Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Grundsätzlich verschiedene Dinge

    26.08.2008, Friedrich Seibold
    Vor möglichen Gefahren warnen und mögliche präventive Maßnahmen dagegen vorschlagen (hier: Klimaschutz) einerseits und essentielle Behauptungen über bereits Existierendes (hier: die Welt) aufstellen andererseits sind grundsätzlich verschiedene Dinge. Es ist abwegig, beide gegenseitig abwägen zu wollen.

    Im übrigen führen Erklärungsversuche der Welt, wenn sie ihre Essenz erklären wollen, zwangsläufig in einen naturalistischen Zirkel, in dem Hirnvorgänge u.a. zur Welt gehörende Hirnvorgänge erklären wollen.

    Mit einem Zirkel, ob rein begrifflich oder begrifflich-sachlich läßt sich essentiell (substantiell) letztlich gar nichts erklären. Nicht davon betroffen sind dagegen funktionale (operative) Erklärungen.
  • sed tamen amoto quaeramus seria ludo

    26.08.2008, Peter Schmid, Salzburg
    Den Artikel "Spekulation statt Wissenschaft" von T.Körkel als begleitenden Text dieser Umfrage finde ich völlig fehl am Platz.

    Schon der Titel stellt eine falsche Alternative. Natürlich müssen Wissenschafter "spekulieren" um neue Theorien über unerklärte Naturphänomene zu entwickeln und um Gemeinsamkeiten noch unzusammenhängender Theorien zu entdecken ("Vereinheitlichung"). Das Ärgernis vieler kosmologischer Spekulation liegt darin, dass das, was als "Erklärung" angeboten wird, in Wirklichkeit kaum einen wissenschaftlichen Erklärungswert hat und dieser Mangel durch ideologische Gespinste kompensiert wird. Der Vorwurf der Ideologie gilt immer dann, wenn wissenschaftliche Daten in ein ausschweifendes Gebäude von Annahmen eingebettet werden, die prinzipiell weder bewiesen noch widerlegt werden können, wobei Voraussagen über verifizierbare Phänomene äusserst spärlich, wenn überhaupt vorhanden, sind.

    In Laughlins Sprache handelt es sich dabei um "Anti-Wissenschaft", da diese ideologisch dominierten Aussagen von eigentlicher wissenschaftlicher Arbeit ablenken oder sie für überflüssig erklären. Solche ideologisch dominierte Gehirnwäsche nimmt tatsächlich amoralische Formen an.

    Hier liegt auch der Unterschied zu Klimamodellen. Solche Modelle verwenden eine Unzahl wissenschaftlich nachprüfbarer Daten und produzieren Voraussagen, deren grösster Teil in absehbaren Zeiten verifizierbar ist. Der Vergleich von Klimamodellen mit vielen kosmologischen Modellen ist daher völlig schief.

    Eine Diskussion der Kriterien für Wissenschaftlichkeit ist wohl überfällig. Ich bin neugierig, was der für Dezember versprochene Artikel dazu beitragen wird.
  • Arthur's Regeln

    26.08.2008, Karl-Heinz Birkel
    1. When a distinguished but elderly scientist states that something is possible, he is almost certainly right. When he states that something is impossible, he is very probably wrong.

    2. The only way of discovering the limits of the possible is to venture a little way past them into the impossible.

    3. Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.

    Arthur C. Clarke 1917-2008
  • Was sind denn Multiversen?

    26.08.2008, van Treeck, Leipzig
    Was sind denn Multiversen? Die Mehrzahl von Multiversum, nicht wahr? Und ein Multiversum beinhaltet viele Universen; wozu also noch Multiversen?

    Ohne eine Spekualtion, was sein könnte, kommt man nicht zum Wissen, was ist. Es ist also unumgänglich, zu spekulieren. Ein Wissenschaftler weiß das!

    Dem Artikel stimme ich voll zu.
  • Magnetsensor

    26.08.2008, Hans-Helmut Schmitz
    hm, wenn sich bei so vielen Arten bei genauerer Suche ein Sinn für das Magnetfeld finden lässt, drängt sich da nicht die Frage auf, ob das vielleicht auch beim Menschen der Fall sein könnte, aus welchen Gründen auch immer.
    Antwort der Redaktion:
    Lieber Leser,



    in der Tat haben sich die Autoren des aktuellen Artikels darüber ein paar flüchtige Gedanken gemacht: Sie erwähnen Experimente aus den 1980er Jahren mit menschlichen Freiwilligen, deren physiologische Reaktion möglicherweise tatsächlich vom Magnetfeld der Erde beeinflusst wurde. So ändert sich etwa der Beginn der REM-Phasen im Schlaf je nach Ausrichtung der Probanden zu den Magnetfeldlinien.



    Statistisch nachweisbare Unterschiede sollen auch die EEGs von in Nord-Süd oder Ost-West-Richtung ausgerichtet sitzenden Menschen aufweisen, wie Experimentatoren im Jahr 1993 herausgefunden haben wollen. Diese Ergebnisse wurden aber offenbar nicht bestätigt, eine mögliche Erklärung für einen hypothetische Magnetfühligkeit steht aus.



    Mit freundlichen Grüßen

    Jan Osterkamp, Redaktion spektrumdirekt
  • Nicht nur Scharlatane!

    25.08.2008, Dr. rer. nat. W. von Bonin, 51375 Leverkusen
    Der Gang von der zur Zeit falsifizierbaren zur spekulativen wissenschaftlichen Betrachtung unserer universalen Welt führt über nobelpreisverdächtiges Glatteis. Dennoch können es Helden sein, die ihn zu gehen versuchen.
  • Sind wir Marsianer ?!

    25.08.2008, Dr. Thilo Weitzel, Bern
    Nun hat auch die Sonde Phoenix Wasser ausgegraben. Es scheint immer klarer zu werden, dass der Mars früher lebensfreundlich war.

    Wir wissen, dass sich auf der Erde erstes Leben ausbreitete, sobald die Bedingungen dies erlaubten, praktisch sobald sich unser Planet ausreichend abgekühlt hatte.

    Da der Mars kleiner ist als die Erde, sollte diese Abkühlung dort schneller erfolgt sein.
    Eventuell herschten also auf dem Mars bereits lebensfreundliche Bedingungen _bevor_ es auf der Erde soweit war.

    Wir wissen weiter, dass die Planeten in Folge "Beschuss" durch Meteoriten untereinander Material austauschen, insbesondere war dieser "Beschuss" in den frühen Phasen des Sonensystems sehr viel heftiger.

    Und wir wissen inzwischen auch, dass manche einfache Lebensformen in getrockneter Form oder in Form von Sporen eine Reise durch den freien Weltraum überleben können bzw. wieder aufleben, wenn sie mit Wasser in Berührung kommen.

    Somit scheint es nicht ausgeschlossen, dass sich das Leben ursprünglich in den Meeren des frühen Mars entwickelte und nur nebenbei die Erde kontaminiert wurde.

    Evtl. wären wir dann die letzten überlebenden Marsianer ...

    In diesem Kontext erscheinen die Pläne für ein "Terraforming" des Mars besonders plausibel. Nachdem wir Marsianer die Erde ruiniert haben, können wir dann zurück in die alte Heimat.
  • Mehr Fundamente für die Spekulation, bitte!

    25.08.2008, Dr. med. Elz-Fianda, Dipl.-Physiker, Nördlingen
    Ich finde die spekulativen Themen der Astro- und Teilchenphysik brennend interessant, möchte mich aber nicht mit der bisher vorherrschenden oberflächlichen Darstellung abfinden. In den letzten Jahren werden Seiten mit plakativen, großformatigen Phantasiebildern gefüllt, die sehr wenig Bezug zu den eigentlichen, abstrakt zu formulierenden Ideen haben.

    Das ist sehr ärgerlich, könnte man doch auf dem gleichen Platz durchaus mehr an quantenphysikalischer Ableitung unterbringen. Das würde wenigstens einem Teil der Leser erlauben, die nebulösen Aussagen mit ihren eigenen physikalischen Vorkenntnissen zu verbinden.

    Welchen Sinn macht z.B. ein Artikel über Paralleluniversen, wenn nicht der Bezug zur experimentellen Praxis herstellbar ist? Genauso könnte da ein Artikel über Engel oder Dämonen stehen, alle drei Entitäten finden bisher nur in der Phantasie einzelner oder eines Kollektivs statt. Eine Brücke zu gesicherten Grundlagen der theoretischen Physik fehlt.

    Wozu braucht man so etwas, geht es darum, Wissenschaft als prinzipiell unverständlich erscheinen zu lassen oder mit emotionalem Getöse Forschungsgelder einzusammeln?
  • Angeödet

    25.08.2008, Dr. Peter Holl, Herzberg
    Als langjähriger Abonnent Ihrer Zeitschrift fühle ich mich von der Häufung spekulativer Artikel, die mit solider Wissenschaft nichts zu tun haben, dermaßen angeödet, daß ich das Abonnement Ihrer ehemals guten Zeitschrift kündigen werde!
  • Alles erforscht...?!

    25.08.2008, Klaus Fekete, Wien
    Grundsätzlich spricht ja nichts gegen Theorien und neue Denkansätze oder Spekulationen, wenn man damit erreicht über "altes" Wissen nachzudenken, ja sogar es in Frage zu stellen.

    Diese aber, wie Al Gore es formuliert, als endgültig darzustellen, weiter Forschung als unnötig, "da ja dazu alles erforscht ist", quasi zu verbieten, ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern auch unmoralisch.

    Laughlins Buch auf die selbe Ebene wie die IPCC-Berichte zu stellen ist etwas zu kurz gegriffen. Ersteres hat mir viele anstrengende, aber befriedigende Stunden beschert, letztere haben mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet und sind mit evidenten Widersprüchen gespickt, von "Fehlern" a la Mann`sche Kurve gar nicht zu sprechen. Das ist unso bedauerlicher, als wir zweifelsfrei dabei sind, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören.

    Szenarien über die Zukunft in 100 Jahren sind nicht zielführend, heute hungern 800 Millionen Menschen, roden wir Wälder der Mobilität zu Liebe, vermehren uns mit knapp 80 Millionen jährlich.

    Ob im Weltklimarat wirklich die besten Köpfe sitzen? Ich weiß es nicht, wage es aber zu bezweifeln. Es müsste nämlich ein Szenario geben: Das Klima ändert sich, welche Maßnahmen sind zu ergreifen, um damit zurecht zu kommen, zu überleben. Und dieses fehlt mir.
  • Denken wagen…

    25.08.2008,
    Gerade in einer disziplinübergreifenden Zeitschrift wie dem Spektrum sehe ich den Raum für neue Denkansätze oder spekulative Theorien gegeben. Es macht den Reiz aus, sich auf Neuland zu begeben und die gewohnten Denkbahnen zu verlassen, gerade auch wenn man sich nicht nur an die "Spezialisten" wendet.
  • Spekulation ist Teil des wissenschaftlichen Methodenkanons

    25.08.2008, Dr. Joachim Paul, Neuss
    Die begründete Spekulation sollte als wissenschaftliche Methode auch in den Naturwissenschaften unbedingt anerkannt werden. Sie dient als aktiver Bestandteil der »wissenschaftlichen Erkenntnisprozesse dazu, den kognitiven Boden vorzubereiten, auf dem sich später exakte Aussagen formulieren lassen. Ich halte es da mit einem Geisteswissenschaftler, dem Historiker Lewis Mumford, der dies, bezogen auf seinen Forschungskontext, treffend formuliert hat:
    „Der wissenschaftlichen Forschung waren natürlich insofern Grenzen gesetzt, als man über die nicht aufgezeichneten Anfänge der Entwicklung des Menschen – das ist die ganze Zeit seiner Existenz bis auf die letzten ein bis zwei Prozent – größtenteils nur spekulieren kann. Das ist ein riskantes Unternehmen, dessen Schwierigkeiten nicht durch vereinzelte Funde von Knochenfragmenten und Artefakten verringert werden, da ohne gewisse intuitive Einsichten und Analogieschlüsse aus diesen Objekten nur allzu wenig herauszulesen ist. Aber auf Spekulation zu verzichten wäre noch unsinniger, weil dann die spätere geschriebene Geschichte einen Anschein des Einzigartigen und Unvermittelten erhielte, so als wäre eine neue Spezies entstanden. Wenn wir von 'Agrarrevolution' oder 'städtischer Revolution' sprechen, vergessen wir meist, wie viele Vorgebirge das Menschengeschlecht bezwang, ehe es diese Gipfel erreichte. Ich plädiere also für Spekulation als ein notwendiges Instrument, um zu adäquatem Wissen zu gelangen."
    Lewis Mumford, Mythos der Maschine, Frankfurt 1977, Fischer Tb, S. 27

    In diesem Sinne,
    mfG, Joachim Paul (Biophysiker)
  • Erklärungsnotstand

    25.08.2008, Günter M. Ziegler, Berlin
    Sind es die Theoretiker der Astrophysik, die da offenbar in Erklärungsnotstand sind und sich verteidigen müssen, oder eher die Journalisten, die gelegentlich den Mund zu voll nehmen - und "Weltformel" und "Erklärung für alles" propagieren, wo bisher einfach keine konsistente Theorie vorliegt, und "ruhig weiterarbeiten" der bessere Ratschlag gewesen wäre. Oder wird der Hype von den Presseabteilungen von LHC & Co. geschürt, um die großen Maschinen zu rechtfertigen?

    Dabei finde ich die theoretische Physik-Grundlagen-Arbeit wichtig und spannend (und habe Verständnis, dass das alles kompliziert ist, und das Aussortieren der Ansätze Zeit braucht). Und gründlich nachdenken und nachrechnen und ein bisschen Spekulieren ist allemal sinnvoller und sehr viel billiger als den nächsten Even-Larger-Supercollider (ELC) zu projektieren, der dann Milliarden verschlingt, ohne evtl. halbgare Theorien zu bestätigen oder auch zu widerlegen...
  • Der Faktor Phantasie

    25.08.2008, Hans-Georg Wenke
    Gut, dass Wissenschaftler in der Regel keine Kriminalkommissare sind. Sie würden nur wenige Fälle aufklären. Ein Mörder wäre für sie nur einer, wenn er bereit wäre, den Mord beliebig oft zu wiederholen.

    Wir wissen es doch längst: Nicht das Universum ist kompliziert. Unsere Phantasie, es zu begreifen, ist eingeschränkt. Wer sie trainiert, macht Fehler. Wer sie nicht trainiert, noch viel mehr.

    Was also ist die Alternative zu purer Spekulation? Beschränktheit des Wissens aus freien Stücken.
    Irgendwie doof, oder?
  • Abbildung S. 64

    24.08.2008, Andreas Beyerlein, Sulzbach-Rosenberg
    Stellen die 6 Säulen die verschiedenen Zusammensetzungen der Mikrobenpopulationen der Unterarme von 6 verschiedenen Personen dar? Die Beschriftungen ("erster Test", "zweiter Test", "insgesamt") passen nicht dazu.
    Antwort der Redaktion:
    Die sechs Säulen stellen nicht die Ergebnisse für die sechs Versuchspersonen dar, sondern jeweils die Mittelwerte bei den sechs Probanden für den ersten und zweiten Test am linken und rechten Unterarm sowie an beiden Unterarmen.
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