Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Auswahl besonderer Charaktere?

    28.11.2008, Dr. Peter Boppel, Warburg
    Es ist die Frage, ob die nachträgliche Darstellung Zimbardos über die Auswahl der Versuchspersonen so zutrifft.
    Aus einer Untersuchung, die an der Western Kentucky University durchgeführt wurde und in Gehirn&Geist 7-8/2007, S. 11, nachzulesen ist, ergab sich, die Teilnehmer an Zimbardos Studie könnten doch per Annoncen-Wortwahl eine Auswahl besonderer Charaktere gewesen sein.

    Auch ist die Charakterisierung "aus gutem Hause" keine Sicherheit für friedvolle Persönlichkeit.
  • Fehler

    28.11.2008, Vier, Bernd-Dortmund
    Guten Abend,
    der Rezensent schreibt "Insgesamt sind wir jedoch wohl noch Lichtjahre von einer Theorie des Bewusstseins entfernt. Das illustriert auch der Vergleich der Anzahl der Neuronen in unserem Gehirn und der Sterne im Weltall: Beides sind hochkomplexe Systeme, beide besitzen 1011 Elemente - und beide sind noch lange nicht endgültig verstanden."

    Hier ist der Rezensent aber Lichtjahre von den tatsächlichen Größenordnungen im Weltall entfernt, denn es gibt alleine in unserer Galaxis (Milchstraße) ca. 1011 Sterne.

    Im gesamten Weltall soll es ca. 1011 Galaxien mit durchschnittlich 1011 Sternen pro Galaxis geben.

    Allerdings letztlich alles unvorstellbar.

    MfG
    Vier
  • Mit Goethes Worten

    27.11.2008, Eva Reineke, Murnau
    Zum 30. Geburtstag Ihrer Zeitschrift:


    Die nachfolgenden Zeilen von J. W. von Goethe zur Ausbreitung der Wissenschaft, welches ja stets Ihr Ziel ist und bestens gelingt, werden Ihnen gefallen und passen trefflich in Ihre Arbeit:


    "... ich wünschte, daß ich einigermaßen etwas zu der Verbesserung des Geschmacks in meinem Lande, zur Ausbreitung der Wissenschaft beitragen könnte. Denn sie sind's allein, die uns mit anderen Nationen verbinden, sie sind's die aus den entferntesten Geistern Freunde machen und die angenehmste Vereinigung unter denen selbst erhalten, die leider durch Staatsverhältnisse öfters getrennt werden..." [Clavigo A II, Haus des Clavigo/Clavigo].


    Ich wünsche Ihnen weiterhin viele gute Gedanken zur rechten Zeit sowie Freude und Erfolg an Ihrem täglichen Tun im Kreise all Ihrer Kollegen.


  • Fehlendes Exemplar noch bekommen

    27.11.2008, Horst Rötteken
    Nachdem so viele Leser ihre "Erste Stunde"-Leserschaft bekundet haben, möchte ich verspätet nicht außen vor bleiben. Ich habe alle Bände seit 1979 in Leder. Das schmale Heft - 1978-Band - hat eine spezielle Geschichte:


    Nachdem ich mit LARS nach dem Begriff "Automatisierung" gesucht hatte, wurde der Artikel "Die Tomate" gefunden. Als begeisterter Hobbygärtner und -koch hätte ich diesen Artikel garantiert im Gedächtnis gehabt. In dem gerade nachträglich gebundenen Buch fehlte das Novemberheft! Das war ca. 1990 und für mich unerträglich. Die ganze Sammlung war plötzlich wertlos. Aber Ihre damalige Leserbetreuerin hat gesucht und das letzte, etwas verbeulte Exemplar gefunden und mir kostenlos zugeschickt. Den 1978-Band noch einmal binden zu lassen war mir dann die Sache dreimal wert.

    Dass ich Ihre Zeitschrift extrem schätze und ich sie zu jedem Monatsende sehnlichst erwarte, brauche ich bei dieser Story wohl nicht extra zu erwähnen. Machen Sie weiter so, auch wenn jetzt langsam Regalerweiterungen notwendig sind.
    Vielen Dank.
  • Ionische Flüssigkeiten

    26.11.2008, Prof. W. Arlt, Uni Erlangen
    Wie alle anderen Flüssigkeiten haben natürlich auch Ionische Flüssigkeiten (IL) einen Dampfdruck, Herr Puchta irrt also mit seiner Feststellung.
    Allerdings ist der Dampfdruck sehr klein, so dass ILs einen "vernachlässigbaren Dampfdruck" haben.
  • Berechnungsprogramm für die Auswirkungen von Einschlägen

    25.11.2008, Hans, Hamburg
    Ein interessanter Artikel. Das Lunar and Planetary Laboratory der Universität Arizona stellt ein Berechnungsprogramm
    zu den Auswirkungen eines Einschlags auf seiner Webseite zur Verfüung: http://www.lpl.arizona.edu/impacteffects/. Sehr informativ. Empfehlenswert ist auch die dort verlinkte Fachpublikation, die das Programm beschreibt.
  • Mehr Mathematik, bitte!

    24.11.2008, Michael Pfrenger, Sonthofen
    Vielen Dank für die aktuelle Serie zur Mathematik. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch danach regelmäßig Artikel zu mathematischen Themen bringen könnten, insbesondere wie Mathematik in der Praxis angewendet wird. Als Lehrer für Mathematik interessiere ich mich dafür und denke, dass es auch wichtig ist, Schülern weiterzugeben, wofür sie Mathematik eigentlich benötigen. Und dazu können Ihre Artikel einen guten Beitrag leisten.
  • Lage Baikalsee

    24.11.2008, Dr. Peter Notni, Jena
    In der Landkarte auf S. 66 muss es (rechts oben) statt Baikalsee Balchaschsee heißen, der Baikalsee liegt noch beträchtlich weiter östlich.
  • Mathematik nur für Mathematiker?

    21.11.2008, Dr. Jasmin Bajric
    Seit nunmehr als zwei Jahrzehnten lese ich Ihre Zeitschrift und stelle dabei leider fest, dass insbesondere die Rubrik "Mathematische Unterhaltungen" (aber auch sonstige Beiträge zur Mathematik!) sich von meiner Schulmathematik immer weiter entfernt. Die Themen und deren Erklärungen im Text erscheinen mir immer mehr etwas für Mathematiker mit Mindest-Qualifikation "Diplom" zu sein. Das mag die Mathematiker unter den Lesern freuen, aber der große Rest geht dabei leer aus. Immer häufiger bleibt nach dem Lesen eines mathematischen Artikels ein frustrierendes Gefühl zurück, es mal wieder nicht verstanden zu haben. Das liegt sicher nicht an meinem Ehrgeiz oder mangelndem Interesse – aber als jemand, der sich nicht täglich mit der aktuell an Universitäten gelehrten und erforschten Mathematik beschäftigt, finde ich diese Entwicklung sehr traurig.

    Wäre es nicht an der Zeit, sich an Autoren wie Martin Gardner zu erinnern und eine verblüfende Mathematik zu präsentieren, die Otto Nicht-Mathematiker auch mit Hausmitteln (Schulmathematik) zu verstehen vermag? Und wenn es nun einmal nicht so einfach ist, dann wäre doch hier und da wenigstens ein kleiner Exkurs hilfreich, der die Kluft zwischen vor Jahrzehnten gelernter Schulmathematik und dem aktuellem Beitrag verkleinern hilft: als eine kleine Auffrischung der benötigten Methoden auf niedrigem Niveau.
    Sonst bleibt für den Nicht-Mathematiker nur noch die ahnungslose Bewunderung der Abbildungen und das Gefühl, zu dumm zu sein.


    Also meine Forderung: Mehr erklärende Exkurse, Beispiele (auch Programmierbeispiele – wenn man sich damit Sachverhalte selber besser klarmachen kann), und auch ruhig ein paar erklärende Formeln – auch wenn die Fachkollegen über solche Trivialitäten die Stirn runzeln.

    Antwort der Redaktion:
    Die Forderung will ich mir sehr zu Herzen nehmen – ist es doch unser oberstes Ziel, Wissenschaft im Allgemeinen und Mathematik im Besonderen auch dem Amateur begreiflich und zugänglich zu machen.


    Was die laufende Serie "Große Probleme" angeht, stößt das Bemühen um mehr Erklärung sehr schnell an Platzgrenzen. So wie es aussieht, möchten sich die Leser mehr als 8 Seiten mit diesem Thema nicht antun, auch wenn es auf, sagen wir, 12 Seiten dann alles viel einleuchtender wäre.


    Was die Bilder unseres Mathematik-Kunst-Wettbewerbs angeht: Meine Erläuterungen gehen über den Schulstoff nicht hinaus; nur merkt man das nicht unbedingt auf den ersten Blick. Für den Einsteiger empfiehlt es sich, zunächst hemmungslos mit dem Programm herumzuspielen. Man bekommt dann ein gewisses Gefühl dafür, wie die "Maschine" dieses Programms arbeitet, und freut sich hernach (hoffentlich), genau diese Gefühle im Text in Worte gefasst zu finden. Die auf der Website zum Wettbewerb angegebenen Artikel sind eher zur Vertiefung als zum Einstieg geeignet.


    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Die Vorbildwirkung

    21.11.2008, Berthold Arndt, Klötze
    Der Beitrag über Graffitis zeigt, dass wir alle Vorbilder für unsere Mitmenschen sind - im positiven wie im negativen Sinne.
    Wir sollten dies stets bedenken, denn wir tragen auch so Verantwortung - besonders gegenüber Kindern.
    Wo die Sitten verrohen, geht auch das Wir-Gefühl in einem Volke verloren, und wir handeln dadurch weniger altruistisch.
  • Wie wird das Blut der Rh-Negativen entsäuert?

    20.11.2008, Liane Mayer, Wien
    Heißt das, wenn ich Rhesus-negativ bin, habe ich ein saureres Blut? Oder haben auch Rh-negative Menschen Rhesusproteine im Blut, nur halt andere?
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Frau Mayer,



    keine Sorge! Das "Rhesussystem" besteht aus mehreren Proteinen und die Bezeichnung "Rhesus-negativ" bezieht sich im allgemeinen Sprachgebrauch nur auf das Fehlen eines dieser Antigene (genauer, dem besonders wichtigen Rhesusfaktor-D-Antigen). Dieses Protein hat allerdings recht wenig mit dem im Artikel angesprochenen Rhgc zu tun (außer, dass es sich eben bei beiden um einen der mehreren Bestandteile des "Rhesussystems" handelt).



    Die Forscher aber sind immerhin der Meinung, dass - falls sich ihre an Mäusen gewonnen Erkenntnisse auf Menschen übertragen lassen - dann das Fehlen des humanen Analogons des Mäuse-Rhcg auch bei solchen Menschen zu einem etwas saureren Blut und anderen Folgen führen könnte. Darüber müssen sich Rhesus-negative aber keine großen Gedanken machen.



    Übrigens: Man weiß zwar längst einiges über die medizinischen Folgen von Rhesussystem-Inkompatibilitäten bei Menschen - welche Aufgabe das Rhesusfaktor-D-Antigen aber im Körper der Rhesus-positiven eigentlich erfüllt, darüber herrscht immer noch wissenschaftliche Uneinigkeit.



    Mit freundlichen Grüßen
    Jan Osterkamp, Redaktion spektrumdirekt
  • Wirklich?

    19.11.2008, Peter Gisder
    Hm - ein Teenager ist lt. Definition jemand, der zwischen 13 und 19 Jahre alt ist... ;-)
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Gisder,



    da haben Sie natürlich recht. Ich ersetze die nicht ganz ernstgemeinte Überschrift "Raumstation wird Teenager" - und hebe sie mir bis zur passenden Gelegenheit in drei Jahren auf ... ;-)



    Mit freundlichen Grüßen,

    Jan Osterkamp, Redaktion spektrumdirekt
  • Ökonomie des Weltuntergangs

    19.11.2008, Theo Porz
    Am Ende des Artikels wird über die Ökonomie einer Rettungsmaßnahme gegen einen hypothetischen Einschlag diskutiert, der Florida in 200 Jahren zerstören könnte. Aus ökonomischer Sicht macht eine Rettung keinen Sinn, heißt es da.
    Ich weiß nicht recht, in wie weit ich darüber lachen oder verzweifeln will.
    Abgesehen davon, dass eine jede Regierung für das Wohl ihrer Bürger einstehen sollte, sollte auch eine Wirtschaft dafür da sein, der Menschheit Gutes zu tun und nicht nur Profit zu erwirtschaften.
  • As seen on TV

    19.11.2008, M.Leute
    Genau dieses Verhalten war gestern in der WDR-Dokumentation Abenteuer Erde zu sehen, Folge: Cloud - Ein wilder Hengst in den Rocky Mountains. Nur war das Opfer in diesem Fall ein schwächliches Fohlen, das nach der Geburt nicht auf die Beine gekommen war und damit auch nicht der Mutter folgen konnte, als der Familienverband einer anderen Herde auswich, deren Leithengst dann prompt das Fohlen attackierte und es tötete.
  • Mehr Platz in den Stundentafeln für das Schulfach Geographie

    17.11.2008, Prof. Dr. Ingrid Hemmer, 85071 Eichstätt
    Prof. Dr. Jacoby stellt in seinem Artikel eindrucksvoll die Bedeutung der Geowissenschaften für die Gesellschaft in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dar, wobei er insbesondere auf die Vernetzung zwischen Mensch und Erde in einer begrenzten, sich verändernden Umwelt hinweist (global change). Bemängelt wird, dass Einzelheiten in den Geowissenschaften gut untersucht sind, die „große Zusammenschau“ aber fehlt. Dann fordert er systemübergreifende Lösungen (S. 104,105) und weist auf immer noch vorhandene Lücken in der interdisziplinären Zusammenarbeit hin. Bei der Auflistung der einzelnen Disziplinen der Geowissenschaften vermissen wir allerdings eine Wissenschaft, der wesentliche Beiträge zur Erkenntnis und Lösung von Problemen gerade im Mensch-Umwelt-System zu verdanken sind: die Geographie, und bezogen auf die Geowissenschaften die Physische Geographie, die in etlichen relevanten Bereichen wie beispielsweise Bodendegradation, Hydrologie und Hochwasser sowie Klimaforschung wichtige Arbeiten beigetragen hat.

    Am Ende seines Beitrages schreibt Prof. Dr. Jacoby, dass es wünschenswert sei, dass die Geowissenschaften endlich als Fach in der Schule unterrichtet werden. Wir möchten darauf hinweisen, dass das Schulfach Geographie das Zentrierungsfach der Geowissenschaften ist, in dem die „große Zusammenschau“ inklusive der menschlichen Faktoren möglich ist und praktiziert wird. Auf diesen Konsens haben sich die führenden Verbände der Geowissenschaften und der Geographie bereits in der Leipziger Erklärung (1996) und dann erneut im Jahr 2004 verständigt und ihre diesbezüglichen Initiativen in der Fachsektion Geodidaktik der GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung zusammengeführt. Die Mitglieder der Fachsektion arbeiten seit vier Jahren an der Umsetzung ihres Zieles, die Geographie unter besonderer Berücksichtigung der Physischen Geographie und der Geowissenschaften an den Schulen zu stärken. Und hier besteht tatsächlich noch Änderungsbedarf: Das Schulfach Geographie/Erdkunde musste in den vergangenen Jahrzehnten in den meisten Bundesländern Kürzungen in der Stundenzahl bis zum Totalausfall in einzelnen Klassenstufen hinnehmen. In einzelnen Bundesländern waren die Themen zu einem größeren Anteil humangeographisch ausgerichtet und in einzelnen Fällen wurde die Geographie in einseitig auf Gesellschaftswissenschaften ausgerichtete Verbundfächer integriert.

    Erste Ergebnisse der Arbeit der Fachsektion Geodidaktik schlugen sich jedoch bereits in den nationalen Bildungsstandards Geographie für den mittleren Schulabschluss (vgl. download-Version www.geographie.de) nieder. Hierbei ist besonders die explizit gleiche Gewichtung der Physischen Geographie und der Humangeographie sowie die Betonung der Bedeutung der Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und Umwelt zu nennen. An vielen Stellen, beginnend mit den Ausführungen
    zum Bildungsbeitrag, wird explizit auf die Geowissenschaften verwiesen. Bei der Konzeption des Aufgabenbeispiels Nr. 2 „Erdbeben“, in das zentrale Aspekte der von Jacoby dargelegten Theorie der Plattentektonik integriert sind, wurde der Geowissenschaftler Prof. Dr. Martin Meschede beratend zugezogen. Weitere Aufgabenbeispiele widmen sich z.B. dem Klimawandel, der Bodenverdichtung, der Abholzung des Tropischen Regenwaldes und dem Staudammbau in China. Auch bei der Entwicklung der „KMK-Standards“ für die Lehrerbildung im Fach Geographie (2008) wurden geowissenschaftliche Inhalte berücksichtigt.

    Die Umsetzung an den Schulen wird durch engagierte Lehrer als Multiplikatoren unterstützt. Der Lehreraus- und -fortbildung ist in besonderem Maße Aufmerksamkeit zu schenken, da die Lehrer aktiv an den Veränderungen beteiligt werden müssen. Um sie noch mehr für die Geowissenschaften zu interessieren, wurde u.a. das fächerübergreifende Projekt „Coole Klassen – Schulprojekte im Internationalen Polarjahr 2007/08“ initiiert, in dem sich bundesweit Lehrer der Fächer Geographie, Biologie, Physik, Chemie und Sozialwissenschaften engagieren. Lehrer und Wissenschaftler arbeiten erfolgreich zusammen, und aktuelle, wissenschaftliche Ergebnisse werden direkt in die Schulen transferiert. Die Nachhaltigkeit des Projekts wird in dem neu gegründeten Arbeitskreis „Polarlehrer“ in der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung gewährleistet.

    Das Problem liegt derzeit also nicht darin, dass es kein Schulfach gibt, das geowissenschaftliche Inhalte vertritt, sondern dass das vorhandene Fach Geographie mit seinen für die Menschheit hochrelevanten Inhalten derzeit bildungspolitisch zu wenig Aufmerksamkeit findet. Die Forderung an die bildungspolitischen Entscheidungsträger in den Bundesländern muss daher lauten: Mehr Platz in den Stundentafeln für das Schulfach Geographie, um eine intensivere Behandlung der wichtigen geographischen/geowissenschaftlichen Inhalte, insbesondere auch der „global-change-Themen“ zu ermöglichen.


    Prof. Dr. Ingrid Hemmer
    gez. Dr. Sylke Hlawatsch

    Vorsitzende der Sektion Geodidaktik
    GeoUnion
    Alfred-Wegener-Stiftung

    gez. Dr. Rainer Lehrmann
    Projektkoordinator „Coole Klassen“


    Antwort der Redaktion:
    Erwiderung des Autors



    Mein Beitrag über die Dynamik der Erde und den Umgang mit menschengemachten Gefahren und Risiken schloss mit „...Verantwortung jedes Einzelnen für unsere Erde. Dafür wäre es wünschenswert, dass ein Fach, das sicher ebenso wichtig ist wie Physik, Chemie und Biologie, endlich auch in der Schule unterrichtet wird.“ Damit habe ich – nicht ganz unbeabsichtigt – den Kommentar provoziert, der auf die Rolle des Schulfachs Geographie/Erdkunde als „Zentrierungsfach der Geowissenschaften“ und auf aktuelle Bemühungen hinweist, mehr „Geo“ in den Geographieunterricht einzubringen. Ohne auf all die notwendigen und begrüßenswerten Bemühungen einzugehen, der physischen Geographie und der Geologie (den Geowissenschaften) mehr Gewicht im Schulunterricht zu geben, sehe ich das Grundproblem als auf diese Weise unlösbar an. Wieso?



    Um es überspitzt zu sagen: dem „durchschnittlich gebildeten“ deutschen Abiturienten sind die Geowissenschaften (oder die „Geologie“ im weitesten Sinn) als selbständige und ebenbürtige Naturwissenschaft neben Physik, Chemie und Biologie weitgehend unbewusst. Der Grund kann nur darin liegen, dass es in der Schule das Fach nicht gibt. Mitvertretung, wenn überhaupt, durch das Fach Geographie, ist eine „Behandlung“, die den Eindruck der Nebensächlichkeit erweckt. Konsequenz: die Geowissenschaften werden oft einfach vergessen, z.B. wenn Entscheidungsträger Expertengremien zusammenstellen. Einzelfälle sind oft aufschlussreicher als ganze Lehrpläne; 2008: Diktat eines Lehrers in Freiburg: „Es gibt drei Naturwissenschaften: Physik, Chemie und Biologie“; zu Rede gestellt: Aber das steht so in allen Büchern!“ (die Geographie wurde offensichtlich auch nicht dazu gezählt). 2008, Rheinland-Pfalz, Abitursklasse: „ein halbes Jahr lang haben wir in Geographie § 218 diskutiert!“



    Quintessenz: die naturwissenschaftlich arbeitenden Geo-Disziplinen („Geologie“) werden von der Schulgeographie nicht adäquat vertreten und gehen dabei unter – im Bewusstsein der Schüler und späteren Abiturienten. Das ist einfach so. Ich beobachte es täglich. Ich treffe selten Ausnahmen.



    Es geht mir daher nicht nur um Korrekturen am heute üblichen Geographieunterricht sondern um Unterricht in der vierten Naturwissenschaft „Geologie“ in ihrer Gesamtheit (klassische Geologie, Geophysik, Geochemie, Mineralogie, Paläontologie, physische Geographie mit Bodenkunde, Hydrologie und statistische Klimatologie, ferner Meteorologie, physikalische Klimatologie, Ozeanographie). Das ist keine „unmögliche“ Forderung, wenn man damit nicht meint, dass von all dem möglichst „alles“ „gelernt“ werden muss, aber diese Einschränkung gilt überall. Dass es geht, macht uns unser Nachbarland Frankreich vor, wo Geologie und physische Geographie zum Block Naturwissenschaften gehören, während die Humangeographie zu den Humanwissenschaften gehört. Schließlich wurde die Geographie früher auch bei uns mit mehr geologischen Inhalten gelehrt. – Oder wie wäre es wenigstens mit einem Fach wie etwa „Geologie/Geographie“?



    „Besitzstände“ und alte Gewohnheiten stehen dem im Wege. Man sagt mir, dass die Fachverbände mit allen Mitteln um möglichst viel Raum in der „Stundentafel“ kämpfen, und man wird mir vorwerfen, ich täte ja auch nichts Anderes. Meine Forderung ist jedoch sachlich begründet mit dem, was der Mensch in seiner Masse mit Technik und Konsum mit dem Lebensraum Erde anstellt. Das fordert schleunigst eine Bewusstseinsänderung, möglichst innerhalb einer Generation, nicht erst infolge einer plötzlichen Katastrophe. Schwarzmalerei? Gesellschaften verhalten sich ähnlich wie instabile, chaotische Systeme, und Umbrüche geschehen in der Regel in Revolutionen. Um das zu verstehen, brauchen wir auch die Fächer Geschichte, Humangeographie, Ethik (Religion). Die Schule muss Grundlagen für das Verstehen der großen Zusammenhänge legen – umfangreiches Spezialwissen zu vermitteln, ist nicht ihre Aufgabe! Trennung in „Geographie“ und „Geowissenschaften“ (und nicht nur in diese) ist künstlich. Alle „Geowissenschaften“ sind raumbezogen, haben „geographische Aspekte“, nicht nur die der Physischen Geographie, und die Vermessung der geographischen Koordinaten obliegt der Geodäsie. Alle Wissenschaft ist Menschenwerk und hat immer auch humangeographische Aspekte. Die sachlichen und traditionellen Gesichtspunkte, nach denen sich Forschung und Lehre organisieren, müssen immer wieder hinterfragt werden. Und wir müssen die Aufgabe als eine gemeinsame sehen und im Geiste der Zusammenarbeit sinnvoll aufteilen. Utopie?



    Es geht also eigentlich um viel mehr, als um Schule an sich, aber Schule – und Elternhaus – haben eine Schlüsselrolle auch für einen vernünftigen Umgang mit der Erde im Rahmen einer umfassend vernünftigen „gesellschaftlichen Umwelt“. Ein wichtiger Schritt wäre eine bessere, sachlich begründete Struktur des Schulunterrichts mit mehr Platz für die „Geobildung“. Die verantwortlichen Minister und Ministerinnen sind gefragt. Wenn hier kein „Machtwort“ gesprochen wird, werden wir alles weiterhin nur „zerreden“. Es geht hier nicht um zu vermittelndes nützliches Wissen sondern um das Grundverständnis unserer Spezies auf diesem unseren einzigen Planeten, um Verantwortung des Einzelnen und der Gesellschaft, um das persönliche Engagement für das Wohlergehen aller, das noch wichtiger ist als Aktivitäten von Institutionen, so wichtig diese auch sind.



    Meine Sicht weist über die heutige Realität hinaus, die von den Briefautoren dargelegt wird. Meine Perspektive orientiert sich an Notwendigkeiten, nicht an Gegebenheiten und will diese überwinden. Wie, ist dabei zweitrangig. Man sollte sich nicht selbst verbieten, über die „Realität“ hinauszudenken. Über neue Curricula muss man objektiv und in Ruhe sprechen, ohne Hickhack und das übliche Konkurrenzdenken. Ich bin überzeugt, dass das mit gutem Willen geht. Optimismus? In diesem Punkte; ja! Konflikte können auf diese Weise und in gegenseitigem Respekt gelöst werden. Es wäre fatal, wenn die „Realität“ nur als Machtkampf und Austricksen erlebt und verstanden werden müsste. Meine Perspektive ist kooperative Konfliktbewältigung.



    In der Hoffnung, dass sich mehr Lehrer mehr engagieren und mehr Mitbürger mehr und mehr erkennen, dass klimaschädliche Gewohnheiten geändert werden müssen, danke ich den Kollegen, Prof. Hemmer, Dr. Hlawatsch und Dr. Lehrmann für ihre Kommentare und den Anstoß zu einer überfälligen Diskussion