Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Bei Gärtnern seit Urzeiten bekannt

    02.03.2011, Ernst Schwemmer, Heidelberg
    Der Verfasser schreibt: "Auch Untersuchungen der in Deutschland verbreiteten Regenwurmart Lumbricus terrestris wären noch wünschenswert." Ich halte sie aber für überflüssig, denn alles was der Autor herausgefunden hat, ist bei uns den Gärtnern und Anglern seit Urzeiten bekannt.

    Zwei Möglichkeiten sind noch nicht genannt. Das Herausziehen von kleinen Unkräutern mit ihren Wurzeln zwischen den ausgesäten Kulturpflanzen veranlasst die Würmer ebenfalls schnell an die Oberfläche zu kommen. Angler dagegen benutzen zwei Eisenstäbe und eine Autobatterie, eine sehr gefährliche Methode, schnell viele Regenwürmer zu sammeln!
  • Wer bin ich? – Lückenhaft

    02.03.2011, Kinseher Richard, Kelheim
    Der Beitrag ´Wer bin ich?´ ist hervorragend geschrieben geht aber leider nicht auf wichtige Fragen ein:
    Wie lange dauert ein Ich? Wodurch entsteht das Gefühl einer dynamischen Kontinuität des Ich-Gefühles?

    Hier lohnt es sich, im Buch ´Grundlagen tibetischer Mystik, (von Lama Anagarika Govinda, Fischer Taschenbuch, Ausgabe August 1975) nach zu lesen: Darin wird die Idee eines Ichs als Illusion betrachtet, da (Zitat:) "... dass die Lebensdauer eines Lebewesens genau genommen nicht länger sei als die Dauer eines Gedankens".

    Die dynamische Natur, welche das Gefühl einer anhaltenden Ich-Kontinuität erzeugt, entsteht demnach erst dadurch, dass dauernd (im Gedächtnis gespeicherte) Erfahrungen (als Abfolge von Gedanken) bei Bedarf ins Wachbewusstsein treten.
  • Im Ausland inspirieren lassen

    02.03.2011, Stephan Schleim, Groningen
    An unserer Universität (Groningen, Niederlande), beruft der Betreuer ("Promoter") eine Promotionskommission ein, die die Arbeit prüft. Geht es um die Verleihung des Prädikats (hier schlicht "cum laude"), muss sogar eine zweite Kommission eingeschaltet werden. Ich denke, das ist in den Niederlanden so üblich. Die Arbeit muss daraufhin übrigens nicht erst publiziert werden; nach der Verteidigung wird sofort die Urkunde verliehen.

    Ein Kollege aus Großbritannien erzählte mir, an ihrer Universität seien akademischer Arbeitgeber und Gutachter der Promotion nicht identisch.

    Natürlich kann es sehr schön sein, von jemandem promoviert zu werden, mit dem man lange zusammen gearbeitet hat. Im Fall zu Guttenbergs hat das persönliche Betreuungsverhältnis aber wohl dazu geführt, dass die Arbeit nicht kritisch genug untersucht wurde. Auch für den Doktoranden kann es im Konfliktfall unangenehm werden, von Chef und Doktorvater/-mutter in Personalunion abhängig zu sein.

    Mein Eindruck ist übrigens, dass die Promotion gerade auch in den Naturwissenschaften mehr und mehr zu einer bloßen Formalität wird. Die kumulative Zusammenstellung mehrerer Arbeiten von mehreren Autoren kommt der Publikationspraxis in Journals entgegen; die Doktorarbeit ist dann aber nicht mehr das eine große Werk eines jungen Forschenden, das es einmal war. Wenn in der zukünftigen akademischen Laufbahn der Doktorgrad selbst keine Rolle mehr spielt, sondern man nur anhand seiner akademischen Vita (Publikationen, Drittmittel, Lehre, …) bewertet wird, dann verändert sich der Charakter der Promotion vielleicht zunehmend. Welche Rolle spielt sie dann noch?
  • Ein dummer Kommentar

    02.03.2011, Prof. Dr. Gilbert Brands
    mit einer Reihe von Fehlern. Einen Doktortitel kann man beispielsweise nicht zurückgeben, der kann nur aberkannt werden. Und dass Sie ausgerechnet "guttenplag" zitieren, beweist, dass Sie sich oberflächlicher mit der Sache beschäftigt haben als angeblich Guttenberg mit seiner Dissertation. Nach dem, was dort alles als Plagiat angeprangert wird, hätte G. seinen Doktortitel vermutlich erst recht verdient, denn das zusammenzusuchen und nicht zu zitieren wäre noch komplizierter als eine eigene Arbeit. Und bei den offensichtlichen Plagiaten sollten Sie sich auch einmal die Frage stellen, wie oft es Ihnen selbst passiert, dass Sie unbewusst aus Gelesenem oder Gehörtem zitieren, ohne dass Ihnen dies direkt bewusst ist, oder in einem Gespräch mit "das passt, darf ich das verwenden?" reagieren, ohne zu wissen, dass der andere auch nur zitiert hat.

    Seien wir ehrlich: Guttenberg ist vorzugsweise medial erfolgreich gelyncht worden, das Bltzverfahren an der Universität Bayreuth eingeschlossen (ich hätte große Lust, hierzu ein Verwaltungsgerichtsverfahren wegen Prüfungsfälschung einzuleiten). Trotzdem herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Brands,



    den Doktortitel kann man tatsächlich nicht zurückgeben - deshalb haben wir das Wort nachträglich in Anführungszeichen gesetzt. Es bezog sich auf die Aussage von zu Guttenberg, dass er seinen Doktortitel dauerhaft nicht mehr führen wolle.



    Mit freundlichen Grüßen



    Die Redaktion
  • Es trifft alle

    02.03.2011, Michael Kühnapfel
    Sehr geehrte Herren, ich kann ihren Kommentar nur gutheißen, vielen Dank. Sowohl die Konsequenzen, die Guttenberg ziehen musste, als auch die jetzt nötige Selbstkritik der Wissenschaft (denn so, wie Guttenberg sich äußerte, war der Doktortitel für ihn nur Accessoire, die Doktorarbeit nur ein notwendige Formalität dafür). In einem Land wie Deutschland, in der Bildungs- und Akademikerfeindlichkeit so tief verwurzelt sind, ein Betrug mit weit reichenden Folgen: Auf der diesjährigen Didacta war die häufigste Bemerkung nach Lesen meines Namensschildes: "Na, haben Sie sich denn den Doktor ehrlich verdient?".
  • Doktortitel

    01.03.2011, Neumann, Konstanz
    "Die Doktorarbeit soll dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn und Fortschritt dienen und weniger der Profilierung Einzelner". Zu diesem Zitat hätte ich doch ein paar Anmerkungen: Wenn es der Wissenschaft beim Doktortitel um Erkenntnisgewinn und Wissenschaft geht, wieso geht es dann "weniger" um Profilierung und nicht "garnicht". Und wieso dürfen dann nicht alle Akademiker mit erfolgreichem Abschluss die Möglichkeit haben, mit einer wissenschaftlichen Doktorarbeit zu dem Erkenntnisgewinn in der Wissenschaft beizutragen, sondern nur "Auserwählte"? Dann hätte jeder Akademiker eine Chance, einen Doktortitel zu erwerben, wenn er eine gute wissenschaftliche Arbeit abliefert.

    Tatsache ist doch auch, dass viele nur deshalb den "Doktor" machen, weil das Berufsbild in der Gesellschaft das fordert (z.B. Medizin) oder weil der Dr. karriere- und damit einkommensfördernd ist. Vielen Doktorarbeiten kommt zudem nur ein sehr begrenzter wissenschaftlicher Wert und faktisch kein praktischer Wert zu. Sie werden geschrieben und nie mehr von irgendjemand gebraucht oder auch nur angeschaut. Zusammengefasst: Es muss nicht strenger kontrolliert werden, wer zur Dokorarbeit zugelassen wird, sondern was abgeliefert wird.

    Ich glaube auch nicht, dass die Affäre Guttenberg Grund für einen zukünftig verschärften Ingenieursmangel ist, sondern viel mehr der Umstand, dass im Kindergarten und an der Schule alles mögliche unterrichtet wird, von Malen über Theater bis Häkeln, aber Physik, Chemie, Astronomie etc. viel zu spät den Kindern nähergebracht werden, und zwar deshalb, weil die mehrheitlich weiblichen Erzieherinnen und Lehrerinnen in Kindergarten und Grundschule zu oft selbst kein Interesse daran und zudem noch öfter "keinen Plan" von diesen Themen haben.
  • "Hochstapelei"

    01.03.2011, Heinrich Badhofer, Steyr (Österreich)
    Die Doktorarbeit ist das Grundwesen eines Doktortitels.
    "Doktor" wird man ja nicht durch ein Studium oder sonstige Bemühungen, Doktor wird man einzig und allein durch die Doktorarbeit. Eine gefälschte Doktorarbeit ergibt einen falschen Doktortitel und man fällt damit unter "Hochstapelei"
  • Forschung ohne Tierversuche

    01.03.2011, Antonietta Tumminello, 47167 Duisburg
    Allein in der Bundesrepublik Deutschland sterben jährlich noch immer mehrere Millionen Tiere im Namen der Wissenschaft. Dass man von den aus Tierversuchen gewonnenen Ergebnissen nicht auf die Wirkung beim Menschen schließen kann, ist inzwischen bekannt. Für Hamster ist leckere Petersilie tödlich, Meerschweinchen sterben an dem für uns lebensrettenden Penicillin, Schafe können Unmengen des Nervengifts Arsen vertilgen – wie will man da wissen, welches im Tierversuch gewonnene Ergebnis auf den Menschen übertragbar ist und welches nicht?
  • Bequemlichkeit der Forscher

    28.02.2011, Dr. rer.nat. Manfred Schweizer
    Sie tun ja so, als wären Tierversuche in irgendeiner Form zu rechtfertigen und nur das Publikum müsste richtig aufgeklärt werden! Meines Erachtens ist aber immer noch der größte Teil der Tierversuche der Bequemlichkeit der Forscherkollegen geschuldet. Wer verschwendet denn tatsächlich einen Gedanken daran, wie Tierversuche reduziert werden könnten? Das läuft doch immer nach dem Motto: Haben wir immer so gemacht.
    Mit dieser antiquierten Einstellung wird doch nur verhindert, dass Alternativmethoden zu Tierversuchen stärker erforscht werden.
  • Sachliche Darstellung auch im Fernsehen möglich

    26.02.2011, Ehrengard Becken-Landwehrs, 47661Issum
    Auch wenn das Medium Fernsehen ein emotionaler Faktor ist, so bin ich nicht der Meinung, dass man das Thema Tierversuche nicht im Fernsehen bringen kann. Wenn es eine sachliche Darstellung ist, das Für und Wider aufgezeigt wird und dabei keine Bilder von Versuchen an Tieren gezeigt werden, dann ließe sich das bewerkstelligen. Inzwischen sind die meisten Tierversuche ad absurdum geführt worden und viele Errungenschaften gäbe es heute nicht, wenn sie wie vorgesehen an Tieren in Einsatz gebracht worden wären (Penicillin ist das beste Beispiel dafür). Auch wenn sich das Verhalten der Zuschauer verändert hat, so kommen sachlich und nicht emotional vorgebrachte Beiträge immer noch bei einem vernünftigen und wissbegierigen Teil des Publikums an.
    Wenn dem nicht so wäre, dann ade, Ranga Yogeshwars Sendung: Also bitte, das Publikum nicht unterschätzen!
  • Gefühle sind wichtige Sensoren für moralisches Verhalten

    25.02.2011, Elisabeth Petras
    Herr Yogeshwar geht davon aus, Wissenschaftler würden - z. B. auf schriftlichem Weg - unabhängige Fakten übermitteln. Er berücksichtigt nicht, dass diese oft in Strukturen stecken, in welchen sie sich bewähren möchten. Tierversuche sind ein Mittel für schnelle Publikationen, die Forschung an Alternativen wird noch zu wenig gefördert. All dies wird oft sowohl in Print- als auch in visuellen Medien verschwiegen.

    Davon unabhängig aber ist es nötig, den Schmerz eines Tieres zumindest ansatzweise nachzuerleben, um Empathie empfinden zu können. Vielen Menschen sind ja Tiere emotional fernstehend, denn selbst ein Käfigtier wird in seinem Verhalten oft kaum wahrgenommen. Der Faktor des Leids, das wir Tieren antun, um einen eventuellen Erkenntnisgewinn zu erlangen, der eventuell auch auf andere Weise erlangbar wäre, wird nachweislich auch von Forschern sehr oft verdrängt.
  • Unglaublich

    25.02.2011, Elke Jacobi
    Weil Bilder Emotionen wecken, sollten Tierversuche nicht im Fernsehen gezeigt werden? Da ist eine unglaubliche Einstellung von Herrn Yogeshwar.

    Die meisten Tierversuche, die gemacht werden, sind völlig unnötig. Sie dienen lediglich dem wissenschaftlichen Renomée, werden vom Militär, in der Ausbildung oder von Pharmafirmen durchgeführt, um ihre Marktstellung auszubauen. Dazu kommen all die Tierversuche, die zur Testung der Giftigkeit durchgeführt werden. All diese Versuche sind entbehrlich, da für sie Ersatzmethoden möglich oder sie unnötig sind.

    Zudem entsprechen die sog. Tiermodelle eben nicht dem Menschen, was mitunter zu schrecklichen Fehlern führte. Nur für wenige Tierversuche gibt es tatsächlich eine vernünftige Begründung.

    Die Medien haben meiner Meinung nach die Pflicht, die Menschen über die Grausamkeiten, die im Namen der Wissenschaft den Tieren angetan werden, zu informieren: in Wort und Bild und mit sehr kritischen Fragen. Zu lange haben wir nichts über diese Dinge erfahren. Es ist an der Zeit, dass das anders wird, damit nicht weiter und weiter völlig unnötige und grausige Versuche mit Tieren angestellt werden dürfen.

    Ich meine, die Menschen haben ein Recht darauf, über die schrecklichen, die wirklich widerlichen Dinge aufgeklärt zu werden, die hinter den fest verschlossenen Labortüren durchgeführt werden.

    Die Tiere werden auf so widerliche Weise behandelt, dass man glauben könnte, wir befänden uns immer noch im Mittelalter, wo die Tiere als gefühllos galten.

    Yogeshwars Meinung ist eine Katastrophe!
  • Uni Bayreuth

    25.02.2011, Ronald Bässler
    Noch hat es die Uni Bayreuth selbst in der Hand für klare Verhältnisse zu sorgen. Sollten die Abhängigkeiten der Uni Bayreuth bereits zu groß sein, ist das Problem hausgemacht und die "Wissenschaft" darf sich nicht wundern, wenn der gute Ruf weg ist.
  • Inflation der Doktortitel

    25.02.2011, Uwe Zimmermann, Uppsala
    Warum sind eigentlich Doktortitel in Deutschland so wichtig? Warum muss ein Politiker einen Doktortitel haben, und dafür 7 Jahre lang neben seiner wirklichen Arbeit an einer Doktorarbeit schreiben, wenn er anschließend doch nichts mehr mit der Forschung zu tun hat? Warum brauchen Firmen Doktortitel als Aushängeschilder ihrer Chefetagen?

    Ich selbst habe meinen Doktortitel an der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm erarbeitet, und bin seither auch in der Forschung tätig. Da es sich um einen schwedischen Doktortitel handelt, ist dieser in Deutschland noch nicht einmal als Namensbestandteil akzeptiert - wie dies für einen deutschen Doktortitel der Fall wäre.

    Vermutlich hat sich Herr Guttenberg an dem allgemeinen Vorurteil orientiert, dass nach dem Ablegen einer Doktorarbeit, diese ohnehin nur in irgendwelchen Archiven verstaubt, ohne dass jemand sie wirklich lesen würde - geschweige denn, mit anderen Quellen vergleichen würde. So peinlich seine ersten Reaktionen waren, die Sache zu beschwichtigen, desto peinlicher muss die Sache für die Universität sein, die diesen Doktorgrad vergeben hat - zeigt es doch, wie "intensiv" sich Doktorvater und Gutachter mit der Arbeit auseinandergesetzt haben...
  • Uni Ulm: Keine Geisteswissenschaften = keine Plagiate

    25.02.2011, Maria Winter, Ulm
    Die ziemlich fragwürde Reaktion der Dekane der Uni Ulm auf die Guttenberg-Affaire: Den Mangel an Geisteswissenschaften zum Standort-Vorteil zu erklären.

    http://www.swp.de/852902

    Die Gegenargumente finden sich ja bereits zu einem großen Teil unter dem Absatz "Weiße Kittel, weiße Weste?".