Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Falsche Fragestellung

    09.01.2012, Martin Schade, Bützow
    Die beiden Artikel zu "Vernunft und Glaube" gehen von einer falschen Fragestellung aus; die gebrachten Beispiele sind gegenüber Fragen menschlichen Verhaltens banal (und Jesus war kein Palästinenser, dieser Begriff hatte damals eine andere Bedeutung). Bereits zur Diskussion um den Empiriokritizismus bin ich - als Ingenieur - der Meinung, dass es nicht darauf ankommt Empfindungen zu erklären, sondern welche hervorzurufen bzw. zu vermeiden. So sollte man auch hier akzeptieren, dass - solange man keine Maßnahmen daran knüpft - eigentlich egal ist, ob man z. B. die Welt als Kugel oder als Scheibe auffasst. Erst wenn man ein Ziel verfolgt, und aus unterschiedlichen Weltmodelle verschiedene Wege dorthin folgert, wird der Unterschied relevant.
    Man kann sein Vorhaben, z. B. eine Brücke, zwar exakt berechnen, aber ob es dann gelingt, diese auch gemäß den Plänen zu errichten, ob alle Mitarbeiter richtig arbeiten, ob sich die Projektgegner wie angenommen verhalten, und wie sich die bisher Unbeteiligten dazu positionieren werden, das weiß man nicht. Hier kann man nur glauben, dass es gelingt, dass Vorhaben zu realisieren. Das heißt, Ihr Artikel engt unzulässig auf religiösen, insbesondere etablierte Varianten des christlichen Glaubens, ein. Den Glauben an den technischen Erfolg des Bauvorhabens und an den kaufmännischen Ertrag - und wie man Chancen und Risiken gegenüberstellen kann - betrachten Sie nicht. In [*] finden wir meines Erachtens richtig formuliert: "Bei beiden Spezies sitzt das Gefühl am Steuer, der Verstand pflastert nur die Straße" und meint, dass man mit dem Verstand nur Varianten ausarbeiten, aber sich nicht für eine entscheiden kann. Letztlich geht es darum, ob man vernünftig ist und es bleiben lässt, oder im Glauben an den Erfolg das Risiko eingeht. Und manchmal muss man seinen Verstand sehr anstrengen, um etwas Spaß zu haben.
    Das Problem läuft meines Erachtens darauf hinaus, dass man einschätzen muss, wie sich die Leute, insbesondere die Mitarbeiter, gegenüber den auf sie zukommenden Aufgaben und Problemen verhalten werden, ob sie diese richtig und gemeinsam angehen werden oder ob Streit und Zwietracht mehr Aufmerksamkeit gewinnen als die vorliegende Aufgabe. Die Hermeneutik - deren Hintergrund unzureichend erklärt worden ist - sollte deshalb auch angewandt werden, dass Verhalten der Projektbeteiligten besser zu verstehen.
    Die Atheisten haben zweimal versucht, das Problem zu lösen: Die Rechten haben in der genetischen Disposition die Ursache für alle Probleme gesehen, eine aufwändige Auswahl betrieben und viele Leute kaum mitwirken lassen. Und die Linken haben in materiellen Bedingungen zur Zeit der Kindheit die eigentliche Ursache für alle Abweichungen gesehen und versucht, diese auszugleichen. Von diesem Standpunkt ausgehend sind sogar Einsatzbereitschaft und überdurchschnittliche Ergebnisse als Fehler gewertet und bekämpft worden. Der Sozialismus hat damit geendet, dass viele Leute auf Positionen festsaßen, von denen sie nur noch wegwollten.
    Eine Freund-Feind-Maschine wäre sicherlich hilfreich, aber aus dem Scheitern beider Diktaturen ergibt sich, daß man einen Menschen nicht unabhängig von seiner Persönlichkeit einschätzen kann. Gläubige Menschen gehen davon aus, dass Gott - ob absichtlich, oder weil auch er das nicht anders kann - die Seelen der Menschen mit unterschiedlichen Vororientierungen erschafft, oder dass diese bereits aus einem vorigen Leben vorgeprägt sind. Unser Apostel Paulus hat in seinem Ersten Brief an die Korinther erläutert: "12,4 Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber [es ist] derselbe Geist; 12,5 und es gibt Verschiedenheiten von Diensten, und [es ist] derselbe Herr; 12,6 und es gibt Verschiedenheiten von Wirkungen, aber [es ist] derselbe Gott, der alles in allen wirkt. 12,7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben. 12,8 Dem einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist; 12,9 einem anderen aber Glauben in demselben Geist, einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen in dem einen Geist, 12,10 einem anderen aber [Wunder-]Kräfte, einem anderen aber Weissagung, einem anderen aber Unterscheidungen der Geister; einem anderen aber [verschiedene] Arten von Sprachen, einem anderen aber Auslegung der Sprachen. 12,11 Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist und teilt jedem besonders aus, wie er will." [aus dem Web]
    Der Staat bzw. das Bildungssystem erhält daraus die Aufgabe, die mit der Seele gegebenen Anlagen der Menschen frühzeitig zu erkennen, auszubilden und die Menschen dementsprechend einzusetzen. Dazu ist auch zu klären, inwieweit ideelle Werte wie Orden und Ehrenzeichen sowie Titel zur materiellen Produkton erforderlich seien, und demzufolge auch Mittel aufzuwänden sind, um diese zu reproduzieren. Schwer verständlich ist für mich, dass das atheistische Gleichheitsgefasel immer noch Anhänger findet. Dabei ist mit Stirners "Einzigen" schon 1844 die schlechte Perspektive des atheistischen Standunktes offenbart worden.

    Sowohl in der Technik als auch in der Ökonomie ist heute akzeptiert, dass Hard- und Software beide Arbeit erfordern und ihren Wert haben; sonst wäre das Urheberrecht gegenstandslos. Bei dem Kopieren von Information von einer CD auf eine Diskette, einen Flashspeicher oder andere Datenträger wird keine Materie übertragen, sondern nur Information weitergegeben - und diese verschwindet dabei nicht an ihrem Ursprungsort. Übliche Computer benötigen nach ihrer materiellen Fertigstellung noch ein Betriebssystem, welches auch von einer RAM-Disk laufen kann, aber nach dem Ausschalten weg ist.
    Wieso bitte können die Geisteswissenschaftler schwerlich akzeptieren, dass ein Mensch sowohl den materiellen Körper auch eine Initialisierungssoftware - die Seele - erhält, bzw. dass diese überhaupt erst den Menschen ausmacht und dass diese aus einer anderen Welt stammt?

    Für unser finales Projekt, die Rückkehr in die andere Welt, fragen wir uns, wie wir unsere Seele für den Übergang vorbereiten. Die Regeln, nach denen der Herr die Tür zum Paradies öffnet oder verschlossen hält, sind das Thema der Religion. Diese zu verstehen ist die Erkenntnis der Welt sicherlich nützlich; schließlich hat der Herr sie geschaffen, damit wir unsere Anlagen in ihr zu Fähigkeiten ausprägen. In einer Diskussion mit Zeugen Jehovas ist mir klargeworden, dass "Welt" für das im griechischen Original stehende "Kosmos" gesetzt ist; welches damals so viel wie das heutige "Wirtschaftssystem" bedeutet hat. In dessen der Verständnis liegt die Kirche auch einige Jahrhunderte hinter dem aktuellen Stand.
    Meine Erfahrung ist, dass
    * viele Vorgänge heute auf mehrere Leute aufgeteilt sind, so dass andere beeinflussen, ob das, was jemand tut, böse oder gut wird,
    * die ausschlaggebende Entscheidung - während sich die klugen zurückhalten - oft von einem dummen Menschenen getroffen wird,
    * von jeder Alternative immer weitere Leute un- oder günstig betroffen sind,
    * wir dazu neigen, Menschen als Angehörige einer Gruppe zu sehen und als "einen von denen" zu beurteilen,
    so dass eine moralische Wertung des Anteils einzelner schwer möglich ist. Die Kirche hat mir bisher keine Antwort darauf gegeben. Hier sollten sich Philosophen und Theologen um eine Klarstellung bemühen.

    Da die Rückkehr in die andere Welt im Prinzip um die Verschiebung einer Datei vom diesseits an einen ihr entsprechenden Ort im Jenseits handelt, ist die Religion als ein Teilgebiet der Informatik anzusehen. Die überkommenen, ungenauen Begriffe der Theologie sollten in Begriffe der IT übersetzt werden; zuvor wäre allerdings die Begriffswelt der IT zu ordnen und sinnverändert übernommene Begriffe anderer Fachgebiete zu ersetzen.

    [*] Richard Wrangham Dale Peterson : Bruder Affe, S. 237
  • Weder Religion und Theismus noch Atheismus!

    09.01.2012, Dipl.-Pol. Edgar Guhde, Düsseldorf
    Wissenschaft und Religion können nichts voneinander lernen, so wenig wie Rationalismus etwas vom Irrationalismus lernen kann. Und Religion ist schon psychisch zu verstockt und theoretisch dogmatisch, als dass sie von der Wissenschaft Substantielles zu lernen fähig oder willens wäre. Es geht auch nicht um die Gegenüberstellung oder Polarisierung Atheismus und Religion, sondern um die befreiende und wissenschaftlich nachvollziehbare und begründbare Position des Agnostizismus.
    Agnostizismus kann von seinem Wesen her keinen missionarischen Bekehrungseifer entfalten, kein Brandbeschleuniger in politischen und sozialen Konflikten sein, denn Heilsgewissheiten sind ihm fremd. Eifernder Fundamentalismus kann aus ihm nicht erwachsen. Als Werkzeug und Herrschaftsmittel der Politik ist er unbrauchbar.
    Dem „offenen“ agnostischen Denken entspricht die „offene Gesellschaft“. Agnostizismus ist ideologiekritisch; aus seinem Unwillen, die Welt im Ganzen zu erkennen und zu deuten, bezieht er die Kraft, jene geschlossenen Denk- und Politiksysteme zu kritisieren, die sich nicht Gründen, sondern Interessen verdanken. Freiheit und Toleranz sind nur dann unverfügbar und unverführbar, wenn sie nicht auf geschlossene Theorien festgelegt werden. Agnostisches Denken korrigiert alle in theoretischer und praktischer Absicht vorgebrachten totalen Geltungsansprüche. Hierin liegt sein rationaler wie humaner Charakter.

    Richtig ist gleichwohl: Jean Amery (1912-78) kam als Agnostiker ins NS-KZ und kehrte als solcher zurück – anerkennend, dass „im weitesten Sinne gläubige Menschen“ (wozu er hier auch Marxisten zählt) die Schrecken der Lager selbstsicherer überstanden als dies den skeptisch-humanistischen Intellektuellen möglich gewesen sei.

    Letztlich aber gilt (oder sollte gelten), was der Religionskritiker und Gründer der Humanistischen Union Gerhard Szczesny (1918-2002) schrieb: „Ich bin dafür, Menschen nach ihrem Verhalten, nicht nach ihrem Bekenntnis zu beurteilen, und halte Sachlichkeit, Fairness und Geduld, Verständnis und Kompromissbereitschaft für unvergleichlich höhere Tugenden als Parteilichkeit und Eifertum.“

  • Herr Bettecken, einige Verständnisprobleme ...

    09.01.2012, Dr. Roland Pardon
    "Keine 60 Jahre nach Watson/Crick glauben machen zu wollen, dass man ein in 4 Milliarden Jahren Evolution entstandenes höchst komplexes System Homo sapiens, welches bisher, wenn überhaupt nur höchst rudimentär in seinen Zusammenhängen verstanden wird, nebenwirkungsfrei verbessern zu können geht weit über das hinaus, was ich mit dem Begriff Hybris zu bezeichnen vermag."
    Hat jemand behauptet, NEBENwirkungsfrei hier etwas hervorbringen zu können? Womöglich gar im ersten Anlauf? JEDES Medikament hat Nebenwirkungen, außen den wirkungslosen, z.B., homöopathische Glaubuli. Und trotz der Nebenwirkungen ist der Einsatz von Medikamenten nach meiner Auffassung moralisch geboten - ohne Antibiotika lebten viele Menschen nicht mehr, mich eingeschlossen. Was ist daran Hybris? Wie könnte man besser verstehen lernen, damit es nicht mehr nach Ihrem Verständnis Hybris wäre, außer durch EXPERIMENTE?

    "Im Kontext des Neuro-Enhancements von Nebenwirkungsfreiheit und Selbstbestimmung zu sprechen verbietet sich von selbst, da sich die Nebenwirkung direkt aus dem Postulat ergibt."
    Wie bitte? Da kann ich nur versuchen, mir einen Reim drauf zu machen - in sich verständlich ist dieser Satz auch nach mehrfachem Lesen nicht. Ich versuche es folgendermaßen:
    Das von Ihnen gemeinte Postulat ist: Ein Neuro-Enhancement ist nur eines, wenn es auch wirklich enhanced, also eine Wirkung zeigt. Ist das richtig vermutet? - Auch hier müssten Sie dann wieder gegen JEDES Medikament sein.
    Ihr Begriff von Menschenwürde war noch nie so verwirrend, wie in diesem Kontext.
  • Glauben bringt keine Erkenntnis

    09.01.2012, Winfried Platz, Baiersdorf
    Es fällt auf, dass SPEKTRUM sich in den letzten Jahren zunehmend mit geisteswissenschaftlichen Themen beschäftigt. Im Januarheft wurde aber die Grenze der Zumutbarkeit überschritten. In braver, journalistischer Manier versuchte die Redaktion, Wissenschaft allgemein und dem "Glaube" ein Forum auf Augenhöhe zu geben.
    Sehr fair wurde sogar ein Autor aufgeboten, der sowohl einen naturwissenschaftlichen als auch theologischen Abschluss hat. Der Grundfehler liegt aber darin, dass "Glaube" (oder allgemein jegliche metaphysische Vorstellung) allerhöchstens als wissenschaftlicher Gegenstand unter psychologischen oder auch anderen (etwa evolutionsbiologischen) Aspekten betrachtet werden kann. Nicht nur diese fehlerhafte Kategorisierung zeigt, wie hilflos die Redaktion bei dem Thema agiert, auch mit dem titelgebenden Gegensatzpaar Vernunft versus Glaube ist sie dem langjährigen Chefdogmatiker der katholischen Kirche und derzeitigen Papst in die Falle gegangen, der die Vernunft längst als Teil der Theologie vereinnahmt hat. Pseudowissenschaftliches Wortgeklingel (bestes Beispiel: der "doxastische Fallibilismus" als Terminus dafür, dass der Papst sich auch täuschen könnte) kann die schlichte Wahrheit höchstens vernebeln: Religion ist eine höchst subjektive Privatangelegenheit, die mit Wissenschaft nichts zu tun hat, denn Glauben bringt keine Erkenntnis.
  • Religion ist vernünftig

    08.01.2012, Wilfried Knapp
    Durch die Reduzierung von Religion auf das christliche Glaubensbekenntnis hat dieser Artikel leider eine skurrile Note gewonnen, die dem Thema nicht wirklich angemessen ist. Wenn mit Vernunft gemeint ist, dass man sich auch mit Erkenntnistheorie befasst, dann wird rasch klar, dass es dem Menschen und insbesondere auch dem Wissenschaftler nicht möglich ist, nicht triviale wahre Aussagen über die Realität zu machen. Daher ist jedes religiöse oder wissenschaftliche oder anderweitiges System von Aussagen bezüglich des Anspruchs auf absolute Wahrheit gleichwertig. Die (nicht zwingend bewusste) Erkenntnis, dass die Kernfrage "Wo komme ich her und wo gehe ich hin" nicht rational beantwortbar ist, macht die (theoretische, denn in der Regel wird man in eine Religion "hineingeboren" und unterliegt damit einer entsprechenden Gehirnwäsche) Entscheidung für ein religiöses Bekenntnis zu einer rationalen. Die Probleme fangen dann leider gleich wieder mit dem Anspruch auf absolute Wahrheit an - egal ob Religion oder Wissenschaft: Fundamentalisten übertreten die Sperrlinie der menschlichen Erkenntnismöglichkeit.
  • Trauerstunde der Physik

    08.01.2012, Knödlseder
    Es ist schon traurig, dass heute eine nicht signifikante Messung als Wendepunkt der Wissenschaft gefeiert wird. Die zumindest genauso plausible Möglichkeit, dass am LHC kein Higgs gefunden wird, und die sich daraus ergebende Sackgasse der Teilchenphysik wurde hier leider nicht erwähnt.
  • Die Diagnose...

    08.01.2012, un
    ist wie die Fixierung eines Photos...

    Manchmal glaube ich unsere großartige Vorsorge ist ein Fluch...
  • Regelkreise steuern den Gesundheitszustand

    08.01.2012, Rudi Zimmerman
    Der Zustand des Menschen wird durch Regelkreise gesteuert. Menschen werden und bleiben krank, weil sie schon zu viel Krankenkassenbeiträge gezahlt haben und auch mal etwas davon haben wollen und Ärzte verdienen nur am kranken Menschen und haben daher kein Interesse an der Heilung ihrer Patienten, von deren Krankheiten sie ja leben. Genauer habe ich das hier beschrieben: rudi-zimmerman.de/Das_Gesundheitswesen/das_gesundheitswesen.html.
    Der Nocebo-Effekt nützt dem Bankguthaben des Arztes.
  • Intellektueller "Fallout"

    07.01.2012, Günter M. Ziegler
    Sehr geehrter Herr Dr. Siemroth,
    ganz offenbar gehören Sie zu denen, bei denen Fukushima nicht einmal zu ein bisschen Nachdenken geführt hat. Sonst würden Sie einen solchen zynischen Kommentar wie "Bei alledem darf man doch nicht vergessen, dass gerade Deutschland von dem "Fallout" besonders schwer betroffen ist. Japan wird seine Schäden überwinden und wieder aufbauen. Wir bauen ab und verursachen hier aus blanker Panik wirtschaftliche Schäden für Jahrzente" nicht abgeben. Das ist ignorant und menschenverachtend den Japanern und Japanerinnen gegenüber, und auch in Bezug auf Deutschland unverantwortlich-simplifizierend.
  • Wozu Higgs?

    05.01.2012, Manfred Hörz
    Das Higgs-Feld wird doch vor allem verwendet, um den Bosonen der schwachen Wechselwirkung Masse zuzusprechen. Ich erinnere mich an ein Experiment am LHC vor einigen Jahren, bei dem zwei hochenergetische Laserpulse aufeinander zurasten und ein Elektron erzeugten. Dies wäre eventuell so zu erklären, dass die Laserstrahlen den Mikro-Raum so stark um sie herum krümmten, dass beim Aufprall eine winziger Kugelraum entstand, indem die Photonen gefangen wurden (quasi wie in einem winzigen schwarze Loch. Danach bestünde das Elektron aus einer großen Anzahl von Photonen, die sich in diesem Raum zirkulär bewegten. Die Summe ihrer relativistischen Massen ergäbe dann die Ruhemasse des Raumgebiets, also des Elektrons. These: Alle nicht masselose Teilchen als Komplexe von Photonen aufzufassen. Somit könnte man die Eichbosonen der schwachen Wechselwirkung als Photonenkomplex interpretieren. In der QED sind ohnehin die virtuellen Photonen die Wechselwirkungsteilchen, die dann analog zur Hawking-Strahlung die Wechselwirkung der QED erklären könnten. Die 'schwarzen Elektronenlöcher' wären eben nicht total schwarz und die entweichenden Photonen sind die Vermittler. Analog zum allgegenwärtigen Higgsfeld hätte man ein allgegenwärtiges Feld von virtuellen Photonen, die das Vakuum, den virtuellen Raum bilden würden. Damit hätte man ein anderes Problem "gelöst", wie es denn möglich ist, dass sich das Weltall ausdehnt. Wohin dehnt es sich denn aus? Der Kosmos als Totalität der physikalischen Energien kann ja nur endlich sein, also muss seine Ausdehnung auch endlich sein. Wenn aber Ausdehnung wieder physikalisch ist, muss der Raum, in den der Kosmos sich ausdehnt, zumindest semiphysikalisch sein. In ein pures Nichts kann er sich nicht ausdehnen. Dies wäre der virtuelle Raum, das fluktuierende Vakuum. Damit gäbe es nur zwei "Entitäten", virtuelle Bosonen (Photonen), die den (virtuellen) Raum und reale Photonen, die die Materie bilden würden. Wobei der Übergang von virtuell zu real graduell ist, der durch (zufällige) Integrationen stattfinden würde.
  • Kurzkritik

    05.01.2012, Christian Winkler
    Sehr interessant, bitte mehr davon! Die Lösung sollten Sie aber nicht gleich darunter veröffentlichen, so dass man noch mitraten kann.
    Antwort der Redaktion:

    Lieber Herr Winkler,

    ich nehme an, Sie sind über die Verlinkung auf der Facebook-Seite der IdeenExpo auf diese Seite gelangt - es handelt sich hier um die Antwort zu unserem Rätsel, deshalb steht die Lösung auch an prominenter Stelle.

    Mehr Rätsel dieser Art finden Sie auf unserer "Denkmal"-Seite. Hier können Sie ganz einfach mitraten.

    Mit besten Grüßen, Jan Dönges, Redaktion

  • Sind Methangasanlagen nicht auch eine Fehlentwicklung?

    04.01.2012, Mag. Ulrike Turrini-Hammerschlag
    Bitte um Informationen auch zu den Methangasanlagen, in denen elektrischer Strom erzeugt wird. In meiner Heimatgemeinde - 9063 Maria Saal in Kärnten, Österreich - wurde vor ein paar Jahren eine solche in Betrieb genommen. Seitdem wird, so kommt es mir vor, auf den Äckern nur noch Mais angebaut. Möglicherweise ist die Ökobilanz hier genauso miserabel wie für Agrobenzin und -diesel und wäre eine dieser Tatsache Rechnung tragende Reaktion der Europäischen Union angebracht.

    Mit freundlichen Grüßen


    Ulrike Turrini-H.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Frau Turrini-H.,

    im Zuge des Ausbaus von Biogasanlagen wird vielfach der zunehmende Anbau von Mais kritisiert - die so genannte Vermaisung:

    http://niedersachsen.nabu.de/themen/landwirtschaft/biomasse/12679.html

    In der Tat wäre das mal einen journalistischen Blick wert.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
    lingenhöhl@spektrum.com
  • Zur Klärung einiger Begriffe

    04.01.2012, Rüdiger Thurm
    „Gott“ ist kein naturwissenschaftlicher Begriff. Glaube ist nicht experimentelle Wissenschaft. Naturwissenschaft funktioniert vollständig unabhängig von Glaubensüberzeugungen. Das alles ist eigentlich selbstverständlich, und in diesen Punkten besteht Konsens.

    Aber auch „Vernunft“ ist kein naturwissenschaftlicher Begriff, „Vernunft“ ist etwas anderes als eine Ableitung aus neurophysiologischen, ontogenetisch bewährten Vorgängen. „Vernunft“ ist ein zentraler philosophischer Begriff und gehört zu den Voraussetzungen der Erkenntnis, die von einer Theorie der Erkenntnis zu beschreiben sind.

    Das Verhältnis von Glaube und Vernunft, von Theologie und Philosophie, ist darüberhinaus ein umfangreiches, anerkanntes und immer wieder diskutiertes Thema zwischen diesen beiden Disziplinen. Hier ist weit mehr und Systematischeres geleistet, als der Artikel von Herrn Tapp (eben aus der katholischen Perspektive) darstellt. Es lohnt sich, die Wirkung zum Beispiel der kantischen Philosophie innerhalb der Theologie nachzuzeichnen.

    Naturwissenschaft, sofern sie nicht nur potenziell falsifizierbare Formeln, sondern Erkenntnis und also eine Vorstellung von der Welt liefern soll, setzt selbst eine Erkenntnistheorie voraus, die mehr enthält als allein fachwissenschaftliche Begriffe. Das ist übrigens auch dann evident, wenn Naturwissenschaft ihre eigene gesellschaftliche Sinnhaftigkeit darzustellen hat. Sinnhaftigkeit ist nur teleologisch und nicht allein kausal auszuweisen, denn bekanntlich folgt aus einem „Sein“ kein „Sollen“. Deshalb kommt konkrete, gesellschaftlich legitimierte und von bewusst handelnden Subjekten durchgeführte Wissenschaft nicht ohne Glaubens- und Wertüberzeugungen - welcher Couleur und mit welchem Reflexionsgrad auch immer - zu Stande. Eine Gesellschaft braucht deshalb die Debatte über leitende Glaubensüberzeugungen und Wertvorstellungen und ist dafür auf anerkannte Institutionen und Repräsentanten angewiesen. Weder der Staat noch „die Naturwissenschaft“ können solche Institutionen selbst hervorbringen, es sei denn, sie gebärdeten sich totalitär. Eine Pluralität der Repräsentanten und ein öffentlicher Streit um Überzeugungskraft ist ein Gewinn für eine demokratische Gesellschaft.

    Glaube, Theologie und Kirche wiederum vermögen ihre Rolle in einer aufgeklärten Gesellschaft nur wahrzunehmen, wenn sie ihre Standpunkte in einem rationalen Diskurs zu vermitteln in der Lage sind. Dazu gehört der auch Respekt vor anderen Glaubensüberzeugungen, und dazu gehört auch die Fähigkeit zum eigenen Zweifel, der den Glauben in der Regel durchaus begleitet. Und dazu gehört eine Anerkennung wissenschaftlicher Standards und Ergebnisse der Einzelwissenschaften. Die Tatsache, dass die Gewissheit einer Glaubensüberzeugung nur subjektiv erfasst werden kann, hindert jedoch nicht, dass ihre Inhalte sich rational beschreiben und vermitteln ließen.
    Antwort der Redaktion:
    Was Sie über den Vernunftbegriff schreiben, hat meine volle Zustimmung. Und Sie haben auch Recht, wenn Sie sagen, dass über den Vernunftbegriff weitaus mehr gesagt wurde, als ich in meinem Artikel beschreiben konnte. Ob allerdings nun gerade die Wirkungsgeschichte Kants die theologischen Leistungen der neuzeitlichen Theologie entdecken hilft, kann bezweifelt werden. Auf jeden Fall kann unsere demokratische Gesellschaft die Debatten, die Sie erwähnen, brauchen. Die interessante Frage ist aber, ob die Gesellschaft nur eine Debatte darüber braucht, oder nicht auch Menschen, die nach Glaubensüberzeugungen leben und diese mit ihrem rationalen Selbstverständnis in Einklang zu bringen versuchen.

    Christian Tapp
  • Neuer Parasit als Auslöser des Bienensterbes

    04.01.2012, Dr.Hans-Joachim Scheel
    Es wird dringend empfohlen, keine Bienenstöcke aus den USA (auch nicht zu Forschungszwecken) einzuführen, denn die Varroa-Milbe kam auch aus dem Ausland zu unseren Honigbienen und belastet diese bis heute noch.
  • Klarheit mit tiefenabhängiger Oberflächenspannung

    04.01.2012, Klaus Reiter, Waidhofen an der Thaya (Österreich)
    Ich gebe Herrn Palm Recht, dass die Berücksichtigung der umgebenden Luftströmung dieses Verhalten erklären kann.

    Mein Vorschlag, das auf eine recht simple Art in die Simulation zu bekommen, wäre den Schwarm mit einer tiefenabhängigen Oberflächenspannung zu versehen. Durch die Tiefenabhängigkeit kann ein Gradient für die Abnahme der Vogeldichte zur Schwarmmitte hin definiert werden.
    Diese Oberflächenspannung zieht dann die weiter außen fliegenden Vögel näher zusammen als die weiter innen. Das sollte dann nach der Justage der Tiefenabhänigkeit bzw. der Stärke der Anziehung recht gut dem beobachteten Verhalten nahekommen.