Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Ein Erhaltungssatz der Information?

    12.03.2010, Dr. Gunter Berauer, München
    In der Nachrichten- und Informationstheorie wird ein von Shannon genau definierter Informationsbegriff verwendet, der Information mit Strukturen und deren Auftrittswahrscheinlichkeiten in Verbindung bringt. Dieser Begriff deckt sich gut mit dem von Herrn Gorbach in seinem Leserbrief beschriebenen. In dem Spektrum-Artikel wird nun tatsächlich der Eindruck erweckt, man könne im Prinzip aus den Rauchschwaden die Struktur des verbrannten Gegenstandes rekonstruieren oder aus einer Bleischmelze feststellen, ob eine Bleiente, ein Bleisoldat oder ein anderer Gegenstand eingeschmolzen wurde. Das ist aber in unserer thermodynamischen Welt ganz sicher falsch. Richtig ist, dass Information "Ornung" darstellt, wie Herr Gorbach ja auch schreibt, was physikalisch einer negativen Entropie entspricht, denn Entropie ist ein Maß für die Unordnung. Richtig ist auch, dass in einem abgeschlossenen System die Gesamt-Entropie nur größer werden kann (dS>0) und dieses auch nachweislich tut, wenn mann das System in Ruhe lässt - und damit wird die Geamtinformation im System mit der Zeit immer kleiner. Richtig ist zwar auch, dass man zur Übertragung eines Bits Information eine bestimmte Mindestenergie (= k x T x ln2, mit k = Boltzmann-Konstante, T = absolute Temperatur, ln = natürlicher Logarithmus) braucht, die mit der Temperatur T des Übertragungsmediums steigt. Man kann so einer Information zwar einen temperaturabhängigen Energiewert zuordnen, mit Energie identisch ist Information deshalb aber nicht. Einen Erhaltungssatz gibt es aber nur für die Energie, nicht für die Entropie oder die Shannon'sche Information. Letztere kann also sehr wohl auch vollständig verschwinden. Und wenn jemand aus der Quantenmechanik etwas anders schließt, dann irrt er.
  • Indien hat das Kioto-Protokoll nicht unterzeichnet?

    11.03.2010, Ulrike Reichwald, Niederkassel
    Der Autor des Kommentars schreibt, dass Indien und China das Kioto-Protokoll nicht unterzeichnet haben.

    China und Indien sind im August 2002 Mitgliedsstaaten des Kioto-Protokolls geworden, zweieinhalb Jahre bevor das KP am 16.02.2005 in Kraft getreten ist.

    Nachzulesen auf der offiziellen Webseite von United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC):
    http://unfccc.int/files/kyoto_protocol/status_of_ratification/application/pdf/kp_ratification_20091203.pdf
  • Natürliche Warmzeit

    10.03.2010, Otto Gerlich, Gladbeck
    Ich gebe Ihnen weiter unten eine Textstelle zur Kenntnis, die doch wohl besagt, daß der Bergbau durch die Gletscherbildung der Pasterze zum Erliegen kam. An anderer Stelle wird beschrieben, daß nach dem Rückgang des Pasterzegletschers Bergbaustellen wieder frei wurden. Der Name Pasterze wird aus dem Slowenischen als Viehweide abgeleitet. Damit ist doch zunächst mal belegt, daß vor der Kleinen Eiszeit die Alpen und sicher dann nicht nur diese, deutlich weniger vereist waren, als uns die Bilder aus dem 19. Jahrundert zeigen. Da der eisarme Zustand der Alpen zur Römerzeit und bis ins späte Mittelalter nicht durch menschliche Aktivitäten verursacht war, kann man nur schließen, daß dies eine natürliche Warmzeit war. Ein weiteres Beispiel stellt Grönland = Grünland dar, bis zum Einsetzen der Kleinen Eiszeit exportierten die Menschen von dort die Produkte ihrer Haustierhaltung nach Dänemark und bezogen von dort im Gegenzug, die nicht in Grönland wachsenden Produkte, vor allem Getreide.
    Heute werden Klimamodelle so „gut“ gerechnet, daß sie möglichst die antropogene Ursache beschreiben, eine natürliche Schwankung wird von diesen „Wissenschaftlern“ strikt ausgeschlossen. Wie heißt es doch so schön: „Was nicht sein kann, das nicht sein darf“, geht es doch um viele Millionen „Klima Forschungsgelder“.

    Aus der „Homepage des Goldgräberdorfes Heiligenblut“
    Zur Geschichte des Tauerngoldes
    -Von der Vereisung der Gruben
    Viele Gruben wurden von den sich am Ende des 16. Jhdts. immer weiter ausbreitenden Eismassen zugedeckt. Das war die Zeit, als sich auch der Pasterzengletscher über das frühere Weidegebiet am Fuß des Großglockners auszubreiten begann. Patzelt meint zwar auf Grund seiner langjährigen Gletscherstudien, dass die Pasterze zwischen der Spätantike und der Gegenwart nie kleiner war als heute und dass im Talsohlenbereich ein Bergbau auszuschließen ist. Fragt sich nur, wo dann um 1570 Wolfgang Gruenwald und Hans Pernsteiner ihre fünf Gruben „auf der Pasterze“ angeschlagen haben.
    Das Eis wuchs immer weiter. Die sich ausbreitenden Gletscher deckten ein Mundloch nach dem anderen zu: den Fastnachts Stollen, den Boden Stollen und Dutzende andere, deren Namen uns heute nicht mehr bekannt sind. Am Ende des 18. Jhdts. erreichte die Dicke des Eises ihr Maximum. Damals deckten Eismassen von mehr als 100 Meter Mächtigkeit den Bartholomei Stollen zu. Ende des 19. Jhdts. war das Eis kaum halb so dick und heute ist es im Bereich des genannten Stollens verschwunden.

  • Verantwortung trotz Determinismus

    10.03.2010, Dr. Hartmut Lemmel, Wien
    In den vergangenen Ausgaben von "Spektrum der Wissenschaft" stand immer wieder die Argumentation im Raum, es gebe keinen freien Willen, folglich könne man ein Individuum nicht für seine Taten verantwortlich machen, und das würde unser Rechtssystem in Frage stellen. Diese Argumentation ist inkonsequent. Wenn man nämlich unser Gehirn als deterministische Maschine betrachtet, darf man nicht übersehen, dass unsere Gesetze und die Androhung von Strafe ebenfalls ein Input in diese Maschine sind.
    Dieser Input (unser Rechtssystem) hat sich über Jahrtausende hin entwickelt und ist dahingehend optimiert, dass wir zu einem friedlichen und respektvollen Umgang mit unseren Mitmenschen getrimmt werden.
    Das ist Grund genug, auch weiterhin am Konzept von individueller Verantwortung, Schuld und Strafe festzuhalten, auch wenn es wirklich keinen freien Willen geben sollte. Wer will, kann auch daraus eine moralische Rechtfertigung für unser Rechtssystem ableiten.
  • Was ist mit ökologischer Landwirtschaft?

    10.03.2010, Michael Krause, Hennef
    Ich vermisse in dem Artikel einen Ansatz, der nicht nur hohe Erträge garantiert, sondern auch nachhaltig und ressourcenschonend lange praktiziert wird: die ökologische Landwirtschaft - was immer darunter eingeschlossen ist. Es gibt dort sehr viele und v.a. erfolgreiche Richtungen, die einen Ausweg weisen.

    Schade, so empfinde ich die Darstellung als sehr einseitig.
  • Ein Vergleich wäre hier sinnvoll

    09.03.2010, Gerhard Höberth, Wasserburg
    Ich möchte mich für die guten Infos bedanken, die ich täglich am Vormittag mit großem Interesse lese. Es bereichert meinen Tag.
    Speziell bei diesem Bericht hätte ich mir aber einen Zusatz gewünscht:
    Um sich etwas unter den Zahlen vorstellen zu können, wäre es hilfreich gewesen, sie mit der Methanproduktion unserer Nutztierhaltung zu vergleichen. Schließlich kann man nur dort einen Riegel vorschieben, wo wir selbst Verursacher sind. Ohne die Möglichkeit eine Information irgendwie einzureihen, ist die Information selbst relativ sinnlos.

    Herzlichen Gruß
    Gerhard Höberth
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Höberth,



    vielen Dank für Ihre Zuschrift und Ihr Lob. Die FAO kalkuliert, dass zwischen einem Drittel und vierzig Prozent der anthropogenen Methanemissionen auf die Viehhaltung zurückgehen. Das entspricht umgerechnet 72 bis 87 Millionen Tonnen Methan pro Jahr: Tendenz steigend. Ausgedrückt werden diese Mengen jedoch in Kohlendioxidäquivalenten, um Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Da Methan 25 Mal stärker zum Treibhauseffekte beiträgt als Kohlendioxid, entsprächen die freigesetzten Mengen 1,8 bis 2,2 Milliarden Tonnen Kohlendioxid - mehr als doppelt so viel, wie die Bundesrepublik 2007 an Kohlendioxid produziert hat.



    Mit freundlichen Grüßen


    Daniel Lingenhöhl


    Redaktion spektrumdirekt
  • Würde längst antastbar

    08.03.2010, Paul Kalbhen, Gummersbach
    Ich möchte Edgar Dahl entgegen dem Trend der Leserbriefe grundsätzlich darin beipflichten, dass die Würde des Menschen längst "antastbar" geworden ist - er wendet sich ja nicht gegen die Menschenwürde "an sich", sondern dagegen, dass sie zum abstrakten Gedankengut gemacht wird. Wenn auch seine Beispiele strittig gewählt sind, so gebe ich ihm im Prinzip Recht.

    Ein Beispiel von mir dazu, das die Inkonsequenz bioethischer Haltungen aufzeigt: In der Diskussion um embryonale Stammzellen dehnen "gewisse grüne Kreise" die Unantastbarkeit der Würde des Menschen bis zur Zeugung, also auf die Zygote aus, tolerieren oder gar fordern aber die grundsätzliche Freiheit zur Abtreibung menschlicher Embryos bzw. Föten - zur Befriedigung weiblicher Selbstverwirklichung oder männlicher Selbstbequemlichkeit. Dabei durchläuft der Embryo in seiner Embryogenese die Vorstufen der Evolution zur Menschwerdung, und der Fötus strukturiert und differenziert sich physisch immer mehr zum "ungeborenen Menschen"!

  • Methananreicherung

    06.03.2010, Klaus Moll
    Wenn die Zahlen richtig sind und die Methankonzentration in der Atmosphäre im Schnitt um 135 Prozent über dem Mittel der Vergangenheit liegt, die darüber hinaus 25 Mal so treibhauswirksam wie CO2 sein sollen, dann entspricht der Beitrag des Methans fast einem Drittel des Gesamtbeitrags der Treibhausgase. Besonders bedenklich sind hier drei Faktoren. Erstens der Umstand, dass sich der Methanausstoß erst vor Kurzem als Folge der bereits spürbaren Veränderungen ergibt und demzufolge die Isolierwirkung der Atmosphäre beschleunigt verstärkt. Zweitens, dass man die Gesamtmenge des zu erwartenden Methans nicht kennt und auch nicht mehr direkt durch eine Verringerung der Kohlendioxidemissionen kontrollieren kann. Er weist darüber hinaus auf eine große Unbekannte hin, nämlich die bisherige Kalorienaufnahme der Weltmeere. Der Artikel spricht vom Permafrost des Meeresbodens. Zwar können die riesenhaften Eismengen der Antarktis hier noch eine vorübergehende Bremswirkung haben, aber zu welchen Kosten. Jede fünfzig Meter Höhenverlust des Eises auf einer Gesamtfläche von 22 Millionen Kilometer würde einen Anstieg des Meeres um 3,3 Meter bedeuten.

    Bei großflächigem Abschmelzen des von manchen auf durchschnittlich 1500 Meter Höhe geschätzten Eispanzers wären das 100 Meter Anstieg. Die tektonischen Auswirkungen bei einer Eisentlastung der Antarktis sind dabei noch gar nicht abzuschätzen.
    Diese nüchternen Zahlen sollen keine Panik hervorrufen, fordern aber beschleunigtes ernsthaftes Nachdenken weit über Kopenhagen hinaus.

    Klaus Moll
  • Dunkle Sterne sind hell?

    05.03.2010, Karl-Otto Eschrich, 14471 Potsdam
    Den Halbsatz "Ein supermassereicher Dunkler Stern - wenn ein solcher denn je existierte - war bis zu einer Milliarde Mal heller als die Sonne, ..." verstehe ich nicht! Wenn dunkle Sterne hell sind, können sie schwerlich dunkel sein. Da sollte man sich besser ausdrücken, zumindest einigermaßen richtig.
    Antwort der Redaktion:
    Das stimmt schon so, die Terminologie ist halt verwirrend. Dunkle Sterne sind nicht dunkel, sondern bestehen, wie im Artikel beschrieben, aus Dunkler Materie. Der ebenfalls im Artikel beschriebene energetische Prozess führt zur Erzeugung von Gammastrahlung, wie sie auch in unserer Sonne entsteht. Diese Strahlung heizt die Umgebung des Dunklen Sterns auf, so dass eine Art Photosphäre entsteht. Diese ist nicht viel heißer als die unserer Sonne, aber viel größer und damit leuchtkräftiger.


    Stefan Taube
  • Killerspiele einordnen

    05.03.2010, Roland Schröder, Celle
    Wenn Ferguson die Studie von Anderson angreift, sehe ich nichts weiter, als einen wissenschaftsmethodischen Streit, der gar nichts zur Klärung der eigentlichen Frage beiträgt. Die Wahrheit wird nicht an der Methode gemessen, welche zur Wahrheitsfindung beiträgt, sondern am gesunden Menschenverstand und der Einigung auf Denkergebnisse dieses Verstandes. Diese Einigung könnte etwa so aussehen: Ein wenig gefestigter Mensch ist durch allerlei Blödsinn beeinflussbar und ein gefestigter Mensch ist es eben nicht. Der Ursprung des Problems liegt also nicht im Killerspiel, sondern in der Vorgeschichte des Menschen, der es spielt. Deswegen sind aber Killerspiele alles andere als harmlos.
  • Ab wann ist Leben schützenswert? - Antwort auf Prof. Lehnert

    04.03.2010, Edgar Dahl, Münster
    Sehr geehrter Herr Prof. Lehnert, ich fühle mich durch Ihren Leserbrief geehrt, denn ich bin ein begeisterter Leser Ihres kürzlich erschienenen Buches "Warum ich kein Christ sein will", in dem Sie sich ja weitgehend mit ähnlichen Fragen beschäftigen wie ich.

    Was die Sterbehilfe anbelangt, gebe ich Ihnen auf der ganzen Linie recht. Was die Embryonenforschung anbelangt, so würde ich Ihnen jedoch darin widersprechen, dass der Embryo kein Mensch sei. Ich halte die Frage "Ab wann ist der Mensch ein Mensch?" für vollkommen verfehlt. In meinen Augen lautet die Frage "Ab wann ist menschliches Leben schützenswert?"

    Der menschliche Embryo und der menschliche Fetus sind sicherlich Menschen im rein deskriptiven Sinne, insofern sie tatsächlich Mitglieder der Spezies Homo sapiens sind. Doch was zur Debatte steht ist die Frage, ob sie auch Menschen im normativen Sinne sind - ob ihr Leben also denselben moralischen und rechtlichen Schutz verdient wie das Leben erwachsener Menschen.

    Und meine Antwort auf diese Frage lautet "Nein!" In meinen Augen sind Moral und Recht dazu da, unsere Interessen zu schützen. Embryonen und Feten sind jedoch Wesen, die keine Interessen haben, ja noch nicht einmal haben können, weil ihnen die hierfür notwendigen neurobiologischen Voraussetzungen fehlen.

    (Der Verfasser dieses Briefs ist Autor des oben genannten Spektrum-Artikels "Die Würde des Menschen ist antastbar!", Anm. d. Red.)
  • Unverzichtbare Menschenwürde

    04.03.2010, Anton Berkmüller, Landshut
    Der Begriff 'Menschenwürde' ist natürlich unverzichtbar – man kann ja auch das Wort 'Freiheit' nicht einfach aus dem Vokabular streichen, weil es nicht positiv definierbar ist. Gerade die Interpretationsvielfalt von 'Menschenwürde' fordert aber zu einer permanenten Suche nach einem konsensfähigen Inhalt auf, die allerdings nie als abgeschlossen betrachtet werden darf. Das ist eine starke Seite des Wortes 'Menschenwürde'.

    Wenn nun nach Vorstellung des Autors die Menschenwürde in der Bioethik nichts zu suchen hat, wird gerade in der Gentechnik mit ihren unabsehbaren Möglichkeiten der Öffentlichkeit eine Wertung vorgesetzt: Was 'gut' ist, bestimmt ein Forscherteam.

    Jürgen Habermas schreibt: "Die neuen Technologien drängen uns einen öffentlichen Diskurs über das richtige Verständnis der kulturellen Lebensform (..) auf. Und die Philosophen haben keine guten Gründe mehr, diesen Streitgegenstand Biowissenschaftlern und Science-Fiction-begeisterten Ingenieuren zu überlassen." (J.H., Die Zukunft der menschlichen Natur; Ffm: Suhrkamp)
    Antwort der Redaktion:
    Wenn Sie die "Interpretationsvielfalt" der Menschenwürde als eine starke Seite des Begriffs bezeichnen, scheinen Sie mir aus der Not eine Tugend machen zu wollen.



    Den Begriff der "Freiheit" mit dem der "Menschenwürde" zu vergleichen, ist eine gute Idee. Er zeigt nämlich wie nichtssagend der Begriff der Menschenwürde gegenüber dem Begriff der Freiheit ist. Während wir alle wissen, wann unser Recht auf Freiheit verletzt wird, haben wir unsere liebe Mühe damit zu wissen, wann unsere Würde verletzt wird.



    Wenn wir etwa auf die ehemalige DDR schauen, werden wir sehen, dass viele Würdeverletzungen erst verständlich werden, wenn wir sie als Verletzungen der Freiheit betrachten. Dass die Ostdeutschen nicht frei wählen, sprechen oder reisen durften, mögen Sie als eine "Würdeverletzung" bezeichnen. Viel offenkundiger und konkreter aber ist, dass es sich um eine Verletzung ihrer Freiheitsrechte handelte.



    Wie gesagt: Warum von Menschenwürdeverletzungen sprechen, wenn man genauso gut, ja noch viel präziser von Menschenrechtsverletzungen sprechen kann?



    Edgar Dahl, Münster
  • Innerer und äußerer Maßstab

    03.03.2010, Gunter Berauer, München
    “In dem Artikel wird davon gesprochen, dass sich im Zentrum eines Schwarzen Loches eine Singularität, also ein Punkt mit unendlich großer Massendichte befände, und dass diese Singularität von einer leeren Zone extremer Schwerkraft umgeben sei, aus der heraus nichts in den Außenraum gelangen könne. Diese Beschreibung eines Schwarzen Loches klingt zwar anschaulich, ist meines Erachtens aber leider nicht ganz zutreffend und auch irreführend.


    Eine wesentliche Eigenheit von Schwarzen Löchern ist, dass man bei ihnen zwei grundsätzlich verschiedene Zeitmaßstäbe unterscheiden muss: einen inneren und einen äußeren. Bei der Entstehung eines Schwarzen Loches gilt für einen mitbewegten (d.h. mit ins Innere stürzenden) Beobachter die innere Zeit, die Eigenzeit dieses Beobachters. Nach der Anzeige der Uhr eines solchen (mitbewegten) Beobachters müsste nach der Einstein’schen Theorie in der Tat nach einer Zeitspanne, die umgekehrt proportional zur Wurzel aus der Massendichte des Objektes ist, die gesamte Materie im Zentrum zusammenstürzen. Ganz anders sieht das aber ein Beobachter (wie du und ich), der sich im Außenbereich des Objektes befindet. Dieser kann lediglich den Vorgang des Zusammenbruchs des Sterns bis zum Erreichen des Ereignishorizonts (d.h. des Schwarzschildradius’) beobachten, wobei sich für ihn dieser gesamte Vorgang aber zeitlich ins Unendliche dehnt. Die momentane Zeitdehnung fällt dabei umso stärker aus, je mehr sich der aktuelle Radius dem Schwarzschildradius nähert. Das hat zur Folge, dass für den externen Beobachter der zusammenbrechende Stern erst nach unendlich langer Zeit exakt den Schwarzschildradius annimmt. Von einem weiteren Zusammenbrechen des Sterns auf einen Punkt kann der äußere Beobachter nicht sprechen, denn für ihn ist die Entwicklung des Sterns mit Erreichen des Schwarzschildradius’ ein für alle Mal abgeschlossen: Der Stern friert sozusagen beim Schwarzschildradius ein. Es macht deshalb für einen äußeren Beobachter keinen Sinn, von einem singulären Zustand im Inneren eines Schwarzen Loches zu sprechen, in dem sich das Objekt für diesen Beobachter ja gar nicht befindet und auch niemals, auch nicht nach unendlich langer Zeit, je befinden wird, und der sich deshalb auch in keiner Weise auf die Umwelt auswirken kann.


    Die oben beschriebene Zeitbarriere zwischen außen und innen bewirkt auch, dass ein auf ein Schwarzes Loch zufallendes Objekt für einen äußeren Beobachter niemals ins Innere gelangen kann, denn auch dieses Objekt erreicht erst nach unendlich langer Zeit den Ereignishorizont. Wäre das nicht so und würde sich auch für den externen Beobachter tatsächlich eine Massesingularität im Zentrum befinden, dann könnte man durch Herablassen eines Probekörpers an einer Schnur aus dem Schwarzen Loch unendlich viel Energie gewinnen. In Wahrheit kann aber beim Hereinstürzen eines Objektes auf seinem unendlich lange dauernden Trip hin zum Schwarzschildradius nur maximal seine ganze Ruhmasse in Energie umgewandelt und für die Außenwelt gewonnen werden.“

    Mit freundlichen Grüßen

  • Eine praktikable, weil operationable Definition

    03.03.2010, Prof. Dr. Uwe Lehnert
    Philosophie und Theologie haben über die Jahrtausende davon gelebt, dass sie Begriffe in die Welt setzten, bei denen das damit Gemeinte nur in ihren Köpfen existierte, obwohl sie behaupteten, dass dem damit Gemeinten weltbestimmende Macht innewohne. Ein Beispiel für solche gedankliche Konstruktionen ist das so genannte Böse als absolute moralische Wesenheit, gern versinnbildlicht in Gestalt des Teufels. Handlungen mögen als "böse" bezeichnet werden, wenn sie bewusst gesellschaftliche Regeln verletzen, ein Ausfluss des "Bösen an sich", das sich des Menschen als ausführenden Organs bediene, sind sie sicher nicht.

    Eine ähnlich abstrakte Konstruktion ist der Begriff der Menschenwürde, die letztlich – wie Dahl erwähnt – mit der angeblichen Gottesebenbildlichkeit des Menschen begründet wird. Dieser Begriff entzieht sich damit einer allgemein gültigen Rechtfertigung und erlaubt, Diskussionen schlagartig zu beenden, weil eine Ablehnung eines solchen Arguments damit als Blasphemie gebrandmarkt werden kann. Der dahlsche Vorschlag, jede behauptete Verletzung der Menschenwürde daraufhin zu prüfen, ob sie eine Verletzung der Menschenrechte darstellt, führt daher eine handhabbare Konkretisierung und Präzisierung ein. Der Begriff der Menschenwürde – wenn man denn auf ihn nicht verzichten mag – wird damit operationabel, d. h. es lässt sich nachvollziehbar beurteilen, ob hier tatsächlich eine Verletzung von (verfassungsmäßig garantierten) Menschenrechten stattfindet, ob diese Verletzung vorsätzlich, achtlos, unbeabsichtigt oder gar unvermeidlich stattfindet, und es lässt sich die Schwere der Verletzung beurteilen. Letzteres kann dann von Bedeutung sein, wenn verschiedene Rechtsgüter gegeneinander abzuwägen sind.

    Embryonenforschung zum Beispiel mit dem Hinweis auf die Verletzung der Menschenwürde zu verbieten, wäre danach unbegründet, weil ein Embryo kein Mensch ist (ein Embryo ist ein Embryo!), folglich würde hier auch kein Menschenrecht verletzt. Gleiches gälte zum Beispiel auch bei der Beurteilung, ob eine helfende Maßnahme am Lebensende die Menschenwürde verletze. Denn welches Menschenrecht, das sich ja immer nur im Individuum konkretisieren kann, wird verletzt, wenn ein sterbenskranker Mensch um Erlösung von seinem unerträglich gewordenen Leiden bittet und diesen letzten Willen erfüllt bekommt?

    www.uwelehnert.de
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Prof. Lehnert, ich fühle mich durch Ihren Leserbrief geehrt, denn ich bin ein begeisterter Leser Ihres kürzlich erschienenen Buches "Warum ich kein Christ sein will", in dem Sie sich ja weitgehend mit ähnlichen Fragen beschäftigen wie ich.

    Was die Sterbehilfe anbelangt, gebe ich Ihnen auf der ganzen Linie recht. Was die Embryonenforschung anbelangt, so würde ich Ihnen jedoch darin widersprechen, dass der Embryo kein Mensch sei. Ich halte die Frage "Ab wann ist der Mensch ein Mensch?" für vollkommen verfehlt. In meinen Augen lautet die Frage "Ab wann ist menschliches Leben schützenswert?"

    Der menschliche Embryo und der menschliche Fetus sind sicherlich Menschen im rein deskriptiven Sinne, insofern sie tatsächlich Mitglieder der Spezies Homo sapiens sind. Doch was zur Debatte steht ist die Frage, ob sie auch Menschen im normativen Sinne sind - ob ihr Leben also denselben moralischen und rechtlichen Schutz verdient wie das Leben erwachsener Menschen.

    Und meine Antwort auf diese Frage lautet "Nein!" In meinen Augen sind Moral und Recht dazu da, unsere Interessen zu schützen. Embryonen und Feten sind jedoch Wesen, die keine Interessen haben, ja noch nicht einmal haben können, weil ihnen die hierfür notwendigen neurobiologischen Voraussetzungen fehlen.



    Edgar Dahl
  • Warnung vor zu großer Euphorie

    03.03.2010, J.Götz, Dresden
    Zunächst sollten die Maßeinheiten richtig gebraucht werden. Da es um die Speicherung von elekrischen Energiemengen geht, sollte die Speicherkapazität in Gigawattstunden, Megawattstunden oder Kilowattstunden angegeben werden und nicht die Leistung, die die Batterie unter Last über einen gewissen Zeitraum abgeben kann.

    Weiterhin möchte ich folgende Bedenken anbringen:
    Wenn ich die Angaben im Artikel richtig zuordne, hat die entwickelte Batterie eine Kapazität von 700 Kilowattstunden und könnte ein Megawatt abgeben, d.H. sie ist nach 0,7 Stunden leer. Ihre Leistungsdichte beträgt rund 0,01 Megwattstunden pro Kubikmeter.

    Betrachtet man den Fall, dass die in Deutschland installierten 25 Gigawatt Windkraft für einen Tag (24 Stunden) zum Beispiel durch solche Batterien ersetzt werden sollten, würde eine Energiemenge von rund 600 Gigawattstunden benötigt, für die rund ein Million dieser Batterien erforderlich wären. Die Kosten von Lithiumbatterien dieser Größe dürften derzeit im sechstelligen Bereich liegen. Um also einen Tag Flaute überbrücken zu können, wären Investitionen im Bereich einiger hundert Milliarden Euro erforderlich. Ist das effektiv?

    Deutschland hat vor dem Hintergrund der derzeit ans Netz angeschlossenen Kraftwerke eine Leistungsreserve von 7000 Megawatt vorzuhalten. Das entspricht grob fünf Kernkraftwerken der Leistungsklasse 1,5 Gigawatt. Die Kosten eines solchen Kernkraftwerks liegen in der Größenordnung fünf Milliarden Euro. Die Zahlen sprechen für sich: der Weiterbetrieb und gegebenenfalls Neubau von Kernkraftwerken ist ökonomisch und sinnvoll, weil er eine sichere Versorgung zu wirtschaftlichen Preisen garantiert. Die Argumente zur Sicherheit werden gern nachgeliefert.

    In diesem Zusammenhang sei auch auf die Entwicklung des ITER verwiesen, mit dem die Energieversorgung zukünftig sichergestellt werden könnte - auch wenn es durchaus Probleme bei dessen Entwicklung gibt.
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