Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Wünschenswerte Alternative

    26.05.2011, Winfred Krech, Itzehoe
    Immer wieder lese ich, dass das direkte Essen pflanzlicher Proteine, spricht die vegetarische Ernährung besser und ökologischer sei, weil so der große Umweg über die Fleischprodution vermieden würde, bei dem ein Vielfaches an Biomasse - und damit Ackerfläche - erforderlich wäre. Ich bezweifle aber, dass das so stimmt.

    Während einer Reise kam ich mit einer Meterologin oder Klimatologin aus der Schweiz zusammen. Als ich ihr gegenüber erwähnte, dass in der Bibel (1. Mose, bzw. Genesis) merkwürdigerweise bis zur Sintflutgeschichte nur die vegetarische Ernährung (1. Mose 1, 29 f) erwähnt wird, erst nach der Sintflut in 1. Mose 9, 2.3. der Fleischgenuss freigegeben wird (die Kainsgeschichte spricht von Tieropfer, aber nicht vom Fleischessen), wurde sie sehr interessiert. Sie erzählte, dass einer ihrer Doktoranten über eine gewaltige Regenflut im ausgehenden Mittelalter im Zusammenhang mit den damaligen Klimaveränderungen eine Promotionsarbeit verfasst. Die Ernte der Nahrungspflanzen wurde damals stark in Mitleidenschaft gezogen bzw. weit gehend vernichtet. Der Doktorant fand Hinweise, dass die Ernährung der Menschen sich in der Folge vom Pflanzlichen zum Tierischen hin veränderte.

    Uns schien das logisch: Tiere können Pflanzen fressen, die auch nach einer derartigen Katastrophe schnell wieder heranwachsen, für Menschen aber völlig unbekömmlich sind. So mag Rolffs These vielleicht für die moderne, industrielle Fleischproduktion gelten. Wenn die Kuh nach Altvätersitte auf der Weide ihren Nahrungsbedarf deckt, trifft dies sicher so nicht zu.

    Darüber hinaus ist der Mensch nach meiner Kenntnis physiologisch auf eine ausgewogene Nahrung angewiesen, zu der auch tierische Proteine gehören. Insbesondere Kleinkinder sind durch einseitig pflanzliche Ernährung der extremen Form des Vegetarismus der Veganer in ihrer Entwicklung gefährdet, und viele Kinderärzte verstanden die unerklärliche verminderte Entwicklung manches Kleinkindes erst, als sie erfuhren, daß die Eltern auch ihr Kind veganisch ernähren.

    Mich würde sehr interessieren, ob es zu diesem Thema (Übergang von pflanzlicher zu tierischer Ernährung nach großen Katastrophen sowie Nachteile und Vorteile vegetarischer Ernährung) wissenschaftliche Untersuchungen gibt. Immerhin, wenn ich ein Steak zu Mittag esse, kann ich fast auf das Abendbrot verzichten. Bei pflanzlicher Kost knurrt mir zur Kaffeestunde längst der Magen. Und die gegenwärtigen Darmbakterienepidemie lässt daran zweifeln, ob pflanzliche Kost tatsächlich immer so gesund ist. Insofern sind Sarah Simpsons Aquakulturen eine wünschenswerte Alternative.
  • An einer Stelle zu kurz abgebogen ...

    25.05.2011, Daniel Schiller, Köln
    Warum gewinnt der Mond an Drehimpuls? Mit den Worten, dass alle Energieanteile bis auf Reibungswärme ins Schwerefeld wandern und so der Mond angehoben wird, wird das Phänomen zwar formal knackig kurz erfasst, aber der Prozess nicht beschrieben, schon gar nicht anschaulich. Warum ändert sich die Bewegung? Warum beschleunigt der Mond? Was "jeder" nachvollziehen kann, ist die Wirkung von Kräften auf eine Masse. Eine Kraft beschleunigt eine Masse. Und genau diese Argumentation fehlt.
    Der Flutberg auf der Erde liegt nicht genau unter dem Mond, sondern wird, durch Reibung an der schnell drehenden Erdoberfläche, mitgezogen ... "vor" den Mond. Dadurch wirkt die Gravitation dieser Wassermassen nicht lotrecht nach "unten" sondern auch aus Sicht des Mondes nach vorne. So wird er beschleunigt, gewinnt Drehimpuls und steigt höher. Umgekehrt wird der Flutberg durch den Mond zurück gezogen und bremst so die rotierende Erde.
    Die Größenordnung ist klein, aber wirkt ewig und anhaltend ... und der Kreis schließt sich zu Kant.

  • Alles Chimäre, aber mich unterhalt’s

    25.05.2011, Martin Piehslinger, Wien
    sagte Johann Nestroy.
    Oder, moderner:
    "Das Leben ist ein Sch...spiel, aber die Grafik ist geil."

    Warum wollen wir das skeptische Argument überhaupt anfechten und zurückweisen? Wenn wir in einer Scheinwelt der Illusionen leben, so leben wir doch ganz gut und die Illusionen folgen den Gesetzen die wir über sie herausgefunden haben.

    Ich sehe auch keinen Grund, dem Verursacher der Illusionen von vornherein unlautere Motive zu unterstellen. Sofern wir benutzt werden (und der Benutzer unserer Logik folgt), ist unser Nutzen wahrscheinlich die Ursache unserer Existenz - wie bei einem Nutztier.

    Wenn wir das skeptische Argument aus unserem Denken verbannen, berauben wir uns selbst jeglicher Möglichkeit eine eventuelle Täuschung zu durchschauen.

    Also: Ich bekomme soeben die Illusion vorgespiegelt, einen Leserbrief zu schreiben und kann mich der Illusion hingeben, dass Sie ihn lesen. Ist doch nicht schlecht!

    PS: Sollten die Verursacher der Illusion hier mitlesen: Bitte den Bug in der Matrix zu beheben, der mir immer wieder einzelne Socken vorgaukelt! Danke.
  • Parallaxefehler beim Ablesen

    24.05.2011, Helmut Leffler
    Die falsche Beschreibung der Nonius-Funktion im Heft 05/11 hat Reinhard Göller zwar richtiggestellt; trotzdem trifft die Beschreibung nicht auf die abgebildete Schieblehre zu.
    Diese hat nämlich einen 20-teiligen Nonius von
    39 mm Länge und gestattet somit die Maß-Ablesung mit einer Genauigkeit von 5/100 mm, wie auch auf dem Schieber eingraviert.
    Der Gewinn an Genauigkeit wird aber durch den Parallaxefehler beim Ablesen der langen Skale wieder zunichtegemacht.
  • Bewusstsein und Zeit

    24.05.2011, Dr. Klaus-Werner Böddeker
    Das Bewusstsein wird als akut in der Gegenwart erlebt. Tatsächlich ist die Gegenwart schon weiter. - Erfahrung: Ich befinde mich in einem Raum mit Gesprächen, Geräuschen, Gerüchen etc. Plötzlich wird der die ganze Zeit laufende Ventilator abgestellt. Ich nehme das wahr und denke: "komisch, gerade in der letzten Sekunde hatte ich das Geräusch des Ventilators bemerkt." - Kontinuierlich werden externe und interne Informationen aus den verschiedenen Modalitäten vom Gehirn aufgenommen, in ihrer großen Fülle natürlich nicht wahrgenommen, und verblassen zu Gunsten der nachfolgenden Informationen. Erst durch nachfolgende Informationen - hier das Aufhören des Ventilatorgeräuschs - bekommen die in einer kurzen Latenz befindlichen Informationen Bedeutung und werden wahrgenommen (für wahr genommen = für bedeutsam). Jemand anderes im Raum nimmt die Geräuschveränderung nicht wahr, weil er vielleicht intensiv im Gespräch ist; d.h. in die Bereitschaft, etwas im Nachhinein mit Bedeutung zu versehen, gehen individuelle motivationale und andere Faktoren ein (siehe auch "Meinigkeit"), - was Bearbeitungszeit braucht und verschiedene Hirnregionen beschäftigt. - Was für die Wahrnehmung von sinnlichen Reizen gilt, nämlich der zeitliche Nachklapp des Bewusstseins gegenüber der akuten Gegenwart, gilt ebenso für das Sprachverstehen, die Sprachproduktion, das Musikhören etc. Erst wenn sich (oder dadurch dass sich) aus der Informationsfülle (mit Hilfe von Invarianten etc.) etwas wie eine bedeutsame Gestalt gebildet hat, wird diese bewusst wahrgenommen. Dabei ändert sich die Gestalt in der Zeit ständig, bleibt aber in einem Zusammenhang, so dass das Vorangehende einen Einfluss auf die Bedeutungsgebung des Nachfolgenden ausübt. - Dass wir das Bewusstsein als in der akuten Gegenwart stattfindend erleben, hängt damit zusammen, dass wir im Ultrakurzzeit-Bereich keine Zeitwahrnehmung haben. Gibt man einem Probanden zwei Stimuli in kurzem zeitlichem Abstand, so kann er eindeutig sagen, dass sie nicht gleichzeitig erfolgen, nicht aber welcher der erste und welcher der zweite war; das betrifft je nach Unterschiedlichkeit der Reize und der betroffenen Sinnesorgane einen Zeitbereich bis weit über eine Zehntelsekunde (eigene kursorische Untersuchungen; Veröffentlichungen sind mir nicht bekannt). Dabei spielen notwendigerweise auch Leitungs- und Verknüpfungszeiten eine Rolle. - Während das alles für die verschiedenen Bewusstseinszustände - ob qualitativ unterschiedlich oder als Kontinuúm verstanden - gilt, könnte man spekulieren, dass das Traumbewusstsein in Echtzeit stattfindet.
  • Pech - oder Schlamperei

    24.05.2011, Dominique Boursillon, Scheer
    Sehr geehrte Damen und Herren!

    Die pauschale Aussage, man könne sich durch persönliche Hygiene vor einer Infektion mit EHEC wappnen, ist nur bedingt zutreffend. Persönliche Hygiene ist in der Tat der wichtigste Faktor, um sich selbst zu schützen. Die Verbreitung der Erkrankungsfälle momentan deutet aber darauf hin, dass ein industriell hergestelltes Lebensmittel, z. B. eine Rohwurst, verantwortlich ist. Dagegen kann der Verbraucher nur bedingt etwas ausrichten.

    Inwieweit ein Betrieb für den Vertrieb gesundheitsschädlicher Produkte verantwortlich gemacht werden kann, lässt sich nur im Nachhinein sagen: Manchmal ist es nur Pech, häufiger ist es sicherlich Schlamperei. Dennoch, in Anbetracht der (mindestens) 200 Salmonellosen und Campylobacterinfektionen, die jeden Tag deutsche Haushalte treffen, kann die Einhaltung elementarer persönlicher Hygienemaßnahmen nicht genug betont werden.

    Mit freundlichen Grüßen
  • Chapeau, Herr Musser!

    22.05.2011, Edward König, Amberg
    Die Kritik anderer Leserbriefe kann ich nicht nachvollziehen: War doch von vornherein selbstverständlich, dass hier keine endgültige Theorie der Zeit vorgelegt wird. Aber als Gegenüberstellung oder Zusammenfassung aktueller Forschungen und Sichtweisen finde ich den Artikel großartig!
  • Keine Planeten

    19.05.2011, T. Harms Bremen
    Ungebundene Planeten sind per se ein Paradoxon.
    Der Begriff Planet kommt von sich um ein Zentrum (oder exzentrisch) bewegender Körper. Also sind es keine Planeten sondern andere Himmelkörper oder sie bewegen sich in noch unbekannt verlaufenden (gebundenen) Bahnen.

  • Cartesisches Dilemma nicht lösbar

    18.05.2011, Christian Krippenstapel, Heiligenhafen
    Wie Brendel richtig bemerkt, konnte das cartesische Dilemma, ob tatsächlich irgendetwas außer dem Selbst existiert, bis heute nicht gelöst werden. Das wird nicht nur in der genannten "Matrix"-Trilogie thematisiert, sondern gilt allgemein als Grundübel der Philosophie, der viele gar keine Relevanz für das tägliche Leben zuerkennen, weil sie nach wie vor darüber streitet, ob die Welt wirklich existiert, während andere versuchen Übel wie Kriege, Hunger, Klimawandel und etlichen anderen, von ihr abzuwenden.

    Hilfreich finde ich dabei das genannte "Gehirn im Tank-Experiment" von Putnam, in dem das (cartesische) Selbst in einem Gehirn inseriert, das mit der Außenwelt lediglich über Nervenimpulse interagiert. Obwohl wir nicht einmal sicher sein können, dass besagtes Gehirn nicht auch bloß eine lllusion ist, müssen wir als Materialisten dennoch davon ausgehen, dass es irgendetwas Stoffliches geben muss, in dem die zu Grunde liegenden Vorgänge ablaufen und dem wir getrost die Qualität "Gehirn" zuerkennen dürfen.

    Interessant ist dabei m. E. die Unterscheidung zwischen ein- und ausgehenden Impulsen (oder was wir als solche erkennen), denn es impliziert die grundsätzliche Differenzierung in "Selbst" und "Nicht-Selbst"; mithin die Existenz einer, wie auch immer gearteten Außenwelt und mithin einer Grenze zwischen "innen" und "außen". Selbst wenn wir annehmen, dass unser ganzes Leben nur eine Illusion ist, müssen wir nicht nur die Existenz eines denkenden Selbst, sondern auch die einer Außenwelt postulieren, in der diese Illusion stattfindet und mit der besagte Interaktion stattfindet. Selbst wenn wir und unsere gesamte Welt bloß die Simulation in einem Computer sind, muss dort diese Grenze zwischen Selbst und Nicht-Selbst existieren, selbst wenn sie lediglich virtuell ist.

    Wenn wir das annehmen, bringt uns das an einen Punkt, an den die Atomforscher schon vor etlichen Jahrzehnten gelangten: Während Bohr noch ein konkret-anschauliches Bild vom Atom mit Kern und seinen Elektronen auf diskreten Kreisbahnen ringsherum entwarf, zeigte sich sehr bald, dass gar kein konkret-anschauliches Bild dem "wirklichen" Atom gerecht werden könne. Noch akuter zeigte sich dieser Mangel beim Licht, dessen Welle-Teilchen Dualismus sich von vornherein jeglicher Anschaulichkeit entzieht, wie etliches Andere aus der Welt der Quanten oder der Kosmologie auch. Das Dilemma nicht erkennen zu können, was und wie die Welt, also uns umgebende Nicht-Selbst, "wirklich" ist, ist also durchaus kein abgehobenes Denkmodell weltfremder Denker, sondern tritt uns im ganz normalen Forschungsalltag überall entgegen. Nur haben wir uns dort längst damit abgefunden, dass wir von der Welt an sich ohnehin nur ein höchst unzureichendes Bild entwerfen können und uns stattdessen mit Modellen behelfen müssen, die zwar immer nur Teilaspekte der "Welt an sich" beschreiben können, für die Lösung einer konkrete Fragestellung aber das einzig zur Verfügung stehende Hilfsmittel sind. Und der Erfolg gibt dieser Methode Recht!

    Damit hat die Wissenschaft das cartesische Dilemma, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre, wenn nicht gelöst, so doch wenigstens längst handhabbar gemacht: Der oben genannten In- und Output wird von uns in nichts anderes übersetzt, als in ein Modell des Nicht-Selbst, das wir als Umwelt erleben, im Grunde aber nichts anderes ist als die Schatten an der Wand des platonischen Höhlengleichnisses.

    Wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass Input, Turnover und Output der Signale zwischen Innen und Außen nicht willkürlich sind, sondern gewissen Gesetzmäßigkeiten unterliegen. Auch diese Erkenntnis stammt nicht aus der Philosophie, sondern aus dem Zeitalter der Aufklärung, in der Leute wie Newton darlegten, dass die Vorgänge in der Natur, also im "Nicht-Selbst", offenbar nicht die willkürlichen Ergebnisse göttlichen Waltens darstellen, sondern klar umrissenen Gesetzmäßigkeiten unterliegen. Eben diese Naturgesetze zu erkennen und zu beschreiben ist seither Aufgabe der Naturwissenschaften.

    Da wir also ohnehin nichts über die Welt an sich erfahren können, lassen sich doch eben die Gesetzmäßigkeiten erkennen und beschreiben, denen die Welt folgt. Damit löst sich das cartesische Dilemma, ob die Welt wirklich existiert, plötzlich in Nichts auf, da dem Selbst, das sich durch Denken definiert ("Cogito, ergo sum") zwangsläufig ein Nicht-Selbst gegenüberstehen muß, mit dem das Selbst wechselwirkt. Was wir davon erfahren können, kann aber nie mehr sein als ein Modell, das unser Selbst vom Nicht-Selbst entwirft, die platonischen Schatten an der Wand also. Wichtig für uns ist zu erkennen, nach welchen Gesetzmäßigkeiten Selbst und Nicht-Selbst interagieren, welche intrinsischen Prozesse zu welchem Output unseres Selbst führen, mit welchem extrinsichen Input wir rechnen müssen und wie sich die Interaktion zwischen beiden gestaltet. Damit kann das, was wir als unsere Umwelt ansehen niemals mehr sein als das, womit sich die Wissenschaftler lange angefunden haben: Ein Modell des Nicht-Selbst, dessen Existenz unbezweifelbar ist, dessen Natur an sich wir aber niemals ergründen können.
  • Graduelle Feinheit

    18.05.2011, Paul Kalbhen, Gummersbach
    Zum Leserbrief von Walter Weiss vom 23.03.11 "Wo bleibt das Niveau?" - folgende Entgegnung:

    Walter Weiss schreibt in seinem Leserbrief im Sinn des Beitrages von Albert Newen: "Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist nur graduell, nicht essentiell, und das gilt für alle Lebewesen ..." Meine Frage an ihn zu dieser Aussage lautet: Ist die "geistige" Fähigkeit des Menschen zu mathematischen Kunstfertigkeiten - auch wenn sie der Grundschüler noch nicht so recht beherrscht, mancher "verbohrte religiöse Exzentriker" (außerhalb der SdW-Redaktion) eventuell schon - nur ein "gradueller" Unterschied zur Nichtfähigkeit des Tieres in dieser Sparte, oder doch mehr? Vielleicht kann mir Walter Weiss in diesem Zusammenhang auch noch das Wort "graduell" niveauvoll definieren!
  • Antwort an Kunert/Kritik an Pöppe: Kosmische Zeit

    14.05.2011, René Kail, Glattfelden (Schweiz)
    Laut S. Weinberg (1972), W. Rindler (1979), Landsberg and Evans (1977) kann die kosmische Zeit t bzw. der kosmische Zeitpfeil absolut definiert werden:
    1. für alle mit der Expansion mitbewegten Beobachter (comoving observers)
    2. in einem Universum, das dem Hubbleschen Gesetz und dem Kosmologischen Prinzip gehorcht. Die Evolution solcher Universen wird in der Allgemeinen Relativitätstheorie durch die FRW-Metrik beschrieben, die auf großräumiger Homogeneität und Isotropie und auf dem Weylschen Prinzip beruht und welche die kosmische Zeitkoordinate t enthält.

    Das Standardmodell der Kosmologie Lambda-CDM entspricht diesen Forderungen. Somit kann eindeutig das Alter des heute beobachtbaren Universums angegeben werden: 13,7 Milliarden Jahre, sowie die Horizontdistanz von 46,5 Milliarden Lichtjahren.

    Zur Erklärung der Begriffe Universum, Beobachtbares Universum, FRW-Metrik, Lambda-CDM-Modell und Urknall (allgemein) siehe die entsprechenden Einträge
    unter wikipedia.de.



  • Augustinus und die Zeit

    13.05.2011, Dr. Karl Wulff, Schneverdingen
    Der erste Denker, der über einen Anfang der Zeit spekulierte, war der Kirchenvater Augustinus (354 bis 430). Er stellte (in Form eines Gebets) die Frage, warum Gott die Welt nicht früher oder später geschaffen habe. Dann kam er selbst im weiteren Verlauf seines Gebets auf die Lösung, dass Gott mit der Welt auch die Zeit geschaffen haben müsse und sich die Frage nach dem Vorher oder Später des Zeitpunktes der Schöpfung damit erübrige (Confessiones XI).
    In der Spätantike entwickelte sich der Gegensatz zwischen "Ewigkeit", einem Zustand ohne oder jenseits von Zeit, und der "Zeit", die in unserer Welt das Werden und Vergehen beherrscht. Dieser klare Kontrast trug wesentlich dazu bei, dass unsere abendländische Kultur in den Naturwissenschaften zu einem präzisen Zeitbegriff kam.
    Der persische Philosoph und Theologe Abu Hamid al-Ghazali (lat. Algazel, 1058 bis 1111), vertrat die Auffassung, dass die Zeit, wie alles Geschaffene, Anfang und Ende habe. Ob er von Augustinus beeinflusst war, ist nicht bekannt.
  • Alter des Universums

    12.05.2011, Michael Kunert, Berlin
    Wenn davon gesprochen wird, dass das Universum ein bestimmtes Alter hat (z.B. 14 Milliarden Jahre) Was ist damit eigentlich gemeint, wo doch die Uhren sehr unterschiedlich gehen? Je nachdem, auf welchem "Pfad" sich eine Uhr seit dem Urknall bewegt hat, sollte die gemessene Zeit auch verschieden sein.
    Handelt es sich bei den 14 Milliarden also um ein Minimum einer solchen Messung? Wohl eher nicht, denn wenn meine ausgewählte Uhr schon sehr früh in einem schwarzen Loch gestrandet ist, so sollte seitdem nicht mehr viel Zeit auf dieser Uhr vergangen sein.
    Handelt es sich um eine maximale Messung oder einen Durchschnitt von allen Uhr-Pfaden bis zu diesem Zeitpunkt? Aber da hat man das Problem mit der Gleichzeitigkeit im Universum.
    Wenn die Altersangabe also einen Sinn haben soll, dann vielleicht den folgenden: Man misst die vergangene Zeit entlang aller Pfade durch die Raumzeit vom Urknall bis heute auf der Erde. Und dann mittelt man diese?
    Antwort der Redaktion:
    Gute Frage. Ich habe noch nirgendwo gelesen, dass sich speziell damit jemand befasst hätte.

    Meine Vermutung: Da gibt es nicht viel zu mitteln. Die "Uhren", die wir heute ablesen können, also die Materie, die für uns greifbar ist, und die Strahlung, die bei uns ankommt, haben den größtenTeil ihres bisherigen Lebens in einer "normalen" Umgebung zugebracht, sprich im Vakuum oder jedenfalls mit geringer bis mäßiger Massendichte in ihrer Umgebung. Das heißt, die Uhren sind alle ziemlich gleich schnell gegangen. Zumindest gehen irgendwelche denkbaren Gangabweichungen in den Ungenauigkeiten der Rekonstruktion unter; die Zeitangabe "vor 14 Milliarden Jahren" ist ja sehr ungefähr zu verstehen.

    Es besteht also durchaus eine ernstzunehmende Frage – aber auf absehbare Zeit keine Chance auf eine brauchbare Antwort.

    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Die beste Zahl bleibt aber die 73,21

    11.05.2011, Thomas Barth
    Denn 73 ist die 21. Primzahl, Spiegelzahl 37, ist die 12. Primzahl, deren Spiegelzahl ist die 21

    und das beste Buch bleibt "Die grüne Wolke"
  • Erziehung und Rationalität

    11.05.2011, Martin Piehslinger, Wien
    Es gibt keine rationale Entscheidung. Auf Grund von Selbstbeobachtung glaube ich, dass alle Entscheidungen emotional gefällt werden. In der Erziehung wird mit dem logischen Denken und mit rationalen Entscheidungen ein angenehmes Gefühl verknüpft.

    "Denk doch logisch!"
    "Ja, gescheites Kind!"

    So wurden wir immer wieder belohnt und belohnen uns selbst für logisches Denken. Darum tun wir es. In anderen Kulturkreisen könnte diese Verknüpfung vielleicht weniger stark ausgeprägt sein.