Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Schneckenbesuch.de

    28.04.2015, Rustina Noord
    Sehr interessanter Artikel! Ich baue zur Zeit an meiner Site: http://schneckenbesuch.de/, und habe unter http://schneckenbesuch.de/schneckenbesuch einen Link zum Artikel gelegt.
  • Weg von der Ideologie, hin zum Pragmatismus

    28.04.2015, Martin Holzherr
    Das Ziel muss es sein, möglichst wenig langlebigen radioaktiven Abfall anzusammeln und den verbleibenden Rest so zu lagern, dass er nach möglichst kurzer Zeit (nach wenigen hundert Jahren) auch bei Freilegung keinen grossen Schaden mehr anrichten kann oder dass die Freilegung gar nicht mehr möglich ist.

    Die ideale Lösung transmutiert alle langlebigen radioaktiven Stoffe zu kurzlebigen. Das ist wohl zu teuer. Doch nur schon eine Verkleinerung der Menge langlebiger Isotope auf eine Viertel oder gar einen Zehntel der heutigen wäre eine enorme Verbesserung, denn es würde den Aufwand für die Entsorgung des Rests verkleinern. Ein realistisches Verfahren um grössere Mengen langlebiger Radionuklide von der Biosphäre abzutrennen wäre Deep Borehole Disposal, wo die Stoffe in Bohrlöcher der Tiefe 5 km oder mehr entsorgt werden. In dieser Tiefe ist Wasser stark salzhaltig und steigt nicht mehr auf. Richtig angewandt sind die mit Deep Borehole Disposing entsorgten Stoffe nicht mehr rückholbar. Und das muss für langlebige hochradioaktive Stoffe so sein, denn ein zugängliches Lager mit hohen Konzentrationen hochradioaktiver Stoffe ist nichts anderes als ein Waffenlager. Solch ein Lager müsste dauernd überwacht werden. Etwas was bei diesen langen Zeiträumen gar nicht möglich ist. Sogar die Entsorgung im Ozean ist da noch besser als die Entsorgung an einem gut zugänglichen Ort.
  • high-tech meets rust

    27.04.2015, Wolf Polzin
    Symptomatisch für den Umgang mit Atommüll halte ich die folgende Nachricht: Die Fässer, die in Asse einfach abgekippt wurden und wild übereinander liegen, bestehen aus unerfindlichen Gründen nicht aus Edelstahl und rosten vor sich hin.

    Atommüll, der eine Million Jahre strahlt, ist m.E. ein Verbrechen an der Menschheit.
  • Kleinstsatelliten doch kein Problem?

    27.04.2015, Daniel Schiller, Köln
    Herr Schilling reißt kurz das Thema Kleinstsatelliten & Müll an, beendet es aber schnell mit dem eher lapidaren Tenor: ist nicht so schlimm und lässt sich alles lösen! Reicht das? Theoretisch ja, praktisch nein. Es stimmt, das "Müllproblem" der Kleinen lässt sich technisch lösen (genauer: es spricht nichts grundsätzlich technisch dagegen). Es gibt sogar internationale Richtlinien, teilweise sogar nationale Gesetze. Aber folgen die Entwickler weltweit dem? Halten die Betreiber das ein? Offenbar nicht. Es gibt zahlreiche Berichte, unter anderem bei UNO und ITU, dass diese Regeln immer wieder nicht eingehalten werden, sei es absichtlich oder aus Unwissenheit. Entwickler/Betreiber relaxieren die Anforderungen für ihr kleines Projekt ("ist schon nicht so schlimm"). Da geht es um so einfache Dinge wie den Satelliten international registrieren. Aufwändiger wird es schon, wenn die Funkfrequenzen koordiniert werden sollen. Wenn dann sogar technische Lösungen entwickelt werden müssen, um Weltraummüll zu vermeiden, stößt das schnell an finanzielle und Fähigkeitsgrenzen.
    Damit diese Satelliten kein Problem werden, muss jeder Betreiber sich streng daran halten, nicht in wichtige oder langlebige Orbits zu fliegen. Dabei sind die Kleinstsatelliten aber nur Mitflieger auf großen Missionen und gehen schlimmstenfalls dorthin, wohin der Hauptpassagier fliegt. Das Betriebsende muss geplant sein, das heißt, Energiespeicher müssen entladen werden und gegebenenfalls muss ein Manöver zur Entsorgung geflogen werden, und das nicht "genau am Ende", sondern mit ausreichender Zuverlässigkeit vorher. Das kostet wertvolle Betriebszeit. Außerdem muss man solche zusätzlichen Funktionen an Bord erst einmal entwickeln, bauen, qualifizieren und testen. Das kostet, das verzögert, das steigert die Masse. Aktive Manöver zu planen, zu kommandieren und zu überwachen ist auch nicht trivial und erfordert ein leistungsfähigeres Bodensegment ... usw.
    Ja, das Problem lässt sich lösen. Nein, es löst sich nicht mal einfach so. Jeder Entwickler und Betreiber muss das selbst wollen und tun ... und das passiert nicht mit pauschalen Aussagen.
  • Wir lösen unsere Probleme -

    27.04.2015, Mirona Thetin
    unsere Nachkommen lösen ihre Probleme, oder die, die sie dann für Probleme halten.

    Meine Prognose: Radioaktive Substanzen gelagert in "Endlagern" werden für unsere Nachkommen in keinem Fall ein Problem bedeuten.
    Der menschlichen Spezies stehen zwei Wege offen:

    1. Der Weg der sog. Nachhaltigkeit, also der einer Bewahrung eines wie auch immer zu erreichenden stabilen Zustands. Dies würde zu einem downgrading der menschlichen Zivilisation führen, vielleicht sogar zurück in Agrarwirtschaften einer vorindustriellen Zeit. Für eine solche Zivilisation wird ein Endlager nie ein Problem sein. Die Menschen werden dann ganz andere Probleme haben.

    2. Eine weitere Expansion in den outer space und darüber hinaus. Dies würde nach menschlichem Ermessen zu einer weiteren und sehr viel größeren technischen Potenz führen, so dass "Probleme" mit einem Endlager in einer solchen Zivilisation - pardon - "nur ein müdes Grunzeln" hervorrufen würden.

    Über die Atomsemiotik hatte ich schon bei Ihren Anfängen vor über 30 jahren herzlich lachen müssen. Was wäre denn der worst case? Dass beim Öffenen der Endlager gewisse Verstrahlungen die Folge wären, so wie es auch in der Vergangenheit Probleme mit radioaktiven Proben gab, als man die Radioaktivität als Naturphänomen noch nicht kannte. So wie unsere Vorfahren würden dann auch unsere Nachfahren daraus lernen.

    Abgesehn davon: im Entwicklungspfad 2 würde man nach wie vor die Naturgesetze kennen insbesondere die der Radioaktivität, in welcher Sprache auch immer.

    Provokant formuliert sprechen wir hier im Großen und Ganzen über "Luxusprobleme". Insbesondere scheint es nicht nötig, ein Toolkit für "nukleare Ethik" zu entwickeln. Der ethische Fortschritt zeigt sich darin, immer mal wieder Bereiche des menschlichen Handelns in den ethikfreien Raum zu verlagern. Für alles eine Ethik zu schaffen ist ein Kennzeichen totalitärer Systeme.

    MfG
    Mirona T.
  • Beobachten=keine Unfälle

    27.04.2015, André Versümer
    Ich bin Vater eines vierjährigen Mädchens, das gottseidank abenteuerlustig und geschickt ist. Es klettert unter meinen Augen die Rutsche hoch, auch dann, wenn ich hinschaue.
    Sehr wohl gibt es doch auch den gegenteiligen Effekt, dass sich Kinder viel mehr trauen, wenn die Eltern aufmerksam sind. Denn dann wissen sie, dass man auf sie achtet.
    Als Eltern ist man ständig hin- und hergerissen zwischen Beschützen und Ermöglichen, also zwischen Verbieten und Angeboten. Diese Studie deutet an, dass man zum Schutz der Kinder immer gluckenmäßig um sie herum sein sollte.

  • "Deutlich weiter"

    27.04.2015, Pillendreher
    ...ist nur Ihre Fantasie.

    "Bis heute konnte weltweit noch keine Transmutationsanlage zur Beseitigung nuklearer Abfälle verwirklicht werden. Lediglich im Rahmen von Forschungsprojekten wurden bisher kleinere Anlagen im Labormaßstab zur Transmutation realisiert. Die wenigen existierenden Brutreaktoren werden ausnahmslos zur Plutoniumproduktion eingesetzt."

    Weitere Zerlegung hier:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Transmutation
    http://www.spektrum.de/news/transmutation-duerfte-das-atommuellproblem-nicht-loesen/1181798
  • Hingespinst Transmutation

    27.04.2015, Kai Petzke
    Antwort auf Rainer Klute: Die Transmutation ist ein Hirngespinst der Nuklearindustrie. Sie verfolgt damit genau zwei Zwecke: Forschungsmilliarden abgreifen und ggfls. neue Reaktoren verkaufen. Der Atommüll wird nämlich durch die so genannte Transmutation nicht weniger, sondern mehr. Cäsium-137, Strontium-90 und viele andere in großen Mengen anfallenden und besonders stark wärmeentwickelnden Nuklide aus dem Atommüll können nämlich NICHT transmutiert werden. Nur Transurane wie Plutonium, Americium oder Curium können in Transmutationsreaktoren gespalten werden.

    Hinzu kommen Proliferationsprobleme: Aktuell ist die weltweite Übereinkunft, dass kommerzielle Reaktoren mit auf maximal 20% angereichertem Brennstoff betrieben werden sollen, um bombenfähiges, hochangereichertes Material aus dem zivilen Brennstoffkreislauf rauszuhalten. Enthält ein Transmutationsreaktor aber 80% Uran-238, wird er mehr Plutonium erzeugen als verbrauchen, also nicht nur den "kurzlebigen" (HWZ bis 30 Jahre), sondern auch den "langlebigen" nuklearen Abfallberg vergrößern. Eine "echte" Transmutationsanlage, die zumindest den langlebigen Abfallberg verkleinert, müsste mit hochangereichertem bombenfähigen Plutonium betrieben werden, dem noch etwas Americium und/oder Curium beigemischt ist. Allzuviel Americium oder Curium darf es aber nicht sein, denn andernfalls wäre schon der Brennstoff, mit dem der Reaktor beschickt wird, hochradioaktiv. Insbesondere Am-242m1 (angeregeter metastabiler Zustand mit 141 Jahren HWZ) und Am-241 (432 Jahre HWZ) sind sehr problematisch.

    Mit zunehmender Zahl der Zyklen Reaktor -> WAA -> Reaktor -> WAA -> Reaktor -> WAA wird sich auch immer mehr Plutonium-238 im Brennstoff ansammeln, das mit knapp 88 Jahren HWZ ebenfalls stark wärmeproduzierend ist.

    Der zitierte russische Reaktor BN-800 ist vom Typ "schneller Brüter" (wie der nie in Betrieb gegangene Reaktor in Kalkar), wird mit MOX-Brennelementen betrieben, und wird mehr Plutonium erzeugen als er verbraucht. Die Hoffnung ist, dass das erzeugte Plutonium für Kernwaffen ungeeignet ist, da es hohe Anteile an Plutonium-240 und Plutonium-241 enthält. Insofern wird zwar tatsächlich Waffen-Plutonium verbraucht, zugleich aber der Plutonium-Atommüllberg weiter vergrößert!
  • Atommüll wird bald Rohstoff sein

    27.04.2015, Ralph Fischer
    Wenn erstmal ein Dual Fluid Reaktor gebaut wurde und funktioniert, wird sich das Problem schnell lösen lassen.

    Der DFR kann nämlich Atommüll verbrennen und auf kurzlebige Aktinide reduzieren.

    Dafür sollte man mal etwas Geld lockermachen, statt dauernd nur nach Lagern zu suchen.
  • Und ehe es die Gegner der Atomkraft merken wird der Abfall zum Rohstoff

    27.04.2015, Yael Schlichting
    Ich kann Rainer Klute nur zustimmen. Die Verbrennung dieser nuklearen Abfälle ist wesentlich weiter entwickelt, als es der Artikel beschreibt. Vielleicht ist das sogar eine bedauerliche Entwicklung, denn - wer weiß - vielleicht ergeben sich noch ganz andere sinnvolle Verwendungen für diese Stoffe.
  • Transmutation ist deutlich weiter

    27.04.2015, Rainer Klute
    Die Transmutation ist deutlich weiter, als der Artikel suggeriert. Transmutation ist ja nicht nur in subkritischen Transmutationsanlagen wie MYRRHA möglich. Schnelle Reaktoren können das auch.

    Mit dem PRISM-Reaktor und dem Advanced Recycling Center (ARC) hat GE Hitachi Nuclear Energy entsprechende Anlagen im Angebot, siehe http://gehitachiprism.com/ ("Turns Waste into Watts"). Im russischen Kernkraftwerk Beloyarsk läuft seit Mitte 2014 der Reaktor BN-800, der neben Waffenplutonium auch minore Aktinide »verbrennt«.
    Antwort der Redaktion:

    Liebe Leserinnen und Leser,

    umfassende Informationen pro&kontra Transmutation sowie Expertenberichte auch über die damit verbundenen erheblichen Schwierigkeiten hatten wir vor kurzem hier für Sie gesammelt: "Transmutation - Mit nuklearer Alchemie gegen Atommüll"

    Beste Grüße, jd/Red

  • Wieso ohne Dunkle Materie?

    27.04.2015, Alexander Nowak
    Ganz im Gegenteil bin ich sicher, dass die Astronomen bei ihren Simulationen den gravitativen Massebeitrag von Dunkler Materie in Galaxien und Galaxienhaufen berücksichtigt haben. Denn nur damit kann eine korrekte Beschreibung erfolgen.
  • Anthropozän

    26.04.2015, Rüdiger Kuhnke
    Wer in Süddeutschland wohnt oder sonst Gelegenheit hat, nach München zu kommen, dem sei die Sonderausstellung "Willkommen im Anthropozän" des Deutschen Museums in München empfohlen.
  • Roboter mit Empfindungen

    26.04.2015, Karl Hostettler
    Leider unterscheidet die Philosophie des Geistes nicht zwischen zwei Sachverhalten, die nichts miteinander zu tun haben müssen: Zwischen Wissen, der Verfügbareit von Information, und dem Erleben, das meistens - im Traum zum Beispiel nicht - von Wissen um um die eigene Existenz begleitet ist. Wissen, rein als Information verstanden, auch Wissen um sich selbst, stellt heutigen Informatikern kein Problem dar. Ein Problem bereitet, wie weit solches Wissen auch mit Erleben verbunden sein kann.
    Ich halte es für möglich, dass wir eines Tages die Mechanismen im Gehirn verstehen werden, die Erleben hervorbringen, und dass wir Erleben auch werden schaffen können. Ein Problem für uns wird das nicht sein. Wir Menschen mögen zwar über eine nur sehr beschränkte Vernunft verfügen. Aber so dumm sind wir nicht, dass wir einem von uns geschaffenen Roboter Fähigkeiten wie Konkurrenzdenken eingeben werden. Wenn schon Wesen mit Gefühl, dann werden wir Roboter schaffen, die nichts lieber tun als uns Menschen zu dienen, und zwar in problemloser Zusammenarbeit mit anderen Robotern. Roboter werden eben unser Werk sein, nicht das Werk der Evolution, die zwangsläufig immer vermehrungstüchtigere Wesen schaffen musste.
  • Was nicht verboten ist, muss erlaubt bleiben! Eine freie Gesellschaft braucht keine Ethik-Expertokratie!

    26.04.2015, Rene Macon
    Zu den zentralen Ergebnissen der fachphilosphischen Diskussionen der 70er und 80er Jahre zählt die Erkenntnis, dass Ethiken nicht so begründet werden können, dass sie den Status der Allgemeinverbindlichkeit erlangen. Man kann also eigentlich nicht von "der Ethik" sprechen, sondern müssen immer den Plural verwenden.

    Das Problem der "Wirtschaftsethiker" ist, dass ihnen die Debatten der 70er und 80er Jahre nicht bekannt sind, weil sie in der Regel Wirtschaftswissenschaft oder Psychologie studiert haben. Gute Wille ist aber ein schlechtes Substitut für Sachkenntnis.

    Das letzte, was unsere freie Gesellschaft braucht, wäre eine Ethik-Scharia-Polizei. Wenn wir uns im Bereich der Umwelt- und Sozialpolitik in unseren Parlamenten auf bestimmte Ziele einigen können, entstehen daraus Gesetze, an die sich alle halten müssen. Was darüber hinausgeht, ist Privatsache. Auch hier gilt: Vielfalt statt erzwungene Einfalt!
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