Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Zur Emanation eines wissenschaftlichen Themas

    21.12.2007, Prof. Dr. Karsten Löhr, Ulm
    „Umwelt“ ist nicht nur ein neues wissenschaftliches Thema, sondern erfordert auch meist eine neue wissenschaftliche Denkweise, die gelegentlich als ganzheitlich oder komplex [lat. complectere: verflechten] bezeichnet wird. In meiner Vorlesung zur „Umweltverträglicher Produktion und Recycling“ widme ich daher zum Schluss jeder Veranstaltung einen kleinen Teil der Frage: „Was verträgt die Umwelt?“ Dabei geht es dann um wissenschaftliches Arbeiten mit den Aspekten Systematik, Quantifizierung, Symmetrie, Experiment, Organisation und Management – aber auch um wissenschaftliches Denken mit den Aspekten Logik, Dialektik, Epagogik, Apodiktik, Elenktik, Epistemik … und Skepsis.

    Gerade mit dem Thema „Klimawandel“ lässt sich die Komplexität aus wissenschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen erläutern. Dazu habe ich folgende Argumentationskette zusammengetragen:

    1. Was sich ändert: Die Menschheit führt der Atmosphäre jährlich in etwa 22 Gt (Milliarden Tonnen) zusätzliches Kohlenstoffdioxid (CO2) zu. Dies entspricht etwa 1% des atmosphärischen CO2 von 2200 Gt. In den letzten 100 Jahren ist der CO2-Gehalt der Atmosphäre um etwa 15%, von unter 330 ppm auf fast 380 ppm, gestiegen.

    2. Was bleibt: Die Biosphäre tauscht jährlich etwa ein Viertel des gesamten CO2 mit der Atmosphäre, also etwa 440 Gt und somit das Zwanzigfache des menschlichen Beitrags. Das zusätzliche CO2 ist damit in erster Näherung vernachlässigbar und dient im Wesentlichen als zusätzliches „Futter“ für die assimilierenden Prozesse der Pflanzen.

    3. Was sich dennoch ändert: Die Temperatur der Atmosphäre wird vorwiegend durch Wasserdampf bestimmt. Das IPCC behauptete 1988, dass bereits eine geringe Temperaturerhöhung der Atmosphäre – durch zusätzliches CO2 – auch mehr Wasserdampf in der Atmosphäre nach sich zieht und in der Folge das gesamte Gleichgewicht destabilisiert.

    4. Was dennoch bleibt: Die unterjährigen Schwankungen des CO2-Gehalts mit den Jahreszeiten ist größer als die langjährigen Zuwächse – und doch folgt zuverlässlich jedes Jahr der Winter dem Sommer. Offenbar destabilisiert sich das Klima nicht so leicht. Ein höherer CO2-Gehalt führt zudem zu schnellerem Pflanzenwachstum, eine höhere Temperatur führt außerdem zur Ausbreitung der Vegetation und längeren Wachstumsperioden in den nördlichen Breiten, ein höherer Wassergehalt der Atmosphäre ermöglicht Wachstum auch in trockenen Bereichen der Erde ... wodurch allesamt wiederum CO2 gebunden wird.

    5. Was sich aber noch ändert: Der erhöhte Austausch zwischen den Sphären (Atmo-, Hydro, Litho-, Bio-, Glazio, Strato-, Ozono- etc.) führt zu Katastrophen, wie Wirbelstürme, Gletscherschmelzen, Bergrutsche, Dürren, Überschwemmungen, Auftauen von Permafrostzonen, Ablenkung des Golfstroms etc.

    6. Was aber noch bleibt: Erd- und menschheitsgeschichtlich hat es solche Katastrophen immer wieder gegeben. Auch bleiben viele Änderungen ohne weitere Auswirkungen, weil beispielsweise der Meeresspiegel durch das Schmelzen von Meereis nicht steigt und am Südpol durch mehr Feuchtigkeitsaustausch durchaus auch mehr Eis aufgebaut wird. Wüstenstürme tragen Mineralien weit in die Ozeane , so dass dort wiederum das Plankton mehr CO2 bindet.

    7. Was sich darüber hinaus ändert: Die Häufung von Klimakatastrophen führt zu humanitären Notständen – Vertreibung, Kriege, Kulturverlust …

    8. Was darüber hinaus bleibt: Die humanitären Notstände bestehen eher aufgrund von politischen, ethnischen, religiösen, wirtschaftlichen Konflikten der Menschheit. Warum sollten die Anstrengungen auf Umwelt und Klima fokussiert werden, anstatt zunächst am Fortschritt der Zivilisation zu arbeiten. Außerdem zeigen historische Betrachtungen und Berechnungen, dass sich die Menschheit in einer Warmzeit besser ausbreiten kann und die Kultur erblüht …

    9. Was sich also ändert: Der Klimawandel ist eine neue technische Herausforderung, die sich in dieser Weise nie zuvor gezeigt hat. Weder war bisher der Einfluss menschlichen Lebens auf das globale Klima so stark, noch waren bisher die technischen Voraussetzungen vorhanden, einen Klimawandel zu stoppen. Zumindest gehört es damit auf die Tagesordnung für wissenschaftliche Diskussionen und eröffnet besondere Impulse für das Verständnis der Natur und den technischen Fortschritt.

    Was ich damit zeigen will ist, dass Skepsis eine wichtige Form von wissenschaftlichem Denken darstellt, welches wir in unserer modernen Orientierung am technisch Machbaren aus den Augen verloren haben – welches wir aber zum „ganzheitlichen Denken“ und der Erforschung komplexer Systeme wie Umwelt oder Klima beachten müssen. Oder, wie Sextus Empiricus in der „Gründzügen der Pyrrhonischen Skepsis“ bereits vor 1700 Jahren klar und einleuchtend formulierte:

    „Skepsis ist die Kunst, auf alle mögliche Weise Erscheinungen und Denkweisen einander entgegenzusetzen, von der aus wir wegen der Gleichwertigkeit der Entgegensetzungen und deren Argumente zuerst zur Zurückhaltung, danach zur Seelenruhe gelangen. „Kunst“ bezeichnen wir die Skepsis nicht in irgendeinem ausgeklügelten Sinne, sondern schlicht im Sinne von [wissenschaftlichem] können. Unter „Erscheinungen“ verstehen sich hier die bloßen Sinneseindrücke, weshalb wir ihnen den Denkweisen gegenüberstellen. Mit „Entgegensetzungen“ meinen wir nicht nur Verneinungen oder Bejahungen, sondern schlicht die bestehende Unverträglichkeit von Argumenten. Als „gleichwertig“ bezeichnen wir das Auftreten von Glaubwürdigkeit und Unglaubwürdigkeit, ohne dass dabei eines der unverträglichen Argumente das andere als glaubwürdiger überragt. „Zurückhaltung“ ist ein Stillstehen des Verstandes, durch das wir weder etwas ausschließen noch behaupten. [Wird in den modernen östlichen Meditationen auch „Nirwana“ oder „Wu-Wie“ genannt. Anm. des Verf.] Mit „Seelenruhe“ schließlich ist die Ungestörtheit und Meeresstille der Seele gemeint. Wie aber diese Seelenruhe sowie die Zurückhaltung eintreten, werde ich im Kapitel über das „Ziel“ darlegen.“
  • Bestätigung der freien Fahrt für Stoiker

    19.12.2007, Ulrich Bittner, 22880 Wedel
    Im etwas kleineren Bereich des Berufsverkehrs in der Großstadt kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, daß das "sture" Beibehalten der rechten Fahrspur meist schneller zum Ziel führt als unruhiges Wechseln der Spuren.
  • Schade!

    19.12.2007,
    Schade, dass der Autor wieder in Göttingen angekommen ist, denn mit Bedauern stelle ich fest: Nun werde ich keine "Mails aus Madagaskar" mehr lesen können.

    Voll Spannung habe ich auf jede neue Mail gewartet und mich an den Berichten, den Fotos und ganz besonders an dem erfrischenden Schreibstil erfreut!
  • Schwerhörigkeit durch zahnärztlichen Bohrer

    17.12.2007, Professor Dr. Dr. Harald Feldmann, Altenberge
    Die Ausführungen des Lesers Dr. Herbert Hohn (Anm. d. Red.: der Leserbrief wurde in SdW 12/07 abgedruckt; unten auf dieser Seite finden Sie die Online-Fassung) bedürfen eines Kommentars und einer Richtigstellung. Es ist bekannt und unbestritten, dass hohe Frequenzen das Gehör stärker schädigen als tiefe. Das betrifft aber nur Frequenzen, die von einem gesunden Gehör wahrgenommen werden können. Die obere Hörgrenze des menschlichen Ohres liegt bei 16000 bis 20000 Hz.

    Im Innenohr wird durch einen rein physikalischen Prozesse, die Wanderwelle, eine Frequenzanalyse vorgenommen. Dabei wird die Energie der einzelnen Frequenzanteile eines Schallreizes auf die diesen Tonhöhen zugeordneten Sinneszellen verteilt. Frequenzen die über der oberen Hörgrenze liegen, wie die im Leserbrief angesprochenen 36 kHz, erreichen darum gar keine Sinneszellen, die geschädigt werden könnten.

    Messungen haben ergeben, dass im Schall, der bei Arbeiten mit dem Turbinenbohrer entsteht, auch Frequenzanteile um 5000 Hz erzeugt werden, die eventuell Schäden erzeugen können. Diese berühren aber kaum den für das Sprachverständnis wichtigen mittleren Frequenzbereich. Nach neueren Messungen sind heute nicht mehr die Turbinenbohrer, sondern die Absauger die lauteren Lärmquellen.
  • Ziel wird verfehlt

    15.12.2007, F. Kronberg
    Es ist natürlich eine erfreuliche Nachricht, dass es Staaten gibt, die unabhängig von den laufenden Verhandlungen ihre CO2-Bilanz ausgeglichen gestalten wollen. Es spricht auch nicht gegen diese Staaten, dass sie von ihren natürlichen Gegebenheiten her diesen Schritt verhältnismäßig einfach vollziehen können. Es spricht aber gegen unseren Umweltminister, dass er nur aus Gründen der Popularität und um nicht eine vorher vertretene schwachsinnige Politik revidieren zu müssen, zwar ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen, dessen Effekt eingestandenermaßen marginal ist, einführen will, auf der anderen Seite aber die sauberen und entgegen aller Angstpropaganda auch sicheren Kernkraftwerke vorzeitig und dann auch noch ausgerechnet durch Kohlekraftwerke ersetzen will. Dieser Effekt ist nicht marginal, und auch die Träumereien mancher "Wissenschaftler" können ihn nicht aus der Welt schaffen. Ich bin gespannt, wie weit er auf diese Weise sein Ziel verfehlen wird.
  • Großartig!

    11.12.2007, Matze, Göttingen
    Vor allem wenn man selber dabei war ... und sich wiederum vor Lachen kaum halten kann.
  • Einbindung in ISS-Projekt

    09.12.2007,
    Das Orion Projekt scheint mir zu wenig in andere Projekte, speziell in das ISS-Projekt eingebunden zu sein. Die ISS (oder deren Nachfolger) könnte als Relaisstation für Mannschaft und Material genutzt werden. Die vorhandene Technik für den Weg von der Erde ins All und wieder zurück scheint ausgereift zu sein und kann einen wichtigen Beitrag liefern. Es wäre dann nur nötig, aus Einzelmodulen je nach Bedarf eine bemannte Mondmission oder eine unbemannte Nachschub-Mission auszurüsten.
  • Wetter in Bali

    07.12.2007, Paul R. Woods
    Seit einigen tausend Jahren ist in Indonesien die Regenzeit von Oktober bis April, wobei sie an der Westküste Sumatras auch länger ausfallen kann. Ein deutlicher Gipfelpunkt in der Niederschlagsmenge ist im Dezember.
    Das hätte bei der Planung von Konferenz und Reisezeiten jedem bekannt sein müssen, der sich mit Wetter und Klima befaßt. Hat da irgendwer seine Hausaufgaben nicht gemacht?
  • Alles schon so lang bekannt!

    07.12.2007, Kaspar
    Politiker aus der ganzen Welt diskutieren seit zehn Jahren und länger über die Reduktion von CO2. Ändern tut sich so gut wie nichts. Als Bürger und als jemand, der Kinder hat, fühlt man sich ohnmächtig gegenüber dieser Ignoranz und dem offensichtlichen Lobbyismus der Wirtschaft. Es gibt Lösungen, die in den Schubfächern der Manager liegen und darauf warten, in die Tat umgesetzt zu werden. Dies wird nicht getan, weil dafür Geld für Investitionen, die keine Rendite abwerfen, ausgegeben werden müsste. Politiker und Entscheidungsträger sind lange in Vergessenheit geraten, wenn unsere Kinder vor den Resultaten der verfehlten Klimapolitik stehen. Ein Trost bleibt: Es wird alle treffen. Leider die armen Länder schwerer als die reichen. Aber alle Menschen ohne Ausnahme. Diejenigen, die sich mit den klimatischen Veränderungen beschäftigen und sie als unabänderbar akzeptieren, werden einen Vorteil haben. Sie wissen, was kommen wird, und beschäftigen sich schon heute mit den Möglichkeiten, unter diesen Bedingungen zu leben. Das gibt Hoffnung, denn diese Menschen werden dann die Entscheidungsträger werden!
    MfG
    Dipl.-Ing. C.Kaspar
  • Astronauten-Sehleistungen

    04.12.2007, Bernd Vier, Dortmund
    Bei dem Lesen Artikels ist mir eine interessante Geschichte eingefallen, die Hoimar von Ditfurth in seinem Buch "Der Geist fiel nicht vom Himmel" (1976) in Kapitel 9 unter "Astronauten sehen mehr" erzählt hat*.

    Er berichtet davon, dass bei den ersten Gemini-Raumflügen Anfang der 1960'er Jahre bei den Astronauten aussergewöhnliche Sehleistungen entdeckt wurden.
    Die Astronauten konnten demnach aus ihrer Himmelperspektive Gegenstände wie Schiffe oder grosse LKW's auf der Erdoberfläche erkennen, was Angesichts des Auflösungsvermögens des menschlichen Auges unter "Normalbedingungen" auf der Erde schlicht unmöglich sein sollte.

    Bei Überprüfungen wurde dieses Phänomen dann aber bestätigt, es handelte sich nicht um Halluzinationen, die Sehschärfe der Astronauten war im Weltraum offensichtlich deutlich besser.

    Die Erklärung verwies auf durch die Schwerelosigkeit verminderte Reibung des Auges in der Augenhöhle, wodurch infolge einer Erhöhung "von Außmaß und Schnelligkeit" des (im Artikel beschriebenen) Augentremors mehr Netzhautzellen bei der Registrierung des Bildes einbezogen werden, was dann zu der erhöhten Sehschärfe bei den Astronauten führen soll.
    Ob diese Erklärung heute noch trägt ist mir nicht bekannt.

    Bernd Vier, Dortmund
  • Exponent abgestürzt

    03.12.2007, Gottfried Beyvers, Ergoldsbach
    In diesem Beitrag hat sich auf Seite 47, rechte Spalte, erste Zeile ein in quantitativer Hinsicht erheblicher Druckfehler eingeschlichen: In der Inflationsphase kurz nach dem Urknall hat sich der Skalenfaktor des Universums nicht um 1050, sondern um 10 hoch 50 (!) vergrößert.

    Außerdem ist es doch etwas unvollständig, Einstein als "Schweizer" Physiker zu titulieren. Er hatte zwar ab 1901 die schweizerische Staatsangehörigkeit, war aber erstens ab Geburt Württemberger, war zweitens in seiner Berliner Zeit informell preußischer Staatsbürger (dank eines seiner Ämter) und drittens wurde ihm 1940 zusätzlich die amerikanische Staatsbürgerschaft zuerkannt. Aktiver Wohnbürger der Schweiz mit eidgenössischem Paß war Einstein von 1901 bis 1911 und nochmal von 1912 bis 1914, also knapp ein Sechstel seines 76jährigen Lebens.

    Vielen Dank für die Gestaltung der herrlichen Zeitschrift, die ich diesmal als Belegexemplar bekommen habe, ansonsten aber oft am Kiosk kaufe!
  • Allmacht und Indeterminismus – abschließende Klarstellung

    03.12.2007, Prof. Paul Kalbhen, Gummersbach
    Die Ewigkeit Gottes ist als Zeitlosigkeit zu denken, die nicht unseren Zeitabläufen unterworfen ist. Gott besitzt sein ganzes Wissen "auf einmal", als absolute Vorhersicht allen Geschehens. Damit ist auch die Allwissenheit Gottes im Sinne der "Vorhersehung" als Vorauswissen alles Seienden zu begründen, das aber keine Vorherbestimmung (Prädestination) einschließt, sondern menschliche Freiheit zulässt, weil Gott nicht unserem seriellen Zeiterlebnis unterworfen ist. Damit entfällt der oftmals gefolgerte theologische "Zwang", Vorhersehung Gottes und Vorherbestimmung gleichzusetzen, Vorherwissen Gottes und menschliche Freiheit sind unter diesem Aspekt kein Widerspruch mehr! Die Allmacht Gottes, des Schöpfer-Vaters, ist als absolute, d. h.einmalige und zeitlose Entscheidung zu verstehen, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Sie lässt der Schöpfung ihren Lauf nach statistischen – wahrscheinlichkeitsbedingten – Gesetzmäßigkeiten mit Freiheitsgraden (Zufälligkeiten, Unbestimmmtheiten, Indeterminiertheiten) für den Menschen und die Natur, die auch das Leid beinhalten; das Leid in der Welt hängt mit dem Bösen und Unvollkommenen zusammen.

  • Politik müsste handeln

    03.12.2007, Maurus Candrian, St. Gallen (Schweiz )
    Gewiss sind die Vorhersagemassnahmen von Waldbränden nützlich und wichtig. Jedoch wäre es ebenso wichtig, den menschlichen Brandstiftern endlich wirkungsvoll entgegenzutreten. Mindestens in den Mittelmeerländern dürften über 90% der Waldbrände von Brandstiftern gelegt sein. Ziel der meisten Brandstiftungen ist es, Land für Bauten und die Landwirtschaft zu gewinnen. Es gäbe eine sehr einfache Massnahme, um diesem Ansinnen entgegenzutreten: Was Waldgebiet respektive raumplanerisch Waldzone ist, bleibt Waldgebiet / Waldzone, auch nach einem Waldbrand. Die sehr häufig korrupten Politiker in den betroffenen Ländern stecken mit den Brandstiftern oft unter einer Decke. Wenn ein entsprechendes Gesetz auf Stufe der Europäischen Union geschaffen würde, wären die Erfolgsaussichten in der Waldbrandbekämpfung vermutlich um ein Mehrfaches besser.

    Maurus Candrian, St. Gallen (Schweiz)
  • Missverständnis - Antwort an Prof. Kalbhen

    29.11.2007, Reiner Vogels, Swisttal-Odendorf
    Prof. Paul Kalbhen hat meine Stellungnahme zur Theodizeefrage heftig kritisiert. Ich denke, dass diese Kritik wenigstens zum Teil auf einem Missverständnis nicht nur meiner Position, sondern auch der des Augustinus beruht. Deshalb eine kurze Klarstellung:

    Ich habe ein Augustinuszitat gebracht, ohne mich ausdrücklich damit zu identifizieren. Meine Position hatte ich im Abschnitt zuvor dargelegt. Sie läuft darauf hinaus, dass ich zugebe, dass ich keine Antwort auf die Theodizeefrage habe, dass ich aber darauf vertraue, dass Gott sie hat.

    In diesem Punkt, nämlich in der Verlagerung der Antwort auf die Theodizeefrage in den Verantwortungsbereich Gottes, besteht m. E. auch das Tertium Comparationis zwischen der Position des Augustinus und mir: Augustinus erklärt ja nicht aus eigenem Urteil, dass das Vorhandensein des Bösen gut sei, sondern er vertraut auf die Güte und Allmacht Gottes und schließt dann daraus, dass das Vorhandensein des Bösen gut sein müsse – unausgespochen, aber in Klammern gewiss mitgedacht: auch wenn er selbst, Augustinus, es nicht wirklich verstehe.

    Ich halte meine Position für plausibler als die Meinung, dass Gott um der Freiheit willen einen gewissen Indeterminismus in die Schöpfung eingebaut habe. Diese Position läuft letztlich auf eine Preisgabe des Glaubens an die Allmacht und Allwissenheit Gottes hinaus, worauf Edgar Dahl mit vollem Recht hingewiesen hat.

    Im übrigen stimme ich zu, dass Augustinus sich in den von Prof. Kalbhen genannten Punkten geirrt hat. Man wird aber doch einen Theologen in einem Punkt zitieren dürfen, ohne für alle seine Lehren haftbar gemacht zu werden.
  • Haarsträubende Theologie

    29.11.2007, Prof. Paul Kalbhen, Gummersbach
    Wie kann man als Theologe in der heutigen Zeit angesichts des klaren Bewusstseins für das "irrsinnige" Leid in der Welt noch eine solche Meinung vertreten, wie sie R. Vogels in seinem Leserbrief vom 26.11.07 im letzten Abschnitt in Anlehnung an Augustinus vertritt – da stehen einem selbst als Christen "die Haare zu Berge"! Einmal davon abgesehen, dass Augustinus (um 400 n. Chr. lebend) auch in anderer Beziehung theologische Fehleinschätzungen verkündet hat – so die "doppelte Vorherbestimmung" des Menschen zur Seligkeit oder zur Verdammnis, die geistige Abwertung der Frau, die Diffamierung der menschlichen Sexualität –, so setzt doch seine Aussage, dass Gott das Böse um des Gute willen gewollt habe, "die Krone auf". Da lobe ich mir die Gegenargumentation des Thomas von Aquin (um 1250 n. Chr. lebend), die viel mehr zutrifft auf die Worte Jesu Christi in den überlieferten Evangelien bezüglich der Güte und Liebe Gottes, nämlich dass nichts für gut zu erachten sei, außer es entspreche der Idee "gut" durch sich selbst.