Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Schieflage

    16.06.2008, Prof. Dr. Peter A. Henning, Weingarten
    Der Artikel von Urban Wiesing offenbart eine bedauerliche, um nicht zu sagen: bedenkliche Schieflage. Der einen Seite in der Stammzellendebatte attestiert er "unverhandelbare" absolute Positionen, gibt ihr sogar frech den knappen und überaus positiv besetzten Namen "Lebensschützer". Als ob es um den Schutz des Lebens im Allgemeinen ginge!

    Der anderen Seite hingegen (wo bleibt ein positiv besetzter Gruppenname für diese?) unterstellt er weiche, verhandelbare Positionen, lässt sich lang über Pluralität und Demokratie aus - und offenbart die Bereitschaft, die Positionen dieser zweiten Seite beliebig zu verschieben. Honi soit qui mal y pense...

    Schnell werden so Meinungen zu absoluten Wahrheiten - denn keineswegs ist es die Wahrheit, dass "alles, was uns die Wissenschaft sagt" bedeutet, dass bereits aus der Verschmelzung zweier Zellen ein "neuer Mensch" entsteht.

    Wiesing hat natürlich das Recht auf seine eigene Meinung. Mit diesem Artikel aber macht er sich des schlimmsten Vergehens gegen die Wissenschaft schuldig: Er tarnt diese Meinung als objektive Realität. Es verwundert darum nicht, dass wir in Deutschland eine so restriktive Regelung haben.

  • Locker bleiben

    15.06.2008, Heidi Seidl
    Sehr geehrter Herr Norbert Derksen,
    ich bin der Natur dankbar, dass ich eine meiner beiden Gehirnhälften deaktivieren kann (Sie vermuten richtig, es ist die, in der die mathematischen Fähigkeiten versteckt sind). Wie kann man ein Spiel nur so ernst nehmen. Take it easy, lasci perdere...
    Mit freundlichem Gruß
    Ihre dankbare Heidi Seidl, die nichts mit dem Wettbewerb zu tun hat (s. Gehirnhälfte)
  • Algebraische Flächen in Stereo

    13.06.2008, Baumann Eduard, 71 Le Pafuet, 1724-Le Mouret
    Mathekunstbilder können leicht als Stereopaare offeriert werden: Nur eines der beiden Bilder leicht ausdrehen, und fertig!

    Siehe "lätzgfäderet in Stereo" in der LeserBilderGalerie.
  • Erfinder des ersten tragbaren Telefons

    13.06.2008, Dr. Konrad Heck
    Der Erfinder des ersten tragbaren Telefons war nicht Martin Cooper, sondern Erich Kästner! In dem Kinderbuch "Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee" schildert er bereits 1935 im Kapitel "Vorsicht Hochspannung" die Begegnung von Konrad und dessen Onkel mit einem Herrn, der vor ihnen vom rollenden Trottoir auf die Strasse trat und einen Telefonhörer aus der Manteltasche zog, eine Nummer hineinsprach und mit seiner Frau Gertrud telefonierte. (S. 105)
  • Gratulation !!!

    12.06.2008, Friedemann Reiffenstein
    Wunderbares Team mit grossartigem, humorvollem Chef !
  • Klischee bedient

    12.06.2008, Torsten Waldminghaus, Oslo
    Wenn ich richtig verstanden habe, wünscht sich die Autorin mehr Wissenschaftler, die ihre Forschung in die Oeffentlichkeit tragen. Leider werden die wenigen, die dies tun als "Selbstdarsteller" bezeichnet und wird ihnen direkt dazu attestiert, dass sie "nicht die guten Wissenschaftler" sind. Damit werden genau die Vorurteile gefördert, die Wissenschaftler oft vor der Populärwissenschaft zurueckschrecken lassen. Ich ziehe jedenfalls meinen Hut vor jedem Wissenschaftler, der sich nicht zu schade ist, einen Artikel für die Lokalzeitung zu schreiben und meiner Erfahrung nach sind gerade das "die Guten".
  • Der sechste Sinn

    11.06.2008, Margrith Keusch, CH-5612 Villmergen
    Uebers Internet bin ich zufällig auf den Artikel über den 6. Sinn, " ein Sinnesorgan das Elektrizität misst ", der Haifische gestossen. Viele Menschen haben diesen 6. Sinn auch. Sensible Menschen reagieren auf Reize, Spannung, elektrische Felder, Wasseradern, Wetterwechsel, Druck, Stress.
    Vielleicht wären dies somit Anhaltspunkte in der Erforschung der Parkinsonkrankheit. Dort tappt man noch im Dunkeln, was den Auslöser des Dopaminmangels betrifft.
  • Fluorid im Wasser

    10.06.2008, Prof. Dr. Peter Bottenberg, Brüssel
    auf Seite 68 steht, daß der Grenzwert für Fluorid im Trinkwasser in warmen Ländern bei 1,5 mg/l liege. Dieser Wert gilt für gemäßigte Klimazonen und muß je nach regionalen Gegebenheiten (Wasseraufnahme, Temperatur...) angepasst werden. Leider liegen der WHO in warmen Ländern, wo zum Teil erhebliche Mengen Fluorid im Wasser vorkommen (bis zu 50 mg/l in Kenia) keine vollständigen Daten vor, so daß es für diese Länder keinen wissenschaftlich abgesicherter Grenzwert gibt (WHO: Fluoride in drinking water, 2006). Sicherheitshalber sollte der Wert für die tägliche Wasserversorgung halbiert werden (0,7 mg/l).
    Die Person, deren Skelett auf Seite 69 abgebildet ist, hat sicherlich zu Lebzeiten regelmäßig Wasser mit deutlich über 4 mg/l konsumiert.
    Neben der Fluoridaufnahme trägt auch mangelhafte Ernährung als erschwerender Faktor zur Entstehung der Knochenschäden bei.
    Bemerkenswert ist auch, daß in China nicht das Wasser, sondern Verbrennung fluoridhaltiger Steinkohle (zum Teil in primitiven Feuerstellen) zum Fluoroserisiko beiträgt.
    Antwort der Redaktion:
    Antwort der Autoren:



    Wesentlich für die Knochenschädigung ist natürlich die Menge des vom Körper aufgenommenen Fluorids. Den Konzentrationsgrenzwerten für Trinkwasser liegt deshalb immer ein angenommener Durchschnittsverbrauch an Wasser zugrunde. Je wärmer das Klima, desto höher der Wasserbedarf, und desto geringer die empfohlene Maximalkonzentration an Fluorid pro Liter. Auch das Körpergewicht spielt eine Rolle, weshalb teilweise für Männer und Frauen unterschiedliche Grenzwerte angegeben werden. Die Knochenverwachsungen der Dilmun zeigen, dass skeletale Fluorose nicht nur bei Extremwerten der Fluoridkonzentrationen auftritt (den oben erwähnten 50 mg/l), sondern durchaus auch bei Konzentrationen von nur wenigen mg/l. Die Forderung von Prof. Bottenberg nach einer Halbierung des Grenzwertes für Fluorid im Trinkwasser ist deshalb vernünftig und angebracht. Erwähnt sei hier allerdings nochmal, dass die moderne Trinkwasserversogung Bahrains über die Meerwasserentsalzung erfolgt; dieses Wasser enthält praktisch kein Fluorid.
  • Ereignishorizonte im Vergleich

    10.06.2008, Christian Drewing, Berlin
    Schönen guten Tag,

    vorab möchte ich bemerken, dass ich abgesehen von einem naturwissenschaftlichen Abitur auf der akademischen Schiene absolut gar nichts mit Physik zu tun habe; mein Interesse ist rein privater Natur. Darum bitte ich die fehlende Fachlichkeit mir nachzusehen und dafür vielleicht meine Gedankengänge durch die akademische Fachlichkeit des jeweiligen Sekundärlesers zu ergänzen ;-)

    Im Artikel wird von einem Ereignishorizont des Universums gesprochen. Beim Lesen der Zeilen fing ich sofort an, rein gedanklich den skizzierten Ereignishorizont mit dem eines Schwarzen Loches zu vergleichen. Wenn sich im Universum alle Elementarteile (oder -wellen) bzw. Quanten jeweils weit genug voneinander entfernt haben werden, wird, da folglich keinerlei messbare Interaktion zu anderen Elementarteilen oder -wellen möglich ist, die Zeit aufhören zu existieren bzw. schlichtweg irrelevant sein. Das Universum "verdampft".

    Kommen wir nun zu einem Schwarzen Loch. Auch dieses definiert sich - u.a. - über einen Ereignishorizont. Dieser steht in Verbindung mit der darin enthaltenen Materie. Je größer die Masse eines Schwarzen Lochs ist, desto größer ist auch der Radius seines Ereignishorizonts (nicht nur, aber auch). Im verdampfenden Universum jedoch ist der Ereignishorizont desselben umso größer, desto geringer die Materiedichte ist et vice versa - Ursache und Wirkung möchte ich hier nicht unterscheiden.

    Könnten also beide Kausalitäten miteinander in Verbindung stehen? Ich will hier nicht auf die Science-Fiction Schiene abgleiten und die Frage stellen, ob wir selbst uns innerhalb eines Schwarzen Lochs befinden. Mir ist nur der Gedankenanstoß wichtig, ob eine Verbindung zwischen beiden Ereignishorizonten _denkbar_ wäre - nur von unterschiedlichen Seiten aus betrachtet und mit offensichtlich entgegengesetzten Zeitachsen.

    Ich hoffe, Ihr zerpflückt meinen Artikel nicht zu sehr als dummen Humbug. Die Bezeichnung "Ereignishorizont" in Verbindung zum vergessenden Universum führte nur zu einer derart hell leuchtenden Assoziation zu Schwarzen Löchern, dass ich nicht umhin kam, diesen Leserbrief zu schreiben.
    Antwort der Redaktion:
    Ihre Assoziation zwischen dem Ereignishorizont von Schwarzen Löchern und dem kosmischen Ereignishorizont ist kein Zufall. Immerhin eint die beiden Phänomene einiges. In beiden Fällen trennt der Horizont – der jeweils eine rein fiktive und mathematische, aber keine gegenständliche Grenze ist – sichtbare Bereiche von unsichtbaren. Und in beiden Fällen sind wir nicht in der Lage, etwas über den Raum jenseits dieser Grenze in Erfahrung zu bringen. Im Fall des kosmischen Horizonts erreichen uns nicht einmal Lichtstrahlen, obwohl sie mit der größtmöglichen Geschwindigkeit unterwegs sind, denn der Raum zwischen uns und dem Horizont expandiert schneller, als sich das Licht bewegt. Und im Fall des Ereignishorizonts eines Schwarzen Lochs erreicht uns Licht deshalb nicht, weil es durch die unendlich große Krümmung des "dahinterliegenden" Raums immer wieder in dessen Inneres umgelenkt wird.


    Die Unterschiede sind jedoch größer als die Gemeinsamkeiten. Denken wir uns den kosmischen Ereignishorizont als uns umgebende, viele Milliarden Lichtjahre durchmessende Kugelfläche, dann ist die Welt jenseits dieses Horizonts keine andere als die Welt innerhalb. Innerhalb wie außerhalb des Horizonts gelten dieselben physikalischen Gesetze. Oder anders gesagt: hinter dem (kosmischen Ereignis-)Horizont geht's weiter. Außerdem gibt es nicht den einen Horizont, sondern viele davon. Für außerirdische Zivilisationen ein paar Galaxien weiter ist die Kugelfläche zum Beispiel entsprechend verschoben.


    Im Fall des Ereignishorizonts um ein Schwarzes Loch, der die so genannte Singularität in dessen Zentrum vor der umgebenden Raumzeit abschirmt, geht es dahinter zwar zunächst auch weiter. Solange das Schwarze Loch nicht gefüttert wird, herrscht dort ein Vakuum. Im Gravitationszentrum aber wird, zumindest laut Allgemeiner Relativitätstheorie, die Krümmung der Raumzeit unendlich groß. Wie man sich das genau vorstellen soll, weiß allerdings niemand, sodass durchaus auch vermutet wird, hier liege ein Versagen der Theorie vor (siehe zum Beispiel Schwarze Löcher existieren nicht). Außerdem ist der Horizont mehr oder weniger lokalisiert, erscheint also auch unterschiedlichen Beobachtern an derselben Stelle.



    Sie schreiben auch über Elementarteilchen, die sich soweit voneinander entfernen, dass keine messbare Interaktion mehr möglich ist – das Universum "verdampft". Dieser Gedanke lässt außer Acht, dass auch im Vakuum ständig Quantenfluktuationen stattfinden, dass sich also "virtuelle" Paare von Teilchen aus dem Nichts bilden und kurze Zeit darauf wieder verschwinden. Außerdem berücksichtigt er nicht, dass elektromagnetische und gravitative Wechselwirkungen zumindest mathematisch gesehen unendlich große Reichweiten besitzen. Wir müssten bei sehr weit voneinander entfernten Partikeln zwar sehr lange auf eine beobachtbare Wechselwirkung warten, stattfinden würde sie aber. Der kosmische Ereignishorizont, von dem im Artikel die Rede war, ist von dieser Überlegung ohnehin nicht betroffen: Den gibt es nicht, weil der Raum "leerer" würde, sondern weil er expandiert.
  • Zur Anerkennung der Beiträge mit Zweckentfremdung

    10.06.2008, Dipl.-Ing. Norbert Derksen, Konstanz
    Es ging in dem Wettbewerb keineswegs nur um eine alles erlaubende Kunst, sondern um mathematische Kunst. Sobald die Mathematik von der Kunst abgekoppelt wird, verliert das Ganze seinen Sinn. Im Übrigen waren die Kunstwerke ausdrücklich aus algebraischen Flächen zu erstellen.
  • Warum erzeugt die Formel 0=0 Bilder?

    09.06.2008, Henning Meyer, Universität Kaiserslautern
    Durch Rundungsfehler erzeugt (x^2)(y^2)(z^2)-(x*y)(y*z)(z*x) Bilder.

    Intern wendet Surfer eine Koordinatentransformation an (die Drehungen des Benutzers), bevor die Gleichung ausgewertet wird. Statt

    (x^2)(y^2)(z^2)-(x*y)(y*z)(z*x)

    berechnet das Programm

    (u^2)(v^2)(w^2)-(u*v)(v*w)(w*u)

    mit z. B.

    u = 0.48177*x+(-0.861216)*y+(-0.161879)*z;
    v = -0.545541*x+(-0.439331)*y+(0.713704)*z;
    w = -0.685772*x+(-0.25553)*y+(-0.681485)*z;

    In der Gleichung werden die Terme in unterschiedlicher Reihenfolge miteinander multipliziert, durch Rundungsfehler heben sie sich nicht weg.


    Surfer rechnet mit Gleitkommazahlen, die haben eine Genauigkeit von etwa 16 Dezimalstellen.
    Bei Multiplikationen von 6 Zahlen mit 6 Nachkommastellen braucht man 36 Dezimalstellen, um Rundungsfehler mit Sicherheit zu vermeiden.

    Obiges Beispiel führt statt 0 = 0 auf die Gleichung

    8.673617e-19*x^0*y^0*z^6 +1.387779e-17*x^0*y^1*z^5
    -2.428613e-17*x^2*y^0*z^4 +2.775558e-17*x^1*y^1*z^4
    -8.326673e-17*x^2*y^1*z^3 -8.326673e-17*x^1*y^2*z^3
    -2.775558e-17*x^4*y^0*z^2 +2.775558e-17*x^3*y^1*z^2
    -2.775558e-17*x^2*y^2*z^2 -8.326673e-17*x^1*y^3*z^2
    -1.387779e-17*x^0*y^4*z^2 +2.081668e-17*x^5*y^0*z^1
    -5.551115e-17*x^4*y^1*z^1 +3.989864e-17*x^3*y^2*z^1
    +2.775558e-17*x^2*y^3*z^1 +3.469447e-17*x^1*y^4*z^1
    -3.469447e-18*x^0*y^5*z^1 +6.938894e-18*x^6*y^0*z^0
    -2.081668e-17*x^5*y^1*z^0 +2.775558e-17*x^4*y^2*z^0
    +2.081668e-17*x^3*y^3*z^0 +2.775558e-17*x^2*y^4*z^0
    -1.387779e-17*x^1*y^5*z^0 -1.734723e-18*x^0*y^6*z^0
    = 0.

  • Wortmeldung zu "Unmögliche Figuren"

    09.06.2008, Bianca Violet, Berlin
    Ich freue mich über jede Reaktion zu meinen eingesandten Bildern und Animationen, die man allesamt der Kategorie "Spielerei" zuordnen könnte. Und ich gebe zu, ich hatte großen Spaß beim Spielen! :-)

    Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, und so wundert es mich nicht, dass einige Bilder auf Missfallen stoßen. Besonders kritisiert wurden solche, die Herr Derksen als "Schmutzeffekte" bezeichnet. Ich habe sie in die Leserbildgalerie eingestellt (nach Einsendeschluss zum Wettbewerb), um darüber mit anderen diskutieren zu können, da ich mir tatsächlich nicht erklären kann, wie sie zustande kommen. Der Diskussionsgedanke wurde aufgegriffen, aber eine befriedigende Erklärung habe ich noch nicht gefunden. Natürlich weiß ich, dass die faszinierenden Effekte durch numerische Ungenauigkeiten erzeugt werden und dass die dadurch entstandenen Bilder keine algebraischen Flächen darstellen. Trotzdem interessiert mich, wie solche Gebilde durch das Surf-Programm genau entstehen. Ich bin gespannt auf weitere Wortmeldungen und auch auf das Augustheft mit Erklärungen der Surfer-Experten.

    MfG,
    Bianca Violet
  • Kleine Fehler

    09.06.2008, Alexander Zimmermann
    In den Artikel "Mathe ist überall!" haben sich ein paar kleine Fehler eingeschlichen:

    1) Aktuelle Verschlüsselungstechniken machen sich NICHT die "Unberechenbarkeit der Primzahlen", sondern die "Unberechenbarkeit der Primzahlzerlegung" zu nutze. Wobei "Unberechenbarkeit" auch nicht ganz richtig ist, nur die zu erwartende Dauer der Berechnung ist unverhältnismäßig groß.

    2) Weiterhin ist es nicht richtig, dass sich in einem zeitlich überschaubaren Rahmen nicht prüfen, ob eine Zahl mit vielen Ziffern eine Primzahl ist oder nicht. Im Gegenteil, zu prüfen, ob eine Zahl eine Primzahl ist, geht extrem schnell, aber die ZERLEGUNG einer (nicht Prim-) Zahl in ihre Faktoren kann sehr lange dauern.

    3) In der Public-Key-Kryptograpie haben nicht NUR der Sender und Empfänger die nötigen Informationen zur Verschlüsselung. Es ist sogar so, dass die ganze Welt (public) die nötigen Informationen zur VERschlüsselung, aber NUR der Empfänger die Informationen zur ENTschlüsselung hat.

    Insgesamt jedoch vielen Dank für den positiven Artikel über die Mathematikausstellung auf dem Wissenschaftsschiff.
  • Verschränkung in Biologischen Systemen - Homöopathie?

    08.06.2008, Jörg Hildebrandt, St. Pölten, A
    Sehr geehrter Herr Professor Schnabel,

    in ihrem Artikel zur „Verschränkung zweier Spiegel“ stieß ich auf einen Absatz der fast aus einer Herstellungsvorschrift homöopathischer Mittel stammen, und wenigstens den Sinn des „Dynamisierens, Potenzierens“ besser als bisherige Hypothesen erklären könnte: „Verschränkung…(kann man) erzeugen in dem man zwei Objekte einer gemeinsamen Kraft aussetzt und sie so in eine starke gegenseitige Abhängigkeit bringt. (Sie)…beginnen eine neue Einheit zu bilden.“ Und später: „Wenn sich die Spiegel …synchron wie asynchron bewegen, zeigen sie damit an, dass sie zu einer quantenmechanischen Einheit verschmolzen sind.“
    Während die Quantenphysik versucht, Beweise für ihre Theorien im Makrokosmos zu finden, versuchen die Homöopathen eine tragfähige Theorie für die Beweise, die sie in ihrer täglichen Arbeit sehen, zu finden, da in der Medizin mitunter ausgeblendet wird, was man nicht versteht. Könnte in der Verschränkung eine Brücke liegen? Wenn bei der „Dynamisierung“ * von Arzneien deren Wirkungen mit kräftigen Schüttelschlägen auf eine Trägersubstanz übertragen werden, die dann im gesunden Probanden eine Arzneimittelwirkung (ähnlich der Vergiftung) hervorrufen können (synchron) und im möglichst ähnlich Erkrankten eine Gegenwirkung veranlassen (asynchron)? Hierbei ist der Zeitfaktor ein vergleichsweise unbedeutender, aber es handelt sich ja auch um biologische Systeme, die dem Umgebungseinfluss nicht entzogen werden können (auch wenn das bereits vom Entdecker der Homöopathie, Dr. Hahnemann (1755 – 1843) gefordert worden ist. (§252, S 2321 ))
    Der Vergleich mag auf den ersten Blick weit hergeholt sein, zumal ich als Arzt keine ausreichende Quantenphysik Grundlage habe, doch bringen vielleicht gerade die absonderlichen Analogien und Beobachtungen neue Impulse. Daher wäre ich Ihnen für eine Stellungnahme dankbar.

    *§ 269, Anm. 2, S 2441: „ Man hört noch täglich die homöopathischen Arznei-Potenzen bloß Verdünnungen nennen, da sie doch das Gegentheil derselben, das ist …Offenbarung der in ihrem inneren Wesen verborgen gelegenen, specifischen Arzneikräfte sind, durch Reiben und Schütteln bewirkt, wobei ein zu Hülfe genommenes unarzneiliches Verdünnungs-Medium bloß als Neben-Bedingung hinzutritt. Verdünnung allein … wird schier zu bloßem Wasser.“

    1 Hahnemann S, Organon original, letzte und 6. Auflage (1842), Barthel&Barthel, Schäftlarn 1994


    Mit freundlichen Grüßen,

    Jörg Hildebrandt,
    St. Pölten
    Antwort der Redaktion:
    Antwort des Autors:



    Sehr geehrter Herr Hildebrandt,



    vielen Dank für Ihr Interesse an meinem Artikel "Verschränkung zweier Spiegel".



    Ein wesentlicher Gesichtspunkt der Quantenphysik ist es, die Dinge (zum Beispiel Lichtteilchen oder hier: die Spiegel) auf eine minimale Komplexität zu reduzieren. Dabei ist es natürlich entscheidend, ob diese Reduktion tatsächlich in die Realität umgesetzt ist.
    Bei den verschränkten Spiegeln spiegelt sich diese Reduktion darin wieder, dass die Spiegelbewegung mehr oder weniger vollständig durch die Bewegung ihrer Schwerpunkte beschrieben werden können. Die Bewegung der einzelnen Atome, aus denen der Spiegel besteht, darf keine Rolle spielen.



    Im Experiment müssen wir die Spiegel daher kühlen, damit es unwichtig wird, dass der Spiegel aus kleineren Einheiten, den Atomen, besteht. Die Bewegungsmöglichkeiten der Atome werden eingefroren. Wäre der Spiegel warm, so könnte man die Spiegelbewegung nur dann vollständig beschreiben, wenn man die Bewegung der einzelnen Atome kennt, aus denen der Spiegel zusammengesetzt ist. Eine Verschränkung von "zwei Spiegeln" wäre dann allerdings prinzipiell unmöglich. Man würde sich dann wieder im Bereich des Mikroskopischen befinden und könnte evtl. zwei Atome miteinander verschränken.



    Ich persönlich glaube, dass alle Beobachtungen, die mit lebenden Organismen zu tun haben, wie zum Beispiel die Effekte von Medikamenten auf Menschen, nicht mit der Quantenphysik erklärt werden können. Leben beruht ja gerade auf dem Vorhandensein extrem großer Komplexität! Wenn die Physik zur Klärung beitragen kann, dann eher im Rahmen der klassischen Physik, in der Quanteneffekte keine Rolle spielen. Aber ich glaube, dass aufgrund der hohen Komplexität ein physikalischer Erklärungsansatz generell schwierig ist.



    Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Ausführungen behilflich sein.
  • Ist 0=0 Kunst?

    08.06.2008, Martin Heider
    Als Goya mehrere verdünnte Farbschichten übereinander auftrug, Rembrandt mit Spachtel und Pinselstiel agierte, Georges Seurat die Bildfläche in Punkte auflöste, Georges Braque die Perspektive abstrahierte, Henri Toulouse-Lautrec seine Zahnbürste zweckentfremdete, Yves Klein monochrom malte, Gotthard Graubner seine Malleinwand hinterpolsterte - wurden sie alle genau dafür kritisiert, dass sie sich nicht an die Gepflogenheiten hielten.

    Fast jede Neuerung in der Kunst ist durch Regelverstöße entstanden.

    Dazu gehört, quasi der Ansatz des Wettbewerbs, auch die mathematische Grundlegung eines Bildes: Victor Vasarely, Maurits Cornelis Escher und Piet Hein haben diese Kritik zu hören bekommen.

    Mathematisch gesehen ist ein Bild mit der Grundlage 0=0 Unsinn. Diese Bedingung ist im gesamten von surfer dargestellten Raumteil erfüllt; eine Fläche dürfte nicht erkennbar sein. Dennoch gibt es offenbar zahllose Beispiele dafür, dass dennoch eine Darstellung erfolgt.

    Frühe Belege dafür waren im Wettbewerbsverlauf "fasces" von H. Heinrich (und die umliegenden Bilder zum Thema Pokal) oder meine "Textilkunst". Dass dies später noch einmal die Wettbewerbsgemeinde beschäftigte, hat mich gefreut. Ich war gerade mit anderem beschäftigt.

    Vor allem Funktionsgleichungen, die außer etwaigen Nullstellen (den dargestellten Flächen) nur Werte gleichen Vorzeichens liefern, zeigen das Verhalten, das die verschiedentlich dargestellten unscharfen Flächen illustrieren.

    Versuchen Sie einmal folgende Fläche auf irgendeinem Rechner, aus dem surfer läuft, egal unter welchem Betriebssystem:
    128*(x^2+y^2+(z-1)^2)^4-256*(x^2+y^2+(z-1)^2)^3+160*(x^2+y^2+(z-1)^2)^2-32*(x^2+y^2+(z-1)^2)+2

    Verändern Sie den Zoom und die Betrachtungsrichtung. Obwohl die Fläche eindeutig definiert ist (zwei Kugeln, deren Radius den beiden positiven Nullstellen des verwendeten, um 1 verschobenen Tschebyschow-Polynoms entspricht) und einfarbig sein sollte - alle Funktionswerte sind >=0, kann surfer sich nicht zuverlässig entscheiden. Die Verschiebung in z-Richtung soll nur dafür sorgen, dass die Kugeln auch angeschnitten werden, so dass Innen- und Außenseite zugleich sichtbar werden.

    Selbst wenn Sie die Zahl der Iterationen und die maximale Abweichung epsilon verändern, bleibt das Verhalten im Grundsatz bestehen, ebenso bei Veränderung des "antialiasing"-Werts.

    Das ist interessant und vorerst nicht erklärlich, vor allem aber künstlerisch zu verwerten.

    Vielleicht sollte also, vergleichbar den Quellenangaben zu Internetseiten, die inzwischen auch wissenschaftlich üblich sind, bei den entsprechenden Bildern die Versionsnummer von surfer sowie die genaue Konfiguration des verwendeten Computers angegeben werden, einschließlich des Betriebssystems.

    Am ästhetischen oder gar künstlerischen Wert eines Bildes aber ändert all dies nichts, genauso wenig wie ich wissen müsste, welchen Verdünner Paul Klee benutzte oder wer seine Leinwand lieferte.

    Insofern finde ich mathematische Kritik an Hiltrud Heinrich oder Bianca Violet verzichtbar.

    Die Jury möchte ich ausdrücklich bitten, diese Bilder mit aufzunehmen. Sie verstoßen nicht gegen die Regeln des Wettbewerbs.