Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Mutige Autoren

    11.12.2011, Hartmut Schirneck
    Meinen ausdrücklichen Dank an die Verfasser für den detaillierten Vergleich der Kraftwerkskonzepte in Deutschland und Japan. Hoffentlich aber müssen sie nicht schon mein Gefühl teilen, dass man im hysterisch aufgeladenen Zeitgeist dieses Jahrhunderts fast schon Bodyguards braucht, um sich als Befürworter der Kernenergie zu outen.

    Wo hysterisches Kreischen rationales Reden verdrängt hat, wäre ich heute nicht zu überreden, mir einen "Atomkraft - ja bitte!" - Aufkleber auf die Heckscheibe zu pappen. Ganz davon abgesehen, wie sehr hysterischer Zeitgeist sich von fachlicher Unkenntnis nährt: passionierte Ökofreaks hinter ihren bunten Infoständen ("Tschernobyl ist überall!") kann man bereits mit sehr einfachen Fachfragen in tiefe Verlegenheit bringen. Diese unterschlagen auch gern - oder wissen es selbst nicht einmal -, dass sogar auch der sowjetische RBMK-1000 in Tschernobyl immer noch so sicher konzipiert war, dass er fast nur gewaltsam und mutwillig havariert werden konnte - und schließlich war das halsbrecherische Experiment damals und die Schlampigkeit, mit der es durchgeführt wurde, auch fast schon mit Mutwille und Vorsatz zu vergleichen. Selbst die Design-Mängel dieses Reaktors wie etwa die Graphit-Spitzen der Steuerstäbe, wären im Normalbetrieb nicht zu Gefährdern geworden.

    Dass nun auch Fukushima von den Hysterikern hierzulande sofort als Aufhänger für den Ruf nach Ausstieg benutzt wurde und - natürlich wie immer - wohltuend frei von jeglichen störenden rationalen Argumenten ist -, offenbart nur einen tieferen kulturellen Konflikt, in dem sich grundverschiedene Definitionen von Zivilisation und Kultur gegenüberstehen. Dem Sicherheitswahn, der jedes, aber auch jegliches Restrisiko, ausschließen will, bleibt als Selbstverwirklichung ein steinzeitliches Leben auf Bäumen, mit lustigen Wettbewerben um die schönste Höhlenmalerei.

    Gegönnt sei es ihnen! Aber bitte, ohne mich zu zwingen, ebenfalls wieder auf Bäumen zu wohnen. Nachdem wir richtig erkannt haben, welches Risiko darin liegt, von der Verbrennung von Fossilien zu leben, um unseren enormen Energie- und Mobilitätsbedarf zu decken, ist mit den Forderungen grundsätzlich fortschrittsfeindlicher Menschen erst recht niemandem geholfen. Bis zur Beherrschung der gesteuerten Kernfusion bleibt die Kernspaltung der vernünftigste - oder der am wenigsten unvernünftige - Weg, unseren Energiebedarf zu decken. Wie die Katastrophe in Japan zeigt, liegt der Teufel nicht in der Technik selbst, sondern in der Politik des Betreibens. Kosten-Nutzen-Modelle dürfen bei im Katastrophenfall folgenschweren Technologien nicht zu eng gefasst sein und vielleicht wäre Kernkraft in staatlicher Hand auch besser aufgehoben, weil ihm als dann Sicherheitsverantwortlichem mehr als nur die Steuereinnahmen von Seiten des Betreibers zuflössen.
  • Kohlendioxidspeicherung

    11.12.2011, yoatmon
    Die unterirdische Speicherung von CO2 ist so sicher wie die Speicherung von radioaktiven Abfällen in Asse.
  • Attraktive nichtfossile Energiequellen könnten Kyoto überflüssig machen.

    11.12.2011, Martin Holzherr
    Wenn es insgesamt kostengünstiger wäre, nichtfossile Energiequellen zu nutzen, würde sich das Problem mit der Zeit von selbst erledigen. Es blieben nur noch die Altlasten wie nicht isolierte Gebäudehüllen und Altkraftwerke. Forschung und Entwicklung spielen bei der Bewältigung des Klimaproblems deshalb wohl eine größere Rolle als Verträge.
  • Simulation des Erdmantels vergessen?

    11.12.2011, Hartmut Schirneck
    Nach meiner Vermutung könnte die Erde eher als "Drei-Komponenten-Dynamo" wirken, in dem nämlich Ferrite und silikatische Einschlüsse von Eisen und Nickel im Erdmantel die Funktion eines zweiten Stators (neben dem festen Erdkern) haben. Immerhin kommt es ja auch durch Eisenerz-Lagerstätten in der Erdrinde zu kleinen, lokalen "Mikroklimata" im Erdmagnetfeld. Unter dem Stahlmantel hätte man z.B. eine dickere Betonschicht mit Ferrit-Einschlüssen anbringen können, um dem Zwiebelschalen-Modell des Planeten etwas näher zu kommen. Grundsätzlich aber würde ich von solch kühnen, verwegenen Experimenten gerne öfters hören. Man wird bald noch merken, dass das klassische Experiment sich nicht immer durch Computersimluationen ersetzen lässt. Der Trend zum Trockenschwimmen wird sich noch als Sackgasse erweisen.

    @ Johann Springer
    Ich weiß es leider auch nicht, vermute aber ganz banale Beschaffungs-, Kosten- oder Sicherheitsgründe. Reines Na fällt in der Industrie eher an als ein Na-K-Eutekt und wird deshalb billiger sein. Zweitens wird es in Zukunft immer schwieriger, für solche Experimente Genehmigungen zu bekommen. Immerhin geht es hier um 13 Tonnen heißes Natrium, das sich bei einem Bruch des Behälters ergießen würde und entzünden könnte, diese Gefahren sind bei Na-K noch ungleich höher und ein Unfall wäre dann wohl der größte Metallbrand aller Zeiten.
  • zu "Licht aus für die Evolutionspsychologie" Bolhuis und Kollegen

    11.12.2011,
    Wenn der Mensch ein Produkt der Evolution ist, woran ja außer einigen religiösen Fanatikern niemand ernsthaft zweifelt, dann fängt die doch nicht erst in der Altsteinzeit oder bei "Lucie" an. Der Mensch bringt doch aus dem so genannten Tierreich schon eine Menge an Verhaltensrepertoire mit. Dabei haben wir doch bisher durch die Hirnforschung und die Genforschung erst eine ganz schwache Vorstelleung davon, wie komplex das in unseren biologischen Strukturen abgebildet ist. Die von der Psychologie jahrzehntelang belächelte Verhaltensbiologie hat auf diesem Feld seit Konrad Lorenz und Eibl-Eibesfeldt mehr an plausiblen Erklärungen zu bieten, als weithin Berücksichtigung findet.
  • Kohlendioxidspeicherung

    11.12.2011, yoatmon
    Die Untergrundspeicherung von CO2 ist so sicher wie die Speicherung von radioaktiven Abfällen in ASSE.
  • Die Grundannahmen sind falsch

    11.12.2011, Jürgen Weiss
    Die Annahme, dass Biotreibstoffe mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren ist so nicht richtig. Hat einer der hier aufgeführten Studien eigentlich berücksichtigt, wie viel Biotreibstoffe man auf den bereits vorhandenen Ackerflächen gewinnen könnte, wenn bei uns und anderen Industriestaaten der unsägliche Umgang mit Lebensmitteln geändert würde? Es ist doch bekannt, dass ungefähr die Hälfte aller erzeugten Nahrungsmittel entweder wegen Überangebot oder nicht den Qualitätsanforderungen der EU-Richtlinien und des Lebensmittelhandels entsprechende Produkte bereits auf den Feldern verrottet oder untergepflügt werden, dass wegen einer angefaulten Tomate in einem Gebinde das gesamte Gebinde in der Mülltonne landet oder im Kühlregal oder im Kühlschrank der Verbraucher jede Menge Lebensmittel nur deshalb ausgesondert werden, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht oder überschritten ist. Brot muss in den Filialbetrieben der großen Supermärkte auch noch eine halbe Stunde vor Ladenschluss in seiner gesamten Sortimentsbreite zur Auswahl stehen und kann angeblich am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden. Der Dokumentarfilm "We feed the World" belegt dies eindrücklich.

    Wurde in die Studien mit einbezogen, welche Mengen an Energie zum Transport, zur Kühlung und zur Erzeugung dieser vernichteten Nahrungsmittel weit gehend sinnlos verschwendet wird? Hier läge meines Erachtens ein gewaltiges Einsparpotenzial, und es verwundert schon, wenn dann ein Landwirt oder ein Bäcker ins moralische Abseits gedrängt wird, wenn er seine Überschussproduktion statt unterzupflügen in einer Biogasanlage zu nutzbarer Energie oder Grundlage für Biotreibstoffe umwandelt oder der Bäcker seine "Altbrote" zur Wärmegewinnung im Backofen statt Erdöl nutzt.

    Ähnlich verhält es sich mit dem Argument, Wälder würden wegen Nahrungsmittelmangel abgeholzt und Nahrungsmittel wegen der Konkurrenz zu Biotreibstoffen verteuert. Wie jeder aus den Tagesmeldungen entnehmen kann, werden Nahrungsmittel durch Spekulationen mit Agrarerzeugnissen erheblich verteuert, und Regenwälder werden deshalb abgeholzt, damit Soja für den immer mehr steigenden Fleischkonsum angebaut werden kann und Palmöl eben letztendlich billiger ist als Öl aus bei uns angebauten Sonnenblumen oder Raps.

    Sind von den besagten Studien eigentlich die CO2-Emissionensdifferenzen berechnet worden, die bei der Erzeugung von wahrlich nicht CO2-freiem Bioethanol einerseits und der wohl künftig steigenden Erdölproduktion aus Ölsanden andererseits resultieren? Werden in Kanada nicht erst riesige Flächen entwaldet, um dann mit sehr hohem Energie- und Chemieeinsatz letztlich Diesel oder Benzin zu erzeugen? Und dabei sind die ganzen anderen Umweltschäden durch die Nutzung unserer letzten fossilen Energiereserven noch gar nicht berücksichtigt.

    Konform gehe ich allerdings mit der Aussage, dass die Biotreibstoffe, die aus der Verwertung organischer Reststoffe gewonnen werden, sinnvoller sind als der Anbau von sog. "Energiemais". Letztendlich bestätigt sich aber auch bei dieser Diskussion die Binsenweisheit: Die umweltschonendsten Energien sind die, die nicht genutzt werden. Deshalb oberste Priorität: Energie effizienter nutzen und Energie einsparen und erst dann auf andere Energieträger - ob fossil oder bio - setzen.
  • Wissenschaftsaussagen müssen sorgfältig und nicht entsprechend jeweiliger Interessenlage erfolgen

    11.12.2011, Eberhard Bieski
    Das zeigt wieder einmal, wenn Experten nicht bis zum Ende gedacht, die Politik aber allen Unsinn mitmacht, nur weil es gerade ins Wahlprogramm passt. Es ist nicht die erste Fehlentscheidung und wird auch nicht die letzte der EU oder auch deutschen Regierungen sein. Schnellschüsse können immer zu nichtgewollten und fatalen Auswirkungen führen. Aber auch die Wissenschaft sollte sorgfältig mit ihren Aussagen umgehen. Denn sie liefert der Politik und den Medien die Argumente, die letztendlich zu solchen Fehlentscheidungen führen, die kurzfristig zwar vom Volk getragen aber der Welt oft nur Schaden zufügen. Lieber etwas langsamer, aber dafür sorgfältiger die Auswirkungen erkunden.
  • Ähnliche spontane Geschichte

    10.12.2011, Halec Radicec
    Interessante Geschichte, auch wenn bekannt ist, dass Ratten zu den "intelligenten" Lebewesen zählen.
    Ich habe einmal, während ich im Winter in der Wanne lag, beobachtet wie ein Marienkäfer von einem Spinnweber gefangen wurde. Kurz darauf sind ca. 10 weitere Marienkäfer aus ihren Verstecken gekommen und um den Spinnweber herumgeflogen. Weil ich den Eindruck hatte, dass diese dem Gefangenen helfen wollten, habe ich die Geschichte in einen Blog, in dem ich wusste, dass es dort Spezialisten gibt, gestellt. Es ist eine lebhafte und interessante Debatte entstanden. Hier die Fundstelle: http://nafoku.de/
    Gruß,
    Halec
  • Schädelverletzung beim Brainstorming?

    10.12.2011, Dr. Hans-Joachim Scheel
    Beim Menschen unvorstellbar, denn da gäbe es beim Brainstorming im Bundestag oder Industriegremien Schädelverletzungen und Platzwunden mit Krankenhausaufenthalten.
  • Falscher Ansatz von Bolhuis und Kollegen

    10.12.2011, Rudi Zimmerman
    Erstens: Die ererbten Verhaltenskonstanten der Menschen stammen gar nicht aus der Altsteinzeit, sondern aus dem Tierreich. Das Balzverhalten beginnt mit der zweigeschlechtlichen Vermehrungsweise der Tiere und hat sich bis zum heutigen Balzen der jungen Männer, wenn Sie auf der Straße ein menschlichen Weibchen sehen, nicht wesentlich geändert, auch nicht die Rivalenkämpfe. Selbst das Brutpflegeverhalten des Menschen können Sie bereits im Tierreich beobachten, beispielsweise bei Vögeln. Diese Verhaltenssteuerung geht auch nicht von zerebralen Gedächtnisspeichern aus, so dass Neurowissenschaft hier nicht greift, sondern es handelt sich um genetisch gespeicherte Verhaltensprogramme, die ihre Wirkungen über Hormonausschüttungen entfalten.
    Zweitens: Diese ererbten Verhaltensprogramme werden selbstverständlich überlagert durch die zivilisatorischen Errungenschaften der Menschen, der sich heutzutage beispielsweise beim Balzen des Autos bedienen kann. Und zur Brutpflege kann er auch nicht mehr in den Wald gehen und Beeren sameln, sondern muss eine Ausbildung machen, arbeiten gehen und Geld verdienen, um sich die Beeren im Supermarkt kaufen zu können.
    Das können Sie alles in meinen Büchern und Internetveröffentlichungen genauer nachlesen.

  • Wer will schon Hunger tanken?

    09.12.2011, UTC
    Auch die Hilfsorganisationen haben den Bio-Sprit Wahnsinn angeprangert. Nicht nur die CO2-Bilanz ist fragwürdig, auch die "Hunger-Bilanz": http://www.brot-fuer-die-welt.de/ernaehrung/4521_DEU_HTML.php
  • Eutektikum

    09.12.2011, Johann Springer
    Kann mir jemand die Frage beantworten, warum man für solche Experimente nicht eine eutektische Legierung aus Natrium und Kalium verwendet? Die wäre schon bei Raumtemperatur flüssig und man würde sich die Heizung sparen.
  • Geodynamos auch in Deutschland

    09.12.2011, Wolfgang Hering
    Warum denn in die Ferne schweifen...

    ich darf daran erinnern, dass schon um die Jahrtausendwende in Karlsruhe am FZK ein Geodynamo-Experiment mit sieben Kubikmeter Natrium aufgebaut wurde, das den Aufbau eines Magnetfeldes nachvollziehen konnte.
    ( http://www.g-r-z.org/pdf-dateien/erdmagnetfeld-labor.pdf ). Heute läuft noch ein Geodynamo-Experiment in Riga, ein weiteres wird im Dresdyn Labor in Rossendorf (HZDR) aufgebaut.
  • 08.12.2011,
    Danke für den Buchtipp, das schau ich mir mal genauer an.

    Liebe Grüße,

    Elisa.