Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Pilzgefahr?

    04.02.2012, Dietmar Achilles
    Was geschieht, wenn nun dieser Pilz in die moderne industrialisierte Welt Einzug nimmt? Müssen wir uns dann um die Haltbarkeit vieler und wichtiger Produkte Sorgen machen?
    Antwort der Redaktion:

    Sehr geehrter Herr Achilles,

    ich denke, da müssen wir uns keine Sorgen machen zumindest nicht in höheren Breiten: Der Pilz stammt aus den Tropen und dürfte frostige Temperaturen kaum vertragen. Wahrscheinlicher ist auch, dass die Enzyme des Pilzes chemisch nachgebaut und dann eingesetzt werden, statt den Pilz einfach freizusetzen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Daniel Lingenhöhl

  • Optische Täuschung auf dem Traktor

    03.02.2012, Jürgen Hartmann
    Das was Herr Radicec erlebte, beschrieb bereits der sowjetische Schriftsteller Michail Scholochow in seinem 1930 erschienenen Roman "Neuland unterm Pflug": Im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft wurde der Romanheld aus Petersburg in die Steppe am Don geschickt, um dort als Traktorist unermesslich große Felder zu pflügen. Abends vom Traktor gestiegen hatte er dann das Gefühl, dass die Erde unter ihm weggleitet, begleitet von Übelkeit und Kopfschmerzen - und das, obwohl er sich in seiner Unterkunft befand. Er hatte mehrere Wochen damit zu kämpfen...
    Eine ähnlich Empfindung hatte ich, als ich das erste Mal eine fast 1000 km lange Autofahrt hinter mir hatte - wenn ich nicht direkt auf den Fußboden schaute, kam es mir vor, dass sich der Boden unter mir wegbewegt. Das verging erst am nächsten Tag.
  • Auch Punktmuster haben ihre Tücken

    03.02.2012, Andrea Kamphuis
    Dass Filmszenen epileptische Anfälle auslösen können, ist ja bekannt - siehe z. B. Markus A. Dahlems Beitrag hier: http://www.scilogs.de/blogs/blog/graue-substanz/2011-11-29/kultur-optimaler-reiz-ueberflutung
    Aber auch statische Muster scheinen Tücken zu haben. Ein Bekannter, der sonst nicht zu epileptischen Anfällen oder Migräneattacken neigte, hatte in Phasen des Alkoholmissbrauchs oder -entzugs Probleme mit bestimmten regelmäßigen Punktmustern. Diese perforierten Schallschutzplatten, die früher oft hinter Münztelefonen hingen, konnten bei ihm Zusammenbrüche auslösen, die er als epileptische Anfälle beschrieb.
  • Alles im Dienste der Klimahysterie?

    03.02.2012, Gilbert Brands, Krummhörn
    "...Der Rückgang reichte aus, um Eiszeiten auszulösen." Ich frage mich allen Ernstes, auf welcher Wissensgrundlage sich der Redakteur erdreistet, komplexe Themen, die bekanntermaßen viele Ursachen haben, auch für die ferne Vorzeit auf einen einzigen Faktor zu reduzieren. Um es mal so beleidigend wie möglich zu sagen: diese gebetsmühlenartige Reduktion auf CO2 in vielen Kommentaren artet allmählich in Scharlatanerie aus.
  • Unpräzise Fragestellung

    03.02.2012, Mike
    Die Frage ist sehr unpräzise gestellt, da nach "einzelnen" und nicht "verschiedenen" Wägestücken gefragt wird. Außerdem sind Wägesätze ähnlich wie Geldstücke üblicherweise in 1,2,5,10g Einheiten gestückelt um leichter Rechnen zu können.
  • Elefanten nach Australien

    02.02.2012, georg scherbaum
    Also Elefanten wäre eine gute Idee, aber Giraffen und einige Großantilopen Afrikas müssten dazu. Als Wildfleischfresser maximal Geparden. Alles mit Maß. Ich würde den WWF und den deutschen 4-Pfoten-Verein dazuziehen; vielleicht könnte man so Artenschutzprogramme billiger und gleichzeitig kostengünstiger gestalten. Viel Glück
  • Seekrankheit nach langer Zugfahrt

    02.02.2012, Halec Radicec
    Interessante Geschiche.
    Ich bin einmal drei Tage lang mit dem Zug unterwegs gewesen. Kaum am Boden angekommen, bin ich gestolpert und beinahe umgefallen, obwohl der Boden glatt war. Verursacht wurde das von dem Eindruck/dem Gefühl, der Boden würde sich wie durch Wellen bewegen. Nah einigen mislungenen Versuche habe ich das Laufen aufgegeben und mich auf einer Wiese hingelegt. Nach einiger Zeit bin ich aufgewacht und es ging auch mit dem Laufen.
  • ist doch irgendwie selbstverständlich...

    02.02.2012, Uwe Zimmermann
    ...die einzige Möglichkeit den Stau zu verhindern, ist es, die Passagiere vorher zu sortieren, dazu brauche ich keine aufwändige Studie und keine Modelle - das sagt mir der gesunde Menschenverstand. Gleichzeitig verstehe ich nicht, warum die Fluggesellschaften, die tagtäglich mit diesem Problem konfrontiert werden, nicht schon längst ein funktionierendes System gefunden haben.

    An vielen Flughäfen, von denen ich in letzter Zeit gestartet bin, werden die Passagiere grob in zwei oder drei Gruppen nach Sitzreihennummer sortiert, gleichzeitig wird aber diese Sortierung nicht wirklich überwacht, so dass die Drängler der ersten Reihen stets wieder für Verstopfung sorgen. Dabei wäre es so einfach, die Sitzreihen nacheinander aufzurufen...

    Ich verstehe auch nicht, wieso die Fluggesellschaften nicht sehr viel restriktiver im Bezug auf das Kabinengepäck sind. Auf meinen Flügen blockieren immer Mitreisende das Boarding, weil sie ihr viel zu großes und umfangreiches Kabinengepäck nicht verstaut bekommen.

  • Intuition statt Herleitung

    02.02.2012, Dr. Wolfgang Klein
    Als Mathematiker mit theoretischer Physik als Nebenfach (schon einige Zeit her) kann ich die Sicht des Autors Tony Rothman nur bestätigen. Bei mir hat es einige Semester gedauert, bis ich wirklich verstanden hatte, wie theoretische Physiker zu ihren Gleichungen und Ungleichungen kommen, nämlich nicht wie Mathematiker durch Herleitung aus (letztendlich) wenigen einfachen Axiomen, sondern durch Analogieschlüsse, Ahnungen, "Intuition" und so fort.

    Vor einiger Zeit habe ich mal versucht, mich ein wenig mit Stringtheorie zu befassen (z.B. mit dem Lehrbuch von M. Kaku). Dieses fängt im Grund damit an, dass die verwendeten Symmetriegruppen vom Himmel fallen. Das Thema Symmetriegruppen steht meines Wissens in enger Beziehung zu dem, was Tony Rothman über den Lagrangeformalismus und das Wirkungsprinzip schreibt (Erhaltungsätze, Satz von E. Noether). Gerade beim Satz von E. Noether habe ich den Eindruck, dass der von Physikern zwar häufig zitiert, aber nicht wirklich verstanden wird, falls die Betreffenden überhaupt die Arbeit von Emmy Noether gelesen haben.

    Bedauerlich ist auch der teilweise schlampige Umgang mit mathematischen Theorien (Operatortheorie, Lie-Gruppen). Man sehe sich beispielsweise die Ausführungen von Walter Greiner über Lie-Gruppen und Lie-Algebren an und vergleiche die mal mit einem Mathematikbuch zum selben Thema. Mir ist noch die denkwürdige Aussage meines Professors für theoretische Physik (Haug) in Erinnerung: "Ein Hilbertraum ist ein undendlichdimensionaler Vektorraum mit Skalarprodukt." Ein anderes Beispiel ist sein Umgang mit uneigentlich Integralen: Ein existierendes beidseitig uneigentliches Integral wandelte er in zwei nicht existierende einseitig uneigentliche Integrale um, formte diese zu zwei existierenden eigentlichen Integralen um und hatte dann in Summe das beidseitig uneigentliche Integral vom Anfang in ein eigentlich Integral umgewandelt.

    Man erinnere sich an die Aussage von Bertrand Russell, dass man ausgehend von einer falschen Aussage jede Aussage herleiten kann. Beispiel: 0 = 1 => Bertrand Russell ist der Papst.
  • Warum es sich neben einer Kiste besser denkt

    01.02.2012, Hartl Johann
    Also ich glaube da fehlt eine Information dazu, wie man das am besten in den Alltag überträgt. Natürlich hat der Verfasser recht mit diesem bildlich dargestellten Versuch. Ich verstehe das folgendermaßen:
    Man hat eine Sache zu bearbeiten. Z.B. anfertigen eines Gebrauchsgegenstandes. Solange man mit dem Erstellen des Gebrauchsgegenstandes theoretisch aus Texten und unmittelbar davorstehend befaßt ist, ist man "mitten in der Kiste." Entferne ich mich aber räumlich, setze mich irgendwo hin und lasse von innen her von selbst einströmendes Gedankengut kommen, dann ergeben sich meist ganz neue Perspektiven, die die praktische Arbeit am Gebrauchsgegenstand fördern. Man ist dann bildlich gesprochen eben "neben der Kiste".
    Antwort der Redaktion:

    Lieber Herr Hartl,

    den Autoren der Studie geht es um die ganz konkrete, wortwörtliche Umsetzung. Um die Erkenntnisse in den Alltag zu übertragen, müssten Sie sich also eine Kiste zimmern und direkt daneben Platz nehmen, wenn Sie nach kreativen Problemlösungen suchen.

    Da sich der förderliche Effekt jedoch nur zeigt, wenn man die Ergebnisse vieler Teilnehmer mittelt, sollte man als Einzelner besser keine größeren Hoffnungen mit dieser Maßnahme verbinden. Da sind die von Ihnen vorgeschlagenen Methoden sicher deutlich erfolgversprechender.

    Mit besten Grüßen, Jan Dönges (Redaktion)

  • Punktförmige Teilchen?

    01.02.2012, Hans Palm, Frankfurt am Main
    Eine Ergänzung zu meinem vorherigen Leserbrief:

    Es ist unklar, ob es überhaupt punktförmige Teilchen, also Teilchen ohne räumliche Ausdehnung gibt. Bei Elektronen, Myonen und Neutrinos hält man es für möglich. Allerdings sind diese Teilchen besonders schnell, also erst recht keine Angriffspunkte für Gravitationskräfte.

    Für Quarks wird auch Punktförmigkeit angenommen; jedenfalls können sie sich nicht unendlich nahe kommen, weil dann die Teilchen, die sich aus ihnen zusammensetzen, auch punktförmig würden.
  • Eine Zumutung

    01.02.2012, K. J. Düsberg
    Der Artikel von Tapp ist eine Zumutung: Weder über die Theodizee-Problematik im Besonderen noch über religionsphilosophische Probleme im Allgemeinen informiert er in korrekter Weise.

    Es wird zwar über Versuche berichtet, das Theodizee-Problem zu lösen. Verschwiegen wird aber, dass diese Versuche längst als gescheitert erwiesen sind: Es gibt keine – haltbare – Lösung des Theodizee-Problems (was Löffler im anschließenden Streitgespräch bemerkenswerterweise zugesteht). Es sei hier nur auf den kurzen Übersichts-artikel von Andrea M. Weisberger verwiesen: „The Argument from Evil“ (in: Michael Martin [ed.], The Cambridge Companion to Atheism).

    Überhaupt ist die Auswahl der erwähnten Literatur extrem selektiv und einseitig: Es kommt nur solche pro, keine kontra Religion vor. Kein einziges Wort zu dem Klassiker der modernen Religionsphilosophie (und -kritik): „The Miracle of Theism“ (dt.: „Das Wunder des Theismus“) von John Leslie Mackie geschweige denn eines zu neueren Publikationen wie „Breaking the Spell. Religion as a Natural Phenomenon“ von Daniel C. Dennett, „Religion Explained. The Evolutionary Origins of Religious Thought“ (dt.: “Und Mensch schuf Gott”) von Pascal Boyer, „The God Delusion“ (dt.: „Der Gotteswahn“) von Richard Dawkins, „Die Frage nach Gott“ von Norbert Hoerster, „God. The Failed Hypothesis. How Science Shows that God does not Exist“ von Victor J. Stenger oder “Irreligion. A Mathematician Explains why the Arguments for God just don’t Add up” von John Allen Paulos.

    Dabei ist doch offenkundig, dass man erst dann von der Vernünftigkeit des religiösen Glaubens (und der Wissenschaftlichkeit theologischer Dogmatik) zu reden berechtigt wäre, wenn man die in diesen und vielen anderen Publikationen enthaltenen religionskritischen Argumente entscheidend entkräften würde. Nicht einmal eine Andeutung, wie das gehen soll, findet sich in dem Artikel. Jedenfalls ist der Hinweis darauf, dass die von vielen als widersprüchlich angesehene christliche Trinitätslehre sich doch als widerspruchsfrei herausgestellt habe, in diesem Zusammenhang eine ganz unerhebliche Marginalie.

    Nebenbei bemerkt: „dass Wissenschaftler für ihre Prämissen Gewissheit beanspruchen müssen und damit auf einen Akt der Anerkennung oder des Glaubens angewiesen sind“ (und insofern wohl eine quasireligiöse Einstellung haben sollen), mag zwar eine These von Habermas wiedergeben, steht aber im Widerspruch zu dem in der Wissenschaftstheorie so gut wie unstrittigen Fallibilismus in bezug auf empirische Wissenschaften (siehe z.B. Gerhard Schurz, Einführung in die Wissenschaftstheorie). Was man von Habermas’ wissenschaftstheoretischen Eskapaden zu halten hat, kann man u. a. bei Adolf Grünbaum nachlesen (A. Grünbaum, Die Grundlagen der Psychoanalyse. Eine philosophische Kritik [dt. Übers. von: The Foundations of Psychoanalysis. A Philosophical Critique], etwa S. 66: Habermas kenne nicht einmal den „elementaren Lehrstoff der Wissenschaftsphilosophie“).

    Zu drei von Löffler im anschließenden Streitgespräch mit Voland aufgestellten Behauptungen jeweils ein kurzer Kommentar:

    1) Der Versuch, im Rahmen der Big-Bang-Kosmologie (ohne Inflation) den kosmologischen Gottesbeweis zu reanimieren, ist längst als misslungen nachgewiesen, auch ohne Rekurs auf Multiversum-Theorien, u. a. von Adolf Grünbaum in einer Reihe von Aufsätzen (z. B.: „Die Schöpfung als Scheinproblem der physikalischen Kosmologie“ [dt. Übers. von: „The Pseudo-Problem of Creation in Physical Cosmology“], „Theological Misinterpretations of Current Physical Cosmology“).

    2) Löffler behauptet, dass auch Wissenschaft auf Grundannahmen basiere, die ihrerseits nicht überprüfbar seien; ein Beispiel sei das Kausalprinzip. Diese Behauptung ist schlicht falsch. Schon älteren wissenschaftstheoretischen Veröffentlichungen kann man entnehmen, dass das Kausalprinzip eine empirische Aussage macht, die zwar weder direkt verifizierbar noch direkt falsifizierbar, sehr wohl aber auf indirekte Weise überprüfbar ist. Das hat z. B. Wolfgang Stegmüller gezeigt im Abschnitt 7 von Kapitel VII seines Buchs „Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philosophie, Band I: Wissenschaftliche Erklärung und Begründung“. Man sollte deshalb besser nicht von einer Grundannahme, sondern von einer Oberhypothese sprechen. Wissenschaftliche Oberhypothesen sind zudem in hohem Maß bestätigt und damit – vermutlich – wahr. Das trifft für das Kausalprinzip zumindest dann zu, wenn man neben deterministischer auch probabilistische Kausalität mit einbezieht. Im Gegensatz dazu ist die für jede Religion konstitutive Oberhypothese „es gibt Übernatürliches“ – vermutlich – falsch. Denn für diese Existenzaussage gibt es nicht den Hauch eines Belegs. Und eine Existenzaussage, für die es keinerlei Beleg gibt und auch keine adäquate Erklärung dafür, warum, zumindest bisher, Belege ausgeblieben sind, sollte man rationalerweise als falsch ansehen. Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Religion ist somit einer zwischen Wahrheit und Falschheit.

    3) Man kann natürlich Fragen stellen, auf die die Wissenschaften keine Antworten geben. Das Problem ist nur, dass die von Religionen bereitgestellten Antworten auf diese Fragen nichts taugen. Löffler erwähnt die Frage „nach dem letzten Sinn der Gesamtwirklichkeit“. Die religiösen Antworten darauf unterstellen, dass es einen solchen Sinn überhaupt gibt. Bisher ist es jedoch noch niemandem gelungen, diese Existenzbehauptung auch nur halbwegs plausibel zu machen (worauf Voland zu Recht verweist; s. auch Bernulf Kanitscheider, Entzauberte Welt). Als weitere Fragen führt Löffler an: „Was ist wichtig im Leben?“, „Wo soll man sich engagieren?“. Dabei geht es offenbar um normative Angelegenheiten, etwa um Moral oder Politik. Dass in dieser Hinsicht Religionen Besseres zu bieten hätten als Ethik oder politische Philosophie, ist wohl kaum anzunehmen. Jedenfalls ist eine religiöse Begründung von Moral unhaltbar – was man im Wesentlichen schon seit Platon weiß. Eine kurze Zusammenfassung der zentralen Argumente gegen religiöse Begründungen von Moral findet sich in dem Artikel von David O. Brink: „The Autonomy of Ethics“ (in: Michael Martin [ed.], The Cambridge Companion to Atheism).
  • Doch nicht so schlecht?

    01.02.2012, Prof. Dr. Martin Wenzel, Augenklinik Petrisberg
    In Studium und Literatur stehen viele Interessierte vor der wichtigen Frage, die auch T. D. Lamb in seinem Artikel unbeantwortet ließ: Warum muss das Licht im Auge in der Netzhaut erst die dicke Nervenfaserschicht durchdringen, bevor es die Lichtrezeptoren der Netzhaut erreicht? Dadurch ist der "blinde Fleck" als weitere Unvollkommenheit der Evoultion nötig und auch die Blutgefäße der Nervenfaserschicht, die das Sehen ebenfalls hindern. - Dies sollte nicht als "Mangel der Evolution" dargestellt werden.

    Die Rezeptoren der Netzhaut zählen zu den stoffwechselaktivsten Zellen, die es in der Natur gibt. Sie müssen zweierlei leisten. Zum einen haben sie einen extrem hohen Energieverbrauch und auch Materialverschleiß, wenn sie Licht in Nervenimpulse umwandeln. Zum zweiten liefern sie eine riesige Inforamtionsmenge, die an das Gehirn geleitet werden muss. Um beiden Aufgaben gerecht werden zu können, muss die Rezeptorenschicht von beiden Seiten mit je einer der beiden Aufgaben verknüpft werden. Unter den Rezeptoren, dem Licht abgewandt, liegt die Aderhaut, die den Rezeptoren die Nährstoffe liefert und den Abfall abtransportiert. Über den Rezeptoren, dem Licht zugewandt, liegen die Nervenfasern, die über den blinden Fleck zum Gehirn ziehen und dabei das einfallende Licht behindern.

    Damit muss das Auge ähnliche Probleme lösen, die bei astronomischen Spiegelteleskopen kaum besser gelöst sind. Auch dort hindern der Fangspiegel und seine Streben das einfallende Licht beim Weg zum Parabolspiegel, und trotzdem werden heute die meisten Teleskope so gebaut. Ein zweiter Vergleich ist möglich: Beim großen Gesichtsfeld zur Orientierung ist weder beim Teleskop noch beim Auge maximale Detailerkennung gegeben. Eine gute Detailauflösung ist nur in einem sehr kleinen zentralen Gesichtsfeldbereich zu erzielen. Genauso hat das Auge einen kleinen Fleck, die "Macula" in dem sehr gutes Sehen ohne "störende" Nervenfasern und aufliegende Gefäße möglich ist. Diese Kombination zwischen Übersichtlichkeit und Detailerkennen erfordert beim Teleskop einen Okularwechsel, beim Auge ist es in einem optischen Gerät verwirklicht.

    Würde, wie es viele fordern, die Netzhaut ihre Nervenfasern durch die Aderhaut nach hinten ableiten, wäre die Versorgung der Rezeptoren durch die Aderhaut reduziert. Dies wäre ein ernstes Problem, denn die meisten schweren Sehstörungen der Netzhaut entstehen bereits jetzt schon durch eine Behinderung ihrer Ernährung durch die Aderhaut (vgl. Spektrum der Wissenschaft 4/2002, Seite 48, "Wenn die Netzhaut verfällt").
  • Astronomisches Jenseits?

    01.02.2012, T. Hoff
    Sie schreiben in der November-Ausgabe: "Wenn Astronomen ihre Teleskope auf den Himmel richten, können sie bis zu einer Entfernung von rund 42 Milliarden Lichtjahren sehen."

    Wie soll ich das verstehen? Das Universum soll schließlich erst ca. 13,7 Mrd Jahre alt sein. Da Licht nun mal mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs ist, kann ein Teleskop, das in den Himmel gerichtet wird, auch nur Lichtteilchen einfangen, die aus max. 13,7 Mrd. LJ Entfernung kommen. Der sichtbare Horizont ist somit nicht 42 Mrd. LJ entfernt, sondern nur 13,7 Mrd. LJ - es sei denn, das Universum wäre viel älter.
    Antwort der Redaktion:
    Unsere Angabe stimmt schon. Die Reisezeit des Lichts beträgt zwar 13,7 Milliarden Jahre; man könnte also vermuten, dass es in dieser Zeit 13,7 Milliarden Lichtjahre zurücklegt. Aber das ist nur eine untere Grenze. Denn der Kosmos expandierte in dieser ganzen Zeit. Wie man auf 42 Mrd. Lichtjahre kommt, erklärte Ned Wright von der University of California in Los Angeles schon vor längerer Zeit recht ausführlich (allerdings auf englisch).
  • Guter Aufruf zur Besinnung

    01.02.2012, Harald Bruckner
    Stimmt schon, dass sich die öffentliche Wahrnehmung der pysikalischen Grundlagen dahin geändert hat, dass sie nicht mehr die Natur möglichst exakt beschreiben, sondern der Natur vorschreiben, wie sie sich zu verhalten hat. So gesehen ist der Artikel als Aufklärung recht gut und treffend geschrieben. Für eingefleischte Physiker ist er natürlich entbehrlich - wie Herr Kronberg schreibt.
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