Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Lob und Kritik für das Spezial-Heft

    26.04.2007, Peter Krisch
    Dieses "Spezial 1/2007 Energie und Klima" ist hervorragend aufgebaut, gibt eine Menge Informationen zum leidigen Thema, aber ...!

    Die Darstellung der Kernfusionstechnologie ist etwas zu dürftig ausgefallen, gerade bei der heutigen Antiatomkraftbewegung, die sich auf die Kernspaltungstechnologie eingeschossen hat und schlechthin alles andere auch die Kernfusion verteufelt - die Menschen mit Desinformation geradezu verblödet.
    Man sollte dabei bedenken, dass an dieser zukunftsweisenden Fusions-Technologie schon seit Mitte des vorigen Jahrhunderts zunehmend erfolgreicher geforscht wird. Und Deutschland hat da ja wohl keinen schlechten Stand.

    Nur sollte man auch nicht verschweigen, dass die bereitgestellten Mittel auch jetzt nicht ausreichen. Und hier komme ich nun zum Kern der Sache. In einem einzigen Beitrag wurden mehr am Rande Ausgaben zur Klimaforschung denen für die militärische Forschung (aber nur in den USA) gegenübergestellt.

    Es ist auch des öfteren vom Weltbruttosozialprodukt die Rede, aber kein Sterbens Wort über die Ausgaben der Weltgemeinschaft für Rüstung und Kriege - ca. 3 Milliarden Dollar pro TAG (rund 1 Billion Dollar pro Jahr)! Was sind da schon 10 Milliarden Euro in 10 Jahren für ITER!

    Ein Beitrag mit dem Titel "Eine gute Energiepolitik erspart der Menschheit Kriege" wäre wohl angemessen, dass er auch in diesem "Spezial 1/2007" erschienen wäre. Hat man das nur vergessen?

    Und in diesem Zusammenhang ist besonders die Politik - sprich die Regierungen der G8-Staaten - in der Pflicht. Diese s.g. Verantwortlichen für die Entwicklung auf unserem Planeten haben hier sträflichst versagt, denn sie wussten schon lange vom bevorstehenden Klimawandel - sie waren Insider aber auch Entscheidungsträger und taten "fast" Nichts, mal abgesehen von der Forcierung der "Ressourcensicherung".
  • Digitales "Erinnern" ist egomanisch und unsozial

    26.04.2007, Brigitte Burgmer, Köln
    Bells Tagebuch halte ich als Modell für egomanisch und unsozial, weil zwischenmenschliche Kommunikation generell anders geht. Wenn in den Naturwissenschaften längst klar ist, dass der Experimentator das Experiment beeinflusst, um wieviel mehr beeinflusst der Mensch mit Beobachtungs- und Aufzeichnungsgeräten die Situation im Alltagsleben?

    Wer ständig mit Aufzeichnungsgeräten unter Menschen lebt, ist nicht mehr ganz bei sich. Ich erlebe die Welt, meine Kamera nicht. Vor allem fehlt bei diesem Konzept des Gehirns die Phantasietätigkeit im digitalen Gedächtnis"speicher", wie immer bei Gehirnforschern mit einem Computermodell vom Gehirn - vermutlich deshalb, weil Vorstellungsbilder nicht wie die visuelle Wahrnehmung in einfachen Experimenten erforscht werden kann, wenn überhaupt!

    Gentechnik, KI, Cyborg ... die Protagonisten solcher Heilsversprechen haben stets die gleichen kalkulierten oder naiven Argumentationsstrategien: Erst wird der Mensch klein gemacht, dann kommen sie mit technischen Verbesserungsvorschlägen, und für die später erst dadurch entstehenden Probleme haben sie wiederum Reparaturangebote parat. Wie verdienstvoll! Schon der Cyborg-Künstler Stelarc definierte den natürlichen Körper als "wet ware", die "veraltet" ist, "es geht darum", ihn technologisch aufzurüsten.

    Für Bell und Gemell ist das Gedächtnis "unvollkommen" und soll "radikal" durch "totale" digitale Aufzeichnung perfektioniert werden. Das klingt verdächtig nach einem Totalitarismus, am Ende schlimmer als in Orwells "1984" und Huxleys "Schöne neue Welt" zusammen: Observation freiwillig! Und wieso eigentlich soll das digitale Gedächtnis kommen, "ob wir es wollen oder nicht"? Wem nützt dieser fatalistisch gefärbte Machbarkeitswahn, wer hat Interesse daran? Zum Beispiel Microsoft?
  • Der Klimawandel ist nicht mehr zu stoppen!

    25.04.2007, Hartl Johann, Erzieher und Heilpädagoge.
    Einerseits: Gott sei Dank, anscheinend entwickelt sich die Einsicht bei so mancher Nation, zumindest bei den politisch Verantwortlichen. Fragt sich nur, wie lange es dauert, bis es sich auch auf den unteren Ebenen, bei den normal Sterblichen, herumspricht und auch dort der Bleifuß vom Gaspedal genommen wird. Nach meinen Beobachtungen auf meinem täglichen Weg zur Arbeit ist bei anderen Fahrern noch nicht viel an Einsicht festzustellen.
    Andererseits: Ich frage mich, ob sich ein Klimawandel durch lange Zeit in Anspruch nehmende Massnahmen noch stoppen lässt. Meiner Meinung nach nicht, außer alle auf dieser Erde hören, aus irgendeinem Grund, plötzlich auf Auto zu fahren, übermäßig mit fossilen Brennstoffen zu heizen u.s.w. Das wird so kaum möglich sein. Also, der Klimawandel ist nicht mehr zu stoppen!
  • Doch lieber Petabyte?

    24.04.2007, Rüdiger Kuhnke, München
    Kürzlich erzählte mir einer meiner Auszubildenden, er habe von seinem Vater zum Geburtstag eine 300 GB große Festplatte bekommen. Auf meine erstaunte Nachfrage hin stellte sich heraus, dass Speicherplatz im Terabyte-Bereich sich locker mit aus dem Web heruntergeladenen, scheinbar dringend benötigten Spielen füllen läßt. Angesichts dieser gegenwärtigen Realität wird das im Artikel erwähnte 4-Terabyte-Laufwerk in zehn Jahren wohl hoffnungslos veraltet sein.
  • Das geht zu weit

    23.04.2007, Winfried Kaiser, Grafenrheinfeld
    Das würde mir gewaltig zu weit gehen. Für manches wäre es vielleicht ganz gut, aber die Nachteile überträfen die Vorteile. Über kurz oder lang würde z. B. ein Gesetz gemacht , das der Polizei erlaubt, darauf zuzugreifen, um zu schnüffeln, oder es kämen wieder alte Sachen hoch, die man endlich vergessen hat und an die man nicht mehr erinnert werden will. Und wenn man gestorben ist, können die Hinterbliebenen erkennen, dass man vielleicht gar nicht der ach so brave und liebe Ehemann, Vater usw. war. Noch eines: Ich will keine Maschine sein, sondern ein Mensch mit allem, was dazugehört.
  • Modelle helfen das Erdklima zu verstehen

    23.04.2007, Florian Böhm, Kiel
    Klimamodelle sind bei weitem nicht so schlecht wie Herr Titz es hier beschreibt. In der Tat werden Klimamodelle und Klimakonzepte am Klima der Vorzeit, der vergangenen Jahrhunderte und der letzten Hundert Jahre getestet. Die Ergebnisse sind weitaus konsistenter als Herr Titz behauptet. Ein Schlüsselbegriff der Klimaforschung ist die "Klimasensitivität". Gemeint ist die Erd-Erwärmung in Folge der Verdoppelung des Atmosphären-CO2-Gehaltes. Hier gibt es eine gute Übereinstimmung zwischen den am jüngsten Klimaverlauf getesteten Modellen und den Proxydaten aus der Erdgeschichte, wie beispielweise jüngst Royer, Berner und Park (Nature, 29.3.2007, S. 530-532) gezeigt haben.
    Bei der weitaus naheliegenderen Überprüfung der Klimamodelle am Klima des letzten Jahrhunderts behauptet Herr Titz, es gäbe eine Menge fataler Probleme. Er nennt von diesen allerdings nur zwei: Eine kurzzeitige Abkühlung der Ozeane und Probleme mit Sonden zur Ermittlung von Meerestemperaturen. Ersteres Problem ist inzwischen gelöst. Es hat sich als Artefakt herausgestellt (http://www.realclimate.org/index.php/archives/2007/04/ocean-cooling-not/#more-436).
    Das zweite Problem ist im Artikel von Herrn Titz falsch dargestellt. In ihrer Arbeit in den Geophysical Research Letters schreiben Gouretski und Koltermann das der Wärmegehalt der Ozeane zwischen 1957-1966 und 1987-1996 um 12*1022 Joule zugenommen hat. Die ältere, angeblich falsche Arbeit von Levitus, Antonov und Boyer, die 2005 in der gleichen Zeitschrift erschienen ist, berichtet für den gleichen Zeitraum von einer Wärmezunahme von ca. 10*1022 Joule. Letzteren Wert verwendete Hansen in dem von Titz zitierten Artikel (Spektrum d. Wiss., Januar 2005, S. 50) als Bestätigung für die Richtigkeit eines Klimamodells. Die als fatales Problem dargestellte Unstimmigkeit existiert also gar nicht.
    Ein weiteres angebliches Problem für die Klimamodellierung ist die Vorhersage von El Nino-Ereignissen. Herr Titz verwechselt hier die Vorhersage eines Wetterphänomens (eines einzelnen El Nino-Ereignisses) mit der Vorhersage von Klimaänderungen. Das ist verwunderlich da gleich zu Beginn seines Artikels Klima als Wetterdurchschnitt über einen Zeitraum von 30 Jahren definiert wird. Was Klimamodelle leisten müssen, ist die durchschnittliche Häufigkeit von El Ninos in Intervallen von 30 Jahren vorherzusagen, nicht einzelne Ereignisse.
    Angenommen, Klimamodelle sind tatsächlich so unsicher, wie der Artikel behauptet. Dann bedeutet das für Herrn Titz offenbar ganz selbstverständlich, dass es keine nennenswerte, anthropogene Erderwärmung geben wird. In der Tat gehen die Unsicherheiten aber in beide Richtungen. Ein ungenaues Klimamodell kann durchaus auch eine zu geringe Erwärmung prognostizieren. Die Folgen könnten noch weitaus katastrophaler sein, als es gerade von der IPCC-Arbeitsgruppe II prognostiziert wurde.
    Völlig unverständlich bleibt, warum Herr Titz die 90% Wahrscheinlichkeit für den anthropogenen Urpsrung der beobachteten Erderwärmung von 0,7 Grad im letzten Jahrhundert schlichtweg für unzureichend erklärt. Die Abkehr von fossilen Brennstoffen ist eine große Chance für die Menschheit. Man denke nur an Streitigkeiten und Gerangel um Erdöl, Erdgas und Kohle, die schon mehrere Kriege ausgelöst haben. Ganz davon zu schweigen, dass fossile "Brennstoffe" wertvolle Chemiegrundstoffe sind und dass ihre Vorkommen in absehbarer Zeit sowieso zur Neige gehen werden. Selbst ohne eine unmittelbare Klimabedrohung wäre eine Abkehr von dieser Rohstoffvergeudung sinnvoll.
    Antwort der Redaktion:
    Antwort des Autors



    Die Angelegenheit mit den Meeressonden, die offenbar doch keine Abkühlung des Meerwassers gemessen haben, würde ich nicht als "gelöst" betrachten, nur weil ein neuer Messfehler erkannt worden ist. Sicherlich wird es noch eine Weile dauern, bis bei den recht neuen ARGO-Temperaturdaten Klarheit herrscht.

    Was den Wärmeenergie-Gehalt des Ozeans angeht, gebe ich zu bedenken, dass ich mich in meinem Artikel überhaupt nicht auf den Forschungsbericht von Levitus, Antonov und Boyer beziehe, sondern nur auf die neue Auswertung durch Gouretski und Koltermann und deren Abschätzung des Temperatur-Fehlers. Was das für die Levitus-Daten bedeutet, muss sich erst noch zeigen. Ohnehin möchte ich nicht von einer Abweichung zwischen Modellen und Messungen sprechen; denn die Messfehler bei der Bestimmung des Wärmeenergie-Gehalts sind so groß, dass sich die Werte nicht für einen strikten Test der Klimamodelle auf Stimmigkeit eignen.

    El Niño ist kein Wetterphänomen, wie Herr Böhm schreibt, sondern wird von Meteorologen zwischen Wetter und Klima eingeordnet. Im Englischen bezeichnet man diesen Schwankungsbereich fachsprachlich als interannual climate variability, daher habe ich den Begriff Klimaschwankung verwendet. Mein Hauptargument lautet: Wenn noch nicht einmal El Niño vorhergesagt werden kann - von anderen Klimaschwankungen wie der Nordatlantischen Oszillation (NAO) oder der Pazifischen Dekaden-Oszillation (PDO) ganz zu schweigen -, wie soll man dann das Klima über einen Zeitraum von 30 und mehr Jahren sicher prognostizieren können?
    Und last but not least: Sind die Klimaprojektionen angesichts ihrer Unsicherheit und angesichts unseres mangelhaften Verständnisses des Klimasystems wirklich ein guter Grund dafür, aufwändige Maßnahmen zum Klimaschutz einzuleiten? Triftigere Gründe dafür, warum es sich lohnt, fossile Brennstoffe einzusparen, nennt Herr Böhm ja selbst.

  • beginnender Massenaufschrei!

    22.04.2007, Stefan Merx, Düren
    Wenn – wie Sie schreiben – nur ein Massenaufschrei die Fortsetzung der Preisrätsel bewirken kann, so möchte ich zumindest meinen Beitrag dazu leisten, dass ein solcher Massenaufschrei möglich wird.

    Ich kenne Ihr Preisrätsel noch gar nicht so lange, aber sie haben mir in den vergangenen Monaten einigen Rätselspaß beschert – wenn ich mich auch über die wirklich bescheidenen Preise ein wenig gewundert habe.
    Aber das Gewinnen ist aus meiner Sicht nebensächlich – die Beschäftigung mit interessanten Rätselaufgaben macht einfach Spaß.

    Insofern hoffe ich sehr, dass es doch noch eine Fortsetzung geben wird.
  • Argumente der Klimaskeptiker nur Rhetorik

    22.04.2007, Dr. Karl Mistelberger, Erlangen
    meine Liebe zu Spektrum der Wissenschaft geht so weit, dass ich die Aprilausgabe nach ihrem Erscheinen 20 Stunden lang am letzten unverhofften Winterwochenende dieses Jahres auf dem Rücken durch den Bayerischen Wald getragen habe.

    Mit dem Artikel von Sven Titz und dem dazugehörigen Editorial konnte ich mich trotzdem nicht anfreunden. Als Wissenschaftler kommt beim Durchlesen das Gefühl auf, dass hier etwas nicht stimmt.

    Ich will jetzt nicht den Artikel Punkt für Punkt auseinandernehmen, sondern mich auf die Ozeantemperaturen beschränken. Obwohl ich nicht davor zurück schrecke, in wichtigen Fragen selbst Recherchen durchzuführen, bin ich froh, dass Gavin A. Schmidt mir die Mühe abgenommen hat:
    http://www.realclimate.org/index.php/archives/2007/04/ocean-cooling-not/

    Während Titz behauptet, "... lässt sich Entwicklung des ozeanischen Wärmehaushalts bisher nicht richtig simulieren und die Temperaturmessungen sind umstritten ... die oberen Meeresschichten haben zwischen 2003 und 2005 etwa 20% der Wärmeenergie verloren, die sie seit 1955 aufgenommen haben.", sieht der Wissenschaftler vom Fach die Probleme durchaus richtig und korrigiert umgehend seine Veröffentlichung.

    Bei mir verstärkt sich der Eindruck, dass grundsätzlich und unabhängig von der Faktenlage die Schablone gefahren wird, es gäbe zwei äquivalente Seiten und beide Seiten verdienten dieselbe Aufmerksamkeit. Meiner Erfahrung nach ist dies aber nicht der Fall. Die Argumente der Klimaskeptiker sind in den meisten Fällen nur Rhetorik und werden umgehend widerlegt.

    Ich würde es begrüßen, wenn Spektrum der Wissenschaft in Zukunft wieder zur altmodischen Praxis zurückkehren und darauf verzichten würde, vorschnelle Schlussfolgerungen zu ziehen.
  • Fortschritt des Wissens

    21.04.2007, Jakob Thomsen, München
    Es gibt viele verschiedene Arten von Fortschritt.
    Möglicherweise sind manche davon eine Illusion.
    Eine Art des Fortschritts existiert jedoch zweifellos:
    Der Fortschritt des Wissens über die Welt.
    Die Modelle mit denen die Welt beschrieben wird,
    werden zwar hin und wieder angepasst,
    aber dabei im großen und ganzen immer weiter verfeinert.
    Das dies keine Illusion ist erkennen wir z.B. daran,
    dass mittlerweile Menschen auf dem Mond waren und es möglich ist, per Flugzeug um die Welt zu fliegen. Wenn sich das Wissen über die Aerodynamik nicht weiterentwickelt hätte,
    dann gäbe es keine Flugzeuge.
    Ohne Fortschritt des Wissens wäre immer noch Steinzeit. Ob diese Art von Fortschritt glücklich macht, steht auf einem anderen Blatt.
    Ein weiteres Beispiel für Fortschritt ist in der Mathematik besonders deutlich zu finden:
    Hier kann das Wissen nur zunehmen,
    dann was einmal bewiesen ist, bleibt unwideruflich wahr (bei Kritik an diesem Punkt bitte Gegenbeispiel angeben!).
    Also: Es gibt vielleicht nicht DEN Fortschritt,
    aber zumindest den Fortschritt des Wissens über die Welt (im Sinne einer immer genaueren Beschreibung der Gesetzmäßigkeiten der Welt) und insbesondere den Fortschritt in der Mathematik (in Form einer monotonen Zunahme wahren Wissens).
    Oder anders formuliert:
    Wenn es keinen Fortschritt (des Wissens) gibt,
    was lese ich dann monatlich in Spektrum der Wissenschaft?!
  • Darwinismus ist etwas Anderes als »survival of the fi

    20.04.2007, Wolfgang Hinderer, Karlsruhe
    Betr.: Darwinismus ist etwas Anderes als »survival of the fittest«

    Sehr geehrter Herr Prof. Voland,

    bei einigen Ihrer Äußerungen kann ich mir nicht vorstellen, wie sie mit dem wissenschaftlichem Blick eines in die Welt schauenden Beobachters vereinbar sein sollten: "Das Leben auf diesem Planeten kennt kein Ziel und somit keinen Fortschritt" - man vergleiche doch den Zustand vor 1 Mrd. Jahren mit jetzt! Wenn Sie sagen: "Fortschritt kann es logischerweise nur geben, wenn es einen verlässlichen Maßstab gibt, an dem er zu messen wäre", dann möchte ich sagen - na klar! Das Organisationsniveau wäre solch ein Maßstab. Es gibt unstreitige Kriterien, nach denen zumindest gewisse existierende Systeme als höher organisiert zu bezeichnen sind als gewisse andere existierende Systeme.

    Ich möchte Sie auch an Ihre eigene Aussage erinnern: "Wer mag schon angesichts der heutigen biologischen und kulturellen Lebenschancen im Mittelalter leben - oder auch nur in der Generation seiner Großeltern?" - Ja, da ist heute ein messbares Mehr an Möglichkeiten, bedingt durch ein messbares Mehr an Wissen. Und so ist es auch in der biologischen Evolution, wobei der Begriff "Wissen" hier zu verallgemeinern ist: Das "Wissen" um die bessere Flossenform, das "Wissen" um den Nestbau,...

    Wenn Sie sagen: "Der Maßstab, an dem wir Fortschritt messen, erwächst aus unseren ganz persönlichen Präferenzen, Zielen und Wünschen im Hier und Heute eines ausdifferenzierten, informierten, strategisch eigeninteressierten Gehirns." - verzeihen Sie, wenn ich da speziell an das Voland-Gehirn denken muss! Bei allem Konstruktivismus, Herr Voland, wie ist denn die Sicht Ihres Gehirns auf Wirklichkeiten wie die Erde (nicht als Scheibe, sondern als Kugel), die Sonne, die Zahlen, ...? Ist das alles nur Einbildung/Optimierung und subjektiv?

    Und: Ihre Sichtweise des Darwinismus als "survival of the fittest" macht mich doch ein wenig zornig, zumal es sich hier um eine verbreitete, zeitgeistbedingte Fehlinterpretation handelt. Wie würden Sie die Tatsache, dass es auf unserer Erde zugleich Pinguine (am Südpol) und Eisbären (am Nordpol) gibt, theoretisch einordnen? Könnte es nicht sein, dass das Prinzip der Selektion ("survival of the fittest") und das ebenfalls schon von Charles Darwin postulierte Prinzip der Separation zwei Seiten einer und derselben Medaille sind? Das Selektionsprinzip für sich alleine wäre dann nur die halbe Wahrheit, und Ihre Aussage "Stillstand bedeutet das Ausscheiden aus dem evolutionären Spiel, und deshalb ist in der Darwin'schen Welt das »Höher, Weiter, Schneller« den Organismen notwendigerweise inhärent." wäre dann auch nur die halbe Wahrheit.


    Mit freundlichem Gruß

    Wolfgang Hinderer, Karlsruhe

    P.S.: Es gibt auch Rückschritt; die jetzt folgende kritische Bemerkung richtet sich aber nicht an Sie, sondern an die Spektrum-Redaktion: Mit der PDF-Version Ihres Essays konnte ich, im Gegensatz zu den sonstigen von der Spektrum-Site herunter geladenen PDFs leider wenig anfangen: Weder das Herauskopieren von Textpassagen noch die Volltextsuche scheinen damit auf einfache Weise möglich zu sein.

  • Gebt uns härteren Stoff!

    20.04.2007, Dr. Roland Philipp Hofmann, Ostfildern
    Ich möchte auch gleich noch mal in die gleiche Kerbe hauen wie Herr Enz und Herr Schlei: Auch ich habe des öfteren den Eindruck, mit Artikeln ueber Physik, insbesondere Kosmologie, würde im Spektrum eher das Staunen der Leser über die neuesten Ideen als ihr Verständnis derselben bezweckt.

    Es müssen nicht unbedingt Formeln sein, auch wenn ich persönlich finde, eine Formel sagt mehr als tausend Worte und tausend mal so viel wie tausend bunte ganzseitige Bilder "in künstlerischer Darstellung". Viele Sachverhalte, gerade der Physik und Mathematik, lassen sich mit Sprach-Bildern sehr gut klar machen. Dafür gibt es im Spektrum ja oft sehr gute Beispiele, beispielsweise in den Mathematischen und Physikalischen Unterhaltungen. Eine ähnliche Darstellungsweise würde ich mir in den "ernsteren" (warum eigentlich?) Fachartikeln auch öfter mal wünschen!
  • Laserkühlverfahren von Schokoladenschmelzen

    20.04.2007, Bernd Schäfer
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Zum Beitrag über das Rabbit Prototyping möchte ich noch eine wichtige, aktuelle Ergänzung beitragen. Anfang des Monats wurde mir unter der Nummer DE4201042007A für das von mir entwickelte Laserkühlverfahren von Schokoladenschmelzen Patentschutz erteilt. Dies ermöglicht mir nun, das Verfahren in der Öffentlichkeit zu diskutieren.

    Der bedeutende Vorteil meines Verfahrens liegt darin, dass zur Entwicklung von Sonderformen oder Prototypen keine Schokoladengußformen mehr herzustellen sind. Damit entfällt die in Ihrem Artikel beschriebene Befüllung der Form mit flüssiger Schokolade und die anschließende Drehung und Kühlung der Form.

    Zum Herstellen einer beliebigen Schokoladenform wird eine spezielle SchoLaCool (von Schokoladen Laser Cooling) Maschine mit handelsüblicher Schokolade befüllt, je nach Wunsch können dabei verschiedene Kakao-Gehalte von 40-80% eingesetzt werden. An einer Ausweitung des Verfahrens auf Schkolade mit Nüssen, Rosinen oder ähnlichen Füllstoffen arbeite ich derzeit noch, erste Ergebnisse sind jedoch ermutigend. Die Schokolade wird in einem Trog innerhalb des SchoLaCool aufgeschmolzen.
    Mit Hilfe eines Kapillarviskosimeters wird die Zähigkeit der Schokoladenschmelze in Abhängigkeit von der Temperatur überwacht. Der technisch am schwierigsten umzusetzende Teil der Anlage ist die Thermostatisierung der Schokolade auf eine Temperatur von 0,1 mK oberhalb des Tropfpunktes.

    Das Herzstück des SchoLaCools ist ein neuartiger Laser. Als aktives Medium dient ein superkritisches Fluid aus Kaliummethanolat (CH2OK).
    Als optische Pumpe wird eine druckverbreiterte He* He Lichtquelle eingesetzt. Das emittierte Licht des Lasers ist genau mit einer Absorptionslücke der Schokoladenschmelze bei einer Wellenzahl von 1746 cm-1 identisch. Daher kann die Strahlung die Schokoladenschmelze ungehindert durchdringen. An der Phasengrenze an der Oberseite der Schokoladenschmelze erfährt der Laserstrahl jedoch einen Phasensprung.
    Dadurch entstehen an der Oberfläche stehende elektromagnetische Felder.
    In diesen werden die Moleküle der Schokoladenschmelze erheblich retardiert und die Schokolade verfestigt sich durch den Entzug von kinetischer Energie aus der Brownschen Molekularbewegung. Dies ist etwa mit der inversen Wirkung eines Mikrowellenofens zu vergleichen.

    Die Schokoladenform wächst bei diesem Verfahren langsam aus der Schmelze nach oben heraus. Ein Hase wird also "über Kopf" gefertigt. Die unterste Schokoladenschicht im Bereich der Hasenfüße wird an eine Kunststoffplatte "angekühlt", die zu Beginn des Prozesses gerade eben die Schokoladenschmelze berührt. Diese Platte wird nach Belichtung jeweils einer Schokoladenschicht ein kleines Stück aus der Shokoladenschmelze empor gehoben. So entsteht - Schicht für Schicht - direkt aus CAD-Daten eine nahezu beliebige Schokoladen form. Soll eine Hohlform erstellt werden, können dank der hohen Ortsauflösung des Verfahrens im Fußbereich der Form luftdurchlässige Nanoröhren erzeugt werden, die die Entleerung der Form von flüssiger Schokolade sicherstellen wenn das Produkt aus der Schokoladenschmelze angehoben wird. Wegen der geringen Größe sind diese Röhren mit bloßem Auge nicht sichtbar.

    Ich hoffe, die obigen Ausführungen stießen bei Ihnen auf Interesse.
    Herrn Linsmeier danke ich für die gelungene Darstellung klassischer Rabbit Prototyping-Verfahren. Das Thema ist ja doch sehr speziell und nur für einen begrenzten Personenkreis von Interesse. Daran wird auch der SchoLaCool so schnell nichts ändern: Der hohe Systempreis macht ihn derzeit für kleinere und mittlere Konditoreien noch unerschwinglich.

  • Äpfel und Kühe vergleichen

    20.04.2007, Gilbert Brands
    Der Denkansatz ist unlogisch, nicht die Physik. Man unterhält sich über Phänomene, die in jeder Skala um mehrere Größenordnungen außerhalb unserer menschlichen Sensorik abspielen und nur durch Messgeräte erfahrbar sind. Für deren Anzeigen haben wir allerdings eine gut funktionierende mathematische Theorie, die aus nahezu frei gewählten Voraussetzungen die Messergebnisse bislang korrekt vorhersagt. In diese Umgebung nun unsere täglichen Erfahrungen als biologischer Mensch hinein zu transferieren, entbehrt jeglicher theoretischer Grundlage und ist der eigentliche unlogische Schritt, entsprechend etwa einer Schlussfolgerung, dass ein Apfel nicht herumlaufen kann und eine Kuh sich nach Transfer dieser Erkenntnis auf die Kuhwelt völlig unlogisch verhält, wenn sie sich bewegt.

    Mehr dazu in meinem Skript "Einführung in die Quanteninformatik", das kostenlos von www.gilbertbrands.de geladen werden kann.
  • Keine Informationsübertragung !

    20.04.2007, Christof Weiss
    Mir scheint, da hat sich ein schwerer Irrtum in Ihrem Artikel eingeschlichen, denn bekanntlich wird beim Experiment mit verschränkten Quantenzuständen KEINERLEI Information übertragen.
    Daher kann man dieses System ja leider auch nicht zur Nachrichtenübertragung verwenden und dieser Widerspruch mit der speziellen Relativitätstheorie löst sich daher in Nichts (oder Wohlgefallen) auf!
    (Was natürlich nichts an anderen Widersprüchen der Quantentheorie mit der Relativitätstheorie wie z.B. dem Gravitationsproblem ändert.)
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Weiß,



    herzlichen Dank für Ihren Leserbrief.



    Das angesprochene Problem ist weniger physikalischer als sprachlicher Natur. In der Physik wird "Information" einschränkend so verwendet, dass ein Sender A einem Empfänger B eine Nachricht übermittelt. Dies kann nach bisherigem Wissen tatsächlich höchstens mit Lichtgeschwindigkeit erfolgen.



    Dennoch geht man in der Quantenphysik gleichzeitig davon aus, dass bei verschränkten Teilchen ein Partner instantan vom Schicksal des anderen erfährt und das System darauf reagiert. Teilchen b "weiß" also sofort, dass Teilchen a gemessen wurde und welches Ergebnis die Messung hatte. Für dieses Wissen gibt es in unserer Sprache kein eigenes Wort, weshalb ebenfalls "Information" verwendet wird.



    Da die Quantenteilchen ihren Zustand zufällig einnehmen und man nicht zwischendurch nachsehen kann, ob das schon passiert ist, ohne das System zu stören, kann aus der quantenphysikalischen, nichtlokalen "Information" keine nutzbare, überlichtschnell gewanderte makroskopische "Information" werden.



    Wikipedia (Stichwort "Quanten-Nichtlokalität") beschreibt dieses Durcheinander so: "Die implizite Antwort der Quantentheorie heißt:
    Der Kollaps der Wellenfunktion erfolgt instantan, ist also nicht- lokal (impliziert daher Fernwirkungen). Genau diesen Umstand bezeichnet man als Quanten-Nichtlokalität. Diese sehr theoretischen Ausführungen kann man jedoch bereits mit so genannten verschränkten Paaren praktisch nachspielen, wo eine quantenmechanische Messung an einem Ort einen Kollaps der Wellenfunktion an einem anderen Ort nach sich zieht. Dabei zeigt sich, dass zwar der Kollaps der Wellenfunktion instantan erfolgt, jedoch keine echten Informationen übertragen werden können, sodass die Kausalität dennoch erhalten bleibt."



    Zugegeben: Das ist verwirrend, weil nicht nur die Theorien, sondern auch die Worte und ihre Bedeutungen hier schlecht zueinander passen.



    Mit freundlichen Grüßen,

    Olaf Fritsche
  • Für eine Bewusstseinsvermutung

    19.04.2007, Jens Philip Höhmann
    Liebe spektrum-redaktion,

    "Andere Wissenschaftler sehen dies allerdings skeptisch: Bislang wisse man nur, dass sich die Hirnaktivitäten der Frau je nach Ansprache änderten und die Aktivitätsmuster denen einer gesunden Kontrollgruppe glichen [2]. Bewusstsein, Selbstbewusstsein und Willensentscheidung folgen hieraus jedoch leider noch nicht."

    Dieser Skeptizismus mag zwar aus wissenschaftlicher Sicht angebracht sein, muss in diesem Sinne aber natürlich auch der Annahme gelten, die Frau sei trotz ihrer Hirnaktivitäten NICHT bei Bewusstsein.
    Sogar in noch verstärkter Form, und zwar aus ethischen Gründen, die sich auf den Umgang mit der Patientin beziehen:
    Geht man davon aus, dass die Patientin bei Bewusstsein ist und auch fähig, die Außenwelt wahrzunehmen, und handelt man nach dieser Überzeugung, so kann man moralisch nichts falsch machen, falls ihr in Wahrheit jegliches Bewusstsein fehlen sollte.
    Lässt man sich aber beim Umgang mit ihr von der Annahme leiten, ihr fehle jegliches Bewusstsein, muss man sich dessen absolut sicher sein (was gar nicht möglich ist), ansonsten wird man zum Folterer, da man der Patientin das Gefühl gibt, lebendig begraben zu sein. Oder wie eine Verschüttete, die die Rettungskräfte kurzerhand für tot erklären und ihrem Schicksal überlassen.
    Von 'schnoddrigen' Bemerkungen oder Lärm, dem Einschalten von Musik, die die Patientin nicht mag und ähnlichen Grausamkeiten aus Gedankenlosigkeit ganz abgesehen. Etwas Schlimmeres - natürlich abgesehen von absichtlicher Folter - kann ich mir kaum vorstellen.
    Daher halte ich das Paradigma, erst an Bewusstsein zu glauben, wenn man es fast schon nachweisen kann, für ethisch und wissenschaftlich nicht haltbar. Es sollte in sein Gegenteil verkehrt werden, eine Art 'Bewusstseinsvermutung', zumindest, was den Umgang betrifft.
    Auch das Wort "leider" in dem Zitat kann ich nicht nachvollziehen, da die Patientin schließlich handlungsunfähig ist. Dies bei vollem Bewusstsein miterleben zu müssen, ist für jemanden, der das nicht miterlebt hat, schon unvorstellbar; es ist zu hoffen, dass sie nicht auch noch dazu verdammt war, von skeptischen Äußerungen von Wissenschaftlern zu erfahren.