisieren hingegen, dass sie dies alles doch schon längst auch ohne das Anthropozän-Konzept machen würden. Geologen befürworten und lehnen ebenfalls gleichermaßen ab ("wir haben doch schon die Quartärgeologie und die Ingenieursgeologie"), ähnliches gilt für Biologen, aber auch für Historiker, Archäologen, Kulturwissenschaftler und viele andere. Auch diesen Diskurs gilt es transparent zu führen. Und ja, da franst es tatsächlich manchmal aus, v.a. dann wenn, wie gerade erwähnt, jeweils ein persönliches Anthropozänkonzept zusammengebastelt wird. Klar, keinem "gehört" das Anthropozän-Konzept, meines Erachtens sollte man allerdings doch den Ansatz von Paul Crutzen sowie den später auch von ihm mitgetragenen Konkretisierungen folgen.

    Wo also verlässt das Anthropozän-Konzept die Wissenschaften tatsächlich, wie Sie, sehr geehrter Herr Paal dies offensichtlich befürchten? Ist es die Kommunikation des Konzeptes in Ausstellungen oder Comics? Das kann vermutlich nicht gemeint sein, wenn Sie von Popularisierungsaspekten sprechen, denn Wissenschaft gehört eben auch aufereitet, transferiert und öffentlich diskutiert, heute mehr denn je. Ja, ich sehe es tatsächlich so, dass das Konzept gerade auch geeignet ist, die Öffentlichkeit stärker für das Zusammenhängen von allem mit allem und der Eingebundenheit der Menschheit in dieses Gesamtsystem zu sensibilisieren. Ich möchte Ihre Frage, ob man das Anthropozän braucht, um sich für Nachhaltigkeitsfragen zu engagieren, folgendermaßen beantworten: Ja, ich denke, das Anthropozän ist hierbei hilfreich, denn bei den bisher gestellten Nachhaltigkeitsfragen ist allzuoft nur der Abwägungsgedanke zwischen Ökonomie, Sozialem und eben Ökologie implementiert - allzu oft mit dem Ausgang, dass die ökologische Nachhaltigkeit zu Gunsten von Pragmatismus hinten herunterfällt. Zu oft bedeutet heute nachhaltiges Wirtschaften immer nur, die Optimierung der Natur für unsere kurzfristigen Bedürfnisse ein bisschen abzuschwächen bzw. zu verlangsamen. Das ganzheitliche Denken, das Austauschen eines Umweltgedankens zugunsten eines Unsweltgedankens, das Erkennen unserer heutigen Abhängigkeit von längst vergangenen Naturprozessen und damit auch die bessere Reflexion des heutigen Tuns hinsichtlich zukünftiger "erdgeschichtlicher" Auswirkungen sehe ich als überaus hilfreich an. Sie kritisieren in diesem Zusammenhang den Untertitel der Münchner Anthropozän-Ausstellung "Unsere Verantwortung für die Zukunft Erde" als "ausfransend". Oben hab ich ja schon konzidiert, dass manchmal etliches "ausfranst", insbesondere wenn sich jeder sein eigenes Anthropozän zurechtlegt. Aber doch gerade nicht in diesem Kontext! Wir begeben uns nun also voll in die Debatte zur gesellschaftlichen Relevanz von Wissenschaften, zur Einbeziehung der Zivilgesellschaft in transdisziplinäre Ansätze, zur Frage, wo wissenschaftliche Beratung der Politik aufhört und damit also insgesamt zur gesellschaftlichen Verantwortung von Wissenschaft. Diese Debatte können wir hier nicht in Kommentaren führen. Aber brechen wir das auf das Anthropozän herunter: Wenn wir eine "Anthroposphäre" als eine eng mit den Natursphären verzahnte Einheit als konzeptionell notwendig für eine neue Erdsystemforschung erachten, um Komplexitäten, Externalitäten, aber auch psychische Bedingtheiten von uns als Individuen, Gruppen und in unserer Gesamtheit mit zu berücksichtigen, ist das Thema Verantwortung selbstverständlich sofort auf dem Tisch. Ob dies noch ein integraler Teil des Anthropozän-Konzepts ist oder sich "nur" aus diesem ergibt, mag dahin gestellt sein und ist fast egal (- die Diskussion geht auch hier insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften weiter -), aber es bedeutet so oder so, dass dieser neue wissenschaftliche, systemische Blick auf die Welt eben auch das Thema Gerechtigkeit, Verantwortung, politische Machbarkeiten von Transformationen etc mit berücksichtigt, ja berücksichtigen muss. Wie dann allerdings die Bewertung stattfindet, also welche Zukunftspfade eingeschlagen werden könnten, und wie die Rolle und Gewichtung der Player dabei ist, muss ein gesellschaftlich-politischer Aushandlungsprozess leisten, der notwendig ist und - ja - der vielleicht ohne Anthropozän-Konzept anders aussehen könnte als mit. Ich persönlich sehe hier durchaus eine gewisse Kompatibilität zwischen der von Ihnen skizzierten globale Ethik und einem Verantwortungsgedanken, der sich aus dem Anthropozän-Konzept ergibt. Wenn die Geoethik allerdings nur die Geoethik von Geowissenschaftlern darstellen soll, würde dies m.E. viel zu kurz greifen. Im Anthropozän können sich aus meiner Sicht eine Geoethik, eine Bioethik, eine Neuroethik oder auch eine humanökologische Ethik nicht gegenseitig ausspielen oder zumindest voneinander abgrenzen, sondern müssten verbunden gedacht werden. In diesem Sinne bietet das Anthropozänkonzept eben eine anregende Ausgangsbasis für eine ethische Neubesinnung, die viel vorhandenes aufnehmen, um neue Aspekte erweitert und weiterentwickelt werden kann, ja muss.
  • Fehlermeldung

    25.05.2015, Cyril
    "Züricher" ist falsch, richtig heisst es: Zürcher.
  • Nun ja...

    25.05.2015, Wizzy
    @Miep, Gliese Sie sind sich da ja sehr sicher. Aber Sie wissen schon, dass die thermische Strahlungswirkung schon etwas modernerer Atomwaffen aus militärischer Sicht als ungleich bedeutsamer eingestuft wird gegenüber Druck- und radioaktiver Wirkung als beim Hiroshima-Typ? Die großflächigen Brände, die dabei entstehen, sind ungleich stärker als bei Vulkanausbrüchen. Und die Wirkung von feiner Asche auf das Klima ist ja von größeren letzteren relativ gut rekonstruiert. Gut genug, um sich vor dem Nuklearen Winter real zu sorgen. Manche Studien nehmen übrigens auch weniger als 100 strategische Sprengköpfe als ausreichend an. Detailierte Informationen: http://en.wikipedia.org/wiki/Nuclear_winter (auch zu #Kuwait_wells_in_the_first_Gulf_War)
  • Panamakrankheit

    25.05.2015, gunnar
    Wieso eigentlich panamakrankheit, wenn der Pilz in Lateinamerika bis jetzt gar nicht vorkommt?
    Antwort der Redaktion:

    Die Krankheit ist nach Panama benannt, weil dort der Pilz zum ersten Mal auftrat. Von dort aus breitete er sich weltweit aus. Die aktuell gefährliche Variante, der Stamm TR4, entstand dann andernorts und hat Lateinamerika noch nicht erreicht.

    Beste Grüße, die Redaktion

  • Ist die Anregung des Positroniums evtl. bereits selbst der Einstieg in neue Physik?

    24.05.2015, S.Kächele
    Ich habe mich nach dem Artikel gefragt, wie denn die Streuung von normalen Protonen am Positronium ausfällt und wie sich der Wirkungsquerschnitt unter Anregung dabei verhält. Wären vergleichende Messungen Proton/Antiproton + Positronium + Anregung(en) nicht möglw. ein direkter Einstieg in neue Physik?
    Antwort der Redaktion:
    Ich bin selbst kein Teilchenphysiker, insofern habe ich da nur begrenzt Expertise, aber meiner Meinung nach sind all diese Vorgänge ganz normale Teilchen/Teilchen- bzw Teilchen/Feld-Interaktionen, nur eben mit Antiteilchen. Materie und Antimaterie unterscheiden sich nur bei Vorgängen mit Beteiligung der Schwachen Kernkraft. Aber auch diese so genannte CP-Verletzung gilt als Bestandteil des klassischen Standardmodells, so dass aus dieser Ecke wohl generell keine neue Physik zu erwarten ist.
  • Schatten

    24.05.2015, Dipl.-Phys. Ulrich Schulz
    Wie erzeugt man denn in einem hellen Raum ein "Schattenbündel", das (den) man dann noch durch ein Prisma schickt? Oder ist das die Physik, die sich in den Köpfen von Dichtern und Philosophen abspielt? Muß das Buch tatsächlich mal lesen.
    Dipl.-Phys. Ulrich Schulz
  • Testosteron ist nicht alles

    24.05.2015, Dr. Georg Stürmer
    So wie ein bestimmter Alkoholpegel bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Wirkung zeigt, unabhängig von der Gewöhnung, bis hin zur Alkoholintoleranz! Das Problem: Testosteron ist nur die eine Seite der Medaille, im wahrsten Sinne des Wortes ist auch die andere Seite zu berücksichtigen: der Androgenrezeptor. Das entsprechende Gen liegt auf dem X - Chromosom (!) und modifiziert mit unzähligen Co-Faktoren die Wirkung von Testosteron. Der Blutspiegel von Testosteron alleine sagt daher nicht alles. Allerdings kann mit Cyproteron der Rezeptor kompetitiv gehemmt werden, was unter anderem zur reversiblen "chemischen Kastration" mit Libidoreduktion benutzt wird, ebenso bei starker Akne und androgenetischer Alopezie! Bei trächtigen Ratten verhindert die Gabe von Cyproteron die Ausbildung des männlichen Phänotyps - die Neugeborenen sind alle phänotypisch weiblich trotz teilweise genotypischer XY-Konstitution.
  • Physik muss man nicht "glauben"

    24.05.2015, Robert Orso
    Logik ist die Lehre des vernünftigen Schlussfolgerns. (Wikipedia)

    Sie beruht also auf dem was jemandem zu einem bestimmten Zeitpunkt "vernünftig" erscheint. Insofern unterscheidet sie sich dadurch von der Mathematik, die ausgehend von sehr einfachen Grundgesetzen komplexe und belastbare Aussagen möglich macht.

    Physik ist die Repräsentation der Mathematik in der Wirklichkeit und sie kümmert sich nicht darum, ob wir etwas als "vernünftig" ansehen oder nicht. Das spannende an der Quantenphysik ist ja eben die Tatsache, dass die geltenden Gesetze im kleinen den Erfahrungen des Alltags widersprechen. Insofern muss sich der "gesunde Menschenverstand" gelegentlich der Beobachtung beugen. Dem Einen mag es "logisch" erscheinen, dass man nach dem Tod in den Himmel kommt, dem Anderen, dass vom Vollmond bestrahltes Wasser mit kosmischer Energie aufgeladen wird, oder dass die Alltags Erfahrung, ein Objekt kann nicht gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten sein, in der Größenordnung der Quantenwelt weiterhin uneingeschränkt gültig ist.

    Die Aufgabe der Wissenschaft und in diesem Fall der Physik ist es, diese naheliegenden und "logischen" Schlussfolgerungen akribisch zu prüfen und den Glauben von der Wirklichkeit zu unterscheiden. Manchmal mit überraschenden Resultaten. Mit zunehmender Erkenntnis ändert sich dann auch die Ansicht was "vernünftig" und demnach "logisch" ist.

    "Gleichzeitig an zwei Orten" verwendet allerdings zwei Begriffe, die im Quanten Umfeld nicht zwangsläufig die gleiche Bedeutung haben wie in der Makro Welt. Raum und Zeit, Gleichzeitigkeit und Ort sind für Quantensysteme weder unabhängig noch gemeinsam genau bestimmbar. Die gemessenen Ergebnisse lassen sich in das Vokabular unserer Makro Welt aber am klarsten mit "gleichzeitig an zwei Orten" übersetzen. Mangels direkter Erfahrbarkeit haben wir Menschen für Quantenvorgänge kein Vorstellungsvermögen entwickelt und auch nur unzureichendes Vokabular um es abzubilden. Die Mathematik hat das Problem nicht und die Messungen zeigen uns, dass das Universum im Kleinen sehr genau mit den zugegebenermaßen skurilen mathematischen Vorhersagen übereinstimmt. Viele moderne Techniken, die uns selbstverständlich geworden sind funktionieren nur WEIL Quanten gelegentlich an mehreren Orten gleichzeitig sein können, oder sie sich den gleichen "Raum" mit anderen Quanten gleichzeitig teilen. Diese Experimente dienen nicht (mehr) dazu diese Eigenschaften als richtig oder falsch zu untersuchen, sondern auszuloten wo und wie die seltsamen Eigenschaften der Quanten in die uns bekannten klaren Trennungen von ja ODER nein, tot ODER lebendig, links ODER rechts über gehen.

    Schrödinger hat das Beispiel der Katze ja gewählt WEIL sie selbstverständlich(?) bei einem echten Versuch nur lebendig ODER tot sein würde, nie beides gleichzeitig, während aber der Zustand des diesen Umstand auslösenden Quants sehr wohl beides gleichzeitig sein kann. Das Niemandsland dazwischen gilt es zu kartieren.
  • Genau!=)

    23.05.2015, Rainer Zufall
    Zumal der "Mündungsblitz einer Plasmakanone" grob genommen auch richtig wäre...
  • Selig sind die,...

    23.05.2015, Rainer Zufall
    die, wie sie oben erwähnten, "glauben" - denn Glauben erfordert kein Wissen.
    Leider haben sie dann auch noch die Wahrheit eingestreut und spätestens da muß
    sich die Wissenschaft zurückziehen, denn Glauben und Wahrheit sind Dinge mit denen
    sich Religion/Philosophie abgeben. Wissenschaft wird eine Hypothese solange favorisieren, solange sie nicht durch eine bessere Hypothese ersetzt werden kann.
    In diesem Sinne: schauen sie sich das altbekannte Doppelspaltexperiment an und
    fragen sich dann bitte, wo die die Wahrheit bleibt, wenn ein einzelnes Teilchen an
    beiden Spalten gleichzeitig mit sich selbst interagiert und ein Interferenzmuster
    erzeugt. (In Internetsprech: "Where is your God now?" - God im Sinne ihres Logikglaubens(0/1)). Ist nicht böse gemeint, doch hab ich das Nörgeln an Theorien satt, solange nicht mit der Kritik auch andere Lösungsansätze erörtert werden..
  • Quatsch

    23.05.2015, Miep
    Schon ein kleiner Vulkanausbruch belastet die Atmosphäre mit weitaus mehr Rußpartikeln. Die Folgen eines begrenzten nuklearen Schlagabtauschs mit Luftdetontionen von 300-5000m wären (zumindest für das klima) vollständig bedeutungslos.
  • Beispiel Golf-Krieg 1991

    22.05.2015, Giese
    Während dieses Krieges hieß es unter prominenten Klimaforschern: Die USA dürften keinesfalls in Kuweit militärisch eingreifen. Dann müsse man nämlich damit rechnen, dass Sadam Hussein alle Ölquellen anstecken ließe. Als Folge würde weltweit für 10 Jahre keine Sonne scheinen und es überall Missernten und Hunger geben - Was geschah? Die USA griffen ein, Saddam Hussein ließ sämtliche Ölquellen anzünden. Und was geschah mit dem Klima? Nichts, was man als normaler Mensch hätte bemerken können.
  • Technofossilien

    22.05.2015, Gabor Paal
    Lieber Herr Schwägerl,
    danke für diese konstruktive Entgegnung. Meine Verwunderung über die "Mensch-Maschine-Interaktion" war in meinem Argument eher ein Randaspekt - ein Symptom, das mir aufgefallen ist, aber letztlich für meine zentrale These eine untergeordnete Rolle spielt.
    Um das aber nochmal zu klären: Ich habe kein Problem, die Hinterlassenschaften der Technosphäre ("Technofossilien") als mögliches geologisches Merkmal des Anthropozäns zu akzeptieren. Aber die "Mensch-Maschine-Interaktion" ist ja ein sehr spezieller Aspekt, bei dem schwer erkennbar ist, weshalb er als gegenüber der übrigen Technosphäre noch einmal besonders herauszuheben wäre. Ob ein Kabel der Datenübertragung im Internet dient oder als simple Stromleitung, scheint mir auf der Ebene der Anthropozän-Abgrenzung irrelevant. Das entscheidende Eigenschaft von Technofossilien ist doch die "Gemachtheit", die in ihrer "artifiziellen" Morphologie und den Materialien zum Ausdruck kommt. Inwieweit Techniken unser Konsumverhalten beeinflussen, ist wieder eine ganz andere Frage bzw. ein komplett anderes Argument, das mich aber eher noch weniger überzeugt, da es sich hier m.E. um einen klassischen Kategorienfehler handelt. Alles mögliche beeinflusst schließlich unser Konsumverhalten, und zwar weniger auf der materiellen als auf der immateriellen, semiotischen Ebene. Sprich, Sprache, Bilder, Werbung, soziale Einflüsse. Aber das meine ich mit Ausfransen: Wenn man das alles zu den Merkmalen des Anthropozäns rechnen würde, dann wäre es gleichbedeutend mit "Kultur" oder "moderne Zivilisation", und das hätte dann aus meiner Sicht Charakterzüge eines Zirkelschlusses: "Die menschliche Zivilisationsgeschichte hat ein neues Erdzeitalter eingeläutet, dessen Merkmal alles ist, was zur menschlichen Zivilisationsgeschichte gehört." Damit täte man dem Konzept nach meiner Überzeugung keinen Gefallen. Deshalb war die "Mensch-Maschine-Aktion" für mich symptomatisch für das Gesamtproblem, das ich sehe.
    Viele Grüße
    Gábor Paál