Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Neutrinos offenbaren die wahre "Licht"geschwindigkeit

    23.09.2011, S.Kächele, Laufenburg
    Falls es sich nicht tatsächlich um einen Messfehler handelt, wäre das gefundene Ergebnis geradezu eine Goldgrube für die Astrophysik und sehr vieles verändern!

    Der gemessene höhere Wert der Neutrinogeschwindigkeit stellt die von der Massenwirkung des Sonnensystems bereinigte Grösse von -c- dar, die bisher nie vergleichend beobachtet werden konnte. (Wie denn auch?!).

    Durch die (fast) nicht masse-wechselwirkenden Neutrinos wird nun die lokale Masse-Raum-Zeit Wirkung des Sonnensystems und der Galaxie, in der wir uns befinden, auf die elektromagnetische Wellen offenbar.

    Dies hätte tatsächlich weitreichende Folgen:
    1. Der Wert für das bereinigte -c- fiele etwas höher aus!
    2. Man könnte mit der Differenz Neutrino-c und EM-Wellen-c rel. einfach die tatsächliche Masse unseren Sonnensystems und der Galaxie errechnen. Und die Überraschung wird vermutlich groß sein, wenn die Masse unseres Sol-systems deutlich höher, als bisher geschätzt, angesetzt werden muss.
    3. Kosmische Ereignisse würden sich per Neutrinos vorher ankündigen! Insbesondere sehr, sehr nützlich für kosmische Großereignisse der solaren Nachbarschaft.
    4. Die Modelle für die neutrinorelevanten Supernovae müssten z.T. komplett neu gedeutet werden.
    und vermutlich noch viel, viel mehr!
  • Kopf ab oder verbrennen

    23.09.2011, Harald Weiche, Garbsen
    Mal ganz ehrlich, wenn man sich mit Erdbeben oder Erdbeeren beschäftigt, dann sollte man sie entweder vorhersagen können oder essen. Wer das dann nicht kann, sollte geköpft werden. Wenn sie es dann doch hinbekommen, ist es ein erstaunliches Wunder und kann nur auf Zauberei beruhen. Dann sollte man sie als Hexer oder Hexen verbrennen. :-)
  • Wirklich geduldig oder einfach nur vergesslich?

    19.09.2011, Edgar Renje, Chemnitz
    Hallo,

    meiner Meinung nach wurde bei diesem Experiment nicht berücksichtigt (und das dürfte schwer nachzuweisen sein, da man sich nicht "in den Köpfen" der Raben befindet bzw. in diese einsehen kann), ob die Raben das erste Stück wirklich verschmähten, um an das bessere zu gelangen oder ob sie es quasi aus Gewohnheit verschmähen: d.h. dass sie es instinktiv nach seiner Qualität bewerten. Zudem kommt noch die Komponente der Zeit. Wer kann mir sagen, dass der Rabe diese Zeit wirklich abwartet und nicht etwa einfach ein "neues" Stück vorfindet? Ich denke, dass ist schwer nachweisbar und deshalb ist die ganze Begründung und der Vergleich zu Menschen nicht haltbar.

    Dennoch ein schöner Bericht.


    Mit freundlichen Grüßen

    Edgar Renje
  • Wirklich Zufallsverteilung?

    16.09.2011, Fritz Diem, München
    Dem Augenschein nach ist der in der Bildunterschrift erwähnte Zwischenraum zwischen Spalte 0 und 39 NICHT mit "per Zufall" erzeugten Farben gefüllt.
    Um dem genauer nachzugehen, habe ich daher ganz einfach die gelben Felder pro Spalte gezählt und das Ergebnis über den Spalten aufgetragen. Der Augenschein wird bestätigt, es ergibt sich eine Punktwolke, in die man mit Hilfe der gaußschen Regressionsrechnung eine Gerade mit der Steigung 0,118 oder 0,150 Gelb pro Spalte legen kann, je nachdem, ob man die beiden ersten und die beiden letzten Spalten dazu nimmt oder nicht.
    Haben Sie eine Erklärung für den Unterschied zwischen Augenschein und Rechnung einerseits und der Bildunterschrift andererseits?
    Antwort der Redaktion:
    WIr freuen uns sehr über das aufmerksame Interesse an unserem Artikel, das den interessanten Bemerkungen von Herrn Diem zugrunde liegt.



    In der Tat ist der optische Eindruck dieses Bildes zunächst, dass links deutlich mehr blau ist als rechts. Die äußerste linke Spalte ist blau, die äußerste rechte gelb, und auch die oberste und unterste Zeile sind links blau und rechts gelb – aber nicht durch Zufall, sondern per definitionem. Egal wie die Zellen sonst eingefärbt werden, sind dies mit knapp 40 etwa 10 Prozent der Gesamtzellen, die damit den optischen Eindruck dominieren.




    Wir haben dieses Bild, wie die Quellenangabe auch sagt, von Harry Kesten übernommen und die Zellen nicht selbst durchgezählt. Das habe ich jetzt einmal getan und komme in der linken Hälfte in der Tat auf ein Übergewicht von 10 blauen Zellen, rechts von 18 gelben -- die 40 Randzellen nicht mitgerechnet (links sind 91 blaue, 71 gelbe, rechts 63 blaue, 99 gelbe, wenn ich mich nicht verzählt habe). Diese Randzellen liefern definitionsgemäß links 38 blaue, rechts 38 gelbe Zellen hinzu. Die Abweichung in der Verteilung der inneren Zellen vom Erwartungswert ist damit kleiner als der durch die Definition erzwungene Randeffekt. Dies bestätigt, dass die optische Dominanz des Blauen links und des Gelben rechts hauptsächlich durch
    den vordefinierten Rand erzeugt wird.




    Man kann aber in der Tat fragen, wie gut der Zufallsgenerator war. Erwarten würde man, dass von den 162 "freien" Zellen der linken
    Hälfte gerade 81 blau und 81 gelb sind. "Erwarten" heißt, dass dies der Mittelwert bei vielen Zufallsexperimenten sein sollte. Die
    Wahrscheinlichkeit, dass genau 81 Zellen blau sind, ist extrem klein. Wäre das der Fall gewesen, hätte man spekulieren können, dass die Statistik sorgfältig gefälscht worden ist. Die Standardabweichung eines Zufallsexperiments mit N=162 Versuchen ist die Wurzel aus N, also etwa 13. Die Normalverteilung (von der wir hier ausgehen) besagt, dass etwa 68 Prozent aller Ergebnisse weniger als eine Standardabweichung vom Mittelwert entfernt liegen und 95 Prozent weniger als zwei. Eine Abweichung von 10 bzw. 18 ist also weniger als eine bzw. anderthalb
    Standardabweichungen vom Mittel entfernt. Das kommt durchaus vor, ist zwar nicht besonders wahrscheinlich, aber auch nicht wirklich
    unwahrscheinlich und allemal extrem viel wahrscheinlicher, als dass auf beiden Hälften genau 81 blaue und gelbe Zellen vorkommen, und im letzteren Falle wäre vermutlich niemandem
    etwas aufgefallen. Damit liegt dieses Ergebnis in einer Schwankungsbreite, die durchaus Aufmerksamkeit erregen kann,
    ohne aber statistisch wirklich aussagekräftig zu sein. Ach ja: und ich kann mich ja bei meiner Statistik auch verzählt haben. Kommt immer wieder vor, ist nicht sehr unwahrscheinlich. Da kommen leicht eine Handvoll falsche Zellen zusammen, deren Größenordnung nicht weit weg ist von den beobachteten Phänomenen.




    Nun kann man versuchen, andere statistische Tests (zum Beispiel mit einer Geradengleichung) durchzuführen, um sorgfältiger nachzusehen. Bei jedem dieser Tests kann man sich dann fragen, mit welcher Wahrscheinlichkeit dieses Ergebnis durch eine zufällige Schwankung entstanden sein kann oder wie sehr es darauf
    hindeutet, dass der Zufallsgenerator nicht perfekt war (bzw. keine "faire Münze" verwendet worden ist). Je mehr solcher Hypothesen man nachgeht, desto wahrscheinlicher ist es aber auch, dass eine von ihnen Alarm schlägt. Wenn man beispielsweise prüft, ob
    überdurchschnittlich viele blaue Zellen Koordinaten haben, die Primzahlen oder Quadratzahlen sind oder was auch immer: Bei
    100 solcher Tests ist zu erwarten, dass einer von denen ein Ergebnis
    anzeigt, das nur mit 1% Wahrscheinlichkeit vorkommt und daher mit 99% Wahrscheinlichkeit gefälscht ist (ein beliebtes Spielfeld für Verschwörungstheorien).




    Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum ich diese Tests nicht zu weit verfolgen will: Was das Bild illustrieren soll, ist die Randkurve zwischen blau und gelb, die sich beim Phasenübergang einstellt. Diese ist, soweit ich sehe, korrekt dargestellt, und damit ist das eigentliche Anliegen des Bildes erfüllt. Selbst wenn also der ursprünglich verwendete Zufallsgenerator mangelhaft war, spielt das keine entscheidende Rolle.




    Prof. Dierk Schleicher
  • Gegen die Entsockelung Rudolf Steiners

    16.09.2011, Hans-Florian Hoyer, Bochum
    Frau Neuvians schreibt einerseits:
    "Als Nichtanthroposoph erhält man sehr interessante Einblicke in das Umfeld Steiners und die vielen Einflüsse, die von außen auf ihn einwirkten";

    andererseits:

    "Es will allerdings nicht zum historisch- wissenschaftlichen Anspruch des Autors passen, dass er ausgesprochen tendenziös schreibt und ein wenig objektives Bild liefert."

    Wie kann das zusammenpassen?

    Ein "fachlicher Stümper" hat der Pädagogik, der Medizin, der Landwirtschaft, um nur das Naheliegendste zu nennen, Impulse gegeben, die sich bis heute als fruchtbar erweisen, wenn man sie nicht wegen ihres Ursprungs, der Person Steiners, abtun zu müssen glaubt.

    Goethe, Shakespeare, (You name her/him) alle müssen runter vom Sockel, sonst wäre das ja nicht auszuhalten.
    Und wenn einer mal was Falsches gesagt hat, ist der Rest auch falsch.

    Als Anthroposoph sehe ich mich vor der Herausforderung, dass mir einstweilen niemand sicher sagen kann, wo Steiner recht hatte und wo nicht. Es gibt Übertreibungen in beide Richtungen. Letztlich bin ich auf mich selbst angewiesen.
    Folgende Äußerung Steiners ist mir dabei zur Leitlinie geworden:
    "Der Geistesforscher tritt seinem Schüler entgegen mit der
    Zumutung: Nicht glauben sollst du, was ich dir sage, sondern es denken, es zum Inhalte deiner eigenen Gedankenwelt machen, dann werden meine Gedanken schon selbst in dir bewirken, dass du sie in ihrer Wahrheit erkennst."
    Ein "Entsockler" wird hier unweigerlich auf Autosuggestion kommen. Mit der Unterstellung kann ich leben.
    Antwort der Redaktion:
    Ich gehe davon aus, dass Zander durchaus wissenschaftlich korrekt recherchiert hat und alle seine Angaben richtig sind. Daher die interessanten Einblicke in die damalige Zeit und Steiners Umfeld.

    Ich denke aber auch, dass man sich als Wissenschaftler verpflichtet fühlen sollte, die Dinge möglichst objektiv zu sehen und darzustellen und seine persönliche Meinung dazu als solche kenntlich zu machen. Das würde bedeuten, dass man das zu untersuchende Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und verschiedene Bedeutungen diskutiert. Das findet in Zanders Buch nicht statt. Stattdessen arrangiert Zander seine Belege so, dass der Leser zwangsläufig den Eindruck erhält, Steiner sei ein „fachlicher Stümper“. Zanders Absicht (nicht meine) ist eindeutig eine „Entheiligung“ Steiners. Deshalb halte ich das Buch für tendenziös und wenig objektiv.


    Was die „Entsockelung“ Steiners angeht: Ich denke, es ist durchaus möglich, über Steiner als Person zu diskutieren, ohne gleich die gesamte Anthroposophie in Frage zu stellen. Steiner hat durchaus einige fruchtbare Impulse gesetzt. Wobei in den Bereichen Pädagogik, Medizin und Landwirtschaft wohl vieles sich (laut Zander) erst nach seinem Tod voll entfaltet und weiterentwickelt hat. Selbst Jesus darf man als Mensch sehen, ohne dass man gleich als Anti-Christ gilt. Deshalb verstehe ich nicht, warum die Diskussion um Steiner so emotional beladen ist.


    Zanders Biografie ist zweifelsohne eine Provokation. Die Reaktionen darauf zeigen aber auch, dass eine Diskussion dringend notwendig wäre.



    Dr. Dr. Tanja Neuvians
  • "mosaikartig", Hinweis auf Hybridisierung?

    15.09.2011, Andreas Schlüter, Berlin
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich vertrete seit Langem die Vermutung, dass am Ausgangspunkt der Humanevolution eine breite Hybridisierung von verschiedenen Australopithecinen-Arten gestanden hat, die die Chromosomenfusion des Menschen im Verhältnis zu den Großaffen begründet haben könnte. Sediba dürfte aber ein erhaltener Zweig gewesen sein, der zu einem früheren Zeitpunkt an der Hominisation beteiligt gewesen sein mag. Zu den Fragen gibt es Einiges auf meiner Website: http://wipokuli.wordpress.com/2010/12/24/offene-grose-fragen-der-humanevolution/ .
    Andreas Schlüter
    Diplom-Soziologe
  • Leibniz’ Genealogie

    15.09.2011, Arndt Richter, München
    Als neuer Abonnent von ’Spektrum der Wissenschaft’ hat mich Professor Knoblochs sehr informativer Artikel über die mühsame Herausgabe des gewaltigen Leibniz-Nachlasses (Akademieausgabe) besonders interessiert und erfreut. Seit meiner Dresdner Jugendzeit der 1950er Jahre www.genetalogie.de/bilderhtm/autor.html habe ich mich lebhaft für Leibniz interessiert. Egmont Colerus’ (1888-1939) Leibniz-Biografie „Leibniz“ (1934) und „Vom Einmaleins zum Integral“ (1935) waren vor allem die Auslöser. Als Chemie-Ingenieur und personengeschichtlich sehr interessierter Hobby-Genealoge (Familienforscher) sowie „GeneTaloge“ (= Genealogie + Genetik + Statistik) www.genetalogie.de sind mir die frühen Teileditionen des 18. Jahrhunderts namentlich zwar bekannt, aber erst durch Professor Knoblochs Artikel haben sie einen verständlicheren Zusammenhang ergeben.
    In meiner GeneTalogie-Seite werden außer Leibniz’ kleiner Ahnenliste www.genetalogie.de/artikel/pdf/leibniz.pdf auch einige Leibniz-Porträts in einer Leibniz-Bildergalerie gezeigt www.genetalogie.de/gallery/leib/leibhtml/index.html (meist aus „Abhandlungen der Königl.-Preußischen Akademie der Wissenschaften von 1916), sowie das Leibniz-Wappen und Kupferstichmotive aus Leibniz’ letzter Universität Altdorf bei Nürnberg. Weiteres über meine persönliche Beziehung zu Leibniz, besonders in Bezug auf meine Elbtal-Ahnenheimat zwischen Pirna-Dresden-Meißen, wo auch ein vermeintlicher Stammesort der Leibniz-Familie liegt (Leubnitz bei Dresden, seit 1921 eingemeindet), findet der interessierte Leser in meinem genealogischen Bekenntnis-online-Buch:
    „Festgefügtes im Strome der Zeit. Genealogische Bekenntnisse, ... sogar durch Generationen hindurch. Erbe und Umwelt“: www.genetalogie.de/bekenntnisse/start.html
    Hier besonders:
    Kap. 10: Goethes Wahlverwandtschaft mit Spinoza und Ideengemeinschaft mit Leibniz; und
    Kap. 11.1 Leibniz’ Protogaea
    11.2 Leibniz als Chemiker und Mineraloge
    11.3 Phosphor (Entdeckung)
    11.4 Leibniz als Genealoge
    11.5 Zwischenbetrachtung: Leibniz als Ahnherr des Computers und Genie der Mathematik
    11.6 Fortsetzung: Leibniz als Genealoge
    11.7 Eckhart und die „Würzburger Lügensteine“
    Kap. 12.1 Leibniz und Siegfried Rösch als Brückenbauer zwischen Natur- und Geisteswissenschaft www.genetalogie.de/roesch/roesch.html
    Kap. 15.2 Leibniz’ Vorfahren in Leubniz bei Dresden?

    Da ich diesen Leserbrief evtl. nach einer SPdW-Veröffentlichung in meine Genealogie-Seite www.genetalogie stellen möchte, folgt hier zunächst eine kurze Personen-Aufzählung nach Professor Knoblochs Angaben:
    Louis Dutens („Opera omnia“, ab 1768, Genf); Louis Alexandre Foucher de Carell (“Oeuvres”, 1859-1875); Onno Klopp, ostfriesischer Historiker (“Werke”, 1864-1884); Carl Immanuel Gerhardt, Mathematikhistoriker (“Mathematische Schriften“, 1849-1863, und „Philosophische Schriften“, 1875-1890).
    Spätere Veröffentlichungen fassen thematisch Einzelstücke zusammen, wie z. B. Louis Couturats „Opuscules et fragments inédits de Leibniz’ (1903) und Ernst Gerland (Leibniz’ nachgelassene Schriften physikalischen, mechanischen und technischen Inhalts“, 1906, sowie neueren Datums: Eberhard Knobloch: „Die mathematischen Studien von G. W. Leibniz zur Kombinatorik“ (1976) und „Der Beginn der Determinantentheorie, Leibniz’ nachgelassene Studien zum Determinantenkalkül“ (1980).
    Die umfassende Leibniz-Akademieausgabe - seit über 110 Jahren durch einen Beschluß von 1901 - wird markiert durch die Namen: Paul Ritter (Hauptbeauftragter), als Nebeneditoren: Willy Kabitz, Erich Hochstetter, Liselotte Richter, Helfried Hartmann, Dietrich Mahnke; die Germanisten Waldemar von Olshausen und Kurt Müller; Archivar Kurt Dülfer; die freien Mitarbeiter Anneliese Maier und Conrad Müller; in der NS-Zeit: Theodor Vahlen, Ludwig Bieberach und Joseph Ehrenfried Hofmann. Nach Kriegsende stand nur noch Kurt Müller zur Verfügung. Ab 1956 entstand eine Leibniz-Forschungsstelle an der Universität Münster. Die Berliner Ost-West-Teilung und der spätere Mauerbau erschwerten Kurt Müllers Arbeiten (Westberlin), da das Akademiegebäude (Leibniz-Arbeitsstelle) im sowjetischen Sektor lag.
    1962 entstand in Hannover an der Niedersächsischen Landesbibliothek eine weitere neue Arbeitstelle, das Leibniz-Archiv. Damit waren die Buchreihen der Leibniz-Akademieausgabe auf drei Standorte der Edition aufgeteilt: Berlin (Reihe IV Politische Schriften), Münster (Philosophische Reihe II und VI) und Hannover (Briefwechsel Reihe I und III; und neuerdings dort auch die mathematisch-naturwissenschaftlichen Reihen III und VII).

    Für mich als Genealogen ist es bedauerlich, daß mit der Edition der ’Historischen und sprachwissenschaftlichen Schriften’ noch nicht einmal begonnen worden ist. Doch mein Briefwechsel mit den Leibniz-Forschungsstandorten Münster und Hannover war zu diesem Themenbereich bisher immer durch große Hilfsbereitschaft gekennzeichnet. Besonders beeindruckt hat mich als Genealoge Leibniz’ großer Welfenstammbaum Originum Brunsvicensium et Estensium 70 x 50 cm, den Leibniz’ Nachfolger Eckhart 1717 als Einblattdruck herausgegeben hat.
    Ein demografisches Gesetz (bzw. Regel), das Leibniz bereits 1701 veröffentlichte (Deutsche Schriften, 2. Band, Vaterland und Reichspolitik) konnte in einem Schriftwechsel diskutiert werden, da diese Regel erst 1886 durch Ignaz Jastrow als die Jastrowsche Regel in die Wissenschaft einging.-
    Der Leipziger Stadtarchivar Professor Dr. Ernst Kroker hatte schon 1898 urkundlich nachgewiesen - und es nochmals 1925 untermauert (Leibniz ein sächsischer Ortsname!) -, dass das Leibniz-Geschlecht bereits im 15. Jahrhundert in Westsachsen (Rochlitz) Verwalterstellen bei der Adelsfamilie von Dieskau inne hatte. Leibniz’ polnische Abstammung ist eine Fabel, die wohl Leibniz selbst gegenüber Zar Peter dem Großen auch aus diplomatischen Gründen angegeben haben mag.
    Vor allem ging es mir aber um Literaturbeschaffung (Kopien) zur Ahnenschaft von Leibniz, dessen Ahnenliste leider nicht in den gängigen genealogischen Reihenwerken veröffentlicht worden ist („Ahnentafeln berühmter Deutscher, Leipzig 1932-1944), aber auch nicht in den genealogischen Zeitschriften „Archiv für Sippenforschung“ (ab 1928-1962)/“Archiv für Familiengeschichtsforschung“ (ab 1997) und „Familie + Volk“ (1952-1961)/ „Genealogie“ (ab 1962). Auch eine patrilineare Leibniz-Stammtafel fehlt in der Stammtafelreihe der „Deutschen Geschlechterbücher“ (DGB), Görlitz/ Limburg a. d. Lahn, seit 1889.
    Inzwischen konnte ich mir von meinen späteren BRD-Wohnsitzen Ulm/Do. (ab 1956) und München (seit 1961) alle wohl bisher relevante genealogische Leibniz-Spezialliteratur beschaffen und damit Leibniz’ Ahnentafel sogar noch etwas erweitern: www.genetalogie.de/artikel/pdf/leibniz.pdf

    Durch einen Forscherkollegen (Georg Potthast, Ahlen) konnte 2008 die interessante patrilineare Leibniz-Ahnenlinie des fürstlich weimarischen Kanzlers Stephan Clothius (Klodt), + Weimar 1570 [Leibniz-Ahn Nr. 30] noch über zehn weitere Generationen erweitert werden, ohne dass über ihn selbst die wichtigsten genealogischen Daten bisher ermittelt werden konnten (Geburtsdatum und -ort, Heiratsdatum und seine Ehefrau(en) [Leibniz-Ahnin Nr. 31]
    http://gedbas.genealogy.net/stammbaum.jsp?nr=1033389012
    Diese mütterliche Ahnenlinie Cloth konnte nur deshalb bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgt werden, da über Stephan Clothius’ Bruder Jost (Just/Justus) von Cloet mehr urkundlich bekannt ist (* Reval 1517+ Riega 1572; ∞ Reval 1547 Anna Viant) und dadurch auch über deren Namenslinie Clodt (Cloet), die ursprünglich aus Westfalen stammt. Jost von Cloet war 1560 kurländischer Kanzler, 1566 bekam er das polnische Adelsprivileg (Wappenänderung). Als er nach Polen ging übergab er das Dorf Wallküll (Lehen von Gotthard Kettler) und eine Mühle (Lehen von Heinrich von Galen) seinem Bruder Heinrich. Heinrich von Galen war der Bruder eines Ahns des berühmten Kardinal Clemens August von Galen in Münster (1878-1946).
    Mein Leserbrief soll unter anderem auch ein Aufruf sein, an der Ahnentafel von Gottfried Wilhelm Leibniz weiter zu forschen, wobei zunächst der Leibniz-Ahn Stephan Clothius, der fürstlich weimarische Kanzler, mit seinen lückenhaften Daten im Mittelpunkt steht. Es seien hier noch zwei weitere Linien auf dem väterlichen Ahnentafelsektor genannt: die fränkische Familie Deuerlein aus Nürnberg bzw. Lauf bei Nürnberg [Leibniz-Ahnen Nr. 20 und 40] sowie die sächsische Ahnenlinie Adler [Leibniz-Ahnen Nr. 11 und 22] aus der alten Königsteiner Familie Adler, von der es in Königstein (Sächsische Schweiz) auch heute noch Adler-Namensträger gibt.
    Zu Dietrich Mahnkes trefflichem Bändchen „Leibniz und Goethe. Die Harmonie ihrer Weltansichten“ (Erfurt 1924) seien aus meiner genealogischen Sicht noch einige Bemerkungen hinzugefügt: Leibniz’ Lebensweg kreuzte sich auch einmal mit Goethes Ururgroßvater Johann Wolfgang(!) Textor [Goethe-Ahn Nr. 24]:
    http://goethe-genealogie.de/bildergalerie/bildergaleriest.html Am 22. 2. 1667 erfolgte Leibniz’ feierliche Promotion zum Doktor beider Rechte an der Universität Altdorf durch Johann Wolfgang Textor, Dekan der juristischen Fakultät.-
    Der oben genannte Leibniz-Ahn Stephan Clothius nennt den Kanzler Christian Brück (Pontanus), „seinen lieben Gevatter und Schwager“: dieser ist der bekannte Goethe-Ahn Nr. 490, der ab 1556 Kanzler bei Herzog Johann Friedrich II. war und 1567 in Gotha hingerichtet (gevierteilt) wurde; er war mit Barbara Cranach verheiratet [Goethe-Ahnfrau Nr. 491] , die eine Tochter des Malers Lucas Cranach d. Ä. war [Goethe-Ahn Nr. 982]:
    http://goethe-genealogie.de/bildergalerie/bildergaleriest.html
    An Leibniz’ Sterbebett stand 1716 in Hannover der Pyrmonter Arzt Dr. med. Johann Philipp Seip, 1686-1746, der ein Urenkel des David Seip, 1558-1633, Kammerrat zu Marburg war [Goethe-Ahn Nr. 120]: http://goethe-genealogie.de/verwandtschaft/ahnentafel/ahnentafel.html

    Ein gemeinsames „Forschungsgebiet“ von Leibniz und Goethe war der Harz. 1680 bis 1686 hat Leibniz 31 Reisen in den Harz unternommen und dort insgesamt 165 Wochen zugebracht (Hartmann Hecht, 1992). Auf Grund dieser fundierten Kenntnisse konnte Leibniz seine berühmte „Protogaea“ schreiben - als geophysikalisch-geochemische Einführung in die Universal- und Welfengeschichte. Hier machte Leibniz bereits begründete Aussagen zur kosmischen Erdgeschichte auf Grund seiner Bergwerkskenntnisse (vor Kant-Laplace!) und hatte auch schon erstaunlich genaue Vorahnungen zur Evolutionstheorie durch seine Fossilienfunde im Harz (100 Jahre vor Goethe). Bereits 1690 besuchte Leibniz die Baumannshöhle bei Elbingerode im Bodetal, die Goethe später bei seiner ersten und dritten Harzreise (1777 und 1784) auch besuchte. In Goethes Faust klingen seine Harzreisen in eine wilde und einsame Gegend an: z. B. Regieanweisung „zwischen Schierke und Elend“ und Szene „Walpurgisnacht“.

    Doch als genetisch orientierter Genealoge („GeneTaloge“) stehen meine „geneTalogischen“ Forschungen auch in engem Zusammenhang mit „Leibniz’ Rechnung mit Null und Eins“, seinem dyadischem Zahlensystem, der binären Arithmetik. Denn dieses duale Zahlensystem ist das grafische Abbild der genealogischen Ahnentafel-Struktur. Siehe dazu die Links in meinem GeneTalogie-Artikel „Die Ahnentafel im Lichte der Genetik (2000):
    www.genetalogie.de/bilderhtm/dualzahl.html
    www.genetalogie.de/bilderhtm/ahnentafel.html
    www.genetalogie.de/bilderhtm/leibman.html
    www.genetalogie.de/bilderhtm/leibmed.html
    Sowohl die normale (autosomale), als auch die X-chromosomale Einfach- oder Vielfach-Verwandtschaft wird statistisch-biomathematisch als negative Zweierpotenz (2-n = 1/2n) bzw. als deren Summen (∑2-n) berechnet (= mittlerer biologischer Verwandtschaftsanteil b bzw. bx). Dabei ist n bei normaler (autosomaler) Vererbung nur vom Generationsabstand Proband-Ahn abhängig (b = 2-n) . Bei X-chromosomaler Vererbung ist n noch von einer weiteren Funktion abhängig: von den männlichen (0) und weiblichen (1) „Verbindungsahnen“ der Abstammungskette: Proband und Bezugsahn. Schreibt man z. B. die Ahnen-Nummer 238 durch generationsweise Aneinanderreihung dieser 0- oder 1-Ziffern, dann ergibt sich die duale Ahnen-Nummer unmittelbar:
    1 (Proband)-1 (Ahn3)-1(Ahn 7)-0 (Ahn14)-1 (Ahn29)- 1 (Ahn 59)- 1 (Ahn 119), 0 (Ahn 238). Also: 11101110 (dual). Der X-chromosomale mittlere Verwandtschaftsanteil ist:
    bx = 1/ 2s-o-2 = 1/32 = 0,03125
    Dabei ist: s = Anzahl der Stellen (Ziffern), o = Anzahl der Nullen, ohne Berücksichtigung der Endnull (bei männlichen Ahnen). Bei zwei aufeinanderfolgenden Nullen, d. h. zwei männlichen Ahnen, wird bx immer zu 0(!), denn eine X-chromosomale Vererbung vom Vater auf den Sohn ist nicht möglich (nur eine solche vom Vater auf eine Tochter erfolgt dagegen stets)!
    Auch der biologische Verwandtschaftsgrad gb bzw. gbx kann durch Logarithmieren daraus berechnet werden. Im Beispiel also: gbx = -3.322 log bx = -3.322 log (0,03125) = 5,00

    Diese Verwandtschaftsanteile und -grade gelten natürlich unabhängig davon, ob ein Ahn bekannt oder noch unbekannt ist; hier kommt es lediglich auf die genealogische Ahnentafelkonstellation an.- Siehe dazu auch meine Bemerkungen (Exkurs) für Programmierer von Genealogie-Programmen: www.genetalogie.de/isenburg/genealogieprogramme.pdf
    Ausführlicheres dazu findet man im Kapitel X. „Die bayerische Königsahnentafel, die Bienenahnentafel und x-chromosomale Vererbung“ in meinem „bayerischen Königsbuch“ (Seite 67): www.genetalogie.de/bilderhtm/genetalogiebuch.html
  • Ergänzung

    15.09.2011, Wolfgang I Waas
    Sehr interessanter Artikel - zu ergänzen wäre vielleicht noch, dass König Menandros I. (ca. 165 - 130/110? v.u.Z.) als 'König Milinda' im Milinda-panha aufscheint, einem wichtigen und umfangreichen frühbuddhistischen Werk, das seinen Dialog mit dem Buddhisten Nagasena wiedergibt. Das sehr interessante Buch ist auf Deutsch unter www.palikanon.com online.
  • Ameisen sind alle Geschwister

    13.09.2011, J. Braatz
    Eine kleine Ergänzung zu dem Opfertod der Ameisen und warum er sich lohnt. Eigene Nachkommen hat die einzelne Ameise nicht, deren Überleben für sie wertvoll sein könnte. Weil es aber nur einen Königin gibt, sind alle Ameisen Geschwister, d.h. statistisch gesehen haben zwei Ameisen des gleichen Volkes 50 Prozent gleiche Gene. Das ist der gleiche Wert wie für eigene Nachkommen. Insofern ist es gleich, ob sich die Ameise für Geschwister oder Nachkommen opfert.
  • Es gibt ein Leben außerhalb der Quantenwelt

    12.09.2011, Martin Schmaude, Esslingen
    Vorneweg: Ich finde es gut, wenn in Ihrer Zeitung auch spekulativere Artikel erscheinen, denn auch die wissenschaftliche Welt kann nicht nur vom Faktum allein Leben. Imagination, Spekulation, Ideen gehören doch ebenso zum wissenschaftlichen Denken. Ebenso wie ich es wichtig finde, philosophische und ethische Gedanken und Überlegungen einzubinden in die wissenschaftliche Diskussion und Berichterstattung.
    Dennoch erfüllte mich der genannte Artikel mit einer gehörigen Portion Unbehagen und Skepsis.
    Ich möchte daher einige eigene Überlegungen anstellen.

    Der Reihe nach:
    „Doch wo liegt die Grenze?“
    Dieser Frage liegt der Wunsch zu Grunde, es möge doch bitte eine wohldefinierte, immer geltende Grenze geben. Leider ist dem wohl nicht so (Weshalb es auch durchaus sein kann, dass manche Quanteneffekte in manchen makroskopischen Bereichen vorkommen). Ich verweise da nur auf die ewig ungeklärte Frage: Wo beginnt Leben? Vor oder nach dem Virus, vor oder nach oder mit den Aminosäuren? Solche Übergänge sind fließend und hängen (auch) von menschlichen Definitionen ab. Aber hier wie bei der Quantenfrage kann man auf ein Phänomen verweisen, das Übergänge auszeichnet: die Emergenz. Das Hervorbringen von neuen Fähigkeiten, Mustern, Eigenschaften, die sich NICHT aus den Eigenschaften der Vorläuferstrukturen (der Teile) erklären lässt. Diese emergenten „Sprünge“ bringen immer völlig Neues hervor. Und daher ist es wohl auch ein wenig verfehlt davon zu reden, dass Quanteneigenschaften einfach so erhalten bleiben und die Makrowelt sozusagen nichts Neues zu bieten hätte! Man kann also nicht (nur) sagen, dass mit zunehmender Größe die vielfältigen Farbtöne verblassen, sondern ebenso gut, dass ganz neue, unvorhergesehene Farben auftauchen, die z. B. in der Quantenwelt gar nicht existieren! Interessanterweise outet Herr Vidal sich aber wohl als Vertreter der sehr klassischen reduktionistischen Richtung, wenn er schreibt: „Ein klassisches System ist immer teilbar, zumindest im Prinzip: Seine kollektiven Eigenschaften entstehen aus den Eigenschaften der Bestandteile.“ Hervorhebung durch mich! Dem möchte ich doch grundlegend widersprechen! Wie sollten denn z. B. die Eigenschaften einer Zelle aus denen der darunterliegenden Ebene (Moleküle) ableitbar sein? Oder die chemischen Eigenschaften eines Moleküls aus denen der ihm zu Grunde liegenden Elemente?

    Schrödingers Katze: Herr Vedral schreibt ja selbst, dass „große Objekte“ eher zu Dekohärenz neigen als kleine. Nun fand ich im Internet einen Artikel über Schrödingers Katze, der dem zustimmt: Hier das Zitat: 1: „Zurek, einer der Entwickler dieser Theorie, hat in einer neulich veröffentlichten Rechnung […] die Empfindlichkeit eines Quantensystems gegenüber Wechselwirkungen mit der Umwelt und damit die Effektivität der Dekohärenz ermittelt. Er zeigte unter anderem, dass chaotische Systeme eine besonders kurze Kohärenzzeit besitzen. Heißt für die Katze: Je fetter und chaotischer, desto schneller ist sie hin.“

    Quanteneffekte: Außer der Überlagerung und der Verschränkung gibt es ja (wenn ich es recht verstehe) auch weitere Quanteneffekte, die so (bislang?) nicht in der makroskopischen Natur zu finden sind: Tunneln (sonst würden wir das Beamen beherrschen), die Doppelfunktion von Welle und Teilchen (eine Kugel ist eine Kugel ist eine Kugel), Unbestimmheitsrelation (dann könnten wir Ort und Geschwindigkeit z. B. eines Fahrzeugs nicht zugleich bestimmen). Diese Eigenschaften gehen anscheinend doch „verloren“ mit zunehmender Größe.

    Abschlussbemerkung:
    Vielleicht rührt mein Unbehagen über den Artikel auch daher, dass hier wohl das sprichwörtliche „Kinde mit dem Bade“ ausgeschüttet wird. Wir leben nicht in der Quantenwelt, auch nicht, wenn an bestimmten Orten und in bestimmten Situationen manche Quanteneffekte auch in der Makrowelt auftreten. Gerade das Phänomen der Emergenz zeigt auf, dass Natur auf verschiedenen Organisationsebenen (holarchische Ebenen, nach Ken Wilber) auch verschieden, nicht aufeinander reduzierbare Eigenschaften aufweist.

    P.S. Warum haben diese Quantenverschränkungen eigentlich immer mit Magnetfeldern zu tun??
  • Regeln, die die Welt beherrschen

    12.09.2011, Christian Gapp, Bonn
    Formulierungen wie: „Ohne Quantenregeln gäbe es keine Atome, die von stabilen Elektronenhüllen umgeben sind." - sind nicht als Ausdruck idealistischer Überzeugungen zu sehen. Viele Menschen sind der Überzeugung, dass sich die schwierig zu verstehende Quantenmechanik im Alltag gar nicht bemerkbar macht. Das Eingangszitat versucht einfach, diesen Irrtum kurz und prägnant zu benennen.

    Naturgesetze sind mehr, als vom Menschen der Natur abgeschaute Regeln. Das ultimative Ziel ist, möglichst viele Phänomenen auf möglichst wenige Prinzipien zurückzuführen, die Komplexität der physikalischen Welt somit nicht bloß zu kodifizieren, sondern zu reduzieren. Das dies überhaupt möglich ist, oft sogar mit mathematisch stringenten Methoden, ist ausgesprochen erstaunlich. Natürlich werden oft Hypothesen aufgestellt, die sich als falsch erweisen, oder Theorien müssen verändert werden, um neu entdeckte Effekte zu erklären. Empirie und Theorie müssen übereinstimmen. Was aber nicht erklärt, warum es überhaupt möglich ist, Gesetze der Physik mit Mathematik zu beschreiben.

    Die größten Triumphe der Physik im 20. Jahrhundert waren die Fälle, in denen Theorien nicht nur empirisch Bekanntes erklärten, sondern vollkommen Neues vorhersagen konnten, für das es zunächst keinerlei empirische Anhaltspunkte gab. Als Paul Dirac beispielsweise die später nach ihm benannte Gleichung aufstellte, benutze er hierzu ausschließlich physikalisch-mathematische Grundannahmen, er versuchte nicht etwa, irgendwelche empirischen Messwerte zu erklären. Er wollte eine quantenmechanische Gleichung finden, die die Prämissen der Speziellen Relativitätstheorie erfüllt. Heraus kam eine Gleichung, die automatisch den Spin des Elektrons beschrieb und das Positron, das Antiteilchen des Elektrons. Der Spin des Elektrons war zwar schon bekannt, wenn auch noch unverstanden, Antimaterie war jedoch noch gar nicht entdeckt worden!

    Die physikalischen Tatsachen von Antiteilchen und Spin können somit verstanden werden als notwendige Konsequenz einer relativistischen Quantenmechanik. Wäre die spezielle Relativitätstheorie falsch, würden wir in einer Welt ohne Antiteilchen leben.
  • Frage: Ist die Trennwand gefallen?

    12.09.2011, Martin Piehslinger, Wien
    Sozusagen als "sichere Trennwand" zwischen Quanten- und klassischer Physik galt für mich bisher, abgesehen von der Größe der betrachteten Objekte, die Unmöglichkeit Verschränkung zur Informationsübertragung zu nutzen. Andernfalls fände Informationsübertragung mit mehr als Lichtgeschwindigkeit statt.

    Ich kann durch Messung bewirken dass der Zustand eines Quantenobjektes festgelegt wird, aber ich kann nicht festlegen, welches Resultat meine Messung haben wird. Daher kann ich auch nicht die anderen verschränkten Objekte in einen von mir bestimmten Zustand versetzen. Wer den Zustand eines der verschränkten Objekte misst, kann (ohne zusätzlich übertragene Information) nicht wissen, ob die Dekoherenz durch seine eigene Messung oder durch die Messung eines der anderen verschränkten Objekte verursacht wurde. Es gibt demnach keine spukhafte Fernwirkung in dem Sinn dass man ein "Quantenfunkgerät" oder eine "Quanten-Fernsteuerung" bauen könnte.

    Auch die von Herrn Palm in seinem Leserbrief "Verschränkung" vom 22. August geäußerte Vermutung würde ja eine Informationsübertragung mittels Verschränkung voraussetzen.

    Ist meine "sichere Trennwand" nun gefallen? Ist das was man gerne als "Quantenmystik" bezeichnet (Quantenheilung, nichtlokale Informationsfelder etc.) etwa doch mit echter Quantenphysik vereinbar?
  • Der Traum vom Gedankenlesen ...

    12.09.2011, Willi Kolk
    Wenn ich lese: "Mit Hilfe ausgeklügelter Computerprogramme lassen sich MRT-Scans nämlich bereits erstaunlich viele Informationen darüber entlocken, was die jeweilige Person gerade denkt ...." und dann noch lese "... Die Anwendungsfelder reichen vom Lügendetektor bis Werbeforschung ..." kann ich nur von einem Albtraum sprechen!
    Einziger Trost: Wenn es so weit ist, wird man ein zukünftiger "George W. B." vielleicht auf das Waterboarding verzichten ...
  • Don't worry, be happy

    12.09.2011, Hans-Dieter Rüppel, Duisburg
    Fit for what, Mr. Dahl? Irgendwie sind die Zeiten so, dass die Unzufriedenheit exponentiell steigt. Selbst Pragmatiker (Angepasste?), die gewohnt sind, sich den jeweiligen Zeiterfordernissen zu stellen und nicht darunter zu leiden, fragen immer häufiger nach dem "Sinn". Schon allein wegen der Komplexität der zu reflektierenden Grunddaten (marxistisch: materielle Basis) stellt sich relativ schnell Frust und Mutlosigkeit ein, ganz zu schweigen von den kollektiven Zwängen, die man elegant und diplomatisch angehen müsste, um die zu erwartenden Konflikte einigermassen in Grenzen halten zu können. Das betrifft aber nur Personen, die ihren Status quo als verbesserungswürdig reflektiert haben. Es ist anzunehmen, dass diesem Personenkreis, die "Happy Pill" kein Lösungsansatz sein wird. Eher schon der Alkohol mit seinen bekannten Nebenwirkungen. "Einen drauf zu machen", nach Art der dionysischen Mysterien führt nicht selten zu einem so genannten "Kater" an Folgetagen. Der seelischen Entschlackung (Katharsis?) folgen Kopfschmerzen, Übelkeit und nicht selten depressive Nachphasen (so genanntes schlechtes Gewissen). Eine so genanntes "Happy Pill" dürfte in dem Zusammenhang die falsche Therapie sein. Eher schon Waldlauf oder eine ausgedehnte Radtour. Die Nebenwirkungen können so in der Regel kompensiert werden. Eingebettet auch in einen entsprechenden Arbeits- und Lebenszyklus, der die Regeneration neuer psychischer Kräfte ermöglicht (z.B. Fünftagewoche). Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps. Ich bezweifle, dass eine "Happy Pill" diese Dienste leisten kann. Der Anwendungsbereich dürfte deshalb eher im therapeutischen Bereich zu suchen sein. Fitspritzen wie im Leistungssport oder gar als Dopingmittel eingesetzt, scheinen mir im täglichen Leben andere Varianten (z.B. Musik, Literatur, Kunst und Philosophie) besser geeignet zu sein. In der richtigen Mischung und Dosis m.E. auch ergiebiger für die Lebensgestaltung und das eigene "Gücksempfinden". Tja, und die mitmenschliche Kommunikation dürfte auch profitieren.

    Ein Sommernachtstraum?

    Mit freundlichen Grüßen
  • Vergleiche sehen

    11.09.2011, Klaus Deistung, Wismar
    Es sind nicht nur die Wale, die für eine „Futterproduktion“ sorgen. Die Nilpferde in den Flüssen sorgen auch – für Fischfutter. Und so wachsen die Fischbestände. Das freut u. a. einige Krokodile – und sie brauchen nicht an Land räubern. Wenn die Nilpferde meist eines natürlichen Todes sterben – sind die Krokodile wieder die Nutznießer. Pflanzen werden am Anfang der Nahrungskette auch über die Fische im Wasser wieder für das Landleben nutzbar.
    Da stellt sich schon die Frage, wie weit hat man das Problem auch bei anderen großen – aber auch kleinen - Fisch- und Säugetierarten in Zusammenhängen Mist = Fischfutter aber auch teilweise Pflanzennahrung gesehen?
    Die Landpflanzen werden zusätzlich gedünkt – warum nicht auch Meeresgebiete – und ev. nur vorübergehend, sozusagen eine Anschubverbesserung?
    Der Artikel stellt auch wieder mal klar, wie der Mensch negativ in die Natur eingegriffen hat. Leider gibt es verschiedene Gebiete, wo es auch weiter wider besseren Wissens so ist...!
    Wir haben nur die einen Erde!