Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Bibel mit archäologischen Funden bestätigt

    11.02.2012, Timo
    Zunaechst einmal muss das Volk Israel zur Zeit Merenptah bereits bedeutend gewesen sein, sonst haette der Pharao dieses Volk nicht auf dieser Stele verewigt! Anzunehmen, dass Israel nur kurz vor Merenptah die historische Buehne betrat ist somit absurd! Nimmt man an, dass der Auszug Israels zwischen 1500 bis 1200 v. Chr. stattgefunden hat, laesst sich auf dem Gebiet des heutigen Israel sehr wohl ungewoehlicher Bevoelkerungszuwachs feststellen, der in drei Etappen ueber Israel kam. Nimmt man die Bibel als Geschichtsbuch und nimmt sie nicht woertlich, lassen sich fast alle Ortschaften finden, die die Bibel erwaehnt. Der Auszug Israels muss mit dem Hintergrund der Seevoelker und Hyksos gesehen werden und hat dementsprechend durchaus stattgefunden. Der Dokumentarfilm "Exodus" von Simcha Jacobovici zeigt z. B. Goldschmuck auf, der in einem griechischen Museum oeffentlich ausgestellt wird. Darauf sind unter anderem zu sehen, die Bundeslade und Darstellungen des Exodus. Bisher hielt es noch kein Archaeologe fuer noetig diesen Goldschatz wissenschaftlich zu untersuchen. Er koennte Beweise oder zumindest wichtige Hinweis auf den Exodus und der Entstehung Israels und deren Geschichte liefern. Das Jericho nicht wie in der Bibel ueber starke Mauern verfuegte wird zu lasten der Bibel ausgelegt. Dass aber Jericho durchaus durch schwere Kaempfe in der Zeit des moeglichen Auszugs Israels zerstoert wurde, laesst sich jedoch wissenschaftlich belegen! Also zeigt die Bibel durchaus auf, was damals geschah. Auch wenn nicht alle Koenige wie z. B. Salomo und David in Israel nachgewiesen werden koennen, so lassen sich dennoch saemtliche Bauwerke dieser Koenige anhand der Bibel identifizieren. Das Problem der Wissenschaft ist jedoch, dass die Datierungen nicht stimmen. Es ist aber in der Wissenschaft altbekannt, dass die Datierungen gerade im aegyptischen Raum warhscheinlich aus bekannten Gruenden voellig falsch sind! Warum ist man nicht mutig genug und geht den Berichten z. B. der Bibel von einem ganz anderen Ansatz an. Bisher konnten die Aussagen der Bibel in den meisten Faellen mit archaeologische Funde bestaetigt werden!
  • Wem nutzt der Klimastreit und können wir uns das noch lange erlauben?

    10.02.2012, Eberhard Bieski
    Ich kann und will auch nicht die Glaubwürdigkeit ernsthafter Wissenschaftler in Frage stellen, noch
    wissenschaftlich beurteilen, wie hoch der Wahrheitsgehalt in den unterschiedlichen Auffassungen zu einem eventuellen von Menschen verursachten Klimawandel sind. Auch wissenschaftliche Hypothesen und ihre Ergebnisse sind immer subjektiver Natur und stark von der grundsätzlichen Einstellung des Einzelnen abhängig.

    Gefährlich wird es aber, wenn andere Auffassungen und Argumente verteufelt werden. Wer annähernd Recht hatte, entscheidet sich leider immer erst in der Zukunft. Wenn tatsächlich eine von Menschen verursachte Erwärmung sich wissenschaftlich abzeichnet, werden weder die unterschiedlichen Auffassungen der Klimaforscher, noch die Menschen in Europa einen wesentlichen Beitrag zur Beeinflussung der Ursachen leisten können. Allein schon die weiter anstehende enorme Zunahme der Menschheit, gepaart mit einem immer weiter zunehmenden globalen Energiehunger stehen dem im Wege.

    Außerdem sind ja noch längst nicht alle das Klima verändernden Fakten eindeutig erforscht. Wenn es wissenschaftlich unstrittig ist, das die globalen Temperaturen steigen, sollte man sich auf ein Leben mit diesen einstellen. Statt wissenschaftlichen Streit über die derzeit nicht zu ändernden Ursachen und bei noch längst nicht ausreichenden Fakten unter das breite Volk zu bringen, wäre es dringend notwendig sich mit den Auswirkungen einer solchen Katastrophe zu befassen und sich auf geeignete Maßnahmen zu Minimierung der Folgen einzustellen. Wissenschaft sollte sich sehr davor hüten, auch nur den Anschein zu erwecken, ihre Erkenntnisse von wirtschaftlichen-, ökonomischen-, aber auch politischen Interessengruppen beeinflussen zu lassen.
  • Zeh und Bojowald

    09.02.2012, Norbert Hinterberger, Hamburg
    Zu 'Physik ohne Realität' (Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2012) von H. Dieter Zeh und 'Zurück vor den Urknall' (S. Fischer-Verlag, 2010)von Martin Bojowald:

    Die Schrödingergleichung ist die wohl bestgestützte Gleichung, über die die Physiker verfügen. Ihre geradezu notorische Bewährung in allen Experimenten legte offenbar schon sehr früh nahe, dass sie universell gültig sein könnte.

    Heinz Dieter Zeh kritisierte schon 2008 (im SPEKTRUM, 04, 08, S. 32) erneut die pragmatistische Kopenhagener Interpretation der Quantenmechanik, die permanent inkonsistent zwischen Quantenbegriffen und klassischen wechselt – im Stil des antirealistischen bzw. pragmatischen „doublethink“, dem sich immer noch viele Physiker anvertrauen. Er macht das wieder von seiner konsistenten Theorie der Quantendekohärenz (1970) aus. Konsequent quantenphysikalisch zu argumentieren, heißt für ihn, dass man, anders als bei den Kopenhagenern, „auch den Beobachter und den ‚Rest der Welt’ in die quantenmechanische Beschreibung einbezieht“. Wenn man das täte, lande man „bei der Everett-Interpretation, wonach die Quantensuperposition aller Messergebnisse weiterhin existieren muss“ – eine Konsequenz der Dekohärenz.

    Ferner beklagt er zu Recht, dass die Dekohärenz „zwar in aller Physiker Munde“ sei, häufig genug aber ganz und gar missverstanden, bis hin zu der Vorstellung, dass sie „Ensemble erzeuge oder den Kollaps der Wellenfunktion beschreibe und somit Everett-Welten zu vermeiden gestatte. Das ist jedoch reines Wunschdenken, denn genau das Gegenteil ist richtig!“ (H. D. Zeh, Wozu braucht man „Viele Welten“ in der Quantentheorie, 2007, Web-Essay - www.zeh-hd.de)

    In seinem Buch von 2012 findet sich nun eine Sammlung von neueren und älteren Aufsätzen und Essays, die sich trotz ihrer fachlichen Schwierigkeiten für einen kritischen Realisten wie eine Erlösung von der antirealistischen Kopenhagener ‚Nicht-Interpretation’ liest. Aber darauf hat ja schon Wolfgang Steinicke sehr schön und kompakt in seiner Rezension aufmerksam gemacht. Ich möchte deshalb unter Bezugnahme auf dasselbe Buch und auf Bojowalds wichtiges Buch Zurück vor den Urknall (S. Fischer Verlag, 2010) in aller gebotenen Kürze versuchen, die Kompatibilität dieser beiden Kosmologen bezüglich der Begriffe „Kollaps“ und „Dekohärenz“ zu überprüfen.
    Es scheint bei Bojowald eine nichteindeutige Verwendung der Begriffe Kollaps und Dekohärenz zu geben:

    „(…) so bringt eine Messung an einem quantenmechanischen System dieses in einen definitiven Zustand durch den Kollaps der Wellenfunktion.“ - Martin Bojowald, Zurück vor den Urknall (S. 62.)

    Diese Bemerkung ist, angesichts des immer noch sehr einflußreichen (‚Kopenhagener’) Verständnisses des Begriffs „Kollaps der Wellenfunktion“ mindestens ambivalent. Man könnte sie sogar als falsch bezeichnen, wenn man nicht aufgrund des Kontextes, den Bojowald insgesamt anbietet, annehmen müsste, dass er damit den Vorgang der Dekohärenz meint – und einen „scheinbaren“ Kollaps, wie auch Zeh. Der erklärt den beschriebenen Vorgang mit dem Dekohärenz-Begriff. In seinem neuesten Buch Physik ohne Realität: Tiefsinn oder Wahnsinn? (Springer, 2012, S. 25.) schreibt er:

    „Die empirisch begründete Dynamik der Wellenfunktionen führt (…) dazu, dass zwei wechselwirkende Systeme nicht einzeln, sondern nur gemeinsam eine solche ‚besitzen’ können.“

    Durch die Bezeichnung ‚Dekohärenz’ gerät im Übrigen wohl zumindest für den physikalischen Laien auch gerne mal in den Hintergrund, dass ja bei jeder Dekohärenz des jeweils gestörten Systems (also des vermeintlichen „Kollapses“), wenn man nur dessen Störung betrachtet, zwangsläufig eine neue und größere Superposition des nun übergeordneten Systems (‚gestörtes System’ mit ‚störendem System’, also eine Weiterverzweigung der Wellendynamik) entsteht.

    Zeh schreibt:

    „Genau diese Nichtlokalität hat zur Vorhersage der Ergebnisse der Bellschen Experimente geführt. Denn wenn die beiden Quantenobjekte, die ursprünglich in Wechselwirkung standen, nur einen gemeinsamen Zustand (eine gemeinsame Realität) besitzen, so ergibt sich daraus, dass die Messung an einem davon uns auch etwas über das andere sagt. Man muss also konstatieren, dass die Quantenmechanik bei dem Versuch, die Wirklichkeit zu beschreiben, den Begriff lokaler realer Zustände aufgeben muss – nicht aber den einer global definierten Realität.“ (S. 25)

    Die Behauptung des Kollapses der Wellenfunktion betrachtet Zeh übrigens an anderer Stelle als Äquivalent zur Behauptung, die Wellenfunktion würde im Falle der Messung ungültig. Das war (insbesondere, da Zeh die Wellenfunktionen nicht nur als formale Gleichungen, sondern auch als physikalisch existent betrachtet) eine scharfe Kritik an der Kopenhagener Interpretation, die sich ja auch für die subatomaren Beobachtungen bzw. Messungen resignativ auf die klassische Physik zurückgezogen hatte. Sie wollten also gar nichts mehr zu den quantenphysikalischen Verhältnissen sagen, außer, dass die Wellenfunktion eben während der Messung kollabiere. Das war natürlich als Erklärung für scheinbare Punktteilchen gedacht. Das hieße aber, dass auch alle anderen Wechselwirkungen in der Natur zu jeweiligen ‚Kollapsen’ führen müssten, denn sie sind physikalisch äquivalent zu Messungen.

    Was Bojowald als Kollaps bezeichnet, scheint dagegen der Vorgang der Dekohärenz zu sein, bei dem die physikalische Wellenfunktion in mehrere irreversibel verschiedene Teilwellenfunktionen auf gespalten wird (unsere klassische Welt ist dann nach Zeh nur eine Teil-Sicht dieser physikalischen Funktionen, nämlich die, die wir zufällig – im Sinne von prinzipiell unvorhersehbar - gemessen haben). Alle Eigenschaften, die das beobachtete System besitzt, können dabei aber jeweils eine eigene Teilwellenfunktion gestalten. Der Vorteil dieser physikalischen Interpretation der Wellenfunktion: Redet man über alle Teilwellenfunktionen als globale Einheit, kann man zwanglos alle scheinbaren Widersprüche der Wellenüberlagerungen (Katze tot und Katze lebendig) erklären – sie existieren eben unabhängig voneinander in jeweils eigenen Teilwellenfunktionen. Und wenn man die nicht gleich als verschiedene „Welten“ (im Sinne Everetts), sondern einfach erst mal neutraler als Teilwellenverzweigungen (ohne kausalen Einfluss aufeinander) bezeichnen will, insbesondere da sie ja auch nach Zeh selbst in ein und demselben Universum (nämlich in unserem) existieren (welches die gesamte Superposition aller Wellenfunktionen bildet), gelangen wir damit zu einem Realismus, der nicht nur dem resignativen Antirealismus der Kopenhagener klar überlegen ist, sondern vielleicht auch den Ableitungen proliferativer Universen der String-Theoretiker. Denn Bojowald und Zeh kommen beide mit einem Universum aus. Bojowald insistiert überdies ebenso stark wie Zeh darauf, dass wir uns von dem gängigen (bzw. unverstandenen) Teilchenbegriff verabschieden müssen und hält ebenso die Wellenfunktionen (über die ja ohnedies jedes ‚Teilchen’ verfügt – wie wir aus den Schirm-/Schlitz-Experimenten wissen) für primär.
    Ich halte den scheinbaren Gegensatz von Bojowald und Zeh also für eine reine Begriffsverwirrung bei prinzipiell gleicher Sichtweise, was die Konsequenzen des Messvorgangs angeht. Man sieht das auch ganz gut an Bojowalds Schilderungen (Zurück vor den Urknall, S. 82). Er schreibt dabei ganz ähnlich wie Zeh, dass die „Verschränkung von Wellenfunktionen sehr empfindlich auf winzige Störungen“ reagiert: „Schon einzelne Luftteilchen oder Licht oder, in einem dunklen Vacuum, Wärmestrahlung beeinflusst die Wellenfunktionen so sehr, dass sie in einem Dekohärenz genannten Prozess, gleichsam in Reizüberflutung ihre vorherige Verschränkung vergessen.“ Der Mechanismus, den er für die Dekohärenz angibt unterscheidet sich allerdings etwas von Zehs Interpretation: „ In diesem Meer von unregelmäßigen Störungen gehen die Details der verschränkten Interrelation unter. Ähnlich sieht auch die Welt auf großen Skalen klassisch aus, weil die Fluktuationen und Verschränkungen leicht zerstört werden. Im Kleinen allerdings, in der mikroskopischen Physik oder in sehr genau konstruierten Experimenten, können Störungen oft lange genug in Schach gehalten werden, so dass sich hier die ungewohnte Welt der Quantenphysik enthüllt.“ Und über Schrödingers Katze sagt er: „Die Atome der Substanz befinden sich streng genommen zwar in einer Überlagerung, aber der Beitrag des zerfallenen Zustandes ist sehr klein.“ (S. 82.)
    Zeh würde diese Beschreibung vermutlich als inkonsequent betrachten und behaupten, dass die beiden Zustände (zerfallen/nicht zerfallen) in diesem Moment in zwei verschiedenen sich aufspaltenden Wellenverzweigungen (allerdings nun ohne kausalen Einfluss aufeinander) weiterexistieren, denn das folgt aus der Schrödingergleichung. So jedenfalls kann kein Widerspruch und auch keine ‚plötzliche Ungültigkeit’ („Kollaps“) der Wellenfunktion auftreten. Die klassischen Messresultate (zerfallen oder eben unzerfallen) würden rein subjektiv für die jeweiligen Beobachter auftreten. Redet man von der klassischen Position aus von einer Tot-Lebendig-Überlagerung (wie kurz oder schwach auch immer), ergibt sich ein kontradiktorischer Widerspruch. Das findet laut Zeh dann nämlich in einer einzelnen Wellenverzweigung statt, die wir (subjektiv) für die komplette Welt halten. Subjektiv in dem Sinne, dass in jeder anderen Wellenverzweigung andere Kopien von uns existieren, die dann konsequenterweise ebenfalls nur subjektiv urteilen. Das war vermutlich auch der Grund für den resignativen Rückzug der Kopenhagener auf die klassische Messsituation, in der die Quantenverhältnisse einfach als irrelevant ignoriert wurden. Zeh und andere haben dagegen darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Antirealismus nicht die Quantenwirklichkeit beschreiben kann. Quantenphysikalisch schlüssig müssen im Falle von Dekohärenz (die eben bei jeder beliebigen Wechselwirkung auftritt, nicht nur bei Messungen) alle Überlagerungs-Zustände in sich aufspaltenden Teilwellen unabhängig voneinander weiter existieren bzw. sich weiter entwickeln. Nur so kann man anscheinend den logischen Widerspruch A&~A (tot-und-lebendig) vermeiden. In der gesamten Wellenfunktion entwickeln sich beide Zustände zugleich objektiv (jeder in seiner unabhängigen Wellenverzweigung) weiter.

    Wie sich die Wellenvorstellung auch für „scheinbare“ Teilchen bei Zeh sozusagen ‚immer weiter ausbreitet’, kann man in seinem jüngsten Web-Essay („Die sonderbare Geschichte von Teilchen und Wellen“) verfolgen.



  • Theodizeeproblem

    09.02.2012, Patrick Sele
    Prof Tapp schreibt: "Trotzdem bleibt das Übel ein gewichtiges Argument gegen den Theismus (evidential problem of evil)."

    Dies ist vielleicht nicht mehr lange der Fall. Im Thread zum unten stehenden Blog sind Argumente für die Vereinbarkeit des Übels in der Welt (einschliesslich des tierischen Leids) mit dem christlichen Theismus formuliert, die möglicherweise nicht widerlegt werden können:

    http://www.greatplay.net/essays/is-god-good-part-ii
  • Ballett der Denkfiguren

    09.02.2012, Manfred Peters
    Glaube versus Vernunft gehört nicht in das Spektrum der Wissenschaft, sondern in das Ballett der Denkfiguren. Dass die Theologie zum Gründungskanon der Universitäten gehört, ist kein Gegenargument.
    Theologen beschäftigen sich ungern mit der Frage, wann Gott in seiner unendlichen Güte die Entscheidung gefällt hat, das Säugetier Mensch, von den anderen Spezies als eine besondere zu trennen. Alle evolutionären Merkmale der Herkunft sind erhalten geblieben, ganz wenige hinzugekommen. Verhalten, Gehirn, Stoffwechsel, DNA alles evolutiv herleitbar, mit offenem Lernpotenzial. Und dann noch die zahlreichen auserwählten Völker, aber andere nicht. Alles Verhalten herleitbar und plötzlich, irgendwann, wurde es zur Sünde. In der Geschichte der Religionen zeigen Gottes Befehle geradezu beispielhaft evolutiv Richtungslosigkeit. Und immer gab es Hermeneutiker und in deren Gefolge Dogmatiker bis hinunter zum Gemeindeaufpasser, die das alles zum Glauben verdichtet haben, der zahllosen Menschen Gottes Gnade nicht angedeihen ließ. Stattdessen in tiefstes Unglück stieß. Gelehrte Semantik macht das nicht leichter verdaubar.
    Mehr Text zur Windenergie wäre hilfreicher gewesen.
  • Einseitige Betrachtung der Aussagen Vahrenholts

    09.02.2012, Denis Meyer
    Es ist zwar schön und gut, hier eine Stellungnahme zu lesen, jedoch würde ich es begrüßen, die Thesen von Herrn Vahrenholt nicht lediglich auf den Einfluss der Sonne zu reduzieren! In seinem Bericht spricht er neben diesem nämlich noch von "dekadischen ozeanischen Oszillationen", welche hier nicht einmal erwähnt wurden. Außerdem finde ich es unsachgemäß, solche Gegenmeinungen zur herrschenden Klimaideologie einfach abzuwerten, ohne deren nicht eventuell vorhandenen Einfluss eindeutig widerlegen zu können. Darüber hinaus verfolgt Herr Vahrenholt ja durchaus die gleichen lobenswerten Ziele, nämlich einen Wechsel auf erneuerbare Energien. Mit der Panikmache der herrschenden Meinung in Politik und Wissenschaft wird genauso Profit erwirtschaftet, wie die Öl- und Energiekonzerne gern mit dem Erhalt ihrer veralteten Methoden machen würden und weder das Eine, noch das Andere kommt einer Verbesserung der Umwelt oder einer Reduzierung des Klimawandel direkt zugute. Wer ist hierbei also Gut und wer ist Böse? Oder verfolgen am Ende doch beide Seiten die gleichen Ziele, nämlich Gewinnmaximierung um jeden Preis? Geht es hierbei wirklich um die Umwelt und um den Klimawandel oder lediglich um steigende Absätze? Sind nicht vielleicht die Forschungsarbeiten zu aktuellen Klimaentwicklungen und die daraus gewonnen Erkenntnisse von Politik und Teilen der Wirtschaft gesponsort und werden nicht gleichzeitig jegliche Gegenmeinungen im Keim erstickt? Warum werden dann Projekte wie "Desertec" nicht schnellstens in die Tat umgesetzt, wenn mit ihnen die Energie der gesamten Menschheit so einfach zu gewinnen wäre?
  • Unbequeme Fragen an der Realität überprüfen

    09.02.2012, N. Kriebitzsch, Erlensee
    Zur Frage nach der Wissenschaftlichkeit der Theologie fällt mir ein Zitat ein, das in der Übersetzung lautet: "Wissenschaftler kommen wiederholt auf etablierte Theorien zurück, um sie mit neuen Methoden zu testen, und reagieren leicht irritiert auf jene Priester, seien sie religiös oder weltlich, welche die Antworten schon kennen – was auch immer die Fragen sein mögen. In der Wissenschaft geht es nicht darum, einen Block bekannter "Tatsachen" aufzustellen. Sie ist eine Methode, unbequeme Fragen zu stellen und sie einer Realitätsprüfung zu unterziehen, und so die menschliche Neigung zu vermeiden, das zu glauben, was uns ein gutes Gefühl gibt, was auch immer es sei." (Zitiert nach T. Pratchett et al., The Science of Discworld [2002].
  • Der Fehlschluss des Prof. Eckart Voland

    09.02.2012, Manuel Stelzl
    Eine kritische Anmerkung zum Titelthema-Streitgespräch "Was können Wissenschaft und Religion voneinander lernen": Es ist mir ein dringliches Anliegen, eine der (von der Redaktion auf S. 69 sogar extra hervorgehobenen) Kernaussagen des Soziobiologen Prof. Dr. Eckart Voland zu kommentieren.
    Voland hob in der Diskussion hervor: "Es gibt keinen Bedarf für Gottesbeweise, weil Naturwissenschaft die Welt als kausal geschlossen beschreiben kann." Ganz unabhängig von der Bedeutung von Gottesbeweisen beinhaltet die These Volands, dass Naturwissenschaft die Welt als kausal geschlossen erklären kann, einen signifikanten Fehlschluss, auf den ich hier eingehen möchte. Der Fehlschluss Volands wird in der Philosophie als Zirkelschluss (nach Aristoteles "petitio principii") definiert und äußert sich dadurch, dass etwas, das gefolgert wird, in den Prämissen einer Argumentation bereits enthalten ist. Wenn nämlich unter dem Begriff "Welt" all das verstanden wird, was für die Naturwissenschaft der Fall ist, so kann nur das der Fall sein, was für die Naturwissenschaften ohnehin bereits bekannt und erklärbar ist. Aus kritisch-philosophischer Sicht sollte hier unbedingt hinzugefügt werden, dass für die Naturwissenschaft all das, was für sie noch nicht erklärbar ist, in ihrer Welt gewissermaßen nicht existiert. Dafür gibt es allein aus der Philosophie des Geistes unzählige Beispiele. Es gibt nach wie vor keine befriedigenden Lösungen für das so genannte "Körper-Geist-Problem", auch nicht für das "Problem der mentalen Verursachung", das um die Frage kreist, in welchem kausalen Verhältnis nicht materielle Entitäten (z. B. der menschliche Wille) zu neuronale Strukturen stehen. Die Annahme, dass Naturwissenschaft die Welt kausal geschlossen erklären kann, ist daher aus sprachkritischer und logischer Sicht unhaltbar.
  • Erwiderung zum Kommentar von Johannes Brägelmann

    09.02.2012, Siegbert Kistler
    Die Entwicklung der Lebewesen, wie sie von der Evolutionstheorie beschreiben wird, lässt sich nicht mit grundlegenden biblischen Aussagen vereinbaren, z. B. dass alles fertig und gut erschaffen worden ist. Natürliche Prozesse - ob mit oder ohne echten Zufall - sind zudem etwas ganz anderes als ein geplantes Eingreifen einer höheren Intelligenz. Entweder dieses Eingreifen gehorcht vollkommen den (von mir aus auch durch die höhere Intelligenz selbstgeschaffenen) Naturgesetze, oder eben nicht. Eine Bindung an die Naturgesetze widerspricht der Freiheit und Allmacht der höheren Intelligenz. Das während der Jahrmillionen stattfindende Leid der Lebewesen widerspricht der Güte und der Planhaftigkeit der höheren Intelligenz. Es führt kein Weg an der Theodizee vorbei.
    Der Versuch, den Glauben durch Verweise auf andere Interpretationen zu retten, widerspricht den ursprünglichen und oft eigentlichen Interpretationen, wie sie zu anderen Zeitpunkten und Gelegenheiten wieder herausgeholt werden.

    Ganz ähnlich der Versuch, die Auferstehung Jesu mit der realen Welt zu vereinbaren. Je nach Situation werden einmal die göttlichen und einmal die menschlichen Eigenschaften Jesu benutzt, um jeweils unangenehme Widersprüche mit der real existierenden Welt abzuwenden oder den Glauben zu begründen. Das Menschsein ist wichtig, um die Menschen zu fischen, aber man möchte nicht die Verwesung haben. Das Gottsein ist wichtig, um das Heil zu begründen, aber man möchte, dass es möglichst realistisch ist. Man pickt sich die Rosinen heraus und ignoriert die intellektuelle Redlichkeit. Der Zweck heiligt die Mittel, dieser Gedanke steht dahinter. Aber was ist, wenn herauskommt, dass der Zweck auch sehr schädlich sein kann?

    Der Papst hat in der Tat den schweren Job, es möglichst vielen recht machen zu müssen. Er muss die Konservativen im Boot behalten und darf gleichzeitig nicht die Liberalen vergrätzen. Bei den Pius-Brüdern macht er immer wieder Versuche, schafft es aber nicht. Das deutsche Theologen-Memorandum zeigt die andere Seite. Ein konkretes Beispiel ist die Haltung zur Evolutionstheorie. Einerseits kann er sich nicht offensichtlich gegen die wissenschaftlichen Erkenntnisse stellen, andererseits kann er natürlich auch nicht einen Schöpfergott zur Disposition stellen, deshalb sagt er, die Kirche akzeptiere die Evolutionstheorie, obwohl er gleichzeitig die Zielgerichtetheit (und damit die Lenkung) der Naturprozesse durch Gott betont. Wie schon oben angedeutet, sind mit jedem Gottesbild unterschiedliche Vor- und Nachteile verknüpft. Der Trick ist nun, die Vorteile zu betonen und die Nachteile (z. B. grundlegende Verletzungen der Logik) so zu verstecken, dass sie nur noch auffallen, wenn man sie kennt oder sehr genau hinschaut. Das macht man aber nicht, wenn man das nicht sehen möchte.
  • Liegt hier ein Konsens vor?

    09.02.2012, Werner Kohl
    Stefan Rahmstorf vom PIK-Institut erweckt mit "Hier soll in aller Kürze der aktuelle Stand der Forschung zur Rolle der Sonne im Klimageschehen betrachtet werden" den Eindruck, dass es in der Forschergemeinschaft einen Konsens gibt. Ist das tatsächlich so?

    Wenn ich beispielsweise den Artikel "In der Glaubwürdigkeitsfalle" von Prof. Hans von Storch (http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1128896) lese, erscheint mir dieser Anspruch von Dr. Rahmstorf zweifelhaft. Meinem Eindruck nach wird doch sehr heftig in der Forschergemeinschaft über die Zukunft des Weltklimas und über die bestimmenden Parameter gestritten. Ist das in Bezug auf den Sonneneinfluss anders?
  • Herzlichen Glückwunsch und toi, toi, toi.

    08.02.2012, Heinrich Wördemann
    Kein Kommentar, außer: Liebe Fixer und sonstige Drogenabhängige: Versucht, ohne Drogen glücklich zu sein. Es geht! Betrachtet eure Drogenzeit als Erfahrung, die ihr abhakt! Seit stark!
    Wenn du den echten Willen hast und von dir überzeugt bist, schaffst Du es!
  • Gedanken über Erkenntnisvermögen, Wissen und Glauben

    08.02.2012, Alfred Eichhorn
    Als Physiker, der sich auch in der katholischen Kirche engagiert, gehe ich davon aus, dass in unserer Welt alles mit rechten Dingen zugeht. Mir ist aber auch bewusst, dass wir Menschen niemals alle diese "rechten Dinge" erkennen und begreifen können. Ich halte deshalb religiösen Glauben für durchaus vereinbar mit der Vernunft, wobei ich Glauben nicht mit dem Für-wahr-Halten von Aussagen gleichsetze. Für mich basiert Glaube vielmehr auf der Einsicht, dass die Wirklichkeit unendlich ist, während unser Erkenntnishorizont endlich ist und immer endlich bleiben wird, egal wie weit wir ihn verschieben können, d. h. egal wie groß unser Wissen und unser Verständnis wird. Von der vollständigen Wirklichkeit sehen wir immer nur deren Projektion auf die Ebene unseres Erkenntnisvermögens, also unvollständige Bilder. Solche Bilder ein und derselben Wirklichkeit können unterschiedlich, ja sogar widersprüchlich und dennoch gleichermaßen richtig sein. Die Widersprüche werden durch ihre Unvollständigkeit verursacht. Ich möchte versuchen, das anhand von Beispielen zu verdeutlichen:

    Stellen wir uns einmal vor, es gäbe zweidimensionale Wesen, die auf einer Fläche leben, z. B. auf einer Wand, und die nur zweidimensional denken können, also kein räumliches Vorstellungsvermögen haben. Diese Wesen sehen nun einen Zylinder. Was können sie von diesem Zylinder sehen? Sie sehen seine Projektion auf ihre Welt, d. h. so etwas wie seinen Schatten.
    Der Schatten eines Zylinders auf einer Wand kann ein Kreis sein, er kann aber auch ein Rechteck sein, je nachdem, wie der Zylinder im Raum ausgerichtet ist. In der zweidimensionalen Welt bricht nun eine Diskussion darüber aus, wie das Ding nun wirklich ist: rund oder eckig? Es kann nur eins von beiden sein. Die einen wissen genau, dass das Ding rund ist, also nicht eckig sein kann; andere haben hieb- und stichfeste Belege dafür, dass es eckig ist, also nicht rund sein kann. Die Frage kann in der zweidimensionalen Welt nicht entschieden werden.
    Wir als Wesen mit räumlichem Vorstellungsvermögen sehen auch sofort ein, warum das so ist: Kreis und Rechteck sind Bilder des Zylinders, die keine vollständige Beschreibung dieses Gegenstands liefern. Sie sind unvollständig, und der Widerspruch beruht auf der Unvollständigkeit dieser Bilder. Die zweidimensionalen Wesen sind sich dessen aber nicht bewusst. Ihnen fehlt die übergeordnete Sicht, die uns in diesem Fall zur Verfügung steht, und aus der heraus sich die Frage - rund oder eckig? - gar nicht mehr stellt.

    Ähnlich gelagerte Widersprüche gibt es auch in unserer Welt. Wir sind uns dessen aber in der Regel nicht bewusst, weil in diesem Fall uns die übergeordnete Sicht fehlt. Ein Beispiel aus der Physik ist der Streit über die Natur des Lichts: Welle oder Teilchen? Für beide Bilder gab und gibt es überzeugende Belege, sie schließen sich aber - im Rahmen der klassischen Physik - gegenseitig aus. Erst die Quantentheorie lässt dieses Problem in einem anderen Licht erscheinen; sie liefert gewissermaßen die übergeordnete Sicht. Diese Theorie übersteigt unser anschauliches Vorstellungsvermögen, aber sie sagt uns, das Licht, je nachdem, wie wir es betrachten, uns als Welle oder als Teilchen erscheinen kann, dass aber beide Bilder keine vollständige Beschreibung des Lichts liefern.
    Wir haben auch hier das Phänomen vorliegen, dass zwei zueinander scheinbar im Widerspruch stehende Aussagen beide gleichermaßen richtig sind, was von der Logik her eigentlich ausgeschlossen ist. Nach den Regeln der Logik kann eine Aussage nur entweder wahr oder falsch sein, und wenn sie wahr ist, dann ist ihr Gegenteil falsch.

    In der Mathematik gilt der Satz - er wurde von Kurt Gödel bewiesen -, dass es in jedem abgeschlossenen System Aussagen gibt, die innerhalb des Systems nicht entschieden werden können. Ich denke, dass dies nicht nur für die Mathematik gilt, sondern für alle Bereiche des Lebens und des Denkens. Für mich bedeutet das auch, dass es zu jedem System ein übergeordnetes gibt, das einen "Blick von außen" auf die darunter liegenden gestattet, der uns Menschen allerdings nicht zur Verfügung steht. Wenn das so ist, dann ist die Folge dieser einander übergeordneten Systeme unendlich. Es geht dabei nicht nur um so etwas wie räumliche Dimensionen. Man könnte als Beginn dieser Folge von Ebenen auch Materie, Leben, Geist und Bewusstsein ... sehen. Jede dieser Ebenen beinhaltet neue "Qualitäten", die in den darunter liegenden völlig unbekannt sind. Gott ist für mich so etwas wie der Grenzwert dieser unendlichen Folge einander übergeordneter Systeme.

    Von Gott können wir deshalb nicht anders als in Bildern denken und sprechen. Wir müssen uns dabei bewusst sein, dass unsere Bilder unvollständig sind, auch wenn wir uns nicht vorstellen können, in welcher Richtung sie vollständiger werden könnten. Hier beginnt für mich der Bereich des Glaubens, Glaube als Anerkennung der Tatsache, dass es vieles gibt, eigentlich das meiste, was wir prinzipiell nicht verstehen können und niemals verstehen werden. Glaube bezieht sich also nicht auf das, was wir - zumindest im Prinzip - wissen können. Glaube steht damit auch nicht in Konkurrenz zum Wissen, zu den Wissenschaften und zur Vernunft. Glaube ist dazu komplementär, d. h. er ergänzt diese Bereiche, die immer endlich sind, während der Glaube das Unendliche betrifft. Egal wie groß unser Wissen und unsere Erkenntnis werden, den Glauben können sie nicht ersetzen oder verdrängen.

    Aus solchen Betrachtungen ergeben sich einige Schlussfolgerungen, die für Religion und Kirche von Bedeutung sind:

    - Glaube ist nicht statisch, er entwickelt sich ständig weiter, und er muss Raum für diese Weiterentwicklung haben. Glaube kann nicht ein für alle Mal festgeschrieben werden.

    - Kein Mensch und keine menschliche Institution, keine Religion, keine Kirche kann im Besitz der absoluten Wahrheit sein. Wir "sehen" von der Wahrheit immer nur Projektionen auf die Ebene unseres Erkenntnisvermögens, also Bilder. Diese Bilder können sehr unterschiedlich, scheinbar einander widersprechend und trotzdem gleichermaßen berechtigt sein. Es gibt nicht die eine richtige Religion mit der Folge, dass alle anderen falsch wären. Richtig und falsch sind keine geeigneten Kategorien, wenn es um den Glauben geht.

    Welche Kategorien sind dann geeignet? Wir Menschen brauchen Glaube, Religion, Kirche, nicht Gott braucht diese Dinge. Religion und Kirche sind für die Menschen da. Die Frage, an der sich Religionen und Kirchen orientieren sollten, lautet also: Was ist gut für die Menschen? Hier sehe ich die Stärke des Christentums, das diese Frage in den Mittelpunkt stellt und Antworten darauf anbietet.

    Zum Schluss noch eine Anmerkung zum Problem der Theodizee, der Rechtfertigung Gottes. Hierbei geht es um die Frage, wie Gott, der allmächtig, gütig und gerecht ist, unverschuldetes Leid zulassen kann. Auch diese Frage kann auf der Ebene, auf der sie gestellt ist, nicht beantwortet werden, ebenso wenig wie die Frage nach der Natur des Lichts. In meinen Augen wird auch hier der Widerspruch durch die Unvollständigkeit unserer Gottesbilder verursacht. Daraus den Schluss zu ziehen, es könne keinen Gott geben, ist so, als würde man aus dem Widerspruch zwischen Welle und Teilchen den Schluss ziehen, Licht könne es nicht geben.

    So weit ein paar - natürlich auch unvollständige - Gedanken, zu Vernunft, Erkenntnis und Glauben.
  • Bitte Exponenten korrigieren!

    07.02.2012, Jocko Bräuer
    Der Eponent der Avogadro-Konstanten ist 23, nicht 25.
    Der Eponent des plancksche Wirkungsquantums ist -34, nicht 34.
    Antwort der Redaktion:
    Vielen Dank, Herr Bräuer - da haben sich in der Tat zwei Fehler eingeschlichen. Ich habe sie jetzt korrigiert.


    Mit freundlichen Grüßen

    Daniel Lingenhöhl
  • Fehlende Interpretation führt zu scheinbaren Widersprüchen

    07.02.2012, Johannes Brägelmann
    Ich muss zugeben den Artikel nicht bis zum bitteren Ende gelesen zu haben.

    Dennoch erscheint es ihn meinen Augen von Nöten ein paar Anmerkungen zu den am Anfang des Textes aufgelisteten Widersprüchen im Glauben zu machen.

    Der erste Punkt ihrer "Liste" spricht über den Kreationismus. Durch aus ein Thema das scheinbar wahnwitzig allen wissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Welt entgegensteht.
    Die historisch-kritische Methode ist bereits Schülern des Religionsunterrichts in der gymnasialen Oberstufe bekannt und wenn man sie auf die Textstellen anwendet, die der Kreationismus einschließt, dann kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass Urknalltheorie und ein Schaffen der Welt durch Gottes Hand nicht gegeneinander stehen.
    Wie allgemein bekannt sind alle Texte in der Bibel von hohen Alter. Die Texte darüber, dass Gott die Welt in sieben Tagen geschaffen hat, machen da keine Ausnahme. Folglich entstammen sie einer Zeit in der der Mensch mit einer völlig anderen Weltanschauung gelebt hat. Die Erzählungen und Texte dienten damals dazu die beobachteten Phänomene in der Natur zu beschreiben aber sie wahren auch Grundlage um den Sabbat zu begründen.
    Auch wenn in heutiger Zeit das Monopol über die Beschreibung der Natur an die Wissenschaft gefallen ist so haben die Texte weiterhin Bedeutung. Der Gedanke, dass Gott in allen Arten von Handlungen, Gegenständen und auch Lebewesen wirkt, ist ein wichtiger Teil des christlichen Glaubens und Folge der Idee, dass Gott die Welt geschaffen hat.
    Ob er die Welt nun durch sechstägige göttliche Intervention oder in dem er den Urknall zündete geschaffen hat, sei einmal dahingestellt.

    Der nächste Punkt betrifft das Auferstehen und Auffahren in den Himmel.
    Ich möchte nicht bestreiten, dass Bakterien und alle Arten von Mikroorganismen beinahe unmittelbar nach dem Tod daran arbeiten den menschlichen Körper abzubauen.
    Jedoch muss man hier ein wichtige Unterscheidung treffen: Seele und Körper sind nicht das selbe und im "Sonderfall Jesus" muss der göttliche Teil seiner Person mit in die Überlegung eingebracht werden.
    Nach dem Tod stirbt der weltliche Teil eines Menschen. Sein Körper wird zersetzt, gefressen, aufgelöst (suchen sich etwas aus es gibt noch mehr Möglichkeiten), doch seine Seele fährt auf in das Reich Gottes.
    Ich will noch ein wenig weiter auf Jesu eingehen, den er ist der erste Mensch der in das Reich Gottes einzieht und es den Menschen öffnet. Jesus war ein "echter" Mensch, das zeigt sich z.B. in seinem menschlichen Leiden am Kreuz. Gleichzeitig war Jesus Gott selbst, der auf die Erde gekommen war um das Reich Gottes zu Öffnen.
    Jesus Auferstehen am dritten Tag ist wichtiger Bestandteil in der Verkündung des gekommenen Reich Gottes, waren seine Jünger doch in tiefe Trauer gefallen bedurfte es eines Zeichens, dass das Himmelsreich nun den Menschen geöffnet ist. Danach zogen die Jünger los in alle Welt und verkündeten die frohe Botschaft (das "Evangelium"), dass Jesus den Tod stellvertretend für alle Menschen besiegt hatte.

    Ich möchte noch auf zwei weitere Widersprüche in ihrer Liste eingehen, zuerst mit dem Problem um die Aussagen eines menschlichen Papstes.
    Vorweg eine kleine Anmerkung: Kein Katholik sollte wahllos und wörtlich übernehmen was der Papst sagt. Man muss sich mit allem Auseinandersetzen und seine eigene Meinung bilden.
    Dennoch will ich einen kleinen Vergleich schaffen zwischen dem Papst und der altbekannten Fünf-Prozenthürde im Deutschen Bundestag. Beide haben den selben Sinn und Zweck.
    Nämlich für Ordnung zu sorgen. Genauso wie der kleine Paragraf bei den Wahlen im Volk sorgt der Papst dafür, dass die Mitglieder der katholischen Kirche nicht in unzählige Splittergruppen zerfällt. Er sichert die Stabilität im großen System der Kirche.

    Zu guter Letzt betrachte ich noch den letzten Punkt auf ihrer Liste der Widersprüche.
    Die Frage, ob die Dreifaltigkeit Gottes im christlichen Glauben im Widerspruch zum vom Judentum übernommen Monotheismus steht.
    Ich mache keinen Hehl daraus, dass es in meinen Augen keine widersprüchlichen Aussagen gibt. Auch hier will ich zu einem Vergleich greifen. Nehmen wir die Kunst, würde kaum jemand verneinen, dass Musik, Lyrik und das Malen Teile davon sind. Jedoch sind sie alle nur Aspekte eines höheren Begriffs.
    Genauso verhält es sich mit der Dreifaltigkeit Gottes. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind einzelne Aspekte die sich nicht gegenseitig im Weg stehen sondern nur Teile abbilden. Erst gemeinsam ergeben sie eine Vorstellung von Gott.
    Genauso kann man nicht von Kunst im allgemeinen Reden und zum Beispiel die Musik verschweigen.

    Ich habe mich hier nur mit einem kleinen Teil ihres Artikels beschäftigt (wie ich bereits gestanden habe, blieb mir das Ende vorbehalten). Doch es zeigt sich, dass die Widersprüche zwischen Glauben und dem Zusammenspiel aus Wissenschaft und Vernunft nur daraus hervorgehen, dass die Texte oder Sachlagen nur oberflächlichlich untersucht wurden und eine tiefere Interpretation versäumt wurde.
  • Hat humanes Erbgut virale DNA-Abschnitte von Ahnen?

    07.02.2012, Jan Brak, Villach (Österreich)
    Ich möchte gerne reagieren auf den Artikel: "RNA aus der Nahrung beeinflusst Cholesterinspiegel", November 2011. Diesen Artikel hat meine Gedanken beflügelt.
    Könnte es sein, dass Viren in der Lage sind, ihre DNA/RNA in Human-DNA einzuschleusen und dass diese DNA-Abschnitte dann vererblich sind? Das würde bedeuten, dass das humane Erbgut virale DNA-Abschnitte von unseren Ahnen enthält. Frage: Von vielen tausenden Menschen ist jetzt das Erbgut schon entschlüsselt. Ist jemals festgestellt worden, ob es darin "fremde" DNA-Abschnitte viraler Herkunft gibt? Falls dass so ist, könnte dann diese Abschnitte von Bedeutung sein bei z. B. der Bildung von Autoimmunkrankheiten (z. B. Diabetes) oder z. B. Krebs?

    Ich würde gerne vorschlagen dass in einer der nächsten "Spektrum der Wissenschaften" Experten in diesem Bereich Ihre Meinung über dieses Thema geben. Ich würde dass sehr schätzen!
    Ich bedanke mich Voraus!
    Antwort der Redaktion:
    Vielen Dank für Ihre Zuschrift, wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Zeitschrift.
    In der menschlichen DNA gibt es zahlreiche mutmaßliche Rudimente früherer viraler Infektionen. Rund 45 Prozent des menschlichen Erbguts bestehen aus springenden Genen (Transposonen), von denen die meisten jedoch nicht mehr aktiv sind (also ihre Fähigkeit zum Springen verloren haben). Vermutlich handelt es sich bei den Transposonen ursprünglich um DNA aus Retroviren, die sich ins menschliche Genom integriert hat und nun vererbt wird.
    Wenn Transposonen springen, wird eine Kopie ihrer genetischen Information an anderer Stelle wieder in die DNA eingebaut. Je nachdem, wo das geschieht, können unterschiedliche Folgen auftreten: Veränderte oder ausgeschaltete Eiweißmoleküle, die Synthese von wesentlich größeren oder kleineren Mengen eines Proteins etc. Im Prinzip kann dadurch auch Krebs entstehen.