Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Nicht zu wenig Genies, nur zu wenig Förderung

    02.03.2007, Christina Riemenschneider, 31180 Ahrbergen
    Ich selber gehe auf eine Ganztagsschule und sitze fast täglich bis um viertel nach vier in der Schule. Somit bleibt nur wenig Freizeit und man kann seinen Hobbys nicht nachgehen. Dieses Schuljahr habe ich an den Wettbewerben "Internationale Chemieolympiade", "Jugend-forscht", "Jugend-testet" sowie am "Bundeswettbewerb Mathematik" teilgenommen, doch fehlt mir oft die Zeit, alles unter einen Hut zu bringen. Erfolg habe ich schon - zunächst erster Platz in Chemie, Einladung zum Landeswettbewerb - doch würde ich viel lieber jetzt schon im Labor arbeiten und mich auf bestimmte Themen spezialisieren. Zum Beispiel interessiere ich mich für die posttranslationalen Proteinmodifikationen: Ubiquitinierung und SUMOylierung, doch hilft mir da der Unterricht nicht weiter. Ich hoffe auf eine Besserung des Schulsystems und eine Erleichterung für die Schüler, die etwas leisten wollen.
  • Enttäuschend

    02.03.2007, Götz Werner, Brensbach
    Ich bin enttäuscht, daß Sie sich offenbar vom Anspruch, eine ernstzunehmende wissenschaftliche Zeitschrift zu sein verabschiedet haben. Was hat dieser Artikel mit Wissenschaft zu tun? Das entspricht nicht Ihrem sonstigen Niveau. Und was hat Sie veranlasst, einen Autor zu Wort kommen und für seine Produkte sprechen zu lassen, der mit fehlerhafter, nicht offener Software ein Multi-Milliarden-Vermögen erwirtschaft hat?
    Hoffentlich war das ein einmaliger Ausrutscher.
  • Die Berühmte Kinderfrage WARUM?

    01.03.2007, Guido Waldenmeier, Schorndorf
    Lieber geistreicher Schreiber,
    gehört der "Fortschritt" in Ihrer Denkweise
    nicht auch dazu?Die Illusion, dass man vielleicht mehr durchblickt als andere.
  • Standards brauchen freie Systeme

    27.02.2007, Dr. Stefan Meretz
    Ich bin, gelinde gesagt, erstaunt darüber, dass Sie Bill Gates im redaktionellen Teil Werberaum zur Verfügung stellen. Ausgerechnet der Gründer der Firma, die sich durch kontinuierliches Agieren gegen offene Standards auszeichnet, darf dann über fehlende Standards lamentieren. Das Editorial assistiert: "Lediglich fehlende Standards beim Betriebssystem" beklage Gates. Soll heißen: Nehmt doch das von Microsoft. Diese Firma kennt nur proprietäre Produkte, die andere von der Nutzung ausschließt. Echte Standards werden regelmäßig "ergänzt" bis per Marktmacht das Diktat erreicht ist. Die EU-Kommission hat dieses Verhalten zu Recht mit einer Strafe belegt. Standards verdienen den Namen nur, wenn sie offen und transparent sind. Das erfordert die Offenlegung der Referenzimplementationen. Nur freie Open Source Software kann das gewährleisten. Roboter für jedermann gibt es nur mit einem offenen Betriebssystem für jeden, das offene Standards implementiert - GNU/Linux ist sein Name.
  • Peinlich

    27.02.2007, Pascal Pucholt
    Hier ist Ihnen aber ein peinlicher Fehler unterlaufen, oder wollten Sie tatsächlich Trisomie-23 in der Überschrift schreiben?
    Antwort der Redaktion:
    Hallo Herr Pucholt,



    Hoppla - das war wohl nicht gerade eine Frage des Wollens. Und (fast) schon eher spannend als peinlich, was einem beim Überschriften-Texten so passieren kann, sobald die Finger dem Gehirn davonlaufen. Vielen Dank für den Hinweis - ich habe meinen Lapsus mittlerweile beschämt vertuscht.



    Weiterhin viel Spaß und Gewinn beim Lesen von spektrumdirekt,



    Jan Osterkamp,

    Redaktion
  • Metaphysische Erkenntnisfalle

    26.02.2007, Johannes Schmitz-Sauermann, Walberberg
    1. Würde der Autor seinen Auftakt „Wissenschaft entlarvt Illusionen“ als Illusion oder als Fortschritt einstufen?
    2. Welche Bedeutung haben für ihn generell die Vokabeln „entlarven“, „Enttarnung“, „scheinen“, „lockerer Sprachgebrauch“, „Fachleute“, „ist das wirklich so“ etc., wenn nicht die, dass es einen gesellschaftlich ausgewiesenen Bereich gibt, der so etwas wie Wahrheit, Wissen oder Erkenntnis produziert? Dass es hinter dem Schein ein Sein gibt oder zumindest einige Aussagen wahrer, nützlicher, besser sind als andere?
    3. Da der Autor u.a. Professor für Philosophie ist, sollte es auch in einem polemischen Essay möglich sein, die eigenen metaphysischen Bedingungen und Grundlagen der Argumentation zu bedenken; denn als was tritt hier die Wissenschaft, insbesondere die Biologie und die Evolutionstheorie auf? Als was wird uns das Gehirn hier eigentlich verkauft („ähnel(t) dogmatischen Egozentrikern“)?
    4. Viele Aussagen in seinem Aufsatz entbehren der Begründungen, Erläuterungen, Definitionen und Differenzierungen. Vor allem wäre eine Unterscheidung von Evolution als naturwüchsigem Prozess von der Geschichte als Menschenwerk qua kulturellem Lernprozess schon sinnvoll. Wissensstände werden, soweit ich weiß, nicht von der Natur evolviert, sondern als Traditionen - unter anderem in akademischen Institutionen - überprüft, verändert, erweitert und weitergegeben. Auch scheint mir sein Begriff der Nützlichkeit, den er ja gegen den des Fortschritts ausspielen möchte, gerade einer sehr subjektiven Sphäre zu entpringen und kaum geeignet, seine Tirade gegen Objektivität zu unterstützen. Nebenbei: Ist denn die Naturwissenschaft ohne diese denkbar?
    5. Unterdessen greift die instrumentelle Vernunft schon listig in Naturprozesse ein! Klimakatastrophe – auch Menschenwerk. Gerade die Biologie durch ihre genetischen Eingriffe in die „Welt ‚da draußen’“(!) gebiert ganz ordentliche Illusionen über Machbares und Wünschenswertes, ohne sich für die Folgen zuständig zu erklären – oder?
    6. Wen greift der Autor überhaupt an? Gegen wen will er was verteidigen? Wer behauptet etwa, dass Fortschritt eine (ausschließlich?!) biologische Kategorie sei oder gar einen archimedischen Punkt brauche?
    7. Der Autor vermischt sehr vieles und lässt vieles ungeklärt. Den Fortschrittsbegriff schon hätte er als normativen ausweisen sollen, statt polemisch der Wissenschaft (welche eigentlich?) ‚zersetzende Kraft’ und ‚schonungslose Analyse’ (wem gegenüber eigentlich?) zu attestieren. Ein recht merkwürdiges Wissenschaftsverständis. Ironischerweise widerspricht dies aber der gesamten Textaussage, das Gehirn sei einzige Realität. Denn dies wird ja als objektiv wahr behauptet. Gödel lässt grüßen!
  • Roboter und Windows?

    24.02.2007, Rolf Wroblewski, Bremen
    Wenn ich mir vorstelle, dass Roboter (oder allgemeiner: Haushaltsmaschinen) mit Software aus dem Hause Microsoft betrieben werden soll(t)en, wird wird mir jetzt schon ganz anders. Mit den üblichen Sicherheitslöchern ausgestattet - wozu lässt sich dann z.B. ein Küchenroboter missbrauchen? Oder die andere Seite: welche persönlichen Daten landen dann wo? Und vielleicht sollte man auch eines Herrn Asimov gedenken (Robotergesetze in der Art "Ein Roboter darf keinem Menschen (Wesen) schaden...).
    Bevor Roboter geschaffen werden, sollten erst die allgemeinen Prinzipien festgelegt werden, unter denen sie arbeiten - unabhängig von Staat und Industrie!
  • Nicht nach Christa benannt

    24.02.2007, Wolfgang Schlegel, Stuttgart
    Schöner Artikel und ein Thema, das mich persönlich sehr anspricht - aber eine kleine kritische Anmerkung hätte ich doch: Die gefalteten inneren Membranen der Mitochondrien sind keineswegs auf den Namen "Christa" getauft, sondern verzichten auf den Buchstaben "h". Sie haben im Schnittpräparat ein zackenartiges Aussehen und heißen deshalb "Cristae" nach dem lateinischen Wort für "Kamm".
  • Der ewige Kreis

    22.02.2007, Martin Gastel
    Um den Wahrheitsgehalt an Aussagen zu überprüfen, verwenden wir ebenso definierte Begriffe, die uns die gegebene Welt (oder das Gehirn) erfahren lässt. Wir nehmen uns als "Selbst" wahr, bekommen Reflexionen aus der Welt, interpretieren und analysieren sie. Ein Bild entsteht als Konstrukt. Bis heute auch immer noch ganz gut. Nehme ich das Wort "Fortschritt", dann verbleiben wieder viele Möglichkeiten der Interpretation. Ein "Fortschreiten" kann Entfernen bedeuten, ebenso kann es auch eine theologische Betrachtungsweise zulassen. Selbst das "Ziellose" schreitet fort.
    Es fragte die Frage den Kreis: "Bist Du ein Symbol der Endlichkeit in der Unendlichkeit oder bist Du die Unendlichkeit in der Endlichkeit". Daraufhin antwortete der Kreis: "Frage den ersten Punkt. Erhälst Du keine Antwort, so frage den nächsten. Erhälst Du wieder keine Antwort, so frage immerzu den nächsten. Doch bedenke, den ersten, den Du fragst, legst Du selber fest.
  • Versuch mit zwei Schrödinger-Katzen

    22.02.2007, Dr. Thomas W. Richter, Münchberg
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich wende mich an Sie in der Eigenschaft als Herausgeber eines anerkannten Wissenschaftsmagazins. Mich treibt seit mehreren Tagen eine Frage um, die ich weder selbst beantworten kann noch im Internet oder in der Literatur Antworten gefunden habe. Darauf gekommen bin ich durch das Buch von Jahn Gribbins, Schrödinger Kätzchen..., in dem ein Versuchsaufbau eines Gedankenexperimentes zur Quantenwirklichkeit beschrieben ist. Hier meine abgewandelte Version:

    Wir haben eine Kiste mit zwei Katzen (o.ä.) und ausreichend Wasser und Nahrung in zwei gegenüberliegenden Seiten sowie zwei Höllenmaschinen an den gegenüberliegenden Seiten, die die Anwesenheit eines frei fliegenden Elektrons registrieren können und bei Registrierung Giftgas auströmen lassen. In der Kiste ist noch eine Kiste mit einem Elektronenerzeuger. Solange wir die innere Kiste nicht öffnen, ist der gesamte Raum der inneren Kiste der Aufenthaltsort des Elektrons zu 100%. Nun teilen wir die äußere UND innere Kiste exakt in zwei gleiche Hälften in einem Schritt. Dadurch ist die Aufenthaltswahrscheinlichkeit des Elektrons in der inneren Kiste je 50% für jede Hälfte. Wir schieben nun die beiden Hälften voneinander weg und öffnen die jeweils beiden Hälften der inneren Kiste zum Inneren der äußeren Kiste. Nun ist die Aufenthaltswahrscheinlichkeit des Elektrons in den jeweils getrennten Kisten exakt 50%. Nach der Kopenhagener Deutung ist damit der Zustand der Katzen unbestimmt. Sie sind jeweils tot und lebendig zugleich. Soweit so gut.

    Nun lassen wir die Kiste ein paar Monate ungeöffnet - die Katzen haben ja genug Wasser und Nahrung. Nun machen wir eine Kiste auf, damit fällt die Wahrscheinlichkeitswelle zusammen und der Zustand ist wirklich. Wie wirklich??? Nehmen wir an, wir öffnen die Hälfte der Kiste in der sich das Elektron nun befindet - dann lebt die Katze sofort in der anderen Hälfte. Aber wie ist der Zustand der toten Katze? Wird sie erst sterben mit Öffnung der Kiste oder war sie schon tot und ist skelettiert, was ich annehme? Heißt das nicht, der Zusammenfall der Wahrscheinlichkeitswelle wirkt in die Vergangenheit?

    Nehmen wir den Fall an, sie war schon tot, der Zusammenbruch der Wahrscheinlichkeitswelle wirkt rückwirkend in die Vergangenheit. Dann verändere ich den Versuchsaufbau so, dass nicht Giftgas ausströmt bei Anwesenheit des Elektron, sondern eine Bombe hochgeht, die alles im Umkreis von zig Metern zerstört. Nun bleibt der potentielle Beobachter die ganzen Monate bei den Kisten. Er öffnet wieder eine Kiste und es ist wieder diejenige mit dem Elektron. Geht erst jetzt die Bombe hoch oder war sie schon hochgegangen. Wenn das Letztere zutrifft, wie kann der Beobachter sie öffnen, da er schon tot war/ist?

    Dieser Widerspruch ließe sich nur auflösen, wenn der Beobachter sich entscheidet, keine Kiste zu öffnen, mithin die Wahrscheinlichkeit schon VOR DER ÖFFNUNG der Kiste 100% beträgt, dass das Elektron in der anderen Hälfte ist. Das widerspräche aber der Kopenhagener Deutung (und lässt damit die Viele-Welten-Theorie Everetts bevorzugt erscheinen).

    Könnten Sie mich bitte aufklären, wo meine Gedankengänge einen Haken haben??

    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Richter,


    Ihr Versuch mit zwei Schrödinger-Katzen in einem nachträglich
    separierten Käfig erscheint mir als ein makroskopischer Eingriff, also ein Messvorgang. Das Einschieben der Trennwand zerstört die Kohärenz zwischen Elektron und Katzen; mit dem Halbieren des Käfigs messen Sie, in welcher Hälfte sich das tödliche Elektron befindet, und das wird dann durch den Tod der betreffenden (besser: betroffenen) Katze angezeigt. Wann Sie dieses Ergebnis durch Öffnen der Kiste nachprüfen, ist egal. Statt dem das Gift auslösenden Elektron hätten Sie ja auch
    ein klassisches Gasmolekül nehmen können, von dem Sie nach Einschieben der Trennwand nicht wissen, in welcher Hälfte es ist - bis es die eine Katze tötet.


    Ich habe nachgedacht, ob es eine quantenmechanische Version des Doppelkatzen- und -kastenversuchs geben könnte. Dann dürften Sie den Kasten NICHT durch eine eingeschobene Trennwand verändern. Angenommen, Sie haben zwei Katzen an den beiden Enden einer langen Kiste und in deren Mitte eine Strahlungsquelle, die innerhalb einer bestimmten Zeit mit 50% Wahrscheinlichkeit nach links und mit 50% nach rechts das tödliche Teilchen emittiert. Wenn Sie dann nach dieser bestimmten Zeit nachsehen, wie es z.B. der linken Katze geht, und finden, dass sie tot ist, dann wissen Sie augenblicklich, dass die rechte Katze lebt - oder umgekehrt. Das heißt, Sie haben das Einstein-Podolsky-Rosen-Experiment durchgeführt.


    Was nun Ihre Version mit der Bombe angeht, welche meterweit alles zerstört, so ist das, denke ich, wiederum ein - wenn auch ungewöhnlicher - Messprozess, das heißt eine Wechselwirkung zwischen Quantenzustand (allerdings mit der oben gemachten Einschränkung, dass ich sehr bezweifle, ob Ihr Trennwand-Versuch noch ein kohärenter Quantenzustand ist!) und makroskopischer Umgebung. Wenn es knallt (links oder rechts) und der eine oder der andere Kasten von selbst zerplatzt,
    wissen Sie augenblicklich, wo das auslösende Teilchen hingewandert ist.


    Schrödinger hat ja seinen Gedankenversuch bewusst mit einem Lebewesen als Teil eines kohärenten Quantenzustands formuliert, um ein (vermeintliches) Paradox zu konstruieren. In Wirklichkeit, so wird heute meist eingewandt, würde ein Lebewesen ohne fortwährende Wechselwirkung mit der makroskopischen Umgebung sofort verenden, das heißt, die Katze im Käfig würde selbst als Messgerät fungieren und den
    Quantenzustand im Kasten sofort kollabieren lassen, weil sie zumindest mit den Luftmolekülen in der Kiste wechselwirkt.


    Dr. Michael Springer
  • Atmung bei Haien

    21.02.2007, Heiko Schmied, Bonn
    In Ihrem sehr interessanten Artikel über Flugzeuge mit Scramjet-Technik, wurde diese mit Haien verglichen, die unentwegt vorwärts schwimmen müssen, um ihren Sauerstoffbedarf zu decken. Im Gegensatz zu früheren Lehrmeinungen, können jedoch alle bekannten Haiarten ihren kompletten Sauerstoffbedarf auch im Ruhen aufnehmen, da sie zum aktiven Ventilieren befähigt sind. Da ich selbst in einem Meeresaquarium gearbeitet habe, konnte ich diese Atemtechnik häufig beobachten. Auch wenn große Haie, wie z.B der Weiße Hai oder der Riesenhai, meist ständig in Bewegung sind, ersticken diese bei Bewegungslosigkeit nicht. Evolutiv währe dies auch wenig sinnvoll, da ein Schwimmen des Hais mit der Strömung seinen sicheren Tod bedeuten würde.

  • 2 Ebenen

    20.02.2007, Reino Kropfgans, 42119 Wuppertal
    Lieber Herr Professor Voland,
    jeder, der auf der Höhe der Zeit ist, was die wissenschaftliche Erkundung geistiger Schimären wie z. B. die der Ich-Konstruktion betrifft, kann Ihrer Einschätzung nur zustimmen. Innerhalb des Systems alltäglicher Selbstbehauptung ist Fortschritt nur die Möhre, die der Reiter dem Esel vor die Nase hält, um ihm ein Ziel zu suggerieren. Ergo ist die Fortschrittskonstruktion systemimmanent und keinesfalls kompatibel mit dem System des Absoluten, der Metaphysik und des sensorischen Vakuums.
    Aber genau dieser Eindruck entsteht bei der Lektüre, dass nämlich das eine „normale“ Bewusstseinsuniversum der Farben, Dualismen und sozialen Trennlinien gegen diesen anderen kosmisch schweigenden, weltlosen, ja transzendenten Raum abgeglichen oder gar ausgespielt werden soll. Sie sind offenbar überzeugt davon, „dass Menschen aus naturgeschichtlichen Gründen nicht in der Lage sind, ein Ende des evolutionären Wettrüstens zu verabreden“. Diese Gründe würden mich natürlich interessieren, zumal es immer „Aussteiger“ gegeben hat, die zumindest exemplarisch gezeigt haben, dass der gefürchtete Stillstand eine ebenso absurde Konstruktion darstellt wie die des Ichs oder die des Gewinnen-Müssens.
    Viele Philosophen haben sich in den letzten Jahren bekanntlich weg vom „luftleeren Raum“ hin zur Lebenswirklichkeit bewegt und so auch der interdisziplinären Vernetzung Rechnung getragen. Denkt man in dieser Richtung weiter, wird die Betrachtung von Fortschritt, Konkurrenz, Realität oder Glück sehr schnell politisch und es tauchen Begriffe auf wie Ethik, Macht, Gier, Bildung oder Lobbytum.
    Dass Zufriedenheit der Differenz bedarf, wage ich zu bezweifeln, wenn ich nur an die Zen-Mönche und –nonnen denke, denen ich begegnet bin: die sprühten vor Energie und Lebensfreude, weil sie sich dafür entschieden hatten, ihren Geist umzuformen. Sie hatten die Ebene gewechselt.
  • Kein Bock!

    16.02.2007, Dr. Karsten Tauber
    Netter Beitrag, allerdings hat der Redakteur schlampig die biologisch "korrekten" Begrifflichkeiten verwendet: es gibt keine "Hirschkühe" - das weibliche (in diesem Fall Wapiti)-Wild wird bei der Familie der Hirsche als "Tier" bezeichnet. Bsp. im Fall eines mehrjährigen weiblichen Stückes Rotwild handelt es sich um ein "Alttier", wohingegen ein weibliches Kalb entsprechend "Tierkalb" heißt. Das "männliche Pendant" dazu trägt als Vorsilbe "Hirsch-", z. B. "Hirschkalb". Gänzlich falsch ist auch die Bezeichnung "Bock" in Zusammenhang mit den Hirschartigen. Offensichtlich ist der Verfasser des Artikels auch ein "Anhänger der Bambi-Lüge" bzw. dieser zumindest aufgesessen (der Hirsch ist der Mann vom Reh, Hasen und Kaninchen sind ein und dieselbe Tierart, Jäger sind böse Mörder etc.). Eine bessere Recherche würde ich vor Artikelveröffentlichung begrüssen!

    Mit freundlichen Grüssen

    Dr. Karsten Tauber
    Antwort der Redaktion:



    Sehr geehrter Herr Tauber,



    herzlichen Dank für Ihre Hinweise. Hirschkuh und Hirschtier werden allerdings durchaus synonym verwendet - nur bei Jägern ist die Kuh unüblich. Der Bock allerdings ist wirklich falsch und wurde entsprechend verbessert.



    Mit freundlichen Grüßen,



    Antje Findeklee
  • Erhöhtes Blickfeld ausschlaggebend

    15.02.2007, Raimund Leistenschneider, Sindelfingen
    Da irren Frau Wong und die von ihr erwähnten Forscher, dass „ausdauerndes Laufen“ in der Frühzeit des Menschen etwas mit der Jagd oder dem Auffinden von Aas zu tun hatten (S. 37). Ausdauerndes Laufen bedeutete damals nicht das, was es heute bedeutet – Langstreckenlauf, sondern die Fähigkeit, Strecken kontinuierlich auf zwei Beinen zu gehen, ohne zwischenzeitlich (wie bei heutigen Menschenaffen zu beobachten) einen Arm zur Fortbewegung zu Hilfe zu nehmen.

    Dass das Auffinden von Aas („schnelles Erreichen“) in keinem Zusammenhang zum dauerhaften Laufen und einem damit verbundenen Selektionsvorgang steht, wird dadurch verständlich, dass es für das Auffinden von Aas keine schnelleren Lebewesen als Vögel (Geier) gibt. Diese sind von Weitem sichtbar, wenn sie Aas ausgemacht haben. Hominiden hätten diese nur zu beobachten brauchen und dann verjagen müssen (groß genug dazu waren Hominiden), wie dies auch heute noch z.B. Raubtiere tun. Von der Logik ist allerdings davon auszugehen, dass Hominiden Aas eher nicht aufgesucht hatten, da davon ausgegangen werden kann, dass sie wussten, dass Aas (und Geier) Raubtiere anlocken, so wie dies heute noch der Fall ist.

    Warum sich der aufrechte Gang und damit das „ausdauernde Laufen“ entwickelt und selektiert haben, ist klar und bekannt. Der dauerhafte aufrechte Gang hat sich aus dem gleichen Grund entwickelt und selektiert, warum wir auch heute noch einen Ausguck z.B. auf Schiffen so hoch wie möglich machen – je höher die Augen (dauerhaft!) in der Umgebung liegen, desto mehr Fläche über die Zeit kann überblickt werden und je weiter. Dies war für die Hominiden, die die Waldlandschaft verlassen hatten und im Busch-/Grasland lebten, überlebenswichtig.

    Hominiden waren damals bevorzugte Beute von Raubtieren, da sie im Vergleich zu heute lebenden Graslandaffen, wie z.B. Paviane schwach waren und vor allem nicht über ein Gebiss verfügten (wie Paviane), mit dem sie ihre Angreifer hätten ernsthaft verletzen können. Auch gibt es genügend fossile Funde mit Bissverletzungen von Vormenschen. Ihre Überlebenschance bestand schlicht darin, die angreifenden Raubtiere durch dauerhaftes erhöhtes Blickfeld zu einem so frühen Zeitpunkt auszumachen, der es ihnen erlaubte, den nächst gelegenen Baum zum Schutz zu erreichen.

    Damit ist wohl auch die Streitfrage beantwortet, ob Hominiden auch noch auf Bäumen heimisch waren. Sie mussten es sein! Bäume waren ihr einziger Schutz vor Raubtieren und während ihrer Schlafphase (wie dies auch im Artikel erwähnt ist). Hominiden dürften, wie auch z.B. heute lebende Paviane, als Schutz vor Raubtieren in Bäumen geschlafen haben. Dazu bedarf es lediglich ausgeprägter Arme und Hände und keine Kletterbeine oder Greiffüße! Wären Hominiden reine Bodenlebewesen gewesen, hätten sie nicht überlebt. Sie wären aufgefressen worden – sie waren zu groß, um sich hätten im Grasland verstecken (tarnen) zu können, zu langsam, um den schnellen Jägern entkommen zu können und zu schwach (z.B. kein waffenähnliches Gebiss, oder die Kraft eines Gorillas), um sich verteidigen zu können
  • Zweifel

    15.02.2007, Gunter Tannhäuser
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies wirklich Gesetz wird.
    Wenn es richtig ist, dass jedes vierte bis fünfte Kind in Ehen nicht vom Familienvater gezeugt wurde, kann man sich vorstellen, was dann auf die Sozialkassen zu käme: Der Vater würde sich - insbesondere nach einer Scheidung - sicher weigern, für das Kind den Unterhalt zu bestreiten. Der leibliche Vater wäre vermutlich überwiegend nicht greifbar (und wenn doch, wäre evtl. seine derzeitige Ehe gefährdet). Für die Sozialkassen wäre das eine schwere finanzielle Bürde - welcher Politiker könnte das vertreten?
    Schlauer wäre vielleicht, was in der Sowjetunion einmal probiert wurde: Bei jeder Geburt automatisch einen Vaterschaftstest durchzuführen. Nur hätte dies in Kriegszeiten die Geburtenrate unerwünscht gesenkt ...