Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Nachweis der Wirksamkeit einer Impfung

    19.02.2010, Dr. Jacek Bulicz, Frankfurt am Main
    Zu begrüßen wäre bei diesem Artikel, dass zumindest einer von den beiden Autoren indirekt einen "Conflict of interest" angibt, was auf der einen Seite einen hohen wissenschaftlichen Anspruch des Artikels unterstreicht, auf der anderen Seite aber verleiht das dem Artikel eine gewisse Einseitigkeit und Subjektivität, was dem Thema "Wirkverstärker" und Impfung im Allgemeinen leider nicht zugutekommt. Zu bemängeln wäre aber vor allem die Darstellung des Anstiegs von den neutralisierenden Antikörpern als einen Nachweis für die Wirksamkeit der Impfung. Dieser Surrogatparameter allein ist wenig geeignet Aussagen über die Effektivität und Sicherheit einer Impfung zu treffen, ein international anerkannter Standard in der klinischen Forschung für die Beurteilung der Wirksamkeit eines Arzneistoffs ist eine statistisch signifikante Aussage über die Verhinderung der Erkrankung oder Tod.
    Außerdem werden in der Arbeit die potenziellen und identifizierten Risiken ausgehend von den Wirkverstärkern für Kinder und Schwangere gar nicht erwähnt. Das aktuelle Thema "Schweinegrippe" hat leider die deutsche Bevölkerung in Befürworter und Gegner geteilt, was sich jetzt auch in einer gewissen Impfmüdigkeit bei Impfungen niederschlägt, die sinnvoll und lebenswichtig sind.
  • Willkür

    14.02.2010, Dr. Wolfgang Priebsch, Kiel
    Die Signifikanzgrenze ist ein vollkommen willkürlich gewählter Wert; mitnichten steckt dahinter eine tiefere wissenschaftliche Begründung. Meist wird dafür ein Wert von 95% genommen, so dass die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers erster Art bei kleiner gleich 5% liegt. Somit kann durchaus auch bei 'signifikanter' Korrelation zweier experimenteller Wertereihen kein kausaler Zusammenhang zwischen den beobachteten Phänomenen vorliegen. Umgekehrt ist bei fehlender Signifikanz eine ursächliche Beziehung nicht unbedingt auszuschließen.
    Wertekorrelationen und andere statistische Ergebnisse können niemals als Beweis für wissenschaftliche Thesen dienen, höchstens als Hinweis auf mögliche Beziehungen zwischen den Beobachtungen. Lediglich eine Aufklärung der Kausalkette stellt einen genügenden Beweis dar. Leider haben viele Wissenschaftler dieses vergessen.
  • Entfärbung eines Haares erfolgt von der Spitze her

    13.02.2010, Klaus Stampfer, 86486 Bonstetten
    Über einen Zeitraum von mehreren Jahren habe ich die Haare meines Oberlippenbartes beobachtet. Diese Beobachtungen bestätigen die Aussage des Artikels nicht. In dem Artikel wird als die Weißfärbung eines Haares die Einstellung der Pigmentproduktion in der Haarwurzel angegeben. Damit müsste ein Haar in der Übergangsphase an der Spitze dunkel und von der Wurzel her weiß gefärbt sein. Dieser Prozess würde langsam ablaufen und für ein zwei Zentimeter langes Jahr zirka zwei Monate dauern. Es sollten somit ausreichend Haare im Übergangsstadium vorhanden sein, um solche Haare zu finden.


    Bei meinen Beobachtungen habe ich kein einziges Haar gefunden, das in dem vermuteten Übergangsstadium war. Es wurden jedoch mehrere Haare entdeckt, die im oberen Teil weiß (von der Spitze her) und im unteren Teil (von der Wurzel her) dunkel waren. Ein Beispiel in Zahlen ausgedrückt:

    Beobachtete Haare: 525
    davon vollständig dunkel: 382
    davon vollständig weiß: 121
    davon teilweise weiß: 22

    Die Zeit für die Weißwerdung verläuft relativ schnell, denn nach mehreren Tagen waren auffällig erkennbare zweifarbige Haare nicht mehr auffindbar, also vollständig weiß gefärbt. Da meine Versuche gescheitert sind, zweifarbige Haare sicher zu kennzeichnen (die Farben waren nicht duschfest), konnte die Entfärbungszeit an einzelnen Haaren nicht bestimmt werden.


    Meine Beobachtungen stehen somit nicht im Widerspruch zu historischen Überlieferungen, die eine relativ schnelle Graufärbung der Haare beschreiben.
    Ausgerissene und teilweise weiß gefärbte Haare behielten ihren Zustand bei. Sie sind erhalten und können zur Verfügung gestellt werden.
  • Deutscher Pionier auf dem Gebiet der Raketenantriebe nicht gewürdigt

    10.02.2010, Joachim Sieben
    Vielen Dank zunächst für den Artikel über elektrische Raketenantriebe, den ich sehr informativ finde. Es wäre so schön gewesen, wenn die deutsche Redaktion "unseren" deutschen Pionier auf diesem Gebiet, Herrn Prof. Horst Löb, in diesem Artikel gewürdigt hätte. Vielleicht gibt es ja in einer der nächsten Ausgaben noch eine Möglichkeit. Ich übersende Ihnen hier einen Link zu einer Pressemitteilung anlässlich der Verleihung der Medaille der "Electric Rocket Propulsion Society" an Professor Löb im Jahr 2005. Professor Löb ist in Gießen als Emeritus weiterhin tätig und die Arbeit an seinen Triebwerken wird weiter vorangetrieben.
  • Informationsproblem bei Schwarzen Löchern

    08.02.2010, Manfred Weis, 76316 Malsch
    Meiner Ansicht nach ensteht das Informationsproblem durch eine unsaubere Verwendung von Begriffen; so wird behauptet, dass Schwarze Löcher Information vernichten, weil keine Information über den kollabierten Stern mehr vorhanden sei.
    Es muss hier klar unterschieden werden zwischen einer Reduktion der Informationsmenge und einer irreversiblen Transformation der Information.
    Nimmt man als Maß der Informationsmenge eines Zustands die Anzahl der Bits, die zu dessen Beschreibung erforderlich sind, so ist der Informationsgehalt bei gleicher Teilchenzahl umso höher je zufälliger deren Positionen und Geschwindigkeiten verteilt sind.
    In diesem Sinn wären Schwarze Löcher also perfekte kosmische Verschlüsselungsverfahren, die den Ereignishorizont als öffentlichen Schlüssel präsentieren.
    Es stellt sich nun die Frage, was mit der Materie passiert, die in das Schwarze Loch stürzt - eine Möglichkeit wäre die Annahme, dass sie einen Quantenzustand übergeht, der einer perfekten Kristallisation entspricht, nämlich dass sie sich mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit am Ort der Singularität aufhält; die Hawkingstrahlung wäre in dieser Interpretation also analog einer Kristallisationswärme.
  • Anziehung der Geschlechter

    08.02.2010, Eugen Januschke, Berlin
    Michael Springer schließt seine Kolumne mit der Wertung: "Wie arm wäre doch ein Leben ohne die Spannung, die sich aus dem Gegensatz der Geschlechter und der Anziehungskraft zwischen Mann und Frau erwächst." Da drängt sich doch die Frage auf, ob er das Leben von Lesben und Schwulen für tatsächlich langweiliger hält als seine heterosexuelle Lebensweise oder ob er einfach nur den üblichen heteronormativen Diskurs wiederholen muss.

  • Vom Wert eines Ökosystems

    07.02.2010, Siegfried Demuth, 76137 Karlsruhe
    Jedem Forscher wächst sein Forschungsobjekt irgendwann ans Herz, so wie Joe Mascaro sein Sekundärwald aus überwiegend neophytischen Pflanzenarten auf Hawaii. Dagegen ist nichts einzuwenden. Einzuwenden ist aber etwas gegen seine Schlussfolgerung, dass das so wertgeschätzte Objekt zugleich auch eine allgemein gültige Wertigkeit besitzt. Herr Mascaro verwechselt, wie nicht wenige Forscher, interessant mit wertvoll und Ökologie mit Naturschutz. Für einen Biologen z.B. ist eine Mülldeponie mindestens so interessant wie ein intaktes Hochmoor, vor allem weil hier wesentlich mehr Arten vorkommen. Was aber nicht zu dem Schluss verführen darf, sie sei deshalb auch aus Naturschutzsicht wertvoller. Während es auf der Mülldeponie keine einzige Tier- oder Pflanzenart gibt, die ausschließlich in diesem „neuen“ Ökosystem vorkommt, wimmelt es in Hochmooren nur so von Spezialisten, die nirgendwo sonst existieren können. Der besondere Beitrag des Hochmoors zur Biodiversität ist also die Einmaligkeit seiner Artenausstattung und nicht die Anzahl der Arten. Die Mülldeponie hat in dieser Hinsicht nichts zu bieten und mögen noch so viele Arten sie bevölkern. Dass Wälder aus neophytischen Baumarten ähnliche Leistungen für den Wasserhaushalt und das Lokalklima einer Landschaft erbringen können wie ursprüngliche oder naturnahe Wälder, kann für uns durchaus nützlich sein. Bezüglich ihres Beitrags zur Biodiversität verhalten sie sich allerdings so wie die Mülldeponie zum Hochmoor. Welche Leistungen eines Ökosystems wir letztlich höher bewerten – sein Beitrag zur Biodiversität oder zum Landschaftshaushalt – ist eine Abwägungssache. Dies ist aber keine Aufgabe mehr der Ökologie, sondern des Naturschutzes: Was wollen (oder können) wir als Gesellschaft erhalten weil es uns wichtiger ist und was müssen wir aufgeben? An dieser Stelle hätte ich der Autorin des Artikels mehr Übersicht über das Thema und mehr kritische Distanz zur neuen Bewertung dieser „neuen“ Ökosysteme gewünscht.
  • Warum bleibt der Schnee liegen?

    05.02.2010, Dipl. Biol. Dr. Lutz Nevermann
    Das Sechseckmuster im Schnee von Leser Volker Häselbarth gefällt mir gut, weil es sehr anschaulich ist. Klar, die Ursache für das Muster liegt in der Wärmekapazität und der Wärmeleitfähigkeit der Steine begründet. Auf ihnen taut der Schnee stärker ab als über den Fugen, in denen etwas Vegetation eine isolierende Wirkung hat. Dabei kann die notwendige Wärme durchaus auch aus dem Erdreich unter den Steinen stammen. Was aber passiert hier auf dem Dach eines unbeheizten Schuppens? Nur auf zwei Ziegeln ist der Schnee liegengeblieben. Aber in diesem Fall ist er – im Gegensatz zu den Bildern der Pflastersteine – dort liegengeblieben, wo es weniger Bewuchs gibt.

    Foto: Lutz Nevermann

    Gut, auch die Ziegel könnten sich hinsichtlich ihrer Wärmekapazitäten und Wärmeleitfähigkeiten unterschieden. Oder sie haben zuvor unterschiedlich viel Wärme aus der Himmelsstrahlung aufgenommen? Ich vermute aber, dass der entscheidende Unterschied im Bewuchs mit Algen und Flechten zu suchen ist. Sie könnten durch extrazelluäre Polysaccharide und andere Frostschutzsubstanzen zu einer Gefrierpunkterniedrigung beitragen, die entsprechend dem Tausalz auf den Straße wirkt und den Schnee auf ihnen weggetaut hat.
  • Immer glücklich ist auch pathologisch

    04.02.2010, Stefan Taube, Spektrum der Wissenschaft
    Bleibt die Frage, ob die deutschen Verlage die Kritik von Barbara Ehrenreich an den Glücks-Bestsellern auch übersetzen. Bis jetzt sieht es nicht danach aus.
  • Informationsparadoxon

    03.02.2010, S. Gorbach

    Im Beitrag „Schwarze Sterne an Stelle schwarzer Löcher“ stieß ich auf den Begriff Informationsparadoxon und im Zusammenhang damit auf die Frage: Was ist beim Verschwinden eines Schwarzen Loches aus all der Information geworden? Auch habe ich gelernt, dass zu den Grundpfeilern der Quantentheorie gehört, dass sich Quantenzustände unitär entwickeln, und unter anderem, dass keine Information jemals wirklich gelöscht werden darf. Zum Beispiel mache der Brand einer Bibliothek, so die Autoren, die in Büchern gespeicherte Information praktisch unzugänglich, aber sie bleibe in den Schwaden von Rauch und Asche komplett erhalten.

    Im Sommersemester 1948 besuchte ich an der TH Graz die Vorlesung Physik 1 von F. Kohlrausch. Beim Thema Relativitätstheorie unterbrach er seinen Redefluss, wandte sich zum Auditorium und sagte: „Meine Herren“ - die vereinzelt anwesenden Damen wurden geflissentlich übersehen -, „das verstehen Sie sowieso nicht, lesen Sie mein Skript diesbezüglich wiederholt durch, Sie gewöhnen sich dann nach und nach an den Sachverhalt und glauben die Theorie verstanden zu haben.“ Beim jahrzehntelangen Studium dieser Zeitschrift musste ich so manches Mal an Kohlrausch denken.

    Für den Begriff Information, obwohl in aller Munde, gibt es keine allgemein gültige Definition. In unserer real erlebten Welt ist z. B. Information ein Muster, das - eingebettet in eine Unzahl anderer Muster - Aufmerksamkeit erzeugt, bewusst als relevant für mein Handeln erkannt wird und von den übrigen unterschieden werden kann. Sehe ich irgendwo Rot, halte ich mein Fahrzeug nicht unbedingt an. Erst wenn das Muster stimmt, also z. B. vor einer rot aufleuchtenden Verkehrsampel an meinem eingeschlagenen Fahrweg, egal ob im Gebirge oder auf dem platten Land, also eingebettet in sehr unterschiedliche Umgebungsmuster, halte ich auf Grund meines Vorwissens und in Kenntnis des zutreffenden Kodes an, dabei das Grün des Signals an der nahe vorbeiführenden Eisenbahnlinie als nicht relevant missachtend.
    Für die Herstellung des informierenden Musters, den Informationstransport sowie den Mustererkennungsprozess wird Arbeit geleistet. Die im Muster enthaltene Information ändert die Physis des Musterträgers nicht. Zum Beispiel: Das Muster eines Buchtextes kann für mich sehr viel Information enthalten, jedoch mit der identischen Anzahl identischer Zeichen aber mit unterschiedlichem Muster (hier Zeichenfolge) wenig oder gar keine (z. B. nur Grundrauschen). Außer der Zeichenfolge ändert sich dabei nichts. In allen drei Fällen wäre die spezifische Verbrennungsenthalpie des Buches dieselbe (vollständige, rauchfreie Verbrennung vorausgesetzt).
    Der Buchtext eines Buches in einer Bibliothek repräsentiert das zu Grunde liegende mentale Konstrukt des Autors. Er veröffentlicht es in einem Kode, den möglichst viele seiner Mitmenschen verstehen sollen (erhöht die Verkaufszahl). Sobald der Autor stirbt, verlöschen mit seinem Hirntod alle seine mentalen Konstrukte. Nur sein Buch informiert dann noch darüber, was er bezüglich des gewählten Buchthemas fühlte und dachte.
    Ich kann nicht erkennen, auf welche Art und Weise die Schwaden aus Asche und Rauch eines verbrannten Buches das mentale Konstrukt des Autors weiterhin repräsentieren können, denn das informierende Muster ist irreversibel zerstört. Zumindest ist das meine Alltagserfahrung in der von mir als real empfundenen Umwelt, auch wenn die Quantentheorie sagt, dass keine Information jemals wirklich gelöscht werden darf.

    S. Gorbach
  • Gebogene Eiskristalle?

    03.02.2010, Dipl. Biol. Dr. Lutz Nevermann
    „Sauberkeit ist für Schönheit also keine Voraussetzung.“ Dieser Schlußsatz von Prof. Dr. Schlichting ist mir sehr sympathisch, ist er doch eine willkommene Entschuldigung für alle, die - wie ich selbst - nicht so gerne und oft ihre Fenster putzen! Entlohnt werden wir also mit Eisblumen, so wir nicht in modernen Häusern wohnen.

    Neulich fand ich Eisblumen, die mich stutzig machten. Schön zu erkennen war ihre Wachstumsrichtung, ausgehend von Kristallisationskernen an Rand der Fensterscheibe (Foto 1), und der fraktale Charakter der Kristallbildungen. Doch manche der Hauptäste waren stark gebogen. Wie konnte das sein? Widerspricht es doch der Kristallstruktur des Eises.

    Foto 1. Alle Fotos: Lutz Nevermann

    Bei genauerer Betrachtung ist zu erkennen, dass sich der Hauptast stets zu der Seite krümmt, auf der keine Seitenäste wachsen.

    Eine Erklärung für die Krümmung der Eiskristalle könnte sein,
    1. dass Eis auf seiner Oberfläche (Grenzfläche) nicht vollständig kristallin, also unter Umständen nicht ganz fest ist bzw. noch nicht ganz fest mit der Unterlage (Glasscheibe) "verklebt" ist
    2. dass die aus energetischen Gründen an ihren Spitzen stärker wachsenden Kristalle einen "nach hinten" gerichteten Druck (durch Volumenzunahme bei der Kristallisation an der Spitze) ausüben
    3. dass der Druck von Seitenkristallen, wenn sie vornehmlich auf einer Seite an einem Hauptast wachsen, diesen für kurze Zeit noch minimal auf der Unterlage verschieben (und tatsächlich etwas biegen) könnten. Der Hauptast wächst unterdessen weiter, aber minimal in eine neue Richtung. Die Wiederholung des Vorgangs führt dann zur weiteren Einkrümmung des Fächers zu der Seite, die keine Seitenäste trägt (Foto 2).

    Foto 2

    Doch meist enthalten organisch anmutende Eisblumen (Foto 3) wie diese "gelockten" auf der Windschutzscheibe meines Autos keine gekrümmten Kristalle. Wie ein Detail aus Foto 3 zeigt (Foto 4), haben sich hier jeweils viele kleine Eisnadeln tangential um Zentren angeordnet und vermitteln so nur den Eindruck einer Krümmung.

    Foto 3

    Foto 4 (Detail aus Foto 3)

  • Banale Antwort

    03.02.2010, Dr. Tim Kersebohm, Ladenburg
    Lieber Herr Springer,

    wie so viele unserer Zeitgenossen haben Sie sich des viel diskutierten Themas der "sozialen Unterschiede" angenommen, und wie die meisten, die selbiges in der Öffentlichkeit wiederkäuen, das Ungerechtigkeitspostulat als gegeben vorausgesetzt.
    In der Neiddebatte heutzutage wird dieses Unleichgewicht leider immer auf Staat und Gesellschaft abgewälzt, und der Mensch aus seiner Eigenverantwortung entlassen.
    Er fängt an zu fordern, weil ihm Medien und Politik einreden, seines Glückes Schmied wären immer die anderen.
    Ich verstehe nicht, warum so gut wie niemand einmal einen Schritt zurückgeht und sich fragt, ob soziale Unterschiede nicht in einem größeren, gar evolutionären Zusammenhang sogar sinnvoll erscheinen: Sie sind der Motor des Fortschritts, denn wenn ich auch haben möchte, was der andere hat, sollte ich mich vielleicht etwas anstrengen. Bildung und Wohlstand - das alles ist frei verfügbar, wenn man sich ein klein wenig Mühe beim Jagen und Sammeln gibt.
    Sie gehen davon aus, dass soziale Unterschiede ausgeglichen werden müssen, und in einem gewissen Rahmen ist das auch richtig, nur darüber hinaus halte ich diese Unterschiede für wichtig für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft.
    Das Märchen, dass jeder Mensch mit denselben Voraussetzungen auf diese Welt kommt, ist aber nun mal ein solches. Die Antwort auf die Titelfrage könnte daher so einfach sein:
    "Weil es Dumme und Schlaue gibt."
  • Unsicherheiten im Umgang mit Statistik

    01.02.2010, Andreas Beyerlein, Sulzbach-Rosenberg
    Als Statistiker und langjähriger SdW-Abonnent war ich sehr erfreut, Ihren interessanten Artikel zu lesen. Häufig gelangen angebliche wissenschaftliche Erkenntnisse in die Tagespresse, die wie der in Ihrem Beitrag beschriebene Zusammenhang einer genaueren statistischen Betrachtung nicht standhalten. „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ – auf Meldungen dieser Art trifft dieses überstrapazierte Bonmot durchaus zu.

    Statistische Methoden sind in den meisten empirischen Wissenschaften allerdings unentbehrlich, da sie letztendlich die Brücke schlagen zwischen Wissenschaftstheorie und Empirie. Dennoch trifft man im Wissenschaftsalltag häufig auf Forscher, die große Unsicherheiten im Umgang mit Statistik zeigen, was wohl teilweise auf Berührungsängste mit mathematischen Formeln zurückzuführen ist. Allerdings erfordern viele statistische Konzepte zunächst reines Nachdenken und keine Anwendung komplizierter Formeln – so basiert auch Ihr Artikel auf Überlegungen und letztlich recht einfachen Berechnungen. Es würde sicherlich nicht schaden, in den in vielen Studiengängen obligatorischen Statistik-Veranstaltungen nicht nur zu rechnen, sondern beispielsweise auch Exkurse in die Wissenschaftstheorie zu geben.
  • Pragmatische Nutzung der Verschränkung?

    01.02.2010, Karl-Heinz Schack
    Erstmal vielen Dank an H. Mag. Johann Angsüsser für diese sehr anschauliche Erklärung. Mir persönlich ist einiges deutlicher geworden, wenn auch nicht unbedingt klarer.

    Zur praktischen Nutzung schlage ich vor, bei der ersten bemannten Marsexpedition eine zusätzliche Kapsel zu starten, die während der Reise eine minimal kürzere Distanz zum Raumschiff als zur Erde hat. Diese Kapsel beinhaltet einen starken Laser (zur Selbstbündelung), der verschränkte Photonen in Richtung Raumschiff und Erde sendet. Eine Vorrichtung am Raumschiff polarisiert den Strahl mit entsprechender Kodierung abwechselnd horizontal und vertikal.

    Ein Satellit in Erdnähe teilt den dort ankommenden Strahl und leitet jeweils einen Teil über ein horizontal und vertikal eingestelltes Polfilter. Durch Zählung der Photonen bzw. (bei dieser Intensität) Messung der Strahlstärke, kann so festgestellt werden, ob der Polfilter im Raumschiff gerade horizontal oder vertikal eingestellt ist. Die Zeitverzögerung gegenüber der Einstellung auf dem Raumschiff dürfte dabei nur durch die Differenz der Entfernungen gegeben sein.

    D.h. vom Raumschiff zur Erde können Nachrichten mit Überlichtgeschwindigkeit übertragen werden... Ob dies so funktioniert, müsste mit heute zur Verfügung stehenden Mitteln grundsätzlich feststellbar sein.

    Da ich dieses bezweifele, ist in der Erläuterung der Verschränkung oder in meinem Verständnis dieser Erläuterung etwas falsch. Oder ist es doch möglich, Informationen mit Überlichtgeschwindigkeit zu übertragen?
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Schack,


    wie Ihr Überlicht-Sender praktisch funktionieren soll, habe ich nicht ganz verstanden. Angenommen, das Raumschiff ist schon fast beim Mars und die Kapsel fast auf halbem Weg Erde-Mars. Dann empfängt der Erdsatellit von je 2 verschränkten Photonen das eine sagen wir nach einer halben Minute direkt, das andere erst nach anderthalb Minuten, weil es den Umweg zum Mars und zurück zur Erde schaffen musste.


    Nun kann man zwar sagen: Wegen der Verschränkung weiß ich beim Eintreffen des einen, sagen wir horizontal polarisierten Photons augenblicklich, dass sein verschränkter Partner am Raumschiff soeben auch horizontal polarisiert wurde – aber nur, wenn ich das eintreffende Photon zweifelsfrei als einen verschränkten Partner erkannt habe! Ich messe ja zunächst nur irgendein horizontal polarisiertes Photon, und das könnte von einer anderen Quelle stammen.


    Gut, nehmen wir an, die Laserfrequenz der Quelle habe eine Eigenschaft, die sie von allen natürlichen Quellen unterscheidet, oder nehmen wir sogar an, das Weltall sei bis auf die verschränkten Photonenpaare absolut finster. Dann empfange ich tatsächlich eine Folge von unterschiedlich polarisierten Photonen, die ein Spiegelbild der Polarisationsebenen auf dem Raumschiff sind. Dann kann ich augenblicklich etwas wissen, das mir erst eine Minute später auf "normalem" Weg durch das mit Lichtgeschwindigkeit vom Raumschiff kommende Partnerteilchen bestätigt wird.

    Nur: Um die Photonenfolge richtig als instantane Information über die Polarisatoreinstellungen am Raumschiff interpretieren zu können, muss ich den Zeitpunkt der Aussendung der verschränkten Photonen exakt kennen, das heißt die exakten Abstände Laserquelle-Raumschiff-Erde, und für diese Messung brauche ich Lichtstrahlen. Auch um die streng parallele Ausrichtung der Polarisationsfilter zu messen, brauche ich eine Vergleichsmessung mit Lichtgeschwindigkeit.


    Das heißt, selbst bei noch so unnatürlichen Annahmen taugt Ihre Laser-Kapsel nicht zur Überlicht-Informationsübertragung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Michael Springer

    Mitarbeiter von Spektrum der Wissenschaft
  • Energieerhaltung bei Rotverschiebung?

    01.02.2010, Mirko Ogris, Ing.
    In verschiedenen Artikeln wird immer wieder die Rotverschiebung ferner Galaxien erörtert. Diese soll auf der Ausdehnung oder "Vermehrung" des Raumes an sich beruhen.

    Nun zum Gedankenexperiment:
    Wenn von einem entfernten Objekt ein Photon ausgesendet wird, dann hat es die Energie E=hf (h: Heisenbergsche Konstante). Dieses Photon trifft nun beim Beobachter rotverschoben ein. Das heißt, die Frequenz ist niedriger als zuvor und damit ist auch die Energie geringer.
    Energie kann aber (innerhalb eines geschlossenen Systems) nicht vermehrt oder verringert werden.

    Nun die schlichte Frage:
    Wo ist die Differenz der Energie abgeblieben?
    Vom Raum "absorbiert"?
    Oder ist etwas an den Voraussetzungen falsch?
    Da sich der Raum überall und immerfort ausdehnt, wird dadurch jede Strahlung immer rotverschoben?
    "Verschwindet" dadurch die Energie am Ende doch?
    Hat schon jemand diese Fragen gestellt?
    Antwort der Redaktion:
    Diese Frage taucht tatsächlich immer wieder auf, ist aber auch schon mehrfach beantwortet, zum Beispiel in Andreas Müllers Lexikon der Astrophysik (suchen Sie dort nach dem Absatz "Problem mit Energieerhaltung?"). Dieses Online-Lexikon ist auch für viele andere Fragen ein empfehlenswerter Ratgeber.