Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Die ganze Bande auswechseln

    29.02.2008, Dr. Bertram Maurer, Stuttgart
    „Die ganze Bande auswechseln“, das scheint mir der Tenor des Jahres der Mathematik zum Thema Mathematiklehrer zu sein.
    Wenn der eine oder andere Universitätsmathematiker aus der Elfenbeinperspektive meint derlei durchblicken lassen zu müssen, wundert man sich natürlich nicht wirklich.

    Aber Herr Pöppe erfreut Monat für Monat unter anderem auch zahlreiche Mathematiklehrer mit klar geschriebenen Artikeln, die aus lebensnahen Themen die Mathematik herausdestillieren. Er trägt dabei auch vielfach zur Belebung des Mathematikunterrichts bei.
    Welches Ziel er damit verfolgt, die Mathematiklehrer pauschal als Kretins zu klassifizieren, bleibt mir ein Rätsel.

    Wenn man sich die gewaltigen Änderungen betrachtet, die der Mathematikunterricht in den letzten Jahren erfahren hat, dann ist offensichtlich, dass die Mathematiklehrer durchaus flexibel sind. Man kann die aktuellen Mathematiklehrer durchaus für einen anderen Unterricht gewinnen, allerdings müssen die Konzepte schon die Schulwirklichkeit berücksichtigen.

    Antwort der Redaktion:
    Welch ein Missverständnis!


    Nichts könnte mir ferner liegen, als pauschal die Mathematiklehrer zu beschimpfen. Dazu habe ich viel zu viele Mathematiklehrer kennengelernt und mit ihnen zusammengearbeitet, die ihren Beruf mit profunder Sachkenntnis, Fantasie, Eigeninitiative und gewaltigem Einsatz betreiben – den Autor des Leserbriefs eingeschlossen.


    Ich habe die auf der Pressekonferenz zwischen den Zeilen deutlich herauszuhörende Grundaussage wiedergegeben – und ich fürchte, das ist etwas dran. Man trifft einfach zu viele Leute, die unter ihrem Mathematikunterricht gelitten haben – unter dem Unterricht, wohlgemerkt, nicht unter der eigenen Unfähigkeit.


    Es hilft nichts: Da der Ekel vor der Mathematik in Deutschland ein – gesellschaftlich akzeptiertes – Standardgefühl ist und die meisten Menschen die Mathematik ausschließlich aus dem Schulunterricht kennen, liegt die Vermutung nahe, dass der Mathematikunterricht in Deutschland im Durchschnitt ekelerregend ist – so bitter das klingt.


    Natürlich soll man sich vor dem Standardfehler hüten, diese Ekelgefühle auf die Person des Lehrers zu übertragen. "Die ganze Bande auszuwechseln" steht auch unter den Machern des Mathematikjahres nicht zur Debatte, und zwar nicht nur, weil es faktisch unmöglich wäre. Man traut den Mathematiklehrern einiges zu, wenn sich nur die Rahmenbedingungen ändern.


    Dazu gibt es zum Beispiel die Fortbildungsinitiative "Mathematik anders machen" der Telekom-Stiftung, die schon vor dem Jahr der Mathematik ins Leben gerufen wurde.


    Christoph Pöppe
  • Keine neue Information

    29.02.2008, J. Götz
    Über die hohe Festigkeit metallischer Gläser wurde nach meiner Erinnerung schon vor über zehn Jahren berichtet. Keine wirklich neue Information.
    Antwort der Redaktion:
    Lieber Herr Götz,



    Ihre Erinnerung trügt Sie hier nicht, die mechanischen Vorteile metallischer Gläser sind tatsächlich schon länger bekannt. Der Nachteil dieser Materialien ist jedoch, dass sie sehr spröde sind und deswegen ohne Vorwarnung brechen.



    Das im Beitrag vorgestellte Material dagegen ist ein Komposit aus amorphen und kristallinen Anteilen, das sich plastisch verformt und die Ausbreitung von Rissen unterbindet.



    Lars Fischer

    Redaktion spektrumdirekt
  • Neurale Gesamtverschaltung betrachten

    28.02.2008, Dr. Frank Subke, Mehlingen
    Frau Greenfields einsichtige Feststellung (S. 47 Mitte) über die Konsequenz aus Christof Kochs qualitativ-lokal orientierter Bewusstseinshypothese, dass Vögel dann kein oder nur ein geringes Bewusstsein besäßen, weil diese keinen Neokortex aufweisen, träfe ebenso auf das von ihr vertretene quantitative Erklärungsmodell zu. Vögel verfügen nun über deutlich weniger Neurone als viele Säuger und somit über weniger potentielle neuronale Ensembles. Überhaupt, was wäre letztlich ein größeres oder schwächeres Bewusstsein? Immerhin resümiert Frau Greenfield, dass nicht bestimmte Hirnregionen oder Neuronengruppen, sondern der dahinter stehende Prozesse im Fokus einer Theorie des Bewusstseins zu liegen habe (S. 47 unten).

    Als Ansatz und potentielles Differentialkriterium für ein neuronales Bewusstseinskorrelat wird von beiden Kontrahenten die synchrone Aktivität von Neuronengruppen häufig korrelierend mit Sinnesimpulsen hervorgehoben. Neurone nun sind spezialisierte Zelltypen, die hauptsächlich der schnellen Informationsweitergabe untereinander (über elektrochemische Impulse) dienen. Eine Ableitung neuronaler Impulse ohne Wissen darüber, was da kodiert ist, lässt genauso wenig stringente Schlüsse zu, wie das Anmessen von Signalen einer Telefonleitung darüber, ob die abgeleiteten Impulse aus einem Gespräch mit Herrn „Bewusstsein“ oder Frau „Unbewusst“ stammen. Erst die Sichtung der Gesamtleitung (Kommunikation: Sender / Empfänger / Code) verschafft Klärung.

    Dasselbe Neuron kann potentiell sowohl „bewusste“ als auch „unbewusste“ Informationen tragen. Das Geheimnis des Bewusstseins dürfte daher allein in der Betrachtung der neuralen Gesamtverschaltung (sensorischer Input - interneuronale Verarbeitung – effektorischer Output) zu ergründen sein.



  • Spektrum zeigt neue Art

    27.02.2008, Prof. Dr. W. Harder, Tübingen
    Der Beitrag ist ja wirklich interessant, das Interesanteste dürfte der Redaktion aber entgangen sein: in den Zeichnungen am Kopf der Seiten 52/3 ist ganz offensichtlich eine neue Orang-Art abgebildet, die wohl, falls noch von keiner anderen Seite ein Name vergeben ist, Pongo caudatus genannt werden sollte. Das ist eine bemerkenswerte Entdeckung, zumal sie ein missing link zwischen Tier- und Menschenaffen darstellt, denn der wohl wichtigste anatomische Unterschied der beidenTaxa ist Besitz oder Fehlen eines Schwanzes.
    Antwort der Redaktion:
    Diese bemerkenswerte Entdeckung machten zuerst unsere französischen Kollegen.

    Wir haben leider zu spät gemerkt, dass sie uns trotzdem die falsche, nämlich die unverbesserte, Datei geschickt haben.
  • Vogelschutz

    27.02.2008, Thomas Hellwig, Elbe-Parey
    Der letzte Beschuss, den Herr Heyd meint, ist 2003 in Italien gewesen. Im September 2007 wurden Herr Enrico Hubermeier und ich noch von einem Jäger in Malta, als wir für das Komitee unterwegs waren, beschossen.
    MFG
    Thomas Hellwig
  • DIN 7730 gibt Hinweise auf Behaglichkeit

    25.02.2008, Dr. Eisenmann, 82327 Tutzing
    Der Artikel geht auf das im Titel genannte Thema nicht ein. Das Wort "Behaglichkeit" wird im Text noch nicht einmal erwähnt und die angegebenen Messverfahren erfassen lediglich die abgegebene Wärmemenge.
    Wie misst man nun wirklich Behaglichkeit? Hierzu lohnt sich z.B. ein Blick in DIN 7730, die Temperatur, Luftgeschwindigkeit und andere Faktoren nennt. Schade, dass darauf nicht eingegangen wurde - besonders der im Artikel erwähnte Kosten- und Umweltschutzaspekt wäre gut geeignet gewesen, auf Möglichkeiten zur Verringerung des diskutierten Wärmemengenbedarfs ohne Einbußen bei der Behaglichkeit hinzuweisen (Dämmung, Luftdichtigkeit,...)
  • Wie man's macht, ist's verkehrt

    24.02.2008, Stefan Meckl, Regensburg
    Hi,

    leider ist der Artikel schon etwas her, aber ich kam jetzt erst dazu, und da mir grad langweilig ist, geb ich jetzt einfach mal meinen Senf dazu wie viele meiner Vorgänger. ;-)

    Das beschriebene Urlauberdilemma ist sicherlich sehr interessant. Es trifft, wie auch vom Autor bemerkt, eine häufig vorkommende Alltagssituation: Ich riskiere was. Wenn ich Pech habe, werde ich mit heruntergelassenen Hosen erwischt und entsprechend abgestraft ... oder ich komme damit durch und kassiere die entsprechende Belohnung.
    Dies trifft auch auf das Gefangenendilemma zu.
    Das eigentliche Problem ist simpel (oder zumindest simpel beschrieben): Wenn ich keine Möglichkeit zur Absprache mit meinem Mitspieler habe, bleibt mir nur die Entscheidung zwischen "Risiko" und "Sicherheit", eben mit den skizzierten Konsequenzen.

    So weit, so gut.

    Was mich erstaunt: Soweit ich das beurteilen kann, enthält der Artikel einen Denkfehler, nicht in den gezogenen Schlussfolgerungen, sondern bereits in den (implizit getroffenen) Annahmen:

    Der Autor wundert sich, dass die Herangehensweise über Rückwärtsinduktion zu einer Strategiewahl führt, die scheinbar hinter dem "Optimum" zurückbleibt und dass man mit "irrationalem Verhalten" bessere Ergebnisse erzielen kann (und wundert sich darüber).
    Aber genau hier steckt der implizite Fehler: Der Autor geht davon aus, dass es eine - in einem nicht näher definierten Sinn - "optimale" Strategie geben muss.

    Folgt man den Überlegungen der Rückwärtsinduktion, landet man unweigerlich bei der Strategie "Spielen auf Sicherheit". Eben, weil man mit einseitigen Abweichungen davon nur sein eigenes Risiko erhöht.
    Betrachtet man es aus der anderen Perspektive und "hofft auf ähnliche Überlegungen seiner Mitspieler", dann wählt man eher eine riskantere Strategie.

    Wovon der Autor (und letztlich wohl wir alle) aber implizit ausgehen, ist einfach, dass es immer eine "richtige" oder "optimale" Strategie geben muss, die es nur zu finden gilt.
    Und was das Urlauberdilemma aufzeigt, ist meines Erachtens nach nichts anderes, als dass es eine solche Strategie in manchen Situationen eben nicht gibt. Wie oft im Alltag beobachtet: Wie man's macht, ist's verkehrt.
    Antwort der Redaktion:
    Na ja, da steht schon etwas mehr drin in dem Artikel. Ein Nash-Gleichgewicht gibt es nicht immer, und wenn es eins gibt, dann ist es optimal nur in einem sehr merkwürdigen Sinn, und die Idee, dass es immer ein Optimum geben müsste, ist nicht nur falsch, sie liegt auch nicht stillschweigend dem Artikel zu Grunde.

    Christoph Pöppe
  • Probiotische Lebensmittel

    24.02.2008, Dr. C. Monnerjahn, Magdeburg
    Eine schöne Zusammenfassung zum Thema. Eine Frage drängt sich aber zu den am Rande erwähnten (und von der Lebensmittelindustrie stark beworbenen) "probiotischen" Lebensmitteln auf: gibt es verlässliche Studien, ob diese Lebensmittel bei Erwachsenen mit normal entwickelter Darmflora eine Wirkung haben? Ökologische Nischen sollten hier bereits mit "den guten" Bakterien besetzt sein - alles also nur ein Werbetrick?
  • Blanker Zynismus

    24.02.2008, Dr. C. Monnerjahn, Magdeburg
    Der Aussage von Thilo Körkel in seinem Kommentar auf S. 96 kann man nur zustimmen – wieviel Zynismus und was für ein verschrobenes Weltbild gehören eigentlich dazu, neue Atomsprengköpfe mit verbesserter ökologischer Verträglichkeit zu begründen? Bleibt nur zu hoffen, daß der US-Kongreß nicht auf diese (und andere) fadenscheinige Argumente hereinfällt.
  • Ergänzendes für die Mathe-Muffel

    24.02.2008, Ihr Name, Wohnort
    Alle diejenigen, die eine Blockade haben, wenn sie nur das Wort 'Mathematik' hören (und die dann meistens betonen, viel eher oder ausschließlich an Sprachen oder an sonstigen Geisteswissenschaften interessiert zu sein) sollten einen sehr wesentlichen Umstand beherzigen: Die Sprache (und da dies für alle Sprachen gilt, ist das doch wohl genetisch angelegt) wird erst mit der Mathematik und wegen der Mathematik möglich. Jede Sprache abstrahiert nämlich die Bezeichnung von Gegenständen und Vorgängen zwangsläufig, um praktikabel und überhaupt erst möglich zu sein. Statt beispielsweise alle die unzähligen feststehenden Gegenstände mit Stamm, Zweigen und Blättern/Nadeln einzeln zu nennen, nimmt die Sprache das Mittel aus einer Vielzahl von nur ähnlichen Gegenständen und nennt dieses Mittel 'Baum'. Erst wenn diese Abstraktion, ohne die Sprache unmöglich ist, erreicht ist, gibt es von einem 'Gegenstand' plötzlich mehrere Exemplare, man wird also gezwungen, zu zählen - und das ist der erste Schritt der Mathematik.

    Walter Weiss
  • Ist die Hohlwelt wirklich widerspruchsfrei?

    23.02.2008, Prof. Matthias Hiller, Stuttgart
    Eine Transformation mag ja eine durchaus sinnvolle und praktische Maßnahme sein, um bestimmte Probleme zu lösen oder praktikabler zu machen. Eine plane Autokarte hat sicherlich erhebliche Vorteile gegenüber einem Globus auf dem Beifahrersitz. Aus der Transformation der Realität wird aber nicht selber Realität, und ich bezweifle, dass eine Transformation im Allgemeinen gegenüber der Realität widerspruchsfrei ist und sich nicht von dieser unterscheiden ließe. So lässt sich eben von der Erdoberfläche keine widerspruchsfreie plane Karte konstruieren, die eine Scheibenwelt repräsentiert (selbst wenn man irgendwelche physikalischen "Verzerrungen" der Ebene postuliert, wären diese nicht vom geografischen Ort, sondern von der Wahl des Kartenmittelpunktes abhängig, also künstlicher Natur).
    Für die Hohlwelt ergeben sich meines Erachtens z. B. folgende Unterscheidungsmerkmale:

    - Der Abstand zwischen Horizontlinie und Geoid ist unterschiedlich. Das wird schon in der Schemagrafik deutlich, in der der Autor die Länge des Bootsmastes diskret zurechtmanipuliert hat

    - Hätte bei den engen Radien der Geodäten nicht schon Gauß Winkelsummen >180 Grad in den von ihm vermessenen durch Sichtlinien aufgespannten Dreiecken messen müssen?

    - Wäre nicht auch Lotkonvergenz und Lotdivergenz ein probates Unterscheidungsmerkmal?

    - Und, was mich als Geologen besonders interessiert: Wie erklären Hohlwelttheoretiker das komplexe Ausbreitungsmuster seismischer Wellen im Erdkörper (z. B. Kernschatten)?

    Andererseits - ich habe es überprüft - das mit den Schuhsohlen stimmt wirklich.
    Antwort der Redaktion:
    In der Tat muss eine widerspruchsfreie flache Erdkarte einen Ort bevorzugen (im Beispiel des Artikels ist das Frankfurt am Main) und zum Beispiel den antipodischen Ort ins Unendliche verlegen. Eine solche Karte erscheint uns heute absurd, weil man diesen antipodischen Ort ja (mit gehörigem Aufwand, aber immerhin) besuchen kann. Eine "Karte", die den Erdmittelpunkt ins Unendliche verlegt, erscheint von diesem pragmatischen Standpunkt aus zunächst keineswegs absurd. Man kann den Erdmittelpunkt halt praktisch nicht besuchen.


    Gauß hätte auch in einer Hohlwelt Winkel von 180 Grad gemessen. Das Licht läuft zwar in der Hohlwelt auf krummen Wegen, aber das Fernrohr schaut entlang der Tangente an diesen krummen Weg, und dann stimmen die Winkel wieder.


    Das mit der Schwerkraft ist für einen Hohlweltfanatiker sicher einer der härteren Brocken. Das Schwerefeld der Erde für Orte unter dem Erdboden (sagen wir vorsichtshalber nicht "im Erdinneren", um nicht aus Versehen die Hohlweltmenschen zu diskriminieren) in Abhängigkeit von der gemessenen Tiefe – au weia! Das wird sicher ein fürchterlicher Formelsalat.


    Desgleichen seismische Wellen: Das Medium, durch das eine Druckwelle sich ausbreitet, wäre unendlich ausgedehnt, eine Welle läuft mit bis ins Unendliche anwachsender Geschwindigkeit hinaus und kommt wundersamerweise aus der Gegenrichtung zurück. Oder eben nicht – es wäre ja auch zu absurd. Und wo ein anständiger Geologe postulieren muss, dass der Erdkern wegen seiner Beschaffenheit als Wellendämpfer wirkt, bekommt ein Hohlweltmensch diese Eigenschaft auf ganz natürliche Weise von seiner Theorie geliefert ...


    Das zusammen mit den Schuhsohlen wäre doch fast schon ein Beleg für die Hohlwelttheorie, oder?
  • Erklärungsbedürftig

    23.02.2008, Dr. Gilbert Brands
    Wenn man dem ganzen Horrorzauber, beispielsweise auch der Feinstaubhysterie, glaubt gerät man in eine echte Glaubenskrise. Als noch im Ruhrgebiet der Schwerindustrie aufgewachsener müsste ich nämlich bei den vielen gefährlichen Umweltstoffen bereits seit mindestens 25 Jahren tot sein, und eine Alterspyramide existierte nicht. Totzdem sagen die Statistiken, dass die Leute immer älter werden.

    Auf einem Vortrag eines Chemie-Nobelpreisträgers bemerkte dieser, die Gefährlichkeit eines Stoffes ist nicht durch dessen Toxizität gegeben, sondern wird durch die Empfindlichkeit der Nachweismethoden diktiert. Vermutlich hat er Recht.
  • Die Jugend kam aus Troja

    22.02.2008, Dr. Helmo Hesslinger, Fronreute-Staig
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    "'die zackigen Zähne der Anker fesseln die Schiffe ... und mutig schwingt sich die Jugend ... auf die hesperische Erde hinaus.' So schilderte der römische Dichter Vergil ... die Ankunft der ersten Griechen in Italien." Schreibt in seinem Beitrag zur großen Kolonisation der Griechen Theodor Kissel, der es - das unterstelle ich ganz einfach - sicher besser weiß. Aber warum dann in einer Zeitschrift, die sich "Spektrum der Wissenschaft" nennt, solch eine gravierende Ungenauigkeit? Und warum bemüht er Vergil, den großen römischen Dichter (der es eigentlich nicht verdient hat, als Zeuge für Falsches herzuhalten)? Homers Odyssee, die eigentliche Entdeckungssage, bietet genügend schöne Stellen für die Erkundung des Mittelmeerraums durch die Griechen.
    Die Jugend, die so mutig von der hesperischen Erde Besitz ergreift, kommt in Vergils kunstvollem Epos, wie (fast) jeder weiß, natürlich aus Troja. Auf der Flucht aus Troja in der Nordwestecke Kleinasiens und in der Zeit, von der Vergil erzählt, von Griechen der Sage nach besiegt und zerstört, aber kaum schon besiedelt.
    Antwort der Redaktion:
    Antwort des Autors Theodor Kissel:

    In der Tat stammt die in Vergils »Aeneis« erwähnte „entflammte Jugend“ aus Troja, warum also habe ich die Schilderung ihrer Landung in Italien zur Illustration der Ankunft griechischer Kolonisten verwendet? Zu bedenken ist der ideologische Hintergrund des Werks, Vergil verfolgte mit seinem Nationalepos ein Ziel: Roms Bestimmung zur Beherrschung der Welt und des Kaiser Augustus’ Berufung als Herrscher über dieses Imperium aufzuzeigen. Dazu verwob Vergil Historisches und Legendenhaftes. Aeneas kam dabei eine Schlüsselrolle zu, denn er galt sowohl als Stammvater der Römer – Romulus und Remus waren seine Nachkommen – als auch als direkter Vorfahr des iulischen Herrschergeschlechts.
    So weit, so bekannt. Wenig beachtet wurde bislang, dass Vergil Roms Bedeutung meines Erachtens auch in der Übernahme griechischer Kultur verankerte. Diese bildete den Kitt, der die Völker des Imperiums einte. Dies war dem Dichter wohl bewusst, denn er verlieh seinem troianischen Helden Aeneas einen griechischen Anstrich. Zum Beispiel gründete dieser auf Sizilien die Stadt Acesta (später Segesta) gemeinsam mit einem örtlichen König. Nicht anders als ein Städtegründer der inmeinem Artikel beschriebenen griechischen Kolonisation ließ Aeneas Vergil zufolge dort einen Teil seiner Gruppe zurück, bevor er weiter segelte. Natürlich gibt es auch in Homers »Odyssee« Stellen für die Erkundung des Mittelmeerraums durch die Griechen, aber nur eine, die auf die Anlage einer Apoikie Bezug nimmt – die im Artikel erwähnte Insel Scheria. Der griechisch-römische Troianer Aeneas Vergilscher Zeichnung lieferte da doch einen anschaulicheren Einstieg. Übrigens: Die Einwohner Segestas standen zu Beginn des 1. Punischen Krieges den Römern zur Seite. Begründung: Sie seien Verwandte.




    Antwort von Dr. Hesslinger:

    Theodor Kissels rasche und ausführliche Antwort auf meine relativ unbedeutende "Korrektur" zur Herkunft der jungen Männer, die Vergil zu Beginn des sechsten Buchs seiner Aeneis die Landnahme Italiens vollziehen lässt, hat mich angenehm überrascht. Auch inhaltlich kann ich seiner Argumentation weitgehend folgen. Vergils Schilderung ist in der Tat um einiges anschaulicher als Homers Andeutungen.

    Doch erlauben Sie mir bitte noch zwei Anmerkungen. Vergils Zielsetzung in seinem Nationalepos möchte ich gerne weiter fassen als die genannten Punkte. Natürlich vertrat Vergil Roms Weltherrschaftsidee und die Rolle des Augustus in ihr, aber mindestens ebenso wichtig wie diese war ihm, scheint mir, sein dichterischer Anspruch, auch und gerade im Wettbewerb des römischen Epikers mit Homer: nicht als billige Kopie, sondern als Vollender des sehr geschätzten griechischen Protagonisten und Begründers der abendländischen Literatur. Wenn Sie so wollen: römische Weltherrschaft auch im Bereich der Dichtung! Warum sonst hätte Vergil vor seinem Tod testamentarisch die Vernichtung seines - in kleineren Teilen eben leider unvollendeten - Werks verfügen sollen?

    Gut finde ich Kissels Hinweis auf Vergils Ziel, eine griechisch-römische Einheitskultur als Integrationsinstrument des Imperiums zu stärken. Übrigens hatte, wenn ich es richtig sehe, schon Homer den Trojanern griechische Züge gegeben. Allerdings bin ich hinwiederum der Meinung, dass Vergil den Trojanern und insbesondere seinem Helden Aeneas tatsächlich den Anstrich der wirklichen Vorfahren der Römer geben wollte. Und das tat er außerordentlich geschickt! Tja, wer aber war nun der "griechisch-römische Trojaner Aeneas" wirklich? Wer versteckt sich also eigentlich hinter Vergils Trojanern, den Vorfahren der Römer? Wie schon mitgeteilt, habe ich da so eine Theorie ...

  • Die Zeit läuft davon

    19.02.2008, Gerd Zelck, Seevetal
    Sehr geehrter Herr Prof. Rosa!
    Ihren o. a. Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen. Ich bin Jahrgang 1932 und empfinde das Phänomen einer subjektiv immer schneller ablaufenden Zeit mit zunehmendem Alter immer stärker. Das ergeht Freunden, Bekannten und Verwandten aus meinem Alterskreis ebenso und wird bei bestimmten Schreibanlässen wie Geburtstag und Weihnachten immer wieder hervorgehoben und reflektiert. So habe auch ich immer mal wieder über mögliche Ursachen dieses subjektiven Empfindens nachgedacht und möchte Ihnen einmal meine Gedanken hierzu mitteilen.

    Wie ich oben schon erwähnte, nimmt das subjektive Empfinden einer immer schneller ablaufenden Zeit mit zunehmendem Alter zu. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mich als Kind und auch noch als Jugendlicher so richtig langweilen konnte, wenn einmal nichts los war, die Spielkameraden z.B. verreist waren. Es fanden keine Aktionen statt und eigene Erlebnisse, eigenes Wissen und Probleme, von und mit denen unser Gedächtnis heute randvoll ist und die sich in Zeiten der Ruhe geradezu ins Bewusstsein drängen und zum Nachdenken zwingen, waren damals in unserem Gehirn noch dünn gesät oder nicht vorhanden. Neurologisch betrachtet gab es in unserem kindlichen/jugendlichen Gehirn noch nicht so viele Verknüpfungen wie in späteren Jahren, so dass sich Reflektionen und Assoziationen noch nicht automatisch einstellten. Das Gedächtnis war ja noch so leer und die Zeit konnte einem soo lang werden.

    Hinzu kommt dann noch der Effekt, dass in jungen Jahren das Gehirn sehr viel schneller etwas verarbeitet und Neues lernt. Vielleicht gerade deshalb, weil noch zu wenig drin ist; vergleichbar mit dem PC zu Hause, der zunächst sehr schnell arbeitet, dann aber immer langsamer wird, je voller die Festplatte ist. In ganz jungen Jahren fehlt zwar häufig noch die Disziplin und Ausdauer beim Denken, aber einige Jahre später dann, nach Schule, Ausbildung und Studium, wenn die eigenen Lernprozesse trainiert und dadurch ökonomisiert worden sind und durch eigenen Willen eine entsprechende Ausdauer hinzu kommt, wird das Maximum an geistiger Leistungsfähigkeit im Leben eines Menschen erreicht. Multitasking bei hoher Qualität (geringe Fehlerrate) wird dann praktiziert. In dieser Zeit glaubt der Mensch, noch unendlich viel im Leben schaffen zu können und die Zeit, die er hierfür hat, erscheint ihm noch sehr lang. Doch die biologische Uhr tickt bereits und mit den Jahren wird die Arbeitsgeschwindigkeit immer langsamer. Multitasking ist nun nicht mehr möglich. Was aber bleibt ist das vorgenommene Ziel, dies und jenes bis dann und dann erledigen zu wollen. Am Abend muss man dann feststellen, viel weniger als vorgenommen geschafft zu haben. Zunächst kann das verlangsamte Arbeitstempo noch mit einer Ausdehnung der täglichen Arbeitszeit kompensieret werden, aber irgendwann ist dann auch diese Möglichkeit ausgeschöpft. Die Zeit läuft einem davon und bei bestimmten Ereignissen wie Geburtstag, Jahresende, usw. wird einem das dann so richtig bewusst und man äußert sich darüber mehr oder weniger vernehmlich. Das wiederum ist Begründung genug für Politiker und sonstige Entscheidungsträger, hieraus ein öffentliches Interesse abzuleiten und Geld (fast immer aus dem Steueraufkommen) bereitzustellen, dieses Phänomen wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Sie veranlassen Forschungsaufträge in ihrem Zuständigkeitsbereich. Adressaten sind dann Universitäten und Hochschulen und hier wiederum bestimmte Forschungsbereiche, in diesem Fall die Soziologie.

    Das alles wirkt natürlich zusammen und sich verstärkend mit den 3 Prozessen, die Sie, Herr Prof. Rosa, formuliert und untersucht haben. Darüber hinaus möchte ich noch kurz auf folgende Punkte in Ihrem Artikel eingehen:

    In dem Abschnitt „Technische Beschleunigung“ führen Sie die Fortbewegungsarten an, bei denen sich die Geschwindigkeitsgrenzen zu größeren Werten hin verschoben haben. Neben Autos, Lokomotiven, Flugzeugen und Fahrrädern führen Sie hierbei auch Raumschiffe mit an. Das ist nun nicht richtig, denn die Geschwindigkeit von so genannten Raumschiffen, z.B. dem Shuttle, unterliegt den Bahngesetzen und die sind nicht veränderbar bzw. durch technische Fortentwicklung beeinflussbar.

    In dem Abschnitt „Die Konkurrenz schläft nicht“, zitieren Sie die drohende Klimakatastrophe als ein bevorstehendes Ereignis für Ihre Beweiskette. Hier erlaube ich mir daran zu erinnern, dass es vorher schon eine Reihe anderer Katastrophenszenarien in Deutschland gegeben hat, die allerdings die Landesgrenzen nicht zu überschreiten vermochten. Zu nennen wären hier das Baumsterben, Seehundsterben und im kleineren Umfang das Wattsterben mit den großen schwarzen Flecken auf den trockengefallenen Wattflächen während eines warmen Sommers. Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang auch die in deutschen Seelen permanent vorhandene Strahlenphobie, die nach dem Tschernobyl-Unfall überkritische Zustände erreichte, heute aber immer noch leicht unterkritisch weiter schwelt und durch jedes kleinste Ereignis wieder zum Flackern gelangt. Auch die Tumorangst durch Funkwellen durch eine vermehrte Anwendung von Handys, drahtlosen Verbindungen von Computern usw., fällt in diese Kategorie. Die deutsche Psyche ist hierfür wohl besonders anregbar (genetische Ursachen?) und es ist somit kein Zufall, dass hier bei uns der Ablasshandel im Mittelalter am lukrativsten war, bis dieser durch Luther gestoppt wurde (mal ein positives Beispiel für die deutsche Psyche). Ein Nachfolgethema zeichnet sich übrigens schon am Horizont ab und taucht bereits immer öfter in den Medien auf: Der mögliche Einschlag eines größeren Himmelskörpers schon in naher Zukunft. Eine Schuldzuweisung durch uns Menschen ist zwar noch nicht gefunden worden, aber die wird sicherlich bald nachgereicht.
    Um noch einmal auf die drohende Klimakatastrophe zurückzukommen, so ist es schon erstaunlich, wie gerade Vertreter der Geisteswissenschaften und Intellektuelle überhaupt, sich von den geradezu plumpen und immer schräger werden Behauptungen (ganz neu der Kippschalter-Effekt) und Kassandrarufen einiger wenigen in der Öffentlichkeit agierender Vertreter der etablierten Klimawissenschaft (die Professoren
    Rahmsdorf und Schellnhuber von PIK sowie Lativ von der Uni Kiel) beeindrucken lassen.
    Eine kritische Zuspitzung für die Menschheit habe ich aber ebenfalls ausgemacht. Sie ergibt sich durch die aufeinander zulaufenden Auswirkungen einer (immer noch) exponentiell wachsenden Menschheit mit ihrem großen Versorgungsbedarf und – da ausschließlich in der Zweiten und Dritten Welt stattfindend – auch Nachholbedarf einerseits und einer ebenfalls rasch eintretenden Erschöpfung der Erdöl- und Erdgasressourcen andererseits. Eine Zuspitzung dieser Auswirkungen wird noch in diesem Jahrhundert eintreten, wahrscheinlich bereits schon Mitte des Jahrhunderts. Aber es gibt eine Lösung für diese Probleme, die auch noch den Vorzug
    besitzt, dass sie machbar ist, was die Finanzierbarkeit mit einschließt.
  • Begrenzte Wahrnehmungsleistung

    19.02.2008, Heinz Krenn, Baden, Österreich
    Zuerst möchte ich betonen, dass ich Techniker und kein Fachmann auf dem behandelten Gebiet bin. Als Sportschütze, welcher an die Grenze des Möglichen geht, habe ich mich aber intensiv mit dem Sehen und dem damit zusammenhängenden Problemen beschäftigt. Wenn Naotsugo Tsuchiya und Christof Koch entdeckt haben, dass mittels Blitzlichtgewitter die Wahrnehmung des anderen Auges unterbunden wird so ist das sicher richtig. Nicht richtig dürfte aber die Interpretation sein. Seit dem Artikel im Spektrum über Crossmodale Aufmerksamkeitseffekte von Grit Hein sollte eigentlich bekannt sein, dass die Wahrnehmungsleistung unseres Gehirns begrenzt ist.
    Wer als „Spotter" (Scheibenbeobachter) dem Schützen Treffer und Fehlschuss ansagen will, sollte die Kugel fliegen sehen. Der Knall des Schusses überlagert aber die Wahrnehmung auf den ersten ca. 25 Metern. Wer die hohe Konzentration (im wahrsten Sinne des Wortes !) aufbringt um mit offener Visierung (Kimme und Korn) mit einer Pistole auf 200 m ein Ziel von der Größe eines Tellers zu treffen, der nimmt das Geschehen um sich nicht mehr wahr.
    Jeder Programmierer, welcher in einem Programm z.B. ein bewegtes Bild mit eingeschränkter Hardwareleistung darstellen soll, wird vermutlich sehr schnell darauf kommen, dass die bildwichtigen Teile, auf welchen die Konzentration des Zuschauers gerichtet ist, vorrangig auf Stand gebracht werden. Legt man dies auf die Wahrnehmung um, so sind plötzlich viele Phänomene erklärbar. Der Tunnelblick kommt öfter vor, als die Menschen denken wie z.B. bei dem Kind, dass die Konzentration auf den Ball gerichtet, das Auto nicht wahrnimmt (!).
    Bezüglich des Bewusstseins tendiere ich eher zum Standpunkt von Susan Greenfield, denn auch in der Holographie ist das Bild das Abbild der Wellenfunktion, welche mit der Untersuchung von einzelnen Pixeln wohl nicht aufzuklären ist. Es sollten auch Überlegungen angestellt werden, ob sich die Selbstwahrnehmung nicht nur auf den Gegenwartspunkt, sondern auch mehr oder weniger auf Vergangenheit und Zukunft erstreckt.