Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Der Weg zur Privattankstelle

    03.04.2008, Sebastian Putzke, Clausthal-Zellerfeld
    Zeigt uns die künstliche Photosynthese nicht genau das, was wir in der neuen Ölkrise brauchen?
    Dem Ziel einer unabhängigen Treibstoffversorgung aus solarer Erzeugung ohne treure Solarzellen oder Kollaps der Landwirtschaftlichen "Ökosysteme" sind wir hier doch gewaltig näher gekommen, glaube ich.
    Meiner Meinung nach sollte dieses Gebiet mehr Aufmerksamkeit bekommen und auf sein Potenzial hin näher beleuchtet werden.
  • CO2 bleibt in der Atmosphäre

    03.04.2008, Daniel Neike, Aachen
    Im ersten Abschnitt wird gesagt, dass das einmal entstandene CO2 nicht mehr aus der Atmosphäre zurückgeholt werden kann. Zitat: Einmal entstanden, kann es von dort nicht mehr zurückgeholt werden.
    Meines Wissens stimmt das nicht, denn Pflanzen zum Beispiel benutzen CO2 bei der Photosynthese, um daraus Glukose zu machen. Als ich dies gelesen habe, hat mir der Artikel irgendwie keinen Spaß mehr gemacht, obwohl ich das Thema sehr spannend finde. So ein Fehler darf nicht passieren denke ich, sofern meine Behauptung stimmt. Der ganze Artikel danach ist in meinen Augen dann nicht mehr lesenswert, wenn solche Fehler passieren.
    Antwort der Redaktion:
    Lieber Herr Neike,


    wenn Sie in meinem Buch (Wer im Treibhaus sitzt - wie wir der Klima- und Energiefalle entkommen, Piper Verlag München 2007) die Seite 163 aufschlagen, sehen Sie die Entwicklung der CO2-Konzentration von 1957 bis 2006, gemessen von Charles Keeling auf Mauna Loa, Hawaii. Daraus können sie entnehmen, dass in der Tat im Sommer die Pflanzen der Nordhalbkugel den CO2-Gehalt der Atmosphäre geringfügig absenken ( um etwa 5 ppm), im Winter geht der Wert dann wieder nach oben, weil die Blätter abfallen und vermodern. Die Südhalbkugel hat viel weniger Pflanzen, deshalb der Effekt der "Atmung" der Biosphäre.

    Aber dieser Effekt wird überlagert vom unaufhaltsamen Anstieg der CO2-Konzentration durch die Verbrennung der fossilen Brennstoffe Kohle, Erdöl, Erdgas und durch die Abholzung oder das Abbrennen der Regenwälder zur Gewinnung von Bioethanol. Dieser Anstieg von 280 ppm im Jahr 1840 auf 385 ppm im Jahr 2006 kommt daher, dass das anthropogene CO2 überwiegend nicht im Meer gelöst werden kann, sondern in die Atmosphäre geht und dort bleibt. Wie Sie sehen, ist der menschengemachte Anstieg (105 ppm) inzwischen 20-mal größer als der jährliche Atmungseffekt der Biosphäre.

    Wir verbrennen im Augenblick so viel fossile Brennstoffe, wie in 10000 Jahren (in der Karbonzeit vor 400 Millionen Jahren) durch Photosynthese und anschließende anaerobe Zersetzung gebildet wurden. Das sind 28 Milliarden Tonnen CO2.

    Macht es Ihnen jetzt wieder Spaß, die Sache etwas genauer anzusehen?


    Mit besten Grüßen,


    Konrad Kleinknecht.

  • Keine Werbung für Mathematik

    02.04.2008, Dr. Günter Lichtenberg
    In der Bildunterschrift auf Seite 85 heißt es:

    "Der Walkman setzt 44 000 Zahlenwerte pro Sekunde in Musik um, aber die stehen nicht alle auf der CD. Zur Platzersparnis werden die Daten komprimiert; hier gezeigt ist eine einfache Lauflängen(run length)-Kompression (...)"

    Da haben sich ja gleich ein paar Fehler eingeschlichen! Die Samplerate bei CDs ist 44100 Hz und nicht 44000 Hz. Wenn man 5 Stellen angibt sollten die stimmen. Und natürlich stehen alle Werte auf der CD - denn die enthält ja auch die Originalmusik.

    Das Plakat an sich ist auch keine alltagsnahe Werbung für die Mathematik: Die runlength Methode mag ja ein möglicher Komprimierungsalgorithmus, der aber leider gar nichts mit den üblichen mp3, ogg vorbis oder FLAC Komprimierungen zu tun.
    Antwort der Redaktion:
    Ein Punkt für Sie – die 44000 Hertz hatte ich aus dem Gedächtnis und nicht weiter verifiziert.

    Die Werte stehen in der Tat alle auf der CD – müssten aber nicht. Denn die Lauflängen-Kodierung ist verlustfrei. Der CD-Spieler könnte also die originalen Daten bitgetreu rekonstruieren (was er nicht tut, weil es in der Norm nicht vorgesehen ist).

    Wenn die Schöne auf dem Plakat allerdings einer MP3-Datei lauscht, nimmt sie einen (geringen) Qualitätsverlust in Kauf. Dafür passen mehr Songs aufs Speichermedium. Aber die Mathematik hinter MP3 würde beim besten Willen nicht aufs Plakat passen.

    Christoph Pöppe
  • Wie geht analytisch?

    01.04.2008, Bernhard Becker Neudorfer Markt 9 57057 Duisburg
    Sehr geehrter Herr Breuer,
    Sie schreiben im Editorial 4/08 über einen von Ihnen geschätzten Klimaforscher: “Kleinknecht nähert sich dem Problem nicht ideologisch, sondern analytisch“, und ich frage mich, wie das überhaupt gehen soll. Es gibt zwar bei Kant die Unterscheidung analytisch/synthetisch, die aber seit Quine (1951) als „unempirisches Dogma“ gilt, sodass Sie vermutlich eher damit meinen, Kleinknecht beziehe sich ausschließlich auf (einige von unendlich vielen!) Fakten, deren empirische Existenz für alle Beobachter unbestreitbar ist. Nur – tut das nicht z.B. auch Wolfgang Behringer in seiner „Kulturgeschichte des Klimas“? Und ist es nicht so, dass aus Sicht der heutigen Kognitionswissenschaft sich auch „Fakten“ erst als Ergebnis kontingenter (auch anders möglicher) Unterscheidungen ergeben, bei Bedarf also jeder jeden einen „Ideologen“ nennen könnte? Somit ergeben sich jedoch nicht weiter dekomponierbare Letztelemente, auf die man sich „analytisch“ beziehen könnte, keinesfalls „ontologisch“ für alle Beobachter, sodass die Forderung Platons, die Natur müsse an ihren „Gelenken“ zergliedert werden, leider unerfüllbar bleibt – es sei denn, man hätte gerade den „masterplan“ Gottes zur Hand.
    Vielleicht könnte man sich darauf einigen, dass die Verwendung des Prädikats „analytisch“ außerhalb der Mathematik heute wenig Sinn macht, und im Übrigen auch für Klimaforscher nach wie vor der Satz des Aristoteles gilt, dass Aussagen über die Zukunft nur in der Möglichkeitsform möglich sind.
  • Quanten und Politik

    01.04.2008, Rüdiger Kuhnke, München
    Ein Werk darf in der Science-Fiction-Liste zum Artikel nicht fehlen: "Unternehmen Proteus" von James P. Hogan. Eine wirklich gelungene Mischung aus Vielewelten-Interpretation, Geschichte und Politik, in der man Churchill, Einstein, Teller und vielen anderen bekannten Leuten begegnet. Das ganze noch mit Spannung und Action angerührt.
  • Ablösung des Geisterglaubens

    01.04.2008, Albert Bühler, Feldbach (Schweiz)
    Im Buch "Naturwissenschaften im Kulturvergleich" von Karl Wulff sowie in dessen Rezension scheint eine recht einleuchtende Grundlage der naturwissenschaftlichen und technischen Überlegenheit des christlichen Abendlandes unerwähnt geblieben zu sein:
    Solange die Menschen jedem Gewässer (Bach, Fluss) einen oder mehrere Geister(-herren) zuschrieben, konnten und durften sie nie auf die Idee kommen, deren Wasser um- und über ein Mühlrad zu leiten und damit "zum Arbeiten zu zwingen". Erst die Ablösung solchen Geisterglaubens durch das Christentum machte den Menschengeist frei, so "frech" vorzugehen, was die "neutrale", von (Angst-)Gefühlen tunlich unbeeinflusste, eben wissenschaftliche Erforschung der Natur wie auch die darauf basierende Technik-Entwicklung ermöglichte.
  • Universum als Überlagerung möglicher Welten

    01.04.2008, Gerhard Fischer, 2125 Neubau, Österreich
    Meines Erachtens existieren die von Everett vorgeschlagenen parallelen Welten nicht in verschiedenen Universen, sondern unser Universum besteht aus der quantenmechanische Überlagerung von vielen verschiedenen möglichen Welten. Der Urknall unseres Universums war ein quantenmechanischer Prozess und diese Prämisse führt zu bemerkenswerten Vorhersagen, zum Beispiel zur Berechnung der tatsächlich gemessenen räumliche Verteilung der kosmischen Hintergrundstrahlung.

    Das heisst auch, dass man aufgrund der quantenmechanischen Prinzipien nicht voraussetzen kann, dass ein bestimmter Verteilungszustand der Ursuppe zur Zeit Inflation vorhanden war, sondern dass alle Verteilungsmöglichkeiten gleichzeitig als Überlagerungen realisiert waren. Das ist die universale Wellenfunktion. Erst aufgrund einer Messung kollabiert die Wellenfunktion zu dem konkreten Messwert, den wir beobachten. Nach Everett wird in jeder parallelen Welt ein anderer Messwert festgestellt.

    Hier möchte ich einige zusätzliche Gedanken anbringen.

    Das Prinzip der Dekohärenz ist für das Universum als Ganzes nicht anwendbar. Dieses geht ja davon aus, dass die Photonen die an einer Messung beteiligt sind, in die Umgebung entweichen. Ein Universum hat keine Umgebung, daher kann keine Dekohärenz stattfinden. Der Zustand des Universums war und ist in einem unbestimmten Zustand.

    Genaugenommen kollabiert die universale Wellenfunktion nicht zu einem einzigen speziellen Messwert, sondern zu einem Subset von Wellenfunktionen (ich nenne es Wellenfunktionsbündel), die dadurch festgelegt sind, dass in allen der gemessene Messwert fix ist. Alle anderen denkbaren, aber (noch) nicht tatsächlich gemessenen Messwerte bleiben als Möglichkeiten in dem Wellenfunktionsbündel erhalten. Mathematisch ist ein Wellenfunktionsbündel die Menge aller Eigenfunktionen der universellen Wellenfunktion, die zu demselben Eigenwert bzw. zur selben Menge von Eigenwerten gehören, welche die beobachteten Messwerte representieren.

    Eine fundamentale Art einer Messung ist die Beobachtung eines Ereignisses durch das Bewußtsein eines Menschen. Durch jede konkrete Beobachtung eines Menschen wird das Wellenfunktionsbündel enger und enger. Aber da es aus einem Kontinuum von Eigenfunktionen der universellen Wellenfunktion besteht, bleibt die Unbestimmtheit und daher die Menge von Freiheitsgraden trotzdem stets unendlich.

    Wellenfunktionen haben die Eigenschaft, streng deterministisch zu sein. Nur der Messvorgang stört auf unerklärliche Weise diesen Determinismus. Dieses Paradoxon kann meines Erachtens durch das Modell des Wellenfunktionsbündels aufgelöst werden: Alle elementaren Wellenfunktionen eines Wellenfunktionsbündels bleiben deterministisch, durch die Messung wird „nur“ jenes Wellenfunktionsbündel aus der universellen Wellenfunktion ausgewählt, das den/die beobachteten Messwert(e) enthält.

    Es könnte der Einwand gebracht werden, dass durch die Auswahl eines Wellenfunktionsbündels die Vergangenheit geändert wird, was unmöglich sei. Doch ist dies kein Gegenargument. Die Vergangenheit ist sowieso unbestimmt – siehe oben. Die festgelegte Vergangenheit ist eine Fiktion. Weiters sind die Begriffe von Vergangenheit und Zukunft durch den Determinismus der Wellenfunktion sowieso bedeutungslos weil gleichwertig, da deren Zustände streng ineinander abgebildbar sind.

    Einen anderen Einwand würde ich gelten lassen: dass nämlich der Kollaps der Wellenfunktion noch immer nicht verhindert ist, sondern nur verschoben ist, nämlich hin zum Zeitpunkt des Urknalls. Ich sehe in diesem Modell dennoch einen Fortschritt, da dadurch mehrere Rätsel (Kollaps und Ursache des Urknalls) zu einem einzigen Rätsel zusammengefasst sind und wenigstens die weitere Entwicklung des Universums widerspruchsfrei dargestellt werden kann.

    Die universelle Wellenfunktion kann konzeptionell auch die Überlagung von Welten mit unterschiedlichen Naturkonstanten beinhalten. Wenn ein Mensch andere Menschen beobachtet, die Umwelt beobachtet, deren chemische Zusammensetzung feststellt etc., wird durch diese Beobachtungen auf natürliche Weise jenes Wellenfunktionsbündel ausgewählt, in dem all dies möglich ist. Das antropische Prinzip ergibt sich automatisch daraus.

    Eine knifflige Frage bleibt mir offen: Kann es auch Welten geben, in der die Quantenmechanik nicht gültig ist?
  • Lobbyismus?

    30.03.2008, Martin Grün, Neckarsulm
    So löblich und auch unbedingt notwendig die Kritik an der CO2- Endlagerung ist, vielleicht wäre auch ein Satz zu der unklaren Situation der Endlagerung im Kernkraftbereich sinnvoll gewesen und wenn nur um eine Ausgewogenheit der Betrachtung zu ermöglichen.
    Wenn ich das richtig sehe, beruht der Artikel überwiegend auf der Studie Klimaschutz und Energieversorung der dpg von 2005, die auf deren homepage heruntergeladen werden kann.
    Stimmt es eigentlich, dass zurzeit ein erstaunlich hoher Anteil der Reaktoren in Deutschland heruntergefahren ist oder auf Sparflamme läuft, um sich über die nächste Bundestagswahl hinweg zu retten? Wenn dem so wäre, kann es mit der knappen Energie hier ja nicht so weit her sein und die Aussagen von 40% Überkapazität stimmen doch.
    Eine Lücke von 26% tut sich dann also nicht auf oder? Wie lange weiß denn die Stromindustrie schon, dass die Kernkraftwerke 2020 abgeschaltet werden? Ist glaub ich auch schon etwas her. Läuft eben wie bei der Selbstverpflichtung der Automobilindustrie mit der CO2-Begrenzung. Täuschen, jammern und hoffen, dass man drumrum kommt. Und mit den Rieseneinnahmen lieber andere Energieversorger aufkaufen als in die Zukunft zu investieren.
    Antwort der Redaktion:
    Antwort des Autors an Herrn Grün:


    Gerne füge ich einen Bemerkung zur Endlagerung der abgebrannten Brennelemente an, die Sie vermißt haben:
    Das Endlager für CO2 ist die Atmosphäre oder vielleicht (irgendwann) der Untergrund in Norddeutschland. Die Menge von CO2 ist 400 Millionen Tonnen pro Jahr, die Menge von Uranrückständen 400 Tonnen pro Jahr. Der Salzstock Gorleben wurde vor 30 Jahren als bester Standort bestimmt, der Salzstock besteht seit 70 Millionen Jahren unverändert, das Gestein ist hart, es hält 200 Bar Druck aus. Die Eignung des Endlagers Gorleben wäre langst bekannt ,wenn nicht der Minister Trittin im Jahr 2000 die Untersuchung gestoppt hätte, zu der er verpflichtet ist. Es spielt für das Endlager keine große Rolle, ob die Rückstände von 30 oder von 50 Jahren Betrieb eingelagert werden müssen.
    Conclusio: Das Risiko des Klimawandels mit seinen sozialen Folgen , Bevölkerungswanderungen und möglicherweise Kriegen ist schlimmer als die Einlagerung einer vergleichweise kleinen Menge abgebrannter Brennstäbe im Salzstock.
  • Artikel nur auf den ersten Blick ausgewogen

    30.03.2008, Ullrich Martini, München
    Der Artikel "Energie und Klimawandel" von Konrad Kleinknecht wirkt auf den ersten Blick ausgewogen, bei genauerem Hinschauen ergeben sich doch ein paar Korrekturen und Anmerkungen:
    1) Laut VDN betrug die in 2007 von der Windenergie abgegebene Strommenge knapp 40 TWh oder 7,3% des Gesamtverbrauchs von 541 TWh. Im Artikel wird eine geringere Zahl von 2006 zitiert.
    Die Steigerung zwischen 2006 und 2007 beträgt fast 9 TWh. Da ist also fast ein Kernkraftwerk dazugebaut worden.
    2) Wenn die Kernkraftwerke wie in Szenario A ohne Zubau ein Drittel des Strombedarfes decken und nicht ein Viertel wie jetzt, muss stark Strom gespart werden. Das wäre begrüßenswert, würde aber auch dem Anteil der Regenerativen zugute kommen.
    3) Der Einstieg in die Brütertechnologie ist nicht unnötig, sondern indiskutabel gefährlich.
    4) Die 80000 neuen Windräder beziehen sich scheinbar auf eine veraltete Technologie. Mit der Ausbeute von 2007 (20%) und modernen 2MW-Rotoren (z.B. Enercon E-82) komme ich auf 40000 zusätzliche Windräder, und mit 5MW-Rotoren (z.B Multibrid M5000, speziell für den Offshore-Einsatz entwickelt) auf nur 16000 neue Windräder. Es ist plausibel anzunehmen, dass bis 2015 noch leistungsfähigere Rotoren am Markt sind, so dass auch meine Zahlen noch zu gross wären.
    Darüber hinaus gibt es den Ersatz kleiner Windräder durch neue, größere, das so genannte "repowering" und andere regenerative Energiequellen.
    5) Ich vermisse komplett die Diskussion, ob und wie man mit Hilfe eines modernen Hochspannungs-Gleichstromnetzes oder neuen Speichertechnologien wie adiabatischen Druckluftspeichern oder Redox-Flow-Batterien Lastspitzen oder Windflauten ausgleichen kann. Zum Beispiel könnte man mit einem solchen Netz Regenerativenergie aus Spanien, Skandinavien oder Nordadfrika importieren.
    5) Die EEG-Vergütung für On-Shore-Windenergie sinkt im Entwurf des EEG für 2009 auf 5 Cent, das ist weniger als der Betrag von 6-7 Cent, der derzeit an der Leipziger Strombörse verlangt wird. Die indirekte Subvention für die Windenergie läuft also aus, andere regenerative Energien werden folgen. Insbesondere die Photovoltaik hat noch riesige Entwicklungspotenziale. Im Licht der aktuellen Strompreise möchte ich auch die zitierten Erzeugungskosten für Strom aus Kohle- oder Kernkraftwerken von 3-5 Cent anzweifeln.
    6) Es wird im Szenario A unterstellt, dass die Stromkonzerne Extra-Gewinne aus einer Laufzeitverlängerung in erneuerbare Energien und Einsparmaßnahmen investieren würden. Ob das wirklich funktioniert, ist im Lichte des bisherigen Verhaltens der Konzerne doch schon zweifelhaft. Wie die Beispiele Brunsbüttel und Krümmel zeigen, muss man mit Ausfallzeiten rechnen, die dann als Argument verwendet werden könnten, um die Zahlungen auszusetzen.
    7) Schliesslich ist die Frage der Entsorgung von Atommüll weiterhin ungeklärt, und somit auch die Frage der Kosten der Entsorgung.
  • Entwicklung einer Maschine = Evolution der Kultur?

    29.03.2008, Daniel Schiller, Köln
    In der Spektrogrammmeldung "Kanus, Kultur und Darwin" aus 04/08 zeigt Paul R. Ehrlich, dass man den evolutionären Algorithmus auf die Entwicklung einer Maschine (Kanus der Polynesier) anwenden kann. Dies stellt er der Entwicklung von Schmuck (Ornamente an den Kanus) gegenüber und schließt daraus, dass man die Evolutionstheorie auch auf die kulturelle Entwicklung einer Gesellschaft anwenden könne. Geht das wirklich? Ich glaube nicht ...
    Eine funktionierende Maschine in einer Umwelt ist nichts anderes als ein Lebewesen, welches unter den Gegebenheiten der Umwelt optimiert/angepasst wurde. Natürlich kann man dann auch evolutionäre Algorithmen auf die Entwicklung der Technik anwenden (wird so ja im Operations Research gemacht). Die Technik entwickelt sich dann auch zum globalen Optimum hin und stabilisiert sich in diesem Zustand, wenn die Umwelt stabil bleibt.
    Aber wie kann man daraus schließen, dass sich auch Kultur (hier die Entwicklung von schmückendem Beiwerk) evolutionär entwickelt? Wo ist da die Optimierung? Wo ist der evolutionäre Druck? Wo ist die Fitnessfunktion? Man kann kulturelle Abhängigkeiten, Stammbäume und Entwicklungswege aufzeigen. Aber man kann daraus noch nicht auf Evolution schließen.
    Die in der Meldung dargestellte Schlussfolgerung ist aus meiner Sicht nicht haltbar.
  • Wissenschaft und Lehren

    27.03.2008, Friederike Goerigk aus Göttingen
    Ich beobachte es auch immer wieder, dass gerade Mathematik als Nebenfach so schlecht unterrichtet wird, weil die dort tätigen Professoren nie gelernt haben, didaktisch tätig zu sein. Es gibt allerdings auch rühmliche Ausnahmen. Ich habe noch nie verstanden, warum man in der Uni Lehre und Wissenschaft nicht trennt. Diejenigen, die lieber wissenschaftlich arbeiten, sehen die Lehre eh als notwendiges Übel. Nur so ist es zu erklären, dass von anfangs 500 Studenten in einer Vorlesung nur noch 20 sitzen...
  • Nur der Glaube kann erklären, was das Auge nicht erkennt

    27.03.2008, K. Hagemeyer, Leverkusen
    Welche messbaren (und am besten auch gemessenen) Effekte werden durch die Viele-Welten-Theorie quantitativ richtig und durch die "Kopenhagener" Quantenmechanik falsch beschrieben? Meines Wissens kein einziger, denn die Viele-Welten-Theorie verwendet überhaupt keinen anderen Formalismus. Oder irre ich mich da? Und eine Theorie, die selbst enthält, dass sie nicht nachweisbar ist, gehört meines Erachtens eher in den Bereich der Philosophie oder Religion (praestet fides supplementum, sensuum defectui).
  • Solarenergie ja - aber so nicht

    25.03.2008, Hans Neeracher, CH-4586 Kyburg-Buchegg
    Wann begreifen wir es endlich: Die billigste Energie ist die nicht verbrauchte. Gerade auch in den USA besteht ein riesiges Sparpotential ohne Komfortverlust. Im Artikel kein Wort dazu. Dafür wieder eine der Biotreibstoffproduktion auf fruchtbarem Ackerland ebenbürtige Wahnsinnsidee. Tröstlich: Es wird nur unnütze Wüstenlandschaft geopfert. Leider sind zentrale Energieversorgungsanlagen wunderbare Ziele für Terroristen. Da aber dank friedens- und demokratiestiftenden Bemühungen im Irak, Afghanistan und vielleicht auch dem Iran der Terrorismus bald der Vergangenheit angehören wird, besteht kein Grund zur Sorge. Solarenergie ja – aber dezentral genutzt auf den riesigen und immer noch wachsenden Dachlandschaften.
    Antwort der Redaktion:
    Über den "Solar Grand Plan" wird derzeit auch auf www.wissenslogs.de diskutiert.
  • Ausbildung von Mathematiklehrern

    25.03.2008, Lutz Klebe, Dipl.-Phys. und Mathematiklehrer, Reutstr. 16, 7
    Herr Pöppe kolportiert die vorherrschende Meinung von Leuten, die anscheinend u.a. für die Ausbildung von Mathematiklehrern zuständig sind, über eben diese künftigen Mathematiklehrer. Leider geht er mit keinem Wort darauf ein, dass hier ein großes Missverständnis, eigentlich sogar ein Skandal vorliegt.
    Wenn Professoren, und um solche handelt es sich ja wohl bei den Rednern einer Eröffnungskonferenz, Lehrer als "schlechtere Wissnschaftler" bezeichnen, dann ist das skandalös. Um mit Gertrude Stein zu sprechen: Ein Lehrer ist ein Lehrer ist ein Lehrer! Ein Lehrer ist eben zunächst einmal überhaupt kein Wissenschaftler. Genau daran krankt nämlich die Lehrerausbildung: Da sind Leute tätig, die sich für ganz tolle Wissenschaftler halten und die Ausbildung von Lehrern für unter iher Würde erachten.
    Wissenschaftler sein und Lehren können sind ganz verschiedene Dinge. Nicht umsonst wird eine Doppelbegabung wie Richard Feynman, der exzellenter Wissenschaftler war und hervorragender Lehrer, noch heute so geschätzt.
    Andererseits berichtet im selben Heft ab Seite 38 Professor Zeilinger, dass er keine einzige Vorlesung über Quantenmechanik besucht habe. Ja warum wohl nicht? Weil es eben kaum gute Professoren in der Lehre gibt.
    Wenn die Zukunft des Mathematikunterrichts wirklich so düster ist wie Herr Pöppe schreibt, dann liegt das eben nicht an den angeblich so unfähigen künftigen Mathematiklehrern, sondern z.B. auch an den Professoren, die vor lauter Überheblichkeit nicht willens und fähig sind, die Freude an der Mathematik an ihre Lehramtsstudenten weiterzugeben.
    Allerdings glaube ich, dass die Ursachen für die Schwierigkeiten, die weite Teile der Bevölkerung mit der Mathematik haben, doch tiefer liegen, als die zitierten Eröffnungsredner glauben machen wollen.
    Antwort der Redaktion:
    Das Missverständnis ist ganz Ihrerseits, und die Redner der Eröffnungspressekonferenz würden Ihren Thesen wahrscheinlich von ganzem Herzen zustimmen. Nicht die Professoren sind es, die die Lehrer für minderwertige Wissenschaftler halten, sondern die Studienanfänger selbst. Mit dem Effekt, dass diejenigen, die sich schwach fühlen, eher Lehrer werden und die Starken eher Wissenschaftler. Dabei würde man gerade unter den Lehrern die guten Leute dringend benötigen. Diesen Mechanismus eines sich selbst erfüllenden Vorurteils zu durchbrechen sind Danckwerts und Beutelspacher ja gerade angetreten.

    Ja, es gibt gute Wissenschaftler, die als Lehrer nicht taugen, und umgekehrt. Dann sollen die einen halt Wissenschaftler werden und die anderen Lehrer, und alle sind glücklich; da gibt es wenig zu streiten. Aber so ein Entweder-Oder ist es ja meistens nicht. Es geht um Leute, die vielleicht einen guten Industriemathematiker abgeben würden, aber einen noch besseren Lehrer – und sich trotzdem für das erstere entscheiden, weil "man seine Begabung nicht als Lehrer verschwenden soll". Die gilt es für das Lehrerstudium zu begeistern.

    Christoph Pöppe
  • Antwort an Herrn Pfr. i.R. Reiner Vogels

    23.03.2008, Ingo-Wolf Kittel, Augsburg
    Wir beide haben offenbar an völlig Verschiedenes gedacht, Herr Vogels! Dabei meinte ich, sogar auf ganz Unstrittiges verweisen zu können. Wenn ich nämlich richtig informiert bin, wird doch weithin und wie von selbst verständlich angenommen, dass Religiosität psychohistorisch aus der Ahnenverehrung (und dem daraus folgenden Animismus) hervorgegangen ist. Werden denn nicht schon die ältesten prähistorischen Gräberfunde gemeinhin als Zeichen oder gar "Beweise" für religiöses Denken aufgefasst?

    Allerdings ist mir das als Psychologe immer schon ausgesprochen eigenartig vorgekommen: als wenn es nicht den leisesten Hauch der Möglichkeit gäbe, dass ein Bedecken von Toten ggf. mitsamt ihrer Habe mit irgendwelchen Materialien einschließlich Erde (dass vor 100-200.000 Jahren schon Begräbnisse im heutigen Sinn durchgeführt wurden, ist wohl kaum anzunehmen!) nicht aus irgendwelchen anderen Gründen oder Motiven heraus zustande gekommen sein könnte, etwa zu ihrem Schutz und das aus Respekt, Hochachtung oder schlichter: aus natürlicher emotionaler Anhänglichkeit!

    Der letztgenannte, psychologisch einfachste Zusammenhang ist jedenfalls vor über 2000 Jahren noch im Alten Testament gesehen worden; denn im "Buch der Weisheit" (14, 15ff) dort wird sehr einfach, einleuchtend und in staunenswerter Kürze die Entstehung der Idolatrie aus schlichter elementarer Liebe erklärt. Die Herstellung von Idolen, die Archäologen bekanntlich tatsächlich in "gewaltiger Anzahl und Vielfalt" (J. Jaynes) gefunden haben, wird in der mir zur Verfügung stehenden Bibelübersetzung (von Hamp u.a., Pattloch, Aschaffenburg 1961) in Vers 16 übrigens ausdrücklich als "gottlose Sitte" bezeichnet, eine "Sitte", die nach der wörtlichen Bedeutung des Ausdruckes "gottlos" also noch frei von Gottesvorstellungen gewesen ist oder zumindest davon frei gewesen sein könnte... Weitaus erstaunlicher ist dabei aber noch etwas anderes: nach den weiteren Versen 17ff scheint damals noch ein Wissen davon vorhanden gewesen zu sein, dass die zur "Sitte" gewordene Gewohnheit der Herstellung von Abbildern geliebter Menschen im Weiteren auch auf andere herausragende, geachtete, geschätzte oder imponierende Menschen wie Anführer, Herrscher, Könige usw. ausgedehnt wurde!

    Exakt zu demselben Ergebnis ist auf anderer und wesentlich breiterer Grundlage vor gut drei Jahrzehnten (und möglicherweise ohne Kenntnis dieser Bibelstelle, die er nirgendwo erwähnt), auch der verstorbene Princeton-Psychologe Julian Jaynes gekommen. Seine Ergebnisse hat er in seinem epochalen Buch "The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind" (dt. 1988/1993) vorgelegt (Kurzdarstellung hier). -

    Ich kenne keine anderen Angaben der Bibel, die jemals von der heutigen Wissenschaft derart gut bestätigt worden sind.