Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Fraglicher Eindruck

    10.10.2010, Peter Maier, Wien
    Der Artikel macht einen in einigen Punkten fraglichen Eindruck.

    1. Wie ist der 60-Kilowatt (60kW) Grenze bei Freileitungen zu verstehen? Wie bekannt ist, definiert sich elektr. Leistung aus dem Produkt Spannung mal Strom. Fliesst kein Strom durch die Leitung, aber liegt die (Hoch)spannung an, beträgt die übertragene Leistung nahezu 0 Watt. Trotzdem nehmen Vögel nicht auf Freileitung mit Hochspannung wie Leitungen mit 220kV oder 380kV "Platz".

    Im Mittelspannungsnetzen, welche je nach Region mit 10 bis 30kV betrieben werden, nehmen Vögel hingegen sehr gerne Platz. Das ist bei Freileitungen im Bereich der Isolatoren sogar ein Problem, wie im Artikel bei den Störchen erwähnt. Bei Mittelspannungsnetzen beträgt die durchschnittliche Leistung einige Megawatt bis zu einigen 10 Megawatt die übertragen werden. Wie passt diese Leistungen also zu dieser postulieren 60-Kilowatt-Grenze?

    (Wurde da etwa Kilowatt mit Kilovolt verwechselt? - das ist dann schon ein recht arger Schnitzer der im Review auffallen sollte und ich daher nicht glauben will.)

    2. In Hochspannungsnetzen dient die Erde, das Erdseil (an der Mastspitze bei Metallmasten, tlw. auch als Blitzschutzseil bezeichnet) nicht als Retourleiter zum Kraftwerk. Offensichtlich liegen hier völlig falsche Vorstellung vor, wie Dreiphasensysteme wie das Mittelspannungsnetz oder auch die Hochspannungsebene mit 110kV/220kV/400kV realisiert sind. Auch ist der "Neutralleiter" auf Niederspannungsnetz im Haushaltsbereich üblich, kommt aber in Hochspannungsnetzen in dieser Form gar nicht vor. (Es gibt im Hochspannungsbereich bei Leistungstransformatoren einen so genannten Sternpunkt und unterschiedliche Behandlungen wie dieser Sternpunkt geerdet werden kann oder ob er "schwebend" ist. Im Niederspannungsnetz mit 230V/400V ist dieser Sternpunkt geerdet und mit dem Neutralleiter verbunden)

    Erdschlussfehler treten bei Freileitungen öfter auf, z.B. Baum der in eine Freileitung hinein wächst. Dazu gibt es die Erdschlusskompensation welche bei einpoligen Erdschluss einen Zeit lang den Weiterbetrieb erlaubt. Würde die Erde als "Retourleiter" verwendet werden, wäre das ein Kurzschluss und keine Ersdschlusskompensation möglich. Details finden sich in einschlägigen Lehrbüchern wie "Rene Flosdorff, Elektrische Energieverteilung" ISBN 3-519-26424-2.

    3. Vögel nehmen nicht auf den Leiterseilen von Hochspannungsleitungen (110kV, 220kV und 440kV) Platz, weil die im Artikel korrekt erwähnte elektrische Feldstärke über den Leiterseilen sehr hoch ist und an der Durchbruchsgrenze (Ionisierungsgrenze) von Luft liegt. Was fehlt ist die Erwähnung von den einsetztenden Koronaentladungen ("Sprühentladungen") welche an spitzen Kanten ausgeht. Wie es eben auch Vogel auf so einer Leitung darstellen. Diese Entladungen führen zu nervlichen Reizen und sind entsprechend unangenehm. Das ist aber nur durch die hohe Spannung gegen Erdpotential bedingt, hat nichts mit Übertragungsleistungen zu tun.

    Die Koronaentladungen treten auch direkt auf der Oberfläche von dem Leiterseil auf, weil es "dünn" im Querschnitt ist. Deswegen werden Hochspannungsleitungen welche mit 400kV betrieben werden, auch als Bündelleiter mit mehreren Metallseilen in engen Abstand ausgeführt, quasi wie holes "Rohr". Um so die "scharfe Krümmung" und die damit verbundene hohe elektrische Randfeldstärke über den Leiterseilen zu reduzieren und so Koronaentladungen (sind Verluste) zu minimieren.

    Diese Koronaentladungen sind übrigends auch der Grund, neben Effekten an den Isolatoren, warum es unter einer 400kV-Freileitung so "knistert und prasselt". Mit entsprechenden Koronakameras und im Dunkeln (Nacht) kann man diese kleinen Entladungen entlang des Leiterseils von 400kV-Hochspannungsfreileitungen auch optisch beobachten. Und das ist auch der Grund, warum Hochspannungsteile in Uni-Hochspannungslabors mit so grossen Runden Metallblechen ausgekleidet werden, Stichwort Hochspannungsringe. Auch das findet sich alles in einschlägigen Lehrbüchern der Hochspannungstechnik.

    In den USA werden arbeiten wie das Austauschen von Abstandshaltern bei diesen Bündelleitern auch in Betrieb befindlichen Höchstspannungsleitungen (um 500kV) von Hubschraubern aus getätigt. Weil dort so wenig Reserveleitungen vorhanden sind. Die Arbeiter haben dazu einen leitfähigen Schutzanzug an, um durch die Koronaentladungen (das "beisst" ziemlich) nicht zu stark beeinträchtigt zu werden wenn sie auf der Hochspannungsleitung "sitzen". Genau das ist der Grund warum auch Vögel, die klarerweise keinen solchen Schutzanzug tragen, nicht auf diesen Hochspannungsleitungen sitzen.

    In der Hoffnung, dass die Qualität der SdW bei solch fast schon alltäglichen Dingen nicht zu sehr nach unten abrutscht ...
    Antwort der Redaktion:
    Die Verwechslung von Kilowatt und Kilovolt war ein Versehen des Autors, das dem Redakteur hätte auffallen müssen; wir bitten um Entschuldigung. Das Thema der Koronaentladungen war uns bekannt; zu deren Auswirkungen auf Lebewesen haben wir indessen keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen gefunden, sodass dieser Aspekt im Text außen vor blieb.
  • Vielen Dank

    09.10.2010, Jürgen Knödlseder, Toulouse
    Trotz all der berechtigten Kritik: Danke für die Rezension, sie hat mir ein paar gute Stunden mit einem Buch eingebracht, das zum Nachdenken anregt. Über die Sachfehler hier und da kann man da gerne wegsehen.
  • Watt ihr V(V)ol(l)t?

    09.10.2010, Gerald Winzer, München
    Den Artikel fand ich sehr interessant, weil ja die allgemeine Meinung vorherrscht, Vögel könnten sich beliebig auf Hochspannungsleitungen setzten, das elektrische Feld vergisst man dabei schnell.

    Jedoch würde ich von einem wissenschaftlichen Magazin erwarten, dass Leistung und Spannung nicht durcheinander gewürfelt werden, denn nachdem klar beschrieben ist, dass nicht das Magnetfeld die Vögel stört, sondern das elektrische, ist auch klar, dass es sich um ein Spannungs- und nicht Leistungsphänomen (das wäre es bei gleichbleibender spannung wenn der Strom und damit das Magnetfeld variieren würde) handelt. Also müßte es richtigerweise wohl 60 Kilovolt und nicht 60 Kilowatt heißen.
    Antwort der Redaktion:
    Der Autor hat auf eine ähnliche Anmerkung geantwortet, siehe Leserbrief "Sprechen wir hier von Leistung oder von Spannung?"
  • Sexuelle Selektion beim Menschen – ein Tabu?

    08.10.2010, Prof. Dr. Dieter Böning, Berlin
    Nach Charles Darwin gibt es zwei Formen der Evolution: natürliche Selektion (ein zufällig entstandenes vererbbares Merkmal verbessert die Überlebens- und Fortpflanzungsfähigkeit in der jeweiligen Umwelt) und sexuelle Selektion (ein zufällig entstandenes vererbbares Merkmal erhöht die sexuelle Attraktivität und dadurch den Fortpflanzungserfolg).

    In der "Abstammung des Menschen" (1874) diskutiert er den Ursprung der Nacktheit. Er findet keine besseren Überlebenschancen durch Verlust des Fells. Daher vermutet er sexuelle Selektion und spekuliert, etwas viktorianisch verklausuliert, dass der Mensch, "am wahrscheinlichsten das Weib, das Fell aus ornamentalen Gründen verlor".

    Die Bedeutung der Nacktheit als Seh- und Berührungsreiz für die Sexualität ist eigentlich unübersehbar. Bei den heutigen Evolutionsbiologen ist im Gegensatz zu Darwin anscheinend sexuelle Evolution beim Menschen ein Tabuthema, auch im vorliegenden Artikel wird sie nur verschämt als Nebeneinfluss erörtert. Das führt zu teilweise unsinnigen Spekulationen, wie dass die Behaarung von Achsel und Scham vor Bewegungsreibung schütze. Es ist doch offensichtlich, dass Auftreten und langsame Zunahme der Schambehaarung in der Pubertät die Geschlechtsreife signalisiert.

    Im Übrigen spricht Geschlechtsverschiedenheit eines Merkmals (Geschlechtsdimorphismus) für sexuelle Selektion. Die Behaarung der Geschlechter unterscheidet sich folgendermaßen:
    1. Stärkere Körperbehaarung bei Männern
    2. Bart beim Mann (höchstwahrscheinlich, um einen imposanten Eindruck zu machen wie die Mähne beim Löwen)
    3. Verschiedene Abgrenzung der Schambehaarung nach oben
    4. Häufige Kahlheit beim älteren Mann; da diese erst spät auftritt, dürfte sie für Fortpflanzung und Selektion eine recht geringe Bedeutung haben.

    Das führt zu einem weiteren, allerdings scheinbaren Widerspruch in den Argumentationen von Nina Jablonski: Haare auf dem Kopf sind gut für die Thermoregulation, auf dem Rumpf aber schlecht. Den Vorteil von Haaren auf dem Kopf bei starker Sonneneinstrahlung kann jeder Mann mit gelichtetem Haupthaar bestätigen. Am Rumpf (mit Ausnahme der Schultern, die vom Kopfhaar mitbedeckt werden können) konnte der Mensch auf diesen Schutz in der Savanne eher verzichten als vierbeinige Tiere, da durch die aufrechte Haltung der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen in der Mittagshitze flach ist. Zumindest scheint die geringe Rumpfbehaarung dadurch keinen wesentlichen Nachteil für die Thermoregulation in der tropischen Umwelt gehabt zu haben.

    In diesem Zusammenhang interessant ist, dass es auch heute noch vereinzelt Menschen mit vollständiger Körperbehaarung gibt (sogenanntes Ambras-Syndrom nach Schloss Ambras in Tirol, wo Gemälde einer Familie mit Fell ausgestellt sind). Die verantwortliche (Rück?)Mutation liegt auf Chromosom 8 (Baumeister FA et al., Clin. Gen. 44, 121–128 (1993)).
  • "Ignoranz und Forschungsamnesie"

    08.10.2010, Dr. Erika Butzmann, Wildeshausend
    Würden die neuen Säuglings- und Kleinkinderforscher sich die Mühe machen, Piaget zu lesen und zu verstehen, müssten sie nicht ständig behaupten, was in diesem Artikel über Piaget steht. Dann wüssten sie auch, dass mit Piagets Erkenntnissen die Ergebnisse aller neuen Untersuchungen zum Forscherverhalten von Babys zu erklären sind. Es ist ein Trauerspiel, wieviel Forschungsgelder überall verpulvert werden, nur weil sich kaum noch jemand die Mühe macht, sich Erkenntnisse früherer Forscher wirklich anzueignen. Rainer Dollase nennt das "Ignoranz und Forschungsamnesie".
  • Warum wir nackt sind

    08.10.2010, Josef Brusa, Schweiz
    Das fehlende Fell hilft wohl zur besseren Kühlung des Körpers. Doch unter freiem Himmel kann es selbst in heißen Ländern auch mal empfindlich kalt werden. Daher meine These: Erst das Feuer hat es ermöglicht, dass Fell los zu werden. Es gibt zwar keine eindeutigen Beweise, doch scheint das Feuer schon eine Million Jahre oder länger bekannt zu sein. Das passt ganz gut mit dem beginnenden Haarausfall zusammen. Das Feuer ermöglichte eine effizientere Nahrungsaufnahme durch das Kochen, was wiederum Voraussetzung für das Wachstum des Gehirns ist. Vielleicht haben sich all diese Effekte gegenseitig unterstützt. Feuer verhilft zu Intelligenz und damit zur noch besseren Nahrungsbeschaffung, aber auch zu intelligenten Konzepten zum Schutze des Körpers vor Wettereinflüssen. Dies ermöglicht den Haarausfall, was wiederum die Nahrungsbeschaffung verbessert, usw.
  • Haarsträubende Interpretation

    08.10.2010, Dr. Anna Winner, München
    Die Ergebnisse von Gopnik sind faszinierend, deren Interpretation aber haarsträubend. Welchen Sinn ergibt das Wort Theorie noch, wenn man das Adjektiv "intuitiv" davor setzt. "Ein Kind experimentiert, arbeitet (?) mit Statistiken und stellt intuitive physikalische, biologische und psychologische Theorien auf." (S. 69)

    Verhielten sich Kleinkinder denn anders, als es für die Menschheit solche Theorien noch gar nicht gab, waren die Kleinkinder intuitiv schlauer als ihre Eltern? Verlernen wir das alles beim Erwachsen werden? Dass Kinder eine enorme Beobachtungsgabe besitzen, eben weil sie nicht theoriegeleitet wahrnehmen (wie auch Gopnik erwähnt), bewunderte schon Goethe. Kleinkinder wollen die Welt durchschauen, sie strengen sich gerne an und wiederholen Tätigkeiten ausdauernd. Ihr ganzer Körper, nicht nur der Kopf, entwickelt dabei ein Gespür für die Zusammenhänge.

    Man könnte das Erfahrungswissen oder gesunder Menschenverstand nennen, wissenschaftliches Denken ist es nicht. Nur weil jemand gut Skateboard fahren kann, kann er noch nicht gut Flugbahnen berechnen und nur weil jemand gut Flugbahnen berechnen kann, kann er noch nicht gut Skateboard fahren.
  • Haarsträubende Interpretation

    08.10.2010, Dr. Anna Winner, München
    Die Ergebnisse von Gopnik sind faszinierend, deren Interpretation aber haarsträubend. Welchen Sinn ergibt das Wort Theorie noch, wenn man das Adjektiv "intuitiv" davor setzt. "Ein Kind experimentiert, arbeitet (?) mit Statistiken und stellt intuitive physikalische, biologische und psychologische Theorien auf." (S. 69)

    Verhielten sich Kleinkinder denn anders, als es für die Menschheit solche Theorien noch gar nicht gab, waren die Kleinkinder intuitiv schlauer als ihre Eltern? Verlernen wir das alles beim Erwachsen werden? Dass Kinder eine enorme Beobachtungsgabe besitzen, eben weil sie nicht theoriegeleitet wahrnehmen (wie auch Gopnik erwähnt), bewunderte schon Goethe. Kleinkinder wollen die Welt durchschauen, sie strengen sich gerne an und wiederholen Tätigkeiten ausdauernd. Ihr ganzer Körper, nicht nur der Kopf, entwickelt dabei ein Gespür für die Zusammenhänge.

    Man könnte das Erfahrungswissen oder gesunder Menschenverstand nennen, wissenschaftliches Denken ist es nicht. Nur weil jemand gut Skateboard fahren kann, kann er noch nicht gut Flugbahnen berechnen und nur weil jemand gut Flugbahnen berechnen kann, kann er noch nicht gut Skateboard fahren.
  • Quadratjahr

    07.10.2010, O. Meckes
    Was bitte ist ein Quadratjahr ?
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Meckes,



    auch uns irritierte die Einheit "Quadratjahr" anfangs.



    Jay Famiglietti, Forscher aus der Studie, erklärte uns das Zustandekommen dieser Einheit folgendermaßen:

    Der Wasserabfluss (kombiniert aus Fluss- und Eisdecken-Strom) in die Meere ist ein Verhältnis von Kubikmetern (km3) pro Jahr (y). Ein Trend ist dann per Definition zu bestimmen, indem man durch die Zeiteinheit (hier das Jahr) dividiert. In den Einheiten gesprochen: km3 /y * 1/y. Daraus ergibt sich das durchaus nicht geläufige Quadratjahr.



    Wir bedanken uns für Ihre Rückfrage,

    Ihre Redaktion von spektrumdirekt
  • Bumerang als Austauschteilchen

    02.10.2010, Donnie W. Agema, Hattersheim
    Im Artikel wird behauptet: "Für die Anziehung von zwei Teilchen gibt es" im Gegensatz zu den wohl bekannten Tennisspielern, mit denen sich Abstoßung durch Austauschteilchen plausibel machen lässt, "keine so anschauliche Analogie".

    Ich biete dazu Folgendes an: Zwei Aborigines haben den Tennisspielern zugeschaut und sich angeboten, ihre Version des Spiels vorzuzeigen. Nachdem sie, einander den Rücken zuwendend, auf die reibungsarmen Fahrzeuge aufgestiegen sind, fangen sie an, durch gekonnte Wurftechnik sich gegenseitig einen Bumerang zuzuwerfen. Nach jedem Wurf oder Wiederauffangen bemerken sie, dass sie einander ein Stück näher gerückt sind.

    Ist doch ebenso anschaulich, oder?


  • Statistisch fragwürdig

    01.10.2010, Thomas Rivinius
    Nicht "synodisch" sollte in Anführungszeichen stehen im Satz die Frequenz "erinnere an die 'synodische' Eigenrotation der Sonne", sondern wohl eher das Wort "erinnern", denn so richtig nahe ist 365/11.23 = 32.5 nicht an 27.3. Besonders, wenn man eine Datenbasis von 16 Jahren hat, ist das doch recht weit außerhalb des Fehlers. Dass in der auf arXiv erhältlichen Fassung (http://arxiv.org/abs/1006.4848) nicht ein einziger Fehlerbalken auftaucht, macht sie übrigens auch nicht gerade besser.

    Als jemand, der gerade mit Zeitserienanalyse astronomischer Daten und besonders der Lomb-Scargle-Statistik sehr vertraut ist, schätze ich vom Aussehen der Daten und des Frequenzspektrums, dass die berichtete Periode die Drei-Sigma-Hürde gerade so reißen würde - wenn überhaupt. Es ist wirklich schade, dass eine entsprechende Signifikanzanalyse im Paper unterlassen wurde, denn dafür ist sowas wie Lomb-Scargle nämlich gerade da.
  • Kochen ohne Kochtöpfe?

    29.09.2010, Prof. Dr. Dieter Böning, Berlin
    Der Titel dieser Buchbesprechung zeigt die Problematik von Übersetzungen. Das Buch von Richard Wrangham heißt im Original: "Catching Fire. How Cooking made us Human". Cooking hat im Englischen laut Wikipedia zunächst die allgemeine Bedeutung "Essen durch Hitzeanwendung zubereiten", im Deutschen dagegen zunächst "Erhitzen einer Flüssigkeit bis zum Siedepunkt", erst im weiteren Sinne "Garen und Zubereiten von Lebensmitteln allgemein". Der deutsche Titel: "Feuer fangen. Wie uns das Kochen zum Menschen machte" klingt daher etwas seltsam. Ein Steinzeitmensch konnte zwar ohne weiteres braten oder backen, aber zum Kochen, also Zubereiten in heißem Wasser, fehlten ihm die Töpfe!

    Ohne feuerfeste Behälter ist Kochen eine mühsame Angelegenheit. Kanadische Indianer an der Küste des Stillen Ozeans, die keine Metalltöpfe hatten, lösten das Problem noch vor wenigen Jahrhunderten nur, indem sie glühende Steine in wasserdichte Holzkisten warfen. Man kann davon ausgehen, dass gekochte Eier oder Suppen bis zum Beginn der Bronzezeit vor etwa 5 000 Jahren auch in Europa seltene Delikatessen waren.
  • Löwe mit Gepard verwechselt

    28.09.2010, Berthold Rupprecht, Tecklenburg
    Der Ausschnitt des ägyptischen Totenbuches auf S. 65 zeigt zwei Geparde und nicht zwei Löwen, wie in der Bildunterschrift vermittelt wird. Das weiß-schwarz gestreifte Ende des Schwanzes, die schwarzen Flecken, die langen Beine kennzeichnen eindeutig Geparde. Die Mähne kennen wir alle natürlich vom Löwenmännchen, aber auch junge Geparde tragen in den ersten Wochen eine auffällige Mähne. So wird die Sonne auf dem Bild nicht von zwei Löwen, sondern von zwei Geparden flankiert.
  • Flügelschlag

    28.09.2010, Mike Rueckerl, Ergolding
    Ich nehme an, der Vogel wäre ohne Flügelschlag mindestens genau so weit geflogen. Aber: der Flügelschlag störte den Flug nicht wesentlich. Gratulation!
  • Fehler in der Logik des Hotel Hilbert

    27.09.2010, Willi Penker, Moosburg
    Das Hotel Hilbert ist wohl eines der eindrucksvollsten Darstellungen von Verschiebungen in das oder aus dem Unendlichen.
    Doch woher kommen diese Gewinne und Verluste wirklich?
    Ist es wirklich möglich, etwas so zu erschaffen oder zu vernichten?
    Natürlich nicht. Bei genauer Betrachtung dessen was passiert, sehen wir sehr schnell, woher diese Gewinne oder Verluste kommen.

    Ausgangspunkt ist immer der gleiche. Es gibt 2 unendliche Mengen, welche in einer 1 zu 1 Beziehung zugeordnet sind. Nun wird eine Verschiebung injiziert, wie im Hotel Hilbert:
    Der Gast, aus Zimmer #1, soll in das Zimmer #2 umziehen. Der Gast aus Zimmer #2, in Zimmer #3 usw.
    Es gibt nun 2 Möglichkeiten, diese Anweisung auch durchzuführen. Der Gast aus Zimmer #1 geht in den Hausflur und klopft an Zimmer #2. Er wartet, bis der Gast aus Zimmer #2 das Zimmer in den Hausflur verlassen hat um dann Zimmer #2 zu betreten. Der frühere Gast aus Zimmer #2 klopft nun an Zimmer #3 usw.
    Bei unendlich vielen Zimmern werden sich also fortan immer Gäste auf dem Hausflur aufhalten, da diese Verschiebung in Wahrheit nie beendet werden kann. Es halten sich zu jeder Zeit genau so viele Gäste auf dem Hausflur auf, wie man scheinbar Zimmer geschaffen hat.
    Umgeht man das Problem, mit dem Versuch die Zimmer untereinander mit einer direkten Tür zu verbinden und den Gast aus Zimmer #1 direkt in Zimmer #2 eintreten zu lassen, wird man immer eine temporäre Doppelbelegung der Zimmer haben. Der Gast aus Zimmer # 1 geht ins Zimmer #2, daraufhin geht der frühere Gast aus Zimmer #2 ins Zimmer #3 usw.
    Zu versuchen die Doppelbelegung zu vermeiden und den Gast aus Zimmer #1 anzuweisen zu warten, bis der jetzige Gast aus Zimmer #2 das Zimmer verlassen hat, hätte kein Ergebnis, da er leider vergebens wartet. Jeder Gast des Hotels wartet dann auf den nächsten Gast und mangels eines letzten Gastes, würde in Wahrheit nie etwas geschehen.

    Bei genauerer Betrachtung lösen sich die Gewinne oder Verluste auf, da man sich in Wahrheit nur Platz vom Hausflur, oder durch eine, für den einzelnen Gast temporäre aber die gesamte Menge der Gäste permanente, mehrfache Belegung leiht.
    Der Fehler liegt noch nicht in der Annahme es gäbe verschiedene statische Zuordnungen zwischen unendlichen Mengen, sondern in der Annahme eine statische Zuordnung zwischen unendlichen Mengen in eine neue andere statische Zuordnung durch Verschiebung überführen zu können.
    Eine statische Zuordnung zwischen unendlichen Mengen, die eine Verschiebung erfährt, enthält fortan eine Störung der Zuordnung, die nicht mehr entfernt werden kann. Sie kann nicht mehr als statisch angesehen werden. Diese neu entstandene Zuordnung gleich zu setzten mit dem erwarteten Ergebnis, nämlich einer neuen statischen Zuordnung zwischen den unendlichen Mengen, ist falsch und führt zu falschen Ergebnissen. Eine Verschiebung der Zuordnung zwischen unabgeschlossenen unendlichen Mengen kann nicht vollständig durchgeführt werden.

    Die Zimmer Vermehrung im Hotel Hilbert funktioniert also nicht wirklich, es ist nur eine Täuschung da sich die Gäste entweder im Hausflur oder in einer Doppelbelegung aufhalten.
    Antwort der Redaktion:
    Natürlich kann es das Hotel Hilbert in der physikalischen Realität nicht geben. Dem steht nicht nur das von Ihnen erwähnte Gedränge auf dem Flur entgegen, sondern auch die endliche Lichtgeschwindigkeit: Bis die Bitte, ins nächste Zimmer umzuziehen, alle Gäste erreicht hat, ist die Nacht sowieso vorbei. Und der Energiesatz, wenn alle Leute die Wasserspülung betätigen ...


    Nein: Die Frage ist, ob eine sehr abstrakte Vorstellung Sinn macht. Also: Alle unendlich vielen Gäste erhalten gleichzeitig, per Lautsprecher oder wie auch immer, die Anweisung, ein Zimmer weiter zu ziehen, machen sich gleichzeitig auf die Socken, und es gibt kein Gedränge. Der Umzug von Zimmer n nach Zimmer 2n erfordert für große n Marathonläufer-Qualitäten und mehr, aber auf derart niedere Einzelheiten der Realität will man sich mit dem Bild vom Hotel nicht einlassen. Es geht ja nur um bijektive Abbildungen von Teilmengen natürlicher Zahlen. Und natürliche Zahlen haben keine Probleme mit einem Hotelflur, und sei er unendlich lang.


    Christoph Pöppe, Redaktion