Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Der Tanz ums Goldene Kalb

    09.07.2009, Dr. Josef Eiwanger
    Seit nunmehr 15 Jahren gräbt das Deutsche Archäologische Institut in Nordmarokko, nicht weit von dem oben beschriebenen Fundplatz Taforalt entfernt, eine bedeutende Fundstelle aus, in der gleichartiger Schneckenschmuck gefunden wurde. Allerdings geschieht dies im Gegensatz zu Taforalt in einem umfassenden kulturellen Kontext dessen, was wir als modernen Menschen beschreiben, sowie auf großer Grabungsfläche, die ein profundes Urteil zu dieser weit zurückliegenden Epoche erlaubt.

    Seit sich diese spannenden Ergebnisse abzeichnen, versammelt sich in Nordmarokko eine große Gemeinde von Forschern, die - auf schnelle Ergebnisse aus - alte Grabungen wie Taforalt neu aufnimmt und, unserer Meinung nach sehr vorschnell, die Öffentlichkeit mit Meldungen nach dem Motto "noch älter, noch größer, noch wichtiger überzieht". Von ähnlichen Funden aus dem Carmel-Gebirge, die möglicherweise 100 000 bis 130 000 Jahre alt sind, ist dabei gar nicht mehr die Rede. Schade.
  • Intelligente Druckerschwärze?

    09.07.2009, Egbert Scheunemann, Hamburg
    In Genen oder Gensequenzen nach den Ursachen der Intelligenz zu suchen ist ungefähr so intelligent, wie die Bedeutung des Wortes Intelligenz in den molekularen Bestandteilen der Druckerschwärze oder Bildschirmpixel zu suchen, mit denen es geschrieben ist. Intelligenz (respektive Geist, freier Wille etc. pp.) ist eine Systemeigenschaft par exzellence – eine Eigenschaft selbst schon höchstkomplexer, zudem sprachlich und soziokulturell vernetzter Systeme, um nicht zu sagen: Gehirne. Und selbst diese Gehirne benötigen noch ihren neuronal fast vollständig durchwirkten Körper mit allen seinen Sinnen, um überhaupt – und geschweige denn intelligent – existieren zu können. Sogar unser Knochengerüst wirkt noch indirekt auf unsere Intelligenz – denn ohne es könnte weder unser Körper noch unser Gehirn überleben. Und recht unappetitlich säh’ die Sache zudem aus…
  • Quanten und Freiheit? - Antwort auf Paul Kalbhen

    03.07.2009, Vera Spillner, Heidelberg
    Ich kann die Kritik von Paul Kalbhen an der Aussage von Michael Springer - dass Zufall noch etwas anderes als Freiheit sei - nicht nachvollziehen, zumal von Herrn Kalbhen kein alternativer Freiheitsbegriff vorgeschlagen wird.

    Ganz wie Michael Springer bin ich auch der Meinung, dass allzu schnell der Zufall der Quantenmechanik als Beweis menschlicher Freiheit gedeutet wird; Herrn Kalbhens Einwand, dieser Zufall "ermögliche" nur Freiheit und "schaffe" sie nicht, scheint mir nicht viel mehr als ein Wortspiel - auch er selbst führt dies nicht weiter aus.

    Wenn der Mensch rein statistisch handeln würde - also akausal, nicht nur nicht vorhersagbar, sondern prinzipiell unvorhersagbar und undeterminiert - so bedeutete dies meines Erachtens eine Beliebigkeit des Handelns: und keine Freiheit. Wie allerdings Freiheit definiert werden kann, ohne von Anfang an außerhalb des naturwissenschaftlichen Rahmens liegen zu müssen, ist mir selbst auch unklar.

    Peter Bieri versucht in seinem "Handwerk der Freiheit" einen Freiheitsbegriff zu formulieren, bei dem die Anzahl der einem Individuum bekannten! Handlungsmöglichkeiten mit Freiheit gleichgesetzt wird: ein gesellschaftlicher Freiheitsbegriff, der durchaus Aufmerksamkeit verdient, auch weil er gar nicht versucht, über objektive ontologische Freiheit zu sprechen.

    Hirnforscher Gerhard Roth formuliert ferner ein operatives Konzept des Freiheitsbegriffs, dem ich mich gerne anschließen möchte: Während alles darauf hindeutet, dass wir Menschen determiniert sind (bis auf den quantenmechanischen Zufall, der aber möglicherweise auf so niedrigen Hirnniveaus abläuft, dass er Gedankenprozesse nicht beeinflusst (anders als Roger Penrose vorschlägt)), während also alles auf Determinismus hindeutet, bleibt der Mensch, so Roth, so unvorhersagbar, dass wir im Alltag handeln müssen, als wäre er frei. Wir verwenden also weiterhin Begriffe wie Schuld und Verantwortung, im vollen Wissen, dass diese letzten Endes unangebracht sind; aber wir bewahren diese Konzepte als operative Begriffe, um die Gesellschaft und das soziale Leben zu regulieren.
  • Goldbachs Vermutung

    01.07.2009, Wolfram Blendin
    Im Kasten "Quantoren" auf S. 77 ist die goldbachsche Vermutung schwächer formuliert als nötig. Statt "n>2" sollte es "n≥2" heißen, denn für n=2 ist 4=2+2 ebenfalls Summe zweier Primzahlen.
    Will man fordern, dass die beiden Summanden ungleich sein müssen – was unüblich wäre –, dann müsste man "n>3" schreiben, denn 6 lässt sich nur schreiben als 6=3+3.
  • Ursache und Wirkung verwechselt

    01.07.2009, Prof. Paul Kalbhen, Gummersbach
    Dr. Michael Springer unterliegt wohl einem Missverständnis, indem er Ursache und Wirkung verwechselt. Es geht nicht darum, dass durch nicht deterministische quantenphysikalische Vorgänge und daraus erwachsende Unbestimmtheit bzw. Unschärfe (als Synonyme für Zufall) Freiheit erzeugt, sondern Freiheit ermöglicht wird. Insofern fällt sein zentraler Satz: "Doch dieser fragwürdige Gedanke verwechselt Freiheit mit Zufall" auf ihn selbst zurück. Wenn Michael Springer "philosophische Begriffsanalysen" akzeptiert, so greift er doch auf geistige Prinzipien zurück, die sich m.E. entgegen dem weit verbreiteten Determinismus der Hirnforschung mittels quantenphysikalischer Freiheitsgrade als Willens- bzw. Entscheidungsfreiheit äußern können – auch jenseits des begrenzten Vorstellungsvermögens eines glossierenden Materialisten. Zu kurz "geworfen"? Übrigens war der deterministischen Sicht des "Pantheisten" Spinoza auch Albert Einstein verhaftet.

    Zum "Begriff des Zufalls als Freiheitsgrad" noch einige abschließende Ergänzungen:

    Meine triviale – volkstümliche, nichtwissenschaftliche – Deutung von ‚Zufall‘ lautet einfach: "Es hätte auch anders kommen können"; der Kölner sagt dazu schon leicht fatalistisch: "Et kütt wie et kütt"; der norwegische Schriftsteller Knut Hamsun ironisiert in seinem Roman ‚Landstreicher‘: "Ein Zufall, der Gutes bringt, wird als Vorsehung angesehen, ein Zufall, der böse ausgeht, ist Schicksal"; der Experimentalphysiker Valerio Scarani schreibt in seinem Buch ‚Physik in Quanten‘ (Spektrum Akademischer Verlag 2007): "Inzwischen wissen wir, dass die Bedeutung des Begriffs ‚Zufall‘ im Kontext der einzelnen Interpretationen ergründet werden muss. Aus Bohrs Sicht ist das Ergebnis einer Messung objektiv zufällig ..."; Gunter Berauer argumentiert in seiner wissenschaftlichen Schrift ‚Freiheit, die ich meine, und was von der Freiheit übrig blieb‘ (LIT Verlag Berlin 2008) wie folgt: "Wir dürfen deshalb bei den quantenmechanischen Unschärfen den Begriff des absoluten Zufalls verwenden ... Wegen ihres Ursprungs im banalen, mikrophysikalisch begründeten Zufall wird Freiheit von uns Menschen aber auch als herbe Enttäuschung erlebt ... Dass Freiheit auf dem Zufall beruht, kann man aber auch durchaus positiv aufnehmen."

  • Mondstaub als Schattenspender für die Erde

    01.07.2009, Hans-Georg Baum, Ulm
    in Ihrem Artikel stellen Sie einen genialen Sonnenschutz für die Erde vor. Mir erscheint der Schutz in Form von steuerbaren Satelliten allerdings etwas überinstrumentalisiert.
    Hat schon jemand die Option durchgespielt aus dem Mond gezielt Staub abzusprengen um damit eine Art schattenspendenden Ring für die Erde zu generieren ?
    Ähnlich dem E-Ring des Saturns, der durch die Dampf- und Eisfontänen des Saturnmonds Enceladus gebildet wurde (siehe Spektrum der Wissenschaft 6/2009, S. 24 ff)?

    Trotz aller technischen Bedenken hinsichtlich der Ausführbarkeit - insbesondere der schlechten Steuerbarkeit - hat mich der Gedanke auch so fasziniert, dass ich das Bild des leuchtenden Rings um den Blauen Planeten einmal dargestellt habe:

    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Baum,



    vielen Dank für Ihre Zuschrift. Interessante Idee, doch aus mehreren Gründen vermutlich nicht praktikabel (und deshalb auch meines Wissens nicht in der Forschung thematisiert):



    1) Sehr hoher technischer Aufwand, vielleicht nicht in der Größenordnung der von Roger P. Angel vorgeschlagenen Wolke von Flyern plus Hirtensatelliten, doch sicher ein erhebliches Hindernis für die Durchführung.

    2) Sollte es tatsächlich möglich sein, einen kleineren Teil der Mondoberfläche zu Teilchen möglichst gleicher Größe zu pulverisieren, diese aus dem Schwerefeld des Mondes zu bugsieren und eine Art Ringsystem um die Erde zu bilden, würde diese bei einer maximalen Entfernung des Mondes von gut 400000 Kilometer wohl nicht vollständig beschattet werden. Regional und lokal unterschiedliche Wirkungen der im Artikel beschriebenen Maßnahmen sind aber wichtige Kritikpunkte der Gegner des Geoengineering.

    3) Wäre das Ringsystem platziert, wäre es nicht mehr kontrollierbar. Es ließe sich auch nicht im Zweifelsfall abschalten, wenn allzu negative Effekte sichtbar würden.



    Aber eine reizvolle Idee ist es allemal. Man denke nur, wie es wäre, wenn wir beim Blick in den Abendhimmel einen schimmernden Staubring sehen könnten. Wow.



    Mit freundlichen Grüßen



    Ihr Klaus-Dieter Linsmeier

    Spektrum der Wissenschaft
  • Mathematica kann Wurzeln vereinfachen

    30.06.2009, Axel Kilian, FH Merseburg
    Zu dem Anwendungsbeispiel im Kasten:
    Den gemeinsamen Nenner kann Mathematica nicht herausziehen, weil, wie Sie richtig vermuteten, Mathematica nicht wissen kann, dass b in dem von Ihnen genannten Wertebereich liegt. Falls Sie Mathematica etwas Derartiges mitteilen wollen, funktioniert seit Version 5 die Option Assumptions:

    In: Simplify[Sqrt[a]Sqrt[b], Assumption->a>0]
    Out: Sqrt[a*b]

    Scheinbar kurios ist:

    In: Simplify[Sqrt[3]Sqrt[a], Assumption->a>0]
    Out: Sqrt[3]Sqrt[a]

    Der Grund für diesen scheinbaren Widerspruch ist, dass bei der internen Darstellung als Expression-Tree die Variante Sqrt[3a] denselben LeafCount erzielt wie Sqrt[3]Sqrt[a] und darum nicht als Vereinfachung betrachtet wird.

    Warum ist Mathematica da so zögerlich? Weil sonst sehr schnell Unsinn produziert werden könnte, zum Beispiel so:

    Sqrt[a]*Sqrt[b] = Sqrt[a*b]
    Sqrt[-1]*Sqrt[-1] = Sqrt[1]
    I*I = 1
    -1 = 1

    Um eine wirklich schöne Form herzustellen, muss man außer Simplify mit Assumptions auch noch TrigExpand anwenden.
  • Unberechtigte Kritik

    30.06.2009, Karl Hostettler, Aadorf
    Zwei Leserbriefe kritisieren den Schluss auf das Anthropische Prinzip zu Unrecht. Ich denke, man sollte diese Kritiken nicht so stehen lassen.

    Hier eine kurze Entgegnung zu den Einwänden gegen die Begründung des Anthropischen Prinzips:

    Die Einwände von Peter Kühn gegen den Schluss auf das Anthropische Prinzip sind logisch falsch. Der Schluss erfolgt nicht auf Grund des Konditionals, sondern der Replikation. Das Argument lautet korrekt:

    - Nur wenn das Universum über ganz bestimmte Eigenschaften verfügt, hat sich intelligentes Leben entwickeln können.

    - Es gibt intelligentes Leben.

    - Also müssen die bestimmten Eigenschaften bestehen.

    An diesem Schluss ist nichts logisch unzulässig und nichts unwissenschaftlich. Diskutabel ist natürlich die Prämisse, dass sich intelligentes Leben nur dank bestimmten Eigenschaften des Universums hat entwickeln können. Es ist aber eine Prämisse, welche jeder seriöse Wissenschaftler anerkennen wird. Denn für einen Eingriff eines Großen Weltgeistes oder sonst einer geheimnisvollen Kraft in unser Universum, welche uns als intelligente Wesen unabhängig von den Eigenschaften des Universums erschaffen hat, fehlt jeglicher Hinweis.
  • Einstein hatte nicht recht

    30.06.2009, Norbert Derksen, Konstanz
    Tatsächlich sind die Effekte keineswegs, wie im Artikel behauptet, noch komplizierter als dort geschildert, sondern gänzlich anders, da Einstein eben nicht recht hatte. In aller Kürze: Theoretisch läßt sich das unmittelbar dadurch zeigen, daß die Lorentz-Transformation als mathematische Basis der Relativitätstheorie im allgemeinen Falle nichtkollinearer Geschwindigkeiten überhaupt nicht transitiv ist. Tatsächlich wurde bei der Messung der Einweglichtgeschwindigkeit in einem gegenüber der Lichtquelle bewegten System die behauptete Konstanz der Lichtgeschwindigkeit direkt falsifiziert. Im übrigen gibt es beim Licht wegen des im Gegensatz zum Schall fehlenden Übertragungsmediums auch keine „Wellenlänge“, welche die Abstände gleicher Phasenebenen eines solchen Mediums charakterisieren würde, sondern nur eine Periodenlänge.
  • Massive Geldverschwendung

    29.06.2009, Dr. Peter Kunz, Stockach
    Zwei Zitate aus dem Text: "Noch wissen wir nicht, ob SFV oder die neuen HTL-Viren bei Menschen überhaupt Krankheiten hervorrufen können." (S. 57) und "Im Fall der Viren HTLV-3 und HTLV-4 haben wir begonnen, Hochrisikogruppen in Städten nahe bekannter Brutstätten für neue Infektionskrankheiten zu beobachten" (S. 59).
    Weder die Affen, von denen Wolfe hier erzählt, noch die Affenjäger sind krank. Wovor fürchtet man sich eigentlich? Woraus leitet sich das Recht ab, Unsummen zu auszugeben für das Abwenden einer nicht existenten Bedrohung?
    Die Zukunft des Programms soll (global ausgeweitet) zweistellige Millionenbeträge jährlich kosten.
    HTLV mit Tsunamis zu vergleichen, wie Wolfe es tut, ist nicht zulässig. Tsunamis haben ihre Gefährlichkeit bewiesen, und die Mechanismen sind gut erforscht. Über Retroviren als Krebserreger hat man trotz eines groß angelegten, mindestens zehnjährigen amerikanischen Forschungsprogramms so gut wie nichts an wissenschaftlich Belastbarem herausgefunden.
    Noch in einigen weitern Abschnitten des Artikels macht Wolfe wissenschaftlich umstrittene Aussagen, die in einem Leserbrief aus Platzmangel nicht eingehend erörtert werden können.
    "Hätten wir die afrikanischen Jäger schon 30 Jahre eher beobachtet, wäre uns HIV wohl in die Fänge geraten ..." (S. 57). Dabei übersieht Wolfe, dass die zugehörigen Tests von Gallo erst nach den ersten AIDS-Fällen entwickelt wurden, vorher gab es keine Erkennungsmöglichkeit. Überträgt man das auf heute, möchte ich fragen: Wie will Wolfe ohne zugehörige Krankheit und damit ohne Referenz künftige "Killerseuchen"-Erreger erkennen?
  • Herdentiere

    29.06.2009, Edy Ahnen, Luxemburg
    Guten Tag,

    Ich habe eine ganz banale Erklärung für die Religiosität der Menschen. Wir Affen sind Herdentiere und richten uns nach den Gesetzen des Alphatiers oder jenen der Gruppe.

    Dieses Verhalten ist so tief genetisch in uns verankert, dass wir geradezu einen Anführer brauchen, um uns glücklich zu fühlen, so wie ein Hund ohne sein Herrchen nicht leben kann.

    Alle Probleme, die uns als unlösbar erscheinen, vertrauen wir dem Oberherdenführer (Gott) an, der noch kompetenter ist als das Alphatier oder der oberste Affenrat.

    Mit freundlichen Grüßen

    Eddy
  • Die endliche Ressource Sauerstoff

    28.06.2009, Holger Simon, St. Johann
    Wie immer: Wissenschaftler, sogar Nobelpreisträger schwadronieren darüber, wie man Probleme unseres „Blauen Planeten“ mit der Keule löst.
    Es geht um mehr, nicht nur um CO2 und Klimaerwärmung, sondern auch um die endliche Ressource Sauerstoff. Wenn temperaturreduzierende Strategien überhaut notwendig sind, sind sie zuallererst unter dem Aspekt zur Erhaltung der Photosynthese zu sehen. Mit Spiegeln und SO2 gelingt dies wohl eher nicht.
    Es herrscht der Eindruck, wenn der Temperaturanstieg gelöst wäre, wenn das CO2 in der Tiefe verstaut wäre, dürfte man beruhigt durchatmen.
    Ich denke aber, dass eine Reduzierung des freien Sauerstoffs – die ja stattfindet – das eigentliche und lebensbedrohende Problem ist. Und ich fordere, dass der Emissionshandel mit CO2 in einen O2- Erhaltungshandel überführt wird, denn der freie Sauerstoff ist über CO2 und Klimaerwärmung hinaus, das eigentliche Maß für das Leben Heute und in Zukunft.
    Und mit dieser Erkenntnis dürften andere Fragen zur Nachhaltigkeit gestellt werden.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Simon,



    im Prinzip haben Sie natürlich recht, dass mit der Verbrennung fossiler Energieträger nicht nur Kohlendioxid produziert, sondern auch Sauerstoff verbraucht wird. Allerdings ist dieser Effekt völlig zu vernachlässigen. Wenn bei 21 Prozent Sauerstoff in der Luft einige Zehntel Promille aufgezehrt werden - und um mehr handelt es sich nicht -, dann wird das Leben dadurch in keinster Weise gefährdet.



    Mit freundlichen Grüßen



    Dr. Gerhard Trageser

    Redakteur
  • Alternativen zu Mathematica?

    28.06.2009, Klaus Hagemeyer, Leverkusen
    Ich war überrascht, dass es Mathematica für Privatanwender jetzt auch zu weniger als einem Zehntel des kommerziellen Preises von 3185 Euro gibt, und trug mich schon mit dem Gedanken, es zu kaufen. Doch dann habe ich mir vorsichtshalber erst mal das in dem Artikel aufgeführte Anwendungsbeispiel angesehen und war ausgesprochen ernüchtert, dass Mathematica sich offenbar auch nicht schlauer verhält als zum Beispiel das kostenlose Maxima (ehemals Macsyma). Und auch 300 Euro sind mir zu viel, wenn Mathematica sich schon beim Vereinfachen von Formeln derart begriffsstutzig verhält. Gibt es Vergleichstests für Mathematica-ähnliche Algebra-Programme, auch mit Berücksichtigung des jeweiligen Preises?
    Antwort der Redaktion:
    Ich selbst verfüge über keine Vergleichsmöglichkeiten. Mathematica ist das einzige Computeralgebra-Programm, mit dem ich arbeite. (Das Programm FORMAC, mit dem ich vor langer Zeit meine ersten Gehversuche in Computeralgebra unternahm, kann mit den neueren Paketen auf keinen Fall mithalten – wenn es überhaupt noch irgendwo zu haben ist.)

    Die echten Profis (zum Beispiel D. H. Bailey und Kollegen in ihrem Buch "Experimental Mathematics in Action", vergleiche auch meinen Artikel "Der Computer als Formelentdecker", Spektrum der Wissenschaft 1/2009) erzählen, dass alle vergleichbaren Programme ihre persönlichen Eigenheiten haben, auf die man eingehen muss, wenn man optimale Ergebnisse erzielen will. Es scheint nichts Besonderes zu sein, dass sich ein derartiges Programm an einer bestimmten Stelle erstaunlich schwach verhält.

    Natürlich habe ich für den Test auch versucht, das Programm an seine Grenzen zu treiben, und zwar mit einem einfachen Beispiel – wofür ich eine ganze Weile habe suchen müssen.

    Zu allem Überfluss hat mich inzwischen ein anderer Leser, nämlich Axel Kilian, darüber aufgeklärt, mit welchen Befehlen auch Mathematica die Sache sehr elegant und korrekt erledigen kann. Es bleibt also die Aussage bestehen, dass man Mathematica erst intensiv kennenlernen muss, um damit richtig gut arbeiten zu können.


    Christoph Pöppe, Redaktion





    Ich würde eher sagen "um damit überhaupt einigermaßen gut arbeiten zu können". Das trifft meines Erachtens auch auf das mir (leider auch nur unzureichend) bekannte Maxima zu. Nur kann man mit letzterem spielen, ohne dass eine Probezeit von wenigen Wochen abläuft, nach der man dann ein paar Hunderter hinblättern muss.
    Die Überschrift "Mathematica fürs Volk" trifft eben nicht zu. Die Hersteller täten gut daran, sich an der vielgeschmähten Firma Microsoft ein Beispiel zu nehmen und eine kostenlose "Express"-Version unters Volk zu werfen.



    Klaus Hagemeyer
  • Wie geht man mit dem Rechenschieber um?

    27.06.2009, Andreas Ewald, Berlin
    Ich bin auch so, benutze meinen alten Rechenschieber nach wie vor, VEB Mantissa Modell "Rietz".
    Jetzt wollte ich Lehrlingen den Umgang damit beibringen, konnte aber leider nicht alle Funktionen erklären, da ich keine Bedienungsanleitung mehr habe und der Mensch sich ja nur merkt, was er ständig benötigt. Bisher konnte mir keiner weiterhelfen.
    Antwort der Redaktion:
    Wenn der "Spektrum"-Artikel nicht hilft: Der Artikel "Rechenschieber" in der deutschen Wikipedia enthält eine ausführliche Anleitung mit etlichen Beispielen, darunter auch die eher selten gebrauchte Logarithmenskala zur Berechnung von Potenzen mit beliebigen Exponenten.

    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Unwissenschaftliche Spekulation

    27.06.2009, Konrad Hinsen, Clamart (Frankreich)
    Wie viele auf dem Evolutionsprinzip basierenden Erklärungen ist auch diese hier reine Spekulation. Für eine Hypothese, die das Etikett "wissenschaftlich" verdient, fehlt ein entscheidendes Merkmal: Sie müsste experimentell überprüfbar sein.

    Der Fortpflanzungserfolg eines Gens hängt von einer Unzahl von Faktoren ab. Man kann nie sicher sein, auch nur alle relevanten Faktoren zu kennen, geschweige denn ihre relative Wichtigkeit abschätzen zu können. Ich bin sicher, dass man für so ziemlich jede beobachtete Eigenschaft eines Lebewesens eine evolutionstheoretische Erklärung konstruieren kann, indem man plausibel scheinende Faktoren zusammenwirft. Mit Wissenschaft hat das aber nichts zu tun.
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