Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Erfreuliche Erkenntnisse

    26.07.2008, Kurt Kress, Kesslertstr.9, 60431 Frankfurt
    Das Erfreuliche an dem gelungenen Beitrag "Umbau" von Gerhard Samulat sind die Erkenntnisse, dass einmal "die neue Energieinfrastruktur dezentral" sein wird, und zum anderen der, wie ich meine, berechtigte Verdacht, dass die großtechnische Nutzung von Sonne und Wind ganz im Interesse großer Energieversorgungsunternehmen liegt, da sie diese Anlagen sowie die dazu nötigen HGÜ-Stromtrassen in eigener Trägerschaft zu ihren betriebswirtschaftlichen Vorstellungen übernehmen könnten. Das wäre ein nahtloser Übergang von der Monopolisierung fossiler Energieträger und des Uran zur Monopolisierung von Sonne und Wind.

    Das gewohnte Denken in großtechnischen Dimensionen beeindruckt leider mehr, als ein Denken, das durch dezentrale Energieversorgung auch wirtschaftliche Macht dezentralisieren und so demokratisieren will. Schon vor Jahren lobte Claassen, damals noch Chef von EnBW, die Pläne der DLR, die vorrechneten, dass man mit Wind- und Solarstrom aus Nordafrika die ganze Welt ausreichend mit elektrischer Energie versorgen kann, und das mit nur 1% der dafür geeigneten Flächen, während Claassen die dezentrale Nutzung regenerativer Energien in Deutschland, also eine breitere Streuung von Eigentum, entschieden ablehnte.

    Die Faszination dieser teils weltumspannenden Mammutprojekte lässt leicht vergessen, dass es auch weniger spektakuläre, dafür aber schneller und billiger zu realisierende Lösungen des Energieproblems gibt: Die dezentrale Energieversorgung durch Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien, die Strom und Wärme dort erzeugen, wo sie benötigt werden. Das ermöglicht - im Gegensatz zu die Landschaft und Wälder zerschneidende Hochspannungstrassen - kurze, verlustarme Erdkabel und Nahwärmenetze.

    Wem das unrealistisch, zu blauäugig erscheint, dem seien als Beispiel aus der BRD einige Zahlen des Statistischen Bundesamtes oder des BMU (AGEE-Stat) genannt: Sie zeigen, dass wir uns durchaus mit "heimischen" Energien ausreichend versorgen können. So wuchs z.B. die Summe der Leistung dezentraler Anlagen, die nur mit erneuerbaren Energien betrieben werden, in Deutschland in der Zeit von 2001 bis 2006 um 16 571 MW. Diese 16 571 MW entsprechen etwa einer Leistung von 16 großen Kohle- oder Atomkraftwerken. In diesen sechs Jahren hätte man aber kein einziges Großkraftwerk fertig stellen können, da deren Planungs- und Bauzeiten den Zeitrahmen von sechs Jahre bei weitem überschreiten.

    Nicht nur die Leistung dieser dezentralen Anlagen, sondern auch die Summe ihrer jährlichen Stromproduktion steigt kontinuierlich. Nach der genannten Statistik betrug die Summe der Stromerzeugung dezentraler Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien in Deutschland 24 505 GWh 1997 und 87 450 GWh 2007, Tendenz steigend. Das entspricht einem jährlichen Zuwachs von durchschnittlich etwa 6300 GWh. Im Jahr 2007 betrug dieser Zuwachs aus neu errichteten Anlagen sogar 15 400 GWh. Das entspricht etwa der Stromproduktion von zwei Grundlastkraftwerken mit einer Leistung von 1000 MW und jährlich 8000 Volllaststunden, also einer Stromproduktion von ca. 16 000 GWh. In einem Jahr hätte man aber nicht zwei Großkraftwerke fertig stellen können.

    Hermann Scheer hat also recht, wenn er sagt, dass keine Energietechnik schneller zu realisieren ist, als der Bau von Anlagen zur dezentralen Nutzung erneuerbarer Energien. Von diesen Energien gibt es in Europa mehr, als wir benötigen. Die Förderung des Baus von Wind- und Solaranlagen in Afrika wäre eine sinnvolle Entwicklungshilfe für die dort lebende, meist arme Bevölkerung, jedenfalls sinnvoller als die aufwendige Verlegung von HGÜ-Stromkabeln durchs Mittelmeer.
  • Präzisierung zum Nachtrag "Durchgangssperre" erwünscht

    26.07.2008, A. Hoechner, Potsdam
    Zwei Fragen zum Nachtrag bezüglich Durchgangssperre, Zitat: "Dies betrifft alle „schräg“ ziehenden Figuren, also außer dem König und dem Läufer auch den schlagenden Bauern."
    1. Also wenn für alle schräg ziehenden Figuren, dann auch für den Springer, der einen schrägen und dann einen geraden Zug macht? Konkret: Darf er aus der Grundstellung über die eigenen Bauern springen oder nicht?
    2. Müssen die Bauern nebeneinander auf gleicher Höhe stehen, oder ist der Korridor auch gesperrt, wenn der eine Bauer schräg vor dem andern steht?
    Antwort der Redaktion:
    1. Er darf. Zitat aus dem Artikel: "Wie beim klassischen Schach kann keine dazwischenstehende Figur den Springer in seiner Bewegung hindern."

    2. Der Korridor ist auch gesperrt, wenn eine schräg ziehende Figur nicht nur "schräg" im Chex-Sinne, sondern schräg im landläufigen Sinne zieht.

    Christoph Pöppe, Redaktion Spektrum der Wissenschaft
  • Ihre Themenvielfalt fesselt

    26.07.2008, Wolfgang Hellemanns, Himmelpforten
    Liebe Gestalter von Spektrum der Wissenschaft,
    Ihr Jubiläum hat mich angeregt zurückzublicken, und Spektrum war all die Jahre mit dabei.

    Ich bin am 1. Februar 1943 geboren - ein Datum das in der nationalen Bedeutung fast vergessen ist: an diesem Tag hat die deutsche Armee in Stalingrad kapituliert. Für meinen Vater war ab da klar, dass der Krieg verloren war. Die Bilder von Ludwigshafen, in dem kein Haus mehr stand, sind fest eingebrannt in meinem Kopf. An Not als bedrückendes Erlebnis aber erinnere ich mich nicht. In der Schule wurde ich von einem wunderbaren Physiklehrer zu den Naturwissenschaften hingeführt. Und 1968 war ich dann ein 25-jähriger Physikstudent an der Uni Karlsruhe. Ich demonstrierte wie fast alle gegen Vietnam und war erschrocken, wie aus dieser Zeit heraus die RAF entstehen konnte.

    Damals blätterte ich im Lesesaal im Bibliotheksturm schon in Scientific American. Nach dem Studium war es diese Zeitschrift, die mir eine Brücke zu den Naturwissenschaften baute - ich war Lehrer geworden. Als dann 1981 die Erst-Edition von Spektrum der Wissenschaft erschien, war ich neugierig. Das Heft liegt vor mir, und der Artikel über 'Optische Nachrichtensysteme' lässt mich staunen über das, was inzwischen geworden ist.

    1983 ist es mir dann mit dem Englischen zu mühselig geworden und ich abonnierte die deutsche Ausgabe 'Spektrum'.

    Vor sieben Jahren bin ich nun Weinhändler geworden, ich freue mich immer noch am Ende des Monats auf 'Spektrum', und meine ältere Tochter hat auch ein Abonnement.
    Es ist die Themenvielfalt, die mich fesselt und es gibt eigentlich keinen Artikel, der besonders haften geblieben ist - oder vielleicht doch: es gibt ein Sonderheft über Entwicklungen der Waffentechnik (Rüstung und Abrüstung: 1983) und ein Artikel in einem der letzten Hefte über die Strategie der USA, das Knowhow der Kernwaffenproduktion zu erhalten.
    Die Welt sollte davon mehr erfahren.
  • Woher weißt du?

    26.07.2008, Reiner Vogels, Swisttal
    Die Lektüre des o.g. Aufsatzes von Sean M. Carroll hat mich an Texte spekulativer mittelalterlicher Theologen erinnert. Vielleicht bin ich als kritisch geschulter Theologe ja zu nüchtern und realitätsbezogen, aber beim Lesen dieser Texte hätte ich dem jeweiligen Verfasser oft gerne die Frage gestellt: "Woher weißt du?" Ebenso ist es mir beim Aufsatz Sean M. Caroll gegangen. Ja, ich habe den Eindruck, dass seine spekulative Phantasie die eines Bonaventura oder Dionysius Aeropagita noch in den Schatten stellt.

    Wenn ich unsere Welt betrachte, bin ich fasziniert von ihrer klaren und gerade in ihrer mathematischen Einfachheit beeindruckend schönen Ordnung. Ich verweise nur darauf, dass für das mathematische Verständnis des Periodensystems der Elemente die Fähigkeiten ausreichen, die am Ende der 4. Klasse der Grundschule erreicht werden, und dass für das Verständnis des Formelwerks der Relativitätstheorie das mathematische Abiturwissen genügt.

    Angesichts dieser Tatsache ist in meinen Augen die Annahme, dass die mit mathematischer Intelligenz aufgebaute Welt auf einen intelligenten Schöpfer zurückgeht (der von Mathematik sogar noch mehr versteht als menschliche Genies wie z.B. Pythagoras und Gauß), sehr viel plausibler als die Spekulationen Carolls über die vermeintliche Vorgeschichte unseres Universums. Beweisbar bzw. falsifizierbar im Sinne Poppers sind weder die Annahme eines Schöpfers noch die Spekulationen Carrolls, die Annahme eines Schöpfers erfordert m. E. aber sehr viel weniger Glaubenskraft, sehr viel weniger "credo, quia absurdum" - "Ich glaube, weil es absurd ist", als der Aufsatz Carrolls.
  • Außerhalb des Spezialgebiets auf dem Laufenden bleiben

    26.07.2008, Leo Nick, Bad Dürkheim
    Sehr geehrte Spektrum-Redaktion,

    herzlichen Glückwunsch zum 30-jährigen Jubliläum. Ich selbst bin seit 1983 als Leser mit eigenem Abonnement dabei und habe - machmal mit etwas Verzögerung - ALLE Artikel gelesen.

    Eingestiegen bin ich als Chemiestudent, weil spätestens nach dem Vordiplom sogar eine Spezialisierung im eigenen Fach einsetzt.

    Spektrum ermöglicht dem Leser, sich ein wissenschaftliches Allgemeinwissen zu erarbeiten, und das auch in Bereichen, die sonst kaum verfolgbar wären.

    Das kann anfangs zum Teil schwere Arbeit sein. Bei den ersten Artikeln aus dem Bereich Molekularbiologie musste ich mich zum Beispiel in ein völlig neues Vokabular einarbeiten. Aber nach einiger Zeit geht es dann besser und wird damit auch immer interessanter.

    Die notwendigen Anpassungen an den (vermeintlichen?) Publikumsgeschmack beim Layout der Zeitschrift haben mich nicht immer erfreut. Bilder können illustrieren, bleiben aber bei wissenschaftlichen Themen immer inhaltlich untergeordnet. Dieser Richtung ist die Redaktion in den letzten Jahren wieder mehr gefolgt.

    Inhaltlich würde ich mir - ähnlich zu den vom Scientific American publizierten vielfältigen Artikeln zu Rüstungsaspekten während der 'Star Wars'-Aktivitäten in den 70er und 80er Jahren - mehr zu dem wohl beherrschenden gesellschaftlichen Thema dieses Jahrhunderts, dem Klimawandel, wünschen. Ich erwarte hier besonders von den Wirtschaftswissenschaften Handlungsempfehlungen für die Politik (aber auch jeden Einzelnen).

    Ich wünsche Ihnen (und damit auch mir) viele weitere interessante Jahrgänge. Bleiben Sie experimentierfreudig und lernen Sie aus Erfolgen und Fehlern.
  • Entropiezeitpfeil und Kausalität

    25.07.2008, Daniel Kirchmann
    Der Autor macht die stillschweigende aber unbewiesene Voraussetzung, dass der Geschichtszeitpfeil oder die Ursache-Wirkung-Kausalität aus dem Entropiezeitpfeil folgt. Dabei wäre diese Frage möglicherweise einer experimentellen Prüfung zugänglich und ich wundere mich, dass sie noch nicht empirisch geklärt wurde.

    Die Argumentation lautet folgendermaßen:
    Angenommen der Entropiezeitpfeil ist die alleinige Ursache der Ursache-Wirkung-Kausalität, so müssen bei seiner Abwesenheit wegen der zeitlichen Symmetrie der Naturgesetze zeitgerichtete Vorgänge mit gleicher Wahrscheinlichkeit (d.h. genauso oft) in Richtung der Zukunft wie in Richtung der Vergangenheit auftreten.

    Konkret gesprochen:
    In einem chemischen Gleichgewicht einer Flüssigkeit (in der kein Entropizeitpfeil eine zeitliche Richtung vorgibt, weil die Gesamt-Entropie unverändert konstant bleibt) müssen tri-molekulare Stöße zwischen Teilchen mit gleicher Wahrscheinlichkeit in Richtung der Zukunft wie in Richtung der Vergangenheit stattfinden. Die Reaktion A-B + C --> A + B + C muss unter dieser Voraussetzung also genauso oft auftreten wie die zeitlich umgekehrte Reaktion A + B + C --> A-B + C .
    Nun erscheint die letztere Reaktion unter der gewohnten Voraussetzung der Kausalität allerdings viel unwahrscheinlicher, weil man normalerweise Wahrscheinlichkeiten nur in Richtung der Zukunft anwendet. Es erscheint ja unwahrscheinlicher, dass sich 3 Teilchen in einem Punkt zugleich treffen, als dass sich 2 Teilchen zugleich in einem Punkt treffen.
    Gerade diese Annahme darf man allerdings nicht treffen unter der Voraussetzung, dass der Entropiezeitpfeil die alleinige Erklärung für die (gerichtete) Kausalität ist, sprich für die exklusive Anwendung der Wahrscheinlichkeitsgesetze in Richtung der Zukunft (nebenbei bemerkt zeigt dies nach meiner Ansicht einen inneren Widerspruch dieser Hypothese auf, denn die statistischen Gesetze der Thermodynamik auf die Vergangenheit angewendet machen die völlig falsche "Nachhersage" eines Wärmetodes auch in der Vergangenheit - worauf bereits Penrose hingewiesen hat. Der Entropiezeitpfeil setzt also eine gerichtete Kausalität bereits voraus, sprich dass diese Gesetze nur in Richtung der Zukunft angewandt werden können).

    Wie dem auch sei, so lässt sich die Entropiezeitpfeil-Hypothese (eventuell) experimentell überprüfen. Ist sie nämlich wahr, so finden in einer (geeigneten) Flüssigkeit weit mehr Reaktionen der Form A + B + C --> A-B + C statt (nämlich genau so viele Reaktionen wie die umgekehrte: A-B + C --> A + B + C), als eigentlich zu erwarten wären.

    Wenn sich dies messen lässt, so könnte man diese alte Frage auch endlich einmal experimentell entscheiden.


  • Nicht so schnell mit dem Schadenersatz

    24.07.2008, Diane de Reynier, Brunnthal
    Schadenersatz ist angebracht, wenn jemand wissentlich Schaden anrichtet. Wenn man bei Unwissenheit und ohne Absicht auch Schadenersatz verlangt, so bekommt man in den USA Zustände: eine Flut von Prozessen um Millionen Summen und reiche Anwälte, die sämtliche Kosten für Produktion und Entwicklung ins Unermessliche steigern und den Fortschritt stark behindern. Eine sichere Welt, wo alle Gefahren vorhersehbar sind, ist eine Illusion.
    Diane de Reynier
  • Tasttäuschung

    23.07.2008, Helmi Gnauk
    Eine sehr einfache und direkt zum Aha-Erlebnis führende Tasttäuschung ist folgende: Man bittet eine Person, die Augen zu schließen und (z.B.) den rechten Mittelfinger möglichst weit über den rechten Zeigefinger zu legen, so dass zwischen den Fingerspitzen ein Dreieck entsteht. Nun schiebt man einen Bleistift in dem Winkel zwischen den Fingerendgliedern hin und her und fragt die Person, wie viele Stifte sie fühle. Auch der Selbstversuch klappt: Auch hier muss man das Hinsehen vermeiden. Am besten tastet man mit dem Fingerdreieck den eigenen Nasenrücken ab. Man fühlt deutlich zwei Nasenrücken. Verantwortlich dafür ist sicherlich die Verschaltung der entsprechenden Fingernerven im Gehirn, d.h. Nervenimpulse von einander zugekehrten Fingerseiten ergeben "ein Bild", solche von einander abgewandten Fingerseiten dagegen zwei. (Vielleicht, bis das Gehirn umgelernt bzw. umgeschaltet hat?)
  • Landkarten und Heuhaufen

    23.07.2008, Lorenz Friess
    Im o. g. Artikel wird für die Färbung einer Landkarte eine Lösung mit drei Farben gesucht - es sind offensichtlich vier erforderlich.

    Das dort beschrieben "Kollisionsproblem" besitzt eine Lösung vom Schwierigkeitsgrad n*n, also polynomial.

    Man nimmt das erste Element und vergleicht es mit der Liste, ergibt n Schritte, das der Reihe nach für alle Elemente ergibt (n*n)/2 Schritte
    oder irre ich ?
    Antwort der Redaktion:
    Dass Scott Aaronson vom Dreifärbungsproblem spricht, ist kein Schreibfehler. Die Frage ist nicht primär, eine Färbung einer gegebenen Landkarte mit drei Farben zu finden, sondern zu entscheiden, ob es im konkreten Fall überhaupt eine solche Dreifärbung gibt. Dieses Problem ist in der Tat NP-vollständig.


    Die Tücke bei diesem Problem liegt darin, dass die weitaus meisten Fälle leicht entscheidbar sind (ein Land mit nur drei Nachbarn verdirbt die ganze Dreifärbbarkeit). Deswegen ist die Einstufung als NP-vollständig von der Erfahrung mit konkreten Fällen des Problems nicht unbedingt nachvollziehbar. Brian Hayes hat das in seinem Artikel "On the Threshold" (American Scientist Jan./Feb. 2003, in aller Ausführlichkeit erläutert.


    Beim Kollisionsproblem ist allerdings durch Kürzung des Urtexts (bereits im amerikanischen Original) ein Fehler entstanden. Es geht darum, eine so genannte Hash-Funktion zu finden; das ist eine Funktion, die aus einem langen Input (zum Beispiel einer ganzen Datei) eine kurze Bitfolge (zum Beispiel die Adresse eines Speicherplatzes für diese Datei) berechnet, und zwar so, dass der so errechnete Speicherplatz für die nächste eintreffende Datei möglichst nicht schon belegt ist. Denn dieser Fall (die "Kollision") erfordert zusätzlichen Aufwand. Ein "natürliches" Maß für die Problemgröße ist die Adresslänge und nicht die Größe des Heuhaufens, die für eine Adresslänge von n Bit gleich 2n ist. Scott Aaronson hat bewiesen, dass auch ein Quantencomputer das Kollisionsproblem nicht in polynomialer Zeit (Polynom in n) erledigen kann. In der Heuhaufengröße N ausgedrückt, hat er gezeigt, dass man mit einem Quantencomputer den Aufwand bis auf die Größenordnung N1/5 drücken kann (verglichen mit N2 für die erschöpfende Suche und N log N für Suchen mit Vorsortieren), nicht aber auf ein Polynom in log N. Einzelheiten finden sich in seiner Dissertation .


    Christoph Pöppe, Redaktion Spektrum der Wissenschaft
  • Was ist analoge Fotografie?

    20.07.2008, H.W. Krüger, Buchholz i.d.N
    Es scheint sich allgemein durchzusetzen von analoger Fotografie zu sprechen als Pendant zur digitalen Fotografie, wenn in Wirklichkeit die klassische Fotografie gemeint ist.
    Auch in dem Beitrag über digitales Röntgen geschieht dieses. Ich bin jedoch der Meinung, dass hierbei ein falscher Gegensatz konstruiert wird und die Bezeichnung analoge Fotografie bzw. analoge Röntgentechnik in diesem Zusammenhang schlicht falsch ist. Auch bei der digitalen Fotografie entsteht im Bildsensor zunächst ein analoges Abbild der Helligkeitsverteilung in Form unterschiedlicher elektrischer Ladungen entsprechend der jeweiligen Helligkeit der einzelnen Bildpunkte. Erst beim Auslesen der Bildinformation wird das der Helligkeit entsprechende Signal des Bildsensors durch einen elektronischen Analog-Digitalwandler digitalisiert und in digitaler Form weiterverarbeitet und gespeichert. Es ist durchaus möglich, auf den Analog-Digitalwandler zu verzichten und das elektrische Bildsignal in analoger Form zu speichern. Dieses geschieht z.B. beim VHS- Videosystem (und auch bei anderen älteren Videoaufnahmeverfahren).
    Was als digitale Fotografie bezeichnet wird ist demnach die Fotografie mit elektronischem Bildsensor und digitaler Bildspeicherung. Das Pendant, die analoge Fotografie, wäre dann die Fotografie mit elektronischem Bildsensor und analoger Bildspeicherung.
    Die klassische Fotografie dagegen hat mit all dem gar nichts zu tun. Hier ist der Bildsensor gleichzeitig auch der Bildspeicher und arbeitet nach chemischen Verfahren. Man könnte die klassische Fotografie somit als chemische Fotografie bezeichnen, als Pendant zur elektronischen Fotografie. Bei Letzterer müsste man dann noch unterscheiden zwischen solcher mit digitaler oder analoger Bildverarbeitung und Speicherung.
  • Schadenersatz

    18.07.2008, J. J. J. R. Moehs
    Ist es zweifelsfrei von wirklich unabhängigen Laboratorien nachzuweisen, dass die Vergiftungen der Bienen durch die Benutzung der Pestizide erfolgt ist, so ist es nur recht, wenn die Verursacher für den entstandenen Schaden in vollem Umfange gerade stehen müssen. Wenn ein Fahrer eines 12-Tonners einem Klempner dessen Kleintransporter zu Schrott fährt, hat jener ebenso für die Heilung des von ihm verursachten Schadens Sorge zu tragen.
    Wie dort, so hier.
    Die Vorsichts- und Rücksichtslosigkeit der Landwirtschafttreibenden und ihrer Lieferanten darf nicht länger hingenommen werden; als hätte ein 9-jähriges Mädchen einen Basketballspieler angerempelt.
    Falls es nicht zu einer vernünftigen Lösung kommt, sollte man schnellstens Boykott-Listen mit den beteiligten Unternehmen erstellen und die Lebensmittelendverbraucher zur Abstinenz von Waren, in denen Erzeugnisse der Schuldigen Verwendung finden, aufrufen, und dies bis zu dem Grade, bei dem die Schäden der Imker durch die der Verursacher aufgewogen werden.
  • Totentänze statt Calaveras

    18.07.2008, Dr. Philipp Maurer, Wien
    Sie illustrieren den Artikel mit einer Druckgraphik von Posada. Posada war allerdings kein Maler, sondern Graphiker und Illustrator. Als politisch engagierter Gebrauchsgraphiker war er Mentor der visuellen Kultur und Wegbereiter der modernen Graphik Mexikos. Mit der Zuweisung von Adjektiven wie morbid (lat. morbus = Krankheit) zu Erscheinungen einer fremden Kultur sollte man vorsichtig sein: die „Calaveras“ sind wichtiger Teil der mexikanischen Alltagskultur als ein Miteinander von Toten und Lebenden, das den Tod als endgültiges Ausscheiden aus dem Lebenszusammenhang negiert. Inhaltlich besser zu dem Artikel gepasst hätte ein Totentanz, wie er in Europa im 15. und zu Anfang des 16. Jahrhunderts weit verbreitet ist. Dessen Aussage „Alle Menschen, welchen Standes auch immer, müssen sterben“ ist wissenschaftsgeschichtlich relevant, da es sich um die erste bildliche Fassung des zu Ende des Mittelalters erstmals und neu erkannten NATURGESETZES handelt, dass der Tod kein Einzelschicksal, sondern eben Gesetz ist.
  • Würde und Wahn im Labor

    16.07.2008, Dr. Sylvia Bendel Larcher, Luzern
    Wie alle anderen Befürworter - sinnigerweise auch Gegner - der Stammzellenforschung blendet auch Urban Wiesing die Tatsache aus, dass noch kein Lebewesen der Petrischale eines Forschers entsprungen ist, wohl aber dem Schoß einer Frau bzw. eines Muttertieres. Solange eine befruchtete Eizelle sich nicht in einer Gebärmutter eingenistet hat, kann von einem Lebewesen nicht die Rede sein. Das gilt auch für natürlich befruchtete, abgegangene Eizellen. Gentechniker hantieren mit Zellhaufen, nicht mit Lebewesen. Entsprechend ist auch die Diskussion um deren Würde und Schutzbedürftigkeit hinfällig. Hingegen wäre es an der Zeit, über die Würde und Schutzbedürftigkeit jener Frauen und Muttertiere zu sprechen, die irgendwelche gentechnisch hergestellten Kunstwesen austragen und gebären sollen. Dass die Frau als Gebärerin aus der Diskussion um Stammzellenforschung und Gentechnik allgemein systematisch ausgeblendet wird, ist nur ein weiteres Kapitel in der seit Pygmalion bezeugten Geschichte vom Wunsch und Wahn des Mannes, Leben allein erschaffen zu können.
  • CO2-Einlagerung

    16.07.2008, J. Götz
    Mit Blickwinkel auf den Wirkungsgradverlust von ca. 10 % ist die CCS-Technologie nicht gerade zu empfehlen. Zu berücksichtigen sind zudem Aufwendungen für den Transport. Nicht zu vergessen ist der nicht erbrachte Sicherheitsnachweis für die langfristig sichere Rückhaltung, CO2 ist ein giftiges Gas. Norwegen hat auch aus diesem Grund Versuche zur Einlagerung in der Nordsee abgebrochen. Die immer wieder vorgebrachte Behauptung, radioaktive Abfälle könnten nicht sicher in tiefen geologischen Formationen endgelagert werden, wird durch die CO2-Einlagerung konterkariert: CO2 ist als Gas viel leichter flüchtig als die überwiegend festen radioaktiven Abfälle. Insofern ist es mehr als gerechtfertigt, die Vorbehalte gegen die Kernenergie als (nahezu) CO2-freie Energieerzeugung aufzugeben und somit einen wirklichen und bezahlbaren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
  • Fenster zur Wissenschaft

    15.07.2008, Johannes Kribbel, München
    Liebes Spektrum-Team,

    nach zwei oder drei Ausgaben, die ich vor langer Zeit mal in einem Bahnhofskiosk erstanden habe, beschloss ich spontan, diese Zeitschrift zu abonnieren. Damals war ich ungefähr 17 Jahre alt und kratzte dafür mein eher spärliches Taschengeld zusammen.

    Heute bin ich Mitte vierzig und dazwischen war ein abgeschlossenes Studium der Astronomie und die anschließende Erkenntnis, nicht wirklich davon leben zu können. Als Konsequenz bin ich so wie viele meiner Kollegen in die EDV "abgerutscht".

    Eure Zeitschrift aber ist für mich persönlich nach wie vor ein Fenster zur Wissenschaft und eine Verbindung zu den Idealen und Interessen meiner Jugend und dafür bin ich Euch jeden Monat dankbar...

    Viele Grüße
    Johannes Kribbel