Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Akademische und wirkliche Frage

    28.10.2011, Dr. Ralf-Gerald Abitz, Berlin
    Die Überlegungen über die Welt jenseits unseres kosmischen Horizonts erinnern mich an das Rezept Wilhelm Ostwalds, eine wirkliche Frage von einer akademischen Frage zu unterscheiden: Man denke sich die Antwort in dem einen oder anderen Sinn gegeben und prüfe, ob dies einen Unterschied mache. Sind also die Straßen jenseits des Welthorizonts mit Zucker bestreut?
  • Gelangt fremde RNA auch ins Erbgut?

    28.10.2011, Dipl.-Phys. Bernhard Abmayr, Dormitz
    Gerade für die Beurteilung der Gefahren der Gentechnik ist dieser Artikel hochinteressant. Wenn fremde RNA-Schnipsel die Funktionen im eigenen Körper beeinflussen können, liegt doch die Vermutung nahe, dass bei Veränderung der fremden RNA auch dieser Einfluss sich verändert oder neu entstehen könnte. Auf die natürlichen RNA-Schnipsel hat sich der Körper in langer Evolution einstellen können. Wer kann aber abschätzen, wie gentechnisch veränderte RNA-Schnipsel wirken werden? Wie der Autor selbst schreibt, ist dieses Gebiet noch weit gehend unerforscht. Könnte es sogar sein, dass unser Körper in vielfacher Weise auf fremde RNA angewiesen ist? Welche Folgen hätte eine solche Erkenntnis für die Produktion von Nahrungsmitteln, besonders von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln und von Kunstnahrung, bei der diese Informationen fehlen oder verändert wurden?

    Wenn nun solche fremde RNA in unsere Zellen eindringt, stellt sich auch die Frage, ob Teile davon gelegentlich auch in unser Erbgut eingebaut werden. Bei Bakterien und anderen niederen Lebewesen ist ein horizontaler Gentransfer ja längst nachgewiesen.
  • Inkonsequenz

    26.10.2011, Dipl.-Inf. Frank Niemeyer, Welden
    Der Autor behauptet, dass die Ungewissheit bezüglich der Beschaffenheit des Universums mit wachsender Entfernung zum Ereignishorizont zunähme und somit Spekulationen über Ebene-1-Universen plausibel seien, während er dergleichen für Ebene-2-Universen nicht gelten lassen möchte. Für mich ist diese Begründung logisch nicht nachvollziehbar: Wenn der Ereignishorizont unserer Beobachtung eine grundsätzliche Grenze setzt, wieso sollte dann die Annahme, dass innerhalb einer kleinen raum-zeitlichen Distanz hinter dem Ereignishorizont die exakt gleichen Gesetze herrschen wie hier weniger spekulativ sein, als die, dass in einer beliebig großen Entfernung völlig andere physikalische Gesetze gelten könnten? Entweder sind also beide Formen von Multiversums-Spekulationen sinnvoll oder eben keine davon.

    Beide Hypothesen basieren letztlich auf (logisch durchaus nachvollziehbaren) Spekulationen über grundsätzlich nicht
    beobachtbare Dinge. Der Autor scheint sich diesbezüglich jedoch nicht zu einer konsequenten Entscheidung durchringen zu können. Unabhängig davon sollte man nicht vergessen, dass ein Modell nicht zwingend den physikalischen Tatsachen (was auch immer das sein mag) entsprechen muss, um einen Zweck erfüllen zu können. Es muss in erster Linie falsifizierbare Vorhersagen treffen können. Vor allem aber muss es mit bekannten Beobachtungen vereinbar sein. Spekulationen über Paralleluniversen werden folglich erst dann überflüssig, wenn es jemandem gelingen sollte, ein einfacheres Modell aufzustellen, das die Vorgänge in
    unserem Universum mindestens ebensogut erklären kann.
  • Keine Seehunde in der Antarktis

    26.10.2011, Dr Christian Jostmann, Schleinbach
    In der Westantarktis wie in der Antarktis überhaupt leben m.W. keine Seehunde, anders als der Artikel behauptet.
    MfG Dr Jostmann
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Jostmann,



    vielen Dank für Ihren Hinweis: Sie haben vollkommen recht - in der Antarktis leben keine Seehunde, sondern andere Robbenarten.



    Wir bitten diesen bedauerlichen Fehler zu entschuldigen - er wurde korrigiert.



    Mit freundlichen Grüßen


    Daniel Lingenhöhl
  • Fernseher mit Blaustich

    26.10.2011, Philipp Schäufele, München
    Zu ihrem Artikel "Eingebildete Farben" fällt mir noch ein Beispiel ein, das die meisten sicher schon einmal selbst beobachtet haben: Warum erscheint das Flimmern eines Fernsehers von der Straße aus durch ein Fenster betrachtet meistens bläulich? Das Licht von Glühbirnen weist einen deutlichen Rotstich auf, was wir meist nur registrieren, wenn wir den Weißabgleich eines Fotoapparates falsch eingestellt haben. Das Licht eines Fernsehers, das - zumindest im Mittel - aus allen Farben zu gleichen Anteilen bestehen sollte, erscheint uns daher bläulich.

    Ob sich daran mit dem Verbot von herkömmlichen Glühbirnen in Zukunft etwas ändern wird?
  • Parallele Welten und Blasenuniversen

    26.10.2011, Dr. Franz P. Schmidt, Wiesbaden
    Meiner Ansicht nach werden in dem Titelthema Begriffe durcheinandergebracht, die nichts miteinander zu tun haben.
    Unter parallelen Welten verstehe ich Universen im Sinn der
    Viele-Welten-Interpretation, deren Existenz auf Grund quantenmechanischer Wahrscheinlichkeiten postuliert wird, die durch einen "Wahrscheinlichkeitsgradienten" voneinander getrennt sind und infolge dessen differenzierte Entwicklungen aufweisen. Räumlich würden diese dann aber die gleiche Position einnehmen.

    Das Multiversum dagegen ist eine Ansammlung von Blasenuniversen, Branen oder sonstigen formgebenden Strukturen, die sich auf dem jeweils gleichen Wahrscheinlichkeitslevel befinden, aber durch ein 3+n-Dimension von uns getrennt sind. Das, was im Artikel von Prof. Ellis als Ebene-1-Universum bezeichnet wird, ist für mich nicht mehr, als das wir nur in der Lage sind, bis zum Strahlungshorizont zu schauen. Alles, was in der dreidimensionalen Raumrichtung liegt, auch wenn wir es noch nicht oder nicht mehr sehen können, rechne ich "unserem" Universum zu.

    Natürlich wird es immer schwer sein, Beweise im Sinn empirisch nachprüfbarer Fakten für Dinge zu erbringen, die sich momentan nur rein mathematisch erfassen lassen. Aber, ist denn dies nicht schon Beweis genug? Es ist schließlich auch niemand erst auf dem Mond gelandet, um dann rechnerisch nachzuweisen, dass es geht, sondern umgekehrt.
  • Optimale Themenauswahl

    25.10.2011, Kay Schönberg, Glinde
    Physik und Neurowissenschaften sind zurzeit einfach die spannendsten Themen in der Forschung. Die Themenauswahl im "Spektrum" ist für mich deshalb optimal - bitte weiter so!
  • Auf und davon?

    25.10.2011, Peter Kohl, Riegelsberg
    Joachim Eiding, - und nicht nur er, begründet das Fehlen von Antimaterie mit ihrer ,,Unverträglichkeit" gegenüber Materie und einer Zerstrahlung gleich nach ihrer Entstehung.
    Vielleicht war es ja ganz einfach aus Symmetriegründen einer Abstoßung genau umgekehrt, und sie hat sich einst davongemacht?
    Ernst Peter Fischer resümierte in seinem Blog ,Wissenschaftsfeuilleton' vom März 2010 einmal witzigerweise:
    ,,Das ist so, als ob wir uns die Frage, warum Gegenstände nach unten fallen, mit dem Hinweis beantworten lassen, dass diejenigen, die nach oben fallen, schon weg sind."
    Das AEGIS-Programm am CERN wird bald Aufschluss darüber geben ...
    http://aegis.web.cern.ch/aegis/home.html
  • Kosmischer Radius weiter als gedacht?

    25.10.2011, Wolfgang Grimm, Darmstadt
    Im Artikel wird mehrfach geschrieben, dass Astronomen rund 42 Milliarden Lichtjahre (LJ) weit sehen können. Bisher dachte ich immer, dass der sichtbare Bereich einen Radius von etwa 13 Milliarden LJ hat, was durch das Alter des Universums von etwas über 13 Milliarden gegeben ist.
    Habe ich da was falsch verstanden?
    Oder wurden LJ mit Parsec verwechselt?
    1 Parsec gleich rund 3,26 LJ, 13 Milliarden Parsec gleich rund 42 Milliarden LJ.
    Antwort der Redaktion:
    Der Radius des sichtbaren Universums (der Beobachtungshorizont) ist gegeben durch die größte Entfernung, aus der uns Licht gerade noch erreichen kann. Wäre mit dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren das Universum genau so, wie es heute ist, also ohne kosmische Expansion, auf einen Schlag entstanden, dann wäre unser Beobachtungshorizont tatsächlich gerade 13,7 Milliarden Lichtjahre groß. Doch in der Tat folgte auf den Urknall zuerst eine immens starke Expansion, kosmische Inflation genannt, und seither eine weiter andauernde gemächlichere, aber beschleunigte Ausdehnung des Weltalls. Von dieser Expansion wurde das von den frühesten und fernsten Quellen ausgehende Licht quasi mitbefördert (etwa wie ein Fußgänger, der auf einem rasch gedehnten Gummilaufband dahinschreitet) und legte die viel größere Entfernung von rund 42 Milliarden Lichtjahren zurück. Dieser Wert ergibt sich aus dem kosmischen Standardmodell, wenn man bei der Berechnung des Beobachtungshorizonts die anfängliche kosmische Inflation und die seitherige Expansion berücksichtigt.
  • Vorsicht an der Kreissäge!

    25.10.2011, Dr. Thomas Güthner, Trostberg
    Im genannten Artikel wird ein aktiver Senior an der Kreissäge abgebildet – offenbar ein uraltes Agenturfoto. Seine Arbeitsweise wird – im Widerspruch zur Bildunterschrift – durch das hohe Unfallrisiko zur Kappung der Alterspyramide führen, werden doch nahezu alle Sicherheitsmaßnahmen auf das Gröbste missachtet. Es fehlen eine Schutzbrille, ein Spaltkeil, ein Queranschlag, eine Schutzhaube und eine Absaugung, zudem sollte die Person seitlich vom Sägeblatt stehen. Lediglich der Gehörschutz könnte dem Wunsch nach einem noch langen Leben entsprechen.
    Im Sinne einer möglichst weitgehenden Verhütung von Arbeits- und Freizeitunfällen sollten derartige Abbildungen von der Redaktion verhindert werden. Die aktuell vorgeschriebenen Schutzeinrichtungen sind zum Beispiel in der BGI 725 "Arbeitssicherheit und
    Gesundheitsschutz Schreinereien/Tischlereien"
    (PDF, 4 MB) beschrieben.
    Antwort der Redaktion:
    Nichts liegt uns ferner, als alten Männern das für junge Männer typische risikofreudige Verhalten nahezulegen! Zu dumm, dass wir Schreibtischarbeiter zu wenig Ahnung vom Arbeiten mit der Kreissäge haben …

    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Pulsdauer

    19.10.2011, Dr. Alexander Bock
    Hallo,

    interessant wäre noch die Information WIE kurz die so erzeugten Pulse sind.
    Unter kurz verstehen verschiedene Personen ganz verschiedene Zeiten.

    Gruß, Alexander Bock


    Antwort der Redaktion:
    Hallo Herr Bock,



    die Pulse sind einige Femtosekunden lang, die Forscher vermuten allerdings, dass diese Laserblitze aus Serien noch viel kürzerer Pulse bestehen.



    Herzliche Grüße,



    Lars Fischer
  • Falsche DOI-Referenz

    17.10.2011, Torsten Schöning, Jena
    Die angegebene DOI-Referenz 10.138/ngeo1235 ist falsch und entspricht der des Artikels "Mantelkonvektion hob und senkte Afrika".
  • Lautproduktion ist noch lange keine Sprachproduktion

    15.10.2011, Ingo-Wolf Kittel, Augsburg
    Das Wesentliche an "Sprache" - der psychologische Anteil daran - kommt in dem Interview leider und wie üblich nicht zur Sprache. Auch zur Entstehung von Sprache lässt sich mehr sagen, als hier anklingt.
    "Sprache" muss sich aus der Fülle sinnlich wahrnehmbarer, dh. akustischer und visueller (insb. mimischer und gestischer) "Zeichen" oder Signale entwickelt haben, zu deren Produktion Primaten generell imstande sind. Davon ist der 1997 verstorbene Princeton-Psychologe Julian Jaynes 1976 in seinen Überlegungen zur "Evolution der Sprache" in seinem epochalen Werk "The Origin of Consciousness..." ausgegangen (s. meine Hinweise hier). Sie haben beeindruckende Bestätigung durch die Ergebnisse der modernen Primatenforschung in Leipzig um Michael Tomasello gefunden, der 2009 dafür mit dem Hegelpreis der Stadt Stuttgar ausgezeichnet wurde.
    Jaynes fundierte Vorarbeiten wurden dabei allerdings weder in der Festrede des Psychologen Tomasello noch von dem Laudator Jürgen Habermas erwähnt...
  • Reizvoller Vergleich

    15.10.2011, Hans Sauer, Veitshöchheim
    den Händler eines Aktienmarktes mit einem (feuernden) NEURON gleichzusetzen, ist im Wortsinn reizvoll. Man kommt jedoch schneller zum Ziel, den Händler mit einem IGUS (nach Gell-Mann et al.) gleichzusetzen, also einem „Roboter“, der Informationen sammelt und verarbeitet. Zumal man dann den Aktienmarkt als ein "Objekt von vielen Informationen" betrachten kann, was näherliegend ist; denn Finanzmärkte handeln nun einmal mit Informationen. Wenn man den Finanzmarkt als Information betrachtet, findet man die Ergebnisse von Rockmore und Paus bestätigt, ebenso die vom Erfinder der Portfoliotheorie Markowitz. Aber man erhält auch darüber hinausgehende neue Ergebnisse. Zum Beispiel die spekulativen und investiven Kapitalanteile in einem Finanzmarkt, seine Entropie, also unser Nichtwissen. Aber auch das Faktum einer Grenzrendite, die, sollte man sie überschreiten, dazu führen muss, dass Aktienmärkte ihre Diversifikation verlieren. Nebenbei bemerkt, die Grenzrendite liegt bei 29,3%. Die meisten werden ahnen, dass es irgendetwas mit „Wurzel zwei“ zu tun haben muss.
  • Kompetenz der Ingenieure

    14.10.2011, Prof. Dr.-Ing. Joachim Böcker, Berlin
    Herr Thorsten Amrhein schreibt in seinem Leserbrief, es sei eine Anmaßung, sich als Ingenieur über gesundheitliche Auswirkungen der radioaktiven Belastungen zu äußern. Ingenieure zählen neben Mathematikern und Physikern zu einer Berufsgruppe, die auf Grund ihrer Ausbildung höchste Kompetenz im Umgang mit statistischen Materialien besitzt – selbst wenn diese Daten gesundheitliche Auswirkungen betreffen. Man darf sehr wohl über die zu Grunde liegenden Annahmen streiten, doch Ingenieuren die Teilnahme an dieser Diskussion zu verwehren beziehungsweise ihre Beiträge auf Grund ihres Berufsstands herabzuwürdigen, ist eine Zumutung, die nicht unwidersprochen bleiben darf.

    Prof. Dr.-Ing. Joachim Böcker
    Universität Paderborn
    Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und Mathematik
    Leistungselektronik und Elektrische Antriebstechnik