Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Henne-Ei-Problem

    13.06.2016, Rita Mühlgassner, Wien
    Ich sehe bei einem der gezogenen Rückschlüsse in diesem Artikel eine gewisse Henne-Ei-Problematik. Frau Arnulf schreibt, dass Studenten, die in der Nacht vor einer Prüfung Katastrophenträume hatten, bei eben dieser Prüfung besser abschnitten. Als Grund gibt sie die Verarbeitung dramatischer Szenen im Schlaf an. Ich frage mich jedoch, ob Ursache und Wirkung nicht gerade vertauscht sind. Könnten nicht jene Studenten, die dieser Prüfung eine höhere Priorität zuschreiben und daher mehr für sie lernen, besser abschneiden und genau aus Gründen dieser intensiven Vorbereitungsphase und Zweifel an der bevorstehnden Prüfung diese Katastrophenträume haben? Wenn dem so wäre, ist das gezeigte Lernengagement der Auslöser für sowohl die Träume als auch die positive Absolvierung der Prüfung.
  • Wunschdenken und Faktenresistenz

    12.06.2016, Dr. Armin Quentmeier
    @Peter Silberg

    Wer den Einwand, Erneuerbare Energien seinen nicht grundlastfähig, als „halbgar“ abtut, hat entweder nicht verstanden, wie die Stromversorgung in einen modernen Industriestaat funktioniert – oder ist so dermaßen der Realität entrückt, dass jede Diskussion zwecklos ist. Ein kurzer Blick auf den Stromverbrauch in Deutschland, z. B. auf den Seiten von „agora-energiewende.de“ zeigt den Stromverbrauch im Tagesgang auf – und wie er gedeckt wird. Die Zeit des geringsten Stromverbrauchs liegt i.d.R. in der Nacht von Samstag auf Sonntag, am 5.6.2016 waren es um 3°° morgens 35,86 GW, das entspricht der Leistung von 48 Kohlekraftwerken mit 750 MW Leistung. Am Montag, 6.6.2016, wurden zur gleichen Zeit schon 41,12 GW benötigt und von Dienstag 7.6. bis Freitag 10.6. 2016 lag der Stromverbrauch um 3°° morgens über 45 GW, also der Leistung von 60 Kohlekraftwerken mit je 750 MW. Die Sonne trug an allen genannten Tagen zu diesem Zeitpunkt exakt 0 GW zur Deckung des Stromverbrauchs bei, trotz einer installierten Leistung von 35 GW. Aber nachts ist es nun einmal dunkel und die Sonne scheint nicht, auch nicht nach der x-ten Novellierung des EEG.
    Bleiben Windkraft, Wasserkraft und Biomasse.
    Die Wasserkraft dürfen die Fans der „Erneuerbaren Energien“ nicht für sich reklamieren, die Anlagen sind zumeist Jahrzehnte alt und wären bei dem heutigen Naturschutz-Wahn zum allergrößten Teil gar nicht mehr durchsetzungsfähig.
    Bioenergie liefert zwar verlässlich rund um die Uhr etwa 5,2 GW aus über 8000 Anlagen. Unter Klimaschutz-Gesichtspunkten sind diese Anlagen eher kontraproduktiv; die Erzeugung der pflanzlichen Rohstoffe ist sehr energieaufwendig: ca. 1/3 der gewonnenen Brutto-Energie wird für den Anbau der Pflanzen und Betrieb der Anlagen verbraucht. Schlimmer ist das Entweichen von Methan, einem deutlich potenteren Treibhausgas als CO2, durch Leckagen: schon wenige Prozent drehen die Klimabilanz ins Negative. Zusätzlich können beim Anbau der „Energiepflanzen“, hauptsächlich Mais, N2O („Lachgas“) entstehen: auch dieses Spurengas ist ungleich klimaschädlicher als CO2. Moralisch ist Bioenergie zutiefst verwerflich: Nahrungsmittel anzubauen für grünes Wunschdenken ist ein abscheulicher Irrweg!
    Bleibt die Windenergie, auf die aber erst recht kein Verlaß ist. Oft genug herrscht nachts Flaute; am 5.6.2016 betrug die Leistungsabgabe aus über 25000 Windmühlen um 3°° morgens 1,56 GW, am 6.6.2016 waren es 2,26 GW, am Dienstag 7.6. 3,78 GW, am Mittwoch 3,9 GW, Do 4,7 und Freitag etwas mehr, nämlich 8,12 GW. Die Differenz zur benötigten Leistung musste natürlich durch Kohle, Gas Kernkraft und Pumpspeicherkraftwerke ausgeglichen werden. Selbst wenn 10 mal so viele Windmühlen wie heute gebaut worden wären, würde der Windstrom an vielen Tagen und vor allem Nächten nicht ausreichen. Andererseits wäre bei Starkwind der erzeugte Stromüberschuß wertlos, weil Strom in großen Mengen nicht gespeichert werden kann.
    Fazit: ohne konventionelle Kraftwerke ist eine sichere Stromversorgung nicht zu machen. Wind- und Sonnenstrom sind ein mittlerweile über 20 Milliarden Euro (pro Jahr!!) teures Wohlstandshobby verantwortungsloser PolitikerInnen, die nicht rechnen können und keine Ahnung von Naturgesetzen und Technik haben, die nicht wissen, was Grundlast, Mittellast und Spitzenlast überhaupt bedeuten und wie sie gedeckt werden können.
    Die Energiewende ist aus Faktenresistenz und Wunschdenken geboren und zum Milliardengrab geworden.
    Abschließend ein Zitat: „Nur in der Liebe, in der Religion und in der Politik ist es möglich, über längere Zeit Wunschträumen nachzuhängen.“ (Thilo Sarrazin)
  • Zigarettenstummel

    10.06.2016, Fensterputzer
    Ganz tolle Idee. Ich habe es nur andersrum gemacht. Ich habe die Zigarrettensummel ganz weggelassen und mit dem Rauchen aufgehört, das Geld gespart und die Umwelt geschont, unbelastete Ziegel gekauft und damit ein Haus gebaut, das den Baugesetzen entspricht.
  • Wie kann man nur so dumm sein?

    10.06.2016, Manfred
    Dass Zigarettenstummel Giftstoffe enthalten ist den Herren Wissenschaftlern mal wieder nicht aufgefallen? Sogar ein paar Zeilen weiter unten steht, wie gefährlich sogar Staub mit Rauchrückständen ist

    Krebsforschung | Rauchrückstände im Hausstaub: Krebs aus dritter Hand
    http://www.spektrum.de/news/rauchrueckstaende-im-hausstaub-krebs-aus-dritter-hand/1301054

    Was ist nur aus der Wissenschaft geworden?
  • Bitte lesen

    09.06.2016, Rokin
    Kann es sein, dass Überschrift und Intro von jemandem geschrieben wurden, der den Text nicht wirklich gelesen hat? "Aus dem Boden entfernen" und "von den Pflanzen fernhalten" ist doch etwas anderes als das auch schon gute "aus den Pflanzen fernhalten". Oder sollte es einfach reißerisch sein? Gute Redaktion wäre gut.
    Antwort der Redaktion:
    Danke für den Hinweis.
  • Süße Heilung

    09.06.2016, Jörg Michael, Hannover
    Heilen mit kalten Plasmen ist eine unerwartete Anwendung. Ich habe keinerlei Zweifel, dass diese Behandlungsform zumindest in der Krebstherapie eine interessante Nischenanwendung darstellt. Um den Nutzen einer Behandlungsform zu ermitteln, sollte man diese aber "korrekterweise" nicht mit einer Nichtbehandlung vergleichen, sondern mit vorhandenen Alternativen. Das gilt ganz besonders für das im Untertitel erwähnte Desinfizieren von Wunden. Vor zirka zehn Jahren habe ich in der Zeitschrift "New Scientist" einen Artikel über Wundbehandlung mit Hilfe von Honig oder Zucker gelesen. In einem Fall konnte damit sogar eine Amputation verhindert werden. In einer gesättigten Zuckerlösung überleben (fast) keine Bakterien (Funktionsprinzip von Marmelade). Die Anwendung ist simpel: Einfach auf die Wunde auftragen und trocknen lassen. Der Zucker desinfiziert zuerst die Wunde und bildet nach dem Trocknen einen Wundverschluss. Innerhalb von drei oder vier Tagen geht die Zuckerkruste in eine normale Borke über. Die Wundheilung wird ebenfalls deutlich beschleunigt, bei gleichzeitiger Minimierung der Narbenbildung. Zucker ist in fast jedem Haushalt quasi kostenlos verfügbar. Solange es nur ums Desinfizieren von Wunden geht, stellt sich daher die Frage: Warum Hightech, wenn es auch einfach geht? Nach einer Plasmabehandlung ist die Wunde weiterhin offen. In Bezug auf Krebstherapie stellt sich daher auch die Frage: Haben die Autoren schon einmal darüber nachgedacht, ihre Methode mit anderen Verfahren zu kombinieren?
  • Warum Erneuerbare Energien weiter ausgebaut werden müssen

    08.06.2016, Peter Silberg
    Lieber Herr Dr. Epple, was das Ziel (Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen) angeht, sind wir gar nicht weit von einander entfernt. Und ich stimme Ihnen auch zu, dass wir Menschen über unsere - natürlichen - Verhältnisse leben und durch unsere ressourcenfressende Lebensweise unsere Lebensgrundlagen zerstört. Doch hegen Sie wirklich die Hoffnung, die Mitmenschen in Deutschland, Europa und weltweit in absehbarer Zeit von einer ressourcenschonenden Lebensweise überzeugen zu können? Wie sehr ich mir das wünschen würde, doch allein es fehlt der Glaube.
    Schauen Sie sich doch um: Es wird immer mehr Auto gefahren, dabei werden immer mehr schwere , schnelle und verbrauchsintensive PKW gekauft. Etwas überspitzt gesagt: Die Menschen wollen in Urlaub fliegen, TV sehen und möglichst den ganzen Winter über grillen.
    Die Natur interessiert nur am Rande, es wird ja Müll getrennt. Mit der Bahn oder dem Rad fahren? Zu unkomfortabel! Das Essen kommt aus dem Supermarkt und muss möglichst günstig sein.
    All das deutet darauf hin, dass der Suffizienzansatz sich leider nicht in absehbarer Zeit durchsetzen wird. Wahrscheinlich werden noch einige Effizienzzuwächse zu verzeichnen sein, das war es dann aber auch schon. Elektromobilität und der vermehrte Einsatz von Wärmepumpen werden den elektrischen Verbrauch in Deutschland nach Oben treiben. Also, was ist die Alternative? Auf das Einsehen der Mitmenschen hoffen? Dann kann ich gleich auf die Karte Kernfusion setzen. Nein, um die Natur vor den schädlichen Auswirkungen fossiler Kraftwerke (Stickoxide, Quecksilber, Feinstaub, Kohlendioxid, etc.) bzw. Kernkraftwerke zu bewahren hat die Menschheit auf absehbare Zeit keine Alternative zu den Erneuerbaren Energien. Selbst wenn sich die weltweite Erwärmung - wider Erwartung - in Grenzen (< 1,5 Grad) halten sollte, so ist die Versauerung der Ozeane ein globales Problem, das nicht nur Auswirkungen auf das Ökosystem Meer haben wird sondern darüber hinaus die Ernährungsgrundlage von zig Millionen Menschen in Frage stellen wird. Das nenne ich ein ethisches Problem. Und Sie als Biologe sollten auch wissen, dass die Möglichkeit zur evolutionären Anpassung von der Änderungsgeschwindigkeit der Rahmenbedingungen abhängig ist. Der gegenwärtig beobachtete Anstieg der globalen Mitteltemperatur ist historisch einmalig. Es steht somit zu befürchten, dass viele Arten sich nicht schnell genug an die geänderten Rahmenbedingungen anpassen werden können. Schon aus Gründen der Vorsorge und der Verantwortung für nachfolgende Generationen und für Menschen in den nicht privilegierten Ländern muss daher möglichst schnell auf Erneuerbare Energien umgestellt werden. Niemand behauptet, dass die Stromerzeugung mit Windkraftanlagen ohne Auswirkungen auf die Umwelt ist. Sie scheint mir jedoch eindeutig das kleinere Übel. (Und Windkraftanlagen lassen sich grundsätzlich nach 20 Jahren wieder zurückbauen, wenn alternative Lösungen gefunden wurden.)
    Noch eine Anmerkung:
    Sie sind in die Diskussion eingestiegen mit dem Argument, dass Erneuerbare Energien nicht grundlastfähig seien. Dieses halbgare Argument wir oft gebraucht, um Erneuerbare Energien unter technischen Gesichtspunkten zu diskreditieren.
    Ihre Hauptmotivation, warum Sie gegen den weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien sind, scheint jedoch zu sein, dass Sie vom Windkraftausbau persönlich betroffen sind. Das lässt sich gut nachvollziehen (ich wohne in einer Einflugschneise eines Flughafens). Nichts desto trotz ist die von Ihnen aufgezeigte Alternative - leider - nicht mehr aus Wunschdenken.
  • Homo perfectus!

    08.06.2016, Jörg "Yadgar" Bleimann
    Wir werden Maschinen sein - chromglänzend, stromlinienförmig, hypereffizient und unsterblich!
  • Hoffnung für Prosopagnostiker?

    08.06.2016, Karin Vogler
    Wenn tatsächlich keine spezielle Hirnregion zum Gesichtererkennen notwendig ist, wäre das nicht ein neuer Ansatzpunkt für die Prosopagnosieforschung bei Menschen und damit eine Hoffnung für von Prosopagnosie Betroffene? Sicher mag der Bogen vom Fisch zum Menschen etwas weit gespannt sein, aber in der Bionik hat man in den letzten Jahren schon so manches möglich machen können.
    Antwort der Redaktion:
    Hallo Frau Vogler,

    das kann ich leider überhaupt nicht beantworten. In der Veröffentlichung geht es um Grundlagenforschung zur Wahrnehmung, deswegen gehen da solche Medizinischen Aspekte nicht ein.
  • Geografie und Zutaten für Schwergewitter

    08.06.2016, Bernold Feuerstein
    Kleine Anmerkung zur unterschiedlichen Klimatologie USA vs. Europa. Es sind weniger die weiten Ebenen, auf denen unterschiedliche Luftmassen "kollidieren", sondern die vertikale Überlagerung zweier Luftmassen subtropischen Ursprungs. In den USA sind dies bodennah feuchtwarme Luft aus Süden vom Golf von Mexico und darüber trocken-heiße Wüstenluft aus den Hochländern im Südwesten, die trockenadiabatisch durchgeheizt ist und damit den maximalen vertikalen Temperaturgradienten aufweist ("elevated mixed layer" = EML) - das ist die Zutat für eine sehr feuchtlabile Luftmasse. Dazwischen dann noch eine leichte Inversion, welche allzu verbreitete Gewitter zunächst unterdrückt, welche sich gegenseitig stören würden - dass is die typische "loaded gun". Dann die erwähnte Scherung und am Ende noch einen Auslöser.

    Für die Scherung hilft wiederum das N-S-Gebirge im W, welches den Jetstream spaltet und den südlichen Ast über die "Alley" lenkt. Fronten sind bei der ganzen Geschichte eher sekundär - sie helfen als Hebungsantrieb für die Auslösung. Das kann aber auch eine Dryline eine Konvergenz oder eine "outflow boundary" aus ehemaligen Gewittern (tw. vom Vortag) sein. Viele tornadische Superzellen entstehen im Warmsektor eines Tiefs und nicht unbedingt direkt an einer Front. Diese ganze Geschichte läuft unter "zutatenbasierte Gewittertheorie", welche die simple Unterscheidung "Frontgewitter" und "Wärmegewitter" nicht kennt.

    In Europa treffen die besagten Zutaten in der erwähnten "Alley" am ehesten zusammen, wobei der EML aus Nordafrika und dem Atlasgebirge seinen Weg meist über die iberische Halbinsel zu uns findet ("Spanish plume"). Die feuchte Grundschicht hat es in der Tat etwas schwieriger wegen der Barriere der Hochgebirge nördlich des Mittelmeers. Man darf aber auch die Evapotranspiration (Verdunstung) vor Ort nicht unterschätzen und gerade im westlichen Mitteleuropa (Benelux) finden sich im Sommer ganz ordentliche Taupunkte. Die Scherung ist tendenziell weiter nördlich ausgepräger - dort wird aber gern stabilisierende kühlere Atlantikluft eingemischt, welche Gewitter unterdrückt. Daher sind Kaltfronten manchmal regelrechte Gewittertöter (übrigens auch in den USA).
  • Scharfschütze

    08.06.2016, Thomas Pruß
    Die Ergebnisse der Untersuchungen überraschen nicht wirklich. Schützenfische müssen schließlich auch unterscheiden können, ob das Ziel ein fressbares oder giftiges Insekt und ob es überhaupt eine mögliche Beute darstellt. In älteren Untersuchungen konnte man feststellen, dass sie durchaus zwischen Beute und Beute-Atrappe unterscheiden können (Wikipedia: Thomas Schlegel, Christine J. Schmid, Stefan Schuster: Archerfish shots are evolutionarily matched to prey adhesion. In: Current Biology. Band 16, Nr. 19, 10. Oktober 2006, S. R836–R837). Bei so viel Differenzierungsvermögen sollten sie auch menschliche Gesichter unterscheiden können. Das ist aber nur ein Nebeneffekt in der evolutionären Entwicklung der Schützenfische zu "Scharfschützen".
    Btw.: Schützenfische können nicht nur wenige Zentimeter groß werden sondern erreichen durchaus Größen von und über 20 cm.
  • Wie lange

    08.06.2016, Liane Mayer
    bleibt denn die Verfärbung erhalten?
    Immerhin ist Eisen schwerer als Wasserstoff.
    Daher ist anzunehmen, dass die frisch geschluckten Eisenmengen allmählich ins Zentrum der betreffenden Sonne absinken. Wie lange dauert dieser Prozess?
    Weiter stellt sich die Frage, ob nach erfolgtem Absinken noch ein Unterschied gegenüber einer nicht - geschluckt - habenden Sonne zu sehen ist und wenn ja, welcher. Gibt es dazu Erkenntnisse oder begründete Vermutungen?
    Antwort der Redaktion:
    Dazu gibt es bislang noch keine Daten, meines Wissens. Es handelte sich um eine Simulation, was passieren würde, aber leider nicht, wie lange der Effekt anhält.

    Daniel Lingenhöhl
    Spektrum.de
  • Notwendige Spitzenforschung

    07.06.2016, Dr.Ingo Ossendorff
    Gedanklich aus dem letzten Jahrhundert ist diese Technologie unverzichtbar,
    um den enormen Energiehunger einer fortschrittlichen Erdbevölkerung zu decken.
    Zur Zeit leben zwei Drittel der Menschheit auf niederem Niveau, die innerhalb
    von wenigen Generationen die volle Teilhabe verlangen werden. Dann langen
    Windmühlen und Kollektoren bei weitem nicht mehr um die komplexer gewordene
    Lebenswirklichkeit zu gestalten.
  • Skepsis, Alternativlosigkeit und der ethische Impact der Energiewende

    07.06.2016, Dr. rer.nat. Wolfgang Epple
    Die Frage nach der Alternative musste ja kommen. Ich beantworte sie unten. Vorweg: Eine Wende, auch eine Energiewende ist alternativlos. Und noch einmal der Kunstgriff diffuser Gleichsetzung durch Herrn Silberg: Wer die Zerstörung unserer letzten halbwegs intakten Naturlandschaften durch die Windkraftindustrie mit Skepsis sieht, der muss ja entweder von der Atomlobby oder der Kohleindustrie gesteuert sein, oder er ist ein ewig Gestriger mit Trauma und "German Angst".

    Nur zur Vollständigkeit, anlässlich solch typischer Belehrungen: Ich (Jahrgang 1953) gehöre zum Urgestein der Skepsis- und Widerstands-Bewegung gegen die Atomenergie und bin deshalb - aus verantwortungsethischen Gründen - Verfechter erneuerbarer Energien und insgesamt der "Dekarbonisierung" unseres Lebensstils. Ich habe in "Erneurbare" mehrere zigtausend Euro in eine Photovoltaik-Anlage, verbunden mit Thermosolar, investiert, konkret zur autarken Versorgung eines Anwesens. Soviel zur Unterstellung der Technikfeindlichkeit eines Droschkenfahrers und der "German Angst" - auch dies dürftige und abgedroschene Allgemeinplätze, die sich bei der fanatischen Verteidigung der völlig aus dem Ruder laufenden "Energiewende" ständig gegen Kritiker und Skeptiker wiederholen.

    Die entscheidende Alternative zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen ist die bewusste, fundierte und gut vorbereitete Änderung unseres (kollektiven) Lebensstils, insbesondere die Verkleinerung des in den westlichen Ländern um ein vielfaches zu hohen "ökologischen Fußabdruckes". Dies, und nicht der von mir kritisierte Energiewende-Aktionismus ist alternativlos, wollen wir diesen Planeten lebensfähig und lebenswert halten, und zwar nicht nur für den Menschen, sondern die gesamte uns begleitende, ernährende und evolutiv hervorgebracht habende Biosphäre in all ihrer Vielfalt. Dazu gehört selbstverständlich die Aufbietung aller Kraft, um vom "Leben auf Pump", zu dem unter anderem das Verbrennen von fossilen oder nicht erneuerbaren atomaren Energieträgern gehört, wegzukommen. Nicht nur unsere Energieversorgung, sondern unser gesamter Lebensstil einschließlich der Ernährungsindustrie lebt im Sinne einer Scheintragfähigkeit der von uns okkupierten Flächen von nicht erneuerbaren Rohstoffen und künstlich erzeugten Fremdmitteln.
    Nicht zur Zukunftgerichtetheit gehört aber, dass die politisch korrekten Protagonisten dieser "Energiewende" glauben machen wollen, wir könnten ohne Hinterfragen der Wachstum-Mainstream-Ökonomie im Glauben an "Fortschritt" und Wirtschaftswachstum (der insgesamt gefährlichste aller bisherigen Mythen, die die Menschheit in ihrer Geschichte bisher pflegt) die Natur durch ihre weitere Technisierung und Industrialisierung retten.
    Da ist der nicht funktionierende Emissionshandel (hier stimmen wir wohl überein) nur eine Facette einer Denk-Fehlentwicklung, die in einen viel größeren Irrtum-Zusammenhang eingebettet ist. Die in ihren Ansprüchen an den Planeten und auch zahlenmäßig überbordende Menschheit macht - und hierfür ist diese sogenannte "Energiewende" bedrückendes Beispiel - ihre Rechnung weiterhin in großem Stil ohne den Wirt, die "Natur". Die Natur durch ihre Industrialisierung retten zu wollen ist ein Widerspruch in sich. Der Glaube daran ist ein Irrglaube.

    Skepsis gegen für Kollateralschäden blinden Aktionismus (speziell, aber nicht nur der Windkraftindustrie) als Maschinenstürmerei zu diffamieren, ist beileibe nicht überzeugend. In der Tat: Viele Menschen, die vor Ort und hautnah mit den Kollateralschäden der Windkraftindustrie konfrontiert sind, die zusammengefasst mit einer umfassenden Schädigung der Habitate, auch der des Menschen, beschrieben werden können, erleben so etwas wie ein "Trauma". Um durch die Beschädigung der Umwelt traumatisiert zu sein, bedarf es eines Mindestmaßes an Empathie, das über den Horizont des persönlichen Umkreises und den engen Horizont der ethisch anthropozentrischen Umhüllung hinausführt. Dass inzwischen der Artenschutz und selbst die Gesundheitsvorsorge für die Menschen als "Hindernis" der Energiewende weggeräumt werden, zeigt die konkreten Auswüchse einer engstirnig ausgerichteten "Problembehandlung" innerhalb der "Energiewende".

    Dort, bei der Hinterfragung des Anthropozentrismus, allerdings würde der hier angebrachte Diskurs erst beginnen, der der ethischen Frage nach gehen müsste, was dem Menschen im Rahmen seiner Technik-Gläubigkeit, seines "Energiehungers" und seiner Hybris erlaubt ist. Einen solchen Diskurs wünscht man sich frei von Diffamierung und diffuser Unterstellung. Er müsste schließlich - ein Kennzeichen der Verantwortung, die in der von uns überschaubaren Welt nur der Mensch tragen kann - auch im Namen der gegen Eingriffe in ihr Lebensrecht Wehrlosen ohne Herabwürdigung dieses nicht-anthropozentrischen Standpunktes geführt werden dürfen.
  • Überirdisch ...

    06.06.2016, PDP10
    Zitat aus dem Artikel:
    "Anfang Mai etwa hatte sich ein Wiesel in eine überirdische Trafostation geschlichen[..]"

    Der LHC mag in gewissem Lichte sicher etwas "überirdisches" haben. Eine schnöde Trafostation so zu bezeichnen ist allerdings vielleicht ein wenig übertrieben. :-)

    Trotzdem ein sehr schöner Überblick. Danke dafür.