Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Der Wert von Medizin

    12.05.2008, Dr. C. Monnerjahn, Magdeburg
    Das Entscheidende ist die Frage am Schluß: Kann es passieren, daß billigere Arzneimittel - z.B. Generika - nicht wirken, weil der Patient rein aus Kostengründen nicht daran glaubt? Klare Nachweise von solchen psychologischen Effekten unabhängig von den üblichen Bioäquivalenz-Studien dürften allerdings ziemlich schwierig sein. Die Generika-Industrie verkauft ihre Produkte ja gerade mit dem Argument "gleiche Qualität - geringerer Preis" und ist damit auch erfolgreich. Somit bleibt die Frage, ob das Ergebnis dieser Studie wirklich allgemeingültig ist.
    Eigentlich sollte man vermuten, daß die Sparsamkeit der Menschen gegen eine solche Tendenz spricht. Allgemein dominiert in der Werbung das Argument der geringen Kosten und hat vor allem im Lebensmittel-Bereich in Deutschland den Siegeszug der Billig-Discounter begündet. Gelten bei Lebensmitteln andere Regeln als bei Medikamenten? Oder eher bei Status-Effekten: Ich kann (muß?) mir ein teures Medikament leisten, also hilft es auch - ähnlich wie: Dieser Wein kostet 100 Euro, der muß aber gut sein!?
  • Zukunft

    09.05.2008, Leo Allmann, Augsburg
    Zu "Die Zukunft des Universums werden wir nicht mehr erleben." (von Hermann Schultze, Frankfurt - Leserbrief in Spektrum der Wissenschaft vom 6.5.2008)

    Heute können selbst die schlauesten Schlaumeier nicht wissen, wie wir uns in den nächsten Jahrtausenden und Jahrmillionen weiter entwickeln werden. Noch weniger als die Geistesgrößen des Altertums wissen konnten, wie die menschliche Welt von heute aussieht.

    Also bevor in soundsoviel Jahrmilliarden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die einen oder anderen "Lichter ausgehen", ist noch reichlich Luft für sehr Unwahrscheinliches. Das möchte ich allzu voreiligen Nihilisten zu bedenken geben.
  • Kampf den Zecken

    07.05.2008, Steffen Tobisch
    Liebe Redaktion,

    vielen Dank für Ihren informativen Beitrag zum Thema Zecke, die durch diese übertragenen Krankheiten und die interessanten - aber noch im Forschungsstadium befindlichen - Ansätze zur Bekämpfung des Vektors! Da nun die Zeckensaison auch wieder in den Medien beginnt, ist es wichtig, gut recherchierte und sachlich richtige Artikel in den Medien lesen zu können. Leider wurde in den letzten Jahren und sicher auch wieder in der neuen "Kampagne" oft nicht klar zwischen den beiden durch Zecken übertragenen Krankheiten FSME und Borreliose unterschieden. Überschriften in großen Lettern wie zum Beispiel "Zeckenimpfstoff ist knapp ..." tragen zur Verunsicherung der Bevölkerung bei und sind nach unserer Meinung nicht hilfreich, da hier dem weit verbreiteten Irrtum, gegen Zecken kann man sich doch impfen lassen, Nahrung gegeben wird. Mit dieser Meinung werden wir auf unseren Infoveranstaltungen zur Borreliose leider immer wieder konfrontiert.

    Es gibt keinen "Impfstoff gegen Zecken" - wohl aber gegen FSME! Für Menschen, die in Nicht-Risikogebieten wohnen und auch keine Reisen in die vom Robert-Koch-Institut ausgewiesenen Gebiete planen, besteht auch nach Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts keine Notwendigkeit zur Impfung. Die leider auch durch die in den Medien falsch dargestellte Situation führt zu einer stark übertriebenen "Impfhysterie" der - doch sonst so impfmüden - Deutschen!

    Da man sich gegen Borreliose nicht impfen lassen kann, sind hier entsprechende Schutz-und Verhaltensmaßnahmen das Mittel des Prävention. Auf der Homepage der Borreliose-Initiative Berlin-Brandenburg (www.borreliose-initiative-berlin-brandenburg.de) können diese neben weiteren Informationen zur Borreliose heruntergeladen werden. Wir sind eine interdisziplinäre Interessengemeinschaft von Medizinern und Naturwissenschaftlern, die sich jeder auf seinem Fachgebiet schon seit vielen Jahren mit dem Thema Borreliose intensiv auseinandersetzen.


    Mit besten Grüßen

    Dr. Steffen Tobisch
    (Borreliose-Initiative Berlin-Brandenburg)
  • Sex, Glück und Ewigkeit

    06.05.2008, Reiner Vogels, Swisttal
    An und für sich entzieht sich die Frage nach dem Glück einer objektiv-wissenschaftlichen Behandlung. Die Antwort wird wohl immer von den Wertentscheidungen und Erfahrungen der einzelnen Subjekte abhängig sein. Daher kann ich zu den Leserbriefen von Edgar Dahl nur eine subjektive Antwort versuchen.

    1. Daß die Aufgabe des Menschen in dieser Welt vor allem unter dem biologischen Gesichtspunkt der Fortpflanzungsaufgabe zu bestimmen sei und daß "Mutter" Natur (eine für einen religionskritischen Philosophen erstaunlich mythologisierende Redeweise!) uns mit Glücksgefühlen zum Sex ködere, was dann wegen der Schwierigkeiten der Familiengründung, wie Eifersucht, Konkurrenz mit Nebenbuhlern etc. auch mit Unlusterfahrungen verbunden sei, ist m.E. eine allzu sehr verkürzte Sicht des Menschen.

    Der Mensch ist ein freies Wesen. Er hat es nicht nötig, sich den von irgendeiner anonymen Natur diktierten Lebenszielen zu verpflichten. Oder mit Sartre: Die Existenz geht der Essenz voraus. Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt.

    Wegen dieser existentiellen Grundsituation des Menschen wird irdisches Glück - wenn überhaupt! - nicht in der Befriedigung natürlicher Triebe zu finden sein, sondern im Erreichen der Ziele, die der selbstbestimmte, freie Mensch sich setzt. Kein Glück ohne Freiheit! Wer sich der Natur unterwirft, unterwirft sich einem anonymen und gegenüber dem eigenen menschlichen Geschick vollkommen gleichgültigen Konglomerat von Naturgesetzen. Ich jedenfalls bin ein freier Mensch, und wenn ich mich unterwerfe, dann nicht den blinden Mächten der Natur, sondern dem Willen Gottes, und zwar freiwillig.

    2. Im Gegensatz zu Dahl halte ich daran fest, daß es kein wirkliches Glück geben kann ohne das Wissen um seine Dauer. Ein junger Mensch mag das noch nicht in aller Schärfe und Bitterkeit empfinden, Ältere wissen das sehr wohl. Dahl selbst zitiert die richtige Erkenntnis Nietzsches: "Alle Lust will Ewigkeit." Der Mensch kann nicht einfach zukunftslos im schönen Augenblick ("Verweile doch, du bist so schön") leben und glücklich sein wie der Fisch im Wasser.

    Das liegt nicht nur daran, daß er, auch wenn es ihm selbst gut geht, mitleidet mit den Leidenden und Unterdrückten dieser Erde und von dem unübersehbaren Elend dieser Welt nicht absehen kann, sondern das hat einen sehr viel tiefer liegenden anthropologischen Grund: Der Mensch wird in seinem Leben niemals satt. Er ist immer aus auf mehr. Selbst wenn er alles erreicht hat, wenn er zu Wohlstand gekommen ist, in einer fröhlichen Familie lebt, wenn er Ansehen bei den Menschen gewonnen hat, Freunde hat und gesund ist, wird er sich fragen: "Ist es das? Ist das alles?" Dieses nimmerruhende Fragen erlaubt ihm kein wirkliches Glücklichsein. Der Mensch ist ein einziger Verweis über sich selbst hinaus, und deshalb wird es Dahl und seinen Mitstreitern nicht gelingen, die Religion abzuschaffen.
  • Eigenschaften einer Wellenverzweigung

    06.05.2008, Prof. Dr.-Ing. Walter Buck, Rudersberg
    Es widerspricht meiner Erfahrung, wenn sich eine Welle ohne Rückwirkung verzweigen soll. Die genaue Berechnung zeigt dann, dass das Gebiet, in welches die Teilwellen eintreten, nicht dieselben Eigenschaften haben kann wie das Herkunftsgebiet.

    Als Beispiel dient das einfache Problem des Dreitors. Eine eintretende Welle kann nur dann ohne Reflexion aufgespaltet werden, wenn beispielsweise der weiterführende Wellenleiter den halben Querschnitt hat. Die korrekte Betrachtung zeigt, dass es bei der Aufspaltung immer ein verstecktes viertes Tor gibt, durch das eine weitere Welle eintreten kann, die ebenfalls aufgespaltet wird, und zwar im umgekehrten Verhältnis zur ersten Welle. Dies folgt auch aus der Betrachtung des thermischen Rauschens.
    Grafik 2
    Angewendet auf die Verzweigungen der Quantenphysik, müssten zu jedem Paar neuer Welten zwei "Elternwelten" existieren. Die Pfade in die Vergangenheit würden sich also genauso aufspalten wie diejenigen in die Zukunft. Im zugehörigen Zustandsraum entspricht dies einer Drehung des Koordinatensystems.
    Grafik 1
    Anders gesehen, müsste zu jeder Verzweigung eine passende zweite Welt zur Verfügung stehen. Angesichts der Überfüllung des Universums mit den jeweils neu entstehenden Welten sehe ich darin das geringste Problem. Nach sehr langer Zeit müssten zwangsweise Rekombinationen auftreten. Die zweite Welt würde sich allerdings zunächst meiner Beobachtung entziehen. Ich kann also das Ergebnis der Vermischung nicht vorhersagen!

    Weitere Konsequenzen ergäben sich daraus, dass sich die "Elternwelten" sehr ähnlich sein müssten, mit hoher Wahrscheinlichkeit sich also bereits in der Vergangenheit einmal berührt haben. Es ergäbe sich ein Netz ähnlich der als Butler-Matrix bekannten Zusammenschaltung von Antennenarrays.

    Mir ist das Risiko von Spekulationen in diesem Umfeld wohl bewusst. Die Eigenschaften einer Wellenverzweigung habe ich aber als so elementar erlebt, dass mich auch ein grundlegender Irrtum meinerseits interessieren würde.
  • Die Zukunft des Universums werden wir nicht mehr erleben

    06.05.2008, Hermann Schultze, Frankfurt
    Ganz schön, was da über das kosmische Vergessen geschrieben wird (Seite 24). Aber hat der Autor wohl auch daran gedacht, dass wir, also nicht nur die Menschen, sondern auch alles Leben, in ein paar Milliarden Jahren verglüht, verbrannt und daher nicht mehr am Leben sind. Wir können also nicht mehr die unendliche Leere erleben, weil es die "fernen Nachkommen" (in Kürze) längst nicht geben wird.

    Die Maßstäbe sind doch so: Abgesehen davon, dass der Homo sapiens, wie alle anderen Tier- und Pflanzenarten, in spätestens ein bis zwei Milliarden Jahren ausgestorben sein wird, verbrennt die Sonne die Erdoberfläche in spätestens vier Milliarden Jahren.

    Die Lichter werden im Universum in 100 000 Milliarden Jahren ausgehen, d.h. dann ist es dunkel und schwarz im Weltall.

    So besehen erscheint das alles nur noch sinnloser.
  • Unrichtigkeiten unterstellt

    06.05.2008, Dr. Karl Wulff, Schneverdingen
    Der Rezensent gibt zu, dass er von dem Thema, abgesehen von den mathematischen Aspekten, nichts versteht. Der direkte mathematische Teil dient ja nur als Argument. Es geht nicht so sehr konkret um die Geometrie, sondern um die ihr zu Grunde liegende Denkstruktur und den daraus abgeleiteten Begriff des „Theoretischen Gegenstandes“, der es uns Europäern erlaubte, bereits recht früh, wie der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz schon vor drei Jahrhunderten erkannte, „zu der Erkenntnis auch unstofflicher Dinge“ zu gelangen.
    Zudem unterstellt er mir fälschlicherweise diverse Unrichtigkeiten. Zwei Beispiele:

    1.Ich habe an keiner Stelle meines Buches behauptet, dass die chinesische Sprache keine Grammatik hätte. Das wäre ja auch totaler Blödsinn! Das klassische Chinesisch hat eine – von der unseren grundsätzlich verschiedene – Grammatik, aber die Chinesen hatten keine Grammatik des Chinesischen, d. h. kein Buch, das sich mit dieser Thematik befasst, so in meinem Buch auf S. 197.
    2.Die Universität war dafür verantwortlich, dass sich die Beschäftigung mit den Naturwissenschaften zu der Massenbewegung entwickelte, die sie heute darstellt. Für den Einklang von religiösem und rationalem Denken waren die Universitäten jedoch nicht verantwortlich. Hier liegt das Verdienst bei dem spätantiken Christentum und vor allem bei den Kirchenvätern.

    Antwort der Redaktion:
    Antwort des Rezensenten:

    Zutreffend ist, dass meine Formulierung über die Grammatik des alten Chinesisch schlecht ist. Meine sachlichen Einwände gegen die Darstellung der Mathematik und anderer Dinge (die Wulff zu bagatellisieren versucht) halte ich dagegen in vollem Umfang aufrecht. Ein Buch, das den Anspruch erhebt, über Naturwissenschaft aus der Perspektive der Naturwissenschaft zu schreiben (so das Vorwort), muss sich eben an diesem Anspruch messen lassen. Die Beurteilung des ganz großen Entwurfs habe ich mir nicht angemaßt, was für den Autor enttäuschend sein mag. Ob jemand dazu bereit gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln.

    Klaus Volkert
  • Vergisst das Universum Entropie ?

    05.05.2008, Dr. Thilo Weitzel, Bern
    Wie der Artikel beschreibt, führt die Ausdehnung des Raumes zur Ausbildung eines Ereignishorizontes, welcher für den jeweiligen Beobachter den Rand des Universums darstellt. Diese Situation wird auch als "umgestülptes Schwarzes Loch" beschrieben.

    Während unsere lokale Umgebung durch Gravitation zusammengehalten wird, verschwinden alle entfernteren Körper nach und nach hinter dem Ereignishorizont, beziehungsweise sammeln sich - vom Beobachter aus gesehen - mit ins Unendliche steigender Rotverschiebung am Horizont.

    Durch den Prozess wird damit nicht nur, wie im Artikel beschrieben, die im beobachtbaren Universum enthaltene Information nach oben begrenzt, sondern tatsächlich fällt dieser Informationsgehalt stetig ab.

    Information ist verknüpft mit Entropie. Das Universum besteht sozusagen aus Information, aber es lebt durch das Wachstum der Entropie.

    Schwarzen Löchern kann eine Temperatur zugeordnet werden und sie geben eingefangene Entropie im Laufe (sehr!) langer Zeit durch Hawkins-Strahlung und eine finale Explosion wieder ab. Ganz im Gegensatz dazu scheint sich der als Begrenzung des beobachtbaren Universums dargestellte Ereignishorizont jedoch immer weiter abzukühlen.

    Die Entropie des beobachtbaren Universums sollte daher in krassem Gegensatz zum 2. Hauptsatz ständig fallen, mit der geschilderten, für den späteren Beobachter kaum erklärbaren Folge, dass sich alle Materie um ihn herum konzentriert, statt sich in den unendlichen Weiten zu verlieren ...

    (Zu denken gibt dabei, dass auch von uns aus gesehen, das frühe Universum mit im Wortsinne "unwahrscheinlich" geringer Entropie beginnt ...)

    Eine BESCHLEUNIGTE Ausdehnung sollte allerdings auch zur Folge haben, dass der Horizont dem Beobachter mit der Zeit immer näher rückt. Damit nimmt das Volumen des beobachteten Universums ständig ab und die Entropiedichte entsprechend zu.

    Die Frage wäre damit:

    Erzwingt die Annahme einer wenigstens lokalen Aufrechterhaltung des 2. Hauptsatzes somit die
    gleichzeitige Annahme einer ständigen Beschleunigung der Expansion, um den Verlust an Information bzw. Entropie durch einen entsprechenden Verlust an Volumen zu kompensieren?

    Muss also mit jeder verschwindenden Information nicht auch die Fläche des Ereignishorizontes entsprechend abnehmen?
  • Zähe Legende?

    05.05.2008, Manfred Polak, Wiener Platz 8, 81667 München
    Marcus du Sautoy behauptet, Évariste Galois habe die Grundzüge der Gruppentheorie in der Nacht vor seinem fatalen Duell niedergeschrieben. Nun hat aber Tony Rothman schon 1982 in einem Artikel in Spektrum der Wissenschaft ("Das kurze Leben des Évariste Galois", Juni 1982, S. 102) dargelegt, dass diese Geschichte nichts als ein romantisches Märchen ist. In Wirklichkeit, so Rothman, hat Galois die Theorie schon Wochen vorher zu Papier gebracht. Gibt es neue Forschungsergebnisse, die doch die melodramatische Version stützen, oder ist hier nur die Legende zäher als die Realität?
    Antwort der Redaktion:
    Ich fürchte, Letzteres ist der Fall. Jedenfalls sind mir neuere Forschungsergebnisse zu Galois' letzter Nacht nicht bekannt.


    Besten Dank für den Hinweis auf den Artikel in unserer eigenen Zeitschrift, den ich – wie ich zu meiner Schande gestehen muss – nicht mehr so richtig im Kopf hatte.


    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Planck und Einstein - Menschen aus verschiedenen Welten

    05.05.2008, Dr. Fred-Jürgen Breit, Zwingenberg
    Planck und Einstein waren und blieben zwei Menschen aus verschiedenen Welten. Ohne Zweifel war Einstein der geniale und kühne Physiker seiner Zeit, aber er war dabei ganz untypisch. Es gab „Einstein und die anderen Physiker“, wie ein Zeitgenosse sagte. Dass er nach Berlin kam und fast 20 Jahre blieb, war in erster Linie Max Planck zu verdanken.

    Planck war 1933 Präsident der KWG sowie Sekretär der Preußischen Akademie und schon 75 Jahre alt. Wenn Einstein über ihn schreibt „60% edel“, so ist das sehr auf seine eigene Person und den Moment bezogen. Der Artikel ist ebenso auf Einstein zentriert und kann schon deshalb Planck nicht gerecht werden. Die Überschrift im Text „Plancks Feigheit vor dem Freund“ ist starker Tobak. Wer seiner Zeitgenossen hätte das so gesehen? Einstein war bereits im Ausland, also in Sicherheit. Da waren Lise Meitner (später) und andere in einer schwierigeren Lage. Planck war für die KGW und die Akademie verantwortlich. Gar keine einfache Situation. Hatte er nach den Schicksalsschlägen und in seinem Alter überhaupt noch die Kraft, die jetzt nachträglich von ihm verlangt wird? Sieht man Bilder aus jener Zeit, kommen einem Zweifel.

    1979 hat sich sogar ein Bundespräsident als Planck-Kritiker hervorgetan. Die Antwort darauf vom Physiker Albert Unsöld wurde schließlich doch noch - ein Jahr später - in derselben Zeitschrift gedruckt. Es lohnt sich, sie heute, gerade nach diesem Artikel, noch einmal zu lesen: Physikalische Blätter 36(1980)S.337-339.

  • Kann es irdisches Glück überhaupt geben?

    05.05.2008, Edgar Dahl, Gießen
    Ich stimme Augustinus darin zu, dass es kein wahrhaft irdisches Glück geben kann, aber nicht aus theologischen Gründen, sondern aus biologischen Gründen. Evolutionstheoretisch sind wir nicht auf dieser Welt, um uns zu amüsieren, sondern um uns zu reproduzieren. Alles, was der Weitergabe unserer Gene zuträglich ist, geht mit Lust einher, und alles, was der Weitergabe unserer Gene abträglich ist, geht mit Unlust einher. Das offenkundigste Beispiel hierfür ist natürlich der Sex. Damit wir uns reproduzieren, hat Mutter Natur uns das Verlangen in die Wiege gelegt. Wann immer wir unser Verlangen befriedigen können, empfinden wir Lust und sind glücklich; wann immer wir unser Verlangen nicht befriedigen können, empfinden wir Unlust und sind unglücklich.

    Sich erfolgreich fortzupflanzen, erfordert jedoch weit mehr, als nur gelegentlich Sex zu haben. Es erfordert in aller Regel, einen Partner zu finden, ihn an sich zu binden, mit ihm eine Familie zu gründen und die gemeinsamen Kinder so gut wie möglich zu versorgen. Um vor dieser keineswegs leichten Aufgabe nicht gleich zu kapitulieren, gängelt uns die Natur geschickt mit Hilfe von Gefühlen, die, objektiv betrachtet, alles andere als angenehm sind: Um einen Partner zu suchen, empfinden wir Sehnsucht und Begierde; um uns auf der Suche nach einem begehrenswerten Partner gegen unsere Mitbewerber durchzusetzen, empfinden wir Neid und Ehrgeiz; und um unseren Partner nicht an Rivalen zu verlieren, empfinden wir Eifersucht und Raserei. Insofern wir von diesen Gefühlen fast unser gesamtes Leben lang getrieben werden, kann es wohl schwerlich dauerndes Glück, sondern bestenfalls vorübergehendes Glück geben.
  • Alle Lust will Ewigkeit

    05.05.2008, Edgar Dahl, Gießen
    Dass wahres Glück ein ewiges Leben voraussetzt, erscheint mir alles andere als logisch zwingend. Die Ewigkeit scheint mir eher ein Maßstab als eine Voraussetzung des Glücks zu sein. Wenn wir - frei nach Goethes Faust - zum Augenblicke sagen: "Verweile doch! Du bist so schön!", dann wissen wir, dass wir tatsächlich glüklich sind. Dass der Moment, in dem wir dies sagen, nicht ewig währt, kann ihn schwerlich seines Wertes berauben.

    Ich wage auch zu bezweifeln, dass der, der ein glückliches Leben führt, zwangsläufig wünschen muss, dass es ewig währen möge. Das einzige Leben, das wir kennen, ist das irdische Leben, und von diesem irdischen Leben wünscht sich wahrscheinlich selbst der Glücklichste nicht, dass es von ewiger Dauer sein sollte. Dazu ist das irdische Leben viel zu schmerzlich. Schließlich ist auch der Glücklichste nicht blind für "die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks", denen seine Mitmenschen zum Opfer fallen. Ich denke, was wir uns wünschen, ist, dass wir dieses Leben hinter uns lassen können, wenn wir seiner überdrüssig sind. Wir wollen nicht vor unserer Zeit aus ihm herausgerissen werden, doch wir wollen auch nicht gezwungen sein, es weiter zu leben, wenn wir es einfach leid sind. Ich für meinen Teil betrachte den Tod nicht als Tragödie, doch ich wünschte mir, über Zeit und Ort meines Ablebens selbst bestimmen zu können.


  • Blick zurück

    04.05.2008, Andreas Wennemann, Bad Camberg
    Erlauben wir uns einen Rückblick auf die Zeitenwende vor rund 200 Jahren zur Industriellen Revolution. Wir sehen in Europa eine Land- und Forstwirtschaft, die von einer Übernutzung der Ressourcen geprägt ist, und eine Metall- und Energiewirtschaft, welche zumeist existentiell auf die Nutzung von Holz angewiesen war.

    Was wäre aus diesem Aufbruch geworden, wenn nicht ein wesentlicher Bestandteil die Ablösung der alten Holz- und Holzkohlewirtschaft von einer moderneren Wirtschaft auf Grundlage von Steinkohle, Braunkohle, Erdgas, Erdöl und später auch Atomenergie gewesen wäre.

    Eine Aufgabe, welche unsere historischen Vorfahren zu lösen hatten und mit Hilfe der überwiegend fossilen Energiequellen beantworteten.

    Auf ihren Schultern steht unsere Generation. Wir haben eine andere Aufgabe - Resourcenschonung im Rohstoffsektor und Ablösung der jetzt veralteten, nicht mehr zeitgemäßen Energieformen durch nachhaltige, regenerative Energien.
    Scheitern wir daran, wird es global unsausweichlich zu einem großflächigen Zusammenbruch unserer heutigen Lebensweise kommen.

    Ob unsere jetzigen (alten?) politischen und wirtschaftlichen Manager diese Wende vollbringen können, bleibt abzuwarten. Historisch waren es beispielsweise Bergbauingenieure, welche ihren Teil zum Nachhaltigkeitsbegriff in der Forstwirtschaft beigetragen haben.

    Machen wir uns ans Werk - wir können dabei eigentlich nur gewinnen!
  • Überlichtgeschwindigkeit

    04.05.2008, Gerhard Lohe, Düsseldorf
    In dem Artikel wird erwähnt, der Abstand zu sehr weit entfernten Galaxien könne mit Überlichtgeschwindigkeit wachsen, ohne dies näher zu erläutern. Wie geht das?

    Könnte es sein, daß die für eine Expansion erforderliche Energie in ferner Zukunft (100 Billionen Jahre?) aufgebraucht ist und es dann doch noch zu einer Kontraktion des Universums kommt. Sehen wir dann die Sterne vielleicht wieder?
    Antwort der Redaktion:
    Die erste Frage lässt sich mit Hilfe der Expansion des Raums beantworten. Der Abstand zwischen zwei weit voneinander entfernten Galaxien kann tatsächlich mit Überlichtgeschwindigkeit wachsen. Das bedeutet nicht, dass sie sich mit einer solchen Geschwindigkeit durch den Raum bewegen würden - das verbietet Einstein nach wie vor -, sondern dass der Abstand wächst, weil der Raum zwischen den Galaxien expandiert. Die Galaxien werden vom expandierenden Raum gewissermaßen voneinander weggerissen. Bei großen Entfernungen - wenn also sehr viel Raum zwischen den Galaxien liegt, der expandieren kann - führt dies dann sogar dazu, dass sie sich mit scheinbarer Überlichtgeschwindigkeit voneinander entfernen.



    Zur Frage, ob wir die Sterne zuerst aus den Augen verlieren, (viel) später aber wiedersehen könnten: Es ist durchaus vorstellbar, dass ein durch den Urknall angetriebener, expandierender Kosmos sich mit der Zeit immer langsamer ausdehnt, weil die Gravitation der Materie im Universum dieser Entwicklung entgegenwirkt. Eines Tages würde der Kosmos dann beginnen, sich wieder zusammenzuziehen (und wir bekämen die Sterne wieder zu Gesicht), um schließlich in einem "Big Crunch", dem Pendant zum Urknall, zu kollabieren.


    Die aktuelle Datenlage spricht aber nicht für dieses Szenario. Vielmehr scheint sich die Expansion des Universums sogar zu beschleunigen. Grund dafür ist möglicherweise eine "Dunkle Energie", über die man allerdings wenig weiß – auch nicht, ob sie in ferner Zukunft "aufgebraucht" ist.
  • Unsachliche Äußerung eines renommierten Wissenschaftlers

    03.05.2008, Bernard Lepetit, Leipzig
    Herr Kleinknecht argumentiert in seinem Beitrag auf fatale Weise für eine Verlängerung der Laufzeit von Kernkraftwerken. Im Vorwort von Reinhard Breuer wird Kleinknecht mit den Worten zitiert: „Wenn den Leuten keine Sachargumente mehr einfallen, dann werde ich eben als Lobbyist bezeichnet.“ Mir fallen beispielhaft einige sachliche Argumente ein, die Herr Kleinknecht geflissentlich nicht erwähnt, die ihm als hervorragendem Wissenschaftler aber durchaus bekannt sein müssten. Stellt sich die Frage, warum er sie nicht erwähnt.
    1. Wenn man vernünftige Energiebilanzen erstellen möchte, muss die Gesamtbilanz betrachtet werden. Dann wird deutlich, dass Kernkraftwerke keinesfalls Nullemissionenkraftwerke sind, denn anders als bei Wind, Sonne, Gezeiten oder Erdwärme liegen die Rohstoffe nicht vor Ort direkt bereit, sondern müssen CO2 emittierend gewonnen und transportiert werden.
    2. Das Phänomen der Beschleunigung gilt natürlich auch für die alternativen Energien. Bei weiterem Bedeutungszuwachs dieser sind ganz andere Wachstumsraten (bspw. auch bei der Geothermie, wird im Artikel nicht erwähnt) möglich, als sie Herr Kleinknecht prognostiziert. Eine Verlängerung der AKW Laufzeit würde den möglichen Umstieg auf erneuerbare Energien massivst verzögern. Beispielhaft sei an den FCKW-freien Kühlschrank erinnert. Entschieden hatten die großen deutschen Kühlschrankhersteller eine Entwicklung desselben als nicht durchführbar abgelehnt. Nach dessen Einführung im Jahr 1992 durch Greenpeace und DKW war er innerhalb weniger Monate im Angebot sämtlicher große Hersteller.
    3. Das Thema Sicherheit spricht Herr Kleinknecht gar nicht erst an. Ohne über die allseits beschworene Gefahr durch Terrorismus-Anschläge auf AKWs und „intrinsisch“ verursachte Reaktorunglücke mit den dramatischen Konsequenzen (Tschernobyl) einzugehen, möchte ich an die Ergebnisse der Qualitätsprüfung der Mainzer Studie (12/2007) vom April 2008 erinnern, die eine massive Häufung von Kinderkrebs im Umkreis von 50 km eines Atomkraftwerkes belegt und zu dem Schluss kommt, dass die Nähe zum Atomkraftwerk das entscheidende Kriterium für diese Anhäufung ist.
    4. Herr Kleinknecht erläutert richtigerweise die vielen ungelösten Fragen im Zusammenhang mit der Lagerung abgeschiedenen CO2. Ironischerweise erwähnt er nicht, dass in Deutschland nach wie vor kein Endlager für radioaktiven Müll existiert, sondern lediglich ein Zwischenlager. Was passiert mit dem radioaktiven Müll, wenn die Kernkraftwerke weiter, wie er fordert, 50 Jahre laufen?
    Herr Kleinknecht widmet sein neues Buch seinen Enkeln, denn „sie müssen auslöffeln, was wir ihnen angerichtet haben“. Ist es Herrn Kleinknecht nicht bewusst oder egal, dass er mit seinen Thesen den ganzen Schlamassel für seine Enkel nur noch verschlimmert?
    Antwort der Redaktion:
    Antwort des Autors an Herrn Lepetit:

    Ihre Argumente sind sachlich, aber nicht schlüssig.
    1. Die Gesamtbilanz der Kernkraftwerke einschließlich der Urangewinnung liegen bei 15 Gramm CO2 pro Kilowattstunde erzeugter elektrischer Energie, verglichen mit 1100 g/kWh aus Braunkohle- und 800 g/kWh aus Steinkohlekraftwerken. Wenn man die Silizium- Gewinnung hinzunimmt, ist der Wert für Si-Photovoltaik 200 g/kWh. Kernkraftwerke sind also neben Wind , Solarthermie und Erdwärme die klimafreundlichsten oder CO2-ärmsten Kraftwerke.
    2. Diese Einschätzung teile ich nicht: die Verlängerung der Laufzeit der Kernkraftwerke und Verwendung der Gewinne für Erneuerbare Energien (EE) und Gebäudedämmung würde den Ausbau der EE beschleunigen, nicht verzögern. Dasselbe sagen auch die Windkrafthersteller wie Fritz Varenholt. Dagegen würde ein massiver Neubau von Kohlekraftwerken die Energielandschaft für 40 Jahre zementieren und die EE -Entwicklung behindern.
    3. Hier haben sie falsch zitiert: die Autoren der Mainzer Leukämie-studie sagen: "das Ergebnis der Studie ist nicht strahlenbiologisch erklärbar". Und weiter: es handelt sich um 1,2 Fälle pro Jahr von insgesamt 13373 Erkrankungen in Deutschland in den Jahren 1980-2003. Von einer massiven Häufung kann nicht die Rede sein.
    4.Das Endlager für CO2 ist die Atmosphäre oder vielleicht (irgendwann) der Untergrund in Norddeutschland. Die Menge von CO2 ist 400 Millionen Tonnen pro Jahr, die Menge von Uranrückständen 400 Tonnen pro Jahr. Der Salzstock Gorleben wurde vor 30 Jahren als bester Standort bestimmt, der Salzstock besteht seit 70 Millionen Jahren unverändert, das Gestein ist hart, es hält 200 Bar Druck aus. Die Eignung des Endlagers Gorleben wäre langst bekannt ,wenn nicht der Minister Trittin im Jahr 2000 die Untersuchung gestoppt hätte, zu der er verpflichtet ist. Es spielt für das Endlager keine große Rolle, ob die Rückstände von 30 oder von 50 Jahren Betrieb eingelagert werden müssen.

    Conclusio: Das Risiko des Klimawandels mit seinen sozialen Folgen , Bevölkerungswanderungen und möglicherweise Kriegen ist schlimmer als die Einlagerung von einer vergleichweise kleinen Menge abgebrannter Brennstäbe im Salzstock.
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