Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Frage zu Fotovoltaik-Wirkungsgraden

    28.11.2011, Alois Bitterli, Wiezikon (Schweiz)
    Die erreichten Fotovoltaik-Wirkungsgrade von CPV-Zellen sind beeindruckend, aber für eine Hausdach-PV-Anlage sind die wegen den benötigten Lichtkonzentratoren wohl kaum einsetzbar.
    Darum meine Frage: Welche maximalen Wirkungsgrade von PV-Zellen die für eine Hausdachinstallation anwendbar wären, sind heute labormässig schon erreicht worden?
    Antwort der Redaktion:
    Das kann man so pauschal nicht sagen, weil es keine Abgrenzung gibt, was für ein Hausdach geeignet ist und was nicht. Die höchsten Wirkungsgrade erreichen derzeit monokristalline Siliziumzellen. Sie kommen in der Serienfertigung auf etwa 18 Prozent und im Labor auf 25 Prozent. Polykristalline, amorphe und Dünnschichtsolarzellen liegen darunter. In dem Markt ist aber vieles in Bewegung. Ich gehe davon aus, dass Mehrschichtsolarzellen irgendwann auch auf Hausdächer gebaut werden (Konzentratorzellen eher nicht, weil die der Sonne nachgeführt werden). Das ist aber weniger ein technisches Problem, sondern eine Frage der Kosten.


    Bernd Müller
  • Die 5. Dimension

    28.11.2011, Frank Svoboda, 51399 Burscheid
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Es gibt meines Erachtens noch eine weitere, 5. Dimension des Selbstgesprächs. Als Softwareentwickler muss ich oftmals etliche Zahlenwerte und Namen mittelfristig im Kopf behalten. Wenn ich diese einmal laut ausspreche, fällt das wesentlich leichter, und ich mache bedeutend weniger Fehler – besonders was Zahlendreher angeht. Daher nutze ich es ganz bewusst, mit mir selbst zu sprechen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Svoboda

    PS: Wer Selbstgespräche führt, möchte sich nur mit dem Kompetentesten unterhalten. ;-)
  • Mathematische Grundlage für Shechtmans Entdeckung

    28.11.2011, Peter Kramer, Tübingen
    Der Artikel beschreibt das Experiment, auf dessen Basis Dan Shechtman 1984 das unerwartete Diffraktionsmuster der ersten Quasikristalle publizierte, das ihm den Nobelpreis für Chemie 2011 eintrug. Entgegen Ihrem Bericht ist die von D. Shechtman publizierte atomare Ordnung nicht zehnzählig, sondern ikosaedrisch. Sie weist damit fünfzählige Symmetrie in sechs räumlichen Richtungen aus, die senkrecht zu den zwölf paarweise parallelen Seitenflächen eines regulären Dodekaeders verlaufen. Die sichtbare zehnzählige Symmetrie des Diffraktionsmusters entsteht erst durch die Zentrosymmetrie in der Streuung an der atomaren Struktur.

    Im Artikel wird hervorgehoben, dass P. J. Steinhardt in Kenntnis der Experimente von Shechtman zusammen mit D. Levine nach wenigen Wochen eine Erklärung der Diffraktionsspektren im gleichen Journal Physical Review Letters publizierte. Dabei übersehen Sie: Schon elf Monate vor den Publikationen von Shechtman und von Levine und Steinhardt hat eine an die internationale Zeitschrift Acta Crystallographica eingereichte, in Vol 40A (1984) 580-7 publizierte Arbeit von P. Kramer und R. Neri die mathematische Grundlage für Shechtmans Entdeckung geschaffen. In dieser Arbeit werden die erwähnten sechs fünfzähligen Richtungsvektoren als ikosaedrische Projektionen aus sechs Richtungsvektoren des sechsdimensionalen kubischen Gitters nachgewiesen. Nach den Regeln der Kristallografie für dieses Gitter werden die Maxima der Diffraktion von Shechtmans ikosaedrischer Struktur bis heute durch je sechs ganze Zahlen bezeichnet. Auch die beiden von A. L. Mackay 1982 als Bausteine der ikosaedrischen Ordnung vorgeschlagene Rhomboeder werden von Kramer und Neri in Fig. 6 ihrer Arbeit als Projektionen aus dem kubischen sechsdimensionalen Gitter erwiesen. Die Theorie wurde also vor dem Experiment gefunden und veröffentlicht. In der Darstellung der Wissenschaftsgeschichte sollte man vorsichtig sein.
  • Nur ein Einzelfall

    28.11.2011, Bernd Meier, Erlangen
    Über den Kommentar von Herrn Lingenhöhl bin ich verwundert, denn ich habe auch im Spektrum schon Artikel über die Gefährlichkeit, zumindest Unsicherheit der CO2-Endlagerung gelesen.

    Noch mehr verwundert bin ich über seine Begründung für die CO2-Abscheidung, nämlich die Erderwärmung zu verhindern oder zumindest zu mindern. Hat doch die Politik erst vor kurzer Zeit demonstriert, dass dies kein vorrangiges Ziel ist, indem sie eine Anzahl von Kernkraftwerken mit CO2-freier Stromproduktion abschalten ließ, wohl wissend, dass diese im wesentlichen durch Kohle- und Gaskraftwerke ersetzt werden, also die CO2-behaftete Stromproduktion erhöht wird.

    Das eigentliche Problem ist nicht eine einzelne Fehlentscheidung, sondern das Fehlen einer langfristigen Strategie, wie die Energieversorgung technisch, wirtschaftlich und politisch gesichert werden kann. Durch eine Reihe von einseitigen und Fehlentscheidungen (auch eine dringend notwendige Entscheidung, die nicht getroffen wird, ist eine Fehlentscheidung) haben sich die jetzige Regierung und ihre Vorgänger in ein Labyrinth von Sackgassen manövriert, in dem nahezu jede Entscheidung zu heftigen Protesten mit der Gefahr eines Wahldebakels führen kann - und nichts fürchtet ein Parlamentarier mehr als letzteres. Die oben kommentierte Entscheidung gegen die CO2-Einlagerung, d. h. so weiter machen wie bisher, ist dann nur folgerichtig.
  • Der Docht neigt sich...

    28.11.2011, Dr. Christian Schütze, 34225 Baunatal
    Wunderbar beschrieben - wie stets bei Herrn Schlichting - das Wunderwerk Kerze. Nur beim Docht hapert es! Schon das Bild im Artikel zeigt, dass die Aussagen zum Docht so nicht ganz richtig sind: nicht "erst dort, am oberen Ende ... verbrennt das Wachs", sondern deutlich sichtbar schon im Bereich der Krümmung. Deshalb ist eine (moderne) Kerzenflamme nicht ganz rotationssymmetrisch. Früher wurde der Docht in der Tat immer länger. Die Kerze quittierte das mit verstärktem Rußen und Flackern, "blaken". Schließlich fiel der zu lange gewordene Docht ab, und ein Zimmerbrand war nicht auszuschließen. Daher erfand die Menschheit die Dochtschere, um den Docht zu "schneuzen". Die abgeschnittene Dochtspitze fiel dabei immer noch sonst wo hin, deshalb versah man die Schere mit einem Töpfchen o.ä.

    Heute ist der Docht "hitec", nämlich ein geflochtener Zopf, bei dessen Herstellung vielleicht ein Lehrbube 'mal die Garne falsch ins Flechtmaschinchen einfädelte und so einen "unegalen" Docht flocht. Der nun verzieht, biegt sich in der Flamme und steckt dabei sein Näschen an die frische Luft. Dort, und nicht in der Flamme, findet er den Sauerstoff zum Verglühen. Auch das ist ein Vorgang mit vielen Gleichgewichten, über die Herr Schlichting sicher ebenfalls einen Artikel schreiben könnte.
    (Quelle: Wikipedia!)
  • Mehr Respekt vor der Natur

    28.11.2011, Christoph Dahl, Köln
    Der geneigte Leser fragt sich natürlich, warum wir uns so schwertun mit diesem Gedanken, den Menschen als „kompliziertes Produkt von Kultur und Natur“ zu betrachten. Vielleicht weil es hier auch um unser eigenes Selbstverständnis geht. Geht es hierbei wirklich um den Gegensatz zwischen „Natur“ und „Kultur“ oder „natürlich“ und „künstlich“? Abgesehen davon gebären Frauen noch in vielen Gegenden dieser Erde Kinder auf ganz natürliche Art und Weise ohne medizinisch-technische Mitwirkung. Und noch viel öfter werden Kinder auf natürlichem Wege gezeugt (die künstliche Befruchtung ist doch weiterhin ziemlich selten). Insofern darf man durchaus die Frage stellen, ob ein natürlicher Vorgang nicht auch dann natürlich bleibt, wenn er technisch begleitet und ggf. erleichtert wird. Aber ist das wirklich der springende Punkt?

    Oder liegt dieser nicht viel eher darin, ob wir uns als Menschen mit einer uns innewohnenden Würde und darauf basierenden Grundrechten betrachten, statt als Produkte, die kommerziell verwertet werden dürfen? Ob nun als Natur- oder als Kulturprodukt ist hier meines Erachtens eher nebensächlich. Letztendlich war es genau diese Fragestellung, die den EuGH zu seiner Entscheidung bewogen hat. Und dabei beschränkt sich diese Frage beileibe nicht auf Embryonen bzw. noch nicht geborene Menschen. Die kommerzielle Verwertung geborener Menschen hat eine viel längere leidvolle Geschichte als die von Ungeborenen. Und lässt sich die kommerzielle Verwertung von Menschen (ob nun als Embryo oder als geborener Mensch ist letztendlich nicht der entscheidende Punkt) nicht umso leichter rechtfertigen, lässt sich hierfür nicht umso eher eine Akzeptanz hierfür in der Gesellschaft erreichen, lassen wir uns nicht umso leichter unsere Würde und damit auch unsere Grundrechte absprechen, je mehr wir in uns („rechtlose“) Produkte / Waren sehen?

    Ist dies wirklich nur Bedenkenträgerei oder finden wir in unserer Geschichte nicht genug Bestätigung dafür, dass wir Menschen immer schon unsere Erkenntnisse (oder das, was wir dafür halten) und die sich daraus bietenden Möglichkeiten nicht nur genutzt sondern auch missbraucht haben? Zeugt nicht gerade unsere eigene jüngere Geschichte von zahlreichem Missbrauch auch naturwissenschaftlich-technischer „Erkenntnisse“?

    Auch wenn wir naturwissenschaftlich gesehen eine Sonderstellung und damit auch Sonderbehandlung des Menschen in der Ethik vielleicht nicht begründen können, wer sagt uns denn, dass wir das müssen? Sind denn die Naturwissenschaften als alleinige Grundlage einer Ethik überhaupt zwingend, sinnvoll oder ausreichend? Sind nicht philosophische und rechtliche Fragen ebenso von Bedeutung? Ist nicht die Idee der gleichen menschlichen Würde und Autonomie eine unverzichtbare Grundlage unserer Gesellschafts- und Rechtsordnung (vgl. hierzu Julian Nida-Rümelin „Was ist gerecht?“, Spektrum der Wissenschaft 7/2011, S. 62–69), die auf der gleichen Freiheit und Würde, dem gleichen Respekt basiert?

    Sicher ist es richtig (ja überlebensnotwendig), dass wir mehr Respekt vor der Natur entwickeln. Aber wie wollen wir diesen Respekt gegenüber der Natur und den Lebewesen darin entwickeln, wenn wir den Respekt vor uns selbst verlieren? Wenn wir uns nur noch als Produkt / Ware betrachten und uns Menschen auch keine Sonderstellung in der Natur einräumen, bedeutet dies doch zwangsläufig, dass auch die uns umgebende Natur, deren Teil wir sind, auch alle anderen Lebewesen als Ware zu betrachten sind, die kommerziell verwertet werden dürfen. Aber gefährdet nicht gerade diese Denkweise unser Überleben?

    Verlangt demgegenüber nicht das Konzept eines auf der gleichen unantastbaren Würde basierenden Verständnisses von uns Menschen, nicht auch den Respekt vor den uns nachfolgenden Generationen und resultiert daraus nicht auch die Verpflichtung, unseren Nachkommen die Grundlagen für ein menschenwürdiges Leben zu erhalten? Und bedeutet das nicht auch, uns dem Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen zu widmen und mehr Respekt auch vor der Natur zu entwickeln?

    Abschließend sei angemerkt, dass durch die Gewinnung induzierter pluripotenter Stammzellen (vgl. Konrad Hochedlinger „Der biologische Jungbrunnen“, Spektrum der Wissenschaft 6/2011, S. 23–30) sich ein Weg zur Erschließung der Möglichkeiten der Stammzellentherapie eröffnet ohne die mit der Nutzung embryonaler Stammzellen verbundenen ethischen Probleme.
  • Biodiversität und Populationsdichten

    28.11.2011, Detlef Schroedter, Hamburg
    Vor einigen Jahren hatte ich in SdW einen Artikel gelesen, der sich mit Artenvielfalt und Populationsdichte beschäftigte. Es wurde da die „Bio“diversität mit Computerprogrammen getestet, indem virtuelle Populationen verschiedener Dichte und genetischer Variabilität unterschiedlichem Nahrungsangebot ausgesetzt wurden.

    Das Ergebnis deckte sich mit den Aussagen des Artikels, womit die Aussage von Tiefsee-, Land- und Süßwasserhabitaten getrost um digitale Habitate erweitert werden kann: Sehr große Populationen sind ebenso wie sehr niedrige Populationen der Artenvielfalt hinderlich. Bei kleiner Population drängt sich das Risiko eines raschen Aussterbens von Arten als Erklärung auf. Für große Populationen war das Ergebnis nicht so offensichtlich, aber - erst einmal entdeckt - sehr einsichtig. In kleinen Populationen haben Mutationen größere Chancen, sich vom Zufall begünstigt durchsetzen zu können und schon kleine Vorteile können einen erheblichen Selektionsdruck ausüben. Bei sehr großen Populationen müssen sich vorteilhafte Mutationen jedoch gegen erheblich mehr „Konkurrenz“ durchsetzen und es kann schnell geschehen, dass auch günstige Mutationen einfach durch die schiere Übermacht der Konkurrenz wieder verdrängt werden. Ein Phänomen, das man übrigens auch in der Evolution der Technik kennt (man denke nur an VHS bei Videos oder Windows als Betriebssystem).

    So sind große Populationen zu träge für eine schnelle Artentwicklung, kleine zu wenig resistent gegenüber Unglücken und die höchste Biodiversität findet sich bei gemäßigten Populationsdichten.
  • Interessanter Überblick mit wirtschaftlichen Schwächen

    28.11.2011, Peter Silberg, Dortmund
    Der Autor hat es geschafft, das sehr umfassende Thema gekonnt zusammenzufassen. Naturgemäß sind dabei einige interessante Themen (z. B. Grätzel-Zelle) unter den Tisch gefallen.

    Dass ausgerechnet Manuel Frondel vom RWI in Essen (nicht Aachen) zum Thema Wirtschaftlichkeit der PV zitiert wird, ist allerdings sehr unglücklich. Nach Veröffentlichung seiner Untersuchungsergebnisse wurde bekannt, dass die RWI-Studie von einer US-amerikanischen Lobbyorganisation für Öl- und Kohlekonzerne namens IER finanziert wurde. Daher wundert es auch nicht, dass in der Kalkulation der RWI-Studie die die preissenkenden Effekte des Ökostroms an der Strombörse nicht mit eingerechnet werden. Durch das erhöhte Stromangebot - insbesondere zur teuren Mittagszeit - sinken die Preise und sparen so in Deutschland mehrere Milliarden Euro pro Jahr ein. Doch die fallenden Preise an der Strombörse werden leider nicht an die privaten Kunden weitergegeben.

    Es wäre meines Erachtens eine sinnvolle Ergänzung dieser interessanten, sechsteiligen Serie "Mit Power in die Zukunft", wenn ein Teil 7 zum Thema "Wirtschaftlichkeit der Erneuerbaren Energien" erscheinen würde. Hierzu existieren diverse Studien, die auch die externen Kosten der verschiedenen Energieträger mit berücksichtigen. Dann erscheint die Kohleverstromung im Vergleich zur PV vielleicht nicht mehr ganz so kostengünstig, wie auch hier behauptet wird.
  • Die Aufklärung ist gewesen???

    28.11.2011, Detlef Piepke, Münster
    Bitte: Nicht mehr dieses völlig absurde Verständnis von "Aufklärung". Als wenn "Aufklärung" so um das Jahr 1800 herum "passiert" sei. Aufklärung ist ein bis heute und in Zukunft andauernder Prozess, um den man sich bemühen muss. Auschwitz war nur in einer nicht aufgeklärten Gesellschaft möglich. Der Nationalsozialismus war eine politische Religion. Die Zeitzeugen bestätigen, dass es sich um eine Heiligenverehrung handelte. Hitler war der Messias. Aufklärung befreit ganz und gar nicht von moralischen Hemmungen.
    Dieser Adorno Quatsch muss endlich mal aufhören!
  • Alzheimertherapie

    28.11.2011, Georg A. von Breunig, München
    Die Akzheimererkrankung kann sehr wohl gestoppt, wenn nicht sogar geheilt werden. Lesen Sie bitte den Artikel im Heft 66 des Schweizer Magazins "ZeitenSchrift" "Zurück von der Reise ins Vegessen!" vom Juni 2010, welcher ebenfalls im Internet zu finden ist.

    Ein in Wolfratshausen bei München praktizierender Arzt namens Dr. med. Oliver Seemann hat am meisten Erfahrungen mit dieser Magnetimpulstherapie bei Alzheimerpatienten, weil er diese Therapie seit 2002 einsetzt und dabei bei seinen bisher mehr als 200 therapierten Patienten entsprechend eigenen Angaben Erfolgsraten von mehr als 80% erreicht. Die Behandlung ist dabei vollkommen schmerz- und nebenwirkungsfrei.

    Kontaktieren Sie denselben, falls Sie Probleme in dieser Richtung haben.
  • Zweifellos möglich - aber nicht sofort

    28.11.2011, Hartmut Schirneck, 93053 Regensburg
    Ich wollte es von Anfang an nicht recht glauben, daß das betreffende Bakterium GFAJ-1 (so heißt das Viech) uns den Gefallen tun sollte, wir könnten mal erfolgreich Frankenstein spielen. Der erste Faupax ist es, mit einem Ergebnis aus schlampigen Versuchsdurchführungen an die Öffentlichkeit zu gehen, der zweite, daß die Jedermann-Presse daraus gleich eine Alien-Story drehen muß. Man weiß, daß Laien sich außerirdisches Leben gerne als besonders bizarr und phantastisch vorstellen. Das aber wäre erstens sehr unwahrscheinlich und zweitens auch gar nicht nötig. Schaut man sich den biochemischen Teil der Evolution auf der Erde etwas genauer an, stößt man auf ein paar einfache Grundsätze, die wahrscheinlich für den ganzen Kosmos gelten. Über sehr lange Zeiträume wird sicher vieles möglich. So auch der Einbau anderer Elemente in lebenswichtige Biomoleküle. Nicht aber sofort. Z.B. hat das erste Auftreten von freiem Sauerstoff am Ende des Präkambrium nahezu alles bis dahin entwickelte (anearobe) Leben ausgerottet. Noch für die anearoben Einzeller von heute ist Sauerstoff ein tödliches Gift. Die wenigen "Überlebenden" von damals lernten zunächst, sich gegen dieses sehr reaktionsfähige Gas zu schützen und später sogar, dessen enormes Energiepotenial für sich zu nutzen. Indem sie die Oxidationsmechanismen ihres Stoffwechsels auf die Nutzung von Sauerstoff umstellten. Ganz ähnlich könnte vielleicht auch der Austausch von Phosphat durch Arsenat auf sehr lange Sicht möglich werden. Ganz auf die Schnelle aber bringt das Arsenat den Tierchen den sicheren Tod. Wenn Wikipedia über Arsen und Phosphor schreibt, die beiden wären sich sehr ähnlich, ist das nicht einmal falsch. Aber falsch aus der Sicht der Biochemie. Unterschiede wie z.B. die weitaus leichtere Reduzierbarkeit von As(V) (Arsensäure) gegenüber P(V) oder die extrem verschiedene hydrolytische Stabilität analoger As- und P-Verbindungen gegenüber Wasser bei normaler Temperatur machen beide Elemente aus der Sicht eines lebenden Organismus unvereinbar. Überhaupt gibt es nur eine einzige Klasse von Elementen, die in einem Organismus ohne schlimmere Folgen austauschbar wären, nämlich die Metalle der Seltenen Erden. Die aber spielen in der Biochemie gar keine Rolle, sie kommen in lebenden Zellen gar nicht vor. Wöllte man derartige Möglichkeiten experimentell untersuchen, müßte man schon "Evolution spielen" und einen Organismus von extrem kurzem Generationszyklus (einige Stunden) mindestens 30 Jahre lang in der Glovebox isolieren und beobachten. Wäre nach (wirklich) völligem Phosphat-Entzug und Ersatz durch Arsenat nach einem Jahr auch nur 10% des Zellbestandes noch am Leben, dann wäre (bei wirklichem Ausschluß aller Fehlerquellen) die Sensation zweifelsfrei. Lediglich, ob dies wirklich den Status einer Sensation hätte, wäre dann noch fraglich. Zu den Naturkräften gehört auch der Überlebenstrieb lebender Materie. Die Natur ist ständig am Optimieren und im Katastrophenfall dabei, Alternativen zu suchen. Dennoch gibt es für die phantastische Annahme, Leben auf fremden Planeten könne völlig anders aufgebaut sein und in bizarrer Weise funktionieren, gar keinen Anlaß. Z.B. sind Organismen (auch wir) aus nur wenigen essentiellen Elementen aufgebaut, die sich fast an 10 Fingern abzählen lassen: Wasserstoff, Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Phosphor, Schwefel, Natrium, Kalium, Calcium. Dies sind allesamt leichtere Elemente, also solche mit relativ niedriger Kernladungszahl. Die schon im normalen "Lebenszyklus" massrereicher Sterne (wie der Sonne) durch Fusion gebildet werden und damit im gesamten Universum außerordentlich häufig sind. Elemente höher als Eisen, die nicht mehr mit positiver Energiebilanz in der stellaren Nukleosynthese durch Fusion entstehen können, sondern erst bei einer Nova (durch Neutroneneinfang) sind auf der Erde zwar ebenfalls vorhanden, kommen aber im lebenden Organismus fast gar nicht vor, zumindest nicht als zwingender Bestandteil. Das heißt, die Evolution hat die schweren Elemente überhaupt nicht benötigt! So wird auch auf einem beliebigen Exoplaneten kein Einzeller es nötig haben, Phosphor durch Arsen zu ersetzen. Ganz einfach, weil Phosphor ohnehin viel häufiger als Arsen ist und in der Evolution sowieso von Anfang an Verwendung fand. Die Menschen lieben es, sich Unbekanntes gerne besonders phantastisch auszumalen. Sie könnten enttäuscht sein, wie "gewöhnlich" Organismen auf einem Exoplaneten womöglich aussehen würden. Denn dort kocht die Natur auch nur mit Wasser. Und mit Phosphat. Das schwerste essentielle Element, das mir im Moment einfällt, ist tatsächlich Eisen (im Hämoglobin, mit Eisen als Zentralatom). Wäre angenommen Kupfer leichter als Eisen und damit im Universum häufiger als dieses, hätte die Evolution womöglich einen Sauerstofftransport-Mechanismus auf Kupferbasis entwickelt [ständiges Redox zwischen Cu(I) und Cu(II)]. Da aber Eisen überall im Universum häufiger als Kupfer ist, würde es auch nirgendo notwendig sein, eine Art Kupfer-Hämoglobin zu entwickeln.

    All unser Wissen und unsere logischen Annahmen sprechen also dafür, daß für die Entstehung von Leben und eine anschließende Evolution nur ein paar wenige der leichteren chemischen Elemente nötig sind. Selbst Kulturen mit Schrift und Sprache können sich daraus entwickeln. Der Witz ist aber, daß für den Übergang von einer Kultur mit primitivem Werkzeug zu einer technischen zivilisation mit Raumfahrtpotential die schweren Elemente dann tatsächlich gebraucht werden! Die ersten Eisenbahnen und Automobile kamen noch ohne sie aus. Auch Drucklettern hätte man vielleicht auch noch ohne Blei entwickeln können. Die Fotografie aber benötigt schon Silber, die Kernenergie noch schwerere Elemente und ohne Kupfer, Silber, Gold, Antimon, Zinn, Arsen und Gallium hätte der Computer, mit dem wir heute schreiben, gar nicht erst gebaut werden können. Damit könnte man fast in bedeutungstrunkenes Philosophieren abgleiten: für den Jäger mit Faustkeil und die Frau, die das Korn mahlt, braucht die Evolution nur die leichteren Elemente. Die schweren schlummern währenddessen in der Kruste des Planeten für eine ganz ganz ferne Zukunft. Für den Übergang in eine technische Zivilisation. Das war ganz vorrausschauend von der kosmischen Nukleosynthese, daß sie den Planeten auch die schweren Atomkerne unter die Steine gelegt hat: "Es könnte ja mal sein ...".

    Am Beispiel der sogen. Extremophilen wissen wir, mit welch sagenhafter Anpassungsfähigkeit manche Pilze und Bakterien uns überraschen - die sich in tödlicher Gammastrahlung pudelwohl fühlen oder sich buchstäblich von Glas und Gestein ernähren. Die Evolution tut uns aber nicht den Gefallen, an einem einzigen Labor-Tag zwischen Mittagspause und Feierabend eine Show abzuziehen. Für Sensationen wie das Arsenat-Wunder braucht sie sicher etwas länger.
  • Denkfehler

    27.11.2011, Fritz Kronberg
    Guten Tag erst einmal,

    leider kann ich Ihnen in keiner Weise zustimmen. Wenn Sie bedenken, daß es auf Grund der Widerstände in der Bevölkerung noch nicht einmal möglich ist, einige tausen Tonnen fester, also leicht handhabbarer Abfälle dauerhaft zu lagern, so zeigt eine leichte Überschlagsrechnung, daß bei einer projektierten Lagerung von mindestens 100 Millionen Tonnen gasförmiger, also schwer handhabbarer Abfälle JÄHRLICH keine Chance für eine Akzeptanz besteht. Hinzu kommt, daß diese Lagerung wirklich für die Ewigkeit sicher sein müßte, denn im Gegensatz zu radioaktiven Stoffen zerfällt CO2 nicht im Laufe der Zeit zu vergleichsweise harmlosen Substanzen. Der dritte Punkt, der dagegen spricht, ist, daß es noch nicht einmal ansatzweise eine Ifrastruktur für den Transport gibt, und deren Bau vermutlich auch nicht durchsetzbar wäre. Der Geist des ERFOLGREICHEN zivilen Ungehorsams ist durch die Grünen aus der Flasche gelassen worden und wird sich dorhin zu vertretbaren gesellschaftlichen Kosten nicht wieder zurück bringen lassen. Sinnvoll wäre es, das CO2 mit überschüssigem Wind-, bzw. Solarstrom zu Methan (also in Gaskraftwerken verwendbarem Gas) zu synthetisieren. Dazu braucht es nicht einmal aufwendig transportiert zu werden. Man kann es aus der Luft, in die es vorher entlassen wurde, wieder heraus holen.

    Mit besten Grüßen,

    F. Kronberg
  • Siegen durch Nachgeben

    27.11.2011, Dr. hans-joachim scheel,944419 reisbach
    als Neurobiologe und Leiter von Selbstverteidigungskursen für Frauen (1. DAN Judo) setzte ich erfolgreich auf das Prinzip: Selbstbewusstsein stärken, Konfliktvermeidung, Stopp heißtNein!
    Dr. Hajo Scheel
  • Volumen?

    27.11.2011, Eberhard Meißner, 17498 Dersekow
    CCS löst nicht das Klimaproblem. Das Volumen des abgeschiedenen und verflüssigten CO2 beträgt das Vierfache des verbrannten Kohlenstoffes.
  • Nicht alle Facetten bewertet

    26.11.2011, Michael Schmidt, 63457 Hanau
    Was in der Diskussion oft vergessen wird ist der Transport des Gases zu den Lagerstätten. Meist muss in Deutschland das Gas von Großkraftwerken fernab der Lagerstätten quer durch das Land transportiert werden. Hierbei geht es durch dicht besiedelte Gebiete mit z.T. ungünstigen geografischen Gegebenheiten. Da CO2 farb- und geruchlos ist und in geografischen Mulden, aufgrund der höheren Dichte als Luft, Seen bilden kann, muss an solchen Stellen besondere Überwachungstechnik installiert werden. Denn sollten die Gasleitungen ein Leck aufweisen, so kann sich unter solchen Umständen eine tödliche Gefahr unbemerkt ausbreiten. Es ist die Infrasturktur in Deutschland, die hier einmalig ist und in der Risiko und Energiebewertung nicht fehlen darf.