Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Nichtlokalität und Relativität: Kein Widerspruch

    13.01.2011, Prof. Dr. Eduard Wirsing, Ulm
    Den Artikel ”Bedroht die Quantenverschränkung Einsteins Theorie?“ von David Z. Albert und Rivka Galchen, Spektrum der Wissenschaft 9/09 habe ich leider erst im Anschluss an den von Craig Callender (Spektrum 10/10) über die Zeit genauer gelesen und möchte sagen, dass ich ihn sehr skeptisch betrachte. Albert und Galchen widersprechen dem, was ich über Verschränkung zu wissen meine, aber das Wenige, was sie zur Begründung anführen, sind doch wohl Trugschlüsse.

    Im Kasten auf S. 32 ist das EPR-Argument mit Elektronenpaaren illustriert, die zum Gesamtspin 0 verschränkt sind. Lassen wir Alice und Bob die Spins einer Folge von solchen Paaren in wechselnden, jeweils entgegengesetzten Richtungen messen. (Sie könnten die Richtung z. B. nach einer digitalisierten Version von Nostradamus' Prophezeiungen wählen.) Nach der Quantenmechanik werden sie immer dasselbe messen: beide + oder beide –. Da die Entfernung beliebig groß sein darf, beweisen gelungene analoge Experimente: Die Welt ist und funktioniert nichtlokal. Auf S. 36 heißt es nun: ”Die quantenmechanische Nichtlokalität scheint vor allem absolute Gleichzeitigkeit zu erfordern.“ Wieso? Wohl einfach, weil Maudlin das sagt. Es entspricht ja auch der Vorstellung, Alices Messung beeinflusse ganz schnell Bobs Teilchen; zumal die Wortwahl im Kasten: ”dann wird Bob feststellen ...“, leider davon ausgeht, dass er erst nach Alice misst.

    Aber: Da Alice und Bob vor dem Naturgesetz sicherlich gleich sind, greifen seine Messungen ebenso ins Geschehen ein wie ihre. Wir sollten also sagen: Nach ihrer Messung weiß Alice sofort (in ihrem Bezugssystem), dass Bob dasselbe wie sie messen wird oder schon gemessen hat. Daraus folgt zweierlei:

    Erstens geben die zwei identischen Messreihen nicht den geringsten Hinweis, wer beim Messen der Erste war. Das Experiment erlaubt keine Unterscheidung von früher und später, also keine Beobachtung einer absoluten Zeit.

    Zweitens: Weder sie noch er können aus ihren Messwerten erkennen, ob er bzw. sie schon gemessen hat. Bei Betrachtung der gleichen Folge von Vorzeichen müssten sie ja zum gleichen Ergebnis kommen. Es ist also kein einziges Bit Information in die eine oder die andere Richtung geflossen. Keiner hat auch nur den geringsten (beobachtbaren) Einfluss in das andere Labor. Das kann auch nicht verwundern, denn nicht einmal im eigenen Labor haben die beiden Einfluss auf ihre Messwerte; und etwas Anderes wird ja nicht beobachtet.

    Das obige Experiment ist besonders einfach zu diskutieren, steht aber für alle anderen Experimente mit Paaren verschränkter Teichen. Der Kalkül der Quantenmechanik zeigt nämlich, dass das Messen der Individuen mit anschließendem Mischen die ursprüngliche Gesamtheit wieder herstellt. Und genau dies tut Alice. Zwar misst sie Bobs Teilchen implizit mit ihren mit, aber sie sortiert sie dabei in keiner Weise. Alices Messungen hinterlassen an Bobs Teilchengesamtheit keine beobachtbare Spur. Keine Zeitmarke, kein Bit, kein Einfluss.

    Am Beispiel des Äthers hat Einstein vorgeführt, dass man, was prinzipiell nicht beobachtbar ist, in der Physik ignorieren sollte. Eine nicht beobachtbare absolute Zeit mag ihren Platz im Algorithmus haben, wie schon die Wellenfunktion mit ihrer unklaren Realität, aber sie bringt jedenfalls die spezielle Relativitätstheorie nicht in Gefahr. Die zeitliche Reihenfolge von Alices und Bobs Messungen kann durchaus vom Inertialsystem des Betrachters abhängen.

    Da die Autoren darin die Wurzel aller Fehldeutungen zu sehen scheinen, möchte ich darauf hinweisen, dass die Unmöglichkeit von Überlichtgeschwindigkeit für Information und Materie in der obigen Diskussion keine Rolle spielt. Ich gebe allerdings zu, dass ich bis zum Erweis des Gegenteils daran glaube. Dass dergleichen mit der Relativitätstheorie vereinbar ist, ist egal, solange es keine Experimente gibt, die es zeigen oder nahelegen.

    Bei alledem bleibt der Effekt der Verschränkung natürlich beobachtbar und aufregend. Nur nicht sofort. Beide Messreihen für sich sind völlig unauffällig. Der Effekt liegt im Übereinstimmen der Messreihen bzw. im Zusammenpassen, welches sich in einer Korrelation messen lässt. Er wird also nur wirksam, beobachtbar, wenn die beiden Informationen zusammengeführt werden. Und das kann nach heutigem Kenntnisstand höchstens mit Lichtgeschwindigkeit geschehen.

    Und dann liest man auf S. 32 und im Kasten S. 36, warum Albert und Galchen die Relativitätstheorie in Gefahr sehen: Nichtlokalität bedeutet ihnen direkten Einfluss in der Ferne, Nasenbrechen, Bomben sofort zünden. Wenn stimmt, was ich oben erläutert habe, darf man sagen: Falscher gehts kaum. Gerade die von der Quantenmechanik geforderte und und in Experimenten bewiesene Möglichkeit des ”Fernmessens“ ohne beobachtbare Einflussnahme ist ausgeblendet und dafür die nicht geforderte und mit keinem Experiment belegte sofortige Fernwirkung zur Definition genommen!

    Noch ein paar Worte zur Kausalität, mit der der Artikel auf der Titelseite beworben wird, obwohl ich sie im Heft gar nicht finde. Wofür sollte z. B. Bob nach einer Ursache fragen, wenn er nichts irgendwie Auffälliges beobachtet? Da, wo und dann, wenn der Verschränkungseffekt eine Wirkung haben, beobachtbar werden kann, sind beide Messungen Vergangenheit und erst recht die Präparation der verschränkten Partikel. Darum sehe ich kein Problem mit dem Kausalitätsprinzip. Wahrscheinlich sollte man die Beziehung zwischen den verschränkten Teilchen gar nicht als ”Geschehen“ betrachten. Es lässt sich ja keine Zeit beobachten, zu der etwas geschieht. Es ist wohl mehr eine Art gemeinsames Sein der beiden, über Raum und Zeit hinweg, an beidem vorbei. Dass ich das nicht verstehe, spielt keine große Rolle. Wichtig ist, dass, wie ich hoffe, kein Widerspruch entsteht.

    Sicherlich haben die Autoren (mit Maudlin) Recht, dass die Frage viel subtiler sei als ”die üblichen Plattitüden“. Das kann der Fachmann immer sagen. Dass sie aber gar nicht diskutieren, ob und wie man absolute Zeit oder Fernwirkung vielleicht nachweisen könnte, dem Leser stattdessen nur den Hinweis auf die Autorität (Maudlin) und Scheinargumente bieten, das finde ich ärgerlich.
  • Weibliche Welt

    13.01.2011, Birgit Ergezinger, Göttingen
    Dieser Artikel deutet nicht ohne Grund ein Matriachat an der Wiege der Menschheit an. Eine kleine Bevölkerungsgruppe soll an der Südküste Afrikas, in einem klimatisch günstigem Gebiet, während einer langen Kälteperiode überlebt haben. Die Menschen sahen wie der Mond die Gezeiten bestimmt, damit die Erntezeiten der Meeresfrüchte festlegt und führten Mondkalender. Auf Grund dessen, bezogen die Frauen die Idee einer lunaren Zeugungenergie auf sich. Zeugungsenergie wurde als weiblich angesehen. Eine räumliche Ausdehnung der Population war nicht angesagt. Genauso, wie es heute sein sollte.

    Für eine Welt, die weiblicher werden will, ist der archäologische Befund erfreulich. Es gab also schon einmal eine Zeit, in der es vernünftiger zuging, als genug Nahrung für alle da war, aus der Erde und aus dem Meer. Ein Matriachat in Afrika, von dem wir vielleicht alle abstammen, erklärt den Ursprung von Glaubensvorstellungen des Altertums. Das Urbild der Mondgöttin, als Sinnbild der Fruchtbarkeit, geht letztendlich auf Bedingungen der Natur zurück. Das wußten wir vor diesem Artikel noch nicht so gut.
  • Grundlagen der Kupferverhüttung im Oman

    13.01.2011, Peter Fischer, CH-8127 FORCH
    Nach 1800 v. Chr. ging der Export von Kupfer zurück. Ist es denkbar, dass dies aus Mangel an Brennstoff (Reduktionsmittel) geschah? Zypern und auch Anatolien verfügen über umfangreiche Wälder. Oman besteht hauptsächlich aus Wüstengebieten.
    Oder war dannzumal die Arabische Halbinsel noch begrünt?
    Wer weiss Bescheid?
  • Titel Ihres Leserbriefes

    13.01.2011, Paul R. Woods, Neumagen-Dhron
    Im Artikel wird im Zusammenhang mit hohen Opferzahlen "Indonesien 2004" angeführt. Das Erdbeben von vom 26.12.2004 mit 9,0 hat aber nicht die Opferzahlen verursacht, sondern der dadurch verursachte Tsunami. Gerade in Banda Aceh, der Provinzhauptstadt, waren es vor allem neuere Gebäude, die beschädigt oder zerstört wurden, darunter ein Hotel und zwei Einkaufszentren. Der Tsunami zerstörte rund ein Drittel der Stadt, jedoch waren die anderen Bereiche nahezu ohne jede Schäden.

    Auch das Beben im März 2005 mit 8,7 verursachte in Aceh kaum Schäden, vor allem auch, weil kein Tsunami folgte. Nias wurde jedoch schwer getroffen. Bessere indonesische Beispiele wären die späteren Beben in Zentral-Java (Yogjakarta) oder West Sumatra (Padang) gewesen, wo durch nicht angepasste Bauweise große Opferzahlen zu beklagen waren.
  • Homo religiosus?

    12.01.2011, Dominique Boursillon
    Sehr geehrte Damen und Herren!

    Die Darstellung eines Homo religiosus ist irreführend, vor allem im Hinblick auf die Entwicklung des Menschen zu einem solchen. Es ist eher so, dass die Evolution (ganz im Sinne eines Auguste Comte) den Menschen eher weniger religiös macht. Religiosität ist angeboren und entstand aus der Erkenntnis des eigenen Todes. Religiosität ist die Unterdrückung (oder auch Sublimation) dieser Todesangst. Sie fiel daher quasi vom Himmel... Natürlich als Evolutionsprozess!

    Dennoch: Die weitere Entwicklung und Evolution des Menschen konnte erst mit der Etablierung der Religiosität stattfinden. Wir sind demnach genetisch verdammt zu glauben... Die Ausprägung ist natürlich von der Kultur vorgegeben, wie Sie es im Artikel auch darstellten. Sie sehen die Sache allerdings meiner Meinung nach falsch, wenn Sie den Erfolg der Religionen auf deren Reproduktionserfolg beziehen, weil Sie dabei etwas entscheidendes übersehen: Der freie Mensch ist religiös - aber ungläubig. Die von ihnen zitierten Gesellschaften (Amish, Orthodoxe Juden, Mormonen) sind streng religiös - aber ebenso streng unmenschlich, weil sie jede freie Meinungsäußerung verbieten.

    Auswüchse wie der Kreationismus sind nur die Spitze des Eisbergs. Das Religion in einer freien Welt überhaupt noch eine Rolle spielt, ist erstaunlich genug. Würden wir in Deutschland morgen die "Religion" abschaffen (im Sinne der Freiheit dürften sie natürlich weiter glauben, Kirchen bauen und beten) - es würde sich für die Allermeisten von uns nichts ändern. Streng genommen haben wir die Religion in unserem Leben ohnehin de facto abgeschafft; erhalten Sie nur noch mit Reden, Floskeln und Feiertagen künstlich am Leben.

    Allerdings ist der Gedanke trotzdem interessant, dass die Propagation von Religiositätsgenen deren Evolutionserfolg prägen. Das bedeutet für die Evolution: Glaube oder Freiheit! Wer wird da wohl siegen? Mein Tipp: Wenn wir es der Natur überlassen, dann wird der Glaube siegen. Freiheit ist eine Errungenschaft der Vernunft - und die Vernunft kennt keine Götter... Alles Gute für 2011 und viele Grüße.
  • Glaube und Lebensfreude

    12.01.2011, Armin Furlan
    Aus meiner Sicht hat die Religion die Aufgabe, den Menschen Ängste zu nehmen (dadurch wird die Lebensfreude und Kreativität gefördert). Beginnt die Religion Ängste durch dogmatisches Verhalten zu vermehren, gewinnt sie zwar an Macht, nimmt sich aber gleichzeitig die Grundlage ihrer Existenz: Die Gläubigen verlassen das sinkende Schiff.

    Mit dieser, meiner, Sichtweise finde ich keinen Ansatz einer Vererbungslehre, die mit Genen weitergegeben werden kann.
  • Wohlstand und Religiosität

    12.01.2011, S. Janke
    Vor etwa 100 Jahren gab es auch in Deutschland mehr Kinder, mehr Armut und mehr Religiosität. Ich denke, den Aspekt des Wohlstands sollte man bei derartigen Untersuchungen nicht ganz unter den Tisch fallen lassen. Es gibt wohl kaum wohlhabende Menschen, die sehr viel Kinder haben, oder ?
    Eventuell sollte man auch den anderen Zeitvertreib wie Fernsehen oder im Internet surfen in Betracht ziehen?
  • Wir sind alle Atheisten

    12.01.2011, Peter Sinnl
    Im Konstruktivismus erfahren wir den Unterschied zwischen der Wirklichkeit - die durch die Fähigkeit des Welterkennens von unserem Netzwerk Gehirn geprägt ist - und der Reality - Die Erkenntnis eines "objektiven Wissens", der Wahrheit, der ontologischen Realität ist daher nicht möglich. Auch wenn viele Menschen die gleiche wissenschaftliche Erkenntnis für sich erfolgreich verwenden, wird diese dadurch nicht objektiv wahr.

    Nun wissen wir aus den MRT-Untersuchungen, in welchen Bereichen des Gehirns "religiöse" Erfahrungen angesiedelt sind - dort wo auch Angst und Destruktivität ihren Ausgang nehmen. R. Dawkins: "Darum, ja, ich würde die Ansicht vertreten, dass Religion ein extrem wirksames Etikett für Feindseligkeit ist." Und damit auch ein Symbol für Dummheit.

    Der Weise aus Nazareth hat vielleicht versucht, den widerlichen Gott des AT in den Vorstellungen der Israeliten zu beseitigen; vergeblich, wie man aus der Entwicklung der christlichen Religionsgemeinschaft für die psychische Gesundheit der Menschen sieht.

    Ethisch, so schreibt Dawkins, ist Jesus zwar ein großer Fortschritt gegenüber dem "Ungeheuer aus dem Alten Testament". Aber auch im Neuen Testament gebe es "Prinzipien, die kein anständiger Mensch unterstützen sollte", allen voran die Erbsünde. "Diese Lehre ist ethisch fast ebenso anstößig wie die Geschichte von Abraham, der sich anschickt, Isaak zu grillen."

    R. Dawkins: "Ich bin gegen Religion, weil sie uns lehrt, damit zufrieden zu sein, die Welt nicht zu verstehen." Und:
    "Wir sind alle Atheisten, was die meisten Götter anbelangt, an die die Menschheit jemals geglaubt hat. Manche von uns gehen einfach einen Gott weiter." Alle Religionen machen das, was sie als Gott oder Weltursache bezeichnen, so klein, wie sie ihrer "Wirklichkeit" entsprechen - welch ein Armutszeugnis für die Beweiswürdigung!

    Die Evolutionstheorie Darwins nachzuvollziehen, birgt eine Erkenntnis, welche einerseits die Bedeutungslosigkeit des Menschen und seiner sogenannten "Ideenwelt" oder manifestiert seiner "Ideologien" klar erkenntlich zu machen, anderseits aber eine Zukunft zu erklären, in der die Vergangenheit bedeutsam und die Gegenwart wichtig ist, in der alle Ereignisse dem "ER-Leben" untergeordnet sind. In dieser Zukunft gibt es keine Bestimmung, keine Schöpfungsmacht, keinen Gott oder irgendein bedeutendes Gesetz aus der Trickkiste der Selbstbestätigung. Es gibt keine Hoffnung noch irgendein unerkanntes System des Chaos, des Zufalls außerhalb unserer Identität. Obwohl unser Entstehungs-Programm so gleichartig ist, sind wir in aller Vielzahl nicht gleich sondern jeder für sich "ein Universum im Wassertropfen".
  • Lob für neues Layout

    10.01.2011, Leo Nick, Bad Dürkheim
    ich finde die dezenten Änderungen im Layout des Hefts außerordentlich gelungen. Insbesondere der von mir in meinen fast 28 Abonnementsjahren öfter kritisierte Umgang mit Illustrationen auf der ersten Doppelseite eines Artikels hat nun aus meiner Sicht eine ideale Form gefunden: Dort wo es ansprechende Bilder mit Aussagekraft zum Artikel gibt - z. B. die simulierte großräumige Struktur des Kosmos - sind diese so groß wie möglich angebracht. Wenn es keine gibt - auch gut, dann ein kleines Bild und vor allem Text.
    Ich hoffe natürlich, dass möglichst viele bestehende und natürlich auch neue Leser dies auch so sehen. Die Seriosität und Qualität der Texte machen Spektrum aus - "Bildzeitung der Wissenschaft" sollen andere machen und lesen.
    Der Redaktion in der neuen Zusammensetzung viel Erfolg auf diesem Weg!
  • Pheromone und Geruchsstoffe

    10.01.2011, Klaus Wernicke, Haiming
    Ich möchte darauf hinweisen, dass Pheromone keine Geruchsstoffe sind. Warum nicht, wird im Artikel erwähnt - sie riechen nicht.

    Ein Geruchstoff wird über die Nase aufgenommen und erzeugt eine Geruchswahrnehmung. Ein Pheromon hingegen wird über das Jacobson-Organ aufgenommen und erzeugt keine Wahrnehmung. Zwar befindet sich dieses ebenfalls in der Nase, ist aber ein separates Organ. Es ist beim Menschen zwar weniger entwickelt als bei vielen anderen Spezies, jedoch offensichtlich funktioniert es trotzdem.

    Ein Geruch kann, ebenso wie andere Sinneseindrücke, unsere Gefühle gegenüber einer anderen Person positiv oder negativ beeinflussen. Ein Pheromon hingegen löst bei uns z. B. eine Hormonausschüttung aus, ohne dass wir es wahrnehmen.

    Ich meine also, dass man Pheromone und Geruchsstoffe nicht durcheinanderwerfen sollte.
    Antwort der Redaktion:
    Lieber Herr Wernicke,



    vielen Dank für Ihren Leserbrief. Sie haben natürlich Recht damit, dass Pheromonwahrnehmung und Geruchswahrnehmung nicht dasselbe ist. Allerdings wird im Artikel nicht behauptet, dass es sich bei dem chemischen Signal um ein Pheromon handelt. Wie die Autoren der Studie lassen wir die Frage nach der Identität der Substanz offen.



    Es hätte den Artikel allerdings unschön verkompliziert, hätten wir stattdessen eine zwar korrekte, aber sperrige Ausdrucksweise wie "über die Nase wahrnehmen" gewählt oder "riechen" jedesmal in Anführungszeichen gesetzt.



    Mit besten Grüßen

    Jan Dönges

    Redaktion
  • "Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort"

    07.01.2011, Peter Altreuther
    Sehr geehrter Herr Fischer,

    es ist ja immer gut, sich etwas Neues einfallen zu lassen und es dann auch in die Tat umzusetzen, aber
    "schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort...leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen" - so läßt Schiller seinen Wallenstein sagen und das war auch meine erste Reaktion. Schon das Studium nach Anwendungsbereichen zu strukturieren klingt ja ganz gut - natürlich lassen sich Anwendungen strukturieren in bestimmten Bereichen und das werden sie ja auch: Analytik, Elektrochemie, Festkörperchemie, Lebensmittelchemie usw., die gibt es ja auch schon als Fächer. Sinnvoll für den Anfänger wären sie nur, wenn er von Anfang an wüßte, was er denn forschen will. Weiß er aber nicht, und das ist auch gut so. Überdies: Was Platin kann, können nicht alle Metalle (und das müßte er erst einmal begreifen) und ein aktives Zentrum in einem Enzym muß man erst einmal erzeugen können - in welchem Fachbereich, bitte? Wenn man auf die Grundlagen in den alten Fachbereichen verzichtet, landet man dort, wo manche Biologen schon sind; Sie wissen alles über die Manipulation von DNA und können ein Rotkehlchen nicht vom Storch unterscheiden.
    Mein Studium ist schon 50 Jahre her. Schon damals gab es anwendungsrelevante Bereiche innerhalb der Institute und besonders nachher, in der Industrie, galt das Wort: "Wer tut schon, was er studiert hat"?Flexibilität und Kreativität für nicht vorhergesehene Aufgabenstellungen lassen sich nur erzeugen, wenn man über die Grundlagen in den üblichen Fächern verfügt - anorganische, organische, physikalische Chemie und dazu ein bißchen von den Außenbereichen, Mathematik, Physik, Biologie etc. Der Rest lernt sich am Problem.
    Übrigens, mir hat es sehr genützt, daß ich schon vor dem Vordiplom Hilfsarbeiten im Forschungslabor machen durfte. Die waren nützlicher als die vorgefertigten Praktikumsarbeiten, die mir dadurch zu einem Teil erspart blieben. Das wäre auch heute noch eine Möglichkeit, Studenten früh an die Forschung heranzuführen und ihnen am Beispiel zu zeigen, wie man eine Problemlösung anfangen kann. Aber das ist ein weites Feld...

    Mit den besten Grüßen
    Peter Altreuther.
  • Benzolringe sind nicht gewellt

    07.01.2011, Martin Bernhauer
    Benzolringe sind auf Grund ihrer speziellen chemischen Struktur ebene Sechsecke und nicht im geringsten gewellt.
    Gewellt sind sechseckige Ausschnitte aus der Diamantstruktur,
    wobei dort alle Tetraederwinkel aufweisen.
    Diese gewellten Sechsecke gibt es in zwei Formen:
    Man male sich ein Sechseck auf ein Blatt Papier mit zwei gegenüberliegenden Spitzen nach rechts und links zeigend.
    Die anderen vier Ecken sollen in der Ebene des Papiers liegen. Dann ragen die beiden äußeren Spitzen aus dem Papier heraus und zwar entweder (a) einer nach oben und den andere nach unten (die so genannte Sesselform) oder (b) beide auf dieselbe Seite (z. B. nach oben) (die so genannte Wannenform (bei den Engländern als Seefahrervolk wird diese Form stattdessen die Bootform genannt) ).
  • Bio-Ethanol oder Brot??

    06.01.2011, Rolf Schauder, Frankfurt
    Herr Brzoska merkt in seinem Leserbrief an:
    "Von 100 Kilogramm Weizen kann ich 100 Kilogramm Brot backen - oder 28 Liter Sprit gewinnen"

    Ich möchte diese Aussage nicht unkommentiert stehen lassen. Ich bin mir der Problematik Tank oder Teller durchaus bewusst. Aber falsche oder nicht nachvollziehbare Aussagen helfen in dieser Diskussion wenig.

    Die obige Aussage ist in mehreren Punkten ungenau:
    Aus 100 kg Weizen eines Feldes bekomme ich deutlich weniger Masse an Weizenkörnern. Aus 100 kg Weizenkörnern bekomme ich keine 100 kg Weizenmehl. Aus 100 kg Weizenmehl dagegen bekomme ich mehr als 100 kg Weizenbrot. Die genauen Zahlen weiß ich leider nicht.

    Andererseits ist auch nicht ersichtlich, wie die Dame vom WWF auf die 28 Liter Sprit kommt. Bezieht sie sich hier auf 100 kg Weizenkörner, oder auf 100 kg Weizen (einschließlich des Rests der Pflanze)? Eine Biogasanlage sollte die ganze Pflanze zu Ethanol (und anderen Nebenprodukten) umsetzen, und nicht mit Weizenkörnern gefüttert werden.

    Ich möchte meine Mail als Anstoß verstanden sehen, sinnvoll und nachvollziehbar zu argumentieren.
  • Altes Kreuz mit "alten Gewissheiten"

    05.01.2011, 50259 Pulheim
    Mit Schmunzeln habe ich den ersten Absatz des Artikels gelesen. Er erinnerte mich an einen Satz im Vorwort zur 1. Auflage von WALTER NERNST "Theoretische Chemie". Dort schreibt W.NERNST 1883:
    "Ich glaube überhaupt, daß gegenwärtig eine Epoche der ruhigen, aber erfolgreichen Ausarbeitung für die physikalisch-chemischen Forscher gekommen ist; die Ideen sind nicht nur vorhanden, sondern auch bis zu einem gewissen Abschlusse gereift."
    Der geneigte Leser möge sich die Entwicklung in den Jahrzehnten nach 1883 vor Augen führen!

    Burkhard Carlsohn
    Antwort der Redaktion:
    Darin spiegelt sich das Selbstvertrauen jener Zeit wider. Berühmt ist das Beispiel von Max Planck, dem mit dem gleichen Argument vom Physikstudium abgeraten wurde. Heutzutäge wäre man mit einer solchen Einschätzung sicher vorsichtiger.
  • Mehr Dynamik!

    05.01.2011, Peter Bützer, Altstätten
    Die Kernaussagen zu „Chemie am Scheideweg“ von Lars Fischer sind treffend formuliert. Viele neue Erkenntnisse haben das Gesamtbild stark verändert, aber auch neue Methoden lassen neue Einsichten zu, sie sollten schon in der Chemie-Grundausbildung besser eingebaut werden. Die meisten Chemie-Lehrbücher, die nicht einmal 10% des Inhalts der Dynamik von chemischen Reaktionen widmen, hinterlassen einen verstaubten Eindruck. Die Entwicklungen von Computern und Software ermöglichen einfache Zugänge zur Messung und Interpretation von Reaktionsgeschwindigkeiten, sogar bei komplexen Systemen. Im Alltag werden die Fragen nach den Geschwindigkeiten als wichtig empfunden, von der Verdauung, dem Stoffwechsel, der Wirkung von Doping, der Beständigkeit von Werkstoffen, dem Abbau von Schadstoffen, Auf- und Abbau des Ozonlochs, der Produktionsgeschwindigkeit von Rohstoffen, ja sogar dem chemischen Teil der ganzen Treibhausproblematik. Ein verstärkter Trend der Chemie in Richtung Dynamik wäre somit nicht nur sinnvoll, sondern auch spannend. Solange die Zunahme der Reaktionsgeschwindigkeit für den Abbau der Schadstoffe beim Autokatalysator nicht quantitativ diskutiert wird oder chemische Gleichgewichte ohne die Geschwindigkeit der Gleichgewichtseinstellung behandelt werden, fehlt dem chemischen Verständnis ein wichtiger und spannender Teil. Die Dynamik bestimmt nicht nur unser Leben, den Wandel unserer Gesellschaft und der Umwelt, sie muss viel besser in die Aussagen der Chemie eingebaut werden – meine These für das Jahr der Chemie.