Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Die Intensivlandwirtschaft tötet hier: Beitrag von H. Müller vom 01.04.2015

    06.04.2015, Heinrich Graf
    Lieber H. Müller,

    diese Aussage finde ich schon recht provokant. Da Sie das Greening-Programm der EU ansprechen, so schließe ich daraus, dass Sie die tötende Intensivlandwirtschaft innerhalb der EU bzw. in Deutschland verorten. Das ist schon recht abenteuerlich, was hier in Deutschland der landwirtschaftlichen Flächenbewirtschaftung so alles zugeschrieben wird, ohne auch nur ansatzweise die Sachverhalte sowie Tatsachen für solche Behauptungen zu belegen.

    Fakt ist, das wir in Deutschland derzeitig jeden Tag etwa 73 Hektar landwirtschaftliche Nutzflächen durch Bebauung (Siedlungs-, Gewerbe-, Straßenbau etc. Quelle: Statistisches Bundesamt in Wiesbaden 2014) verlieren,
    ohne das ein Ausgleich für die Landwirtschaft geschaffen würde.

    Zu den durch Bebauung entstehenden dauerhaften Flächenverlusten kommen weitere Reduzierungen von landwirtschaftlichen Nutzflächen für Naturschutz- und forstrechtliche Eingriffskompensationen, die in der Regel auf landwirtschaftlichen Nutzflächen durchgeführt werden.
    Fazit: Es werden also stetig landwirtschaftliche Flächen durch Bebauung verbraucht und außerdem noch weitere der Natur zurückgegeben, auf denen sich Flora und Fauna wieder relativ ungestört ausbreiten und entwickeln können.
    Bei einem unveränderten beschriebenen Verbrauch von landwirtschaftlichen Nutzflächen werden wir, bezogen auf die Bundesrepublik Deutschland in zirka 200 Jahren keine landwirtschaftlichen Nutzflächen mehr haben, das nur so nebenbei zum Thema Ressourcenschutz, dem sich die Politik offensichtlich nur verbal verpflichtet fühlt.

    Das scheint vielleicht für die Masse der deutschen Politiker und Verbraucher kein Problem zu sein, da nach deren Verhalten ausreichende Mengen bezahlbarer Lebensmittel ja aus dem Supermarkt kommen (nach der Devise: Wozu Kraftwerke, bei uns kommt der Strom aus der Steckdose).

    Welche Pflanzenschutzmittel-Cocktails meinen Sie, Herr Müller, die im Rapsanbau verspritzt werden und Ihrer Meinung nach zum Himmel schreien? Auch und insbesondere beim Einsatz von Insektiziden in der Rapsblüte sind nur solche amtlich zugelassen, die nicht bienengefährlich sind. Sofern diese zusammen mit zugelassenen Rapsfungiziden gespritzt werden sollen, so wird der Anwender stets darauf hingewiesen, dass in der Mischung von Insektizid und Fungizid eine Beeinträchtigung von Bienen möglich ist. Dann werden solche Mischungen von mir abends, wenn keine Thermik mehr vorhanden ist und auch kein Bienenflug mehr stattfindet, in den Rapsbestand gespritzt.

    Das machen auch meine Berufskollegen so, da wir Landwirte wissen, welche Verantwortung wir bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (im Volksmund auch Pestizide genannt) haben und wie wichtig Bienen bei der Bestäubung unter anderem von Nutzpflanzen sind.

    Nach meiner Kenntnis haben unsere Singvögel ein gravierendes Problem damit, dass z.B. in Italien diese immer noch zum menschlichen Verzehr gejagt und verspeist werden.

    Wenn es beispielsweise zu Rückgängen bei Nutzinsekten wie Bienen kommt, bitte nicht immer reflexartige Schuldzuweisungen in Richtung Landwirtschaft schicken. Die Wahrheit ist meistens komplizierter als wir es wahrhaben wollen.
  • Zum Abschnitt "Unkonventionelle Energiequellen"

    06.04.2015, Dr. Dieter Meinert`
    Dabei steht das sogenannte „Fracking“ an erster Stelle der derzeitigen Diskussionen:
    Abgesehen von den unmittelbaren Risiken, die ein sorgloser (weil billigerer) Umgang mit dieser Technik für Trinkwasser und Umwelt bedeuten, ist diese Technik vor allem eines: ein „weiter so“ mit fossilen Brennstoffen. Dies führt aber zu eine Einschränkung der Weiterentwicklung _alternativer_ Energiequellen und -speicher, da diese momentan mehr kosten würden, und die dafür einmal (und einmalig!) aufzubringenden Kosten gerne noch weiter hinausgeschoben werden in die nächste oder übernächste Generation.
  • Komplexität von digitalen Modellen garantiert nicht den Frieden !

    05.04.2015, Peter Engels
    Die Essenz der Ausführungen - rein subjektive Sicht meinerseits - bisher sind meist einfache Erklärungs - und Motivansätze zur Beilegung von Konflikten versucht worden und überwiegend gescheitert, wenn man nicht irgendetwas " Verrücktes " getan hat.

    Komplexität von Modellen und Erklärungsansätzen in der Makroökonomie gegen einfache Zusammenhänge hat dort einen jahrelangen Methodenstreit entfacht.

    Hier ist die Problematik eine andere und in gewisser Weise steckt darin eine andere und schwierigere Konstellation von Wissenschaftlicher Beratung und Politischer Entscheidung - zudem befinden sich auf der Objektebene und auf der Metaebene eine Menge Mitspieler mit uneindeutigeren Motiven, mit Strategien im Felde von Macht, Herrschaft und Geld, die andere Erklärungsmuster der Objektindividuen und -gruppen haben als der engere oder weitere Homo Oekonomicus.

    Auch diese Vielfalt der Anlässe und Motive von "Agitatoren und Agitierten" ist eine Erkenntnis der Konflikt- und Friedensforschung nach dem Ende des Kalten Krieges.

    Mich treibt es noch ein Stück weiter mit der Feststellung : es gibt bei den verunglückten Konflikten der letzten drei Jahrzehnte in vielen Fällen in den Köpfen und den Büchern der Kenner solcher Regionen, der Menschen, der Geschichte einige, die sehr zielgenau die Folgen bestimmter Handlungen und mancher Interventionen und deren Gründe vorhersagen konnten und diese veröffentlicht haben. Ohne jede Folgerung bei den Verantwortlichen, deren Motive sich oft im Nachhinein als andere als die deklarierten herausgestellt haben.

    Wenn man dann noch den Eindruck hat, daß andere Motive als die unbedingte Zielsetzung, Frieden zu schaffen , eine dominierende Rolle spielt, was man an manchen Punkten behaupten, zuweilen beweisen kann, ohne sich dem Vorwurf der Verschwörungstheorie auszusetzen, bewirkt das Modell nicht viel.

    Mit bösem Willen kann man ein solches Modell dann auch dazu benutzen, Konflikte zu verschärfen und Kriege zu provozieren.

    Dann kommt es vielleicht nicht so sehr auf Qualität des Interpreten solcher Modellergebnisse an.

    Aber solche Modelle öffentlich zu machen, wäre dann ein Weg.

    Eine letzte Frage : warum werden in den letzten Jahren so wenige Forschungsergebnisse zu Konsumentenverhalten , Folgen von Kunststoffproduktion und der Wirkungen derer Zerfallsprodukte und Additive veröffentlicht. -

    Wohl, weil es Interessen gibt.
  • Wer von den Kritikern ist Landwirt?

    05.04.2015, Thorsten S
    In wie fern Kleinbauern von Banken abhängig sind, wenn diese teure Technik kaufen müssen zum Pflanzenschutz gegen Schädling in Baumwolle oder Mais, wird gerne vergessen. Selbst in Deutschland verfügen nur wirklich große Unternehmen über eine solche Technik, die bei 150.000€ anfängt.

    Zu den Resistenzen gegen Glyphosat, in der USA sind bis heute 24 Unkräuter resistent geworden gegen den Wirkstoff, 13 auf Flächen ohne GVO Anbau, 11 auf Flächen mit RoundUp-Ready-Kulturen.
    Wie oben im Artikel erwähnt gibt es eine Reihe an Problemen in der USA mit Herbiziden, Antrazin ist da nur ein Beispiel mit 67 resistenten Unkräutern, diese Flächen dürften zu denen gehören wo heute die Probleme mit Glyphosat auftreten.
    Das ist keine Folge der Technik oder des Pflanzenschutzes, sondern die Folge ackerbaulicher Fehler - fehlende Fruchtfolge und somit die Möglichkeit verschiedene Wirkstoffgruppen zu nutzen und durch die veränderte Vegetationszeit auch ein teilweises anderes Unkrautvorkommen.

    Und Gentechnik ist auch nicht dafür verantwortlich, wenn in Ländern wie Argentinien Pflanzenschutz mit dem Flugzeug betrieben wird, das passiert auch ohne RR-Kulturen - leider.
    Das andere Mittel als Glyphosat Problem bereiten können wird von unseren Umweltorganisationen auch "vergessen", in Argentinien wird noch das Endosulfan angewandt, ein bedenklicher insektizider Wirkstoff, der in der Tat im Verdacht steht Fehlbildungen zu verursachen.
    Ersetzen könnte man dieses Insektizid durch die Gentechnik mit Bt, das passt natürlich nicht in das Konzept der Anti-Gen-Kampagnen, daher fällt Endosulfan unter den Tisch.
  • Verneinung

    04.04.2015, Herbert Schalke
    "Niemand ist bislang davor gefeit, dass das Deo nicht versagt." Ist da nicht eine Verneinung zuviel im Satz? In dieser Form der Aussage wäre der Nutzen des Deos doch eher die Ausnahme?

    Antwort der Redaktion:
    Lieber Herr Schalke (und alle anderen ähnlich aufmerksamen Leser),

    in der Tat, wir haben das nun ausgebessert. Natürlich ist aber weder jemand davor gefeit, dass das Deo versagt, noch, dass es dies nicht tut ... ;)


    Viele Grüße an alle LEser
    Die Redaktion
  • Ergänzung gefällig?

    03.04.2015, ricardicus
    Ich stimme Herrn Engel weitgehend zu und füge noch einen Aspekt an, der m.E. erklärt, woher (nicht wohin) Herr Fischer argumentiert. Einer der letzten Sätze in Herrn Fischers Artikel heißt: "Es war eine sehr riskante Zeit!" Im Bewusstsein der meisten Menschen, nicht nur in Deutschland, ist die inhaltliche Aussage dieses Satzes schon lange Jahre voll angekommen (2 WKe, Umweltverschutzung und Klimawandel, verschiedene Genozide (Ruanda, Kambodscha etc.), Konflikte ohne Ende (Vietnam, Afghanistan, Kaukasusregion, Israel und ganzer naher Osten samt Syrien und IS usw.usw.). All das prägt heute die öffentliche Meinung, die Herr Fischer als wenig risikobereit wahrnimmt. Aber man wird nicht Boss eines Großkonzerns oder erringt eine leitende Position in der Politik oder Wissenschaft ohne horrende Risikobereitschaft, d.h. die Entscheider denken zumeist viel risikofreudiger.
    Das Problem liegt m.E. woanders. Die Entscheidungen einzelner Bosse (von irgendwas) können heute weltweit gravierende Folgen haben, das war vor 100 Jahren in diesem Ausmaß undenkbar. Und diese Tatsache wird nicht angemessen berücksichtigt. Fragen mit globalen Auswirkungen werden auch heute immer noch viel zu oft nach Kriterien bzw. inneren Haltungen des 19. Jahrhunderts entschieden. Ich denke, wir brauchen eigentlich nicht mehr Risikobereitschaft um zu überleben, sondern eine neue Entscheidungskultur, die die Auswirkungen von Entscheidungen tatsächlich realisiert und ohne "Lügerei" bewusst macht.

    Ein sehr "schönes" Beispiel für ein risikobereites Hinwegsehen über die Realität ist die Haltung der Ölkonzerne, die sich jahrzehntelang mit Händen und Füßen gegen das Bewusstsein gewehrt haben, dass fossile Brennstoffe den Klimawandel befeuern. Da gab es von der Industrie bezahlte Gutachten über Gutachten, dass nicht sein könne, was nicht sein durfte....
    Aber sich so zu verhalten war in höchstem Maße unethisch, gemessen an den Auswirkungen. Wir sind gewohnt, Entscheidungen vor allem nach der zugrunde liegenden Motivation ethisch einzuordnen. Ich glaube, dass wir uns das nicht mehr lange werden leisten können. Wir sollten die absehbaren Auswirkungen noch viel stärker als heute in die Prä- und Postbewertung von Entscheidungen einbeziehen und das sollte auch äußerst dringlich in die moderne Ausbildung des Managements - egal welcher Couleur und Ebene - einfließen.
  • Sorgfalt?

    03.04.2015, Benjamin Kaiser
    Diese Übersicht enthält einige sehr peinliche Fehler....das ist einfach schlecht recherchiert:
    1. Krakatau hatte einen VEI von 6, nicht 7

    2. Tambora hatte einen VEI von 7, nicht 8. VEI 8 haben ausschließlich sog. "Supereruptionen" mit Tephraausstoß von mehr als 1000 kubikkm..Tambora hatte grade einmal 160.

    3. Laki ist ein Spaltensystem, das während einer Rifting-Episode entstand und wohl nicht noch einmal ausbrechen kann. Wenn überhaupt, kann es zum Vulkansystem des Grimsvötn gezählt werden. Der Laki ist ein alter erloschener Schlackenkegel, an dem kein Aubruch stattfand. Der Ausbruch heißt nur deshalb Laki, weil er in seiner Nähe stattfand.

    4. Die Caldera des Vesuv öffnet sich nicht Richtung Neapel. Es bräuchte einen schon sehr großen Ausbruch, um pyroklastische Ströme in die Stadt Neapel zu tragen. Möglich ist es aber.

    5. Die Auswahl ist recht merkwürdig, und lässt viele der sog. "Decade-Volcanoes" völlig außer acht.

    Ich bin von Spektrum eigentlich besseres gewohnt.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Kaiser,

    mit 1. und 2. haben Sie vollkommen Recht: Die Eruption des Tambora Eruptionen lag auf dem VEI eine Stärke unter der angegebenen (die VEI des Krakatau wird allerdings nur indirekt erwähnt, nicht mit exakter Ziffer), die Angaben stammen aus einem Fließtext über die Ausbrüche, und ich bin leider peinlicherweise um eine Zeile verrutscht. Denn, wie Sie richtig schreiben, bleibt 8 den Supervulkanen vorbehalten. Ich habe den Fehler ausgebessert.

    Die Auswahl ist natürlich sehr willkürlich, das ist mir bewusst, weshalb ich nicht "Die 10 Risikovulkane" schreibe. Der Laki-Ausbruch kam in die Auswahl, weil er die europäischer Geschichte maßgeblich beeinflusst hat. Das Format ist so angelegt, dass die Texte nur sehr kurz sind. Dafür führen Links auf weitergehende Imnformationen. Fehler wie beim VEI sollten dennoch nicht stattfinden. Ich bitte das zu entschuldigen.

    Mit besten Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
    Redaktion Spektrum.de
  • buzzword "Drohne"

    03.04.2015, Peter
    Ist zwar total in , das Gedrohne, aber das Video zeigt im Grunde nichts vom Drohnenflug. Mogelpackung
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Peter,

    selbstverständlich zeigt das Video auch Sequenzen des Drohnenflugs - manche der Aufnahmen sind nur so entstanden. Oder meinten Sie einen der Abstürze? Das zeigt das Video natürlich nicht. Die 3D-Ansicht entstand ebenfalls mit Hilfe des Drohnenflugs.

    Was die Veröffentlichung anbelangt: Wir schalten die Texte aktiv frei, können aber als kleiner Verlag keinen Rund-um-die-Uhr-Dienst leisten, weshalb an den Feiertagen keine Freischaltung erfolgt, wenn es nicht einer freiwillig tut.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
  • Die Schlagzeile ist leider schlichtweg Unfug ...

    02.04.2015, Jürgen Vollmer
    Sorry, aber allein schon die Verwendung des Begriffes "Hitzewelle" für Temperaturen unter plus 30 Grad ist einfach daneben. SOLCHE sprachlichen und wissenschaftlich vollkommen unseriösen Überzeichungen sind es, deretwegen das Vertrauen in die Klimawissenschaften immer mehr schwindet. Auf der Strecke bleibt die seriöse Aufklärungsarbeit zur real existierenden "Fieberkurve" unserer Lebensräume!
  • Das Soja Moratorium erwähnt und dennoch gescheitert?

    02.04.2015, Thorsten S
    Wie sollte die EU an dem Soja vorbeikommen, das in dem Moratorium vertraglich gesichert ist? Zu mindest das gvSoja wird nur über diesen Zusammenschluss weltweit gehandelt, anderes Soja nehmen die führenden Sojaölproduzenten gar nicht an.
    Das das bei Organic-Soja anders ist, das zB im Bio-Laden landet mag ja sein, spielt aber wohl keine große Rolle.
    Zu dem wächst Soja nicht besonders im Regengebiet des Amazonas.

    In Deutschland wächst 100% der landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf ehemaligen Urwaldflächen, wir haben halt vor dem Zeitalter von Umweltschutzkonzernen alles (fast alles) abgeholzt.

    Das Bevölkerungswachstum in Brasilien hat mein Vorposter ja auch schon erwähn, dass sich gerade die ansteigende Landbevölkerung neue Ländereien verschafft ist auch nichts neues, die wollen auch von irgendetwas leben.
  • Wenig bekannte Supervulkane

    02.04.2015, Jared J. Myers
    Die im Artikel vorgestellte Rangliste der gefährlichen Vulkane scheint recht subjektiv zustande gekommen zu sein. Will man das tatsächliche Risiko eines Vulkans ermitteln, muss man seine Ausbruchswahrscheinlichkeit mit seiner voraussichtlichen Ausbruchsstärke multiplizieren, um zunächst die Größe "Gefahr" zu bekommen. Das "Risiko" ergibt sich wiederum, wenn man die Gefahr mit dem Wert der möglichen Schutzgüter und deren "Exposition" (Schadensintensität) multipliziert.

    Den Variablen ist anzusehen, dass sie meist recht schwer bestimmbar sind. Im Falle Neapels und des Vesuvs kann es vielleicht alle 500 Jahre zu einem Ausbruch VEI 5 kommen, was eigentlich eine moderate Gefahr bedeutet. Allerdings ist durch die Nähe Neapels und deren starke Exposition ein recht hohes Risiko gegeben.
    Dagegen liegt z.B. der Uturuncu, der jüngste Teil einer Serie von vielleicht alle ca. 500.000 Jahre mit VEI 7 - 8 explodierenden Calderen an der Grenze Boliviens und Argentiniens, in einem Gebiet mit extrem dünner Besiedlung. Allerdings würde eine Eruption VEI 8 am Uturuncu die gesamte Erde für Jahre in einen Eruptionswinter hüllen und möglicherweise Bevölkerungszentren wie Buenos Aires, Lima, La Paz und Asunción unbewohnbar machen.
    Da der VEI dekadisch-logarithmisch ist, ergibt die Kombination VEI 8 alle 500.000 Jahre etwa die gleiche Gefahr wie VEI 5 / 500 Jahre. Allerdings würden die Exposition und der Wert der Schutzgüter den ganzen Kontinent und vielleicht die ganze Erde einschließen, so dass beim Uturuncu - wie auch bei verschiedenen ähnlichen Supervulkanen in Indonesien, Neuseeland, Rocky Mountains oder Anden - das Gesamtrisiko höher liegt als beim Vesuv.

    Wer sich von den Folgen der letzten Explosion der vorherigen Caldera in der Nähe des Uturuncu eine Vorstellung machen will, möge den folgenden Link aufrufen:

    https://www.google.de/maps/@-22.2077459,-66.672113,63905m/data=!3m1!1e3

    Das radial angelegte Entwässerungsnetz zeigt die Ausdehnung der Caldera plus eines Teils des randlich ausgeworfenen Tephra-Materials.
  • Globalisierungsgewinner

    02.04.2015, Wolf Polzin
    Auch Kaninchen und Hasen sollten unter das Investoren-Schutzgesetz fallen, erhöhen sie doch das Bruttosozialprodukt, indem sie beispielsweise "hunderte Wissenschaftler… tagein, tagaus" vor der Arbeitslosigkeit bewahren, wie man dem Artikel entnehmen kann. Auch die angesprochenen "Verheerungen" dürften sich im direkten Vergleich mit den Urteilen der Privat-Schiedsgerichte im Rahmen der diversen Freihandelsabkommen als eher bescheiden ausnehmen. Was das "Reproduktionsverhalten" angeht, sollten in diesem Vergleich keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. Hier stehen verlässliche wissenschaftliche Daten leider noch aus.

    Ganz anders sieht es hingegen beim Fressverhalten aus. "Wilde Kaninchen sind Konkurrenten der einheimischen Wildtiere, sie schaden der Vegetation und dem Boden. Ihre Auswirkungen werden in Dürrezeiten und nach Waldbränden oft noch schlimmer, denn dann fressen sie, was immer sie kriegen." Selten bin ich eine dermaßen zutreffende Beschreibung des globalen Neo-Liberalismus gestoßen. Wir sollten auf die Worte der Kanzlerin hören und einer marktkonformen Demokratie vertrauen. Diese Kaninchen und Hasen sind Globalisierungsgewinner par excellence. Eine Neiddiskussion sollten wir uns aus ethischen Gründen untersagen.

    Leider hinkt der Verweis auf Ostern. In biblischen Gefilden gab es nämlich gar keine Hasen und schon gar keine Kaninchen. Mit dem hebräischen Wort 'shaphan' war eigentlich der Klippdachs gemeint, der mit Elefanten und Seekühen verwandt ist.
  • Unnötiges Plädoyer

    02.04.2015, Bernhard Engel
    In unserer Gesellschaft steht die Ethik der Wissenschaft schon lange nicht mehr im Weg. Die wichtigsten Impulse in der Forschung kommen seit jeher aus der Industrie, und dort entscheidet nunmal der absehbare wirtschaftliche Nutzen über die finanzielle Ausstattung von Forschungsprojekten.

    Ist eine Forschung in einem Land nicht gesetzeskonform, dann verlegt die Konzernleitung diese Forschung ganz einfach in ein anderes Land.
    (Denken Sie die Medien oder die Konzerne haben interesse daran, Sie über den Standort Myanmar als internationales Zentrum für Genetik zu informieren ?)

    Apokalyptiker gab es auch schon immer. Schon immer. Das Phänomen ist so bekannt, daß ich mir sogar erlaube, auf eine Auflistung prominenter Beispiele zu verzichten.

    Das die Pharmakonzerne intelligent genug waren, um im Falle der Ebolaepidemie sofort zu erkennen, daß hier kein Gewinn zu generieren ist, (und der mediale Hype nichts als heiße Luft) und dementsprechend gehandelt haben, kann man der Konzernführung bestenfalls als Ergebniss eines zynischen, gewinnorientierten Verhaltenskodex ankreiden, keinesfalls als Mangel an Risikobereitschaft.
    (Sie werden doch nicht so naiv sein wollen zu glauben, daß der Verlust zehntausender afrikanischer Leben in der Pharmaindustrie irgendwelche Emotionen hervorgerufen hat? Nennen Sie es ruhig inhuman, Herr Fischer. Das ist es auch.)

    Die Lagerung gefährlicher Stoffe aller Art wird der Öffentlichkeit gegenüber niemals eingeräumt werden. Es wird fast überall auf einer "need-to-know" Basis operiert. Das ganze Konzept von Staatsgeheimnissen beruht darauf, dass bestimmte Informationen der Allgemenheit vorenthalten werden MÜSSEN !

    Unsere Gesellschaft hat einfach nicht den Willen, in die Lösung von Problemen zu investieren, die unsere Existenz nicht unmittelbar bedrohen. Deswegen haben wir auch Atombomben noch und nöcher, und noch nicht einmal ansatzweise Konzepte, wie die Beseitigung des Plastikmülls in den Ozeanen international koordiniert werden soll.
    (Wir haben gigantische Todeszonen in den Weltmeeren, so groß wie ganze Kontinente, bestehend aus schwimmenden Plastikmüll, und es wird nichts unternommen? Wie wollen Sie das mit Risikoscheue erklären ? Es ist Ignoranz, Herr Fischer, pure Ignoranz.)

    So wird ein Hut daraus, und nicht indem Sie eine Angst vor risikobehafteter Forschung als entscheidend für das schlechte Investitionsklima in manchen wissenschaftlichen Disziplinen konstruieren. Diese Angst gibt es traditionell in bestimmten Kreisen sicherlich, aber Sie hat uns seit der Aufklärung von nichts mehr abgehalten.("German angst, maybe?").


    mfg
    B.Engel

    P.S.
    Ich würde mich über eine E-mail als bestätigung, dass Sie meinen kleinen Kommentar gelesen haben sehr freuen, Herr Fischer, und danke im Vorraus für Ihre Aufmerksamkeit.
  • Auch was zum Titel

    02.04.2015, Moritz
    Bin ein bisschen irritiert, denn wenn ich den Text richtig verstehe, schneidet Hühnchen nur besser ab als vegetarisch, wenn man wenig Käse und wenig Milch zu sich nimmt. Also in einem Sonderfall, weil das eine mit dem anderen erstmal nicht viel zu tun hat. Die Überschrift suggeriert, dass wer Hühnchen isst statt Gemüse + Milch/Käse automatisch klimafreundlicher abschneidet.
  • Oberfläch, unsachlich und undifferenziert

    02.04.2015, S. Shephard
    T. Beer kann ich nur zustimmen. Die duch die Überschrift suggerierte Hauptannahme wird nicht einmal durch die ausgewählte Grafik belegt. Die hier abgebildete Grafik oder eine Grafik mit einem Balken für vegetarische Ernährung konnte ich auch nicht in der genannten Doktorarbeit finden, um die Annahme zu Überprüfen.

    Weiter wird hier der smart vegetarian gar nicht erwähnt, sondern sich nur auf den Carnivor (in diesem Artikel auch als "Normalesser" gekennzeichnet. Alles andere is demenstprechend also unnormal? Solche Kistenbezeichnungen sind vllt bei Bild und Spiegel ok, aber bei einem "wissenschaftlichen" Artikel schlicht unangebracht. Differenzieren bitte z.B. " der Großteil der deutschen Bevölkerung müsste die Ernährung umstellen") konzentriert. Generell sollte man bei solchen Vergleich mehr differenzieren und die Bestandteile des Speiseplans genauer untersuchen und nicht immer so plakativ Carnivore, Vegetarierer und Veganer gegeneinanderstellen. Eine klimafreundliche Ernährung ist sicher komplexer als diese drei Ernährungsformen.

    Schade das ein so interssantes und wichtiges Thema hier so oberflächlich und unsachlich behandelt wird.