Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Vorratsdatenspeicherung

    13.02.2007, Gilbert R. Röhrbein
    Der Artikel zeigt grob, was mit gespeicherten Verbindungsdaten alles gemacht werden könnte und schon gemacht wird. Dabei wird aber von Laborbedingungen ausgegangen, die so nicht existieren.

    Zuerst einmal, was wird gespeichert? Das in Deutschland in diesem Jahr kommende Äquivalent nennt sich Vorratsdatenspeicherung, was auch in einer EU-Verordnung verlangt wird. Damit wird dann den Ermittlungsbehörden, den Geheimdiensten (und wer weis wem noch) das Wissen geliefert, wer mit wem, wann, wo, wie und wie lange telekommuniziert hat. Das kann über ein Telefon sein, meist jedoch über IP (Internet, und außerdem wird irgendwann das Telefon durch VoIP ersetzt) und wenn das Gesetz ganz restriktiv ausgelegt wird, fallen auch nicht auf IP basierende Netze darunter. Diese Daten sollen mindestens sechs Monate lang gespeichert werden. Heute ist es noch so, dass diese Daten so schnell wie möglich gelöscht werden müssen.

    Nun hat man also die Telekommunikationsdaten von 80 Millionen Bürgern der letzten sechs Monate griffbereit. Wenn man bedenkt, dass Telekommunikation automatisch geschieht, also Computer mit Computern sprechen, und dass wir in eine Zukunft blicken, in der alles nur Erdenkliche vernetzt ist (Haushaltsgeräte, RFID-Lesegeräte, Autos usw.), dann sehen wir, dass wir mit den Daten, die wir gesammelt haben, den Tagesablauf eines jeden Bürgers rekonstruieren könnten.

    Man könnte nun das Cliquengeflecht analysieren und nach gefährlichen Mustern schauen, die auf Planung eines Terroranschlags hindeuten, um einen Terroranschlag zu verhindern. Das jedenfalls wird uns ständig erzählt. Zu diesem Zweck bekommen wir diese Vorratsdatenspeicherung.
    Ich möchte jetzt nicht auf die Gefahren eingehen, die sich aus diesem Datensammelsurium für ganz normale, unschuldige Bürger ergeben. Wie schnell sich eine Demokratie in einen Überwachungsstaat, in ein System von Wenigen mit großer Macht, ändert, sollten wir ja in der Geschichte erfahren haben.

    Hilft uns nun dieses Verfahren im ohnehin schon umstrittenen Kampf gegen Terrorismus? Nein. Und das wird es auch nie können.
    Telekommunikationsverbindungen werden automatisch, d.h. von Computern aufgebaut. Man könnte nun Software laufen lassen, die nach bestimmten Mustern Verbindungen erzeugt und Daten für einen bestimmten Zeitraum sendet. Und das nur um den Verbindungsgraphen zu stören. Es können beliebige Scheinverbindungen im Verbindungsgraphen entstehen. Es gibt Software, die Telekommunikation ermöglicht, ohne dass der Sender je erkannt werden kann. Diese Software ist ursprünglich dafür gedacht in totalitären Systemen mit brutaler Zensur ohne Gefahr Informationen zu veröffentlichen. Und es ist ein Leichtes mit Hilfe dieser Software den Sozial-Netz-Analysten durch die Finger zu gehen. Beispiele wären Freenet oder vielleicht noch TOR.

    Aber man brauch ja nicht mal so technisch zu werden um die Unmöglichkeit eines solchen Verfahrens anzudeuten. Wo ist der Unterschied zwischen dem Telekommunikationsverkehr einer Terrorzelle, die kurz vor der Ausführung eines großen Anschlags steht, zu dem eines Bürgerrechtsvereins, der kurz vor der Ausführung einer wichtigen Demonstration steht? Möglich, dass die Terrorzelle Ruhe bewahrt, weder hektisch noch oft in Verbindung tritt. Möglich, dass der Verein in heller Aufregung ist und die Mitglieder einander in kurzen Abständen anrufen, mal kurz, mal lang mit einander reden. Oder vielleicht auch umgedreht? Welche Gruppe wird denn nun vom Verfassungsschutz eher überwacht? Es läuft darauf hinaus, dass jeder überwacht und jeder verdächtigt wird und das darf in einem Rechtsstaat nicht geschehen.

  • Unklare Definition

    13.02.2007, Gradwohl Werner, Wien
    In dem interessanten Artikel fehlen leider klare Definitonen. Fortschritt wird überwiegend mit Glück, Zufriedenheit (alles psychologische Kategorien) gleichgesetzt. Auch ist Fortschritt kein linearer Prozess, er unterliegt Schwankungen, Rückschlägen und ist zeitlich und lokal immer begrenzt. Ihn deshalb zu illusionieren ist voreilig.

    Evolution ist auch nur bestmögliche Anpassung an Umweltbedingungen. Da sich diese ändern, kann evolutionärer Fortschritt immer nur begrenzt sein.
    Die begrenzte Komplexitätszunahme als Folge der Selbstorganisation ist kein unmittelbarer Fortschritt. Dieser entsteht ja erst aus der Funktion des Komplexes (entweder in evolutionärer Nützlichkeit oder Datenverdichtung). Da eine Informationszunahme nicht zwingend mit (lokaler) Entropieabnahme einhergeht, hängt die Datendichte von der Codierungseffizienz der Funktionen ab. Diese mag zwar genetisch seit Langem konstant sein (da sie ziemlich optimal ist), aber auch der genetische Code musste sich zuerst entwickeln. Und die Individuen selbst haben ihre Anpassungskapazität durch informationsverarbeitende Systeme weiter erhöht, und für diese sogar nützliche Datensätze aufgezeichnet. Solche Meme (die zweifellos auch viel Rückschritt enthalten) sind m. E. ein Teil des Fortschritts. Wie in einigen Leserbriefen bereits erwähnt geht es um weitere Vereinfachungen (Code-Optimierung), und die optimale Ausnützung der maximalen Datendichte.
    Diese nimmt stetig zu, was zweifellos Fortschritt ist, zumal die Sinnhaftigkeit der Daten zusätzlich langsam ansteigt.
  • Wissenschaft statt Sensationslust

    13.02.2007, Dr.Bernhard Reddemann
    Finden Sie nicht auch, dass manche "Erkenntnisse" wie eingerollte Dimensionen, Wurmlöcher, "Viele Welten" auch in Spektrum zu apodiktisch vorgetragen werden? Wäre es nicht besser, solche Artikel mit entsprechenden Einschränkungen zu begleiten?
    Ich fürchte, je unglaublicher, oder besser phantastischer, solche Ideen vorgetragen werden, umso glaubhafter werden mystische und irrationele Entwicklungen wie "Creative Design" etc.
  • Gesundheit und Macht

    11.02.2007, Klaus Deistung, Wismar
    Es gibt ganz wenige Vorsatzfälle im medizinischen Dienst – die im Beitrag geschilderten gehören mit Sicherheit nicht dazu. Selbst in unserem Land werden Menschen krank, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen selbst in Krankenhäusern, es gibt Operationsfehler – aber keinen Vorsatz. Es wurden auch Beispiele dokumentiert, wo durch „falsche“ Blutspender – sie hätten lt. Gesetz nicht spenden dürfen, die Überwachung war nicht optimal – es zu einzelne AIDS-Fällen kam.
    Kein Arzt und keine Schwester wird nach bestem Wissen und Gewissen hunderte Kinder anstecken wollen – weder zu Hause, noch im Ausland. In Entwicklungsländern ist teilweise selbst sauberes Wasser schon ein lösbares Problem.
    In einem Fernsehbeitrag wurde festgestellt, dass die von Libyen geforderte Summe genau der entspricht, die sie selber vor Jahren im Lockerbie-Fall zu zahlen hatte.
  • Insektenfreiheit

    09.02.2007, Lucia Tieni Bern CH
    Ich finde, dass gewisse Menschen keinen Respekt vor Tier und Natur haben, denn warum sollte sonst ein Mensch so etwas mit einem Insekt tun, nur um zu sehen, wie es in extremer Vergrößerung aussieht?
    Das ist schon krank, egoistisch, und tierquälerisch. Warum lassen die Forscher nicht einfach dieTiere in ihrem natürlichen Umfeld leben.
    Wenn wir nicht anfangen, Natur und Tier zu respektieren und zu schützen, werden wir nicht lange überleben.
  • Wortwahl

    09.02.2007, Dr. Peter Jauernig, Wien
    Mit Bestürzung habe ich Ihr Editorial gelesen, in welchem Sie das Wort "Gutmensch" verwendet haben.

    Abseits von inhaltlichen Differenzen sollte es doch in der Wissenschaft möglich sein, zivilisiert zu diskutieren und Standpunkte auszutauschen. Das Wort "Gutmensch" ist eine unschöne Wortkreation und wird hier in Österreich von Rechtsradikalen und Rechtspopulisten verwendet, wenn sie nicht sogar von ihnen geprägt wurde.

    Ich hoffe sehr, dass Sie nicht aus dieser Ecke kommen, - zumal ja Ihre Aussagen sonst vergleichsweise moderat ausfallen -, und die Verwendung dieses Wortes eine Entgleisung war.

    Im Übrigen finde ich, dass die Geschichte von den verendeten Tieren jedweder Objektivität entbehrt und Ausgewogenheit auch nur im Ansatz vermissen lässt.
  • Aufprall ist kein Vergleich

    07.02.2007, Horst Marschall, Bristol (UK); Erich Marschall, Nussloch (D)
    Sehr geehrte Redaktion,

    auf Seite 54 des Februar-Heftes vergleicht Kip Hodges in seinem sehr anschaulichen Artikel über die Entwicklung des Himalaya die noch immer andauernde Kollision der beteiligten Kontinente Indien und Eurasien mit dem langen Bremsweg von Öltankern und Güterzügen. Explizit macht er die Massenträgheit der indischen Platte für das Kollisionsgeschehen verantwortlich. Der Vergleich mit dem Öltanker ist ein häufig verwendeter; vor allem in Vorträgen und Artikeln, die sich an ein allgemeineres Publikum wenden, jedoch auch in Grundvorlesungen der Geologie an mancher Hochschule. Der Vergleich ist jedoch nicht zulässig und physikalisch falsch, wie sich anhand einer einfachen Rechnung zeigen lässt:

    Die kinetische Energie eines Körpers ist Ekin=1/2mv2.
    Der indische Kontinent hat in etwa die Form eines gleichschenkligen, rechtwinkligen Dreiecks mit 3000 km Kantenlänge. Die Mächtigkeit der Lithosphäre beträgt ca. 100 km, wonach sich das Volumen zu etwa 4,5.1017 m3 berechnet.
    Die Multiplikation mit der ungefähren Dichte von Gesteinen der Lithosphäre von 3000 kg/m3 ergibt eine Masse von 1,35.1021 kg.
    Die Geschwindigkeit von driftenden Platten beträgt in etwa 10 cm pro Jahr, dass sind 3,2.10-9 m/s.
    Die kinetische Energie beträgt also Ekin=0,5.1,35.1021 kg .(3,2.10-9 m/s)2 = 6800 J oder 6,8 kJ.

    Die kinetische Energie des größten Öltankers "Jahre Viking" beträgt bei voller Ladung (560.000 t) und voller Fahrt (15,8 Knoten = 8,1 m/s) ungefähr 37 Millionen Kilojoule.

    Um den geringen Energiebetrag der indischen Platte zu veranschaulichen, soll er in Bezug zur Hebung des Himalaya gesetzt werden. Die potentielle Energie, die notwendig ist, um ein Stück Granit auf die Höhe des Mt Everest zu heben (8848 m), berechnet sich nach der Formel Epot = m.g.h. Unter Vernachlässigung von Deformation und der Erzeugung von Reibungswärme soll die kinetische Energie vollständig in potentielle Energie umgewandelt werden; es gilt also Ekin=Epot. Die Masse des Gesteins, das auf die Spitze des Everest gelangen kann, ist demnach m=6800/(9,81.8848) kg = 78 g. Dies entspricht einem Granit-Würfel der Kantenlänge 3 cm.

    Offensichtlich ist also der Beitrag der kinetischen Energie der driftenden Platten zur Entstehung von Kollisionsgebirgen praktisch gleich Null. Das Beispiel zeigt in hervorragender Weise, wie sehr uns die Intuition in der Abschätzung physikalischer Prozesse täuschen kann, wenn es um nichtlineare Prozesse geht. Schon die Handhabung der Beziehung "Energie ist proportional zum Quadrat der Geschwindigkeit" übersteigt, wenn wir ehrlich sind, unser Vorstellungsvermögen.

    Nun könnte man darüber hinaus einen Blick auf die Impulserhaltung werfen, da der Impuls linear zur Geschwindigkeit wächst, und in unserem Beispiel für die indische Platte etwa 4,3.1012 Ns beträgt. Das entspricht dem Impuls von ziemlich genau 1000 Öltankern aus dem oberen Beispiel - nicht eben beeindruckend im geologischen Maßstab. Der Stoß der beiden Platten, Asien und Indien, ist ein unelastischer Stoß , d.h. die beiden Körper bewegen sich nach der Umwandlung der kinetischen Energie in Verformungsarbeit, potentielle Energie und Wärme mit einer gemeinsamen Geschwindigkeit als ein Körper weiter. In diesem Fall ist die Relativbewegung beendet, und der Himalaya fällt der Erosion zum Opfer. Wie wir oben gezeigt haben, wird die geringe kinetische Energie der indischen Platte jedoch schon abgebaut, wenn in China der erste Sack Reis umfällt. Damit sollten sich nach den Gesetzen der Trägheit die beiden Kontinente gemeinsam sehr langsam weiter nach Norden bewegen, aber es sollte kein Gebirge entstehen.

    Der Grund für die immense Deformation der Kruste und die Fortbewegung der Platten ist also nicht mit der Trägheit der Masse zu erklären. Vielmehr bewegen sich die Patten aus dem gleichen Grund weiter, aus dem sie sich schon vor der Kollision bewegt haben: der konvektierende Mantel unter ihnen schiebt sie vorwärts und der abtauchende ozeanische Teil der Platten zieht sie vorwärts.
  • Wissenschaftler im Alltag

    07.02.2007, Martin Rautenberg, 44139 Dortmund
    Der Artikel "Das Papier der Antike" hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es wurden nicht nur Ergebnisse präsentiert, sondern Joachim Latacz hat es sehr gut verstanden, die oft mühevolle Arbeit eines Papyrologen auch im scheinbar banalen Detail anschaulich zu beschreiben.
    Von Artikeln dieser Art - gleich aus welchem Forschungszweig - wünsche ich mir mehr in Ihrem Heft. Woraus bestehen die beruflichen Alltagssorgen von Physikern, Biologen oder Archäologen? In Anlehnung an die bereits vorhandene Rubrik schlage ich als Titel vor "WissenschaftLER im Alltag".

  • Eine Sache der Definition

    07.02.2007, Johann Gschwendtner, Dingolfing
    Worte sind wie Schall und Rauch!

    Definiere ich "Fortschrit" so, dass sich daraus "Fortschritt" als Illusion ableiten lässt, dann ist "Fortschritt" eine Illusion. Definiere ich aber "Fortschritt" anders, dann ist eben "Fortschritt das, was ich als "Fortschritt" definiert habe.

    Meine Herren und Damen, es geht doch nicht um Begriffe. Dem Worte nach ist "Fortschritt" das Fortschreiten, das Nicht-Stehenbleiben. Na und, könnte man sagen.

  • Hohn und Aggression

    07.02.2007, Ao. Univ.-Prof. Dr. Gabriela Kompatscher, Innsbruck, Österreich
    Vielen Dank für diesen hochinteressanten Artikel! Als Tierfreundin freue ich mich natürlich über die Entwicklungen der letzten Jahre hin zu Ersatzmethoden für Tierversuche. Verärgert haben mich allerdings die latenten Angriffe auf Tierversuchsgegner im Editorial: da setzen sich Menschen für andere Lebewesen ein und ziehen dafür Hohn und Aggression auf sich - traurig!
    Mit besten Grüßen und der Bitte um weitere Berichte über Alternativen zur Tierausbeutung,

  • Klimawandel

    07.02.2007, Klaus Schierau
    CO2 oder was auch immer.
    Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein auf Menscheneinwirkung beruhender Klimawandel eintritt. Es muss jedoch angezweifelt werden, dass der Einfluss von CO2 auf diesen Wandel von entscheidendender Bedeutung ist. Die Forderung, den CO2-Ausstoß drastisch zu reduzieren, hat dennoch sehr große praktische Bedeutung, denn mit der CO2-Erzeugung sind eine Reihe von zusätzlichen, mit der CO2-Erzeugung verbundenen Emissionen verkoppelt, die einzeln betrachtet einen jeweils viel größeren Einfluss auf klimatische Änderungen bewirken als das CO2. Die Forderung, den CO2-Ausstoß zu verringern, verringert damit auch automatisch den Austoß von Emissionsanteilen, die jeweils wesentlich größeren Einfluss auf das Klima nehmen.
    Wenn aber ein CO2-Ausstoß damit verringert wird, dass z.B. eine Umsetzung in Carbonate erfolgt, dann bedeutet dies noch nicht, dass auch automatisch andere, wirkungsvollere Substanzen ebenfalls zurückgehalten werden. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wohin mit den Produkten, in die das CO2 "zwischengelagert" wurde.
    Die Erhöhung des CO2-Anteils in der Atmosphäre ist zudem ein Indiz dafür, dass
    1. der Mensch äußerst verschwenderisch mit seinen Ressourcen
    umgeht
    und dass
    2. die natürlichen CO2-Senken vernichtet werden.
    Es erscheint somit sehr sinnvoll, den CO2-Ausstoß drastisch zu verringern, um damit zugleich auch die Erzeugung noch viel wirkungsvollerer "Klimakiller" herabzusetzen.
    Es ist jedoch den Politikern und den sie beratenden Wissenschaftlern anzuraten, in ihren Informationen der Öffentlichkeit eine objektive Informationspolitik einzuschlagen. CO2 ist nicht DER Klimakiller, sondern EIN Klimakiller, der wesentlich geringeren Einfluss auf das Klima bewirkt, als andere Stoffe, die in den meisten Umsetzungsprozessen mit ihm zusammen erzeugt werden.
  • Verständnis für die Illusion

    06.02.2007, R. Weingart, Stuttgart
    Wie der Autor beschreibt, ist Evolution ein sich
    selbstorganisierender Prozess. Wird nun ein
    neues Lebewesen geboren, so ist es im ersten
    Augenblick ein reines, für sich alleinstehendes
    Objekt. Es beginnt nun wie ein Neuron in einem
    neuronalen Netz mit der Umgebung, genauer
    gesagt mit der Natur, in Austausch zu treten. Es
    entstehen Wertungen, um im Einklang mit dem
    Netz bzw. der Natur leben zu können. Will es
    widernatürlich reagieren, so verstärken sich die
    Rückkopplungen des Netzes, um es wieder in
    Einklang zu bringen. Evolution heißt sich der
    Natur anzupassen, das am stärksten angepasste
    Lebewesen hat die beste Überlebenschance. 'Höher,
    schneller, weiter' oder 'der Stärkste überlebt' haben nichts mit Evolution zu tun. Sie sind nur Abbilder der
    Wirklichkeit, welche die Wirklichkeit aber nicht
    erfassen. Fortschritt im Sinn der Gesellschaft
    beinhaltet diese Formalismen. Das
    Streben nach einem immer höheren
    Lebensstandard wird als Fortschritt gesehen.
    Dabei unterstützen die gesellschaftlichen
    Strukturen dieses Denken, wodurch vielen
    Menschen die Möglichkeit, über diese
    Grenzen hinweg die Welt zu betrachten,
    verschlossen bleibt. Es wird behauptet, technischer
    Fortschritt dient zur besseren Anpassung an die
    Natur. Wenn man sich aber z.B. die Auswirkungen des technischen Fortschritts auf das Weltklima anschaut, so
    sieht man eher den Menschen als ein Neuron, welches
    Schwierigkeiten damit hat, im Einklang mit den
    Schwingung des neuronalen Netzes, also der
    Natur, zu existieren. Viel zu sehr ist in der heutigen
    Zeit Fortschritt mit Wirtschaft, Geld und Macht verzahnt,
    sodass sich der Begriff sehr verwässert hat und wie der
    Autor richtig bemerkt oft nur illusorisch verstanden wird.

    Im neuronalen Netz ist es bei einem Neuron
    normal, größere Abweichungen von der Umgebung zu
    erfahren. Dabei entstehen neue Wertungen, um die optimale Anpassung wieder erreichen und somit einen hohen Stand in der Evolution haben zu können - sozusagen das Ideal.
    Fortschritt ist somit die Verbesserung in der
    Aufrechterhaltung des Ideals. Existieren nur
    geringe Schwankungen um das Ideal, ist ein
    feiner und empfindlicher Ausgleichsmechanismus auf Schwankungen im Neuron vorhanden. Dieser Zustand enthält mehr Komplexität und lässt sich in der Komplexitätszunahme in der heutigen Welt zum Mittelalter wiederfinden, ebenso in technischen Errungenschaften, die zur Anpassung an Schwankungen in der Natur dienen können. Ein komplexer Mechanismus kann, um mehr Sicherheit zur Stabilät bieten zu können, in gewissen Maßen vereinfacht werden, um die Empfindlichkeit zu reduzieren. Dabei muss in diesem Übergang die Aufrechterhaltung des Ideals weiterhin Bestand haben können. Ist diese Wandlung vollzogen, so gab es einen Fortschritt in der Erhaltung des Ideals, welcher Rückschritte enthalten kann, da eine Vereinfachung beinhaltet ist. Fortschritt und Rückschritt sind somit Schwingungen um das Ideal - dem perfekten evolutionären Stand bzw. die optimale, momentane Anspassung.
    Die Entdeckung der Physik über den Ablauf und die Nutzung der Kernreaktion war ein Fortschritt in den Theorien der Physik, ein Fortschritt in der Erzeugung vom Strom und ein 'Rückschritt' in der Waffentechnologie. Nun bedarf es eines Rückschritts im Ausbau der Kernreaktoren auf Grund der Umweltbelastung, eines Fortschritts in der Verständigung zwischen Ländern, eines Rückschritts im Nutzen von Waffen, eines Rückschritts in der Komplexität bei den Deutungen von physikalischen Theorien, damit ein Fortschritt in der Stromerzeugung erzielt werden kann.

    Man kann also Fortschritt finden, der mit keiner Illusion behaftet ist. Ebenso kann man mit einer Illusion Fortschritt weismachen. Der Artikel stellt eine Seite der Betrachtung von Fortschritt da, gebildet aus einer Illusion. Allerdings entstehen dabei Schlussfolgerungen, die bei umfassenderer Betrachung widerlegt werden können. So findet sich der Begriff Fortschritt bei der Betrachtung von Evolution als sich selbst organisierender Prozess, wie oben beschrieben, wieder - entgegen der Behauptung im Artikel. Als Aussagen über den Frust des Nicht-Vorankommens in einer Zeit mit gewachsener technischer Komplexität, hoher Komplexität des Wissens in den Wissenschaften und bei gleichzeitigem Entfernen der Menschheit von einer guten Anpassung an die Natur sind sie allerdings sehr verständlich. So gilt es, manche Illusionen aus
    der Welt zu schaffen, um einen Fortschritt bzw. ein verbessertes Überleben des Menschen wieder erkennen zu können.
  • Die Welt ist subjektiv - na und?

    06.02.2007, S. Irmer, Nürnberg
    Dass es keine wirkliche Objektivität gibt, ist keine neue Erkenntnis. Die Welt kann vom Gehirn nun einmal nur subjektiv erfasst werden. Dementsprechend könnte man in Anlehnung an Einstein sagen: Alles ist subjektiv. Wenn aber die einzige Art der Wirklichkeit subjektiv ist und damit, nach Meinung des Autors, illusorisch, ist ein illusorischer Fortschritt wirklich.
    Folglich ist also etwas, das ich als blau sehe, wirklich blau und und etwas, das ich als Fortschritt sehe, tatsächlich ein Fortschritt.
  • Schweinerei im Schlachthof

    05.02.2007, Friedrich Seibold
    Es braucht bloß irgendwo der Kommerz bzw. die Profitmaximierung drinzustecken, schon wird die Ethik minimiert.
  • Fraktale als Thema eines Musik-Tanz-Multimedia-Projekts

    03.02.2007, Dr. Klaus Rohwer, Zwischen den Wegen 7, 89081 Ulm
    Im Zusammenhang mit fraktaler Kunst empfehle ich Ihnen meine website http://www.klausrohwer.de/ zum Besuch. Auf der Seite http://www.klaus-rohwer.de/fraktale/index.htm habe ich eine ganze Reihe von Fraktal-Bildern (Kunstwerken?) ausgestellt, die ich mit einem selbst entwickelten Programm erzeugt habe. Sie repräsentieren nicht nur die "gewöhnliche" Mandelbrotmenge (das "Apfelmännchen") und zugehörige Julia-Mengen, sondern auch Mandelbrotmengen zu anderen Funktionen sowie Abwandlungen der normalen Berechungsvorschrift, die neue Symmetrien einführen – oder auch alte aufheben.

    Auf der Seite http://www.klaus-rohwer.de/fraktale/animation.htm finden Sie einige selbst erstellte animierte Fraktale. Solche (und auch statische) sind ein Hauptbestandteil des Musik-Tanz-Multimedia-Projektes "All in one in all", das am 24. 2. 2005 im Alten Gasometer in Zwickau uraufgeführt wurde und in diesem Jahr erneut zur Aufführung kommen soll.