Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Unterschiede Mensch zu Tier

    20.04.2011, Sven Schmidt, Stuttgart
    Der Artikel war wieder einmal sehr interessant zu lesen und doch fehlte die Antwort, was der kleine Unterschied ist. Üblicherweise werden immer kleine Experimente von isolierten Kenntnissen oder Fähigkeiten an einer anderen Spezies probiert. Die Ergebnisse zeigen dann, dass gewisse Fähigkeiten, in unterschiedlichen Ausprägungen, auch bei anderen Spezies vorhanden sind.

    Was nicht untersucht wird, ist die Frage, welche andere Spezies außer Homo kann all dies in der Summe meines Erachtens nachgehen vor allem folgende Aspekte immer unter: Welche andere Spezies interessiert sich überhaupt für andere Spezies, außer in den Kategorien Futter, Gefahr oder neutral? Welche, außer der Gattung Homo, möchte denn wissen, was über ihren eigenen "Kultur"- oder Lebensraum noch vorhanden ist? Welche andere Spezies denkt darüber nach, inwieweit eine andere Spezies oder ein Werkzeug permanent zu einem Vorteil eingesetzt werden kann? Welche andere Spezies besitzt etwas wie ein kollektives Gedächtnis und tradiert Erfahrungen derart intensiv wie die Spezies Homo?

    Vielleicht gibt es dazu auch Antworten die einen spannenden Artikel ergeben.
  • Grober technischer Fehler im Artikel

    20.04.2011, Werner Becker
    Der folgende Satz im Artikel ist grob falsch. Sowohl die Beschreibung wie auch die Begündung treffen nicht zu.

    Zitat:
    "Das liegt an ihrer Nonius-Skala, die aus zwei Maßstäben besteht: einer normalen Millimeterskala und einer anderen, bei der ein Zentimeter in neun statt zehn Teile untergliedert ist. Da die beiden Zahlen keine gemeinsamen Teiler haben, kann jeweils nur ein Strich der Neuner- mit einem der Zehnerskala zusammentreffen."

    Korrekt wäre in etwa:

    "Das liegt an ihrer Nonius-Skala, die aus zwei Maßstäben besteht: einer normalen Millimeterskala und einer anderen, bei der die Zehnerskala um einen Millimeter verkürzt ist. Da die beiden Zehnerskalen unteschiedliche Teilungslänge haben, kann jeweils nur ein Strich der Nonius- mit einem der normalen Skala zusammentreffen."

    Ich könnte noch anmerken, dass es "Schieblehren" ohnehin nicht gibt - die korrekte Bezeichnung lautet "Meßschieber".

    Für die Verwendung der Bezeichnung "Schieblehre" gab es zu meiner Lehrzeit mindestens einen tadelnden Blick des Ausbilders.
  • Gläubiger versus Wissenschaftler

    19.04.2011, Martin Overbeck, Wolfenbüttel
    Bei dieser Rezension drängt sich mir der Verdacht auf, dass hier ein Gläubiger (Christ?) von dem eigentlichen wissenschaftlichen Inhalt des Buches und den Ergebnissen ablenken will. Wenn – wie Gerald Wolf behauptet – nichts Neues, Besseres oder Brauchbareres bei diesem Buch herausgekommen ist, warum schreibt er dann eine Rezension für "Spektrum"?

    Es gibt bis heute keine allgemein anerkannte wissenschaftliche Definition des Phänomens Religion. Dies ist aber nicht wenig erstaunlich, wie der Rezensent Wolf hinsichtlich der Glaubensvielfalt festhält, sondern höchst erstaunlich, wie der Autor des Buches feststellt. Immerhin gibt es seit Jahrhunderten theologische Lehrstühle, jede Menge gläubige Naturwissenschaftler und seit neuestem auch Religionswissenschaftler, die exakt diese Definition erbringen müssten, so sie könnten oder wollten. Als Biologe sollte Herr Wolf wissen, dass man auch trotz Millionen Arten von Lebewesen sagen kann, was Biologie ist.

    Wolf fällt ein vernichtendes Urteil über das Buch und den Autor, wenn er sagt, dass weder eine bessere noch ein brauchbarere Definition dabei herausgekommen ist. Brauchbar für wen oder was? Im Vergleich zu den bisherigen Definitionen, die mit dem nicht messbaren, nicht erklärlichen Transzendenten spielen, kommt bei Andreas Kilian sogar eine erstaunlich präzise und streng biologische Definition des Begriffs Religion heraus, mit der Naturwissenschaftler arbeiten können. Es ist weltweit die erste biologische Definition dieses Phänomens! Möge bitte die Wissenschaft selbst entscheiden, ob diese brauchbarer ist.

    Auch der suggestive Hinweis, dass mit dem Zitat von Ambrose Bierce doch schon alles gesagt sei, ist nicht die Hälfte der Wahrheit. Wolf zitiert Kilians Definition erst gar nicht, obwohl sie wesentlich weiter greift.

    Richtig bemerkt Wolf, dass Kilian verhältnismäßig wenig auf neurobiologische Ergebnisse eingeht. Dies ist aber nicht verwunderlich, da der Schwerpunkt des Buches auf verhaltensbiologischen Aspekten liegt.

    Der Rezensent lobt zwar den klug formulierten Text und die Logik des Autors, stellt ihn aber in die Ecke von Richard Dawkins und Daniel Dennett. Hier gehört Andreas Kilian nun wirklich nicht hin, denn der konsequent wissenschaftlich-biologische und nicht polemische Ansatz bildet eine eigenständige Forschungsarbeit.

    Verwunderlich ist auch, dass dem Biologen Kilian eine fehlende Antwort auf die Sinnfrage vorgeworfen wird. Herr Wolf, selber Biologe und Mediziner, sollte eigentlich wissen, dass die Evolution gerichtet, aber nicht zielgerichtet verläuft. Herr Kilian arbeitet als Biologe also vollkommen korrekt, wenn er nicht auf den Sinn von evolutiven Ereignissen oder "letzten" Sinnfragen eingeht, sondern stattdessen nach dem Zweck der Argumentationsebene Religion fragt. Und eine mögliche Antwort ist korrekterweise die Interpretationshoheit, nach der alle Vertreter der Religionen streben.

    Völlig untragbar ist der persönliche Angriff des Rezensenten auf den Autor. Suggestivfragen nach persönlichen Problemen des Autors sind unter der Gürtellinie und gehören nicht in eine Zeitschrift wie "Spektrum der Wissenschaft". Hier disqualifiziert sich der Rezensent.

    Am Ende unterstellt Herr Wolf die Überflüssigkeit des Buches, wenn er resümiert, was der Mensch damit anfangen soll, wo er doch einen rettenden Strohhalm der herzerwärmenden Lebenslügen haben will. Nun, möge dies jeder Leser selbst entscheiden, ob er wissenschaftlich und intellektuell kühl, aber hochkarätig mitdiskutieren möchte. Argumente und Ergebnisse findet er bei Kilian.

    Auch die Behauptung, dass man unter diesem Titel ebenfalls die "großen und letzten" Fragen der Quantenmechanik und Astrophysik hätte beschreiben können, weist in die Ecke Überflüssigkeit. Herr Wolf übersieht offensichtlich den Unterschied zwischen Ursache und Wirkung in dem Titel "Die Logik der Nicht-Logik" und der Alternative des Zufalls in "Logik" oder "Nicht-Logik".

    Mit seiner Behauptung, dass die Gottesfrage auch unter Einhaltung streng wissenschaftlicher Kriterien hier mitspielt, erhärtet sich noch einmal der Verdacht, dass der Rezensent wohl selber gläubig ist. Wissenschaftler arbeiten bekanntlich nicht mit dieser Hypothese. Sie sollte auch bei dem biologisch-kulturellen Phänomen Religion sowie dessen Definition außen vor bleiben können.
    Antwort der Redaktion:
    O Gott!, drängt es mich als Atheisten auszurufen.



    Herr Overbeck hat die Formulierung wie auch die Intention der Rezension missverstanden. Einen Großteil meines Textes habe ich auf die Würdigung des Buchinhaltes verwendet, wobei ich im Sinne Kilians - anders als von Herrn Overbeck dargestellt - weit mehr dem Religionsskeptiker als dem Gläubigen das Wort rede. Das Ringen um eine neue Definition mag dem Autor zwar ein wichtiges Anliegen gewesen sein, im Buch aber nimmt es verhältnismäßig wenig Raum ein. Weit mehr Respekt ist der Leistung Kilians für die Analyse des Phänomens Religion zu zollen – ich stelle ihn insoweit in eine Reihe mit Dawkins und Dennett!



    Dass nach wie vor eine allgemein akzeptierte Definition für Religion fehlt, hat Gründe, die ähnlich auch für die begriffliche Abgrenzung von Obst und Gemüse gelten. (Üblich ist "essbare Früchte" versus "essbare Nichtfrüchte". Aber das passt schon für Gurke und Tomate nicht. Ähnlich hängt von der Enge oder der Weite der Religionsdefinition ab, ob man den Schamanismus und den Buddhismus hinzurechnet.) Oder sollten die vom Autor entwickelten Begriffsbestimmungen wirklich einen solchen (von mir verkannten) Durchbruch bedeuten?



    1. Religion (Definition »allgemein«, S. 205): Angstminderndes Konzept aus Betrug und Selbstbetrug, um seine Egoismen besser ausleben zu lassen.


    2. Religion (Definition »biologisch«, S. 176 und 205): Durch ego-zentrierte neuronale Module hervorgerufene Erschaffung, individuelle Bereitstellung und tradierte Aufrechterhaltung einer nicht-logischen Argumentationsebene, um seine individuellen Egoismen mit und gegen seine Gruppenmitglieder rechtfertigen, durchsetzen und befriedigen zu können.



    Beide Definitionen sind wenig spezifisch und vernachlässigen zudem ein durchaus auch evolutionsbiologisch begründbares sozialstrategisches Prinzip: den Altruismus. Der Begriff kommt bezeichnenderweise im Sachregister des Buches gar nicht vor, im Gegensatz zu dem des Egoismus, für den hier zig Seiten angegeben werden. Bei allen Problemen und Gefahren, die den Religionen durch egoistisch Motivierte oder Verleitete innewohnen, darf nicht übersehen werden, dass es viele Menschen gibt, die in ihrer Haltung zum Glauben von Selbstlosigkeit, Edelsinn und Herzensgüte geprägt sind. Wer zum Zynismus neigt, mag freilich selbst im Uneigennutz den Eigennutz entdecken - das »egoistische« Stiften von Mit-Freude etwa oder das Überwinden von Mit-Leid durch Mildtätigkeit. Anders als die Religionsdefinition des Autors zeugt die von Ambrose Bierce zitierte (zugegeben, ein Bonmot eher) wenigstens von Witz.



    Herr Overbeck verübelt, dass ich auf den wunderschönen Titel von Kilians Werk auch für Bücher zur Quantenmechanik oder zur Astrophysik rekurriere. Jeder denkende Mensch, zumal jeder Naturwissenschaftler, muss fasziniert sein, wenn er vernimmt, dass es auf diesen Feldern mit den Prinzipien unserer gewohnten Logik ebenfalls hapert. Und wie sympathisch: Die jeweiligen Fachvertreter kokettieren damit sogar!



    Meine persönliche Haltung ist in einem Interview nachzulesen, das am 20. April in "Christ und Welt" (Beilage zu "Die Zeit") erschienen ist.



    Prof. Dr. Gerald Wolf, Magdeburg

  • Viel Spekulation und wenig Wissen

    19.04.2011, Walter Pfohl, München
    Je weniger man über eine Sache weiß, desto trefflicher lässt sich darüber offenbar spekulieren. Mehr aber auch nicht – nach der Lektüre dieses Artikels war ich auch nicht klüger als zuvor, was das Wesen der Zeit angeht und deren Zukunft. So waren die Erläuterungen zu verschiedenen Szenarien viel zu verkürzt, um die dahinterstehenden theoretischen Konzepte und Begründungen plausibel und nachvollziehbar zu vermitteln, und bei all dem Geschwafel über „Strings“, „Branes“, „Phantomenergie“ u. dgl. vermisste ich eine klare Feststellung der Tatsache, dass keinerlei empirische Evidenz für eine physikalische Realität derartiger theoretischer Konstrukte vorliegt.
  • Optionen sind keine Illusionen

    18.04.2011, Kapp, Potsdam
    Eine unsachliche Emotionalisierung gehört m.E. nicht in ein Wissenschaftsjournal.
    Wichtig ist in jedem Fall das kritische Hinterfragen von Sachverhalten, das sollte dann auch die eigenen Thesen betreffen.

    In diesem Artikel wird selektiv ein Beitrag herausgegriffen (Robert Howarth et.al.) und mit kursierenden und besonders wirksamen Reizbegrifflichkeiten in Beziehung gestellt. Und damit steht der Autor schön in einer Front gegen das Böse (Politik, Wirtschaft ... gern auch Wissenschaft?):
    Illusion, Wusch ist Vater des Gedankens, rabiate Methode und Beschränkung auf das gute alte "weiter so".

    Wenn der Autor etwas in Anführungszeichen setzt ("extrem klimaschonenden Ressource"), dann sollte er wenigstens auch angeben, wo er das gelesen hat. Denn all dies ist nicht typisch für die aktuellen Diskussionen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu den Themen der weiteren Entwicklungen und dem Umbau der Energiegewinnung.

    1) Über die Möglichkeiten der Schiefergasgewinnung und Nutzung hat keiner Illusionen. Diese werden vielmehr sehr intensiv (in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft) als Option diskutiert.

    2) Natürlich spielt (und spielte) dabei die GHG-Gesamtbilanz (also die Klimarelevanz ) eine sehr wichtige Rolle, s. z.B. die aktuellen Erwiderungen auf den Beitrag von Howarth:
    Let’s Fix Dangerous, Climate-Warming Methane Leaks From All Fossil Fuels: Coal, Oil, and Natural Gas (April 13th, 2011 by David McCabe, Atmospheric Scientist im Clean Air Task Force Blog)
    oder auch die ausführlichen Untersuchungen der US EPA (Environmental Protection Agency).

    3) Die Risikoanalyse der Erschließung von Erdgaslagerstätten betrachtet den gesamten technologischen Prozess. Und nur so lassen sich auch Aussagen hinsichtlich der Machbarkeit (unter allen Maßgaben des Umweltschutzes) treffen. Die einseitige Konzentration auf das Fracking (in der öffentlichen Diskussion und auch hier in Ihrem Beitrag) ist kontraproduktiv und wird m.E. nur deswegen gepflegt, weil sich mit (vermeintlich) neuen Technologien leichter negative Emotionen und eine Abwehrhaltung erzeugen lassen.
    Das klingt etwa so: Flugzeuge sind gefährlich denn sie haben Strahltriebwerke und die können ausfallen und dann stürzt das Flugzeug ab.

    4) Der Autor führt einen prinzipiellen Unterschied bei der Erschließung von Kohlenwasserstoffen aus konventionellen und unkonventionellen Lagerstätten an (ein unterschiedliches Paar Schuhe!). Ihm scheint entgangen zu sein, dass mit dem sog. "enhanced recovery" von konventionellen Lagerstätten Techniken entwickelt wurden und zum Einsatz kommen, die auch für unkonventionelle Lagerstätten genutzt werden. In der geotechnischen Praxis ist das längst zusammengeführt.

    Es gibt in diesem Themenfeld sicher noch viele offene Fragen, die auf verschiedensten Ebenen intensiv bearbeitet werden. Es wäre schön, wenn ein Wissenschaftsjournal darüber informiert und damit auch zur Belebung der öffentlichen Diskussion beiträgt - jenseits festgefahrener und damit leicht zu bedienenden Fronten.
  • warum wird der Begriff "Zwang" in die Diskussion eingeführt?

    18.04.2011, J Bi
    Der Begriff "Zwang" hilft nicht weiter, wenn es um die reine Willensfreiheit geht: Wenn mich jemand "mit vorgehaltener Pistole" zwingt, etwas zu tun, was ich normalerweise nicht tun möchte, dann habe ich immer noch die Freiheit, mich zu entscheiden und gegebenfalls den eigenen Tod in Kauf zu nehmen.
    Und ist der Heißhunger auf die Sahnetorte, von der ich weiß, dass sie mir nicht gut tut, ein innerer Zwang? Abgesehen von der Schwierigkeit, die Stärke des Zwangs messen zu können, erscheint es mir plausibel, dass es willenstärkere Menschen gibt, die einem solchen inneren Zwang eher widerstehen können.
    Also: Zwang ist nicht absolut - auch unter einem Zwang kann ich entscheiden. Ich habe die Freiheit nicht verloren.
    (selbstverständlich: Der Zwang ist bei der Bewertung meiner Entscheidung zu berücksichten).
  • Wissenschaft im Alltag ade!

    18.04.2011, Christian Gabel, Köln
    Ich finde es sehr bedauerlich, dass die sehr unterhaltsame und Aha-Effekte liefernde Rubrik "Wissenschaft im Alltag" offenbar aus den Spektrum-Heften verbannt wurde. Die relativ neue Rubrik "Schlichting" kann für mich persönlich diesen Wegfall in keiner Weise wiedergutmachen.
  • Verlust in der Nahrungskette

    18.04.2011, Rainer Rolffs, Bonn
    Der Artikel geht davon aus, dass die Menschheit große Mengen an tierischem Protein bräuchte, und stellt fest, dass neuartige Aquakulturen umweltschonender sein können als Fischfang und Massentierhaltung an Land. Zu wenig beachtet wird dabei jedoch der grundsätzliche hohe Verlust in der Nahrungskette, sowohl an Nahrungsenergie als auch an Proteinen – jedes tierische Nahrungsmittel erfordert ein Vielfaches an pflanzlichen Nahrungsmitteln. Dies gilt natürlich umso mehr für Raubfische.

    Da bereits der größte Teil der Biomasseproduktion der Erde der menschlichen Ernährung dient, hauptsächlich über die Nutztiere, ist der prognostizierte zusätzliche Ausbau der Aquakultur keine Lösung für die Umwelt- und Nahrungsprobleme, sondern verschlimmert die Zerstörung von Naturräumen und den weltweiten Hunger. Für die Fische ist die qualvolle Enge und der frühe, gewaltsame Tod sicherlich nicht angenehm und bequem. Und der Landwirtschaft, die u. a. unter der Auslaugung der Böden leidet und daher geschlossene Stoffkreisläufe bräuchte, ist bestimmt nicht damit geholfen, Milliarden Tonnen besten Getreides ins Meer zu kippen.

    Die Lösung ist offensichtlich, wird im Artikel aber ignoriert: Direkt das pflanzliche Protein zu essen, was gesund und schmackhaft ist. Um den Hunger zu bekämpfen und aus Rücksicht auf das nichtmenschliche Leben müssen wir den Verbrauch tierischer Nahrungsmittel drastisch reduzieren.
  • Ehrenwerte Leistung von Tobias Schlicht

    18.04.2011, Norbert Hinterberger, Hamburg
    Tobias Schlichts Artikel kann man meiner Meinung nach durchaus als Ehrenrettung der Philosophen in dieser neuen Philosophie-Serie betrachten. Er hat genau das getan, was Nida-Rümelin, Albert Newen und Michael Pauen schmerzlich haben vermissen lassen. Ich habe mich in meinem Leserbrief zu Nida-Rümelin dazu detailliert geäußert.

    Schlicht hat sich bei seiner Arbeit über das Bewusstsein an neuesten Forschungsergebnissen orientiert und einen sehr informativen Überblick über die einzelwissenschaftliche Behandlung dieses natürlich nach wie vor spannenden Themas gegeben. Die Spannung erhält sich für uns dabei wohl direkt proportional zur Menge der nebelhaften Lehnstuhl-Spekulationen (nicht nur) der älteren Philosophie - und auch der vieler Einzelwissenschaftler natürlich.

    Schlicht versucht uns nicht mit seinem Engagement zu erschlagen. Er hält experimentelle Fakten und Interpretationen sauber auseinander. Auf S. 65 macht er darauf aufmerksam, dass man etwa die Gleichsetzung von neuronalen mit bewussten Vorgängen ebenso wie dann natürlich auch die Alternative (getrennte Phänomene „die nur miteinander zusammenhängen“) als eine Frage der Interpretation zu betrachten hat. Diese Frage ist sicherlich nicht so leicht zu beantworten wie die der Gleichsetzung von Geist und Hirnvorgängen etwa. Hier erscheint man inzwischen wohl nicht mehr als übereifrig, wenn man behauptet, dass der Identismus (in irgendeiner Variante) die plausibelste These zu sein scheint.
    Die Theorien zum Bewusstsein machen da schon größere Schwierigkeiten: Funktionalismus, Repräsentationalismus oder Biologismus? Ersterer läuft auf eine Computeranalogie hinaus, die biologische Details unseres Gehirns außer Acht lassen darf. Der Repräsentationalismus ist auf „das Vorliegen begrifflicher Fähigkeiten“ (S. 68) angewiesen, schließt also viele Lebewesen aus. Beide Ansätze (und also erst recht ihre Kombination) erscheinen auf Grund dieser restriktiven Voraussetzungen wenig attraktiv. Die biologische Theorie scheint die natürliche Erweiterung des Identismus in der Geist-Hirn-Frage zu sein. Sie ist emergentistisch, und das muss sie auch sein, wenn sie nicht in das Computermodell abstürzen will oder in den anthropozentrischen Repräsentationalismus. Allerdings gibt es auch hier eine Variante, die „das bewusste Erlebnis nicht mit dem zugehörigen Gehirnprozess gleich“ setzt.
    Schlicht hat auch hier einen Einwand, den ich allerdings nicht nachvollziehe, weil man diese letzte Variante ja nicht vertreten muss: Beim Biologismus bleibe „unverständlich“, warum bestimmte Gehirnprozesse „subjektiv erlebt“ würden, „andere hingegen unbewusst“ blieben. Er hält das für eine „Erklärungslücke“. Beim identistischen Biologismus kann man das aber einfach mit der Range bzw. mit der jeweiligen Stärke neuronalen Feuerns erklären. Er sagt dann: „Manche Forscher ziehen daraus den radikalen Schluss, dass Bewusstsein nicht auf irgendeinen physischen Vorgang reduziert werden könne, sondern wie Masse und Energie als eine elementare Eigenschaft des Universums anzusehen sei.“ Das scheint mir nun noch absurder, als der Versuch, diese Denkfigur auf die Information anzuwenden, was auch schon versucht wurde. Das ist in beiden Fällen einfach nur ein Rückfall in den erkenntnistheoretischen Idealismus. Schlicht distanziert sich zwar nicht explizit von dieser These. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass er mit ihr sympathisiert, angesichts seines Gutheißens der im Wesentlichen biologistisch emergentistischen Vorstellungen von Damasio, Edelman und Koch – gegenüber der in diesem Fall nichtplausiblen atomistischen Hypothese.
    Ich hätte mir an dieser Stelle etwas mehr Klarheit gewünscht. Insgesamt kann man aber wohl sagen, derartige philosophische Arbeiten lassen sich mit Gewinn lesen.
  • Die Suche geht also noch weiter ...

    12.04.2011, Angela M. Sturm aus Eicherloh
    Ich danke den beiden Autoren für diesen Artikel, der sachlich die Fakten aktueller Studien darstellt. Dass Fettleibigkeit genbedingt sein kann, war mir vorher schon bewusst. Das allerdings Variationen verschiedener Gene hier eine große Rolle spielen, die noch nicht einmal alle erforscht sind, erschreckt mich dann doch.

    Auch ich zähle zu den Fettleibigen, habe aber Gott sei Dank so viel Selbstbewusstsein, dass ich im Arbeits- und Bekanntenkreis sehr schnell mit Vorurteilen aufgeräumt habe.
    In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern, den Verlagsmitarbeitern und -redakteuren und natürlich auch den Autoren einen schönen Frühlingstag (auch wenn es gerade regnen sollte).

    Ihre A.M.Sturm
  • Kontinuität der kognitiven Fähigkeiten

    12.04.2011, Georg Heike, Blankenheim
    Obwohl mehrmals die bekannte Tatsache erwähnt wird, dass Tiere keine Opern komponieren können, zieht der Autor auf Grund seines Materials einen wohl etwas voreiligen Schluss: „Aber zugleich lassen sich für alle Kompetenzen des Menschen rudimentäre Entsprechungen im Tierreich aufspüren: Es gibt offenbar eine Kontinuität der kognitiven Fähigkeiten zwischen Menschen und Tieren.“ Wo sind die rudimentären Entsprechungen für das Komponieren von Opern? Die Vorstellung einer Kontinuität der Entwicklung hin zu den Fähigkeiten des Menschen ist nahe liegend, kann aber nicht bedeuten, dass sämtliche Fähigkeiten bereits im Tierreich angelegt sind. Gerade die Kunst, die Wissenschaft und Philosophie, der Mensch als übendes Wesen (Sloterdijk) muss man als für den Menschen typische Eigenschaftsbereiche ansehen, die während der Entwicklungsgeschichte des Menschen, als er schon Mensch war, entstanden waren. Sicherlich kann man Erklärungsversuche, wie sie die Begriffe der Emergenz bzw. Fulguration anbieten, in Betracht ziehen.
  • Mehr Blick auf das Ganze

    08.04.2011, W.J. Fraidling, Bad Wörishofen
    Eben hab ich eine kurzen Beitrag im Morgenprogramm des Bayerischen Rundfunks gehört. Es kam ein Herr zu Wort, der den Einfluss der künstlerischen Betätigiung auf das Gehirn untersuchte. Es gab keine signifikanten Abweichungen. Aber er betonte, dass die Kunst einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen hat, dass sie den Menschen als Ineinander von Materie und Geist begreift. Was könnte das Gehirn begreifen, wenn die Hände nichts begreifen können beziehungsweise wenn wir ganz ohne Hände wären. Wären wir dann noch Menschen?

    Der rein naturwissenschaftliche Forschungsansatz zerfasert alle Erscheinungsformen menschlicher Existenz. Danach ist es sehr schwierig, die Teilaspekte und Teilerkenntnisse wieder zu einem stimmigen Ganzen zusammenzusetzen. Wie wäre es denn, das Ganze philosophisch-theologisch vorauszusetzen und dann die Teile zutreffend zu bewerten?
  • Ein Vorschlag für die Technikbildung

    06.04.2011, Detlef Köhler, Sondershausen
    Mein Vorschlag: Wiedereinführung der polytechnischen Bildung. Das sollte nach 20 Jahren ideologischen Siegesrauschs nun doch endlich wieder möglich sein.

    Ansonsten kann ich Prof. Renn nur zustimmen. Eine viel bessere umfassende Bildung ist von Nöten. Darunter verstehe ich nicht das nachgeplapperte Halbwissen wenig allgemeingebildeter Jounalisten, sondern wissenschaftlich-technische Grundlagenbildung für alle. Möglichst mit deutschlandweit zentralisierten Lerninhalten. Frankreich z.B. schafft das sogar bis in seine Überseegebiete. Dort gibt es auch kaum Mangel an Ingenieuren und Wissenschaftlern.
  • Den Pionier der Bewusstseinforschung ignoriert

    05.04.2011, Manfred Weis
    Es hat mich schon etwas erstaunt, dass im Zusammenhang mit der Bewusstseinforschung Siddharta Gautoma (Besser bekannt als Buddha) keine Erwähnung findet.
    Zugegeben, er führte keine apparategestützten Untersuchungen durch, aber seine Selbstbeobachtungen im Zusammenhang mit dem Versuch, das Wesen des eigenen Ich auszumachen, haben durchaus Pioniercharakter.
    Gautomas Erkenntnis, dass alles, was wir für unser Ich halten, letztlich nur Attribute des Ich sind, sowie die Folgerung, dass es lediglich möglich sei, zu erkennen was nicht das Ich ist, wären sicher interessante Diskussionspunkte gewesen.
    Mir scheint fast, dass Asien in Bezug auf Wissenschaft, Philosophie und Religion als fremdartig und exotisch und von daher keiner weiteren Beschäftigung würdig empfunden wird.
  • Fragen der Begrifflichkeiten

    04.04.2011, Walter Pfohl, München
    Das Konzept von „Freiheit“, das Prof. Pauen propagiert, halte ich für alles andere als wissenschaftlich überzeugend. Die Frage bei der „Selbstbestimmung“ ist doch die, wodurch das „Selbst“ wiederum bestimmt ist – und da das Selbst nicht aus sich selbst heraus entstanden ist, führen die Ketten der Ursächlichkeiten letztlich auch alle aus dem Selbst heraus zu äußeren Ursachen für dessen resultierenden Zustand von Bereitschaften, Motivationen oder als solchen empfundenen inneren Zwängen.

    Bei den vorgetragenen pragmatischen Überlegungen zu Sanktionierung und Belohnung geht es ja nun auch offensichtlich nicht um eigentliche Freiheit, sondern um Manipulation der individuellen Entscheidungen durch Schaffen von Bedingungen im Hinblick auf die zu erwartenden sozialen Konsequenzen, was eine Veränderung der Entscheidungssituation bedeutet. Was ist daran „frei“, wenn einer unter anderen Bedingungen zu anderen Entscheidungen findet? Ist denn einer, der sich durch solche Motivationsmittel zu sozial erwünschtem Verhalten manipulieren lässt, in irgendeinem Sinn selbstbestimmter als einer, der dagegen resistent ist?

    Und wie sollte man wissenschaftlich sauber ein Grenze ziehen zwischen dominierenden Motivationen oder Zwängen? Wie weit können wir unsere (situationsabhängigen) Motivationen und deren Kraft denn selber frei bestimmen? Warum ist denn wohl nicht jeder zu kurz Gekommene in der Lage, mit seinem Los völlig zufrieden sein, einfach, indem er eben frei beschließt, ja gar nichts anderes zu wollen?

    Insofern halte ich die komplette Terminologie von „Autonomie“, „Urheberschaft“, „Verantwortlichkeit“ etc. für vorwissenschaftlichen Pragmatismus, der weit davon entfernt ist, einen wissenschaftlichen Begriff von „selbstbestimmter Freiheit“ zu begründen und zu tragen. Den Freiheitsbegriff auf soziale Manipulierbarkeit zu gründen, hat für mich schon eher was von orwellscher Begriffsverdrehung: Freiheit ist die Fähigkeit, den sozialen Zwängen zu gehorchen, und Selbstbestimmung ist Empfänglichkeit für Fremdbestimmung!

    (Liebe Philosophen, verdreht uns die gewachsenen Sprachbegrifflichkeiten bitte nicht so, dass sie für Euch irgendwann das Gegenteil von dem bedeuten, was Fachfremde darunter verstehen, sondern lasst Euch wenigstens signifikant andere Vokabeln dafür einfallen!)

    Ich glaube somit nicht, dass Konzepte von selbstbestimmter Freiheit überzeugend zu verwissenschaftlichen sein werden, und halte diese für kulturelle Konstrukte, die als Realitätsmodell ebenso illusionären Charakters sind wie andere metaphysische Dogmen. Unfrei oder gezwungen fühlen wir uns im Wesentlichen dann, wenn wir keine Wahl bzw. keine andere als die zwischen verschiedenen Übeln sehen, die wir allesamt nicht wirklich wollen. Solange wir Möglichkeiten sehen, die ohne ernstliche Konflikte mit unseren (letztlich durch äußere Ursachen bedingten) Grundvorstellungen vereinbar wären, empfinden wir unsere diesbezüglichen Entscheidungen nicht als zwangsbestimmt, sondern als vernünftige und freie Wahl der (subjektiv) wünschenswertesten der Optionen. Aber deswegen kommen diese auch nicht freier oder selbstbestimmter zu Stande als die aus fühlbaren Zwängen resultierenden, nämlich durch die naturgesetzlichen Prinzipien von Ursache und Wirkung.
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