Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Allmacht und Indeterminismus – abschließende Klarstellung

    03.12.2007, Prof. Paul Kalbhen, Gummersbach
    Die Ewigkeit Gottes ist als Zeitlosigkeit zu denken, die nicht unseren Zeitabläufen unterworfen ist. Gott besitzt sein ganzes Wissen "auf einmal", als absolute Vorhersicht allen Geschehens. Damit ist auch die Allwissenheit Gottes im Sinne der "Vorhersehung" als Vorauswissen alles Seienden zu begründen, das aber keine Vorherbestimmung (Prädestination) einschließt, sondern menschliche Freiheit zulässt, weil Gott nicht unserem seriellen Zeiterlebnis unterworfen ist. Damit entfällt der oftmals gefolgerte theologische "Zwang", Vorhersehung Gottes und Vorherbestimmung gleichzusetzen, Vorherwissen Gottes und menschliche Freiheit sind unter diesem Aspekt kein Widerspruch mehr! Die Allmacht Gottes, des Schöpfer-Vaters, ist als absolute, d. h.einmalige und zeitlose Entscheidung zu verstehen, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Sie lässt der Schöpfung ihren Lauf nach statistischen – wahrscheinlichkeitsbedingten – Gesetzmäßigkeiten mit Freiheitsgraden (Zufälligkeiten, Unbestimmmtheiten, Indeterminiertheiten) für den Menschen und die Natur, die auch das Leid beinhalten; das Leid in der Welt hängt mit dem Bösen und Unvollkommenen zusammen.

  • Politik müsste handeln

    03.12.2007, Maurus Candrian, St. Gallen (Schweiz )
    Gewiss sind die Vorhersagemassnahmen von Waldbränden nützlich und wichtig. Jedoch wäre es ebenso wichtig, den menschlichen Brandstiftern endlich wirkungsvoll entgegenzutreten. Mindestens in den Mittelmeerländern dürften über 90% der Waldbrände von Brandstiftern gelegt sein. Ziel der meisten Brandstiftungen ist es, Land für Bauten und die Landwirtschaft zu gewinnen. Es gäbe eine sehr einfache Massnahme, um diesem Ansinnen entgegenzutreten: Was Waldgebiet respektive raumplanerisch Waldzone ist, bleibt Waldgebiet / Waldzone, auch nach einem Waldbrand. Die sehr häufig korrupten Politiker in den betroffenen Ländern stecken mit den Brandstiftern oft unter einer Decke. Wenn ein entsprechendes Gesetz auf Stufe der Europäischen Union geschaffen würde, wären die Erfolgsaussichten in der Waldbrandbekämpfung vermutlich um ein Mehrfaches besser.

    Maurus Candrian, St. Gallen (Schweiz)
  • Missverständnis - Antwort an Prof. Kalbhen

    29.11.2007, Reiner Vogels, Swisttal-Odendorf
    Prof. Paul Kalbhen hat meine Stellungnahme zur Theodizeefrage heftig kritisiert. Ich denke, dass diese Kritik wenigstens zum Teil auf einem Missverständnis nicht nur meiner Position, sondern auch der des Augustinus beruht. Deshalb eine kurze Klarstellung:

    Ich habe ein Augustinuszitat gebracht, ohne mich ausdrücklich damit zu identifizieren. Meine Position hatte ich im Abschnitt zuvor dargelegt. Sie läuft darauf hinaus, dass ich zugebe, dass ich keine Antwort auf die Theodizeefrage habe, dass ich aber darauf vertraue, dass Gott sie hat.

    In diesem Punkt, nämlich in der Verlagerung der Antwort auf die Theodizeefrage in den Verantwortungsbereich Gottes, besteht m. E. auch das Tertium Comparationis zwischen der Position des Augustinus und mir: Augustinus erklärt ja nicht aus eigenem Urteil, dass das Vorhandensein des Bösen gut sei, sondern er vertraut auf die Güte und Allmacht Gottes und schließt dann daraus, dass das Vorhandensein des Bösen gut sein müsse – unausgespochen, aber in Klammern gewiss mitgedacht: auch wenn er selbst, Augustinus, es nicht wirklich verstehe.

    Ich halte meine Position für plausibler als die Meinung, dass Gott um der Freiheit willen einen gewissen Indeterminismus in die Schöpfung eingebaut habe. Diese Position läuft letztlich auf eine Preisgabe des Glaubens an die Allmacht und Allwissenheit Gottes hinaus, worauf Edgar Dahl mit vollem Recht hingewiesen hat.

    Im übrigen stimme ich zu, dass Augustinus sich in den von Prof. Kalbhen genannten Punkten geirrt hat. Man wird aber doch einen Theologen in einem Punkt zitieren dürfen, ohne für alle seine Lehren haftbar gemacht zu werden.
  • Haarsträubende Theologie

    29.11.2007, Prof. Paul Kalbhen, Gummersbach
    Wie kann man als Theologe in der heutigen Zeit angesichts des klaren Bewusstseins für das "irrsinnige" Leid in der Welt noch eine solche Meinung vertreten, wie sie R. Vogels in seinem Leserbrief vom 26.11.07 im letzten Abschnitt in Anlehnung an Augustinus vertritt – da stehen einem selbst als Christen "die Haare zu Berge"! Einmal davon abgesehen, dass Augustinus (um 400 n. Chr. lebend) auch in anderer Beziehung theologische Fehleinschätzungen verkündet hat – so die "doppelte Vorherbestimmung" des Menschen zur Seligkeit oder zur Verdammnis, die geistige Abwertung der Frau, die Diffamierung der menschlichen Sexualität –, so setzt doch seine Aussage, dass Gott das Böse um des Gute willen gewollt habe, "die Krone auf". Da lobe ich mir die Gegenargumentation des Thomas von Aquin (um 1250 n. Chr. lebend), die viel mehr zutrifft auf die Worte Jesu Christi in den überlieferten Evangelien bezüglich der Güte und Liebe Gottes, nämlich dass nichts für gut zu erachten sei, außer es entspreche der Idee "gut" durch sich selbst.
  • Keine "Löcher"

    28.11.2007, Prof. Dr. Reiner Trommer, Groß Grönau
    Der Begriff "Loch" wird in der Halbleiterphysik für nicht besetzte Bindungselektronenplätze verwendet, die als positive Ladungsträger im Material beweglich sind. In der Darstellung des Hall-Effekts auf Seite 116 rechts oben sammeln sich aber keine solchen Löcher auf der rechten Seite des elektrischen Leiters an. Löcher sind in einem Material, in dem der elektrische Strom -wie gezeigt - von Elektronen getragen wird, vernachlässigbar. Die positive Ladung rechts entsteht einfach dadurch, daß die beweglichen Elektronen zur linken Seite hin ablenkt werden. Zurück bleiben positive Metallionen (in einem metallischen Leiter) oder positive Donatorionen (in einem n-leitenden Halbleiter), keine Löcher.
  • Das Opium des Volkes

    28.11.2007, Dr. Edgar Dahl, Gießen
    In der Philosophie unterscheidet man traditionell zwischen zwei verschiedenen Formen der Religionskritik. Die eine beschäftigt sich mit „Erklärungsfragen“, die andere mit „Begründungsfragen“. Erstere ist mit Namen wie Ludwig Feuerbach, Karl Marx und Sigmund Freud verbunden. Sie versucht zu erklären, wie der religiöse Glaube eigentlich entstanden ist. Die Religionskritik, die sich mit Begründungsfragen befasst, ist dagegen mit Namen wie Paul Thiery d’Holbach, David Hume und Arthur Schopenhauer verbunden. Sie versucht zu prüfen, ob der religiöse Glaube überhaupt rational begründet ist.

    Obgleich die Erklärungsfragenempirisch reizvoller sein mögen, sind die Begründungsfragen doch philosophisch gehaltvoller. Denn ganz gleich, wie die Religion entstanden sein mag – ob als „Projektion menschlicher Bedürfnisse“ oder als „Opium des Volkes“ –, es sagt nichts über die Wahrheit oder Falschheit des religiösen Glaubens aus. Herr Pfarrer Vogels hat daher vollkommen Recht, wenn er sagt, dass die Religionskritik á la Feuerbach, Marx und Freud weder ein Argument für noch ein Argument gegen die Existenz Gottes abgibt.

    Unrecht scheint mir Herr Vogels allerdings zu haben, wenn er behauptet, dass der Mensch „unheilbar religiös“ sei. Erfreulicherweise müssen wir uns bei der Klärung dieser Frage gar nicht mit Spekulationen aufhalten, sondern können bequem auf Fakten zurückgreifen. Trotz der deutschen Wiedervereinigung, der Rückkehr des Religionsunterrichts an die Schulen und enormer Anstrengungen einer Re-Christianisierung weigern sich die Brüder und Schwestern im Osten nach wie vor standhaft, in den Schoß der Kirche zurückzukehren. Eine kürzlich durchgeführte internationale Umfrage unter 40.000 Menschen aus 40 Nationen hat gezeigt, dass die „Ossis“ buchstäblich das gottloseste Volk sind, das auf Erden wandelt. Während nur 8,2 Prozent der Amerikaner, 12,4 Prozent der Italiener, 31,7 Prozent der Briten, 37,8 Prozent der Westdeutschen und immerhin 48,2 Prozent der Franzosen nicht an Gott glauben, bezeichnen sich ganze 74,2 Prozent der Ostdeutschen als Atheisten. Im Jahr 1962 selber in der ehemaligen „DDR“ geboren, kann ich aus eigener Erfahrung versichern, dass man im Osten keineswegs mit einem Ressentiment, sondern einzig und allein mit einer vollkommenen Indifferenz gegenüber der Kirche und der Religion aufgewachsen ist. Auch wenn es viele Katholiken und Protestanten verletzen mag, für „uns“ waren Christen, Juden, Muslime, Hinduisten, Buddhisten, Jainisten und Taoisten alles dasselbe – Menschen, die an „Götter, Geister und Dämonen“ glauben.

    Und dies bringt mich denn auch schon zum letzten Punkt. Herr Vogels nimmt sicher an, dass der christliche Glaube wahr ist, der muslimische, jüdische, hinduistische, buddhistische, jainistische und taoistische Glaube dagegen falsch seien. Ich fürchte jedoch, dass von seiner Religion nicht mehr viel übrig bliebe, wenn er an das Christentum dieselben strengen Kriterien der Glaubwürdigkeit anlegen würde, die er offenbar gegenüber dem Islam oder dem Hinduismus anlegt. Atheisten tun dies. Sie sind, wie Richard Dawkins sagen würde, nicht nur Atheisten in Bezug auf Allah, Zeus oder Wotan, sondern in Bezug auf sämtliche Götter. Herrn Vogels’ Glaube an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs erscheint mir denn auch genauso irrational wie ihm der Glaube an Vishnu, Brahma und Shiva. Dass ihm der bloße Vergleich dieser Götter missfallen mag, liegt, wie er wahrscheinlich selbst zugeben wird, lediglich daran, dass er nun einmal in Deutschland und nicht in Indien zur Welt gekommen ist. Als ich behauptete, dass der Glaube an den christlichen Gott „irrational“ sei, meinte ich daher auch nur dasselbe, was er meint, wenn er den Glauben an Brahma für „irrational“ hält – es gibt einfach keine vernünftigen, jedermann überzeugenden Gründe dafür, an die Existenz dieser Götter zu glauben. Selbst wenn ich mich täuschen sollte und es entgegen allen Erwartungen doch einen Gott, Allah, Jahwe, Brahma, Zeus, Jupiter oder Wotan geben sollte, würde ich mich sicher Bertrand Russell anschließen und ihn fragen: „Warum hast du es nur so verdammt irrational gemacht, an dich zu glauben?“
  • Regenwald

    28.11.2007, Paul R. Woods
    Das gleiche Model würde sich auch für das östliche Nachbarland Surinam anbieten.
    Und in beiden Ländern sollten die eventuellen Käufer hart gegen die illegalen Goldgräber aus Brasilien auftreten, die den Wald verwüsten und das Wasser vergiften.
  • Passivrauchen

    27.11.2007, Jürgen Clausen
    Meine Kindheit und Jugend war durch stark rauchende Eltern sowie deren Freunde und einen stark rauchenden Bruder bestimmt - und das in einer sehr kleinen Wohnung, wo man sich nicht aus dem Weg gehen konnte. Ich hatte dauernd Kopfschmerzen. Später habe ich dann gemerkt, dass ich eine Konditionierung habe, die mich permanent kurzatmen läßt. Auch bei starken sportlichen Beanspruchungen muss ich mich selbst immer erst "überreden", richtig tief zu atmen, von selbst geht es nicht. Ich sinne, einen Weg zu finden, mich von dieser Konditionierung zu befreien.

    Ich fand es immer unverantwortlich, andere Menschen so starken chemischen Einflüssen auszusetzen und mir dann auch noch anhören zu müssen, das alles sei doch nicht schlimm. Mein Bruder hatte dann im Alter von 43 Jahren einen Schlaganfall, das kam sicherlich auch nicht von selbst. Meine Mutter ist mit 76 an Lungenkrebs gestorben, mein Vater hatte schon mit 50 ein starkes Lungenenphysem.
  • Antwort an Ingo-Wolf Kittel und Edgar Dahl

    26.11.2007, Reiner Vogels, Swisttal-Odendorf
    Ingo-Wolf Kittel hat die These aufgestellt, dass die Entstehung von Religion "psychohistorisch" geklärt sei, und Edgar Dahl hat dem christlichen Glauben an die Güte Gottes den Vorwurf des Irrationalismus gemacht. Beide Thesen sind m. E. falsch und mit Gründen zurückzuweisen:


    1. Zur "psychohistorischen" Klärung

    Angesichts der Tatsache, dass es keine wirklichen Beweise für oder gegen die Realität dessen, worauf sich menschliche Religion richtet, also auch für die Existenz Gottes, gibt, hat die Religionskritik seit den Zeiten der vorsokratischen Religionskritik im 5. Jh. vor Christus in Griechenland immer wieder den Versuch unternommen, das Recht der Religion zu bestreiten, indem sie die Entstehung der Religion – angeblich – historisch erklärt hat. Siehe z.B. Kritias: "Dann, als die Gesetze sie zwar hinderten, offen Gewalttaten zu begehen, da, so scheint mir, hat zuerst ein schlauer und gedankenkluger Mann die Götterfurcht den Sterblichen erfunden, auf dass ein Schreckmittel da sei für die Schlechten, auch wenn sie im Verborgenen etwas täten oder sprächen oder dächten."

    Dieses Erklärungsmuster ist derart simpel und – mit Verlaub – abgedroschen, dass ich mich wundere, dass es immer noch Religionskritiker gibt, die meinen, mit derartigen Platzpatronenargumenten der Religion etwas anhaben zu können. Historische "Erklärungen" können nie mehr sein als mehr oder weniger plausible Hypothesen ohne jede Beweiskraft. Alle diese "Erklärungen" vermögen nicht die bis heute ungebrochene Vitalität der Religion zu erklären. Dass über 150 Jahre nach Feuerbach und Marx, über 100 Jahre nach Nietzsche die Religion in Europa immer noch lebt, dass nach 70 Jahren atheistischer Erziehung in Russland die christliche Religion geradezu explosionsartig aufgeblüht ist, muss solchen historischen "Erklärungen" ein Rätsel bleiben.

    In Wirklichkeit ist der Mensch unheilbar religiös, weil er als ganzer sich selbst eine einzige Frage ist. Daher ist das menschliche Herz eine unerschöpfliche Fabrikationsstätte von Göttern und Götzen. Denn der Mensch weiß, dass er die Antwort auf die Frage, die er selbst ist, nicht in sich trägt. Das menschliche Herz ist also eine Religionsfabrik und wird es immer sein. Diese Religionsfabrik des menschlichen Herzens dringt vor bis zum absoluten Sein des Parmenides (to on), zum "unbewegten Beweger" des Aristoteles, zu jenem Gott, der nach Einstein bekanntlich nicht würfelt und der raffiniert, aber nicht bösartig ist. Die Religionsfabrik produziert "jenes höhere Wesen" Heinrich Bölls, "das wir verehren", und nicht zuletzt den monotheistischen Vernunftgott der europäischen Aufklärung, der Gottes"beweise" und den vernünftigen Gottglauben des Islam.

    All dies dringt nicht vor bis zum in sich vor aller Schöpfung und vor aller Geschichte lebendigen, dreieinigen Gott der Bibel, der bei sich im trinitarischen Gegenüber die Liebe selbst ist und der nach außen der Liebende ist. Der Glaube an diesen Gott entsteht im Hören auf das Wort der Bibel. Dieser Glaube ist alles andere als irrational.


    2. Nicht irrational

    Damit bin ich beim zweiten Vorwurf, dem der Irrationalität. Nicht der Glaube daran, dass Gott trotz aller Widersprüche und allen Leids und Unrechts in der Welt, ein gütiger und allmächtiger Gott ist, ist irrational, sondern die Art von "Rationalität" ist irrational, die ihre eigenen Grenzen nicht einzusehen bereit ist. Eine "Rationalität", die allen Ernstes meint, sie könne sich ein Urteil über Gott anmaßen, ist zutiefst irrational. Wenn die menschliche Ratio schon die unbeschreibliche Schönheit einer einfachen Klaviersonate von Mozart nicht erklären kann, sollte sie dann in der Lage sein, Gott verstehen zu können?

    Die Haltung Aljoscha Karamasows ist schon richtig: Auch ich kann mir nicht vorstellen, wie die Antwort des gütigen Gottes auf das Leid und Unrecht der Welt aussieht, aber ich hielte es für verwegen und töricht, wenn ich mich zu der These versteigen würde, dass Gott gar keine befriedigende und überzeugende Antwort haben könne. Ich kenne diese Antwort heute noch nicht, aber ich bin überzeugt, dass Gott sie hat und dass ich sie in der Ewigkeit vor Augen haben werde. Wie kann ich daran zweifeln, dass der Gott, der sich selbst in seinem Sohn in hingebender und sich selbst verzehrender Liebe am Kreuz für uns geopfert hat, ein von Güte und Liebe brennender Glutofen, wie Luther gesagt hat, ist?

    Zum Schluß noch ein Zitat des Augustinus aus dem Enchiridium (24): "Wenn auch nichts Böses, soweit es böse ist, gut sein kann, so ist es doch etwas Gutes, dass es nicht nur Gutes, sondern auch Böses gibt. Denn wenn das Vorhandensein des Bösen nicht gut wäre, so würde das Böse ganz gewiss nicht vom allmächtigen, gütigen Gott zugelassen werden."

  • Wiederverwendung von Artemis?

    26.11.2007, Horst Bresele, 94377 Steinach
    Ihr Artikel über die geplante bemannte Mission zum Mond im Jahr 2020 war sehr aufschlussreich. Die Darstellung des geplanten Missionsablaufs war sehr ausführlich und informativ. Eine Information habe ich allerdings bei der Lektüre vermisst.

    Was geschieht nach der Rückkehr vom Mond mit der Wiederaufstiegseinheit Artemis? Bleibt diese in einer Umlaufbahn um den Mond zurück? Aus ihrem Artikel kann ich jedenfalls keinen Hinweis auf eine Wiederverwendung der neuen Mondlandefähre entnehmen.

    Wäre es nicht sinnvoller, die Mondlandefähre ebenso wie die Mannschaftskapsel mehrfach nutzen zu können? Ich könnte mir vorstellen, dass mit der ersten Mission Artemis zum Mond transportiert wird und für eine Folgemission in der Mondumlaufbahn verbleibt. In der zweiten Mission wird dann der untere Teil der Landefähre plus ein Ersatztriebwerk mitgebracht und in der Mondumlaufbahn an Artemis angekoppelt.

    Da die Kopplung von Mannschaftskapsel mit Antriebsstufe EDS und Mondlandefähre in der Erdumlaufbahn bereits eingeplant ist, sollte eine entsprechende Vorgehensweise in der Mondumlaufbahn die Planer ebenfalls nicht vor unlösbare Probleme stellen.

    Für eine kurze Information, ob über dieses Problem bereits nachgedacht wurde und eventuell technische oder finanzielle Schwierigkeiten eine Umsetzung verhindern könnten, wäre ich Ihnen sehr verbunden.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Horst Bresele
    StR Dipl.-Phys.
    Antwort der Redaktion:
    Tatsächlich ist derzeit kein Recycling vorgesehen, die Mondmodule werden einfach zurückgelassen. Um das Startgewicht klein zu halten, wird Artemis (genauer: das lunar surface access module LSAM; ob Artemis der endgültige Name wird, steht noch nicht fest) ausschließlich dafür konstruiert, auf dem Mond zu landen und wieder zurückzukehren. Die Kräfte, denen es dabei ausgesetzt ist und denen es während einer langen Parkzeit im Orbit ausgesetzt wäre, verringern seine Sicherheit und Zuverlässigkeit, sodass die Nasa von einer Wiederverwendung absieht.


    Außerdem wären bei einer Folgemission relativ komplexe Rendezvous- und Dockingmanöver nötig, ohne dass man genau wüsste, was dieses Modul nach langer Zeit im Orbit noch kann. Und schließlich müsste man es im Weltraum auftanken. In der Summe will die Nasa das mit solchen Schwierigkeiten einhergehende Risiko verständlicherweise nicht auf sich nehmen.


    Das Recycling solcher "Wegwerf"-Module ist wohl erst dann sinnvoll, wenn das Startgewicht nicht mehr so große Bedeutung hat, sodass robustere Module entwickelt werden können, und wenn die Technik soweit ist, dass wiederverwendbare Gefährte im Weltraum ohne größere Schwierigkeiten zusammengebaut werden können.
  • Angebliche Rationalität ist gemeingefährlich

    26.11.2007, Lothar Schwarz, Berlin
    Wie Martin Knapmeyer richtig bemerkt, ist es in hohem Maße die Wahl von "rational" als Bezeichnung für ein kurzsichtig-egoistisches Kriterium für die Wahl zwischen Alternativen, welches das scheinbare Paradoxon des Urlauberdilemmas produziert. Es ist allerdings kein Zufall, dass diese Bezeichnung gewählt wurde - entspricht sie doch der herrschenden kapitalistischen Ideologie: Jeder für sich und die "unsichtbare Hand" für uns alle. Nur einige der Auswirkungen: kaum Forschungen zu Krankheiten der Armen, Behinderung der Produktion von Generika gegen z. B. AIDS, Phrasen statt Taten gegen die Umweltgefährdung. Oder etwa ganz betriebswirtschaftlich "rational", Entlassungen zur Profitsteigerung.
  • Nettes Gedankenspiel

    25.11.2007, Roland Schnack, Asangstrasse 207, Stuttgart
    Nettes Gedankenspiel, aber schon der Titel "Die Welt ohne uns - Reise über eine unbevölkerte Erde" ist schon falsch. Die Erde ist auch ohne uns bevölkert nämlich mit Pflanzen und Tieren. Diese anthroprozentrische Einstellung zieht sich wie ein roter Faden durch den Artikel:

    Wäre es nicht ein schmerzlicher Verlust, wenn die Menscheit von der Erde verschwände ?
    Diese Frage ist so rührend naiv und gleichzeitg so entlarvend für den noch immer vorherrschenden Mittelpunktswahn vieler Menschen.

    Für wen soll es denn ein schmerzlicher Verlust sein?

    - für uns als Individuum, ja bestimmt
    - für alle "Kreaturen" auf unserem Planeten,
    bestimmt nicht
    - für "das Universum", völlig belanglos.

    Bei Lichte betrachtet ist unsere Spezies, bei aller Bewunderung für unsere Verstandesleistung, eine blutrünstige und barbarische Art, die, überspitzt
    formuliert, sämtliches Leben auf der Erde entweder in Nutztiere, Nutzplanzen oder in Schädlinge bzw. Unkraut einteilt und entsprechend behandelt. Die
    innerhalb der eigenen Spezies unterdrückt, ausbeutet, mordet, foltert, so dass man sich im Grunde schämen muss dieser Art anzugehören.

    Wenn der Autor dann noch meint ... unser Vieh würde uns vermissen (Rubrik ... Und die Verlierer), dann wird es vollends grotestk. So wie wir unser Vieh behandeln möchte wohl kein Mensch behandelt werden. Das Vieh, und hier z.B. speziell die völlig überzüchtete Milchkuh, ist nur insofern Verlierer, als dass sie ohne uns praktisch nicht mehr überlebensfähig ist.

    Im Prinzip geht es so weiter:
    Oh Gott, werden wir alle sterben? Kommt jetzt das Ende?
    Es gab noch nie und es wird nie eine Überlebens-garantie für eine Spezies auf diesem Planeten geben und das gilt auch für uns.
    Der Unterschied zum bisherigen Artensterben ist nur: wir leisten massive aktive Sterbehilfe für die eigene Art.

    Ich denke, dass sein Gedanke, "die Umweltprobleme durch seine Betrachtungsweise in neuem Licht zu sehen" nicht erreicht wird, weil er den Verursacher zu sehr in eine Zuschauerrolle setzt.

  • Wärme

    25.11.2007, Marco Richter, Brunnen
    Falsch! Dies gilt nur für Wärmekraftmaschinen im Makrokosmos! - Im Nano-Bereich gibt es immer thermische Fluktuationen, die genügend groß sind, um gerichtete Energie zu generieren, da innerhalb kleinster Raumeinheiten das thermische Rauschen zu kurzzeitig bestehenden Temperaturdifferenzen führt.
    (z.B. Brown'sche Molekularbewegung)

    Gruß Marco
  • Und Gott würfelt doch

    24.11.2007, Dr. Edgar Dahl, Gießen
    Nach christlicher Lehre ist Gott allmächtig, allwissend und allgütig. Angesichts all des Leids und Elends in dieser Welt muss sich daher jeder Christ verwundert fragen, warum ein allgütiger Gott es nur zulässt. Schließlich könnte er es ohne weiteres verhindern. Da er allmächtig ist, hat er die nötige Macht dazu, und da er all allwissend ist, hat er auch das nötige Wissen dazu. Dennoch tut er es nicht, wie ein kurzer Besuch einer Kinderkrebsstation bezeugt.

    Da sich das Leid und Elend dieser Welt mit der Allmacht, Allwissenheit und Allgüte Gottes logisch nicht vereinbaren lässt, muss man daher schließen, dass Gott nicht wirklich gut sein kann. Die einzige Alternative, um diesem "blasphemischen" Schluss zu entgehen, ist, dass man Gott entweder die Allmacht oder die Allwissenheit abspricht. Möglicherweise möchte Gott das unschuldige Leiden der Kinder verhindern, doch hat er entweder nicht die nötige Macht oder nicht das nötige Wissen dazu.

    Eine Vielzahl prominenter Theologen hat sich denn auch für eine solche Lösung des Problems ausgesprochen. Sie sagen mit Uta Ranke-Heinemann: "Wir müssen umdenken – Gott kann das Böse nicht verhindern".

    Der christliche Physiker Prof. Kalbhen meint nun, eine Lösung des Problems gefunden zu haben, die es uns erlaubt, das Leid und Elend dieser Welt zu erklären und weiter an der Allmacht, Allwissenheit und Allgüte Gottes festhalten zu können. Im Unterschied zu Albert Einstein, der einmal gesagt hat: "Gott würfelt nicht!", meint Paul Kalbhen: "Und Gott würfelt doch!" In seinen Augen ist das Leid und Elend dieser Welt der "Preis menschlicher Freiheit". Um uns nicht zu bloßen Marionetten, sondern zu Geschöpfen mit einem freien Willen zu machen, sah sich Gott gezwungen, eine indeterministische Welt zu schaffen, in der neben dem Prinzip von Ursache und Wirkung auch der Zufall herrscht. Und der Zufall kann, wie jeder weiß, oft zu Ergebnissen führen, die nicht beabsichtigt waren. Mit anderen Worten: Gott will keinen Krieg, doch die Menschen missbrauchen ihren freien Willen leider zu kriegerischen Auseinandersetzungen; und Gott will keine an Krebs leidenden Kinder, doch der blinde Zufall sorgt mitunter zu genetischen Mutationen, die leider häufig zu Krebserkrankungen führen.

    Ist diese Lösung des Problems überzeugend? Ich glaube nicht! Wenn Gott tatsächlich allwissend ist, dürfte er gewusst haben, wozu die Menschen ihre Willensfreiheit missbrauchen werden und wie der blinde Zufall zu schrecklichen Krankheiten führen wird. Wenn er dies gewusst hat, ist er also an dem Leid und Elend dieser Welt mit schuld. Wenn er es dagegen nicht gewusst haben sollte (weil eine indeterministische Welt selbst für ein allwissendes Wesen prinzipiell unvorhersagbar ist), hat er zumindest äußerst fahrlässig gehandelt und muss sich dies zum Vorwurf machen lassen - schließlich ähnelte er dann einem unverantwortlichen Wissenschaftler, der einen unberechenbaren Krankheitserreger in die Welt entlässt und dessen mögliche katastrophale Folge für die Menschheit einfach billigend in Kauf nimmt.
  • Lichtverschmutzung

    23.11.2007, Paul R. Woods, Banda Aceh, Indonesien
    Etwas genauer bitte.
    Belgien hat die beleuchteten Autobahnen.
    In den Niederlanden sind es neben der Beleuchtung von Siedlungen die Gewächshäuser, wie bei dem Anflug auf Schiphol bei Dunkelheit deutlich zu erkennen ist.
    Die Autobahnen in Luxemburg sind zum größten Teil unbeleuchtet.
    Belgien und die Niederlande sind am dichtesten besiedelten Flächenstaaten der entwickelten Welt. Selbst die Natriumleuchten, die dort zum größten Teil eingesetz werden, verursachen mit ihrem schummrigen orangen Licht noch eine Menge Helligkeit bei Nacht.