Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Wissenschaft im Alltag ade!

    18.04.2011, Christian Gabel, Köln
    Ich finde es sehr bedauerlich, dass die sehr unterhaltsame und Aha-Effekte liefernde Rubrik "Wissenschaft im Alltag" offenbar aus den Spektrum-Heften verbannt wurde. Die relativ neue Rubrik "Schlichting" kann für mich persönlich diesen Wegfall in keiner Weise wiedergutmachen.
  • Verlust in der Nahrungskette

    18.04.2011, Rainer Rolffs, Bonn
    Der Artikel geht davon aus, dass die Menschheit große Mengen an tierischem Protein bräuchte, und stellt fest, dass neuartige Aquakulturen umweltschonender sein können als Fischfang und Massentierhaltung an Land. Zu wenig beachtet wird dabei jedoch der grundsätzliche hohe Verlust in der Nahrungskette, sowohl an Nahrungsenergie als auch an Proteinen – jedes tierische Nahrungsmittel erfordert ein Vielfaches an pflanzlichen Nahrungsmitteln. Dies gilt natürlich umso mehr für Raubfische.

    Da bereits der größte Teil der Biomasseproduktion der Erde der menschlichen Ernährung dient, hauptsächlich über die Nutztiere, ist der prognostizierte zusätzliche Ausbau der Aquakultur keine Lösung für die Umwelt- und Nahrungsprobleme, sondern verschlimmert die Zerstörung von Naturräumen und den weltweiten Hunger. Für die Fische ist die qualvolle Enge und der frühe, gewaltsame Tod sicherlich nicht angenehm und bequem. Und der Landwirtschaft, die u. a. unter der Auslaugung der Böden leidet und daher geschlossene Stoffkreisläufe bräuchte, ist bestimmt nicht damit geholfen, Milliarden Tonnen besten Getreides ins Meer zu kippen.

    Die Lösung ist offensichtlich, wird im Artikel aber ignoriert: Direkt das pflanzliche Protein zu essen, was gesund und schmackhaft ist. Um den Hunger zu bekämpfen und aus Rücksicht auf das nichtmenschliche Leben müssen wir den Verbrauch tierischer Nahrungsmittel drastisch reduzieren.
  • Ehrenwerte Leistung von Tobias Schlicht

    18.04.2011, Norbert Hinterberger, Hamburg
    Tobias Schlichts Artikel kann man meiner Meinung nach durchaus als Ehrenrettung der Philosophen in dieser neuen Philosophie-Serie betrachten. Er hat genau das getan, was Nida-Rümelin, Albert Newen und Michael Pauen schmerzlich haben vermissen lassen. Ich habe mich in meinem Leserbrief zu Nida-Rümelin dazu detailliert geäußert.

    Schlicht hat sich bei seiner Arbeit über das Bewusstsein an neuesten Forschungsergebnissen orientiert und einen sehr informativen Überblick über die einzelwissenschaftliche Behandlung dieses natürlich nach wie vor spannenden Themas gegeben. Die Spannung erhält sich für uns dabei wohl direkt proportional zur Menge der nebelhaften Lehnstuhl-Spekulationen (nicht nur) der älteren Philosophie - und auch der vieler Einzelwissenschaftler natürlich.

    Schlicht versucht uns nicht mit seinem Engagement zu erschlagen. Er hält experimentelle Fakten und Interpretationen sauber auseinander. Auf S. 65 macht er darauf aufmerksam, dass man etwa die Gleichsetzung von neuronalen mit bewussten Vorgängen ebenso wie dann natürlich auch die Alternative (getrennte Phänomene „die nur miteinander zusammenhängen“) als eine Frage der Interpretation zu betrachten hat. Diese Frage ist sicherlich nicht so leicht zu beantworten wie die der Gleichsetzung von Geist und Hirnvorgängen etwa. Hier erscheint man inzwischen wohl nicht mehr als übereifrig, wenn man behauptet, dass der Identismus (in irgendeiner Variante) die plausibelste These zu sein scheint.
    Die Theorien zum Bewusstsein machen da schon größere Schwierigkeiten: Funktionalismus, Repräsentationalismus oder Biologismus? Ersterer läuft auf eine Computeranalogie hinaus, die biologische Details unseres Gehirns außer Acht lassen darf. Der Repräsentationalismus ist auf „das Vorliegen begrifflicher Fähigkeiten“ (S. 68) angewiesen, schließt also viele Lebewesen aus. Beide Ansätze (und also erst recht ihre Kombination) erscheinen auf Grund dieser restriktiven Voraussetzungen wenig attraktiv. Die biologische Theorie scheint die natürliche Erweiterung des Identismus in der Geist-Hirn-Frage zu sein. Sie ist emergentistisch, und das muss sie auch sein, wenn sie nicht in das Computermodell abstürzen will oder in den anthropozentrischen Repräsentationalismus. Allerdings gibt es auch hier eine Variante, die „das bewusste Erlebnis nicht mit dem zugehörigen Gehirnprozess gleich“ setzt.
    Schlicht hat auch hier einen Einwand, den ich allerdings nicht nachvollziehe, weil man diese letzte Variante ja nicht vertreten muss: Beim Biologismus bleibe „unverständlich“, warum bestimmte Gehirnprozesse „subjektiv erlebt“ würden, „andere hingegen unbewusst“ blieben. Er hält das für eine „Erklärungslücke“. Beim identistischen Biologismus kann man das aber einfach mit der Range bzw. mit der jeweiligen Stärke neuronalen Feuerns erklären. Er sagt dann: „Manche Forscher ziehen daraus den radikalen Schluss, dass Bewusstsein nicht auf irgendeinen physischen Vorgang reduziert werden könne, sondern wie Masse und Energie als eine elementare Eigenschaft des Universums anzusehen sei.“ Das scheint mir nun noch absurder, als der Versuch, diese Denkfigur auf die Information anzuwenden, was auch schon versucht wurde. Das ist in beiden Fällen einfach nur ein Rückfall in den erkenntnistheoretischen Idealismus. Schlicht distanziert sich zwar nicht explizit von dieser These. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass er mit ihr sympathisiert, angesichts seines Gutheißens der im Wesentlichen biologistisch emergentistischen Vorstellungen von Damasio, Edelman und Koch – gegenüber der in diesem Fall nichtplausiblen atomistischen Hypothese.
    Ich hätte mir an dieser Stelle etwas mehr Klarheit gewünscht. Insgesamt kann man aber wohl sagen, derartige philosophische Arbeiten lassen sich mit Gewinn lesen.
  • Die Suche geht also noch weiter ...

    12.04.2011, Angela M. Sturm aus Eicherloh
    Ich danke den beiden Autoren für diesen Artikel, der sachlich die Fakten aktueller Studien darstellt. Dass Fettleibigkeit genbedingt sein kann, war mir vorher schon bewusst. Das allerdings Variationen verschiedener Gene hier eine große Rolle spielen, die noch nicht einmal alle erforscht sind, erschreckt mich dann doch.

    Auch ich zähle zu den Fettleibigen, habe aber Gott sei Dank so viel Selbstbewusstsein, dass ich im Arbeits- und Bekanntenkreis sehr schnell mit Vorurteilen aufgeräumt habe.
    In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern, den Verlagsmitarbeitern und -redakteuren und natürlich auch den Autoren einen schönen Frühlingstag (auch wenn es gerade regnen sollte).

    Ihre A.M.Sturm
  • Kontinuität der kognitiven Fähigkeiten

    12.04.2011, Georg Heike, Blankenheim
    Obwohl mehrmals die bekannte Tatsache erwähnt wird, dass Tiere keine Opern komponieren können, zieht der Autor auf Grund seines Materials einen wohl etwas voreiligen Schluss: „Aber zugleich lassen sich für alle Kompetenzen des Menschen rudimentäre Entsprechungen im Tierreich aufspüren: Es gibt offenbar eine Kontinuität der kognitiven Fähigkeiten zwischen Menschen und Tieren.“ Wo sind die rudimentären Entsprechungen für das Komponieren von Opern? Die Vorstellung einer Kontinuität der Entwicklung hin zu den Fähigkeiten des Menschen ist nahe liegend, kann aber nicht bedeuten, dass sämtliche Fähigkeiten bereits im Tierreich angelegt sind. Gerade die Kunst, die Wissenschaft und Philosophie, der Mensch als übendes Wesen (Sloterdijk) muss man als für den Menschen typische Eigenschaftsbereiche ansehen, die während der Entwicklungsgeschichte des Menschen, als er schon Mensch war, entstanden waren. Sicherlich kann man Erklärungsversuche, wie sie die Begriffe der Emergenz bzw. Fulguration anbieten, in Betracht ziehen.
  • Mehr Blick auf das Ganze

    08.04.2011, W.J. Fraidling, Bad Wörishofen
    Eben hab ich eine kurzen Beitrag im Morgenprogramm des Bayerischen Rundfunks gehört. Es kam ein Herr zu Wort, der den Einfluss der künstlerischen Betätigiung auf das Gehirn untersuchte. Es gab keine signifikanten Abweichungen. Aber er betonte, dass die Kunst einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen hat, dass sie den Menschen als Ineinander von Materie und Geist begreift. Was könnte das Gehirn begreifen, wenn die Hände nichts begreifen können beziehungsweise wenn wir ganz ohne Hände wären. Wären wir dann noch Menschen?

    Der rein naturwissenschaftliche Forschungsansatz zerfasert alle Erscheinungsformen menschlicher Existenz. Danach ist es sehr schwierig, die Teilaspekte und Teilerkenntnisse wieder zu einem stimmigen Ganzen zusammenzusetzen. Wie wäre es denn, das Ganze philosophisch-theologisch vorauszusetzen und dann die Teile zutreffend zu bewerten?
  • Ein Vorschlag für die Technikbildung

    06.04.2011, Detlef Köhler, Sondershausen
    Mein Vorschlag: Wiedereinführung der polytechnischen Bildung. Das sollte nach 20 Jahren ideologischen Siegesrauschs nun doch endlich wieder möglich sein.

    Ansonsten kann ich Prof. Renn nur zustimmen. Eine viel bessere umfassende Bildung ist von Nöten. Darunter verstehe ich nicht das nachgeplapperte Halbwissen wenig allgemeingebildeter Jounalisten, sondern wissenschaftlich-technische Grundlagenbildung für alle. Möglichst mit deutschlandweit zentralisierten Lerninhalten. Frankreich z.B. schafft das sogar bis in seine Überseegebiete. Dort gibt es auch kaum Mangel an Ingenieuren und Wissenschaftlern.
  • Den Pionier der Bewusstseinforschung ignoriert

    05.04.2011, Manfred Weis
    Es hat mich schon etwas erstaunt, dass im Zusammenhang mit der Bewusstseinforschung Siddharta Gautoma (Besser bekannt als Buddha) keine Erwähnung findet.
    Zugegeben, er führte keine apparategestützten Untersuchungen durch, aber seine Selbstbeobachtungen im Zusammenhang mit dem Versuch, das Wesen des eigenen Ich auszumachen, haben durchaus Pioniercharakter.
    Gautomas Erkenntnis, dass alles, was wir für unser Ich halten, letztlich nur Attribute des Ich sind, sowie die Folgerung, dass es lediglich möglich sei, zu erkennen was nicht das Ich ist, wären sicher interessante Diskussionspunkte gewesen.
    Mir scheint fast, dass Asien in Bezug auf Wissenschaft, Philosophie und Religion als fremdartig und exotisch und von daher keiner weiteren Beschäftigung würdig empfunden wird.
  • Fragen der Begrifflichkeiten

    04.04.2011, Walter Pfohl, München
    Das Konzept von „Freiheit“, das Prof. Pauen propagiert, halte ich für alles andere als wissenschaftlich überzeugend. Die Frage bei der „Selbstbestimmung“ ist doch die, wodurch das „Selbst“ wiederum bestimmt ist – und da das Selbst nicht aus sich selbst heraus entstanden ist, führen die Ketten der Ursächlichkeiten letztlich auch alle aus dem Selbst heraus zu äußeren Ursachen für dessen resultierenden Zustand von Bereitschaften, Motivationen oder als solchen empfundenen inneren Zwängen.

    Bei den vorgetragenen pragmatischen Überlegungen zu Sanktionierung und Belohnung geht es ja nun auch offensichtlich nicht um eigentliche Freiheit, sondern um Manipulation der individuellen Entscheidungen durch Schaffen von Bedingungen im Hinblick auf die zu erwartenden sozialen Konsequenzen, was eine Veränderung der Entscheidungssituation bedeutet. Was ist daran „frei“, wenn einer unter anderen Bedingungen zu anderen Entscheidungen findet? Ist denn einer, der sich durch solche Motivationsmittel zu sozial erwünschtem Verhalten manipulieren lässt, in irgendeinem Sinn selbstbestimmter als einer, der dagegen resistent ist?

    Und wie sollte man wissenschaftlich sauber ein Grenze ziehen zwischen dominierenden Motivationen oder Zwängen? Wie weit können wir unsere (situationsabhängigen) Motivationen und deren Kraft denn selber frei bestimmen? Warum ist denn wohl nicht jeder zu kurz Gekommene in der Lage, mit seinem Los völlig zufrieden sein, einfach, indem er eben frei beschließt, ja gar nichts anderes zu wollen?

    Insofern halte ich die komplette Terminologie von „Autonomie“, „Urheberschaft“, „Verantwortlichkeit“ etc. für vorwissenschaftlichen Pragmatismus, der weit davon entfernt ist, einen wissenschaftlichen Begriff von „selbstbestimmter Freiheit“ zu begründen und zu tragen. Den Freiheitsbegriff auf soziale Manipulierbarkeit zu gründen, hat für mich schon eher was von orwellscher Begriffsverdrehung: Freiheit ist die Fähigkeit, den sozialen Zwängen zu gehorchen, und Selbstbestimmung ist Empfänglichkeit für Fremdbestimmung!

    (Liebe Philosophen, verdreht uns die gewachsenen Sprachbegrifflichkeiten bitte nicht so, dass sie für Euch irgendwann das Gegenteil von dem bedeuten, was Fachfremde darunter verstehen, sondern lasst Euch wenigstens signifikant andere Vokabeln dafür einfallen!)

    Ich glaube somit nicht, dass Konzepte von selbstbestimmter Freiheit überzeugend zu verwissenschaftlichen sein werden, und halte diese für kulturelle Konstrukte, die als Realitätsmodell ebenso illusionären Charakters sind wie andere metaphysische Dogmen. Unfrei oder gezwungen fühlen wir uns im Wesentlichen dann, wenn wir keine Wahl bzw. keine andere als die zwischen verschiedenen Übeln sehen, die wir allesamt nicht wirklich wollen. Solange wir Möglichkeiten sehen, die ohne ernstliche Konflikte mit unseren (letztlich durch äußere Ursachen bedingten) Grundvorstellungen vereinbar wären, empfinden wir unsere diesbezüglichen Entscheidungen nicht als zwangsbestimmt, sondern als vernünftige und freie Wahl der (subjektiv) wünschenswertesten der Optionen. Aber deswegen kommen diese auch nicht freier oder selbstbestimmter zu Stande als die aus fühlbaren Zwängen resultierenden, nämlich durch die naturgesetzlichen Prinzipien von Ursache und Wirkung.
  • Warum so pessimistisch ..... hier zählen die Fakten

    03.04.2011, Stephanos Thiodaherile
    Hallo liebe Vorredner ....

    weshalb so pessimistisch? Denken Sie doch mal an den Hover- Damm oder den 3-Schluchten-Damm in China. Alles Projekte, die im Vergleich mit einem mickrigen 500-Meter-Gesteinskolben wohl eher unmöglich erscheinen und doch von Menschenhand realisiert wurden. Wenn man es schafft den Gotthard-Basistunnels mit 57 Kilometer Länge durch die Alpen zu bohren, sollten zwei lächerliche 500-Meter-Kreistunnel keine große bergmännische Herausforderung sein.

    Auch die Steinsägearbeiten sind Stand der Technik! Dichtungen und Wasserkraftwerkstechnik für 200 bar Druck sind heutzutage Standard und werden vielfach eingesetzt. Die Kolbenaußenwand wird mit Dichtungsplatten abgedichtet. Der Kolben selbst kann während des Ausfahrens abgedichtet und bearbeitet werden. Keine Öko-Fantasien.... nur einfache Ingenieursarbeit! Man setzt Dinge, die es schon gibt in einer Art zusammen, dass sie einen Zweck erfüllen!

    Man sollte so einen Speicher bauen, zeigen dass es geht und ihn dann exportieren. Und was sind schon 400 Millionen Euro im Vergleich zu dem Geld, das bisher in die Atomforschung gesteckt wurde und noch zur Endlagererforschung gesteckt wird!

    Stephanos Thiodaherile

  • Münzenverschieben geht einfacher

    31.03.2011, Peter Robert, Hamburg
    Die Lösung mit dem Münzdreieck, das zu einer Reihe gelegt werden soll, fand ich sehr umständlich. Anliegend meine Version, die für mich als Laien viel einfacher ist und ebenfalls mit 7 Schritten zum Ziel kommt.

  • Sprachschlampereien

    31.03.2011, Fritz Kronberg, Rondeshagen
    Dieser Artikel ist im Wesentlichen recht informativ, allerdings muss man ihn zu lesen wissen. Zum Beispiel ist das Wort "verstrahlt" nicht übermäßig sinnvoll, denn es wird von der Journaille sowohl im Sinne von "durch Strahlungsexposition geschädigt", wie auch im Sinne von "durch Radioisotope kontaminiert" verwendet. Das sind zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte, die ebenso unterschiedliche Verhaltensweisen erfordern.

    Genau so ärgerlich ist der Begriff "Verseucht". Seuchen sind sich schnell ausbreitende ansteckende Krankheiten. In einem verseuchten Gebiet läuft man also Gefahr, sich eine ansteckende Krankheit zu holen, die man dann nach Verlassen dieses Gebiets an seine Umgebung weiter reicht und diese somit ebenfalls verseucht. Für den Normalmenschen wird dadurch Radioaktivität, die ja lediglich eine Materialeigenschaft ist zu einer ansteckenden Krankheit. Diese sprachlichen Schlampereien, die möglicherweise von interessierten Kreisen durchaus beabsichtigt sind, tragen zu der ohnehin in Deutschland grassierenden irrationalen Panik gegenüber der Kernenergie bei und sollten deshalb zumindest in seriösen Publikationen vermieden werden.
  • Zur Frage der Selbstbestimmung

    31.03.2011, Karl-Heinz Schack, 32427 Minden
    Die philosophische und gesellschaftspolitische Seite des „Freien Willen“ wird von H. Pauen in seinem Artikel sehr schön dargestellt. Hinsichtlich der wissenschaftlichen Sichtweise finde ich den Artikel, ähnlich wie H. Gorisch etwas unbefriedigend.

    Sicherlich werden die biochemischen Prozesse auf molekularer Ebene im menschlichen Gehirn ohne „naturgesetzliche Kausallücken“ ablaufen. Da es aber genug Beispiele gibt, in denen das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, ist der Rückschluss, dass wir deshalb keinen freien Willen haben können, nicht zwingend notwendig.

    Auch bevor die Regeln der Ärodynamik bekannt waren, wird kaum ein Wissenschaftler behauptet haben, dass Dinge die schwerer als Luft sind grundsätzlich nicht fliegen können. Die praktische Erfahrung (Vogelflug) sprach einfach dagegen. Ähnlich ist es heute mit dem freien Willen. Man weiß zwar nicht wie er funktioniert, die praktische Erfahrung zeigt aber, dass es ihn gibt.

    Die Feststellung, dass elektrische Aktivitäten im menschlichen Gehirn feststellbar sind, bevor eine Entscheidung bewusst wird, ist grundsätzlich auch kein Argument gegen einen freien Willen. Wie das Bewusstsein funktioniert ist z.Z. kaum mehr erforscht als der freie Wille. Wie Bewusstsein und freier Wille zusammenhängen und ob Bewusstsein überhaupt eine Grundvoraussetzung des freien Willens ist, steht daher noch gar nicht fest. Möglicherweise gibt es Lebewesen, die über einen freien Willen verfügen, ohne dass sie sich dessen bewusst sind. Deshalb kann bislang aus zeitlicher Abfolge irgendwelcher Nervenimpulse und bewusster Wahrnehmung keinerlei Aussage über die Nichtexistenz des freien Willen abgeleitet werden.

    Ähnlich ist es mit weiteren menschlichen Fähigkeiten wie das Verständnis von Kausalitäten und der Handlungsweisen anderer Menschen, Planung zukünftiger Handlungen, Mitgefühl, etc. Wir sind gewohnt diese als zusammenhörig zu sehen. Welche davon jedoch z.B. Grundvoraussetzung für einen freien Willen sind und welche nicht unbedingt notwendig sind ist weitestgehend unklar. Auf der anderen Seite besteht durchaus die Möglichkeit, dass z. B. ein freier Wille ohne Mitgefühl durchaus möglich, aber nicht unbedingt wünschenswert ist.

    Die grundsätzliche Verleugnung des freien Willens steht auf jedem Fall im Widerspruch zur Möglichkeit ein etwas tieferes Verständnis für den freien Willen zu bekommen. Wie funktioniert er, was sind die Grundvoraussetzungen, was ist zusätzlich notwendig bzw. sinnvoll, haben auch andere Lebewesen einen freien Willen etc.?
  • Die Radioaktivität wird automatisch abgebaut

    27.03.2011, Joachim Datko, Regensburg
    Zur Überschrift: "Die Menge der Radionuklide sinkt nur durch Zerfall"

    Man kann dies auch positiv formulieren. Die Radioaktivität wird automatisch abgebaut. Wichtig bleibt, dass man der dabei entstehenden Strahlung nicht ausgesetzt ist.

    Joachim Datko, Physiker, Philosoph
  • Was wird hier ausgesagt?

    26.03.2011, Dr, Klaus Moll
    Die Studie hat einen anspruchsvollen Titel, der im Text aber keine entsprechende Antwort findet. Zunächst wird in der Studie von einem von der Marketingtheorie oft gebrauchten Nutzendenken ausgegangen, was auf Religion angewendet eine Vereinfachung darstellt. Mit Recht weisen die Autoren deshalb auf Vereinfachungen in ihrer Studie hin.

    So scheinen sie ein Phänomen zu übersehen, das bereits vor mindestens fünfzig Jahren als Weg in den Irrtum erkannt wurde, nämlich die beschränkte Aussagekraft von Trendprojektionen. Als ich 1957 in Chicago im Hauptquartier von A.C. Nielsen bei der Vorbereitung einer Dissertation über die Werbewirkung den Chef der Statistischen Abteilung danach fragte, ob sie irgendeine Formel hätten, nach der man mathematisch angenäherte Voraussagen über die zukünftigen Verkäufe von Markenartikeln machen könne, antwortete dieser mir, dass man zwar einmal vor 1940 Anstrengungen unternommen habe ein solches Vorhersagemodell (inklusive des Werbeaufwandes) zu entwickeln und es dabei auf eine Korrelation von über 0,99 gebracht habe, aber dann bei Ausbruch des Krieges festgestellt habe, dass das Modell jetzt unbrauchbar war. Danach habe es solche Bemühungen nicht mehr gegeben, wohl weil man sie als l'art pour l'art empfunden hat.

    Man muss sich bei Trendprojektionen also fragen, wie man mit unvorhersagbaren Ereignissen umgeht, die sich selbst ja oft aus qualitativen Verschiebungen ergeben, bei denen völlig neue Situationen entstehen. Ein gutes Beispiel sind die Krisen, die bei Blasenbildungen aller Art auftauchen, zum Beispiel die Immobilienblase oder die Inflationsblasen. Hier entstehen gravierende Verschiebungen, die zu Konflikten führen, welche oft plötzlich auftreten. Historisches Wissen hilft so etwas vorauszusehen, beziehungsweise zu erahnen. Das Wort Katastrophe heißt (plötzliche) Wendung nach unten und stammt schon aus dem Altgriechischen. Vorausschau ist bei weitem nicht nur Trendprojektion und der Begriff Religion fällt außerdem nicht allein unter die Nutzentheorie, sondern geht darüber hinaus.