Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Sie verstehen offenkundig nicht was Sie zitieren?

    16.11.2016, Peter Ruppert
    Sehr geehrter Herr Schlüter,

    Ihre Einlassung mit dem Verweis auf eine angeblich gebotene "Verhältnismäßigkeit" (VM) ist sachlich falsch. Davon sagt auch der BGH kein Wort.
    Weder Notwehr noch Nothilfe kennen eine solch absurde Forderung nach VM. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine normierte Güterabwägung, ein Vorgang der in entsprechender Lage garnicht zu leisten ist!

    Es geht lediglich darum ob die Trutzwehrhandlung erforderlich und geboten war den Abwehrerfolg gegen einen unmittelbaren, gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff sicherzustellen. Der leider "typisch deutsche" Verweis auf eine angeblich geforderte Verhältnismäßigkeit ist für solche Lagen zumindest realitätsfremd.

    Was Sie im Folgenden über die tatsächlich primär in deutschen Hirnen existenten "amerikanischen Verhältnisse" darlegen ist ebenfalls frei von jeder Sachkenntis.
    Haben Sie auch nur einen Verdacht wie groß die tatsächliche Dichte an erlaunispflichtigen Schusswaffen in Deutschland ist, sofern diese auch geführt werden? Legal < 20.000 und illegal, abgeleitet aus dem Verhältnis der Gesamtzahl beim Legalbesitz kommen man schon auf ca. 110000; einen illegalen Gesamtbestand von 30 Mio vorausgesetzt.
    Als langjähriger Berufswaffenträger lassen sich Ihre Ausführungen mit "Unfug" zusammenfassen, mit der Realität haben diese Thesen nichts gemeinsam.
  • Eine statistische Auswertung dieser Art ist fragwürdig.

    16.11.2016, Peter Ruppert
    Es ist vollkommen unbefriedigend, und damit überaus dürftig, Datensätze in solcher Weise auf Korrelationen zu untersuchen und in der Folge jeden Ansatz zu einer Kausalitätsprüfung zu vermeiden.Es wird schlicht unterstellt das die Normmodifikation die dargestellten Veränderungen begründet und dazu wird auch auf jede gebotene Unterscheidung zwischen rechtmäßigen und unrechtmäßigen Trutzwehrhandlungen verzichtet. Die Frage ob denn nicht ggf. durch die Normmodifikation bestimmte Deliktformen durch Notwehrhandlungen Geschädigter nun "neu" in die Datensätze eingegangen sind, wird nicht mal ansatzweise geprüft. Eben solche die zuvor wg. "Duty to retreat" in Erscheinung traten.

    Und dürftig sind solche Feststellungen in den Ergebnissen die weder geprüft haben ob und in welcher Relation die rechtmäßigen zu den rechtswidrigen Handlungen stehen. So ist die "Conclusion" bestenfalls formaler Natur.

    Auch bleibt nachzutragen das nicht jeder Geschädigte eines Schusswaffengebrauchs ein "Opfer" ist, es handelt sich in Fällen rechtmäßigen SWGs in der Regel um abgewehrte Täter.

    MfG

  • Huch, wie unangenehm ...!

    15.11.2016, S. Udo Wolstwijem
    Ich frage mich, wieso Herr Eberts Ton diesem Gedankenspiel nicht angemessen sein soll. Wieso muss so ein Thema mit staatstragend hochgezogener Augenbraue komplett humorbefreit diskutiert werden? Und diese überall angemahnte Leisetreterei gegenüber persönlichen Bekenntnissen ödet mich an. Herr Ebert kann schreiben, was ihm passt und wem das nicht passt, muss es nicht lesen.

    Und noch eins: die Masse der Menschen hat keinen Spaß daran, Mathe und Physik zu studieren oder 10 Sprachen zu lernen.

    Nur durch die Endlichkeit des Seins haben wir den Ansporn, etwas anzupacken.
  • In der Praxis hängt die palliativmedizinische Betreuung am Lebensende von der Einstellung des lokal verfügbaren Arztes ab...

    15.11.2016, Heinrich Gossen
    ...und da kann es heute passieren, wie ich es bei einer tötlichen Erkrankung meines Vaters erfahren musste, dass es sich um einen stark religiös geprägten Zeitgenossen osteuropäischer Herkunft handelt, der Schmerzmediziner als "Dealer" bezeichnet und Schmerzmittel nur widerwillig verschreibt. Gerade unter Medizinern scheint hier noch sehr viel Aufklärungsarbeit notwendig.
  • Notwehr in D

    15.11.2016, Olaf Schlüter
    Bitte vorsichtig sein beim Erwecken des (falschen) Eindrucks, man könne es in D ebenfalls nicht in der Notwehr übertreiben. Es gibt nämlich durchaus ein Verhältnismäßigkeitserfordernis. Und der Begriff "Notwehrexzess" bezieht sich auf aus Furcht oder Erschrecken heraus übertriebene Notwehr (also aus besonderen Gründen übertriebene Notwehr), und die ist - straffrei. Furcht, Schrecken, Panik wirken rechtfertigend auch dann, wenn die Notwehr objektiv übertrieben drastisch war.

    Vgl. §§32, 33 StGB und z.B. dieses Urteil des BGH:

    http://www.hrr-strafrecht.de/hrr/2/14/2-473-14.php

    Und was Schusswaffengebrauch in den USA betrifft, "stand your ground" oder nicht, da ist schon seit langem Hopfen und Malz verloren. Allein der Umstand, dass alle potentiell Beteiligten um die große Wahrscheinlichkeit einer Schusswaffenpräsenz wissen, führt zu einem Wettrüsten von potentiellen Opfern und Tätern, und zu schnellerem Einsatz der Schusswaffe bei angenommenen Bedrohungen - denn sie ist dann einerseits für einen selbst verfügbar, andererseits auch beim Gegner als verfügbar zu befürchten. Das erklärt z.B. auch, warum amerikanische Polizisten so schnell schiessen. Weshalb mir amerikanische Polizisten im Gegensatz zu unseren kein Sicherheitsgefühl vermitteln, sondern als Bedrohung wahrgenommen werden. Schon bei simplen Verkehrskontrollen verhalten die sich so, als ob ein Schusswaffengebrauch beim Fahrer zu befürchten ist. Also: bloss keine falsche Bewegung.
  • Darstellung nicht ganz eindeutig

    15.11.2016, gdh
    Im Artikel heisst es:
    >>Wer sich in Florida bedroht fühlt, muss sich nicht in Sicherheit bringen, sondern darf sozusagen "nach vorne verteidigen": Sogar der Einsatz tödlicher Gewalt ist erlaubt, um die wahrgenommene Bedrohung abzuwehren.<<

    Die Besonderheit ist NICHT, dass sich jemand (notfalls mit tödlicher Gewalt*) verteidigen darf, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist (Stichwort Notwehr). Das ist in Deutschland auch so (und selbst dann straffrei, wenn die Person über die Gefahr irrt - Stichwort Putativnotwehr).

    Die Besonderheit (was hier nur am Rande durchklingt), besteht darin, dass Gewalt in Florida selbst dann zulässig ist, wenn sie eben NICHT erforderlich ist um die Gefahr für die eigene Gesundheit zu beseitigen.

    *) Es gibt auch kein Erfordernis der Verhältnismäßigkeit. Die Rechtsordnung geht in Deutschland (aus meiner Sicht völlig zu Recht) davon aus, dass es keinem Menschen zuzumuten ist, Verletzungen zu riskieren um die Gesundheit eines Angreifers zu schützen.
    Ich zitiere mal die Wikipedia (dort sind auch Quellen verlinkt):
    "Der Notwehrübende hat zwar das relativ mildeste Mittel zu wählen, muss sich aber nicht auf Risiken bei der Verteidigung einlassen."

    Einzig strafbar ist der Notwehr-Exzess (also wenn ein milderes Mittel den Angriff genauso sicher beendet hätte und der Handelnde das auch wusste).
    Stellungnahme:

    Danke für die Ausführung. Der Satz, dass sich niemand in Sicherheit bringen muss ("no duty to retreat"), sollte das implizieren: Der Angegriffene hätte die Möglichkeit nachzugeben und sich zurückzuziehen, geht aber stattdessen zum (gesetzlich erlaubten) Gegenangriff über.

  • [Täter-Opfer-Verwechslung]

    15.11.2016, P.Walter
    Wenn man dann noch solche unreflektierten Sätze liest,Zitat:
    "wenn man dann auch noch in Betracht zieht, dass die überwiegende Zahl der Opfer aus der afroamerikanischen Bevölkerung, die Schützen hingegen aus der weißen Bevölkerung"
    Nur das die überwiegende Zahl dieser "Opfer" keine Opfer sondern Täter sind und DESWEGEN ihrer Tätigkeit zum Opfer fallen.
    Hier zeigt sich ein entscheidendes unserer Gesellschaft:
    Täter-Opfer-Verwechslung !!
    Ein Täter der beim Begehen eines Verbrechens scheitert wird nicht zum Opfer sondern hat einfach Pech gehabt.Punkt.

    Aber zurück zum Thema,
    Überschrift und die Vermeintliche Auswertung sind Panikmache und mal wieder Antigun-Propaganda, denn man sollte sich auch mal das Gesamtbild der Verbrechensstatistiken anschauen und man könnte, wenn man denn wollte zu dem Schluß kommen, das das Gesetz etwas Gutes bewirkt hat:
    https://ucr.fbi.gov/crime-in-the-u.s/2012/crime-in-the-u.s.-2012/violent-crime/violent-crime

    Stellungnahme:
    Aus den Daten geht aber gar nicht ohne Weiteres hervor, dass der Zuwachs an Toten auf Fälle zurückgeht, in denen ein Krimineller in Selbstverteidung erschossen wurde. Ebenso plausibel wäre es anzunehmen, dass Kriminelle im Zweifel ihr Opfer gleich erschießen, wenn sie befürchten müssen, dass der Attackierte sonst selbst zur Waffe greift.

    Aus einem allgemeinen Sinken der Kriminalitätsrate, wie sie auf der von Ihnen verlinkten Seite dargestellt ist, auf einen Erfolg der Gesetzesänderung in Florida zurückzuschließen, ist statistisch höchst fragwürdig und nicht gerechtfertigt.
    Mit freundlichen Grüßen, jd/Red
  • Dürftige "Studie" mit fragwürdiger Mehtodik

    15.11.2016, Peter R.
    Es ist durchaus beemrkeswert wie hier wieder einmal bar der Rechtslage "Ausgewertet" wird. Aus der Untersuchung geht keine Kauslität hervor und es ist überhaupt nicht zu kritisieren, wenn es zu einem rechtmäßigen Schusswaffengebrauch kommt; selbst durch Zivilisten.
    Dazu muss sich niemand auf das Niveau der "Schnellfeuergewehr"-Narren begeben, abgesehen davon das diese weder allegmein zugänglich noch ohne Budnesgenehmigung verfügbar sind. Die Deliktrelevanz ist bei den TAtmittel derzeit zu 97% auf KW beschränkt.
    Stellungnahme:
    Wieso ist die Studie "dürftig" und wieso die Methode "fragwürdig"? Das geht aus Ihrer Zuschrift nicht hervor. Und weder die Autoren der Studie noch dieser Beitrag sehen eine Kausalität als erwiesen an. Ein statistisch auffälliger Befund bleibt allerdings dennoch statistisch auffällig.

    Mit freundlichen Grüßen, jd/Red.
  • und?

    15.11.2016, AlfredVail
    ... interessieren würde mich wie oft der Aggressor erschossen wurde.
  • Und sie dreht sich doch...

    15.11.2016, Uwe Herrmann
    Entgegen der von der NRA geäußerten Behauptung, dass liberale Waffengesetze die Menschen nicht aggressiver machen würden, zeigt die zitierte Studie wohl doch, wie unwahr diese Aussage ist - auch wenn sie gebetsmühlenartig ständig wiederholt wird. Und die Möglichkeit, auch Schnellfeuergewehr zu besitzen und ggf. zu benutzen lässt Düsteres ahnen. Vor allem wenn man dann auch noch in Betracht zieht, dass die überwiegende Zahl der Opfer aus der afroamerikanischen Bevölkerung, die Schützen hingegen aus der weißen Bevölkerung kommen und Herr Trump ein Anhänger der NRA-Positionen ist, lässt mich nur noch grausen.

    Es wurde zwar nicht der Einfluss auf die Zahl der Delikte untersucht. Eines lässt sich aber sicher sagen: Wer erschossen wurde, kann nicht wieder lebendig gemacht werden - auch nicht, wenn der Schuss ein "Versehen" war oder durch fragwürdige Gesetze legitimiert ist.

    Ich kann nur hoffen, dass Europa niemals dem "Vorbild" der USA folgen wird - es kommen auch so zu viele Menschen durch Waffen zu Tode. Und jeder Tote ist einer zuviel.
  • Ach was?

    15.11.2016, Desu Desu
    Also: Wenn der Mensch gezwungen ist, sein Gegenüber anhand von Kurzmeldungen zu kategorisieren, wendet er Heuristiken an, die meistens - aber nicht immer - zutreffen. Wer hätte das gedacht?

    Die (Über-)Interpretation wird in vielen Fällen kaum unbewusst sein (letzter Satz), wenn man Aussagen einschätzen MUSS, was man normalerweise vielleicht gar nicht gemacht hätte.
  • Falscher Weg

    15.11.2016, Der Weltgeist
    Das ist der falsche Weg. Aber nicht nur wegen des Algorithmus. In einer Demokratie werden verschiedene politische Willensbekundungen idealerweise in den verschiedenen Parteien gebildet. Idealerweise durch Auseinandersetzungen und Wahlen an der Basis der Partei(en), wo dann auch Spitzenpersonal gewählt wird, das zum gebildeten politischen Willen passt und so diesen glaubwürdig vertreten kann.

    Wenn sich die vom Parteiestablishment gegen den Herausforderer und gegen die Basis aufs Pferd gehievte Kandidatin ihr Tun von einem Algorithmus diktieren lässt ist der genannte Idealzustand der Parteien-Demokratie praktisch an jeder Stelle der Hierarchie pervertiert. Und das beobachtet man derzeit nicht nur in den USA.

    Das Unwohlsein großer Teile der Bevölkerung hat also eine real Ursache.

    Nur ist Trump nicht die Lösung sondern die Karrikatur des Problems: der Algorithmus lautet hier nämlich: begin randomize(); do rand(1); while (president); end;
  • optional

    14.11.2016, Marc
    Genau der richtige Weg für die Geisteswissenschaft! Auch die Sozialwissenschaft würde stark davon profitieren, die empirisch-quantitative Schiene weiter auszubauen. Zwar hat sie zur Zeit den Geisteswissenschaften noch was voraus, das würde sich aber mit diesem Weg vollkommen ändern. Gerade die Sozialwissenschaft würde auch sehr stark von Big Data profitieren (und tut es ja bereits jetzt zum Teil schon).
  • Wirkung und Nebenwirkung

    14.11.2016, J. Fischer
    Ich weiß ja nicht, wie krass dieser Gedächtnisverlust ausfallen soll, aber gerade für medizinisches Cannabis scheint er mir irrelevant.
    Wer bekommt den schon medizinisches Cannabis, und dann auch noch dauerhaft?
    In Deutschland wahrscheinlich noch nicht einmal Tumorpatienten.
    In der Presse liest man von einzelnen Schmerzpatienten, die einen Schein haben, weil ihnen ansonsten nicht einmal Opiate helfen.
    Solche Patienten haben meistens wichtigere Probleme als eine kleine Gedächtnisschwäche.
    Ob Opiate da besser wären?
    Zum Thema "Freizeitgenuss" fällt mir sofort der Alkohol ein. Was macht der bei vergleichbarer Konsumintensität kaputt?
    Fazit: Die Studie sagt für mich erstmal gar nichts Neues aus. Herr Anslinger hätte seine Freude daran gehabt.
  • Ameisen sind auch Wespen

    14.11.2016, Ernst Sauerwein
    Nur eine kleine Korrektur zu dem wie üblich sehr informativen Artikel:
    Die Ameisen gehören zur Unterordnung der Tallienwespen; Überfamilie Vespoidea = Faltenwespenartige bzw. eigene Überfamilie Formicoidea (Wikipedia).

    Ihre Feststellung "keine Wespe, sondern eine Ameise" ist also so nicht ganz richtig.

    Insbesondere ist die Giftdrüse der Ameisen homolog (von gleicher Abstmmung) wie die der (übrigen) Wespen. Der Giftcocktail (im Fall der Giftigkeit) unterscheidet sich bei allen Wespen von Art zu Art.

    Im Gegensatz zu anderen Wespen haben die Ameisen nur während der Paarungszeit Flügel, die Arbeiterinnen gar nicht.