Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Besser Denken=besser lernen

    15.01.2007, Kristine Pews, Frankfurt (Oder)
    Ein herzliches Dankeschön an Phillip E. Ross für diesen Artikel.
    Sehr gut finde ich die Betonung, dass es weniger auf Talent, sondern auf das Training, die Motivation, ankommt. Ich bin Schachtrainerin und weiß, wenn ein Kind leuchtende Augen beim Anblick von Schachfiguren bekommt, dann birngt jedes Schachtraining etwas. Egal, ob es mal ein Großmeister wird oder ein begeisterter Vereinsspieler.

    Die Schüler, die durch das Schachtraining wirklich das Denken lernen - das sind bei weiten nicht alle - haben es auch beim Erlernen des Unterrichtstoffes leichter. Bei einem Mädchen in der Altersklasse U12 konnte ich das sehr gut beobachten. Sie hatte eine leichte Lese-, Rechtschreibschwäche und holte bei Diktaten Zensuren zwischen 3 und 5. Durch das Schachtraining und intensive Betreuung bei Turnieren kam sie im Jahr 2006 auf eine DWZ von 1420 (etwa 1550 Elo) und in Rechtschreibung auf 1.

    Ich persönlich erlebte diesen Effekt auch in meiner Jugend, im Alter von 15-18 Jahren. Wenn ich mich intensiv mit Schachproblemen und Eröffnungstheorie beschäftigte, lernte ich auch schneller Vokabeln und anderes.


    Dieser Artikel bringt mir einen richtigen Motivationsschub.


  • Glücklicher landen

    15.01.2007, K. Hiltmann
    Vielen Dank für das Thema Laufschuhe in spektrumdirekt.
    Ein ähnlicher Artikel "Fersenstoß und Abrollhilfe" erschien in Spektrum der Wissenschaft 2/2001, S. 81, und konstatiert, wenn ich mich richtig erinnere, dass der beste Schuh "kein Schuh" sei. Zu einem ähnlichen Schluss kommt z.B. M. Marquardt in einem Test barfuß gegen Adidas Marathon TR und Nike Shox (Triathlon 19. Oktober 2003).

    Bei der Darstellung der biomechanischen Abläufe beim Laufen und der Darstellung, was moderne Schuhe leisten können und was nicht, hätte es auch hier nahe gelegen, auf die Alternative barfuß laufen hinzuweisen. Ein gewisses Training vorausgesetzt, entstehen hiermit gar nicht erst die Probleme, die die Sportschuhindustrie mühsam wegzukonstruieren versucht.
  • Einseitig atheistische Darstellung

    12.01.2007, Prof. Dr. Jürgen Schnack, Osnabrück
    Seit einigen Ausgaben geben Sie Herrn Michael Springer in Ihrer Zeitschrift breiten Raum, seine atheistische Meinung zur Religion darzustellen. Ich muss sagen, dass mich die Auslassungen bisweilen bitter an den Unterricht über den dialektischen und historischen Materialismus erinnern, den ich in der DDR genießen durfte.
    Herr Springer wählt in seinen Darstellungen die Tatsachen so aus, dass sie in sein Argumentationskonzept passen.
    Die christliche Kirche sei stets hemmend und Neuem gegenüber nicht aufgeschlossen gewesen. Hier muss natürlich sofort Galilei herangezogen werden, wie natürlich auch nicht verschwiegen werden darf, dass Kardinal Ratzinger quasi die historische Verlängerung der Inquisition ist.
    Dass über Jahrhunderte die Ausbreitung von Schrift, Literatur und Kunst nur über die Klöster erfolgte, braucht in so einer Argumentation natürlich nicht weiter beachtet zu werden.
    Im weiteren Verlauf sind nicht alle Gedanken schlecht, aber eben stark mit Polemik verwoben. Der Spott von Ernst Haeckel über Gott als gasförmiges Wirbeltier ist einfach nur beleidigend und hätte in einem seriösen Artikel nichts zu suchen.

  • Von psychischen Phänomenen müsste man mehr wissen

    12.01.2007, Ingo-Wolf Kittel, Augsburg
    Die Diskussion über Wesen und Herkunft von Bewusstsein ist trotz der weitreichenden Anregungen durch den verstorbenen Princeton-Psychologen Julian Jaynes in seinem Klassiker Die Entstehung des Bewusstseins... (dt. 1988/1993) leider nicht sehr vorangekommen. Man kann aber andere bekannte psychische Phänomene zum Vergleich der gestellten Frage heranzuziehen versuchen, ob die Registrierung reizspezifischer Hirnaktivitäten bei Wachkoma-Patienten auf das Vorhandensein von Bewusstsein deutet.

    Beispielsweise sind auch Menschen in tiefster Hypnose und anderen Trancezuständen wach und noch dazu ohne jede Störung. Trotzdem sind sie in spezifischer Weise nicht bewusst, in diesem Fall genauer: sich ihrer selbst nicht selbst bewusst. Mit dieser etwas künstlich klingenden, jedoch bewusst gewählten und absichtlichen Ausdrucksweise soll der Umstand wiedergegeben werden, dass die Aufmerksamkeit von Menschen in Trance so extrem hochgradig auf die Wahrnehmung spezifischer, vorwiegend innerer Vorgänge eingeschränkt ist, dass sie sonst nichts bzw. alles andere nicht wahrzunehmen scheinen; jedenfalls reagieren sie von sich aus darauf in keiner für andere erkennbare Weise und erinnern sich von sich aus auch nicht ohne weiteres daran. So reagieren Menschen in Hypnose auch auf sehr starke Schmerzreize nicht, ein Umstand, den bekanntlich Zahnärzte nutzen. Und ohne ausdrückliche Suggestion erinnern sich diese Menschen nach Beendigung der Hypnose an nichts.

    Selbstbewusstsein kann also spezifisch ab- oder "ausgeschaltet" oder besser gesagt aufgegeben werden. Das weiß jeder! Jeder Mensch gibt sein Bewusstsein im dem Moment auf, wenn er einschläft, und das dann meist auch gleich für Stunden. Unser übliches Verständnis von Bewusstsein schließt Selbstbewusstsein immer mit ein. Die Forschung wird sehr genau die Unterschiede und Ähnlichkeiten der Ergebnisse der Anwendung aller möglichen und sinnvollen hirnphysiologischen Registriermethoden beim natürlichen Schlaf, in Trance und im Wachkoma einerseits und im Wachzustand andererseits vergleichen und analysieren müssen, um neurophysiologische Hinweise oder sogar spezifische Indizien dafür zu finden, ob Menschen im Wachkoma "bei Bewusstsein" sind, nur sich nicht äußern können wie beim Locked-In-Syndrom.
  • Biodiesel

    12.01.2007, Barbara Neumann
    Der Kommentar spricht mir aus dem Herzen - endlich einmal eine kritische Auseinandersetzung mit der "grünen" Energie. Mich ärgert diese einseitig gehaltene "regenerative Energie-"Debatte schon lange. Obgleich Umweltorganisationen auf die Problematik der Pflanzenöl-Energie hinweisen, wird nur selten Kritik an neuen Pflanzenöl-Heizkraftwerken laut. Wir verbrennen Palmöl, für dessen Gewinnung Regenwälder abgeholzt werden mussten, und wundern uns dann, warum noch so wenig grüne Lunge da ist, um Kohlendioxid zu speichern - welch ein Paradoxon! Auch bei regenerativen Energien, und gerade dort, sollte man die Aspekte Nachhaltigkeit, Umwelt- und Sozialverträglichkeit nicht aus den Augen verlieren.
  • Welche Alternativen?

    12.01.2007, Ingrid Zeisberger
    Liebe Redaktion,

    es stimmt mich zwar wirklich sehr traurig, dass für die Biodiesel-Aktivitäten der Industriestaaten offensichtlich große Teile der Regenwälder in Ländern der Dritten Welt gerodet werden. Das ist wirklich eine Schande! Da stimme ich dem Kommentar von Herrn Lingenhöhl voll und ganz zu.

    Aber wenn ich es richtig verstanden habe, verweist der Artikel "Zumindest eine Perspektive - Die Zukunft des Biodiesels" von Gerhard Samulat doch gleichzeitig auf ein effizienteres Herstellungsverfahren, das "Biomass to Liquid" genannt wird. Der daraus gewonnene Biodiesel der 2. Generation soll doch vorzugsweise aus land- und forstwirtschaftlichen Reststoffen sowie aus organischen und sogar Kunststoffabfällen kommen. Zudem basiert dessen Herstellung oft auf einer dezentralen Beschaffungsstruktur und konkurriert darüber hinaus nicht mit der Lebensmittelindustrie. Ich weiß nicht, was daran verkehrt sein soll?

    Haben die Umweltaktivisten denn an allem etwas auszusetzen? Wo bleiben die Vorschläge für Alternativen? Sicher sollte man versuchen, mit den Ressourcen der Erde sparsam umzugehen. Doch nach wissenschaftlicher Erkenntnis liegt darin ausschließlich ein Einsparungspotenzial von etwa 30 Prozent.

    Woher soll der Rest kommen, fragt sich
    Ingrid Zeisberger, Wiesbaden
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Frau Zeisberger,



    die von Ihnen erwähnten Biodiesel der 2. Generation können mit Sicherheit einen Teil zu unserer nachhaltigen Energieversorgung beitragen - sofern es sich tatsächlich um nachhaltig gewonnene Rohstoffe handelt.



    Soweit ich aber auf dem laufenden Stand der Dinge bin, handelt es sich bei den von Herrn Samulat vorgestellten Verfahren zum Teil noch um reine Prototypen. Deren weitere Erforschung begrüße ich selbstverständlich - genauso wie Verfahren, die eine bessere Verwertung organischer Restsubstanzen aus der Nahrungsmittelproduktion zum Ziel haben.



    Dennoch bleiben Fragen offen: Wer garantiert beispielsweise, dass nicht auch die Biodiesel der 2. Generation aus Soja- oder Ölpalmprodukten erzeugt werden - weil ihr Import kostengünstiger ist als die (Reste-)Verwertung von einheimischen Pflanzen? Oder dass nicht doch auch in Deutschland extra für die Energieerzeugung Landwirte von Nahrungsmittelproduktion auf Biosprit-Gewächse umsatteln - und hiesige Rinder anschließend mit Soja aus Amazonien statt mit Mais aus Bayern gefüttert werden müssen? Ohne ausreichende und vor allem streng kontrollierte Überwachung durch eine EU-Zertifizierung kann dies nicht ausgeschlossen werden. Entsprechende Maßnahmen sind bislang jedoch überhaupt nicht vorgesehen.



    Bis die von Herrn Samulat erwähnten Maßnahmen - etwa der Umwandlung von Altkunststoffen in Treibstoffe - marktreif sind, wird zudem wohl noch etwas Zeit ins Land gehen. Die Regenwälder Asiens und Brasiliens werden aber gerade jetzt aus den von mir genannten Gründen abgeholzt. Zugleich meldet gerade das Chicago Trade of Board, dass unter anderem Mais den höchsten Preisstand seit zehn Jahren erreicht hat, weil er in zunehmenden Maße in Ethanol zur Kraftstoffnutzung umgewandelt wird.



    Biokraftstoffe könnten also eine Energiealternative für die Zukunft sein - wenn sie strengsten ökologischen Kriterien entsprechen. Bis jetzt sehe ich aber noch keine Anzeichen, dass sie diesem Anspruch genügen.



    Mit den besten Grüßen


    Daniel Lingenhöhl


    Redaktion spektrumdirekt
  • Aufladen an der Steckdose

    11.01.2007, Hanspeter Maier, Mörfelden
    Immer wieder vermisse ich bei den Stromquellen zur Wiederaufladung von multivalenten Energiespeichern die Erwähnung von Überschüssen aus Windkraftwerken. Die Stromverkäufer führen an, sie hätten dafür keine Verwendung. So, wie die Überschüsse aus den Atomkraftwerken nachts über Grundstromempfänger in die Niedertarifverbraucher geleitet werden, könnte man über eine zweite Frequenz einen noch darunterliegenden Tarif anbieten - zum Aufladen von Autos, Speichern von Solarheizungen, Hochpumpen in die Speicher von Wasserkraftwerken ... Ich wette, wenn ein solcher Tarif einigermaßen attraktiv gestaltet wird, fällt unserer Wirtschaft noch ein Haufen weiterer Möglichkeiten ein. Denken Sie nur, wie schnell die Prozesse umgebaut wurden, als das Beseitigen von Giftmüll nicht mehr kostenlos war. Das Gewinnstreben folgt den Rahmenbedingungen, und die müssen eben richtig gesetzt werden.
    Antwort der Redaktion:
    Antwort des Koautors Dr. Dr. Reinhard Löser:

    Im Prinzip haben Sie Recht, wenngleich in Ihrer Argumentation einiges durcheinander purzelt: „Stromverkäufer“ sind nicht allein die überregionalen Energieunternehmen, sondern auch die Windmüller, die auf Basis der Einspeiseverordnung (Gesetz zur Vergütung erneuerbarer Energien von 2004) ihren Strom abgenommen bekommen. In Spitzenzeiten ist jeder Energiebeitrag willkommen, auch der aus Windkraft. Problematisch wird es dann, wenn dieser Beitrag nicht planbar ist.

    Der in großen Kohle- und Kernkraftwerken anfallende Grundstrom versorgt vor allem nachts zum einen die unternehmenseigenen Pumpspeicherwerke, damit diese für Spitzenbelastungen zusätzliche Energie bereithalten, und zum anderen Privat- und Geschäftskunden zum Nachtstromtarif (seit 1.1.2007 ist mit rund 10 ct/kWh der Kostenunterschied zum Tagstrom allerdings nicht mehr so groß). Der in unserem Spektrum-Beitrag vorgebrachte Vorschlag, Hybridfahrzeuge als Puffer am Netz zu lassen, um dessen Speicherkapazität zu erhöhen, deckt sich mit Ihrem Vorschlag. Im Übrigen liegen Sie mit Ihrer Forderung nach optimalen und verlässlichen Rahmenbedingungen goldrichtig.

  • Glückwunsch!

    07.01.2007, Edith Kleine-Albers, 86938 Schondorf
    Glückwunsch!
    Einer, der es wagt, Aussagen des Papstes offen kritisch zu interpretieren!
    Es wird mir ohnehin immer unverständlich bleiben, wie Millionen von Katholiken einen ehemaligen Angehörigen der Inquisition (später umbenannt, damit es nicht mehr auffällt, inhaltlich das- selbe) als ihr Oberhaupt anerkennen kann.

    Edith Kleine-Albers
  • Wann endete das Mittelalter?

    07.01.2007, Peter Kohler
    "Syphilis wurde aus Amerika eingeschleppt und war eine der gefürchtetsten Seuchen des Mittelalters."

    Haben sich Kulturwissenschaften und Geisteswissenschaften schon so weit auseinander entwickelt, dass Verfasser und Lektoren bei einem populärmedizinischen Artikel das Mittelalter erst mit der Einführung des Fernsehers enden lassen?
    PS: Für mich endet das Mittelalter erst, wenn keiner mehr an Horoskope glaubt.

    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Kohler,



    hoppla, da ist uns tatsächlich ein Fehler durchgerutscht - die Syphilis-Epidemie um 1500 fällt natürlich schon in die Neuzeit. Fraglich allerdings bleibt, ob Kolumbus die Krankheit überhaupt eingeschleppt oder sie den Weg nach Europa schon früher gefunden hat - Skelettfunde in England lassen darauf schließen, dass womöglich bereits die Wikinger den Erreger mitbrachten.



    Danke für Ihren Hinweis, die Textpassage ist entsprechend geändert.


    Mit freundlichen Grüßen



    Antje Findeklee, Redaktion
  • Probleme und ihre Ursachen

    06.01.2007, Jens Coldewey, München
    Diesen Beitrag kann ich nicht unwidersprochen lassen.

    Die von accenture (und nicht, wie im Artikel behauptet von T-Systems) gebaute Internetjobbörse der Bundesagentur für Arbeit hat mit der (von T-Systems als Generalunternehmer verantworteten) Software zur Unterstützung des Arbeitslosengeldes II („Hartz IV“) bis auf den Auftraggeber kaum etwas gemeinsam. Insbesondere zeigten die beiden Projekte jeweils sehr unterschiedliche Problemstrukturen. Üblicherweise reichen diese Probleme von grundsätzlichen Mängeln im europäischen Ausschreibungsrecht über unrealistische Vorstellungen der Auftraggeber und unklare fachliche Vorgaben bis hin zu Kommunikations- und Managementfehlern und handwerklichen Problemen. Der Artikel adressiert stillschweigend nur die letzte Klasse von Problemen, erweckt aber den Eindruck, eine allgemeine Lösung für sicherere Projektabwicklung anzubieten.

    Tiefschichtige Ursachen und nicht reine Konstruktionsfehler oder gar Schlamperei lagen auch dem Absturz der Ariane V zu Grunde. Die geschilderte Ursachenkette für den Absturz unterschlägt, dass das Problem auftrat, weil die neue Rakete auf Grund einer flacheren Flugbahn und geänderter Startprozeduren das erprobte Modul mit völlig neuen Bahnparametern betrieb. Zwar war der geschilderte Überlauf Auslöser für den Absturz, die Ursache lag jedoch in einer unzureichenden Fehlerbehandlung und Lücken im Testverfahren, die ihrerseits auf Zeitdruck und Fehlentscheidungen im Management zurückzuführen waren.

    Die Vorstellung, Programmierer schrieben zunächst den gesamten Quellcode auf, bevor die ersten Tests gemacht werden, stammt aus den siebziger Jahren. Heutige Verfahren arbeiten schon lange mit abgestimmten Stufen von Teiltests, moderne Verfahren sogar mit einem ständigen Wechsel zwischen Konstruktion und Verifikation, zum Teil mehrmals pro Stunde.

  • Altgriechische Vernunft und christlicher Glaube

    06.01.2007, Bernd Ehlert, Bad Rodach
    Es lohnt sich, die von Benedikt genannte Synthese zwischen altgriechischer Philosophie und Christentum, auf die er als Zweischwingenthese die Überlegenheit des Christentums gründet, einmal genauer und wissenschaftlich zu betrachten. Bezüglich des Kerns des Christentums, nämlich der endgültigen Definition des christlichen Gottesbildes ca. 300-400 Jahre (!) nach Christus heißt es etwa in dem Buch „Plotin und der Neuplatonismus“ von Jens Halfwassen (München 2004): „Es gehört zu den merkwürdigsten Ironien der Geschichte, dass ausgerechnet der erklärte Christenfeind Porphyrios mit seinem trinitarischen Gottesbegriff, den er aus der Interpretation der Chaldäischen Orakel entwickelte, zum wichtigsten Anreger für die Ausbildung des kirchlichen Trinitätsdogmas im 4. Jahrhundert wurde. […] Es war ausgerechnet Porphyrios, der die rechtgläubigen Kirchenväter gelehrt hatte, wie man die wechselseitige Implikation und damit die Gleichwesentlichkeit von drei unterschiedenen, aber nicht getrennten Momenten in Gott mit der Einheit Gottes zusammendenken kann, wodurch die Gottheit Christi erst mit dem biblischen Monotheismus vereinbar wurde“ (S. 152).
    Befindet sich das Christentum heute gemäß der Zweischwingenthese von Benedikt in bester Übereinstimmung mit der neuplatonischen Philosophie, der es sein Gottesbild zu verdanken hat? Nein, denn Porphyrios lehnte wie sein Lehrer Plotin jede Bestimmung des Absoluten strikt ab, d.h. nicht nur den Glauben an einen personalen Gott, sondern erst recht den an seine Menschwerdung. Der trinitarische Gottesbegriff der griechischen Philosophie stand metaphorisch für den besonderen Erkenntnisprozess des Einen, Absoluten in der menschlichen Seele. Die Christen übernahmen diese Metapher der damaligen Philosophie und Wissenschaft, setzten sie aber mit dem Absoluten gleich und bezogen es auf den Menschen Jesus. Während die dreieinige Gottesvorstellung im Neuplatonismus dazu diente, als reine Metapher „die Übereinstimmung Platons mit der religiösen Weisheit aller alten Kulturvölker, namentlich der indischen Brahmanen, der Juden, der Magier (der Anhänger Zarathustras) und der Ägypter“ (Halfw. S. 149) herzustellen, indem die religiösen Inhalte ihrer mythischen Vorstellungsformen entkleidet und in philosophische Begriffe übersetzt wurden (vgl. Halfw. S. 149), bildeten die Christen aus dieser Metapher eine neue mythische Vorstellungsform, in der sie meinten, das Absolute exklusiv erkannt zu haben und zu besitzen – und machten damit, als sie im Römischen Reich an die Macht kamen, den umfassenden Einigungsversuch von Porphyrios zunichte.
    Was das bis heute bedeutet, verdeutlicht eine Aussage Nikolaus von Kues über die Mohammedaner oder Sarazenen: „Mit diesen bekennen die Juden gleicherweise den Messias als größten, vollkommensten und unsterblichen Menschen, dessen Gottheit sie, durch dieselbe teuflische Blindheit gehindert, leugnen“ (N. v. Kues, Die belehrte Unwissenheit, Buch III, Hamburg 1999, S. 59). Heute wird das nicht mehr offen so gesagt, nur manchmal rutscht es in einer Rede doch heraus. Während die Menschen heute immer noch der anthropomorphen Gottesvorstellung anhängen, die meint, das Absolute in dem jeweiligen Bild exklusiv erkannt zu haben und es sogar mit einem historischen Menschen identifiziert, war das für Porphyrios und Plotin ein „Rückfall in den schon von Platon und dem Vorsokratiker Xenophanes (6.Jahrhundert v. Chr.) bekämpften Anthropomorphismus“ (Halfw. S. 151). Xenophanes, auch Sturmvogel der griechischen Aufklärung genannt, hatte schon 500 Jahre vor Christus gespottet, dass, wenn Pferde Götter hätten, diese wie Pferde aussehen würden.
    Die Zweischwingenthese von Benedikt funktioniert nicht, sondern beinhaltet einen Anachronismus, den die alten Griechen, auf die sich Benedikt mit dieser These beruft, schon lange überwunden hatten. Die Situation im so genannten Heiligen Land der drei abrahamitischen Weltreligionen, die allesamt weiter der anthropomorphen Gottesvorstellung frönen, gibt gut und treffend die letztendlichen Folgen und Konsequenzen dieses Weltbildes wieder.

  • Wie Genies (nicht) denken

    06.01.2007, Wolfgang Gegner
    Der Artikel leistet der Methode der Wissenansanhäufung Vorschub, die uns in das Pisa-Dilemma geführt hat. Schachcomputer erreichen inzwischen großartige ELO-Werte, aber noch keiner hat sich bislang darum bemüht selbst ein Schachprogramm zu schreiben. Während vielfältig über das Wesen der Intelligenz nachgedacht wird, betrachtet der Autor dieses Problem als seit 100 Jahren eindeutig gelöst.

    Dieser Beitrag eignet sich bestens als Schlußbeitrag einer Schachzeitschrift. Die Qualität der Argumentation halte ich jedoch einer Zeitschrift mit dem Anspruch Wissenschaft für nicht würdig; schon gar nicht als Titelbeitrag.
  • Maxwellscher Dämon aus der Nano-Tube gelassen ?

    05.01.2007, Dr. Thilo Weitzel, CH-3037 Herrenschwanden
    Laut Ihrer Meldung hat die Arbeitsgruppe um Prof. Zettl einen "thermischer Gleichrichter" realisiert. Falls dieser tatsächlich in der geschilderten Form thermische Energie zwischen zwei Reservoiren asymmetrisch überträgt, sollten sich demzufolge statistische thermische Fluktuation "gleichrichten" lassen.

    Wie der Redakteur richtig bemerkt, würde der Effekt damit nach Art des Maxwellschen Dämons den zweiten Hauptsatz verletzen.

    Ein Kühlschrank auf Basis einer Verletzung des zweiten Hauptsatzes !?

    Dieses Thema darf nicht unkommentiert stehen bleiben:
    Entweder findet sich (wie bei allen Versuchen bisher) der untrennbar zugehörige "Gegeneffekt", der eine (makroskopische) Verletzung des zweiten Hauptsatzes unterbindet oder das Thema verdient demnächst ein Sonderheft ....

    Bitte berichten Sie weiter !

  • Der Heilige Gral wurde gefunden !

    04.01.2007, Gunter Blache, Ludwigsburg
    So liest sich dieser Artikel: man muss nur ein bestimmtes Tool einsetzen, und schon hat man fehlerfreie Software. Aber so einfach ist es leider nicht.
    In der gut dreißigjährigen Geschichte der Softwareentwicklung wurde oft und immer über die schlechte Qualität geklagt und eine Vielzahl von Heilmitteln vorgeschlagen, die bis heute kaum Wirkung gezeigt haben (höhere, objektorientierte Programmiersprachen, CASE-Werkzeuge, strenge Prozesse, agile Methodiken usw.). Jeder Fortschritt wurde aufgezehrt durch umfangreichere Funktionen und engere Zeitpläne.

    Bei Softwareverifikation im Speziellen gibt es folgende Probleme:
    * Entwickler müssen in der formalen Spezifikation geschult werden. Hier gibt es teilweise erhebliche Widerstände.
    * Aktuelle kommerzielle Software ist viel zu komplex, als dass verfügbare Werkzeuge den Beweis von Korrektheit in akzeptabler Zeit führen könnten.
    * Die Einführung bedeutet eine erhebliche Investition, die vielerorts politisch nicht durchsetzbar ist (der Abstand zwischen dem Stand der Forschung und der Praxis ist notorisch groß, auch in anderen Bereichen).
    Andere Forscher denken in Zeiträumen von 15-20 Jahren, um diese Technik zu entwicklen, und beginnen mit kleinen Projekten (siehe. Z.B. http://vstte.inf.ethz.ch/pdfs/vstte-hoare-misra.pdf).

  • Verbrauchsvorteile???

    02.01.2007, A. Murr
    Auch das Argument des Verbrauchsvorteils ist m.E. nicht klar erkennbar... es gibt derzeit etliche Serienfahrzeuge auf dem Markt, die ohne den technischen Aufwand eines Hybridfahrzeugs einen Kraftstoffverbauch von unter 5l/100km haben.