Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Abfallprodukte? Speicherung des Synthesegases

    04.01.2017, Daniel
    Vorneweg: ich bin kein Wissenschaftler :)

    Ich bin gerade auf diesen Beitrag gestoßen und Frage mich, ob zum Beispiel bei der Vergasung organischer Biomasse Reststoffe bleiben? Vergleichbar mit Asche beim Verbrennen.
    Außerdem frage ich mich, ob sich das entstehende Synthesegas (vergleichbar mit Erdgas) speichern lässt und zu einem anderen Zeitpunkt verarbeitet werden kann.

    Wäre super wenn sich hier jemand findet, der hier etwas mehr Wissen besitzt als ich :)
  • Der Test greift sehr kurz

    04.01.2017, Bernd Klane
    Die Aufgabe, am Computer eine gestellte Aufgabe zu lösen, beansprucht den Menschen eher roboterhaft. Das menschliche Bewusstsein ist jedoch noch vielfach komplexer aktiv. Und ich vermute dabei auch noch erheblich sensibler für "Störungen" wie ein fremdes Smartphone. Z.B. wäre die Frage interessant, wie die Fähigkeit einer einfühlsamen Wahrnehmung eines Objektes in der Umwelt leidet und die Wahrnehmung der Welt auf Mechanistisches reduziert wird.
    Weitehin:
    Auch fände die Analyse des untersuchten Vorganges wichtig:
    Was ist der Einfluss des fremden Smartphones selber und worin besteht der Einfluss eines Menschen in meiner Umgebung, der durch Smartphone-Benutzung "in einem vorgegebennen Modus" funktioniert?
  • Relativierung

    04.01.2017, Dr. Mike Härtel
    Obwohl ich bezüglich des Buchinhalts größtenteils Hr. Löser zustimme, möchte ich hiermit seine Rezension aus meiner Sicht etwas relativieren.

    Schwab beschreibt hauptsächlich die Entwicklung unserer Gesellschaft in den nächsten zehn Jahren und wie wir, d.h. der Staat, die Familie, Interessengruppen und auch jeder Einzelne damit umgehen könnten bzw. sollten. Es ist seiner Ansicht nach möglich, dass positive und negative Effekte der bevorstehenden tiefgreifenden Veränderungen sich die Waage halten könnten und die Auswirkungen von uns selbst abhängen werden.

    Meiner Meinung nach sind die genannten Gefahren für die Allgemeinheit allerdings größer als die sich ergebenden Chancen.Bezüglich des Arbeitsmarktes scheint es unumgänglich, dass bestimmte Wirtschaftszweige so gut wie komplett automatisiert werden. Das betrifft hauptsächlich den Zuliefer- und Transportsektor sowie Verkäufer, Juristen, Buchhalter, Versicherer, Ärzte…

    Im recht ausführlich behandelten Thema 3D-Druck erwähnt er, dass ja zum Beispiel neue Arbeitsstellen im Bereich des Zustellbetriebes von Druckergrundstoffen entstehen. Werden diese dann aber nicht auch sofort automatisiert? Die Gewinner werden IT-Profis sein. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand, der sein ganzes Leben als LKW-Fahrer oder in einem Laden gearbeitet hat, in den nächsten fünf Jahren zum IT-Ingenieur avanciert.

    Es wird behauptet, dass viele Menschen dann eben auf ein breiteres Betätigungsfeld ausweichen, das heisst, mehrere Tätigkeiten ausführen müssten. Das hieße, es könnte Milliarden Taxifahrer für Uber, Milliarden Supermarkteinkäufer für Instacart usw. geben. Eine Zukunft hätten Start-up-Unternehmen, die neue und zukunftsweisende Lösungen und Technologien anbieten, oder ständig für alle möglichen Aufgaben einsetzbare, versierte Selbständige. Das bedeutete, dass mehrere Milliarden Menschen innerhalb kürzester Zeit innovative Ideen haben und diese in die Tat umsetzen müssten.

    Im Großen und Ganzen denke ich, die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern wird immer größer und die finanzielle Basis der Gesellschaft wird einbrechen. Oft wird erwähnt, wie viele Smartphones oder „Wearables“ schon weltweit in Umlauf sind und wie viele Millionen mehr in den nächsten Jahren. Ich frage mich allerdings, wo all die nötigen Ressourcen dafür herkommen sollen. Außer von erneuerbaren Energien beruht der gesamte materielle Reichtum der Menschheit auf den Ressourcen der Erde, also zum Beispiel Elementen, Erzen, Holz, Wasser, Nahrung. Bergwerke auf dem Mond oder gar Mars wird es nicht geben, da dort höchstwahrscheinlich aufgrund fehlender Tektonik Anreicherungsprozesse ausgeblieben sind.

    Das Buch krankt meiner Meinung nach auch an zu häufigen Wiederholungen. Viele Problematiken werden zwei- bis dreimal angesprochen. Besonders nervig ist der häufige Gebrauch der Wendung „Industrielle Revolution“ (hauptsächlich vierte)- insgesamt mindestens 157-mal in diesem kleinen Buch – warum konnte das nicht auf 3. IR oder 4. IR abgekürzt werden? Im Layout eines modernen wissenschaftlichen Artikels (sog. „Paper“) und ohne die vielen Wiederholungen wäre das kleine Buch wahrscheinlich nicht viel mehr als eine sehr ausführliche Informationsbroschüre.

    Ich glaube zudem eher, dass das Buch nur einen low impact auf die Welt erzielen wird. Zu vieles klingt für mich nach Blabla oder Augenwischerei. Es wird zwar ständig betont, was getan und wie den Veränderungen begegnet werden sollte, aber es wird keine übergeordneten Institutionen geben, die dies lenken oder überwachen könnte. Schwab erwähnt in seinem Buch selbst zum Beispiel, dass 2015 in der Fachzeitschrift Nature ein Artikel veröffentlicht wurde, der schwerwiegende Bedenken bezüglich der ethischen und sicherheitsbezogenen Auswirkungen der Forschung an der Genomeditierung anmeldet, wohingegen schon einen Monat später Forscher einer chinesischen Universität einen wissenschaftlichen Artikel zur Veränderung der DNS menschlicher Embryonen veröffentlichten.

    Ich fürchte, auch Schwabs Warnungen und Empfehlungen werden unbeachtet verhallen, da es immer ambitionierte und erfolgshungrige Menschen geben wird, die eine Nasenlänge voraus sein wollen. Bestimmte Entwicklungen lassen sich eben auch mit dem besten Willen nicht aufhalten.

    Zuletzt wäre noch anzumerken, dass Schwab die Bedeutung des Begriffs „Quantensprung“ geläufig sein sollte. Allerdings benennt er die bevorstehenden Veränderungen als solchen, was bedeuten würde, es würde so gut wie gar keine Veränderung geben.

    Insgesamt beschreibt das Buch tatsächlich sehr aufschlussreich die zu erwartenden Veränderungen, aber die Art und Weise hat mir nicht gefallen. Ich würde dem Buch aber trotzdem drei von fünf Sternen geben, schon allein für die Recherchearbeit und dass Schwab es schafft, mir mit jeder Seite ein ungutes Gefühl zu bereiten, trotz dass ich als Geologe wahrscheinlich weniger Angst vor einer Automatisierung meines Berufes haben müsste.
  • Welchen Beitrag hat die Wissenschaft am Anthropozän?

    04.01.2017, P.K. Hugo Lueders, Brüssel
    Mit Interesse habe ich hierzu den ersten Artikel von Prof. Jan Zalasiewicz gelesen und warte nun gespannt auf die folgenden Beiträge. Bei diesem ersten Teil ist mir aufgefallen, dass politische Bezüge nur indirekt und nachgeordnet am Rand durch Begriffe wie Industrialisierung oder unsere Zivilisation (?) angesprochen werden. Die angekündigten weiteren Beiträge geben die Möglichkeit, diese Hinweise zu erweitern und zu vertiefen.

    Dabei wird es meines Erachtens nicht nur um die gesellschaftspolitischen wie kriegerischen Auseinandersetzungen um die Industrialisierung und die damit verbundenen Erkenntnisinteressen gehen, sondern um die Wissenschaft selbst, wie sie diese Industrialisierung überhaupt erst ermöglicht hat und zusammen mit ihr weiter gewachsen ist. Dies scheint mir eine willkommene Herausforderung gerade für eine Zeitschrift wie "Spektrum der Wissenschaft" zu sein.

    Naturwissenschaftlich mag es berechtigt sein, den möglichen Übergang vom Holozän zum so genannten Anthropozän in die Zeit nach der Weltkriegsepoche 1914 bis 1945 zu legen, kulturgeschichtlich wird man diesen Übergang wohl wesentlich früher anzusetzen haben. Nicht nur, dass sich in den Wissenschaften, quasi in den Köpfen der Wissenschaftler, dieses Anthropozän schon lange vorher ankündigte, sondern es wird gleichermaßen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ein dramatisches Umdenken erforderlich sein, um mit einer anderen Art im Umgang mit den Ressourcen der Erde die Anthropozängefahren, wenn überhaupt, noch abzuwenden.

    Die Anthropozändiskussion betrifft somit unmittelbar die Wissenschaften und damit auch "Spektrum der Wissenschaft" selbst.

    Ich würde mich deshalb freuen, wenn in einem der kommenden Anthropozänartikel auch dieser Zusammenhang wie vorhandene Alternativen thematisiert werden.

    Nochmals vielen Dank für die wie immer anregenden Artikel im "Spektrum der Wissenschaft".
  • Ähnliche Arbeiten

    03.01.2017, Valentin
    Ähnliche Arbeiten werden auch an der TU Berlin unter Prof. Kai Nagel durchgeführt: http://www.vsp.tu-berlin.de/menue/forschung/projects/2016/shared_autonomous_taxis/
    Hier wird allerdings (auch) mit Simulation gearbeitet, d.h. eine dynamische Nachfrage, die auf das Angebot an Verkehrsinfrastruktur reagiert, wäre möglich.

    Ein Ergebnis ist, dass die private Fahrzeugflotte Berlins (ca. 1 Mio Fahrzeuge) durch 100.000 autonome elektrische Fahrzeuge erzetzt werden könnten (ohne Ridesharing, ohne Ausweicheffekte).
  • kleine Schönheitsfehler

    03.01.2017, Jörg
    Schöne Aussichten mit kleinen Schönheitsfehlern:
    1. zukünftige autonome Fahrzeuge werden elektrisch angetrieben, und die wollen geladen werden. Die Flotte muss also entsprechend größer sein.
    2. Staus werden reduziert oder ganz vermieden - damit steigt die Motivation, das eigene Auto zu nehmen.
    3. Es könnte nicht nur zu mehr Verkehr führen, das wird ganz sicher passieren. Warum sollte man dann für relativ kurze Strecken die Metro nehmen?
  • Was bin ich? fossiler Biofilm

    03.01.2017, Andreas Reiß
    Möglich, dass auf den fossilierten Wellenrippeln genannten Gebilden auch ein Biofilm zu finden ist. Im Bereich der Aktuogeologie kann ein jeder im Wattenmeer durch Wellen erzeugte Rippeln sehen, die je nach Ausrichtung und Geometrie Rückschlüsse auf die Wellenrichtung geben. der befriff fossiler Biofilm ist so gar nicht nachvollziehbar.
  • Fahrgelegenheiten

    03.01.2017, gnaddrig
    ediglich etwa zwei Prozent aller Fahrtwünsche lassen sich nicht mit einer praktikablen Mitfahrgelegenheit abdecken, so die Simulation.

    Naja, damit es überhaupt Mitfargelegenheiten gibt, müssen Leute ja erstmal Taxis für Fahrten von A nach B bestellen. Ohne solche "ursprünglichen" Fahrten gibt es keine Mitfahrgelegenheiten, die das System nutzen könnte.

    Oder das System nimmt alle Fahrtwünsche auf und berechnet daraus die optimale Zahl und Route von Fahrten und die Verteilung der Fahrgäste auf die entsprechenden Autos. Das wären dann aber keine Mitfahrgelegenheiten in der herkömmlichen Bedeutung.

    Die Befürchtung, eine so ausgestattete, gut funktionierende Taxi könnte dem ÖPNV Kunden abgraben und so zu mehr Verkehr führen, halte ich für übertrieben - es dürfte nicht jedermanns Sache sein, sich zu fremden Leuten in Autos zu setzen. Wenn Kleinbusse als Großraumtaxis eingesetzt werden, wird es eher akzeptiert werden, bei herkömmlichen Taxis würde ich erwarten, dass viele Leute das nicht gern machen. Dem könnte man aber dadurch entgegenwirken, dass Busse (evtl. mit flexibleren Fahrtstrecken als bisher) in das Konzept eingebunden werden.

    So oder so eine spannende Sache...
  • Link Zum Paper

    03.01.2017, Olaf Geibig
    Der Link zum Paper funktioniert nicht. Würde ich gerne lesen.
    Antwort der Redaktion:

    Das Journal hat leider den Artikel noch nicht freigeschaltet, dies sollte in den nächsten Stunden erfolgen. Die Studie ist dann unter dem angebenen Link einsehbar.


    Beste Grüße, jd/Red


  • Schöne Lösung! Aber will der Mensch das?

    03.01.2017, nozomi07
    Die Idee gefällt mir! Das wäre auch bei Privat-PKW sinnvoll.

    Ist es nicht ein Irrsinn, dass in jedem Auto immer nur ein einziger sitzt, gerade im Berufsverkehr? Fahrgemeinschaften würden den Verkehr locker halbieren - Staus wären unbekannt. Mit moderner Vernetzung ein lösbares Problem, wie der Artikel zeigt.

    Ich denke nicht, dass Ridesharing den ÖV schädigt. Der ist in vielen Metropolen ohnehin überlastet; erst in dieser Kombination könnte man überhaupt mehr Verkehr vom platzraubenden Ein-Personen-PKW abwerben.

    Aber scheitert es nicht an der Eitelkeit des Menschen? Das Auto ist nun mal Statussymbol, ein Heiligtum, für das wir verstopfte Städte offenbar in Kauf nehmen. Erst wenn der Mensch so intelligent ist wie die Technologie, werden wir die Verkehrsprobleme lösen.
  • Reaktion auf andere Kommentatoren

    02.01.2017, Tegres
    @Dr. Hans Christ:
    Wieso sollte es keinen Placebo-Effekt bei Tieren geben können?

    @Ronnie:
    Antimasturbationsgürtel =/= Keuschheitsgürtel. Letzterer scheint eher eine Erfindung des Barock und der Romantik beziehungsweise ein in der Frühen Neuzeit bereits genutztes Sexspielzeug zu sein (also genau das Gegenteil von dem, was es dem Namen nach scheint).
    Im Übrigen: Zu Zeiten des Antimasturbationsgürtels wütete die Pest nicht mehr in Europa. Auch kann der Antimasturbationsgürtel schlecht vor Geschlechtskrankheiten schützen, ist er doch für Kinder und Jugendliche gedacht, die sich auch einfach im Erwachnsenenalter mit Syphilis und Co. anstecken konnten. Der medizinische Nutzen ist damit Null. Er kann sogar als negativ angesehen werden, da Masturbation eine wichtige Rolle bei der sexuellen Entwicklung spielen kann, und daher nicht unterbunden werden sollte.

    Den Satz "In der prähistorischen Zeit und Antike wurde fast so gut geheilt und behandelt wie heute." würde ich gerne mit Quellen belegt sehen.
    Allein wenn man schon an Antibiotika denkt, wird klar, dass da nicht stimmen kann. Auch im Hinblick auf das gewachsene Wissen in der Medizin wäre es sehr unlogisch, wenn es dadurch nicht auch eine deutliche Verbesserung der allgemeinen Gesundheit gäbe. Und das es diese gibt, kann man leicht an der gestiegenden Lebenserwartung erkennen.

    @Harald Sommerschmitt:
    Das mit dem ach so finsteren Mittelalter sehe ich ähnlich.
    Denn neben den oben beschriebenen teils lächerlichen Heilmethoden gab es ja genügend brauchbares, wie Wissen um Heilkräuter.
  • @Harald Sommerschmitt...

    02.01.2017, Daniel Hage
    Trepanation nach damaligem Verfahresnsstand bei hirnödem? Kommt ganz darauf an !
    Nämlich darauf ob die ursache und damit das Ödem Supra bzw. Extradural zu liegen kommt und daher die Dura Mater nicht in Ihrer Integrität beschädigt wird durch die Trepanation- dann JA! Beispiel dafür gibt es Geschichtlich genug, so soll z.b. Andreas Vesalius welcher als anatom die moderen westliche Medizin ganz Wesentlich mitbegründete (De Humani Corporis Fabrica, 1543 in Basel) später als Kaiserlicher Hofarzt in Madrid dem Enkel von Karl dem Fünften, Infant von Spanien und nachmalig von Schiller in seinem Don Carlos gewürdigt, das Leben gerettet haben durch eine solche Trepanation- der Knabe war eine Steintreppe hintergekollert mit der vermutlichen Folge eines Schädelhämatoms... Der Infant Don Carlos jedenfalls überlebte und Genas !
    Wenn hingegen damals der Versuch gemacht worden wäre die Dura auch zu öffnen- mag sich jeder selbst ausrechnen was die folgen sind- zumal in einer Zeit ohnen antibiotika usw... Wir wissen ja auch von Heute auch nicht wie viel Trepanationen seinerzeit vorgenommen wurde und NICHT erfolgreich verlaufen sind- mit Letalem Ergebnis ! ...
  • Fundamentaler Fehler

    02.01.2017, Jakob
    Sehr schöner Artikel, es ist sehr wichtig dass man nicht blind in unbekanntes Terrain läuft.
    Allerdings haben diese selbstlernenden Programme schon einen fundamentalen Fehler: Sie kümmern sich nicht um Kausalitäten, sondern nur um Korrelationen, was nur Vorurteile befeuern kann.
    In der Scherzreligion "Kirche des Fliegendenden Spaghettimonsters" gibt es die Idee, dass die Klimaerwärmung und der Rückgang der Piraterie korrelieren, was natürlich nur bedeuten kann dass dies direkt zusammenhängen müsse. Damit sollte der falsche Wissenschaftsumgang der Kreationisten entlarvt werden, aber selbstlernende Progamme kämen zu dem gleichen Schluss.
  • Inwiefern "Speerspitze der Evolution"?

    01.01.2017, Hans-Jürgen Steffens
    Der Begriff "Menschen als Speerspitze der Evolution" lässt zwei Lesarten zu. Der Mensch "ist" die Speerspitze der Evolution (Speerspitze als Attribut) vs. der Mensch "agiert" als Speerspitze der Evolution (Speerspitze als Rolle).

    Rolle und Attribut können synchron gehen. Denken wir z.B. an den Begriff "Kind", der sowohl als Attribut als auch als Rolle (d.h. Relation zu den Eltern) gelesen werden kann und beide Lesarten bis zum Erwachsenwerden gleichzeitig gelten.

    Wie sieht es nun mit dem Begriff "Speerspitze der Evolution" aus? Die Menschen sind einerseits Ergebnis also Objekt der Evolution. Mit dem Auftritt des Menschen hat die Evolution Organismen geschaffen, die in der Lage sind, die Richtung der Evolution bewußt zu steuern. Dies geschah zunächst schleichend (bei Züchtungen)und später beschleunigt
    via Gentechnologie. Damit hat (gleichsam personalisiert) die Evolution dem Menschen das Angebot gemacht, der Evolution einen "boost" zu verpassen.

    Ob der Mensch diese Rolle annimmt, ist eine Funktion seiner ethischen Überzeugungen. Nun kann die Ethik auf natürliche Weise selbst als Ergebnis der Evolution angesehen werden. "Ethik ist die Fortsetzung der Evolution mit anderen Mitteln". Ethik kann m.a.W. den Träger ethischer Überzeugungen in Konkurrenzsituationen eine größere oder kleinere Fitness verleihen. Eine Ethik kann, wie andere Prozesse einer Optimierung der Fitness, zu einem (nur) lokalen Optimum und somit in eine evolutionäre Sackgasse führen. Konkret: eine Ethik z.B. mit Frieden als höchstem Ziel würde bei erfolgreicher Umsetzung vermutlich zu einem stabilen Zustand auf der Erde führen aber eben auch in eine Sackgasse: Denn die Mittel zum Verlassen unseres Planeten sind v.a. ein Produkt unserer kriegerischen Einstellung. Dabei ist zu beachten, dass eine erfolgreiche Raumfahrt (die diesen Namen verdient) eine fortgeschrittene Gentechnik benötigt. Ein vorzeitig erreichter Friedenszustand ohne Aggressionen hätte sich in diesem Sinne für das Lebens als Ganzes als Tragödie herausstellen können. Das Leben wäre auf dem Planeten wie in einer Sackgasse gefangen.

    Am Ende Ihres Buches "Sind wir allein im Universum" schreiben Rood und Trefil für den Fall einer kriegerischen Selbstzerstörung der menschlichen Zivilisation, dass dann die Evolution "die Früchte eines seit 15 Milliarden Jahren andauernden Experiments zur Bildung denkenden Lebens verlieren". Umgekehrt gälte das wohl auch für eine zu friedliche Menschheit. Aber Gratwanderungen gehörten schon immer zum
    Pfad der Evolution.

    MfG und ein frohes neues Jahr 2017
  • Ganz so katastrophal war es nicht

    31.12.2016, Harald Sommerschmitt
    Eine Trepanation bei einem Hirnödem wäre durchaus auch heute noch eine lebensrettende Maßnahme, ein Aderlass mag blutdrucksenkend wirken, und verschiedene heute verrufene Substanzen wie Quecksilber oder Wismut haben tatsächlich eine Wirkung auf Bakterien. Man muss nicht die alte Platte vom finsteren Mittelalter auflegen, bloß weil einem eine Heilmethode auf Anhieb nicht einleuchtet.