Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Warum nicht Heidelbergensis?

    10.06.2017, Pertti Valkonen
    Wenn ich das recht verstanden habe, dann definiert man die Spezies Homo sapiens doch gerade über ihr "anatomisch modern".Wie kann es dann möglich sein, daß Forscher menschliche Fossilien dem Homo sapiens zuordnen, wenn diese doch eindeutig Merkmale besitzen, welche nicht in das phänotypische Spektrum heutiger Menschen passen. Schon als ich die Nachricht bei spiegel.de zuerst las, konnte selbst ich als Laie diese Merkmale trotz aller übrigen Sapiens-Ähnlichkeit nicht übersehen.

    Neben dem fliehenden Kinn und der fliehenden Stirn ist eben auch der schmale, längliche Schädel typisch für Nichtsapiens-Menschenformen wie HE oder HN. Desweiteren sind auch die Überaugenwülste noch sehr ausgeprägt, nach meinem Eindruck ebenfalls stärker als im Spektrum des heutigenSapiens-Möglichen. Vor allem aber verengt sich der Schädel bereits deutlich, bevor er die Überaugenwülste erreicht, sodaß das Schädeldach in Draufsicht eine typische Erectus-Gestalt abgeben würde. Für die Gehirnanatomie würde das eher zu einem schmalen Frontalbereich wie beim HN (oder sicher auch HE) passen. Na und schließlich die deutlich vorstehende Schnauze. Beim HS gibt es zuweilen deutliche Prognathie, aber die vorderen Kieferbereiche ragen dabei kaum über den Nasenansatz hinaus.

    Und wenn ich auch dies recht verstanden habe, dann ist der Homo heidelbergensis weniger eine SPezies, die über die Zeit ihrer Existenz hinweg stets die gleichen anatomischen Merkmale besaß; vielmehr bildet der HH quasi den allmählichen anatomischen Übergang vom afrikanischen HE hin zum HS in Afrika und hin zum HN in Europa (und ebenso hin zum Denisovaner). Wobei diese allmähliche Merkmalsumwandlung zum einen sehr kontinuierlich über die Jahrhunderttausende hinweg erfolgte, zum anderen aber nicht einheitlich in allen Teilpopulationen. In verschiedenen lokalen Gruppen konnte je ein anderer Merkmalsmix begegnen.

    Wenn ich das alles richtig verstanden habe, dann können die marokkanischen Funde also unmöglich dem Homo sapiens zugesellt werden, eben weil verschiedene Merkmale noch immer außerhalb des Variationsspektrum des HS liegen. Anders als Omo I oder Herto oder Skhul, die zwar ebenfalls noch einen urtümlichen EIndruck erwecken, bei denen jedoch kein Merkmal außerhalb des Variationsspielraumes heutiger Menschen liegt.

    Andererseits existierte der Homo heidelbergensis zwischen vielleicht grob 700.000 und 200.000 Jahren vor heute. Von einem gut 300.000 Jahre alten afrikanischen Heidelbergensis-Schädel sollten wir also recht viele sapiensähnliche Merkmale erwarten können und nur noch weniges, das an Homo erectus erinnert. Wie mir scheint, passen die marokkanischen Funde da wie die Faust aufs Auge.

    Leider konnte ich weder dem Artikel noch dem Abstract des Links entnehmen, ob jenes 2000 Jahre altes Genom des südafrikanischen Jungen insgesamt als 260.000 Jahre von unserem heutigen Genom separiert zu gelten hat, oder ob es nur bestimmte Bereiche betrifft. Menschen einer westafrikanischen Region haben ja ebenfalls Passagen im Erbgut von einer Population, die sich vor ca. 300.000 Jahren von unseren Vorfahren getrennt haben müssen. Na und wir Außerafrikanischen haben ja Neandertalergene, einige sogar Denisovanergene, also Erbgut, das schon vor ca. 500.000 Jahren eine separate Entwicklung von der zu unserer Spezies führenden Linie durchgemacht hat.

    Daß ein Sapiens solches Erbgut besitzt, heißt noch lange nicht, daß die, denen er dieses Erbgut verdankt - Neandertaler, Denisovaner, jene westafrikanische Population - ebenfalls Homo sapiens gewesen sein müssen. Im Falle, daß praktisch das ganze Genom jenes Jungen eine solch frühe Separation aufweist, sähe das anders aus. Dann sollte der HS entweder mindestens 260.000 Jahre alt sein - oder im südlichen Afrika hat bis vor wenigen tausend Jahren eine Schwesterspezies des HS überlebt. Wäre ja nicht die einzige, nur die, die am längsten überlebt hat.

    Spannend finde ich, daß im Abstract zumErbgut jenes südafrikanischen Jungen zu lesen ist, daß auch das südliche Afrika, "nicht nur Ostafrika", ein wichtiger Motor der Sapiens-Evolution gewesen sein könne. Auch hier also ein "Aufmucken" gegen ein "Out of East Africa" bzw. gegen ein "East Africa First", um mich mal bei Clovis zu bedienen. Doch frage ich mich, behauptet denn überhaupt jemand ernsthaft, Ostafrika sei hauptsächlich oder gar ausschließlich die "Wiege der Menschheit", gattung wie Art? Oder leben hier nur Ressentiments aus alten Tagen weiter, als der Leakey-Clan quasi über Ostafrika, Homininenfunde und Menschenstammbaum "herrschte"?

    Daß der asiatische Homo erectus nicht über Lemurien mit dam afrikanischen Erectus in Verbindung stand, daß der europäische Neandertaler, Heidelbergmensch oder der Homo antecessor nicht auf den Bäumen gewachsen sind, sondern sämtlich von afrikanischen VOrfahren abstammen, die ihren Weg über Nordafrika genommenhaben, das wissen wir schon lange. Mit dem Homo georgicus haben wir eine Gruppe gefunden, die quasi zwischen Australopithecus-Anatomie sowie der von Homo habilis / rudolfensis und der frühen Ergaster/Erectus-Anatomie vermitteln. Der Georgicus muß nicht nur durch Nordafrika gekommen sein, womöglich entstand hier überhaupt erst der Erectus-Typus. Und obwohl der späte afrikanische Erectus bzw. der frühe Heidelbergensis schon recht bald nach Europa eingewandert war - durchs nördliche Afrika - blieb es nicht dabei. Der europäische wie afrikanische Heidelbergensis müssen noch über Jahrhunderttausende hinweg ihr Erbgut miteinander ausgetauscht haben, da das Neandertaler-Erbgut und unseres sich erst vor 500.000 Jahren separierten. Ohne Nordafrika läuft da aber kein Genfluß.

    Auch aus Algerien und Marokko kennen wir Fossilien, gefunden in den Fünfzigern, Sechzigern und Nuller Jahren. Alter 500.000 bis 700.000 Jahre. Selbst Sahelanthropus vor mehr als 6 Millionen Jahren und Australopithecus bahrelghazali vor mehr als 3 Millionen haben es wenigstens bis in den Tschad, in die heutigeSahelzone geschafft. Von Ostafrika bis Algerien-Marokko ist das immerhin schon der halbe Weg. (Und fallsSahelanthropus tchadensis kein Hominine war, auch von Zentralafrika, der Heimat heutiger Menschenaffen, wäre das der halbe Weg bis ans Mittelmeer.) Und schließlich las ich vor nicht langer Zeit etwas über einen südosteuropäischen spätmiozänen Menschenaffen, der womöglich in die Nähe des Anfangs der Homininenentwicklung gehört.

    Außerhalb Ostafrikas passiert durchaus vieles in Sachen Menschenevolution. Wird das tatsächlich von irgendwelchen Paläanthropologen bezweifelt? Oder hält sich da nur eine schlechte Erinnerung an Jahrzehnte zurückliegende Positionen?

    Neu wäre sowas nicht. In den Achtziger, Neunziger und Nuller Jahren kam kaum eine Publikation zum Neandetaler ohne die Bemerkung aus, daß der Gute "eben noch" für einen tumben Toren gehalten wurde, "nun aber" sehe man, wie intelligent er doch sei, und die Geschichte der Menschheitsentwicklung müsse neu geschrieben werden.
  • Wenn jemand so tut als wäre er geistreich

    10.06.2017, Ralph Fischer
    Man merkt das der Mann Kabarettist ist. Ich frage mich aber immer öfter, warum der hier so ein grosses Forum bekommt.

    Erstmal: Nachaltiges Wachstum kann es schon aus Prinzip nicht geben, solange die Menschheit derart ungebremst weiterwächst. Die Natur ist bestimmt nicht nachhaltig, aber sie macht meistens kurzen Prozess mit Überpopulationen.

    Wenn wir über die letzten Tiger so ein Drama machen würden wie über verhungernde Menschen, die hungern, weil sie sich zu stark vermehrt haben, dann wären Tiger nicht vom Aussterben bedroht. Tiger sind sowieso ein gutes Stichwort. Der Mensch steht mittlerweile ausserhalb der Natur. Das macht einerseits seinen Erfolg aus, ist aber auch der Kern aller Probleme. Der Mensch wird erst wieder Teil der Natur sein, wenn Löwen und Tiger auf den Strassen rumlaufen.

    Über den Dosenpfand kann man geteilter Meinung sein, aber Dosen im Kreis zu Tragen ist viel besser als die überall rumliegen zu lassen. Ich bin gerade in Phuket und man sollte gar nicht glauben wieviele Flaschen, Dosen und Plastikflaschen hier rumliegen. Vieles davon wandert ins Meer und sorgt dort für Schlagzeilen.

    Das Bildhafte Beispiel vom bremsenden Auto am Abgrund macht dann den krönenden Abschluss. Lieber daran arbeiten zu fliegen. Gute Idee. Kann aber nicht schaden, wenn man durch das Bremsen genug Zeit dafür gewinnt.
    Es gibt am Südpol einen ganz tollen Gletscher, der im Moment schneller schmilzt als gedacht. Wenn der Abbricht, bevor wir fliegen können, werden millionen Menschen absaufen.

    Dann will ich nicht hören: na und ? War sowieso schon zu spät
  • Entwicklungsstand?

    09.06.2017, Paul Laudenberg
    Was bedeutet das für die Kapazität z.B. einer BOSCH Lithium-Ionen mit BMS, 36 V, 13,88 Ah, 500 Wh, die für E-Bikes benutzt wird. Die optimale Reichweite wird mit 80 km angegeben. Oder einfach eine Angabe in Prozent, was die zu erwartende Leistungssteigerung betrifft. Letztlich aber die Frage, ob und ggf. wann überhaupt mit einer Markteinführung zu rechnen ist.
  • Diese Kometen waren es nicht.

    07.06.2017, Zweifler
    Das BigEar hatte einen Öffnungswinkel von DEC 40 arc min/0,67° und RA sogar nur 10 arcmin/0,16°) oder kleiner/besser. Die Kometen sind nach Bild 1 (s. http://planetary-science.org/wp-content/uploads/2016/01/Paris_Davies-H-I-Line-Signal.pdf) allerdings mindestens 1° von der WOW-Position entfernt.

    Genauer:
    - 266P/1977 -25,53° zu Positive Horn(1977, Mitte von B1950-J2000) -26,8°-> Differenz WOW zu 266P ca. 1.27°
    - 208G/1977 -27,36° zu Positive Horn(1977, Mitte von B1950-J2000) -26,8°-> Differenz ca 0.6° - würde passen, aber RA Wert (RA 1977 positive Horn zu RA 208G/1977 -> 19H24m - 19H16m -> Differenz ca. 8min/2°

    Diese Kometen konnten also nie im Erfassungsbereich von BigEar zum WOW-Zeitpunkt sein. Knapp daneben ist auch vorbei.
    Möglicherweise hat einer(208G) , wenige Minuten vorher/nachher eine kleinen Peak in Driftscan verursacht.
    Ein Besucher mit hyper- oder parabolischer Bahn hätte es auch sein können.

    Richtigstellung erwünscht.
  • Zu Nr. 2 und 8

    07.06.2017, Matthias Warkus
    Ich kann es leider nicht leisten, hier ausführlich alle bisherigen Kommentare aufzugreifen, auch wenn mir zu allen davon viel einfiele. Ich möchte nur zwei Punkte nennen:

    Zur Frage der Euklidizität des Erfahrungsraumes und zur Frage der Leistungsfähigkeit der Evolutionären Erkenntnistheorie empfehle ich die Lektüre von Peter Janich. Es gibt gute Argumente dafür, die Dinge genau andersherum zu sehen als hier kommentiert.

    Was die angebliche Trennung zwischen "empirischen" und auf Axiome zurückführbaren Sätzen angeht: Warum sollte man die machen? Die Wahrheit von Behauptungen ist m.E. immer relativ zu ihren Prüfverfahren, und da gibt es mitnichten bloß zwei à la Wiener Kreis, auch wenn Naturwissenschaftler uns das oft erzählen möchten. Ich wüsste nicht, was daran unseriös sein sollte, diese willkürliche Trennlinie zu ziehen.
  • Sinn der Automatisation

    07.06.2017, Robert Orso
    Bei all diesen Diskussionen wird immer mit der Keule "Arbeitsplätze" gewunken. Das ist der Standard Reflex gegen alle Maßnahmen zur Umverteilung der Gewinne von Unternehmen zu Menschen.

    Aber bei allem Verständnis für die Unternehmer und Freunde der Automatisation, eine Maschine wird angeschafft WEIL sie bei gleicher Produktivität weniger Kosten verursacht als ein menschlicher Arbeiter oder bei gleichen Kosten mehr leistet. Die einzige Möglichkeit hierbei Geld zu sparen sind die Lohn- und Nebenkosten für die weg rationalisierten Arbeitnehmer. Schon möglich, dass im Gegenzug andere Jobs gebraucht werden, aber in Summe immer weniger als durch die Automatisierung frei werden. Anders würde sich Automatisierung überhaupt nicht rechnen.

    Insofern ist ein Betrieb, der keine Mitarbeiter beschäftigt und daher auch keine Abgaben ins Sozialsystem zahlt oder den Menschen in der Umgebung ein Einkommen bietet für den Standort völlig überflüssig. Die "Drohung", dann eben abzuwandern ist zahnlos.

    Die Technik verspricht uns seit Beginn des industriellen Zeitalters, dass die Maschinen unsere Arbeit machen werden. Besser und schneller als wir es könnten. Ja, das tun sie, nur werden wir um die Früchte dieser Entwicklung betrogen, denn ICH kann mich jetzt nicht bequem zurück lehnen und zusehen wie eine Maschine meinen Job macht, während ich mich meinem schönen Leben widme. Die Gewinne sind zu 100% auf der Unternehmer Seite geblieben, wohingegen die Mitarbeiter "freigesetzt" wurden = sie sich gefälligst eine andere Möglichkeit suchen sollen, zu überleben.

    Es ist keineswegs so, dass es nichts zu tun gäbe, oder dass die Menschen zu faul sind um sich für irgendwas zu interessieren. Es gibt nur niemanden, der ihnen diese Tätigkiten bezahlt. Leider ist immer noch Geld nötig, um zu überleben.

    Das Thema einer Maschinensteuer ist ja nun wirklich nicht neu, hätte nur schon vor 150 Jahren eingeführt werden müssen. Für jeden durch Rationalisierung eingesparten Arbeiter werden 50% des ursprünglichen Lohns und ein entsprechender Anteil der Sozialabgaben weiter bezahlt. Die zweiten 50% darf sich der Unternehmer behalten. Beim zweiten Jobverlust, kann der Arbeitnehmer bei vollen Bezügen zu Hause bleiben und die Vorteile der Automatisierung in vollen Zügen genießen. Auf die Art würde jeder von der Automatisierung profitieren.

    Das Argument "wir gehen ohnehin in Richtung Dienstleistungsgesellschaft" geht ja auch ins Leere. Zum Einen wird gerade da viel automatisiert (self Service) zum Anderen hat ja keiner mehr Geld, um sich Diensleistung überhaupt leisten zu können.
  • Roboter & Steuern

    07.06.2017, Mr. Unbekannt
    Warum zahlen wir (Arbeitnehmer) in die Sozial- und Rentenversicherung ein?
    Damit wir vom Staat Unterstützung bekommen, wenn wir nicht (arbeitslos) oder nicht mehr (Rente) erwerbstätig sind. Dann brauchen wir Geld für Wohnung, Lebensmittel und Co. Zum (Über)leben.
    Ein Roboter braucht das nicht. Den stellt man einfach ab. Warum sollte dieser also Sozialabgaben entrichten?
    Wenn der Roboter gut wirtschaftet, steigt der Gewinn des Unternehmens, welches ihn einsetzt. Dann zahlt dieses Unternehmen auch mehr Steuern als ohne Einsatz des Roboters. Wo ist das Problem?
  • Grundlagen

    07.06.2017, Elmar Bodet
    Wer sich mit dem Thema "Nachhaltigkeit" beschäftigt, sollte damit beginnen:

    Human domination of the biosphere: Rapid discharge of the earth-space battery foretells the future of humankind
    http://www.pnas.org/content/112/31/9511.abstract
  • Und ewig lockt Platons Höhle...

    06.06.2017, Rene Macon
    Das ist mal wieder die bei Erkenntnisphilosophen übliche Bemühung um allgemeine Verunsicherung. Wie seriös ist es, in solch einer Argumentation Sätze, die eine empirische Beschreibung versuchen ("Der Bürgermeister von Berlin hat drei Köpfe" oder "Dass zum Beispiel der Kölner Dom zwei Türme hat und nicht einen, fünf oder siebzehn") undifferenziert neben Sätze zu stellen, die aus einem System von Axiomen logisch abgeleitet werden (der Satz von Euklid "Dass es etwa unendlich viele Primzahlen gibt"), also immer dann notwendigerweise gelten, wenn man die Axiome und eine bestimmte Art von Logik als gegeben voraussetzt?

    Ein Großteil der allgemeinen Verunsicherung kann man schon einmal beseitigen, wenn man diese Unterschiede berücksichtigt. Dann bleibt freilich noch immer das Beobachtungsproblem, wie man die Köpfe des Bürgermeisters oder die Türme des Doms gezählt bekommt. Das geht nicht, ohne dass wir eine Theorie verwenden, die uns sagt, was ein Kopf ist und was ein Turm ist und diese dann auf mit den von unseren Sinnesorganen empfangenen Rohdaten vergleichen. Damit wäre dann schon einmal klar, dass alle Beobachtungen immer theorieabhängig sind - ein Problem, dass die klassische Statistik durch die Formulierung einer Nullhypothese löst.

    Dann kann man sich noch immer darüber streiten ob die von unseren Sinnesorganen empfangenen Rohdaten in irgendeiner Form von einer unabhängigen Realität verursacht sein können. Hier bietet die Evolutionäre Erkenntnistheorie von Gerhard Vollmer eine plausible Lösung an, wenn man bereit ist die Evolutionstheorie vorauszusetzen. Es geht also nicht ohne Setzungen, die immer auch bestreitbar sind, wenn man Erfahrungswissenschaft betreiben will.

    Wenn man dazu bereit ist, kann man aber sowohl im Alltag als auch bei der Weiterentwicklung empirischer Theorien ziemlich weit kommen. Natürlich kann man die Leute immer auch in Platons Höhle entführen und ihnen die gräulichsten Schattenspiele zeigen. Verwirrte Menschen sind immer auch leicht beherrschbare Menschen. Das ist freilich eine psychosoziale Hypothese - aber eine die wohlbekannten Institutionen lange Zeit mit großem empirischem Erfolg genutzt wurde...
  • Zu statische Vorstellung von Tatsachen und Wissenschaft

    06.06.2017, Peter Stein
    Ich schließe mich cero an. Im Wesentlichen scheint mir das Manko des Artikels in einem viel zu statischen und eingeschränkten Begriff von "Wahrheit", "Fakten" und "Wissenschaft" zu liegen.
    Wissenschaft ist ein Prozess, der immer wieder sich an neuen Entdeckungen, Erfahrungen beweisen und weiterentwickeln muss. Viel wichtiger wäre eine Diskussion, ab wann wir daraus Handlungsanweisungen ableiten müssen.
    Die Leugner des Klimawandels reiten ja gerade darauf herum, dass es in der Wissenschaft immer auch Raum für Zweifel und Weiterentwicklung geben muss. Mit ihrer einfachen Vorstellung von "Tatsachen" wollen sie nur das anerkennen, was unbezeifelbar und vollständig als wahr erkannt werden kann.
    Das Wasserkocherbeispiel könnte hier als Ilustration genommen werden: Erst durch die Aufnahme vieler Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen entsteht nicht eine einheitliche Wirklichkeit, sondern eine einheitliche Vorstellung davon (die immer auch zu Erweiterungen und Korrekturen führen kann).
    Die Relität wird nicht von uns geschaffen, sondern (hoffentlich) zunehmend verstranden.
    Das Motto der Demonstrationen "Zu Fakten gibt es keine Alternativen" ist sicher verkürzt. Auf einen Vorschlag für ein besseres und zugleich prägnantes Schlagwort warte ich noch
  • Vergesst die Hormone nicht!

    06.06.2017, Friedhelm Becker
    Die Diskussion um die technische Realisierung einer personengetreuen Gehirnkopie lässt einen Aspekt außer Acht, der das ganze Unterfangen erschwert, wenn nicht sogar unmöglich macht:
    Das Gehirn reagiert nicht nur auf Inputs, die über Nervenzellen hereinkommen, sondern auch auf eine Vielzahl von Molekülen, die über Körperflüssigkeiten zu ihm gelangen. Diese sind schon bei einem Individuum über die Zeit sehr variabel hinsichtlich ihrer Konzentration – und die Rezeptoren dafür sind nicht permanent gleichmäßig empfindlich.
    Gerade um Gefühl-bezogene Reaktionen zu erzeugen, müsste man nicht auch Hormon- und andere Haushalte „mitkopieren“?
  • Wahrheiten ohne direkte Beobachtung

    05.06.2017, David M.
    Das es Fakten gibt, die nicht direkt mit unserer Beobachtung übereinstimmen, wie das Beispiel mit der Horizontlinie, widerlegt die Existenz der Fakten nicht. Man kann ja mithilfe der wissenschaftlichen Methode Aussagen auf Grundlage der Beobachtungen treffen, die über diese hinausgehen. Selbst wenn Aussagen, die über das unmittelbar Gegebene/die Wahrnehmungen hinausgehen, keine reale Existenz hätten, wären sie insoweit als ein Fakt anzusehen, wie sie das unmittelbar gegebene beschreiben. Das gleiche gilt auch bei anderen Einschränkungen der „realen Existenz“.
  • Schlaf-Wach-Rhythmus

    05.06.2017, Hans Schmidt
    Interessant wäre in diesem Zusammenhang die Auswirkung von Nachtarbeit und damit verändertem Schlaf-Wach-Rhythmus bei langjährig dauerhaften Nachtschichten und Wechselschichtmodellen.
  • Guter Start der Diskussion

    05.06.2017, hullabaluh
    Vielen dank, dass dieser Punkt einmal aufgenommen wird.

    Der Grund, warum Wissenschaft unverzichtbar ist, ist ja eben NICHT, weil man dann mit absoluter Sicherheit weiss, wie etwas ist. Die Wissenschaft ist ein steter Prozess der Suche nach der Wahrheit. Wenn Wissenschaftler aufzeigen, mit welchen Methoden sie zu welchen Ergebnissen gekommen sind, können die Ergebnisse von anderen Menschen geprüft und (hoffentlich) reproduziert werden. DAS ist der Unterschied zu Religion, Populismus und eben "DEN alternativen Fakten".

    Das Faktenregal ist das Ziel, aber die Fakten darin müssen immer als "jetziger Wissensstand" angeschaut werden, denn die Wissenschaft muss immer offen bleiben, dass bisherige Fakten durch neue Wissenschaft widerlegt werden. Ganz im Sinne Lessings:
    "Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: Vater gib! die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!"
  • ein wahrlich guter Artikel

    04.06.2017, Max
    und wahrlich geistreiche Kommentare dazu. Sehr erfreut hier drüber gestolpert zu sein :)