Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Eine Simulation kann alles sein!

    07.08.2008, Kater, Hannover
    Eine Simulation muss nicht in einem Computer, wie wir ihn entwickelt haben, ablaufen. Darum ist es durchaus vorstellbar, dass unser Universum eine Simulation ist. Eine Quantenfluktuation ist sehr, sehr klein, aber könnte nicht jede ein Universum enthalten? Raum und Zeit sind aus dem Urknall hervorgegangen. Darum kann unser Universum (innen) groß und sehr alt sein, während es (außen) in einer anderen Raum-Zeit-Dimension sehr klein und schon vergangen ist. Alles ist seit Einstein relativ und hängt von Betrachtungsstandpunkt ab.

    Aber selbst wenn wir nur eine Simulation sind, wird diese Erkenntnis nichts in unsern Alltag ändern. Das gleiche gilt auch dafür, falls wir mal eine Weltformel finden würden. Sicher ist, dass es uns nicht möglich sein wird, unser Universum zu verlassen. Darum können wir es nie "von außen" wahrnehmen. Eine Weltformel wird darum nur das "Innen" beschreiben können. Darum wird es für uns immer verborgen bleiben, falls wir diese Weltformel finden, ob sie denn auch richtig ist.

    Physik beschreibt mit Hilfe der Mathematik nur Vorgänge, die wir wahrnehmen können und überprüfen können. Dieses endet an den Grenzen unseres Universums. Was ist, wenn Gott alles dieses erschaffen hat, um sich selbst zu erschaffen?
  • Theodizeeproblem

    06.08.2008, Dr. Andreas Bell, Köln
    Das Theodizeeproblem existiert theologisch nicht; es entsteht erst durch die Leugnung der Vollständigen Verschiedenheit Gottes von seiner Schöpfung (Vaticanum I., Dogmatische Konstitution „Dei Filius“). Im Übrigen ist die Theologie nicht weniger eine Wissenschaft als die Philosophie, da sie eine methodisch-kritische Reflexion der Glaubensaussagen ausmacht.
    Antwort der Redaktion:
    Das kann man, wie es etwa viele Wissenschaftsphilosophen tun, durchaus anders sehen. Ich denke da spontan an Franz v. Kutschera: "Vernunft und Glaube", aber das ist womöglich eine Quelle, die Sie gleichfalls verwerfen.

    Dr. Reinhard Breuer


    Antwort von Dr. Bell, Referent für Katechese, Erzbistum Köln

    Inhaltlich stehe ich zu meinen Aussagen und kann sie auch belegen. Franz von Kutschera nehme ich von der Kritik ausdrücklich aus, weil ich nicht hinreichend mit seinem Werk vertraut bin. Trotzdem geht es dem Theodizeeproblem wie dem "Intelligent Design": Dass es kontrovers diskutiert wird, verleiht ihm noch keine Wissenschaftlichkeit. So schrieben Sie selbst. Ich will nur kurz die Begründung skizzieren: Dass Gott ein Übel "zulässt", bedeutet, seine Allmacht nur als potenzielle zu denken. Nach Anselm von Canterbury können aber nur solche Aussagen über Gott wahr sein, die nicht steigerbar sind. Wenn wir Allmacht behaupten, muss die Allmacht aktuell sein und nicht bloß potenziell. Daher können wir über den Gott der Christen nur sagen - wie es die Bibel ausdrücklich tut -, dass er in allem mächtig ist bzw. nichts ohne ihn sein kann. Damit wird jedoch dem herkömmlichen Theodizeeproblem die Grundlage entzogen, so dass sich neue Fragen stellen wie die nach dem Umgang mit dem Leid.


    Leider gehen sowohl viele Theologen als auch Philosophen von einem unklaren Gottesbegriff aus, der den theoretischen Anforderungen der Bibel und der Konzilien nicht gerecht wird. Aus einem solchen Gottesbegriff, der häufig nur eine Projektion menschlicher Vorstellungen an den Himmel ist, wie Feuerbach richtig feststellte, lässt sich aber dann alles mögliche ableiten. Allein die richtige Reihenfolge der Fragen entscheidet über die Qualität des Denkens: Erst ein belastbarer Gottesbegriff ermöglicht es, über Offenbarung und Erlösung nachzudenken.

  • Dextre im Orbit, aber nicht in Aktion

    06.08.2008, Jan Gerrit Horstmann, Minden
    Sehr geehrte Redaktion!

    Die auf dem Bild des Monats (Ausgabe 8/2008) abgebildete "Roboterhand" Dextre wurde zwar im Rahmen der Space Shuttle Mission STS-123 im März dieses Jahres zur ISS gebracht - benötigt wurden ihre Dienste als vielseitige Ergänzung des ebenfalls aus kanadischer Herstellung stammenden Canadarm 2 jedoch noch nicht, wie fälschlicher Weise im beistehenden Artikel berichtet wird.

    Zu einer regelmäßigen Verwendung des Roboters wird es vermutlich erst nach der momentan für das Jahr 2010 geplanten Einstellung des Shuttleprogramms kommen. Diese wird eine radikale Reduzierung der Außenbordeinsätze zur Folge haben. Erst ab diesem Zeitpunkt wird Dextre wohl sein ganzes Potential ausschöpfen und die Geschicklichkeit, auf die sein Name anspielt, unter Beweis stellen müssen, um die Astro- und Kosmonauten auf der ISS zu entlasten.
  • 100 Milligramm, nicht 100 Gramm

    06.08.2008, Dr. med. Peter Kosek
    Sie schreiben, die Empfehlung für die tägliche Aufnahme von Vitamin C liege bei 100 Gramm. Das ist nicht richtig.
    Die Empfehlung liegt bei 100 Milligramm, also dem 1000. Teil Ihrer Angabe.

    Freundliche Grüße
    Antwort der Redaktion:
    Lieber Leser und alle anderen Aufmerksamen,



    danke für den Hinweis. Natürlich sind es Milligramm, nicht Gramm. Wir haben den Text bereits geändert.



    Mit freundlichen Grüßen

    Ihre spektrumdirekt-Redaktion
  • Viele Fragen zur Entropie

    06.08.2008, Dr. med. C.D. Kopetzky, Grossrosseln
    Am Ende erscheint alles ganz einfach und einleuchtend: der Zustand niedriger Entropie A kann nur dann in den einer hoher Entropie übergehen, wenn zuvor der Übergang einer hohen Entropie in den der niedrigen Entropie A erfolgt ist: Das Ei kann nur dann in seine weniger geordneten Bestandteile zerfallen, wenn es zuvor aus diesen entstanden
    ist, womit die Umkehrbarkeit des Zeitpfeils auch für das Ei bewiesen wäre. Daran zu zweifeln ist typisch menschlich: Ist es mein Frühstücksei, das zu Boden ging, tröstet es mich wenig, das zur gleichen Zeit auf einem entfernten Bauernhof neue Eier gelegt worden sind. Also
    sind es allein meine Ungeduld und Frustration, die den Zeitpfeil unumkehrbar erscheinen lassen.


    Nun darf ich einem beliebigen (makroskopischen) Zustand ein Maß an Entropie zuordnen. Ist dieses Maß jedoch relativ oder absolut definierbar? Ist dies über die Grenzen beliebiger offener oder geschlossener Systeme, Subsysteme und Systemelemente hinweg möglich und statthaft?


    Gilt der 2. thermodynamische Hauptsatz auch für das "System" der vermutlich nur einen Zentimeter großen ultradichten und ultraheißen Geburtsmurmel unseres Universums?


    Kann diese als geschlossenes System verstanden werden? Erfolgt schließlich deren Inflation auch in einem geschlossenem System? Können wir seine unterstellte Materie- und Energiedichte in (umgekehrter) Relation zu seiner Entropie setzen? Was verstehen wir in diesem
    Zusammenhang unter "Ordnung"?


    Weiterhin verbindet der Autor "die klumpige Verteilung von Sternen und Galaxien" mit einem Zugewinn an Entropie, also dem Verlust von "Ordnung". Hat demnach das heiße Gasgemisch, aus dem die Sterne und Planeten vermutlich entstanden, eine niedrigere Entropie als die komplex
    strukturierten Galaxien? Wo liegen die Grenzen des geschlossenen Systems, in dem sie entstanden? Wie ist bei diesen Betrachtungen im universellen Maßstab die Dunkle Materie bei der Bemessung von niedriger und hoher
    Entropie zu berücksichtigen?


    Oder anders: besitzen die vollständigen, dicht gepackten, letzten Bestandteile einer Milbe eine niedrigere Entropie als diese? Ist schließlich die Entropie einer lebenden Milbe gleich der einer toten?


    Die Zunahme der Entropie in einem geschlossenen System setzt eine statistisch uneingeschränkte Möglichkeit zur Wechselwirkung aller in ihm enthaltenen Elemente in beliebiger Zeit voraus.


    Wann wird in einem expandierenden geschlossenen System auf Grund seiner abnehmenden Dichte die Grenze erreicht, ab der eine statistisch mögliche Wechselwirkung jedes Elementes mit allen Elementen - in der unserem Universum zugestandenen Existenzzeit - unwahrscheinlich, wenn nicht
    unmöglich wird? Statt eines geschlossenen expandierenden Systems könnten dann unbekannt viele (offene?, geschlossene?) Systeme mit sehr unterschiedlichen Entropien beschrieben werden.


  • Schon 30 Jahre vertan

    04.08.2008, Manfred Stibaner
    Der Artikel "Solarstrom zwischen Nordkap und Tschad" in SdW 3/08 von Herrn Samulat (Kasten auf Seite 66 des Beitrags "Amerikas Weg ins solare Zeitalter") beleuchtet die interessanten Möglichkeiten einer europaweiten Energienutzung unter Einschluß Nordafrikas.

    Das erinnert mich an einen uralten Bericht aus der Zeitschrift Elektronik in den 80er Jahren. Schon dort wurde ein ähnliches Konzept vorgestellt - wie wir wissen, wurde aber niemals eine Realisierung versucht. Schade. Inzwischen sind ca. 30 Jahre vertan worden, ohne diesen Gedanken ernsthaft aufzugreifen.
  • Unser Universum ein schwarzes Loch?

    04.08.2008, Prof. Dr. Hermann Wätzig, Braunschweig
    Ich bin nicht Fachmann für Astronomie, sondern interessierter Laie. Dieser Artikel hat mich zu einer Spekulation angeregt. Nur eine Spekulation, aber vielleicht interessant genug, sie anderen mitzuteilen: was ist, wenn wir den Gedanken aus dem Artikel noch einen Schritt weiterspinnen? Stellen wir uns also vor, wir lebten in einem Tochteruniversum, das in einem Mutteruniversum entstanden ist. Vielleicht aber nicht nur aus einer Fluktuation. Könnte unser Universum ein Schwarzes Loch in einem Mutteruniversum sein?

    Der Gedanke ist zugegebenermaßen kühn, und vielleicht gerade deshalb ansprechend. Unser Universum ein Schwarzes Loch? Ja, aber nur aus Sicht eines Beobachters im Mutteruniversum. Wie wir wissen, kommt es bei vielen Dingen auf den Standpunkt des Beobachters an. Für uns, deren Universum aus dem Schwarzen Loch hervorgegangen ist, ergibt sich im Inneren des Schwarzen Lochs ein ganz anders Bild: unser Universum.

    Wir sind vom Mutteruniversum aus gesehen hinter dem Ereignishorizont, können also nicht beobachtet werden. Eine weitere Entwicklung im Tochteruniversum, also im Schwarzen Loch, lässt aber die Entropie weiter zunehmen, auch im Mutteruniversum.

    Von „innen“ gesehen könnte der Urknall die Entsprechung der Entstehung des Schwarzen Loches sein. Wir erleben nun die weitere Zunahme der Entropie in „unserem Universum“. Wenn unser Universum in ferner Zukunft einen Zustand sehr hoher Entropie annimmt, passt es sich als Tochteruniversum wieder in den möglicherweise ebenso gearteten Gleichgewichtszustand des Mutteruniversums ein. Vom Mutteruniversum aus wird dies als Zerstrahlen unseres Schwarzen Loches wahrgenommen.
    Vielleicht könnte dann Dunkle Energie Materiezufluss aus dem Mutteruniversum sein? Das wäre dann die einzige Möglichkeit, wie wir etwas vom Mutteruniversum erfahren können. Unterschiedlich ausgeprägte Expansionsphasen könnten Phasen unterschiedlichen Materiezuflusses sein.
    Natürlich würde auch diese Spekulation keine Frage endgültig beantworten. Wäre denn dann unser Tochteruniversum dem Mutteruniversum ähnlich? Und wo käme dieses her? Wie vergeht dort die Zeit? Es ist das schöne an der Kosmologie, dass sie immer spannend bleibt.







  • Politische korrekte Glaubenssätze

    04.08.2008, H.-J. Dasting-Hussner, Wuppertal
    Es wundert mich immer wieder, wie viel Missverständnisse im Zusammenhang mit Unterschieden in Bezug auf die Geschlechter aufkommen. Selbst Herr Springer ("Geschlechterkampf im Internet", Juni 2008 und "Ist Wissenschaft Männersache", Dezember 2006), dessen Beiträge ich sonst sehr schätze, hat nach meiner Meinung nicht den wesentlichen Punkt in der ganzen Debatte erkannt und zitiert nur die immer wieder neu aufgewärmten, jedoch politisch korrekten Glaubenssätze.

    Ganz plakativ stehen Aussagen wie "Männer sind in X besser als Frauen" (X = beliebige Fähigkeit) im Vordergrund. Solche Aussagen sind aber falsch, denn sie suggerieren, dass jeder Mann in X besser ist als jede Frau. Zum Vergleich zieht man unsinnigerweise die Mittelwerte heran. Diese sind jedoch für den Vergleich eines einzelnen Mannes mit einer einzelnen Frau völlig unbrauchbar und sagen auch nichts über Häufungen aus, denn eine Physikerin etwa unterscheidet sich bezüglich der "physikalischen" Fähigkeiten in nichts von ihrem männlichen Kollegen. Es ist nur so, dass das Interesse, Physiker zu werden, das sicher auch mit angeborenen Neigungen und Fähigkeiten korreliert, bei Männern offensichtlich (trotz aller Frauen-Förderung und über die Jahrzehnte) häufiger auftaucht. Das allein erklärt schon, warum es mehr Physiker als Physikerinnen gibt, und zwar ohne den bisher nie strikt nachgewiesenen Diskriminierungsvorwurf zu bemühen.

    Man kann das Ganze auch an einem politisch weniger umstrittenen Beispiel zeigen. Wenn in der ersten Urne drei weiße und drei schwarze Kugeln liegen und in der zweiten drei weiße und fünf schwarze, so ist es zwar richtig, dass die Kugeln in der zweiten Urne im Mittel dunkler sind als in der ersten. Das sagt aber nichts über eine einzelne Kugel aus, denn die ist in beiden Urnen entweder weiß oder schwarz und nicht etwa in der zweiten dunkler als in der ersten. Man kann lediglich von einer Häufung der schwarzen Kugeln in der zweiten Urne sprechen.

    Der Hinweis von Herrn Springer auf die über 100 Jahre alte Arbeit von Möbius ist absolut deplatziert. Man sollte aber nicht so tun, als gäbe es aus neuerer Zeit keine Belege für die geschlechtspezifische Häufung von Eigenschaften und Fähigkeiten. Bei somatischen Eigenschaften (z.B. Körpergröße, Leistungsfähigkeit, etc.) ist sie seit Langem eine erwiesene biologische Tatsache, die niemand ernsthaft in Frage stellt. Es ist wenig plausibel, dass es dann ausgerechnet bei kognitiven Eigenschaften keine entsprechende Häufung geben soll.
  • Heiße Luft und Entropie

    03.08.2008, PD Dr. R. Göhring, Hofheim
    Bei der Lektüre dieses Artikels fiel mir spontan ein Zitat des Philosophen Karl Popper ein: „Heiße Luft [im Sinne von Unsinn] und Entropie werden, fürchte ich, auch weiterhin produziert werden, solange es noch Subjektivisten gibt, die bereit sind, einen äquivalenten Beitrag von Nichtwissen zur Verfügung zu stellen“ (aus K. Popper: „Ausgangspunkte“; Hoffmann und Campe 1979).


    Der Autor macht einige „merkwürdige“ Aussagen – um es vorsichtig auszudrücken – zum Thema frühes Universum und Entropie. Das frühe Universum war nach heute akzeptierter Erkenntnis, zumindest bis zum Zeitpunkt der Rekombination, im Zustand des thermodynamischen Gleichgewichts und hatte damit einen hohen Wert an Entropie. Die Intensitätskurve der Hintergrundstrahlung ist ein beredtes Zeugnis davon. Wenn in der Folge durch die Gravitation Galaxien und Sterne gebildet werden, dann nimmt die Entropie ab und nicht, wie Carroll behauptet „in Übereinstimmung mit dem zweiten Hauptsatz“ deutlich zu.


    Die Idee der Geburt verschiedener Universen als Fluktuation in einem unendlichen leeren Raum mit jeweils unterschiedlichen eigenen Zeitpfeilen ist keineswegs neu. Solch eine Idee brachte schon Ludwig Boltzmann vor (sein Artikel: „Zu Hrn. Zermolo’s Abhandlung: Über die mechanische Erklärung irreversibler Vorgänge“; Annalen der Physik, 60 (1897), 392-398). Boltzmann hatte sich mit dieser Theorie allerdings wissenschaftlich desavouiert. Man hat bei der Lektüre des boltzmannschen Artikels das Gefühl, dass dieser Carroll bekannt war, und dass das Ganze mit aktuellen Schlagworten – Dunkle Energie, Inflation, … - neu „aufgekocht“ wurde.

    Carroll war mir bisher als Autor seriöser Veröffentlichungen, z.B. in den „Living Reviews in Relativity“, bekannt; dass er aber so etwas produziert, hat mich sehr erstaunt.
  • Wie war das mit dem 2. Hauptsatz?

    01.08.2008, Dr. Hans-Joachim Stortnik, Kirchdorf am Inn
    Für mich als Physiker, aber "nicht-Kosmologe" enthält der Beitrag "Der kosmische Zeitpfeil" Unstimmigkeiten, bei denen ich mich frage, ob hier vielleicht Vereinfachungen zu Gunsten einer populärwissenschaftlichen Darstellung zu Grunde liegen?

    Ausgangspunkt für meine Einwendung ist der Beitrag "Das kosmische Vergessen", (Heft 5/2008, S. 24), der auch von S.M. Carroll zitiert wird. Danach wird durch die beschleunigte Expansion des Raums der beobachtbare Teil des Universums immer kleiner. Genauer: der Raum vermehrt sich zwar, aber der materielle Inhalt wird immer weniger und "dünner". Irgendwann sehen wir entfernte Galaxien nicht mehr und noch später verschwindet sogar auch der Andromeda-Nebel hinter dem kosmischen Horizont. Das heißt dann natürlich nicht, dass es diesen Teil des Universums dann nicht mehr gibt. Er ist nur unsichtbar, genau wie ein Schiff, das sich auf dem Ozean über den Horizont hinweg entfernt. Wie groß der "gesamte" Kosmos (bzw. das ganze Meer) ist, das hängt jedenfalls nicht davon ab, wie weit der Horizont reicht. Seine Gesamtgröße kann durch Beobachtungen innerhalb des Horizonts wohl nur sehr unsicher und indirekt ermittelt werden.

    Betrachten wir die Zeit rückwärts, so erscheinen am kosmischen Horizont immer neue Strukturen, die zuvor nicht sichtbar waren. Zwar wird der beobachtbare Kosmos (in Kubikmetern gemessen) immer keiner, aber am Horizont erscheinen immer neue Strukturen, die in späterer Zeit hinter dem Horizont liegen und dann unsichtbar sind. Zu diesen Strukturen mag die "Dunkle Energie" gehören, die zu Zeiten, da der beobachtbare Kosmos 1 cm3 groß war, die physikalischen Erscheinungen (insbesondere die Inflation) bestimmt hat und von der heute nicht mehr so viel wie damals zu spüren ist.

    Dies alles vorausgesetzt möchte S.M. Carroll Aussagen über den "Zeitpfeil" machen und bedient sich hierzu an zentraler Stelle seines Artikels des Begriffs der Entropie. Dieser Begriff ist für die Thermodynamik geschaffen und in diesem Rahmen wird er sehr erfolgreich verwendet, auch für technische Entwicklungen. Er ist verknüpft mit dem 2. Hauptsatz er Thermodynamik, der da lautet: Im abgeschlossenen System nimmt die Entropie stets zu.

    Ich kann mir nun nichts vorstellen unter der Entropie des _beobachtbaren_ Kosmos, der jedenfalls nur ein kleiner Teil des "gesamten" Kosmos sein kann. Denn dieser Teil ist ja nicht konstant. Gehört die Materie, die den Andromeda-Nebel bildet, jetzt noch dazu, so wird er irgendwann nicht mehr dazugehören. Auch jetzt, in diesem Moment, verschwindet jede Sekunde irgendwelche Materie hinter dem kosmischen Horizont. Da kann von einem "abgeschlossenen System" ganz bestimmt nicht die Rede sein.

    Mangels weitergehender Kenntnisse über das, was sich hinter dem kosmischen Horizont noch so alles verbirgt, und wie weit es da noch geht, kann man auch den "gesamten" Kosmos kaum als abgeschlossenes System ansehen - vielleicht ist er ja doch unendlich groß? Jedenfalls will mir eine Anwendbarkeit des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik und des Begriffs "Entropie" in der Kosmologie nicht recht einleuchten.
  • 30 Jahre Spektrum! 30 Jahre Gruppentheorie!

    01.08.2008, Mario Semo, Wien
    Das Schöne am Spektrum ist, dass man auf wundervolle Art von "mitten in der Forschung" über "Forschung abgeschlossen, Thema erledigt" bis zu "Jetzt bekommen die Forscher einen Preis" alles findet.

    Und weil sich leider (früher war das noch anders) keine Links im Spektrum finden, hier die 3 relevanten Stellen. Und ein Zitat aus dem Spektrum August 1980.

    Spektrum der Wissenschaft, August 1980
    Martin Gardner, "Die Einkreisung des Monsters, ein Lehrstück über Gruppen"
    (Das Monster als vermutlich (damals!) letzte sporadische Gruppe ist entdeckt)

    Eine einfache Ballade

    Von einfachen Gruppen ist hier zu berichten,
    den sporadischen, zyklischen und den schlichten.
    Der schlichten Ordnung hat seinerzeit
    Schon Burnside richtig prophezeit.

    Dann fiel’s von den Augen der Meister wie Schuppen.
    Auch Permutationen bilden Gruppen,
    die An heißen und einfach sind, wenn
    die Bedingung gilt: vier ist kleiner als n.

    Noch weiter trieben der Gruppen Jagd
    Artin und Chevalley, die unverzagt
    ein Netz aus endlichen Matrizen knüpften.
    Gab es noch Gruppen die ihnen entschlüpften?

    Suzuki und Ree behaupteten: ja.
    Und eh’ sie begriffen, wie ihnen geschah,
    standen Matrizen, je vier mal vier
    als neue Gruppen auf dem Papier.

    Doch da erhoben sich Thompson und Feit
    als Gegner im Gelehrtenstreit.
    Und siehe, es sollten die neuen Gruppen
    als alte im neuen Gewand sich entpuppen.

    Denn Thompson und Feit blieben fest dabei:
    Ist die Ordnung einer Gruppe nicht teilbar durch zwei,
    so ist sie zyklisch oder lässt sich spalten.
    Das darf man für bare Münze halten!

    Doch damit war noch kein Ende gefunden.
    Fünf seltsame Gruppen im Raume stunden,
    die einstens Mathieu sich ausgedacht,
    hatten seither beträchtlichen Kummer gemacht.

    War’n sie vom Guten oder vom Bösen?
    Dies Rätsel suchte Janko zu lösen
    und stieß auf die Zahl – denn Eifer rächt sich –
    175560.

    Der Damm war gebrochen, die Schleusen offen,
    kein Ende der Gruppenflut mehr zu erhoffen:
    Mehr Gruppen von Conway, Fischer und Held
    McLaughlin, Suzuki und Higman und Sims.

    In der letzten Zeile war freilich ein Bruch.
    Doch das ist ganz einfach der Gruppen Fluch:
    Wo Anarchie und Chaos walten,
    da kann auch kein Reim sich im Lot mehr halten.

    Spektrum der Wissenschaft, September 1986
    Daniel Gorenstein: Die Klassifikation der endlichen einfachen Gruppen
    (Die zentrale Frage der Gruppentheorie ist nun beantwortet.)

    Spektrum der Wissenschaft, Mai 2008
    Marcus du Sautoy: Alle Symmetrien der Welt
    (Der Abel-Preis geht an Thompson und Tits.)

    Danke liebe Redakteure für 30 Jahre spannende Einblicke.
  • Schwierige Themen verständlich dargestellt

    01.08.2008, Andreas Rychen, Münchenbuchsee, Schweiz
    Ich besitze sämtliche Ausgaben von Spektrum der Wissenschaft von der Erst-Edition bis zur Gegenwart.

    Als Mathematiker bin ich sehr dankbar für das Bemühen, schwierige Themen in verständlichen Texten und Bildern darzustellen. Als Beispiele möchte vor allem hervorheben:
    • Beweis des Vierfarbensatzes, Erst-Edition 1978
    • Das Fermatsche Theorem, Dezember 1978 (damals noch nicht bewiesen)
    • Die Mathematik neuer Verschlüsselungssysteme, Oktober 1979
    • Über Monstergruppen, August 1980
    • Georg Cantor und die Mächtigkeit von Mengen, August 1983 (Kontinuumshypothese)
    • Die Lösung des Fermatschen Rätsels, Januar 1998 (auch Aug. 1993 und Sept. 2004)
    • Die Lösung eines Jahrhundertproblems, September 2004 (Poincaré’sche Vermutung)

    Ich gratuliere den Redaktoren zu ihrer Arbeit, sie bieten Aufklärung im besten Sinne.
  • Fehler

    01.08.2008, Karl Bednarik
    Zitat:
    "Diese oszillierenden Elektronen
    senden dann genauso kurze Blitze
    im extremen Ultraviolettbereich aus – drei
    pro Infrarotphoton."

    Es ist energetisch völlig unmöglich, daß aus einem Infrarotphoton auch nur ein einziges Ultraviolettphoton entsteht.


    Antwort der Redaktion:
    Herr Bednarik hat natürlich recht. Es hätte richtig "drei pro Infrarotpuls" heißen müssen. Wir bedauern den Fehler.
  • Das "Spektrum" als Fenster in die Welt der Wissenschaft

    31.07.2008, G. Matthiessen
    Ich habe mich in der Schule schon immer für die ernsthafte populäre Darstellung von Wissenschaft interessiert. Zuerst hatte ich den "Kosmos" abonniert - der aber für meinen Geschmack zu stark auf den Bereich der "Naturkunde" im klassischen Sinne ausgerichtet war (Botanik, Zoologie, Geologie, etwas Astronomie).

    Für mich war der "Scientific American" seit der Oberstufe im Gymnasium ein Fenster zur Wissenschaft - und auch ein Fenster in die weite Welt. Ich hatte diese Zeitschrift längere Zeit immer wieder abonniert (musste jeweils jährlich verlängert werden).

    Besonders fasziniert war ich von dem Sonderheft über "Mathematics", da ich dort vieles erfahren konnte, worüber ich in der Schule noch nichts gehört hatte.
    Weitere interessante Themenstellungen waren für mich die Entwicklung der modernen Physik, viele Artikel über die sprachliche und kulturelle Entwicklung der menschlichen Gesellschaft - und natürlich die Anwendungen der Mathematik, die mathematischen Spielereien und Rätsel und solche abenteuerlichen Entdeckungen wie die der asymmetrischen kryptologischen Verfahren Ende der 70er Jahre, worüber ich zuerst in Scientific American erfuhr.

    Von daher war ich gespannt (und skeptisch) auf das Projekt eines "deutschen Scientific American".

    Das Konzept hat mich dann aber überzeugt und seit fast dreißig Jahren bin ich Abonnent des "Spektrums" und lese weiterhin fast alle Artikel.

    Mit freundlichen Grüßen
    Prof. Dr. Günter Matthiessen
  • Bei den Haaren herbeigezogen

    30.07.2008, Wilhelm Baumgartner
    Ich finde die Idee, Sprachenreichtum und Religionenvielfalt auf das Wirken von Krankheitserregern zurückzuführen, "bei den Haaren herbeigezogen".

    Auf der Suche nach neuen Lebensräumen zogen relativ kleine Gesellschaften aus und verloren den Kontakt zueinander. Sprache passt sich mit der Zeit den Lebensbedingungen an, und die waren natürlich sehr verschieden: Wüste, Urwald, Polarregion ... Außerdem wissen wir, dass auch Zwillinge in kürzester Zeit ihre eigene Sprache entwickeln.

    Zudem ist es sehr fragwürdig, ob Menschen früherer Jahrtausende den Kontakt mit womöglich infizierten Personen zu reduzieren trachteten, da man noch zu Zeiten der Pest in Europa keine Ahnung von Übertragungsmechanismen hatte. Die Isolation zwischen verschiedenen Teilgruppen geschah sicher nicht aus Angst vor Parasiten, sondern durch die großen Distanzen, die früher nicht durch rasche Transportmöglichkeiten überbrückt werden konnten.

    Bei der Auswertung wurde die Entwicklungsstufe der Gemeinschaften nicht berücksichtigt. In den großen Industriegesellschaften haben schon lange Vereinheitlichungsprozesse stattgefunden, die gesellschaftliche und religiöse Aspekte betreffen. Zugleich wurde durch das zunehmende hygienische Niveau das Parasitenproblem in den Hintergrund gedrängt. Hygiene und höherer Wohlstand (Verkehrsmittel) sind für kleine und auch isoliert lebende Wildbeutergemeinschaften kaum erreichbar, was den Zusammenhang zwischen vielfältiger Individualität und Parasitengefahr erklärt.
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