Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Effekte endokriner Disruptoren

    02.07.2008, Prof. Dr. med. Dietrich Klingmüller, Bonn
    Der Beitrag belegt, dass endokrine Disruptoren wie Phthalate die Entwicklung der Vögel beeinflussen. Von besonderem Interesse ist, ob auch der Mensch betroffen ist. In einer bemerkenswerten Studie untersuchte die Arbeitsgruppe von Shanna Swan an der Universität Rochester (New York) den Einfluss von Phthalaten auf die Ausbildung des sexuellen männlichen Phänotyps. Anlass für diese Untersuchung war der Befund, dass hohe Dosen bestimmter Phthalate bei Ratten unter anderem zu einer Verkürzung der anogenitalen Distanz (AGD) führten. Die AGD ist ein empfindlicher Marker für die androgen-abhängige Entwicklung der Reproduktionsorgane von männlichen Föten. In der Studie von Swan et al. wurden bei schwangeren Frauen mit männlichem Fötus während der Spätschwangerschaft Phthalatmetabolite im Urin untersucht. Nach der Geburt zeigte sich bei diesen Jungen, dass die AGD unter Phthalatexposition signifikant kürzer war. Zusätzlich wurde gehäuft ein Hodenhochstand und ein kleineres Genitale beobachtet. Dabei ist zu bedenken, dass die Konzentrationen der Phthalatmetabolite zwar hohe, aber durchaus übliche Werte aufwiesen, wie sie bei etwa 25 Prozent der US-Bevölkerung zu finden sind. Man muss diese möglichen Effekte endokriner Disruptoren beim Menschen sehr genau verfolgen, um rechtzeitig präventive Maßnahmen zu ergreifen.

  • nett

    30.06.2008, Monika Armand
    Eine nette Idee, das sympathische Team vorzustellen ;-)
  • Momentane Sterberate

    30.06.2008, Walter Letsch, Zollikon
    Der Autor, ein Biologe, scheint sich in der Welt der Demografie nicht ganz zuhause zu fühlen, wie zahlreiche Fehler und Missverständnisse zeigen. So erwähnt er, dass für die USA für das Jahr 2050 eine Lebenserwartung von 77 Jahren für Männer und von 83 Jahren für Frauen prognostiziert werde. Tatsächlich liegen diese Lebenserwartungen aber heute (2008) bereits bei 75,3 und 81,1 Jahren und dürften die prognostizierten Werte bereits um das Jahr 2020 erreichen. Japan liegt bereits heute deutlich darüber, mit 78,7 Jahren für Männer und 85,6 Jahren für Frauen.
    Nicht haltbar ist die Behauptung, der Rückgang der Geburtenrate habe einen Einfluss auf die Lebenserwartung. Offenbar verwechselt der Autor die Zunahme der Lebenserwartung mit der Überalterung einer Bevölkerung, wie sich diese in der sich ändernden Alterspyramide manifestiert. Auch kann keine Rede sein von "vielen Faktoren, die in die Berechnung der Lebenserwartung eingehen", denn tatsächlich gehen pro Altersgruppe und Geschlecht nur die Zahl der unter Risiko stehenden Personen und die Zahl der pro Jahr Gestorbenen in die Berechnung ein.
    Die Behauptung, dass "die ersten fünf Lebensjahre hohe Risiken bergen" ist in dieser Form nicht korrekt. Ein hohes Risiko herrscht nur gerade im ersten Lebensjahr. Das tiefste Risiko ist in den Altern von 3-15 zu beobachten, mit Sterberaten unter 0.02% pro Jahr. Nach Ende der Pubertät steigt die Sterblichkeit markant an, was aus entwicklungsbiologischer Sicht leicht verständlich ist, da dann in der Frühzeit der Menschheit die Reproduktion einsetzte, der Schutz der bis zur Pubertät getätigten "Investition" mit jeder Geburt weniger wichtig wird.
    Der Autor hält fest, dass die Aussichten, 75 Jahre alt zu werden, je nach Land verschieden sind, um dann zu behaupten, nach Erreichen dieses Alters verschwänden die Sterblichkeits-Unterschiede, z.B. zwischen Kanadiern und Bolivianern, fast vollständig. Das ist nicht der Fall. Für 75-jährige Kanadier beträgt die Wahrscheinlichkeit, das Alter 90 zu erreichen, 36%, für Russen (als Ersatz für die Bolivianer) jedoch nur 14%, was doch ein erheblicher Unterschied ist.
    Die angegebene Definition der Sterbeintensität ist insofern zu korrigieren, als es sich hier nicht um die Todesfälle pro Jahr handelt, sondern um die momentane Sterberate. Missglückt ist die Legende zur dritten Grafik. Der zunehmende Abstand zwischen den Kurven bedeutet nicht, dass im hohen Alter die Sterblichkeit wieder sinkt, sondern dass sie immer weniger stark ansteigt, also deren Zunahme immer mehr von der exponentiellen Zunahme abweicht.
    Schliesslich noch eine Bemerkung zu den biologischen Aspekten. Die wirklich interessante Frage ist nicht, weshalb wir sterben, sondern weshalb wir solange über die Menopause (Frauen) hinaus leben, während doch fast alle Tiere (Ausnahmen z.B. Elefanten und Wale) schon kurz nach Ende der Reproduktionsphase sterben. Oder anders gefragt: weshalb liegt die Menopause etwa in der Mitte des heute von einer Frau erreichbaren Alters, wie lässt sich das entwicklungsbiologisch erklären? Eine Teilantwort darauf finden sie im Artikel "Warum gibt es Grossmütter" von Voland und Beise im Spektrum 1/2003.
  • Unterschiede im Denken der Geschlechter

    30.06.2008, Dr. Wolfgang Priebsch, Kiel
    Sehr geehrter Herr Springer,


    Ihre Rubrik „Einwürfe“ lese ich immer wieder gerne; oftmals stimme ich Ihrer Sichtweise auch zu. Ganz und gar befremdet hat mich aber, was Sie in der Juni-Ausgabe unter dem Titel „Geschlechterkampf im Internet“ geschrieben haben.

    Eine unterschiedliche Verteilung der Geschlechter auf die verschiedenen Fachbereiche gab es schon zu meinen Studienzeiten vor über dreißig Jahren. Zu dieser Zeit betrug der Anteil an Studentinnen in der Physik schätzungsweise 10 Prozent, in Chemie ungefähr ein Drittel und in Biologie etwa die Hälfte. Diese Verteilung scheint sich bis heute im Großen und Ganzen gehalten zu haben und wir müssen es wohl als Tatsache akzeptieren. Doch dass dies darauf beruhen soll, dass Frauen systematisch von den bösen Männern daran gehindert werden, vermag ich nicht zu sehen. Schon damals waren die Zeiten vorbei, in denen Frauen der Zutritt zu den Naturwissenschaftlichen Instituten verboten war – wie es noch Lise Meitner erlebt hatte -, oder die Frauen nur zur „Verschönerung des Fachbereichs“ dienten.

    Erst recht in der heutigen Zeit, in der auch in der Bundeswehr beide Geschlechter „dienen dürfen“ und Bischöfinnen im Amt sind, stehen doch Frauen alle Studiengänge genauso offen wie den Männern. Eine Behinderung oder Benachteiligung von Studentinnen habe ich während meiner Studienzeit in den Fachbereichen Chemie und Biologie nicht beobachten können. Wer, wie und warum hätte sie hindern sollen, Vorträge zu halten? Anderseits habe ich öfter beobachten können, dass häufiger Frauen sich nicht so leicht trauten, vor größerem Publikum aufzutreten und froh waren, wenn dies ihre männlichen Kollegen übernahmen.

    Ihr stillschweigende Annahme, zahlreiche Frauen würden nichts lieber tun als Physik zu studieren und werden lediglich daran gehindert, findet sich nicht durch die Bewerbungszahlen für diesen Studiengang bestätigt. Anscheinend möchte die Mehrheit der Frauen nicht Physik studieren. Höre ich doch, heute genauso wie schon früher, von Frauen aller Altersklassen sehr viel öfter als von Männern, dass sie einfach kein oder nur wenig Interesse an Technik und Naturwissenschaft (besonders an Physik) haben. Kann man diese Einstellung nicht einfach so akzeptieren? Ist das Studium der Physik die einzig akzeptable intellektuelle Betätigung? Muss es zwingend mehr Physikerinnen geben? Sind alle Nicht-Physikerinnen (also wohl fast 100 Prozent aller Frauen) weniger wert, weniger intellektuell als die Physikerinnen?

    Vielleicht liegt die Ursache für dieses Desinteresse ja wirklich in einer anderen Art des Denkens. Immerhin betonen Frauen in anderen Zusammenhängen immer wieder und sehr gerne, dass sie anders als Männer denken, nämlich gefühlsbetonter und intuitiver. Warum sollte es auch nicht so sein? Müssen alle Menschen intellektuell gleich funktionieren? Kann man nur eine Art des Denkens zulassen? Nur weil etwas anders ist, muss es deshalb doch noch nicht als schlechter zu bewerten sein; generell darf doch ein Unterschied zwischen zwei Gruppen nicht zu einer Abwertung der einen (welcher von beiden denn?) führen.

    Anscheinend streben Frauen mehr zu anderen Berufen: die Zahl der Studentinnen z. B. in Medizin oder den Lehrberufen ist sehr viel größer. Besonders hoch ist der weibliche Anteil in den fremdsprachlichen Fakultäten. Wenden Sie auch hier Ihre Argumentation an? Männer sind in diesen Bereichen unterrepräsentiert, weil die gesellschaftliche Gruppendynamik sie daran hindert? Weil sie von den Frauen sozial diskriminiert werden? Und warum sollten Frauen speziell im Bereich Physik gemobbt und behindert werden – und in allen anderen Studiengängen, in denen sie erfolgreich vertreten sind, nicht?

    Ich halte Ihren Artikel sogar für gefährlich und der Sache nicht dienlich. Wenn Sie Sorge haben, dass das geistige Potenzial der Hälfte der Bevölkerung brachliegen könnte, weil Frauen nicht Physik studieren, diskreditieren Sie damit alle anderen Berufe, für die sich Frauen anscheinend mehr interessieren. Und was ist mit der anderen Hälfte der Bevölkerung, den Männern? Es soll ja auch Männer geben, die nicht Physik studieren. Deren geistiges Potenzial liegt nicht brach, wenn sie anderen Berufen nachgehen? Also: Männer, egal in welchem Beruf, sind immer wichtig und intellektuell, Frauen aber nur als Physikerin.

    Solange allen die gleichen Möglichkeiten offenstehen: Sollten wir nicht einfach jeden nach seiner Fasson selig werden lassen? Wer nicht Physikerin werden will, sondern irgendeinen anderen Beruf ergreift ist weder besser noch schlechter; jeder Beruf, ob mit oder ohne Studium, ist genauso wichtig und ebenso zu respektieren wie ein anderer. Und wenn tatsächlich Frauen andere Denkstrukturen haben sollten als Männer, macht es sie etwa zu schlechteren Menschen? Gleichstellung nicht im Sinne von „alles gleich machen“, sondern das Unterschiedliche gleich respektieren. Wir sollten froh sein, dass es Unterschiede im Denken und der Berufsfelder (und nicht nur im Körperlichen) gibt zwischen Frauen und Männern, denn das stellt doch, wenn wir es nur endlich mal vorbehaltlos akzeptieren, eine Bereicherung unseres Lebens dar. Oder wünschen Sie sich eine Welt, in der es nur Physiker gibt und ausschließlich mathematisch streng-logisch gedacht wird?

  • Animals can.......

    28.06.2008, MIlton, München

    Hallo, Tiere können viel mehr als wir denken,
    wir haben nur die "humanoide" Hochmut,
    das ist alles.
    Dabei sind wir bei der Einpassung in die Natur
    sehr viel destruktiver und ungeschickter
    als die Tiere.....
  • Empfehlung

    28.06.2008, Gregor Weyrich
    Diesen Artikel sollte man mal allen "Alt-68ern" ins Stammbuch schreiben/legen. Die Reaktion dürfte dann eher ein müdes, entschuldigendes Lächeln sein nach dem Motto: "Was interessiert mich mein...".
  • Mehr Wissenschaft, weniger Theologie!

    28.06.2008, Jakob Thomsen
    Ich möchte das Interview mit Prof. Kanitscheider ausdrücklich begrüßen. Es ist mit Abstand das Vernünftigste,
    was ich bisher in Spektrum der Wissenschaft über den Zusammenhang von Natur- und Geisteswissenschaften gelesen habe. Bewundernswert, wie das komplexe Scheinproblem "Willensfreiheit" in wenigen Sätzen zerpflückt und die Ethik aus den Fängen der Theologie befreit wird.

    Verwunderlich finde ich allerdings, dass in einer seriösen naturwissenschaftlichen Zeitschrift wie Spektrum der Wissenschaft überhaupt immer wieder Theologie zur Sprache kommt(wenn auch zum Glück nur am Rande), denn diese hat eindeutig nichts mit Wissenschaft zu tun, da keine ihrer "Theorien" falsifizierbar ist und sie schon bei oberflächlicher Betrachtung voller Widersprüche steckt.

    Einige Beispiele:
    Die Annahme, es gäbe einen Gott, der allwissend ist,
    schließt Willensfreiheit aus, denn wie kann jemand frei sein, dessen Handlungen Gott schon im Voraus bekannt und die damit festgelegt sind? Weiterhin kann Gott selber damit keine Willensfreiheit besitzen, da er seine eigenen Entscheidungen auch im Voraus kennen muss.

    Und die Annahme, Gott sei allmächtig, befreit alle Menschen völlig von jeglicher Verantwortung für ihre Taten (also auch von "Sünden"): Da Gott vorab von diesen Taten Kenntnis hatte und sie nicht verhinderte, können wir nur folgern, dass er sie befürwortet, sonst hätte er sie verhindert!

    Allmacht und Allwissenheit eines Gottes machen auch Gebete
    (im Sinne von Bitten um etwas, z.B. Gesundheit) überflüssig,
    denn wir müssen annehmen, dass sowohl Gegenwart und Zukunft EXAKT so sind bzw. werden, wie Gott sie haben will,
    sonst hätte er sie ja verändern bzw. im Voraus verhindern können. Gebete sind so gesehen immer Kritik an Gott.

    Schließlich ist schon ein Konzept wie "Allmächtigkeit" ein Widerspruch in sich: Ein allmächtiges Wesen müsste z.B. einen Stein erschaffen können, den nicht einmal es selbst bewegen kann, sonst wäre es nicht allmächtig. Wenn es diesen hypothetischen Stein erschafft, so ist es nicht allmächtig, denn es kann diesen Stein eben nicht bewegen!
    Verzichtet es darauf, so ist es auch nicht allmächtig,
    denn es kann diesen Stein nicht erschaffen!

    Zu guter letzt ist der Anspruch der Religion auf die Ethik unsinnig: Entweder es gibt eine absolute Definition von dem, was "gut" ist, dann muss sich auch Gott daran halten und wird für diese Frage überflüssig. Oder die Definition ist von Gott vorgegeben und wird damit völlig willkürlich,
    denn dann wäre ja alles "gut" solange es nur "von oben" vorgegeben wird!

    Angesichts dieser und zahlloser weiterer Ungereimtheiten
    bin ich daher dafür, das Thema "Theologie" erst dann wieder anzuschneiden, wenn es von offensichtlichen inneren Widersprüchen befreite und falsifizierbare Theorien präsentieren kann.
  • 27.06.2008, kruse düsseldorf
    es wäre mal interessant, dem Vogel vorher unbekannte Songs vorzu spielen. man weiss ja nicht, wie lange er auf queen trainiert wurde...
    und vor allem was seine nur akustisch mit auf dem video verewigten trainer während seines tanzes machen - nachahmung?
  • Zuverlässigkeitstheorie

    26.06.2008, Alexander Lisibach, Möriken (Schweiz)
    Die Frage "warum wir sterben" lässt an sich offen, ob ein philosophischer Kontext adressiert wird, ein konzeptbedingter (Telomere?), ein inhärenter (Entropie?) oder noch weitere, z.B. die Umweltbedingungen und Lebensumstände. Im Artikel wird ein äußerlicher, fremdbestimmter Kontext (Unfall, Gewalt) ausgeklammert und eher spezifisch im inhärenten Kontext nach Antworten gesucht. Hierzu und auch bezüglich Umweltbedingungen und Lebensumstände liefert der Themenkreis um die Zuverlässigkeitstheorie einige zusätzliche, im Artikel wenig oder nicht beachtete Aspekte, die nachweislich für Fahrzeuge zutreffen (Toyotas und Chevrolets) und angepassterweise wohl auch für Menschen.

    Autos "sterben" selten auf Grund eines "Infarktes". Jedoch mögen (nicht selbstheilende) Ausfälle auftreten, die sich meist reparieren lassen oder durch präventive Maßnahmen vermeiden bzw. zumindest hinauszögern. So hat nebst der inhärenten Zuverlässigkeit auch die Instandhaltbarkeit einen Einfluss auf die technisch mögliche Nutzungsdauer ("Leben") sowie die kurz- und langfristige Verfügbarkeit von passenden Ersatzteilen und die angemessene Instandhaltung. Dabei darf der zeckmäßige Betrieb eines Autos nicht vergessen werden und die verfügbaren finanziellen Mittel.

    Kein Geld für Pflege und Instandhaltung, nachlässiger oder unzweckmäßiger Umgang (Beanspruchung) sowie aggressive Umweltbedingungen (z.B. Salzwasser) verkürzen die Nutzungsdauer eines Autos erheblich. Umgekehrt lässt sich die statistische Verflachung der Versagensrate mit zunehmendem Alter von Autos damit erklären, dass die Fahrleistungen geringer werden ("Derating") und aus Liebhaberei (Eigenliebe?) präventive Instandhaltungsmaßnahmen zunehmen. Letztlich ist die individuelle Nutzungsdauer eines Autos wohl selten rein technisch begründet (was gilt noch als Nutzung?).

    Im Gegensatz zum Menschen lässt sich beim Auto und seinen Bestandteilen die charakteristische Lebensdauer (nicht "Nutzungsdauer") recht gut bestimmen: ein Fahrzeugtyp ist klar für eine Aufgabe spezifiziert und ausgeführt. Beim Menschen ist eine Typisierung problematisch und die Aufgabenzuteilung nicht immer optimal. Unter diesem Aspekt sollte man vielleicht fragen, ob die Ausdehnung der statistischen Lebensspanne auf Grund von "Derating" sowie medizinischer Reparaturen und Prävention nicht einfach eine zeitgemäße Steigerung in ein relatives Maximum ist. Es wäre denkbar, dass eine gesellschaftlich veränderte Lebensweise eine andere Teilmenge der menschlichen Population begünstigen könnte, die mit der Lebensweise in unserer Zeit nicht unter optimalen Umständen lebt und die statistische Lebenspanne somit noch steigerbar wäre. Abschliessend bleibt die Frage, ob dies wünschenswert ist und eine subjektiv empfundene Lebensqualität aufwiegt.
  • Dem Rätsel zwei weitere angefügt

    26.06.2008, Dieter Perthes, Neuwied-Rodenbach
    Die italienische Expedition, die doch eigentlich der Aufklärung dienen sollte, hat dem mysteriösen Ereignis an der Tunguska zwei neue Rätsel angefügt:

    1) Wie ist es möglich, dass ein etwa metergroßes Bruchstück mit einer Geschwindigkeit von weniger als einem Kilometer pro Sekunde – dies entspricht etwa der Höchstgeschwindigkeit eines Kampfjets – einen 350 mal 500 Meter weiten und etwa 50 Meter tiefen Krater reißt? Ein mit dieser Geschwindigkeit abstürzender Kampfjet müsste wegen seiner um ein Vielfaches größeren Masse einen entsprechend größeren Krater verursache – vergleichbar etwa einem Eifelmaar. Dergleichen ist aber bisher nicht bekannt geworden.

    2) Wie ist es möglich, dass der heute vom Tschekosee gefüllte ellipsenförmige Krater, um den der Geophysiker Michele Pipan sich mit seinem Radargerät herumarbeitete, im Umfang nur etwa 500 Meter misst?

    Oder hat hier nur der Zahlenteufel wieder zugeschlagen und im ersten Fall bei der Geschwindigkeit hinten eine Null, im zweiten Fall beim Umfang vorne eine Eins kassiert?
    Antwort der Redaktion:
    In der Originalveröffentlichung der Autoren (A possible impact crater for the 1908 Tunguska Event", hier finden sich übrigens auch die Publikation "Evidence that Lake Cheko is not an impact crater" – eine Art Gegendarstellung – sowie eine Antwort der Autoren) ist von einem Objekt mit 10 Meter Durchmesser die Rede. In ihrem Artikel für den Scientific American, den wir übersetzt vorgestellt haben, heißt es schlicht "meter size". Indem wir das mit "etwa metergroß" übersetzt haben, haben wir tatsächlich fälschlich zu verstehen gegeben, das Objekt sei etwa 1 Meter groß.



    Die neue Größenordnung löst das Problem allerdings nur zum Teil. Die Autoren gehen in der Originalveröffentlichung von einem Kraterdurchmesser von "etwa 300 Meter" aus (der Krater gilt den Autoren als Ellipse nahe der Kreisform, weil seine südöstliche Region sehr flach ist und darum nicht berücksichtigt wird). Für die Entstehung eines 300-Meter-Kraters sei aber eigentlich der Einschlag eines 10-bis-50-Meter-Impaktors notwendig. Aus verschiedenen Daten über den See schließen sie nun zunächst auf einen 10-Meter-Asteroiden. Weil der Krater durch schmelzenden Permafrost und Wasser- und Methanfreisetzungen unmittelbar nach dem Einschlag stark vergrößert wurde, sei die tatsächliche Größe aber wohl geringer. Sie fügen hinzu, dass schräge Einschläge mit geringem Tempo auf Gebiete wie die sumpfige Tunguska-Region noch nicht hinreichend modelliert wurden.


    Manche offene Fragen bleiben uns also so oder so erhalten. Immerhin können wir zur Strecke entlang der Küste, die Michele Pipan abarbeitete, feststellen: Wenn er seine Arbeit vollständig erledigt hat, war bei 500 Metern sicher noch lange nicht Schluss.
  • Uhrmacher versus Schleife

    26.06.2008, Dr. Uwe Stroinski, Reutlingen
    Reinhard Breuer liegt in der Abschlussformel seiner Rezension des neuesten Buchs von Paul Davies haarscharf daneben. Es ist eben gerade nicht die Version eines (Uhr-)gemachten Universums, die Davies vertritt, sondern Wheelers Ansatz eines partizipatorischen Universums. Eines Universums, das erst durch seine Beobachter zu existieren anfängt. Natürlich passt solch eine Begründungsschleife nicht in die zur Zeit modernen reduktionistischen, naturalistischen oder positivitischen Erklärungsversuche. Allein aus diesem Grund ist es jedoch nicht unwissenschaftlich.

    Davies Buch ist spannend und informativ. Es wendet sich an Leser, denen das ausschließliche Fragen nach dem Warum zu kurz gesprungen ist.

  • Qualität der Artikels ist mehr als zweifelhaft

    25.06.2008, Stefanie Hofmann
    Die beiden Autoren können offenbar nicht einmal zwischen den beiden Krankheiten Multiple Sklerose (MS) und Muskelschwund unterscheiden. Das eine hat mit dem anderen absolut nichts zu tun. Ein Blick in Wikipedia würde schon helfen. Die Qualität des restlichen Artikels ist daher ebenfalls sehr in Zweifel zu ziehen. Wie auch die übrigen Artikel in Spektrum der Wissenschaft?
    Antwort der Redaktion:
    Muskelschwund ist - im Gegensatz zu dem im Artikel nicht verwendeten Begriff Muskeldystrophie - kein medizinischer Fachausdruck, sondern eine unscharfe umgangssprachliche Bezeichnung für Störungen, die zu einer Rückbildung von Muskeln führen. In diesem Sinn wurde sie in der deutschen Übersetzung des englischen Originalartikels, nicht aber in diesem selbst, zweimal als verallgemeinernde Umschreibung für Multiple Sklerose benutzt. Das mag man als ungeschickt oder irreführend empfinden. Aber daraus auf eine "mehr als zweifelhafte Qualität" des gesamten Artikels zu schließen und die anderen Beiträge im Heft gleich pauschal der Unglaubwürdigkeit zu verdächtigen, scheint uns doch überzogen.
  • Trauer

    25.06.2008, Christa Nieselt, Diplomsoziologin, softskill-Trainerin, Supervisorin Psychologiestudentin
    Sehr guter Beitrag. Es ist in jedem Fall korrekt, dass unbedingt eine qualifizierte spezielle Trauertherapie entwickelt werden muss - denn bislang fällt Trauer ganz allgemein unter erlittene Traumata.

    Trauer und Tod sind allgemein viel zu sehr ausgegrenzte Themen in unserem Dasein. Gut, dass da zur Zeit Einiges passiert, wie z.B. die Entstehung von immer mehr Hospizen. Ich hoffe, dass die Menschen in unserer Gesellschaftsform mehr und mehr lernen, den Tod als einen Bestandteil des Lebens zu akzeptieren und entsprechend selbstverständlich damit umzugehen.

  • Wärmegeführte Energiewirtschaft

    25.06.2008, Hayo Sieckmann, Grabstede
    Alle Überlegungen der Energieversorgung gehen von einer Stromgeführten Energiewirtschaft aus, so kommt es dass wir 60 bis 80 Prozent der eingestzten Primärenergie ungenutzt in die Umwelt entsorgen. Wir sollten erst Wasserstoff aus den fossilen Energieträgern erzeugen und diesen über ein Leitungsnetz verteilen und dezentral Wärme und Strom mit der Brennstoffzelle produzieren. Jeder Betrieb und Hausbesitzer wäre dann sein eigener Stromproduzent. So halbieren wir den Verbrauch von fossilen Energieträgern. Da dann Wasserstoff flächendeckend verfügbar ist, wird sich Elektromotor und Brennstoffzell auch im Verkehr durchsetzen. Auch in diesem Bereich wird sich damit der Energieverbrauch halbieren. Aber nicht nur fossile Energieträger lassen sich zur Wasserstoffgewinnung duch Steamreforming nutzen sondern auch jede Form von Biomasse. Mit zunehmender Nutzung von Biomasse wird der Einsatz von fossilen Energieträgern zurückgefahren. 2025 wäre dann gar kein Einsatz von fossilen Energieträgern mehr notwendig. Allerdings sollten dann Offsore-Windanlage auch nur Wasserstoff produziern, weil es volkswirtschaftlich erheblich sinnvoller ist Wasserstoff in einem überreginalen Netz zu verteilen als Strom. Die Gesamtinvestitionen liegen bei 70 Milliarden Euro. Dieses System wird sich zu dem Exportschlager entwickeln, denn die Kilowattstunde Wasserstoff wird unter fünf Cent kosten, da der Strom wärmegeführt vor Ort produziert wird, kostet er auch nur fünf Cent je kWh. Ich bin überzeugt, dass die Kernkraftwerke schlich wegen fehlender Rentabilität abgeschaltet werden.
  • Steinkohlekraftwerke in China

    25.06.2008, Christian Ortmann, Marbach
    Zum Leserbrief von Dr. Quentmeier, SdW 7/08, S. 8:
    Da hat also China in 2 Jahren 300 neue Steinkohlekraftwerke gebaut. Jetzt meine Überschlagsrechnung: Ich nehme an:
    Jedes habe eine Leistung von 750 MW (wie z. B. das Steinkohlekraftwerk in Heilbronn) und lauf nur 50 Prozent der Zeit auf Volllast (Wartung, Reparaturen, Zeiten geringeren Energiebedarfs) und für jede kWh werden 0,9 kg CO2 emittiert. Dann emittieren diese 300 Kraftwerke jährlich 980 Millionen Tonnen CO2, wohlgemerkt zusätzlich zu den in China sowieso schon jährlich emittierten über 5 Milliarden Tonnen CO2. Diese 300 neuen Kraftwerke allein emittieren also mehr CO2 als in Deutschland gesamt emittiert wird, und der Bau neuer Kraftwerke geht in China so weiter! Was soll denn dann unser Kämpfen um einige hundert oder tausend Tonnen weniger CO2 und der Riesenaufwand dafür? Das ist doch lächerlich!
    Wir haben nun eine promovierte Physikerin als Bundeskanzlerin. Kann sie nicht mal Tacheles reden und den verbohrten Umweltideologen die wahren Fakten vorhalten und nach diesen Fakten auch auf Regierungsebene handeln?