Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Bio-Ethanol oder Brot??

    06.01.2011, Rolf Schauder, Frankfurt
    Herr Brzoska merkt in seinem Leserbrief an:
    "Von 100 Kilogramm Weizen kann ich 100 Kilogramm Brot backen - oder 28 Liter Sprit gewinnen"

    Ich möchte diese Aussage nicht unkommentiert stehen lassen. Ich bin mir der Problematik Tank oder Teller durchaus bewusst. Aber falsche oder nicht nachvollziehbare Aussagen helfen in dieser Diskussion wenig.

    Die obige Aussage ist in mehreren Punkten ungenau:
    Aus 100 kg Weizen eines Feldes bekomme ich deutlich weniger Masse an Weizenkörnern. Aus 100 kg Weizenkörnern bekomme ich keine 100 kg Weizenmehl. Aus 100 kg Weizenmehl dagegen bekomme ich mehr als 100 kg Weizenbrot. Die genauen Zahlen weiß ich leider nicht.

    Andererseits ist auch nicht ersichtlich, wie die Dame vom WWF auf die 28 Liter Sprit kommt. Bezieht sie sich hier auf 100 kg Weizenkörner, oder auf 100 kg Weizen (einschließlich des Rests der Pflanze)? Eine Biogasanlage sollte die ganze Pflanze zu Ethanol (und anderen Nebenprodukten) umsetzen, und nicht mit Weizenkörnern gefüttert werden.

    Ich möchte meine Mail als Anstoß verstanden sehen, sinnvoll und nachvollziehbar zu argumentieren.
  • Altes Kreuz mit "alten Gewissheiten"

    05.01.2011, 50259 Pulheim
    Mit Schmunzeln habe ich den ersten Absatz des Artikels gelesen. Er erinnerte mich an einen Satz im Vorwort zur 1. Auflage von WALTER NERNST "Theoretische Chemie". Dort schreibt W.NERNST 1883:
    "Ich glaube überhaupt, daß gegenwärtig eine Epoche der ruhigen, aber erfolgreichen Ausarbeitung für die physikalisch-chemischen Forscher gekommen ist; die Ideen sind nicht nur vorhanden, sondern auch bis zu einem gewissen Abschlusse gereift."
    Der geneigte Leser möge sich die Entwicklung in den Jahrzehnten nach 1883 vor Augen führen!

    Burkhard Carlsohn
    Antwort der Redaktion:
    Darin spiegelt sich das Selbstvertrauen jener Zeit wider. Berühmt ist das Beispiel von Max Planck, dem mit dem gleichen Argument vom Physikstudium abgeraten wurde. Heutzutäge wäre man mit einer solchen Einschätzung sicher vorsichtiger.
  • Mehr Dynamik!

    05.01.2011, Peter Bützer, Altstätten
    Die Kernaussagen zu „Chemie am Scheideweg“ von Lars Fischer sind treffend formuliert. Viele neue Erkenntnisse haben das Gesamtbild stark verändert, aber auch neue Methoden lassen neue Einsichten zu, sie sollten schon in der Chemie-Grundausbildung besser eingebaut werden. Die meisten Chemie-Lehrbücher, die nicht einmal 10% des Inhalts der Dynamik von chemischen Reaktionen widmen, hinterlassen einen verstaubten Eindruck. Die Entwicklungen von Computern und Software ermöglichen einfache Zugänge zur Messung und Interpretation von Reaktionsgeschwindigkeiten, sogar bei komplexen Systemen. Im Alltag werden die Fragen nach den Geschwindigkeiten als wichtig empfunden, von der Verdauung, dem Stoffwechsel, der Wirkung von Doping, der Beständigkeit von Werkstoffen, dem Abbau von Schadstoffen, Auf- und Abbau des Ozonlochs, der Produktionsgeschwindigkeit von Rohstoffen, ja sogar dem chemischen Teil der ganzen Treibhausproblematik. Ein verstärkter Trend der Chemie in Richtung Dynamik wäre somit nicht nur sinnvoll, sondern auch spannend. Solange die Zunahme der Reaktionsgeschwindigkeit für den Abbau der Schadstoffe beim Autokatalysator nicht quantitativ diskutiert wird oder chemische Gleichgewichte ohne die Geschwindigkeit der Gleichgewichtseinstellung behandelt werden, fehlt dem chemischen Verständnis ein wichtiger und spannender Teil. Die Dynamik bestimmt nicht nur unser Leben, den Wandel unserer Gesellschaft und der Umwelt, sie muss viel besser in die Aussagen der Chemie eingebaut werden – meine These für das Jahr der Chemie.
  • Wirtschaftlich und ökologisch unzumutbar

    04.01.2011, Angela M. Sturm aus Eicherloh bei München
    Nach dem Lesen des Artikels werde ich einer der Autofahrer sein, die kein Super E10 tanken werden.
    Ich riskiere zum einen nicht, dass mein Auto durch radikale Stoffe vorzeitig Motorteile und -schläuche benötigt und
    zum anderen will ich nicht mitschuldig sein, wenn unser ökologisches System noch mehr leiden muss und durch falschen Anbau auch noch Lebensmittel teurer werden.
    Ich frage mich langsam, wer denn behördlich solche Genehmigungen prüft?
  • Potenzen von Vektoren – ein systematischer Ansatz

    04.01.2011, Norbert Endres, München
    Aus vielleicht ähnlichen Motiven wie Frau Baumgartner haben Martin Leischner und ich uns vor mehr als 15 Jahren der Frage zugewandt, inwieweit sich der quadratische Iterationsprozess x -> x2 +c und Potenziterationsprozesse x -> xn + c verallgemeinern lassen. Dies ist unter Zuhilfenahme gewisser Sesquilinearformen in einem sehr weiten Rahmen möglich, jedenfalls über beliebig hoch-(endlich-)dimensionalen reellen und komplexen Vektorräumen. Diese Verallgemeinerungen setzen die üblicherweise betrachteten Iterationsprozesse und die ihnen zu Grunde liegenden Potenzbildungen in den reellen Zahlen, den komplexen Zahlen, den Quaternionen und Oktonionen in kanonischer Weise fort. Vielleicht werden damit auch durch Potenzreihen zu definierende Funktionen und daraus hervorgehende Iterationsprozesse über endlichdimensionalen reellen und komplexen Vektorräumen sinnvoll greifbar und einer Untersuchung zugänglich; siehe unsere Arbeit

    N. Endres, M. Leischner; Powers and iteration processes on modules; Demonstratio Mathematica, 27 (1994), 427-447 (hier eine aktualisierte und um Bilder bereicherte Version).

    Eine große Schar derartiger Potenziterationsprozesse über komplexen Vektorräumen ist durch eine komplex 2-dimensionale, also reell 4-dimensionale Figur beschreibbar.

  • Prähistorischer Kleber

    04.01.2011, Gerhard Struhal, Wien
    Als weitere Kulturleistung unserer Vorfahren in Südafrika ist deren Fähigkeit anzuführen, Speerspitzen mittels Klebstoff am Schaft zu befestigen. Lyn Wadeley (Witwatersrand, Johannesburg) hat durch Reste an Artefakten aus der Sibudu-Höhle nachgewiesen, dass Homo sapiens vor etwa 70 000 Jahren einen Mehrkomponentenkleber entwickelt hat (Gummiharz der Schrecklichen Akazie, Hämatit (= Ocker), Knochen eines ganz bestimmten Mischungsverhältnisses unter ganz bestimmten Bedingungen). Derartiges setzt komplexe kognitive Fähigkeiten voraus.
    Danach gibt es eine Rückschritt und ein Wiederaufblühen vor etwa 45 000 Jahren (PNAS, 11.5.2009; Science 324, S. 1293).
  • Bio-Ethanol oder Brot?

    03.01.2011, Dr.phil.nat. Wolf Brzoska, Ehingen /Donau
    Vor einiger Zeit hat eine Vertreterin von WWF sehr griffig festgestellt: "Von 100 Kilogramm Weizen kann ich 100 Kilogramm Brot backen - oder 28 Liter Sprit gewinnen" , eine Menge, mit der einer der heute zur Hebung des Selbstbewusstseins notwendigen "Trans-Continental-Öko-Turbo-Allrad-Outdoor-Landcruisers" von Ulm nach Heidelberg fahren könnte. Der Titel "Öko-Wahnsinn" kann nicht treffender gewählt sein.
  • Vogel ist nicht gleich Zugvogel

    03.01.2011, Dr. T. Grassl, Lübeck
    Wenn sich vor 65 Millionen Jahren das Klima schlagartig, schneller als die evolutionäre Anpassung, geändert hat, sind die Auswirkungen auf stationäre Ökosysteme dramatisch. Der Autor legt schön dar, dass sich die Vögel in ihrem Körperbau und Speiseplan deutlich unterschieden, dadurch leiten sich aber auch andere Gewohnheiten und Flugvoraussetzungen ab. Auf die Frage "Warum überlebte genau eine Art Vögel, z.B. Enten (besonders gut)?" fällt nicht nur deren vielseitiger Speiseplan ins Gewicht, sondern auch die Möglichkeit, kurzfristige extremere Schwankungen (z. B. jahreszeitliche wie heute auch) als Zugvögel zu bewältigen.
  • Weniger Fleisch essen

    03.01.2011, Gerd Zelck, Seevetal
    Durch den ausgezeichneten Artikel "Welche Rechte haben Tiere?" von Jörg Luy in der Ausgabe Dezember 2010, ergänzt durch den Editorial-Beitrag "Warum wollen wir Tiere schützen?" vom Chefredakteur Reinhard Breuer, sind mir meine Vorbehalte gegenüber der quälerischen Massentierhaltung erst so richtig bewusst und begründbar geworden. Da nicht religiös, folge ich hier der Regel 1 des Sittengesetzes: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füge keinem anderen zu."

    Gleich wie Bär, Hund und auch (!) der Schimpanse, gehört der Mensch zu den Allesfressern, und ich sehe keinen sachlichen Grund dafür, auf Fleisch und im Extremfall sogar auf tierische Produkte ganz zu verzichten. Auch sehe ich kein sachliches Argument, das dagegen spricht, hierfür Haustiere zu halten. Für die Dauer ihres Lebens sollte aber alles so geschehen, dass die Tiere entsprechend ihrer Art sich wohlfühlen und auch bis zum Eintritt ihres zweckbestimmten Todes keinem Stress ausgesetzt werden.
    Bei entsprechenden Diskussionen wird mir regelmäßig das Argument vorgehalten, dass dadurch die betroffenen Nahrungsmittel teurer würden und hierbei insbesondere arme und einkommensschwache Menschen getroffen würden. "Na und?", kann ich da nur entgegnen, "dann soll weniger Fleisch gegessen werden." Ein- bis zweimal die Woche als Hauptgericht genügt durchaus, wirkt der Fettleibigkeit entgegen und ist dabei auch aus anderen Gründen noch gesünder.
  • Wo ist die Liste?

    01.01.2011,
    Ein Link zu der Seite wäre ganz hilfreich.
    Antwort der Redaktion:
    Eigentlich veröffentlichen wir keine anonymen Leserbriefe. Da die Frage allerdings berechtigt ist, wird hiermit der Link nachgereicht:

    http://theplantlist.org

  • Warum sollte nur die Erde hohl sein?

    29.12.2010, Jens W. Hafner
    Die Hohlwelttheorie hat zweifelsohne einen ganz besonderen Charme, ist sie doch, begegnet man ihr zum ersten Mal, ein echtes Aha-Erlebnis in Bezug auf die eigene geistige Trägheit, wenn es um Grundsätzliches geht. Ich habe tatsächlich bei meiner Erstbegegnung mit dieser Theorie einen gehörigen Schreck bekommen, versuchte mich brav in dieses neue Weltbild probeweise einzufühlen und kam für einige Tage in eine ganz neue Form von Stress, als mir zwischendurch immer wieder bewusst wurde, WIE anders plötzlich alles wäre – obwohl sich in der Welt um mich herum doch gar nichts verändert hatte. Außer eben meiner Sichtweise derselben.
    Schwindelerregende Sache also, dieses angestrengte Weltbild-Bedenken….
    Aber zum Glück fiel mir schnell ein gutes Gegenargument zu dieser (ver-)störenden Theorie ein: Warum sollten die um die Innenwelt-Sonne kreisenden Planeten alle Kugeln mit Außenfläche sein, während die Erde eine Hohlkugel ist? Im Sinne einer “planetaren Gleichberechtigung” und mit Hilfe von Occams Razor sollte auch die Erde eine Außenflächen-Kugel sein, da man ansonsten annehmen müsste, auch Venus, Mars und Konsorten wären innen hohl und kleine Kosmen mit eigener Sonne etc. - und dafür wäre nun wirklich zu wenig Platz, alles in allem! Zudem: Die Cluster-Theorie unseres Weltall-Modells ist ebenso “biologisch-freundlich” wie das von seinen Anhängern als solches proklamierte Hohlweltmodell.
    Nun, seit mir also einige Gegenargumente zugefallen sind, kann ich wieder ruhiger schlafen, unbesorgter denken und vor allem freier durchschnaufen, habe ich doch mit dem vertrauten alten Modell - wieder und nun noch ein wenig berechtigter - unendlich viel Raum über mir.
    Und nicht nur ein paar zugestopfte Hohlkugel-Kilometer…
  • Elegant aus demokratischer Kontrolle heraushalten

    29.12.2010, Dr. jur. Karl Ulrich Voss, Burscheid
    Es ist nicht ungewöhnlich, dass Machthaber Kriegshandlungen entformalisieren, camouflieren oder distanzieren. So können Sie sie elegant aus der rechtlichen oder öffentlichen bzw. demokratischen Kontrolle heraushalten, können die auf Dauer verräterische Schmerzleitung weitestgehend kappen. So dienen fernwirkende oder automatisierte Waffen, Söldnersysteme, das so genannte targeting/decapitating und der Verzicht auf Kriegserklärungen damit ähnlichen Interessen, sind aber alle ähnlich kurzsichtig. Schon Kant brandmarkte in seiner hellsichtigen Schrift "Zum ewigen Frieden" alle Feindseligkeiten, die ohnmächtigen Hass schüren und das wechselseitige Vertrauen in einem künftigen Frieden unmöglich machen, als "ehrlose Stratagemen", etwa auch die Anstellung von Meuchelmördern. Heute müsste er konsequenterweise die Drohnen einbeziehen. Kurzsichtig sind alle diese Strategien, weil der mit einem ähnlichen Denkapparat gesegnete Gegner nur neue Wege ersinnen muss und wird, um die Kriegswirkung seinerseits wieder zurück zum Volk, zum eigentlichen Ressourcengeber zu tragen, etwa durch Terrorismus. Spanien war ein Beispiel.

    Kant gab den entgegengesetzten Fingerzeig, indem entweder das Volk unmittelbar über die Kriegshandlungen entscheiden sollte oder er - mit einem Augenzwinkern - die Rückkehr zum guten alten Zweikampf der Häuptlinge empfahl, wo Plan, Ausführung und rückkoppelndes Schmerzempfinden ohne jeglichen Signalverlust oder Irrtum in einer Person zusammen fallen, wo verheerende und endlose Waffengänge dann per definitionem ausgeschlossen sind.

    Quelle:
    Immanuel Kant, Zum Ewigen Frieden, 2. Aufl. 1796:
    • ehrlose Stratagemen: Präliminar-Artikel Nr. 6 (Reclam-Ausgabe v. 1984, S. 7)
    • Beistimmung der Bürger zur Kriegserklärung: erster Definitiv-Artikel (Reclam S. 12f)
    • Zweikampf: zweiter Definitiv-Artikel, bei und in der Fußnote (Reclam S. 16f)

    Siehe auch Zum ewigen Frieden in der wikipedia m.w.N.
  • Preissteigerung

    28.12.2010, Anna Radack, Eisenberg/Thür., Klosterlausnitzerstr. 24
    Die Folge dieses neuerlichen Exsudats des Brüsseler und Berliner Geschwürs wird sein, dass der Preis für das "normale" Super steigt, um E 10 attraktiver zu machen. Bei aller Unbedarftheit der Brüsseler und Berliner Beamten - sie werden sich schon denken können, dass für E 10 ein Kaufstreit droht. Aber erstens rechnen sie langfristig mit dem Geiz der Leute und zweitens wird der höhere Preis des "normalen" Super dafür sorgen, dass weniger Auto gefahren wird. Das eine ein direkter Erfolg, das andere ein indirekter Erfolg der Ökofanatiker.
  • Keine Hilfe für den Klimaschutz

    28.12.2010, Dr. Peter Klamser
    Natürlich kann man durch technische Maßnahmen, wie dem Waschen der Luft mit einem basischen flüssigen Medium (z.B. Ammoniak und Kochsalz als ersten Schritt des Solvayprozesses zur Sodaherstellung oder Kaliumhydroxid, um ganz einfach wertvolle Pottasche herzustellen oder Lithiumhydroxid ist eine bewährte Waschflüssigkeit Kohlendioxid) und der Regenration des Mediums und der dann folgenden langzeitsicheren, nachsorgefreien und vollständigen Isolation des Kohlendioxids von der Biosphäre dieses aus der Atmosphäre entfernen.

    Ob das jemals sinnvoll und dabei vor allem bezahlbar sein wird, ist aber eine ganz andere Frage.

    Die ersten Schritte sind, wie in dem Beitrag erwähnt, lange bewährte industrielle Praxis und werden in Verbindung mit der Verwendung von
    + natürlichem Kohlendioxid aus geologischen Quellen in vulkanischen Regionen (z.B. Bad Hönningen) oder
    + Kohlendioxid aus technischen Quellen angewandt.

    Der Gesamtbedarf an Kohlendioxid für die Karbonatindustrie in Deutschland liegt weit über 800 000 t/Jahr, (~7 Mio. t/Jahr in Europa und weltweit bei über 30 Mio. t/Jahr) wie in dem Beitrag dargestellt. Allein die Sodaproduktion in Deutschland liegt über 2 Mio. t/Jahr, wobei 66 % Kohlendioxid in dieser Menge gebunden sind. In Pottasche wird ebenfalls Karbonat gebunden. Das ist aber keine Lösung für den Klimaschutz, da im Lebenszyklus das Kohlendioxid zumindest teilweise wieder freigesetzt und somit nicht langfristig aus der Atmosphäre ferngehalten wird. Insofern dient eine wirtschaftliche Nebennutzung nicht dem Klimaschutz.

    Für die Kohlendioxidspeicherung sind im Hinblick auf eine vollständige und langfristige Isolation von der Biosphäre nur in wenige geologische Formationen geeignet, weswegen man eher die Entstehung von Kohlendioxid vermeiden sollte, bzw. ein deutlich preiswertes Verfahren zur Entfernung aus der Biosphäre gewählt werden sollte. Die salinaren Aquifere gehören wahrscheinlich oft nicht dazu, da eine Verdrängung von salzigem Formationswasser in obere Grundwasserstockwerke meistens nicht ausgeschlossen werden kann. Auch ist es fraglich, ob tektonische Elemente das Aufsteigen von kohlendioxidhaltigem Salzwasser begünstigen, wodurch für Grundstückseigentümer ein Abwehranspruch entstehen könnte.

    Wahrscheinlich eignen sich allenfalls ehemalige Erdgaslagerstätten unterhalb des Zechsteins, da die Salzformationen mit ihren extrem niedrigen Permeabilitäten über geologische Zeiträume gezeigt haben, dass sie als Fallenstruktur für Erdgas ausreichend dicht sind. Diese sind von ihrem Aufnahmevermögen her aber begrenzt, so dass eine Nutzung über mehrere Generationen nicht möglich ist. Vor allem wird für den Transport und das Einpressen von Kohlendioxid in geologische Formationen viel Energie benötigt, so dass andere Verfahren gesucht werden sollten, die diese Nachteile umgehen.

    Bei CCTS ist der Transport ein großes Problem, das oft nicht betrachtet wird. Es müssen sehr große Mengen von Kohlendioxid mit großem Energieeinsatz bewegt werden. Kohlendioxid hat beim Transport eine hohe innere Reibung (die Viskosität von Kohlendioxid bei 20 °C und 100 bar ist sechsmal höher als die von Methan), zu deren Überwindung in Pipelines viel Energie eingesetzt werden muss. Das kann man in den USA in Beulah im Bundesstaat North Dakota sehen, wenn man nachvollzieht, wie dort aus Braunkohle erzeugtes Kohlendioxid über eine 330 km lange Pipeline mit viel Energie nach Weyburn in Saskatchewan in Kanada transportiert wird, um in einem dortigen Ölfeld den Lagerstättendruck zur Gewinnung des Restöls zu erhöhen (http://www.dakotagas.com/News_Center/News_About_Us/Case_Study_-_Great_Plains_Synf.html).

    Ob aber die Gesamtbilanz (einschließlich der Emissionen bei der Herstellung und dem Recycling der Apparatur und aus der Stromerzeugung) positiv ist, kann bezweifelt werden. Zumindest ist es sicher extrem teuer.

    Man hat aber vor allem das Problem, dass die Speicher sehr schnell gefüllt werden, da ein Mol Kohlendioxid die 3,6-fache molare Masse von einem Mol Kohlenstoff hat. Rechnet man die das Kohlendioxid hinzu, das erzeugt wird, um den Prozess zu unterhalten, wird die Kohlenstoffmenge mehr als vervierfacht, die gespeichert werden muss, um den Kohlenstoff aus dem Biozyklus zu entfernen. Das ist ein Kernproblem des Klimaschutzes durch „Carbon Capture, Transport and Storage“ (CCTS).

    Viel effektiver ist es aber auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten den Schritt zum Kohlendioxid zu vermeiden und stattdessen den Kohlenstoff aus der Biomasse der Biosphäre zu entziehen und direkt zu speichern, wodurch dem Klimaschutz in gleicher Weise gedient wird, denn es kann nicht mehr aerob zu Kohlendioxid oder anaerob zu Methan verstoffwechselt werden.

    Speichern lässt der Kohlenstoff sich als inerter Koks einfach in nicht mehr genutzten Hohlräumen wie alten Salzbergwerken und großen Tagebaurestlöchern. Nach einem ausreichend langen Verkokungsprozess ist Koks im Grunde amorpher Graphit mit inerten Verunreinigungen wie Silikaten und sonstigen Elementen, die durch die Trockendestillation nicht in die Gasphase überführt und damit aus der Biomasse entfernt werden konnten. Das schadet aber nicht. Koks
    + gast nicht mehr aus,
    + brennt, wie Graphit, sehr schlecht bzw. verlöscht wieder selbst, es sei denn, er wird in einem besonderen Koksofen verbrannt, der dafür sorgt, dass Sauerstoff mit einer großen Oberfläche reagieren kann.
    Wird der Koks allerdings zusätzlich noch aufgemahlen und danach verdichtet um die Porosität zu zerstören, dann ist er, wie Graphit, sehr dicht und passiv. Teilweise könnte der Koks z.B. als Adsorber vorher noch wirtschaftlich verwendet werden, wie es die vielfältige Anwendung von Aktivkohle heute zeigt. Das wäre nicht klimaschädlich, da der Graphit erhalten bleibt.

    Der Koks kann aus der Verkokung von Biomasse erzeugt werden. Die Herstellung von Steinkohlen- und Braunkohlenkoks ist ein langes erprobtes Verfahren und lässt sich auf Biomasse erweitern. Die vielfältigen flüchtigen Stoffe lassen sich dann wirtschaftlich verwerten. Das wird seit Jahrhunderten großindustriell im Ruhrgebiet, im Saarland und in Mitteldeutschland bei der Verkokung von Stein- und Braunkohle durchgeführt. Vorher können andere temperaturempfindliche Stoffe extrahiert werden, um diese einer wirtschaftlichen Verwertung zuzuführen.

    Die auf der Trockendestillation aufbauende Teerchemie wird heute noch großindustriell betrieben und leistet einen Deckungsbeitrag zur Finanzierung des Gesamtbetriebes.

    Der Koks lässt sich dann preiswert als Massengut in Ganzzügen (statt vier Zügen mit Kohlendioxid fährt nur noch einer mit gemahlenem Koks) zum Deponieort fahren und in die Kontur einbauen.

    Es ist schade, dass Verfahren entwickelt werden, ohne offenbar aus verschiedenen Varianten in einer Vorauswahl die Wirtschaftlichste, also das mit den niedrigsten Gesamtkosten pro Tonne Kohlenstoff) auszuwählen. Das ist heute das Kernproblem beim Klimaschutz. Es gibt viele Wege dorthin, leider werden aber selten Varianten bewusst ausgewählt, die ein Maximum an Klimaschutz zu einem minimalen Preis gewährleisten.

    Das ist das eigentliche Problem beim Klimaschutz, denn der Sternreport sagt im Grunde genommen, dass das Unterlassen von Klimaschutzmaßnahmen uns teurer zu stehen kommen wird als der Klimaschutz heute. Deswegen können wir auch einen hohen Aufwand beim Klimaschutz heute rechtfertigen: Mit viel Geld etwas zu leisten ist aber keine Kunst, dafür benötigen wir keine Wissenschaft, das können wir heute schon. Das ist der falsche Akzent in der Diskussion und ist nach meiner Meinung auch der Hauptgrund für das Scheitern der aktuellen Klimaschutzkonferenzen, denn der Klimaschutz in der heutigen Form ist viel zu teuer und viele Staaten können diesen sich einfach nicht leisten.

    Die Wissenschaft sollte uns Wege aufzeigen, wie wir möglichst anspruchsvolle (viel und schnell) Klimaschutzziele mit viel weniger Geld erreichen können: Denn nur, wenn wir den Klimaschutz schnell mit möglichst geringen Mittel erreichen können, dann können wir uns auch hohe Ziele setzten und verwirklichen. Dafür benötigen wir kreative Wissenschaftler, die die richtigen Wege in eine klimafreundliche Weltwirtschaft aufzeigen: Preiswert hilft viel.
  • Sie haben vergessen,

    28.12.2010, Dr. Gilbert Brands, Krummhörn
    auf das Abholzen von Urwäldern zur Anlage von Pflanzenölplantagen für Dieselzusatzstoffe hinzuweisen. Und auch Biogasanlagen kommen noch viel zu gut weg, da nur ein sehr kleiner Anteil dieser Anlagen mit Abfallstoffen arbeitet und auch diese meist noch speziell angebaute Pflanzen benötigen. Außer durch höhere Verbraucherpreise wird das Ganze dann obendrein noch massiv durch Steuergelder subventioniert.
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