Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Erst spät gekümmert?

    26.03.2009, E.L.Sattler, 35394 Gießen
    In "Die Zukunft fährt elektrisch" wird dieselbe falsche Aussage gemacht wie von Kienzle im ZDF, nämlich daß die deutschen Autobauer sich kaum oder sehr spät um das elektrisch betriebene Auto kümmern würden (vgl. dazu Audi).

    Nun schreiben Sie sehr richtig, daß der Steckdosenstrom auch gewonnen werden muß. Dazu würden Kernkraftwerke (vorzüglich der Kugelhaufenreaktor, übrigens in Deutschland entwickelt, KFZ Jülich) umweltfreundlich vom Erdöl unabhängig machen.
  • Sommerzeit

    26.03.2009, Gerda Kuhfittig, Jeddah, Kingdom of Saudi Arabia
    Seit der (Wieder-)einführung der Sommerzeit häufen sich Berichte, dass alles und jedes/r unter ihr leidet: die Babys, die Schüler, die Tiere etc. Außerdem gibt es die Studien, die belegen, dass die Sommerzeit nichts Positives bringt - vor allem nicht finanziell oder ökonomisch.
    Warum schafft man diesen Schildbürgerstreich denn nicht endlich ab?
  • Begrenztes Mitleid

    26.03.2009, Ihr Name, Wohnort
    Schule und Ausbildung werden von Jugendlichen mehr als Pflicht empfunden, insofern ist es verständlich, dass sie noch früheres Aufstehen als belastend empfinden. Mit großer Wahrscheinlichkeit würden dieselben Jugendlichen die mit einem Urlaub verbundene Zeitumstellung als notwendiges Übel akzeptieren. Deswegen hält sich mein Mitleid an dieser Stelle sehr in Grenzen, zumal ich in der eigenen Lehrzeit auch schon 4.30 Uhr aufstehen musste.

    Vor allem stellt sich die Frage, ob das Untersuchungsergebnis angesichts der geringen Probandenzahl Bedeutung hat, dass darüber berichtet werden müsste. Oder sollte hier eine bestimmte Elternklientel ("ach, die armen Kinder ...") bedient werden?

    Dr. J. Götz
  • Versuch mit mehreren Haken

    25.03.2009, Dr. Gunter Berauer, 81735 München
    In dem Artikel wird ausgeführt, dass die Theorie der Multiversen eine natürliche Konsequenz der Quantenmechanik und der allgemeinen Relativitätstheorie sei. Diese Aussage kann man zumindest bezüglich der Quantenmechanik in Frage stellen. Die Quantenmechanik beschreibt die Welt nichtdeterministisch, also mit Hilfe des Begriffs des (absoluten) Zufalls. Die Theorie der Multiversen versucht, ohne den Zufall auszukommen, sie wurde sogar ausdrücklich aus dem Wunsch heraus geboren, den in der Quantenmechanik als Wirkgröße postulierten Zufall wieder aus der Welt zu schaffen; sie folgt keineswegs aus der Quantenmechanik selbst.

    Darüber hinaus hat dieser Versuch auch mehrere Haken. Erstens folgt aus der Theorie, dass permanent bei jeder (!) Zustandsreduktion im All die Anzahl der Universen inflationsartig anwächst. Brauchbare Theorien sollten aber (nach Ockham und Einstein) möglichst einfach sein, wovon man bei dieser Theorie sicher nicht reden kann. Zweitens erfüllt die Theorie auch nicht den mit ihr erhofften Zweck, den Zufall zu vertreiben. Denn es bleibt nach wie vor unerklärt, warum bei all diesen Weltallgeburten etwa "ich" mit meinem Bewusstsein ausgerechnet in dem Weltall lande, in dem ich mich gerade befinde. Das zu erklären, braucht man nach wie vor den Zufall.

    Der dritte Haken ist der, dass wir, im Gegensatz zur Behauptung von Lawrence Krauss aus Ohio, ganz sicher wissen, dass diese Theorie grundsätzlich von uns Menschen nicht überprüfbar, also weder verifizierbar noch falsifizierbar ist und auch bleiben wird. Denn für solche Nachweise müssten wir in der Lage sein, Experimente in den höherdimensionalen Räumen zu machen, in denen man sich diese Universen angeordnet vorstellen kann, was wir aber bekanntlich nicht können. Theorien mit diesem grundsätzlichen Makel müssen wir immer noch als wissenschaftlich wertlos betrachten. Man kann an sie glauben, wenn man will, mehr aber nicht.

    Und noch etwas wird bei dem Versuch, in unserer immanenten vierdimensionalen Welt unbegreifliche "Mirakel" (wie etwa den Zufall) in höherdimensionalen, für uns "transzendenten" Räumen zu erklären, gerne übersehen: nämlich die Tatsache, dass man i.a. unendlich viele transzendente Erklärungen für ein immanentes Mirakel finden kann. Ein einfaches Beispiel ist ein aus dem dreidimensionalen in eine Ebene geworfener Schatten, den in dieser Ebene lebende zweidimensionale Wesen als Mirakel ansehen, weil sie sich ihn nicht erklären können. In der dritten Dimension kann jeder derartige Schatten bekanntlich durch eine überabzählbar unendliche Zahl verschiedener Anordnungen von Gegenständen und entsprechenden Beleuchtungseinrichtungen erzeugt werden. Was tatsächlich den Schatten verursacht, werden die Wesen in der Ebene niemals ergründen können. Selbst wenn also die Multiversen-Theorie nicht die drei oben genannten Haken hätte, wäre sie aus diesem letztgenannten Grunde wenig wert. Denn wir müssten davon ausgehen, dass sie unendlich viele gleichschöne Schwestern hat, unter denen wir uns dann mit dem Würfel, also wieder per Zufall, eine auswählen dürfen. Ähnliche Argumente kann man übrigens auch bei der Stringtheorie ins Feld führen, da auch sie die Welt in einem mehrdimensionalen, für uns transzendenten Raum zu beschreiben versucht.
  • Bestätigung von Darwins Evolutionstheorie

    25.03.2009, D. Krogmann
    Da sage noch jemand, Darwins Theorie wäre Hirngespinst. Zeigt doch das geschilderte Verhalten der putzigen Fadenpipras, wie ähnlich verschiedene Spezies auf völlig unterschiedlichen Ebenen der Fortentwicklung in ihrem Verhalten und Strategien sind.

    Eine wichtige Erkenntnis, die auch bereits bei unserem "nächsten Verwandten", den Menschenaffen beobachtet wurde, ist ein strukturiertes Verhalten der männlichen Spezies zum Zweck gemeinsamer Organisation.

    Bei den Fadenpipras beschränkt sich dieses Verhalten auf die Balz und der Fortpflanzung, beim Primaten "Mensch" auf rücksichtslose Konzentration von Macht über "Massenmorde" (gleich Kriege) und unterdrückerische gesellschaftliche Regelungen (Gesetze) die letztlich den egoistischen Machtanspruch ihrer Führungseliten gegenüber der Masse vernebeln sollen.

    Letztlich blicken wir bei der Betrachtung der Schnurrvögel - bei den grundlegenden Teilen seines Verhaltens - in unser Spiegelbild.
  • Fragwürdig?

    24.03.2009, Heinrich Nickel, Mühltal
    Ich denke, wir sollten uns immer der erkenntnistheoretischen Grenzen unserer Naturwissenschaften bewusst sein. Deshalb sollten wir uns von anderen Erkenntnisweisen nicht zu sehr abgrenzen und auch einen Blick über den Tellerrand wagen. Wir können dadurch nur gewinnen.

    Ich zitiere in diesem Zusammenhang immer gerne die Parabel vom Ichtyologen des englischen Astrophysikers Sir Arthur Eddington und empfehle die Lektüre der Vortragsmitschrift von "Sind Medizin und Biologie nur Physik? Reflexionen eines Quantenphysikers" von Hans-Peter Dürr (Emeritus des Max-Planck-Instituts für Physik).

    (Anm. d. Red.:) Die Parabel vom Ichtyologen wird in Dürrs Vortrag so berichtet: >>In seinem 1939 erschienenen Buche "The Philosophy of Physical Sciences" vergleicht Eddington den Naturwissenschaftler mit einem Ichtyologen, der das Leben im Meer erforschen will. Dieser wirft dazu sein Netz aus, zieht es an Land und prüft seinen Fang nach der gewohnten Art eines Wissenschaftlers. Nach vielen Fischzügen
    und gewissenhaften Überprüfungen gelangt er zur Entdeckung eines Grundgesetzes der Ichtyologie: Alle Fische sind größer als fünf Zentimeter! Er bezeichnet diese Aussage als Grundgesetz, da sie sich ohne Ausnahme bei jedem Fang bestätigt hatte. Dem kritischen Einwand eines Betrachters, des Metaphysikers, der die grundsätzliche Bedeutung dieses Grundgesetzes mit dem Hinweis auf die 5cm-Maschenweite des Netzes bestreitet, begegnet der Ichtyologe unbeeindruckt mit dem Hinweis: "Was ich mit meinem Netz nicht fangen kann, liegt prinzipiell außerhalb fischkundlichen Wissens, es bezieht sich auf kein Objekt der Art, wie es in der Ichtyologie als Objekt definiert ist. Für mich als Ichtyologen gilt: Was ich nicht fangen kann, ist kein Fisch."<<
  • Was existiert und was wir sehen

    23.03.2009, Heinz Dähling, Elsdorf
    Eine naive Hypothese, die (fast) alles erklärt: Die Welt existiert in vier Dimensionen, aber nicht in Raum und Zeit, sondern in vier gleichwertigen Raumdimensionen und davon "sehen" wir nur drei.

    Vier Dimensionen braucht es zur vollständigen Beschreibung von Gravitation. Elektromagnetische Erscheinungen hingegen kommen zur ihrer vollständigen Darstellung mit 3-D aus. Wir wechselwirken mit unserer Umwelt ausschließlich elektromagnetisch und somit ist auch unsere Anschauung 3-D. Vierdimensionale Ereignisse erfahren wir als Projektion auf die Dreidimensionalität. So bewegen sich Elementarteilchen vierdimensional, gelangen daher bei Beugungsexperimenten an Orte, an denen sie nach klassischer Vorstellung nicht sein dürften. Wir umschreiben das als Welle.

    Ein 3-D-Universum wäre in einer vierdimensionalen Welt so etwas wie die Oberfläche eines Objektes, also gekrümmt und in sich geschlossen (ein n-dimensionales Objekt hat eine n-1-dimensiomnale Oberfläche und Oberflächen sind nun mal in sich geschlossen; „gekrümmt und in sich geschlossen“ ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass überhaupt etwas existiert).

    Elektromagnetische Objekte, also wir selbst und alles was uns umgibt und auch das Licht sind dann nichts anderes als propagierende „Oberflächenstrukturen“ dieses einen 4-D-Objektes. Masse krümmt nicht den Raum, sondern Krümmungen dieser Oberfläche, eben Strukturen, erscheinen uns als Masse. Darin findet dann auch die Äquivalenz von Energie und Masse ihre Begründung, beide sind Strukturen ein und derselben Oberfläche.

    Die Oberfläche, die dreidimensionale, ist erfüllt von einem elektromagnetischen Grundrauschen, da alles, was abgestrahlt wird endlos umläuft, wenn es nicht irgendwo absorbiert wird. Da braucht man nicht das Echo des Urknalls zur Erklärung. Schwarze Löcher, dunkle Materie und was da sonst noch spukt, ließen sich anschaulich begründen. 4-D ist überall. Die Kürze des Leserbriefs lässt leider keine weitere Vertiefung zu.

    Es ist die Raumzeit, die uns die Sicht vernebelt. Die Erfinder derer haben auf die Uhr geschaut, ohne darüber nachzudenken, was eine Uhr eigentlich macht.

    Wenn irgendjemand mit diesen Überlegungen etwas anfangen kann, wäre ich an einer Rückmeldung interessiert.
  • Nicht so überzeugend ...

    23.03.2009, Ulysse Keller, Zürich
    ... finde ich den Artikel, weil er von der bloß etwa 300 Jahre alten temperierten chromatischen Tonleiter mit 12 gleichen Halbtönen ausgeht, die im Grunde etwas künstlich ist, auch wenn wir uns seit ihrer Erfindung zu J. S. Bachs Zeit an Musikstücke und viele Musikinstrumente derart an sie gewöhnt haben, dass viele nichts von der Temperieung ahnen oder diese Tonleiter als natürlich empfinden.

    Wo der Artikel die bekannte, vermutlich richtige Annahme benutzt, dass Intervalle wohl klingen, die zu Übereinstimmung bei Obertonfrequenzen führen, wird z. B. von einem Frequenzverhältnis 3:2 für eine Quinte ausgegangen. Ansonsten wird für dasselbe Intervall 7 Halbtöne mit 1/12 einer Oktave angenommen. Das ergibt ein Frequenzverhältnis 2 hoch 1/12 = ca. 1,4983, so nahe an 1,5 dass der 'normale' Hörer den Unterschied praktisch nicht hört, wodurch sich diese Tonleiter durchsetzen konnte (was ich wohlbemerkt durchaus gut finde). In einer Grundsatzfrage wie die im Artikel diskutierte sollte dies nicht ignoriert werden. Das um so mehr, als die Abweichungen bei den anderen relevanten Intervallen unter einer Oktave mehr ins Gewicht fallen, vor allem relativ zum Intervall, wenn dieses eher klein ist.
    Antwort der Redaktion:
    Sammelantwort der Autoren auf alle Zuschriften:

    Zunächst möchten wir allen Kommentatoren für ihre sorgfältige Lektüre des Artikels und die anregende Diskussion danken. In der Tat ist die Abbildung, die das Phänomen der Obertöne grundlegende erklären soll, durch den Vergleich zur bekannten Klaviatur etwas unpräzise, beispielsweise müsste F2 näher bei F3 liegen. In der heute üblichen wohltemperierten Stimmung allerdings werden die Unterschiede ein wenig nivelliert. Detlev Rosbach hat natürlich Recht damit, dass beispielsweise der 6. Oberton, vom Grundton aus gesehen, zwischen dem 33. und 34. Halbton liegen würde, mit C als Grundton also wäre das ein Ton zwischen A und Bb. Musikalisch bedeutet das übrigens, dass höhere Ordnung der Obertöne immer etwas Dissonanz erzeugen, was heute allgemein akzeptiert wird, in den Stimmungen des Mittelalters Bedeutung hatte.
    Wie Theo Hartogh richtig moniert, wird das Deutschlandlied nicht immer in D-Dur gespielt, Haydn komponierte die Melodie ursprünglich in G-Dur. In der wohltemperierten Stimmung bedeutet die Wahl einer anderen Dur-Tonart lediglich ein Verschieben der Tonhöhe, der grundlegende Charakter – kraftvoll, hell, optimistisch – ändert sich dadurch nicht. Hartogh irrt, was den Beatles-Song »Yesterday« angeht: Die Tonfolge von »Why she had to go« ergibt einen Moll-Akkord in 2. Umkehrung auf (D, G, Bb), so erzielte Paul McCartney den beabsichtigen Eindruck von Verlorenheit und Trauer.


    Dieser Moll-Charakter bleibt übrigens auch dann erhalten, wenn man die Passage mit Dur-Akkorden begleitet. Dennoch steht die Bedeutung des musikalischen Kontextes von Mehrklängen und Tonfolgen für deren Funktion innerhalb eines Stücks außer Frage. Der Clou unserer Arbeit ist aber gerade, dass wir einen biologischen „Mechanismis“ entdeckt haben, der einen Dur- oder Moll-Charakter auch dann zu erklären vermag, wenn Akkorde und Sequenzen für sich allein, also ohne Kontext erklingen. Und dieser Charakter entspricht der musikalischen Erfahrung.
    Die Tonalität von Dreiklängen wird unseres Erachtens also primär von ihrer akustischen Struktur, nicht von der jeweiligen Kultur mit ihren Wahrnehmungsgewohnheiten bestimmt. Auch wenn seit der Renaissance meist mit Bezug zur Dur-Tonalität komponiert wurde, symmetrische, spannungsvolle Akkorde hingegen seltener Verwendung fanden, eignen sie sich unseres Erachtens besser als Referenz, um die emotionale Qualität von Mehrklängen modellhaft zu untersuchen.
    Ein Blick auf nichtwestlichen Musikkulturen ändert daran übrigens nichts, mögen diesen 5-, 7- oder gar 22-tönige Skalen zugrunde liegen. Auch dort gibt es Tonfolgen mit implizit Dur- oder Moll-Charakter. Das gilt für traditionelle chinesische und japanische Stücke ebenso wie für nordindische Ragas. Die Wahrnehmung der Tongeschlechter ist also ein Kulturen übergreifende Phänomen und das spricht wohl ebenfalls für eine biologische Grundlage.
  • Frag-würdig

    23.03.2009, Maxim Graf, Quickborn
    Der Erhalt des Templeton-Preises zählt für einen Wissenschaftler aus meiner Sicht eher als Herabwürdigung. Nichts gegen originelle und weither geholte Einfälle, auch abstruse Ideen.

    Mir wäre es aber äußerst peinlich, von dieser Organisation zur Verbreitung von Religion und Aberglaube einen Preis zu erhalten.

    Auch der Redation eines populärwissenschaftlichen Magazins sollten die unwissenschaftlichen Ziele der Templeton-Foundation bekannt sein. Dieser Preis eines ehemaligen Autors ist kein Grund zum Jubeln.
  • Schattenboxen um Popper

    21.03.2009, Prof. Dr. Andreas Beyer, Essen
    Dieser sehr interessante Beitrag über Wissenschaftstheorie kann nicht unwidersprochen bleiben; insbesondere ist es immer wieder ärgerlich, wenn Karl Popper Ansichten zugesprochen werden, die er nicht vertreten hat.
    1.) hat Popper in der Logik der Forschung unfalsifizierbare Sätze nicht als „pseudowissenschaftlich“ bezeichnet, sondern als „metaphysisch“ – das ist ein riesiger Unterschied. Ersteres ist eindeutig negativ wertend, und man darf dieses Verdikt nur aussprechen, wenn man positive Evidenz für Unwissenschaftlichkeit vorweisen kann. „Metaphysisch“ hingegen bedeutet zunächst einmal nur, dass ein Satz nicht überprüfbar und daher nicht zu entscheiden ist. SELBSTVERSTÄNDLICH ist es unser Job als Wissenschaftler, dies zu ändern – so wie es im Beispiel der Gravitationslinsen geschehen ist.
    2.) Eine Theorie, von der man nicht wissen kann, ob sie falsifizierbar ist, bleibt aus exakt diesem Grund so lange metaphysisch, bis die Falsifizierbarkeit geklärt ist, um über diesen Weg am Ende als „gut betätigt“ oder „falsch“ klassifiziert zu werden. Es ist absurd anzunehmen, die Wissenschaft würde sich mit Widersprüchen oder nicht-Falsifizierbarkeit dauerhaft zufrieden geben: Die (z.Zt. noch metaphysische) Multiversum-Hypothese wird am Ende entweder die Deduktion prüfbarer Aussagen erlauben (und dann bestätigt oder widerlegt werden), oder aber sie wird im Kuriositäten-Kabinett verschwinden, wo sie dann auch hingehört. Übrigens: Die im Artikel gemachte Aussage, das Multiversum sei eine Konsequenz der Quanten- und Relativitätstheorie, ist falsch: Es ist eine Konsequenz der Everett’schen INTERPRETATION der Quantenphysik, Niels Bohrs Interpretation gelangt zu ganz anderen Szenarien.
    3.) Man sollte Popper mit dem zitieren, was er auch tatsächlich vertreten hat. Wenn Frau Goldstein meint, 'Popper unterstelle den Wissenschaftlern Distanz zu ihren Theorien, so dass sie diese ständig „abzuschießen“ versuchen', sollte sie nochmals in Poppers Werk nachlesen: Ihm war völlig klar, dass Wissenschaftler i.d.R. eben keine solche Distanz aufbauen werden, und so ergänzte er 'wenn der betreffende Wissenschaftler schon nicht gewillt sein wird, zu versuchen, seine Theorien auf Herz und Nieren zu prüfen und umzustoßen, so wird es sein Kollege im Labor nebenan sicherlich sein – und nur darauf kommt es an'.
    4.) Auch die Behauptung, Poppers Wissenschaftsbegriff müsse bei Konfrontation mit der Realität „kollabieren“, ist schlicht falsch, denn in der Debatte um Popper wird ständig etwas wichtiges übersehen: Popper war ein Systematiker, der sich für das Prinzip und wenig für den Wissenschaftsalltag interessiert. Trotzdem war auch ihm klar, dass die wissenschaftliche Welt nicht einfach, die Beobachtungs- und Versuchsresultate in aller Regel mehrdeutig sind. Aus genau diesem Grund hat er explizit darauf hingewiesen, dass auch die falsifizierenden Beobachtungen und Ergebnisse ggf. selbst falsifikationsfähig (auf jedem Fall aber zu überprüfen!) sind. Konsequenterweise hat er sich auch nicht um die Frage gekümmert, wann denn nun nach einer Falsifikation eine ganze Theorie widerlegt ist oder ob sie vielleicht bloß unvollständig war. (So wie übrigens die Newton’sche Mechanik, die eben nicht, wie im Artikel behauptet, falsch ist, sondern die lediglich einen geringeren Allgemeinheitsgrad, einen kleineren Geltungsbereich aufweist als die Relativitätstheorie). Vergleicht man unter diesem Aspekt Popper mit dem „Bayes’schen Vorgehen“, so erweist sich die Diskrepanz als Scheinwiderspruch: Popper beschreibt das Prinzip, Bayes die Praxis.

    Dr. Andreas Beyer
    Prof. f. Molekulare Biologie
    Essen
  • Dur & Moll: die Stimmung natürlicherweise unterschiedlich?

    21.03.2009, Prof. Dr. Andreas Beyer, Essen
    In dem sehr interessanten Beitrag von Cook und Hayashi ist zunächst ein Fehler zu berichtigen: Das erhöhte, also größere Intervall (die gr. Terz) bildet einen Dur-Dreiklang, das kleinere Moll – im vorletzten Absatz wurde es umgekehrt dargestellt. Die Beziehung, welche die Autoren zur sprachlichen Intonation herstellen, wird damit fragwürdig.
    Zu ergänzen ist ferner ein Aspekt, der sehr wohl einen Ansatz zum Verständnis der emotionalen Wertigkeit von Dur vs. Moll liefert: Die Dur-Terz ist ein früh in der Obertonreihe des Grundtones auftretender Ton (nämlich bereits der vierte), während die Moll-Terz SEHR viel später folgt. Insofern ist Dur aufgrund der näheren Verwandtschaft der beteiligten Töne der „natürlichere“ Akkord, das könnte sehr gut erklären, dass wir ihn als angenehmer empfinden. Dass das Hörempfinden kulturell stark überprägbar ist, muss natürlich mit einkalkuliert werden.
    Dr. Andreas Beyer
    Prof. f. Molekulare Biologie
    Essen
    Antwort der Redaktion:
    Sammelantwort der Autoren auf alle Zuschriften


    Zunächst möchten wir allen Kommentatoren für ihre sorgfältige Lektüre des Artikels und die anregende Diskussion danken. In der Tat ist die Abbildung, die das Phänomen der Obertöne grundlegende erklären soll, durch den Vergleich zur bekannten Klaviatur etwas unpräzise, beispielsweise müsste F2 näher bei F3 liegen. In der heute üblichen wohltemperierten Stimmung allerdings werden die Unterschiede ein wenig nivelliert. Detlev Rosbach hat natürlich Recht damit, dass beispielsweise der 6. Oberton, vom Grundton aus gesehen, zwischen dem 33. und 34. Halbton liegen würde, mit C als Grundton also wäre das ein Ton zwischen A und Bb. Musikalisch bedeutet das übrigens, dass höhere Ordnung der Obertöne immer etwas Dissonanz erzeugen, was heute allgemein akzeptiert wird, in den Stimmungen des Mittelalters Bedeutung hatte.


    Wie Theo Hartogh richtig moniert, wird das Deutschlandlied nicht immer in D-Dur gespielt, Haydn komponierte die Melodie ursprünglich in G-Dur. In der wohltemperierten Stimmung bedeutet die Wahl einer anderen Dur-Tonart lediglich ein Verschieben der Tonhöhe, der grundlegende Charakter – kraftvoll, hell, optimistisch – ändert sich dadurch nicht. Hartogh irrt, was den Beatles-Song »Yesterday« angeht: Die Tonfolge von »Why she had to go« ergibt einen Moll-Akkord in 2. Umkehrung auf (D, G, Bb), so erzielte Paul McCartney den beabsichtigen Eindruck von Verlorenheit und Trauer.


    Dieser Moll-Charakter bleibt übrigens auch dann erhalten, wenn man die Passage mit Dur-Akkorden begleitet. Dennoch steht die Bedeutung des musikalischen Kontextes von Mehrklängen und Tonfolgen für deren Funktion innerhalb eines Stücks außer Frage. Der Clou unserer Arbeit ist aber gerade, dass wir einen biologischen „Mechanismis“ entdeckt haben, der einen Dur- oder Moll-Charakter auch dann zu erklären vermag, wenn Akkorde und Sequenzen für sich allein, also ohne Kontext erklingen. Und dieser Charakter entspricht der musikalischen Erfahrung.


    Die Tonalität von Dreiklängen wird unseres Erachtens also primär von ihrer akustischen Struktur, nicht von der jeweiligen Kultur mit ihren Wahrnehmungsgewohnheiten bestimmt. Auch wenn seit der Renaissance meist mit Bezug zur Dur-Tonalität komponiert wurde, symmetrische, spannungsvolle Akkorde hingegen seltener Verwendung fanden, eignen sie sich unseres Erachtens besser als Referenz, um die emotionale Qualität von Mehrklängen modellhaft zu untersuchen.


    Ein Blick auf nichtwestlichen Musikkulturen ändert daran übrigens nichts, mögen diesen 5-, 7- oder gar 22-tönige Skalen zugrunde liegen. Auch dort gibt es Tonfolgen mit implizit Dur- oder Moll-Charakter. Das gilt für traditionelle chinesische und japanische Stücke ebenso wie für nordindische Ragas. Die Wahrnehmung der Tongeschlechter ist also ein Kulturen übergreifende Phänomen und das spricht wohl ebenfalls für eine biologische Grundlage.
  • Literatur zum Thema Höhlenlöwen

    21.03.2009, Ernst Probst, Wiesbaden
    Über Höhlenlöwen in Europa, Asien und Amerika informiert das Taschenbuch "Höhlenlöwen. Raubkatzen im Eiszeitalter" des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst. Es umfasst 332 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und enthält eine umfangreiche Liste über Funde von Höhlenlöwen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Was war Ötzi von Beruf?

    17.03.2009, Charlotte Staffehl
    Was hatte Ötzi für einen Beruf ?!
    Antwort der Redaktion:
    Welchen Beruf Ötzi hatte, dürfte wohl sein Geheimnis bleiben - aus den Fundstücken auf einen bestimmten Beruf zu schließen ist unmöglich. Vielleicht war er Schamane, Hirte, Jäger oder Handwerker, vielleicht Vagabund. Da die Dinge, die er bei seinem Tod mit sich führte, für viele Berufe denkbar sind, bleibt viel Spielraum für Spekulationen und Fantasie.
  • Anode? Kathode?

    17.03.2009, Fritz Diem, 81476 München
    Meine rudimentären Kenntnisse der Elektrotechnik stammen noch aus der Zeit der Trioden und Pentoden. Elektonen flögen - so hat man uns beigebracht - zur Anode und weiter durch den Arbeitswiderstand zum Pluspol der Anodenbatterie.
    Im Kasten auf Seite 92 ist das aber recht unklar: Zumindest fehlt eine Bezeichnung, in welcher Richtung der Strom fließt beim Laden und Entladen. Ein Zeichen für Plus- und Minuspol wäre auch angebracht gewesen.

    Zudem: Nennt man die Elektrode, die beim Entladen Elektronen liefert, in der Elektrochemie wirklich Anode, wie im Text darunter behauptet wird?
    Antwort der Redaktion:
    Die Abbildung ist tatsächlich etwas unklar. Gezeigt und in der Bildunterschrift beschrieben ist nur der Entladevorgang und der dazugehörige Stromfluss (Pfeil rechts oben).


    Ansonsten gilt, dass die Kathode Elektronen an die Elektrolytösung abgibt und die Anode Elektronen aus der Lösung aufnimmt. Dann aber liefert die Anode (als Minuspol) die Elektronen in den Stromkreis. Das Missverständnis kann wohl entstehen, weil man den Elektronentransport mit Bezug auf die Lösung oder auf den Stromkreis beschreiben kann.
  • Das glaube ich Ihnen keineswegs

    17.03.2009, Dr. Klaus Fabian, Waldkraiburg
    Da ich selbst Chemiker bin, hätte ich gerne Genaueres über den Aufbau der Lithium-Ionenbatterien erfahren. Aus genanntem Artikel kann ich das nicht, da der Autor den Chemismus leider selbst nicht verstanden hat.

    Auf S. 91 steht: "Beim Aufladen wandern Lithiumionen von der Kathode weg und setzen sich im Graphit (der Anode) fest." Auf S. 92 unten lese ich dagegen: "... es wandern positiv geladene Li-Ionen von der Anode ... zur Kathode. An der Anode werden dabei Elektronen frei, die als Strom zum Verbraucher fließen." Beides ist Unsinn. An der Kathode gehen natürlich Lithiumionen in Lösung und werden Elektronen frei; und beim Wiederaufladen kehren die Lithiumionen zur Kathode zurück, denn es sind ja Kathionen.

    Auf derselben Seite oben liest man von Anodenmaterial Lithiumtitanat. Gemeint ist wohl Kathodenmaterial. Falls die Anode nur aus Graphit besteht und der Elektrolyt Lithiumnitrat enthält, würde mich interessieren, was beim Aufladen mit dem Nitrat passiert, das ja als Anion zur Anode wandert.

    Im Übrigen: Dass die Zukunft elektrisch fährt, glaube ich Ihnen keineswegs. Hinsichtlich Energiedichte, auch Bequemlichkeit, sind flüssige Treibstoffe wie Benzin, Diesel (auch Methanol aus Kohle) immer überlegen, solange man in Kraftwerken und Heizungen weltweit massenhaft Öl (auch Kohle) verfeuert.
    Antwort der Redaktion:
    Ihre erste Bemerkung müssen wir (leider) unumwunden bestätigen.

    Zum Thema des Anodenmaterials Lithiumtitanat: Hier geht es tatsächlich um eine Anode. Da die Firma Altairnano allerdings ein Patent auf ihre Technologie und genauere Informationen unter Verschluss hält, ist Genaueres nicht zu erfahren. Soviel ist aber bekannt, dass die Anode - bei der Graphit durch Li-Titanat ersetzt wurde - dank der Nanostrukturierung eine extrem hohe Oberfläche besitzt, sodass die Ladungsträger viel besser andocken beziehungsweise die Anode verlassen können.
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