Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • beginnender Massenaufschrei!

    22.04.2007, Stefan Merx, Düren
    Wenn – wie Sie schreiben – nur ein Massenaufschrei die Fortsetzung der Preisrätsel bewirken kann, so möchte ich zumindest meinen Beitrag dazu leisten, dass ein solcher Massenaufschrei möglich wird.

    Ich kenne Ihr Preisrätsel noch gar nicht so lange, aber sie haben mir in den vergangenen Monaten einigen Rätselspaß beschert – wenn ich mich auch über die wirklich bescheidenen Preise ein wenig gewundert habe.
    Aber das Gewinnen ist aus meiner Sicht nebensächlich – die Beschäftigung mit interessanten Rätselaufgaben macht einfach Spaß.

    Insofern hoffe ich sehr, dass es doch noch eine Fortsetzung geben wird.
  • Argumente der Klimaskeptiker nur Rhetorik

    22.04.2007, Dr. Karl Mistelberger, Erlangen
    meine Liebe zu Spektrum der Wissenschaft geht so weit, dass ich die Aprilausgabe nach ihrem Erscheinen 20 Stunden lang am letzten unverhofften Winterwochenende dieses Jahres auf dem Rücken durch den Bayerischen Wald getragen habe.

    Mit dem Artikel von Sven Titz und dem dazugehörigen Editorial konnte ich mich trotzdem nicht anfreunden. Als Wissenschaftler kommt beim Durchlesen das Gefühl auf, dass hier etwas nicht stimmt.

    Ich will jetzt nicht den Artikel Punkt für Punkt auseinandernehmen, sondern mich auf die Ozeantemperaturen beschränken. Obwohl ich nicht davor zurück schrecke, in wichtigen Fragen selbst Recherchen durchzuführen, bin ich froh, dass Gavin A. Schmidt mir die Mühe abgenommen hat:
    http://www.realclimate.org/index.php/archives/2007/04/ocean-cooling-not/

    Während Titz behauptet, "... lässt sich Entwicklung des ozeanischen Wärmehaushalts bisher nicht richtig simulieren und die Temperaturmessungen sind umstritten ... die oberen Meeresschichten haben zwischen 2003 und 2005 etwa 20% der Wärmeenergie verloren, die sie seit 1955 aufgenommen haben.", sieht der Wissenschaftler vom Fach die Probleme durchaus richtig und korrigiert umgehend seine Veröffentlichung.

    Bei mir verstärkt sich der Eindruck, dass grundsätzlich und unabhängig von der Faktenlage die Schablone gefahren wird, es gäbe zwei äquivalente Seiten und beide Seiten verdienten dieselbe Aufmerksamkeit. Meiner Erfahrung nach ist dies aber nicht der Fall. Die Argumente der Klimaskeptiker sind in den meisten Fällen nur Rhetorik und werden umgehend widerlegt.

    Ich würde es begrüßen, wenn Spektrum der Wissenschaft in Zukunft wieder zur altmodischen Praxis zurückkehren und darauf verzichten würde, vorschnelle Schlussfolgerungen zu ziehen.
  • Fortschritt des Wissens

    21.04.2007, Jakob Thomsen, München
    Es gibt viele verschiedene Arten von Fortschritt.
    Möglicherweise sind manche davon eine Illusion.
    Eine Art des Fortschritts existiert jedoch zweifellos:
    Der Fortschritt des Wissens über die Welt.
    Die Modelle mit denen die Welt beschrieben wird,
    werden zwar hin und wieder angepasst,
    aber dabei im großen und ganzen immer weiter verfeinert.
    Das dies keine Illusion ist erkennen wir z.B. daran,
    dass mittlerweile Menschen auf dem Mond waren und es möglich ist, per Flugzeug um die Welt zu fliegen. Wenn sich das Wissen über die Aerodynamik nicht weiterentwickelt hätte,
    dann gäbe es keine Flugzeuge.
    Ohne Fortschritt des Wissens wäre immer noch Steinzeit. Ob diese Art von Fortschritt glücklich macht, steht auf einem anderen Blatt.
    Ein weiteres Beispiel für Fortschritt ist in der Mathematik besonders deutlich zu finden:
    Hier kann das Wissen nur zunehmen,
    dann was einmal bewiesen ist, bleibt unwideruflich wahr (bei Kritik an diesem Punkt bitte Gegenbeispiel angeben!).
    Also: Es gibt vielleicht nicht DEN Fortschritt,
    aber zumindest den Fortschritt des Wissens über die Welt (im Sinne einer immer genaueren Beschreibung der Gesetzmäßigkeiten der Welt) und insbesondere den Fortschritt in der Mathematik (in Form einer monotonen Zunahme wahren Wissens).
    Oder anders formuliert:
    Wenn es keinen Fortschritt (des Wissens) gibt,
    was lese ich dann monatlich in Spektrum der Wissenschaft?!
  • Darwinismus ist etwas Anderes als »survival of the fi

    20.04.2007, Wolfgang Hinderer, Karlsruhe
    Betr.: Darwinismus ist etwas Anderes als »survival of the fittest«

    Sehr geehrter Herr Prof. Voland,

    bei einigen Ihrer Äußerungen kann ich mir nicht vorstellen, wie sie mit dem wissenschaftlichem Blick eines in die Welt schauenden Beobachters vereinbar sein sollten: "Das Leben auf diesem Planeten kennt kein Ziel und somit keinen Fortschritt" - man vergleiche doch den Zustand vor 1 Mrd. Jahren mit jetzt! Wenn Sie sagen: "Fortschritt kann es logischerweise nur geben, wenn es einen verlässlichen Maßstab gibt, an dem er zu messen wäre", dann möchte ich sagen - na klar! Das Organisationsniveau wäre solch ein Maßstab. Es gibt unstreitige Kriterien, nach denen zumindest gewisse existierende Systeme als höher organisiert zu bezeichnen sind als gewisse andere existierende Systeme.

    Ich möchte Sie auch an Ihre eigene Aussage erinnern: "Wer mag schon angesichts der heutigen biologischen und kulturellen Lebenschancen im Mittelalter leben - oder auch nur in der Generation seiner Großeltern?" - Ja, da ist heute ein messbares Mehr an Möglichkeiten, bedingt durch ein messbares Mehr an Wissen. Und so ist es auch in der biologischen Evolution, wobei der Begriff "Wissen" hier zu verallgemeinern ist: Das "Wissen" um die bessere Flossenform, das "Wissen" um den Nestbau,...

    Wenn Sie sagen: "Der Maßstab, an dem wir Fortschritt messen, erwächst aus unseren ganz persönlichen Präferenzen, Zielen und Wünschen im Hier und Heute eines ausdifferenzierten, informierten, strategisch eigeninteressierten Gehirns." - verzeihen Sie, wenn ich da speziell an das Voland-Gehirn denken muss! Bei allem Konstruktivismus, Herr Voland, wie ist denn die Sicht Ihres Gehirns auf Wirklichkeiten wie die Erde (nicht als Scheibe, sondern als Kugel), die Sonne, die Zahlen, ...? Ist das alles nur Einbildung/Optimierung und subjektiv?

    Und: Ihre Sichtweise des Darwinismus als "survival of the fittest" macht mich doch ein wenig zornig, zumal es sich hier um eine verbreitete, zeitgeistbedingte Fehlinterpretation handelt. Wie würden Sie die Tatsache, dass es auf unserer Erde zugleich Pinguine (am Südpol) und Eisbären (am Nordpol) gibt, theoretisch einordnen? Könnte es nicht sein, dass das Prinzip der Selektion ("survival of the fittest") und das ebenfalls schon von Charles Darwin postulierte Prinzip der Separation zwei Seiten einer und derselben Medaille sind? Das Selektionsprinzip für sich alleine wäre dann nur die halbe Wahrheit, und Ihre Aussage "Stillstand bedeutet das Ausscheiden aus dem evolutionären Spiel, und deshalb ist in der Darwin'schen Welt das »Höher, Weiter, Schneller« den Organismen notwendigerweise inhärent." wäre dann auch nur die halbe Wahrheit.


    Mit freundlichem Gruß

    Wolfgang Hinderer, Karlsruhe

    P.S.: Es gibt auch Rückschritt; die jetzt folgende kritische Bemerkung richtet sich aber nicht an Sie, sondern an die Spektrum-Redaktion: Mit der PDF-Version Ihres Essays konnte ich, im Gegensatz zu den sonstigen von der Spektrum-Site herunter geladenen PDFs leider wenig anfangen: Weder das Herauskopieren von Textpassagen noch die Volltextsuche scheinen damit auf einfache Weise möglich zu sein.

  • Gebt uns härteren Stoff!

    20.04.2007, Dr. Roland Philipp Hofmann, Ostfildern
    Ich möchte auch gleich noch mal in die gleiche Kerbe hauen wie Herr Enz und Herr Schlei: Auch ich habe des öfteren den Eindruck, mit Artikeln ueber Physik, insbesondere Kosmologie, würde im Spektrum eher das Staunen der Leser über die neuesten Ideen als ihr Verständnis derselben bezweckt.

    Es müssen nicht unbedingt Formeln sein, auch wenn ich persönlich finde, eine Formel sagt mehr als tausend Worte und tausend mal so viel wie tausend bunte ganzseitige Bilder "in künstlerischer Darstellung". Viele Sachverhalte, gerade der Physik und Mathematik, lassen sich mit Sprach-Bildern sehr gut klar machen. Dafür gibt es im Spektrum ja oft sehr gute Beispiele, beispielsweise in den Mathematischen und Physikalischen Unterhaltungen. Eine ähnliche Darstellungsweise würde ich mir in den "ernsteren" (warum eigentlich?) Fachartikeln auch öfter mal wünschen!
  • Laserkühlverfahren von Schokoladenschmelzen

    20.04.2007, Bernd Schäfer
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Zum Beitrag über das Rabbit Prototyping möchte ich noch eine wichtige, aktuelle Ergänzung beitragen. Anfang des Monats wurde mir unter der Nummer DE4201042007A für das von mir entwickelte Laserkühlverfahren von Schokoladenschmelzen Patentschutz erteilt. Dies ermöglicht mir nun, das Verfahren in der Öffentlichkeit zu diskutieren.

    Der bedeutende Vorteil meines Verfahrens liegt darin, dass zur Entwicklung von Sonderformen oder Prototypen keine Schokoladengußformen mehr herzustellen sind. Damit entfällt die in Ihrem Artikel beschriebene Befüllung der Form mit flüssiger Schokolade und die anschließende Drehung und Kühlung der Form.

    Zum Herstellen einer beliebigen Schokoladenform wird eine spezielle SchoLaCool (von Schokoladen Laser Cooling) Maschine mit handelsüblicher Schokolade befüllt, je nach Wunsch können dabei verschiedene Kakao-Gehalte von 40-80% eingesetzt werden. An einer Ausweitung des Verfahrens auf Schkolade mit Nüssen, Rosinen oder ähnlichen Füllstoffen arbeite ich derzeit noch, erste Ergebnisse sind jedoch ermutigend. Die Schokolade wird in einem Trog innerhalb des SchoLaCool aufgeschmolzen.
    Mit Hilfe eines Kapillarviskosimeters wird die Zähigkeit der Schokoladenschmelze in Abhängigkeit von der Temperatur überwacht. Der technisch am schwierigsten umzusetzende Teil der Anlage ist die Thermostatisierung der Schokolade auf eine Temperatur von 0,1 mK oberhalb des Tropfpunktes.

    Das Herzstück des SchoLaCools ist ein neuartiger Laser. Als aktives Medium dient ein superkritisches Fluid aus Kaliummethanolat (CH2OK).
    Als optische Pumpe wird eine druckverbreiterte He* He Lichtquelle eingesetzt. Das emittierte Licht des Lasers ist genau mit einer Absorptionslücke der Schokoladenschmelze bei einer Wellenzahl von 1746 cm-1 identisch. Daher kann die Strahlung die Schokoladenschmelze ungehindert durchdringen. An der Phasengrenze an der Oberseite der Schokoladenschmelze erfährt der Laserstrahl jedoch einen Phasensprung.
    Dadurch entstehen an der Oberfläche stehende elektromagnetische Felder.
    In diesen werden die Moleküle der Schokoladenschmelze erheblich retardiert und die Schokolade verfestigt sich durch den Entzug von kinetischer Energie aus der Brownschen Molekularbewegung. Dies ist etwa mit der inversen Wirkung eines Mikrowellenofens zu vergleichen.

    Die Schokoladenform wächst bei diesem Verfahren langsam aus der Schmelze nach oben heraus. Ein Hase wird also "über Kopf" gefertigt. Die unterste Schokoladenschicht im Bereich der Hasenfüße wird an eine Kunststoffplatte "angekühlt", die zu Beginn des Prozesses gerade eben die Schokoladenschmelze berührt. Diese Platte wird nach Belichtung jeweils einer Schokoladenschicht ein kleines Stück aus der Shokoladenschmelze empor gehoben. So entsteht - Schicht für Schicht - direkt aus CAD-Daten eine nahezu beliebige Schokoladen form. Soll eine Hohlform erstellt werden, können dank der hohen Ortsauflösung des Verfahrens im Fußbereich der Form luftdurchlässige Nanoröhren erzeugt werden, die die Entleerung der Form von flüssiger Schokolade sicherstellen wenn das Produkt aus der Schokoladenschmelze angehoben wird. Wegen der geringen Größe sind diese Röhren mit bloßem Auge nicht sichtbar.

    Ich hoffe, die obigen Ausführungen stießen bei Ihnen auf Interesse.
    Herrn Linsmeier danke ich für die gelungene Darstellung klassischer Rabbit Prototyping-Verfahren. Das Thema ist ja doch sehr speziell und nur für einen begrenzten Personenkreis von Interesse. Daran wird auch der SchoLaCool so schnell nichts ändern: Der hohe Systempreis macht ihn derzeit für kleinere und mittlere Konditoreien noch unerschwinglich.

  • Äpfel und Kühe vergleichen

    20.04.2007, Gilbert Brands
    Der Denkansatz ist unlogisch, nicht die Physik. Man unterhält sich über Phänomene, die in jeder Skala um mehrere Größenordnungen außerhalb unserer menschlichen Sensorik abspielen und nur durch Messgeräte erfahrbar sind. Für deren Anzeigen haben wir allerdings eine gut funktionierende mathematische Theorie, die aus nahezu frei gewählten Voraussetzungen die Messergebnisse bislang korrekt vorhersagt. In diese Umgebung nun unsere täglichen Erfahrungen als biologischer Mensch hinein zu transferieren, entbehrt jeglicher theoretischer Grundlage und ist der eigentliche unlogische Schritt, entsprechend etwa einer Schlussfolgerung, dass ein Apfel nicht herumlaufen kann und eine Kuh sich nach Transfer dieser Erkenntnis auf die Kuhwelt völlig unlogisch verhält, wenn sie sich bewegt.

    Mehr dazu in meinem Skript "Einführung in die Quanteninformatik", das kostenlos von www.gilbertbrands.de geladen werden kann.
  • Keine Informationsübertragung !

    20.04.2007, Christof Weiss
    Mir scheint, da hat sich ein schwerer Irrtum in Ihrem Artikel eingeschlichen, denn bekanntlich wird beim Experiment mit verschränkten Quantenzuständen KEINERLEI Information übertragen.
    Daher kann man dieses System ja leider auch nicht zur Nachrichtenübertragung verwenden und dieser Widerspruch mit der speziellen Relativitätstheorie löst sich daher in Nichts (oder Wohlgefallen) auf!
    (Was natürlich nichts an anderen Widersprüchen der Quantentheorie mit der Relativitätstheorie wie z.B. dem Gravitationsproblem ändert.)
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Weiß,



    herzlichen Dank für Ihren Leserbrief.



    Das angesprochene Problem ist weniger physikalischer als sprachlicher Natur. In der Physik wird "Information" einschränkend so verwendet, dass ein Sender A einem Empfänger B eine Nachricht übermittelt. Dies kann nach bisherigem Wissen tatsächlich höchstens mit Lichtgeschwindigkeit erfolgen.



    Dennoch geht man in der Quantenphysik gleichzeitig davon aus, dass bei verschränkten Teilchen ein Partner instantan vom Schicksal des anderen erfährt und das System darauf reagiert. Teilchen b "weiß" also sofort, dass Teilchen a gemessen wurde und welches Ergebnis die Messung hatte. Für dieses Wissen gibt es in unserer Sprache kein eigenes Wort, weshalb ebenfalls "Information" verwendet wird.



    Da die Quantenteilchen ihren Zustand zufällig einnehmen und man nicht zwischendurch nachsehen kann, ob das schon passiert ist, ohne das System zu stören, kann aus der quantenphysikalischen, nichtlokalen "Information" keine nutzbare, überlichtschnell gewanderte makroskopische "Information" werden.



    Wikipedia (Stichwort "Quanten-Nichtlokalität") beschreibt dieses Durcheinander so: "Die implizite Antwort der Quantentheorie heißt:
    Der Kollaps der Wellenfunktion erfolgt instantan, ist also nicht- lokal (impliziert daher Fernwirkungen). Genau diesen Umstand bezeichnet man als Quanten-Nichtlokalität. Diese sehr theoretischen Ausführungen kann man jedoch bereits mit so genannten verschränkten Paaren praktisch nachspielen, wo eine quantenmechanische Messung an einem Ort einen Kollaps der Wellenfunktion an einem anderen Ort nach sich zieht. Dabei zeigt sich, dass zwar der Kollaps der Wellenfunktion instantan erfolgt, jedoch keine echten Informationen übertragen werden können, sodass die Kausalität dennoch erhalten bleibt."



    Zugegeben: Das ist verwirrend, weil nicht nur die Theorien, sondern auch die Worte und ihre Bedeutungen hier schlecht zueinander passen.



    Mit freundlichen Grüßen,

    Olaf Fritsche
  • Für eine Bewusstseinsvermutung

    19.04.2007, Jens Philip Höhmann
    Liebe spektrum-redaktion,

    "Andere Wissenschaftler sehen dies allerdings skeptisch: Bislang wisse man nur, dass sich die Hirnaktivitäten der Frau je nach Ansprache änderten und die Aktivitätsmuster denen einer gesunden Kontrollgruppe glichen [2]. Bewusstsein, Selbstbewusstsein und Willensentscheidung folgen hieraus jedoch leider noch nicht."

    Dieser Skeptizismus mag zwar aus wissenschaftlicher Sicht angebracht sein, muss in diesem Sinne aber natürlich auch der Annahme gelten, die Frau sei trotz ihrer Hirnaktivitäten NICHT bei Bewusstsein.
    Sogar in noch verstärkter Form, und zwar aus ethischen Gründen, die sich auf den Umgang mit der Patientin beziehen:
    Geht man davon aus, dass die Patientin bei Bewusstsein ist und auch fähig, die Außenwelt wahrzunehmen, und handelt man nach dieser Überzeugung, so kann man moralisch nichts falsch machen, falls ihr in Wahrheit jegliches Bewusstsein fehlen sollte.
    Lässt man sich aber beim Umgang mit ihr von der Annahme leiten, ihr fehle jegliches Bewusstsein, muss man sich dessen absolut sicher sein (was gar nicht möglich ist), ansonsten wird man zum Folterer, da man der Patientin das Gefühl gibt, lebendig begraben zu sein. Oder wie eine Verschüttete, die die Rettungskräfte kurzerhand für tot erklären und ihrem Schicksal überlassen.
    Von 'schnoddrigen' Bemerkungen oder Lärm, dem Einschalten von Musik, die die Patientin nicht mag und ähnlichen Grausamkeiten aus Gedankenlosigkeit ganz abgesehen. Etwas Schlimmeres - natürlich abgesehen von absichtlicher Folter - kann ich mir kaum vorstellen.
    Daher halte ich das Paradigma, erst an Bewusstsein zu glauben, wenn man es fast schon nachweisen kann, für ethisch und wissenschaftlich nicht haltbar. Es sollte in sein Gegenteil verkehrt werden, eine Art 'Bewusstseinsvermutung', zumindest, was den Umgang betrifft.
    Auch das Wort "leider" in dem Zitat kann ich nicht nachvollziehen, da die Patientin schließlich handlungsunfähig ist. Dies bei vollem Bewusstsein miterleben zu müssen, ist für jemanden, der das nicht miterlebt hat, schon unvorstellbar; es ist zu hoffen, dass sie nicht auch noch dazu verdammt war, von skeptischen Äußerungen von Wissenschaftlern zu erfahren.
  • Fortschritt nicht definiert

    18.04.2007, Jörg Michael, Hannover
    Im Essay von Herrn Voland finden sich leider eine Reihe gravierender Denkfehler.
    So darf man (wie auf S. 111 getan) nicht davon ausgehen, dass die in den USA durchgeführten Zufriedenheitsbefragungen irgend etwas anderes messen könnten, als eben die Lebenszufriedenheit selbst.
    An das Gute (und dazu gehört auch ein technischer, materieller oder sonstiger Fortschritt) kann man sich schließlich schnell gewöhnen. Umgekehrt gilt dies auch und beweist damit lediglich die große Anpassungsfähigkeit der menschlichen Psyche.

    Viel gravierender scheint mir jedoch zu sein, dass Professor Voland nicht genau sagt, was er unter Fortschritt versteht. In meinem Lexikon, welches von 1980 datiert, findet sich als Definition:
    "Ein Fortschreiten nach Höherem, welches zielgerichtet, einseitig und unumkehrbar ist".
    Dieser Satz klingt heutzutage eher wie die Definition des Fortschrittsglaubens im Sinne des Glaubens an einen immerwährenden, unaufhaltsamen und quasi naturgesetzlichen Fortschritt. So naiv dürfte man heutzutage wohl nicht mehr sein. Herr Voland hätte also besser von der Illusion des Fortschrittsglaubens sprechen sollen.

    Was Fortschritt angeht, wird niemand bestreiten können, dass für die ungerichtete Evolution keines der drei in
    obiger "Definition" letztgenannten Attribute zutrifft. Wenn man aber bei Fortschritt nur allgemein von einer wie auch immer
    gearteten Höherentwicklung spricht, hat man auch kein Problem, wenn Fortschritt in einem Bereich mit Rückschritten
    in anderen Bereichen einhergeht.

    So sind mit der Evolution des Auges (wahlweise als Wirbeltier- oder Insektenauge) Strukturen entstanden, die es vorher nicht gab und die auch mehr sind als nur eine "stetige Ausdifferenzierung einiger Merkmale".
    Das gleiche gilt natürlich erst recht für die Entstehung des Lebens selbst.
    Wenn dies keine Beispiele für evolutionären Fortschritt sind, was sind sie dann?

    Wenn Herr Voland zudem (wie auf S. 113 geschehen), scheinbar glaubt, dass ungerichtetes Handeln keinen Fortschritt zu erzeugen vermag, dann übersieht er die Macht der Selektion.
    So haben sich evolutionäre Verfahren in der technischen Optimierung insbesondere bei komplexen Problemen
    schon seit vielen Jahren als sehr erfolgreich erwiesen.

    Herr Voland hat zudem seine Gedanken nicht wirklich zu Ende gedacht. Wenn es nämlich keine Fortschritt gibt, kann es logischerweise auch keinen Rückschritt geben. Völkermorde und andere Kriegsverbrechen wären dann also lediglich die Illusion des Rückschritts. Das Gleiche gilt auch, wenn wir die Folgen des Klimawandels unterschätzen und weite Teile der Erde dadurch unbewohnbar werden.


  • Roboterkriminalität

    17.04.2007, Dirk Brixius, 40882 Ratingen
    Computer und Internet haben uns neue Formen der Kriminalität beschert.
    Zweifelsohne überwiegt der Nutzen dieser jungen Technologien den Schaden, den Straftäter unter Zuhilfenahme von PC und Internet anrichten.

    Wie wird es in der schönen neuen Welt der Roboter aussehen? Wir sollten nicht so naiv sein, zu glauben, alle Roboter würden nach den drei edlen Gesetzen der Robotik (I. Asimov) programmiert.

    Roboter mit jenen Fähigkeiten, welche Bill Gates ankündigt, werden ganz neue Formen von Verbrechen ermöglichen. Während Computerkriminalität sich meist gegen das Eigentum ihrer Opfer richtet, wird Roboterkriminalität auch Leben und Gesundheit der Betroffenen beschädigen.

    Nicht umsonst wird ein erheblicher Teil der einschlägigen Forschung aus militärischen Beweggründen initiiert! Die Frage, ob wir in 30 Jahren behaupten können, der Nutzen "intelligenter" Roboter sei größer, als der mit ihrer Hilfe angerichtete Schaden, ist meiner Meinung nach offen.
  • Leserbrief des Herrn Enz und Ihre Antwort

    17.04.2007, Dr. Dirk Schlei, Köln
    Ich bin mir nicht sicher, ob Sie Ihre Leserschaft anhand der Zuschriften so einschätzen sollten: Jedenfalls bin ich, Anfang 40 und Jurist, von den ewig ähnlichen populärwissenschaftlichen Büchern/Artikeln zunehmend gelangweilt. Da heutzutage die Meisten (verschüttetes) Abiturwissen mitbringen, kann und sollte dieses auch genutzt (leicht reaktiviert) werden; wer sonst könnte daheim der PISA-Generation zur Seite stehen? Und: Die Freude "echter" Erkenntnis, wenn man etwa die Herleitung einer Formel der Speziellen Relativitätstheorie nachvollziehen kann, ist doch unvergleichlich. Mich jedenfalls hat das animiert, nach der notwendigen Auffrischungskur, meine Mathematikkenntnisse etwa mit so einem zugänglichen und sogar in der ZEIT gelobten Werk wie "Rießinger, Mathematik für Ingenieure" weiterzuentwickeln. Ganz herausragend - und auch ohne jegliches über Abiturkenntnisse hinausgehendes Wissen verstehbar, sind doch auch die weiterführenden Materialien aus Ihrem Hause - unter wissenschaft-schulen.de, z. B. der herausragende Beitrag "Kosmologie für die Schule"; da benötigt man zwar schon mal eine ganze Urlaubswoche zur Durchdringung... M. E. also alles eher eine Frage der Zeit als des Verstehenkönnens. Vielleicht starten Sie dazu mal eine Leserbefragung? Besten Gruß - und großes Lob für Ihre im übrigen überaus gelungene Zeitschrift.
    Antwort der Redaktion:
    Danke – natürlich höre ich die Ermutigung zu "härterem Stoff" gerne.
    Christoph Pöppe
  • Mathematik-Feindlichkeit im Spektrum

    16.04.2007, Markus Enz, CH-4126 Bettingen
    Dieser Artikel ist ein Beispiel für die Behandlung von Themen der Mathematik oder theoretischen Physik im Spektrum der Wissenschaft. Der Artikel berichtet von der Anwendung der Mathematik auf ein praktisches Problem. Dabei wird viel Wert auf die Erläuterung der Anwendung an einem konkreten Beispiel gezeigt. Was aber völlig fehlt, ist die Beschreibung des mathematischen Problems und dessen Behandlung.

    Ist es wirklich unzumutbar zu beschreiben, von welchem Zweig der mathematischen Forschung die Rede ist, welche Sätze bewiesen worden sind, um die Anwendung zu ermöglichen, oder mit welchen Methoden der Beweis erbracht worden ist?

    Dasselbe ist bei der Beschreibung neuer Entwicklungen in der theoretischen Physik oder Kosmologie zu beobachten. Das Objekt einer Theorie ist ein Modell, welches z. B. mit einer Hamilton-Funktion beschrieben werden kann. Oft werden Näherungen verwendet, um das Resultat zu erreichen, oder man transformiert das Problem in einen anderen mathematischen Raum. Das müsste doch einer verständlichen Beschreibung zugänglich sein. Oft kann die Essenz der Theorie an einem einfachen Beispiel wie dem harmonischen Oszillator erläutert werden. Aber im Spektrum sucht man vergeblich nach solchen Erläuterungen.

    Regelmässige Lektüre des Spektrums hat mein Verständnis über Molekularbiologie, Genetik oder deren medizinischen Anwendung vermutlich auf „Vordiplom-Niveau“ gebracht. Aber ich bezweifle, dass die Leser im Bereich der Mathematik oder Physik durch die Lektüre des Spektrums auch nur annähernd ein Verständnis zum Beispiel der Quantenmechanik erreichen können, weil der Kern für dieses Verständnis systematisch ausgeblendet wird. Die nebulösen Umschreibungen, mit denen die Leser geschont werden, lassen sich vom Laien kaum von pseudo-wissenschaftlichen Texten unterscheiden.

    Da bewundere ich die Begründer des modernen Schulwesens, welche vor 150 Jahren die Infinitesimalrechnung als Fundament des Weltverständnisses ins Gymnasialkurrikulum gebracht haben. Müsste es sich das Spektrum nicht auch zur Aufgabe machen, solches Wissen wach zu halten, durch Beschreibung der Anwendungen?
    Antwort der Redaktion:
    Sie treffen mit Ihrem Leserbrief auf eine bei uns permanent intern geführte Diskussion: Wie viel Wissenschaft soll man dem Leser zumuten?

    Stand der Diskussion ist: Man darf nicht erwarten, dass die Infinitesimalrechnung, so wie sie in der Schule gelehrt ist, beim Leser so präsent ist, dass man sie schlicht voraussetzen kann.

    Ich fürchte, wir schätzen da den Leser, wie er sich uns in Umfragen und Leserbriefen darstellt, einigermaßen richtig ein. Leserbriefe wir Ihrer sind die Ausnahme. Es gibt einzelne Artikel von mir, die versuchen, mathematische Sachverhalte in klassischer Härte und einigermaßen vollständig darzustellen. Regelmäßig stellte sich dann heraus, dass man zwei Drittel des Textes für einführende Definitionen und derlei Dinge verbraucht, bevor man überhaupt zur Sache kommt. Das ist nichts für den flüchtigen Leser, an den wir uns zu richten gehalten sind.

    Was den konkreten Anlass Ihres Leserbriefs angeht: Ich glaube, da ist Ihnen nicht viel entgangen. Auch in dem Manuskript, das der Autor Friedrich Pukelsheim uns eingereicht hat, war von mathematischen Sätzen, Beweisen und Methoden kaum die Rede.
  • Wann ist eine Empfindung eine Illusion?

    14.04.2007, Dr. Roland Philipp Hofmann, Ostfildern
    Zunächst einmal möchte ich den vielen Lesern zustimmen, die die Illusion, es gäbe keinen Fortschritt, auf das Fehlen einer Definition des Begriffes "Fortschritt" zurückführen.

    Tatsächlich: Fortschritt ist keine biologische Kategorie, deswegen führt auch die Konzentration des Autors auf die Evolutionsbiologie, so verständlich sie bei dem fachlichen Hintergrund des Autors ist, in die Irre. Aber: Fortschritt ist auch keine psychologische Kategorie, jedenfalls nicht nur, nicht einmal hauptsächlich!

    Mir liegt aber nicht daran, Herrn Voland zu wiederlegen, ich finde es nur nicht richtig, einen Artikel über Fortschritt zu schreiben, in dem gar nicht definiert wird, was Fortschritt nach Ansicht des Autors eigentlich ist.

    Aber auch der zweite wesentliche Begriff des Artikels, die "Illusion", ist unzureichend erklärt. Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, er ist auf unsinnige Weise gebraucht. Das unterstreichen die Beispiele, die Voland für Illusionen angibt:

    Dass ein Baum grün ist, soll also eine Illusion sein? Dass ich freien Willen habe, auch? Wenn ich behaupte, dass solche Aussagen Unsinn sind, dann nicht aus Borniertheit, nicht, weil ich ein naiver Realist bin, oder meinen gewohnten Standpunkt nicht aufgeben will, sondern, weil die Konzepte, die in solchen Aussagen verwendet werden, höchst hilfreich sind, und nicht an Aussagekraft verlieren, bloß weil man die physikalischen Zusammenhänge dahinter besser verstehen gelernt hat.

    Was bedeutet es denn, dass ein Baum grün ist? Es bedeutet, dass von dem Baum Photonen einer bestimmten Wellenlänge zu unserem Auge gelangt sind, ein Rezeptor für grün in unserer Netzhaut hat darauf reagiert (Ich bin kein Biologe, aber auf die korrekte Beschreibung kommt es hier nicht an). Über Nervenverbindungen hat diese Anregung in unserem Gehirn die Empfindung "grün" ausgelöst. Was ist daran Illusion?

    Als Illusion würde ich es verstehen, wenn wir zwar meinen würden, grün zu sehen, aber ohne, dass die Netzhaut entsprechend angeregt wurde, bzw. ohne dass grünes Licht von den Blättern des Baumes ausgegangen ist.

    Jedenfalls ist es eine höchst hilfreiche Abkürzung, wenn ich sagen kann: "Der Baum ist grün." statt sagen zu müssen: "Die Neuronen 2.332.745 bis 2.332.862 in meinem Gehirn wurden bis zu einem Niveau von 17 Einheiten für einen Zeitraum von 875 Mikrosekunden angeregt."

    Im Fall des freien Willens ist es zugegebenermaßen etwas schwieriger, das Argument zu formulieren. Aber man versuche es nur einmal, freien Willen so zu definieren, dass er sich nachher als Illusion herausstellt! Man wird bald feststellen, dass die Möglichkeit einer solche Definition, wenn sie wissenschaftlichen Kriterien standhalten soll, selbst eine Illusion ist!

    Kurzum: Die Aussage "Fortschritt ist eine Illusion" in diesem Artikel ist ungefähr so viel Wert wie die Aussage "Die Pfnuris haben gemörpselt!".

    Schöne Grüße
  • Jenseits der irdischen Nacht

    14.04.2007, Harry Schloßmacher, Düren


    Welch eine Kraft!
    Welch eine Macht! -
    die alles erschaffen hat.

    Sie darf uns einfach nicht vergessen,
    jenseits der irdischen Nacht,
    in welcher ein Mensch
    seine Augen hat zugemacht.

    Wie dem auch sei:
    Viele Stoffe und Gesetze,
    Sterne und Planeten,
    mussten entstehen.
    Äußerst komplizierte wie langwierige
    kosmische
    chemische und
    biologische
    Evolutionen geschehen.

    All dies war Grundlage
    auch für menschliches -
    für unser Leben.
    Viele möchten bestimmt
    einen großen Dank
    dafür weitergeben.

    Zwischen den Sternen
    wird noch so vieles geschehn,
    was wir nicht können verstehn,
    oder uns je zu erträumen haben gewagt.

    Lassen wir uns einfach überraschen,
    sehen eher Hoffnung und Licht
    bei jener kosmischen Supermacht
    jenseits der irdischen Nacht...



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