Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Sinn und Unsinn von Wahlprognosen.

    14.11.2016, D. Meinert
    Sonntagsfragen und ähnliche Instrumente hatten noch nie überzeugende Ergebnisse geliefert, auch wenn es in Zeiten ohne mobile und permanente Kommunikation, und mit weniger Auswahl an Parteisplittern, manchmal so aussah.
    Genausogut können die Demoskopen auf eine Befragung verzichten und direkt zu Münze oder Würfel greifen (s. mein Kommentar „Münzwurf als Wahlprognose“ in [[http://www.spektrum.de/news/warum-lagen-die-umfragen-falsch/1429125?utm_medium=newsletter&utm_source=sdw-nl&utm_campaign=sdw-nl-daily&utm_content=heute][Warum lagen die Umfragen falsch?]]).
    Wenn man die Wählerentscheidungen der letzten Bundestagswahl noch berücksichtigt (insbesondere einen plausiblen Stammwähleranteil), und einen Trend aus den Ergebnissen der zwischenzeitlichen Landtagswahlen ableitet, erhält man mit Zufallszahlen vermutlich ebenso zuverlässige Ergebnisse wie mit Demoskopie. Speziell der Trend zu extremistischen Parteien sollte uns dabei sehr zu denken geben.
  • Münzwurf als Wahlprognose

    14.11.2016, D. Meinert
    Gemäß allen Prognosen war ein Kopf-an-Kopf-Ergebnis der Wahl zu erwarten. Durch diese kleinsten Unterschiede war von vornherein eine seriöse Vorhersage nicht möglich. Ein Münzwurf hätte die gleiche Zuverlässigkeit.
    Begünstigt durch das US-Wahlsystem kann aber ein winziger Unterschied in der Stimmenzahl zu erdrutschartigen Verschiebungen im Wahlergebnis führen, sogar gegen die Mehrheitsentscheidung der Wähler, wie nicht erst 2000 bei der Wahl von G.W. Bush zu sehen war, und jetzt wieder, noch deutlicher (D. Trump braucht nicht die Gerichte bemühen, um seinen Anspruch durchzusetzen). Dies ist leicht mit einem einfachen Modell, basierend auf reinen Zufallsentscheidungen der Wähler und gewichtet mit den Wahlmänner-Vorgaben der US-Bundesstaaten, nachzuprüfen.
    Leider können wir in Deutschland und in Europa, ,trotz anderer Wahlsysteme, auch nicht davon ausgehen, daß derartige Umwälzungen hier nicht vorkommen können. Binäre Entscheidungen sind hier genauso Störungsanfällig, wie die Brexit-Ergebnisse zeigen; wenn es mehr Auswahlmöglichkeiten gibt, muß man eventuell die Münze durch den Würfel ersetzen, um eine Prognose zu erstellen.
  • Der große Blackout

    14.11.2016, Wolfgang Monninger, Essen
    Völlig zu Recht stellt Michael Springer in seinem Einwurf zur "Energiewende" fest: "Das größte Hindernis für den ehrgeizigen Plan stellt das launische Wetter dar." Und weiter unten: "Längerfristig wird die Energiewende nur dann eine Chance haben, wenn sich das Netz praktisch augenblicklich an das aktuelle Wettergeschehen anzupassen vermag."
    Das so beschriebene Problem ist allerdings seit Langem bekannt. Jetzt soll also ein "Intelligentes Netz", an dem EWeLiNE arbeitet, die Lösung bringen. Allerdings reicht seine Intelligenz dem Vernehmen nach nur für "ein, zwei Tage". Was geschieht am dritten Tag mit kaltem, windstillem und nebeligem Wetter??
    Ich kann einfach nicht glauben, dass auch die Intelligenz der Verantwortlichen nicht weiter reicht. Haben wir hier den Punkt erreicht, wo Schwarmdummheit zum schuldhaften Handeln wird, weil die Akteure sich nicht ihrer Verantwortung stellen wollen? Warum wird die Energiewende nicht in allen ihren Aspekten vom "Spektrum der Wissenschaft" diskutiert? Muss es wirklich den großen Blackout geben?
    Meine persönliche Antwort: Ja, es muss ihn geben, damit alle verstehen - ich möchte allerdings, dass die Verantwortlichen dafür bezahlen, nicht "der kleine Mann".
    Lesen Sie auch:
    http://www.tichyseinblick.de/meinungen/energiewende-kaskade-laesst-staedte-erzittern/
    oder:
    http://www.achgut.com/artikel/energiewende_und_blackout_the_day_after
  • Vor Jahrzehnten

    14.11.2016, Gottfried Heumesser
    gab es einen ähnlichen Unfall bei einer Darm-OP mit einem elektrisch aufgeheizten Skalpell. Wenn ich mich richtig erinnere passierte das im Kopenhagen und ging für den Patienten noch schlimmer aus.
  • Immer ruhig mit den Pferden

    13.11.2016, Planloser
    "Keine Notwendigkeit, sich überhaupt zu beeilen. Kein Bedürfnis, irgendetwas auf die Reihe zu kriegen. Ein Leben ohne Tod wäre ein Leben ohne Neugier. Gerade weil wir nur eine begrenzte Zeitspanne zur Verfügung haben, ist unser Leben so spannend."

    Entschuldigung, aber den Absatz halte ich dann doch für Quatsch. Bei einem unendlichen Leben (oder besser gesagt bei einen sehr stark verlängerten Leben) würde ich mich mit ganz anderen Dingen befassen als heute. Nicht mehr in dem Tag hineinleben sondern eine, nein 10 Sprachen lernen - Mathematik und Physik studieren - programmieren lernen. Das alles kann ich doch bei der begrenzten jetzigen Zeit gar nicht anfangen, vielmehr muss ich sehen das ich genügend Geld verdiene um mein zukünftiges Leben auf die Reihe zu bekommen denn nach 5 Jahren nach dem Schulabschluss entscheidet sich die gesamte finanzielle Zukunft - am besten noch Frau und Kinder dazu, da ist keinerlei Zeit mehr um sich selbst zu entwickeln.

    Bei einem längeren Leben könnte man das Eigentum langsamer aneignen, es wäre alles nicht so eingeengt wie heute. Um Herrn Schramm zu zitieren: "Wenn ich alles gebe, was bleibt dann für mich?"
  • Fluch und Segen

    13.11.2016, Ingo Dierck
    Interessant ist, dass in den vielen Filmen und Romanen, in denen die Unsterblichkeit Thema ist, sie stets als ein Fluch oder eine Strafe dargestellt wird. Der schließlich doch herbeigeführte Tod des Unsterblichen ist folgerichtig eine Erlösung.
  • Das Rätsel des Merkurs

    13.11.2016, Habnix
    Super!

    Guter Artikel
  • Langweilige Klischees

    13.11.2016, Lyra
    Jaja, immer auf die Geisteswissenschaftler, wie originell! nicht.
  • Na ja.

    13.11.2016, Lutz Jansen
    Ein ungewöhnlich launischer Beitrag für Spektrum.
    Dazu nur so viel: Selbst wenn es möglich wäre, mein eigenes Wissen und meine Erfahrungen auf eine Festplatte zu überspielen, so wäre dadurch mein "Bewußtsein" nicht betroffen. Dieses existiert nur im hier und jetzt und ist dashalb räumlich und zeitlich gebunden. Es handelt sich dabei um einen dynamischen, laufenden Prozess, weshalb auch eine Übertragung auf ein, wie immer geartetes, Speichermedium nicht möglich ist.
    Vergleichbar wäre dies mit einem Computerprogramm. Dieses kann an verschiedenen Orten identisch hinterlegt sein. Falls aber die Ausführung einer Programmkopie durch irgend einen Defekt unterbrochen wird, dann ist es nicht möglich, diese Ausführung auf einem anderen Rechner/ mit einer anderen Festplatte an gleicher Stelle fortzuführen. Man könnte lediglich wieder von vorne anfangen.
    Deshalb würde, um an die Überlegung vom Anfang anzuknüpfen, bei einer Aktivierung der gespeicherten Daten auch nicht ich selbst auferstehen, sondern jemand, der zwar über meine Erfahrungen und mein Wissen verfügt (zumindest bis zum letzten update), der sich wahrscheinlich sogar für mich selbst hält, der aber trotzdem nicht ich selbst bin. Denn meine Existenz wurde mitten im letzten Gedanken oder der letzten Traumsequenz beendet und es gibt keine Möglichkeit, diese Situation woanders hin zu übertragen. Der "göttliche Funke", dieses letzte Geheimnis unseres Seiens, entzieht sich halt jeder Speicherung.
    Eine Lösung für dieses Problem könnte darin liegen, daß alle Körperfunktionen permanent online erfasst und gespeichert werden, so daß ich praktisch parallel in meinem Körper und dem Speichermedium gleichzeitig lebte. In diesem Fall wäre es tatsächlich zumindest denkbar, daß mein Bewußtsein bruchlos weiter existierte.
    Allerdings ist, wie wir mittlerweile wissen, die menschliche Persönlichkeit wesentlich mehr, als nur daß was physisch in unserem Gehirn enthalten ist. Der Rest des Nervensystems spielt mindestens genau so eine große Rolle. Ganz zu schweigen von dem, was die Myriaden von Bakterien in unserem Körper dazu beitragen mögen.
    Wie man z.B. die Vorgänge in unserem Verdauungssystem speichern könnte, dazu habe ich bisher noch keine, auch nur theoretische Idee gesehen.
  • Die Unendlichkeit...

    12.11.2016, Franz Maria Arwee
    ...ist zwangsläufig unbestimmt. Ist die Welt jedoch bestimmbar, ist auch das Leben eines Vince Ebert so sinn-, wie bedeutungs- und belanglos, denn dann ist die mechanistische Welt unveränderlich und alles ist vorherbestimmt. Keiner, auch kein Gott, kann gegen eine unveränderliche Regelwelt verstoßen, denn dann wäre diese ja veränderlich...
  • Super geschrieben

    12.11.2016, Peter
    Vielen Dank für diesen sehr amüsanten Beitrag. Das mit der Festplatte würde mir gefallen.
  • Das ist ein sehr wichtiger Artikel

    12.11.2016, Bernhard Keim
    denn im Allgemeinen wird die Gefahr von Kannabis - einhergehend mit der Idee dieses freizugeben - gerne bagatellisiert. Gerade bei Jugendlichen, die ja ein Lernphase durchlaufen, kann nicht genug darauf hingewiesen werden. In gewisser Hinsicht macht das Kraut dumm. Sicherlich gilt auch hier: die Menge macht das Gift. Aber so harmlos , wie gerne dargestellt, ist Kannabis nicht. Gerade solche Erkenntnisse verdienen es auch von Lehrern unters Jungvolk gebracht zu werden.
  • Gedächtnis-Speicher

    12.11.2016, Th. Bode
    Man hat das Gefühl dass nach 6000 Jahren Cannabis-Konsum, Hunderten Studien, und vielen Erfahrungen mit Legalisierung, immer noch ein Kulturkampf zwischen tonangebenden Gegnern, und Befürwortern statt findet.
    So wird hier wieder der Eindruck vermittelt dass Cannabis bedenklich sei. Das Ergebnis der Studie mag objektiv sein, aber dass man sich entscheidet sie zu veröffentlichen ist eine andere Sache.
    Natürlich hat alles was eine Wirkung hat sozusagen auch eine Nebenwirkung. Wenn man sensibilisiert ist für den Augenblick tritt die Erinnerung eben in den Hintergrund. Dass das Gehirn in großen Teilen eher ein Filter für sensorischen Input ist, und die Erinnerung eine Form von Programmierung, wird leider zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet.
    Die Einstellung dazu ist eher kulturspezifisch programmiert, banal wettbewerbs- und leistungsorientiert, wie bei der Bewertung eines PKW, wo mehr PS eben gut sind.

    Die spezielle Qualität von Cannabis in einem spirituellen oder philosophischen Sinne ist es gerade ein Stück weit zu befreien von dem was Buddhisten und Hindus "Anhaftung" nennen, also dem automatischen Prozess von Bewertung und Zukunftsplanung, der illusionären Realität der Verstrickung in Vergangenheit und Zukunft. Eine zumindest temporäre Erfahrung von Befreiung zugunsten einer immer neuen Wahrnehmung von Gegenwart. Es ist immerhin gut dass mehr Rationalität in die Debatte gekommen ist, trist allerdings das durchschnittliche Niveau.
  • Sind alle Menschen von "bots" programmierbar?

    11.11.2016, L.Schaber
    Die Behauptung, dass automatisierte politische Werbung (Propaganda) wegen der Automatisierung (Social bots) die Meinungsbildung stärker gefährde, als sonstige politische oder politische „Werbung“ (= Propaganda) - finde ich schon etwas seltsam.
    Denn: In sozialen Medien habe ich wenigstens die Chance, gegenzuhalten. Bei Wahlplakaten oder TV-Werbung fehlt diese Möglichkeit fast ganz.

    Auch erschließt sich mir nicht so ganz, warum eine Behauptung umso überzeugender werden soll, je massenhafter sie vorgebracht wird. (Gefahr der Social Bots). Außer man ist der Meinung , dass alle Menschen grundsätzlich frei programmierbare Zombis sind, bei denen die Dauerhaftigkeit der Speicherung/Indoktrination mit der Häufigkeit oder "Intensität" der Programmierung steigt.
    Wenn das aber wirklich so sein sollte , dann wären nur die Verschwörungstheoretiker die einzig effektiven Aufklärer.
  • Bots nur der Anfang?

    11.11.2016, ebi
    Bots erst der Anfang?
    Früher bezahlten die Herrscher ihre aufwendig unter das Volk geschickten Einpeitscher, Bänkelsänger, Marktschreier usw.. um das Volk in ihrem Sinne zu beeinflussen und manipulieren.
    Heute haben Facebook. Twitter und weitere diese Rolle gewollter Meinungsbeeinflussung weitaus einfacher und erfolgreicher übernommen und erreichen sogar noch sagenhafte Gewinne. Und die Politik, Medien aber auch sehr, sehr viele Menschen machen feste mit.
    An sich eine Unverschämtheit, wenn sogar staatliche, kommunale, öffentlich rechtliche TV- Anstalten usw., das seit einigen Jahren so handhaben und das noch als normal bezeichnen. Und natürlich werden solche sich gerade nur so anbietenden und kaum zu kontrollierenden Möglichkeiten, von interessierten Kreisen und Gruppen die über entsprechende finanzielle und technische Möglichkeiten verfügen, zur Meinungsbeeinflussung und zum Sammeln und Verwerten von Daten genutzt. Die Digitale Welt verfügt über immer mehr Mittel der bewussten und unbewussten Manipulation. Virtuelle und reale Welt sind immer schwerer zu unterscheiden. Wer da noch an objektive Berichterstattung und neutrale Informationen glaubt, den haben sie schon vereinnahmt. Man muss kein Anhänger von Verschwörungstheorien sein, um zu erkennen, wie wir, das gemeine Volk, zumindest auch von Politik und Wirtschaft manipuliert werden. Ich denke Bots in den sozialen Netzwerken sind nur der Anfang einer Vielzahl von Möglichkeiten zur Meinungsbeeinflussung. Die Wahrheit hatte schon immer unterschiedliche Nuancen. Aber noch nie waren die Möglichkeiten sie im eigenen Interesse zu verbiegen, so groß wie heute im zunehmenden digitalen Zeitalter. Die Zeit annähernd stimmiger Zukunftsprognosen scheint endgültig vorbei. Meinungsinstitute können wohl demnächst ihre Pforten schließen. Vielleicht auch gut so. Lassen wir uns eben immer wieder vom angeblich Unmöglichen überraschen und glauben, es war nicht voraussehbar.