Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Steile Thesen und die nackten Tatsachen

    09.10.2013, Henrik Ullrich
    Es ist bedauerlich zu sehen, daß sich die Diskussionen zum Thema Evolution, ID, Schöpfung fast nur im Rahmen verletzender "ad hominem" Argumentationen bewegen.
    Gewinnbringender wäre die unmittelbare Beschäftigung mit den nackten Tatsachen. Die Ergebnisse biologischer funktional-analytischer Studien über das Auge (Netzhaut, Linse), den Wurmfortsatz (Appendix) oder der Wirbelsäule liegen auf dem Tisch und stellen die mehr als 150 Jahre alten Thesen von Konstruktionsfehlern (z.B. bei Darwin, Helmholtz) an diesen Organen in Frage.
    Wer z.B. trotz der Entdeckung der Funktion der Fortsätze von Müllerzellen in der Netzhaut oder der Beschreibung der optisch relevanten Verteilung von Eu- und Heterochromatin in den Zellkernen der Lichtsinneszellen immer von Konstruktionsfehlern spricht, ist in der Pflicht dies anhand von funktional-analytischen Daten zu begründen.
    Und da gehören die o.g. "ad hominem" Argumente definitiv nicht dazu.
  • Wissenschaft im Rückblick

    09.10.2013, Andreas Speck
    Mit Interesse habe ich gesehen, dass sie zwei Artikel aus dem Oktoberheft des Kosmos vom Jahr 1963 zitieren. Allerdings stimmt die Seitenangabe nicht. Die Seite 342 befindet sich nämlich im Augustheft. Korrekt wäre die Seitenangabe *342.

    Vom ersten bis einschließlich des 72. Jahrgangs 1976 hatten die Hefte zwei Kategorien von Seiten, die separat jahrgangsweise durchnummeriert wurden. Artikel befanden sich auf den normal nummerierten Seiten, Kurzmeldungen, Leserbriefe, redaktionelle Mitteilungen, astronomische Vorschau, Bücherschau, Werbung und dergleichen wurden auf den 'Sternseiten' veröffentlicht.

    Es war vorgesehen, dass man am Jahresende die normal nummerierten Seiten mit den Artikeln aus den Heften eines Jahrgangs herauslöste und sich binden ließ. Vom Verlag konnte man entsprechende Einbanddecken mit Jahrgangsangabe beziehen. Eine solche gebundene Ausgabe des dritten Jahrgang 1906 habe ich antiquarisch erworben. Mit der Umstellung der Hefte auf Klebebindung wie die aktuellen Spektrum-Hefte zum Jahr 1977 hörte diese Art der Nummerierung auf.
    Antwort der Redaktion:
    Der Leser hat Recht, wir bitten das Versehen zu entschuldigen!
  • Mathematische Kompetenz!

    09.10.2013, Gilbert Brands
    Da wird Alarm geschlagen, weil Deutsche gerade mal 3 Punkte unter dem Durchschnitt von 270 liegen. Das ist gerade mal 1% Abweichung in einer Studie, die ohnehin mit verschiedenen Sprachen und kulturellen Besonderheiten zu kämpfen hat. Und hinter den Besten liegt man relativ gerade erst mal 3% zurück, eine relative Abweichung, die man an anderer Stelle noch nicht mal bemerkt. Trotzdem wird das kommentatorisch fürchterlich ernst genommen. Schließlich: 3%! So viele sind wir doch gar nicht!
  • Und wenn ein starkes Unwetter ist?

    08.10.2013, Markus Demarmels
    Ja, das habe ich bereits von Mauerseglern gelesen. Aber ich habe da meine Zweifel. Was passiert, falls ein fürchterliches Unwetter mit starken Winden und umbarmherzigem Hagel auftritt? Fliegen dann die Alpensegler immer noch? Ich kann mir das einfach nicht so ganz vorstellen. Und wie ist es mit dem Trinken? Haben die Vögel keinen Durst oder trinken sie die Regentropfen? Ich weiss es wirklich nicht. Im Beitrag ist von 7 Monaten die Rede. Aber ich glaube nicht, dass Alpensegler 5 Monate brüten. Oder täusche ich mich da auch?

    Selbstredend bewundere ich gerade Alpensegler, wäre gerne so ein Wesen und würde meine Kreise ziehen. Und selbstverständlich würde ich sie immer noch bewundern, wenn sie ab und zu sich kurz, nur für 5 Minuten oder so auf einer Erhebung einem Ast oder einem Draht niederlassen und das Leben geniessen würden.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Demarmels,

    sie stellen berechtigte Fragen. Segler lassen sich prinzipiell nicht zum Trinken nieder, denn sie können nicht vom Boden aus starten. Sie decken ihren Flüssigkeitsbedarf, indem sie knapp über eine Wasserfläche gleiten und dabei trinken.

    Wenn extremes Schlechtwetter naht, weichen die Vögel aus - bei einzelnen Gewitterzellen ist für sie das völlig problemlos. Dauerhaftes Schlechtwetter zwingt sie zu so genannten Ausweichflügen: Während der Brutzeit in Mitteleuropa können sie bei Dauerregen etwa nach Italien ziehen, dort abwarten und dann wieder über die Alpen zurückkehren.

    Die Vögel brüten natürlich keine fünf Monate am Stück, wahrscheinlich reichte die Batterie der Geräte nur eine begrenzte Zeit, vermute ich. Die Forscher schließen übrigens nicht ganz aus, dass sich die Tiere während der sieben Monate zumindest für sehr kurze Zeit (maximal wenige Minuten) niederlassen: So genau arbeiten ihre Datenerfassungsgeräte dann doch noch nicht.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
    Redaktion Spektrum.de



  • Fieber? Oder Delirium!

    08.10.2013, Dominique Boursillon
    Seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Barak Obama sollte man die Entscheidungen des Nobelkomitees mit etwas mehr Abstand betrachten. Früher konnte man "fiebern". Heute zeigt diese Freude eher wie kritiklos man ist - das ist schon fast ein bisschen infantil! Dabei geht es nicht um die Forscher, die diese Ehrung erhalten. Das Komitee dürfte aber ruhig spüren, dass es nicht mehr so ernst genommen wird wie einst...
  • Zum Kommentar v. A. H. Dören

    08.10.2013, Franz Strasser
    Die Gleichstellung "Glaube und Erkenntnis" ist bereits eine falsche Disjunktion. Alles Wissen beruht letztlich auf einem Glauben, weil kein Wissen sich selbst begründen kann. Aber das Problematische ist, dass sowohl die Designer eines Gottesbildes wie die aggressiven Gegner sich ihrer Voraussetzungen nicht bewusst sind. Der Wechsel zwischen theoretischer Erkenntnis und praktischem Handeln, worin die Hypothesen von Design oder Nicht-Design in einem höchst hypothetischen, oft unreflektierten, keinesfalls aber ethisch-neutralen Sinne abgehandelt werden, bedürften etwas mehr Selbstdisziplin - nicht wie oben bei A. H. Dören selbstsicher und aggressiv vorgetragen.
    MfrGr. Franz Strasser
  • Und der Eiswürfel strahlt doch, die 2te

    08.10.2013, Helmut Hund

    Dass jeder Körper oberhalb des absoluten Nullpunktes strahlt, weiß ich auch, aber das ist bei unserer Diskussion nicht so sehr von Belang, sondern es geht um die Strahlungsbilanz, insofern habe ich mich nicht korrekt ausgedrückt. Das CO2 Molekül in der Atmosphäre, das sich auf einem Temperaturniveau von einigen zig Minusgraden C° befindet nimmt Strahlungsenergie aus der Albedo der Erde, durch Absorption auf, erwärmt sich gegenüber der Umgebung und strahlt seine höhere Energie von einem niedrigeren Temperaturniveau, in einem langwelligeren Bereich in den Raum ab. In Richtung Erde sehe ich aber immer noch keinen positiven Energiefluss, denn die Oberfläche der Erde ist wärmer als das Molekül, daraus bei den geringen Massen von CO2 einen Treibhauseffekt wie z. b. bei Wolken oder der Treibhausscheibe abzuleiten, kann ich nicht nachvollziehen, siehe auch http://www.spektrum.de/alias/meteorologie/wolken-im-klimawandel/1074405
  • Eine Frage des Glaubens

    07.10.2013, Paul Kalbhen, Gummersbach
    Ich kann Ulrich Kutschera nur beipflichten in seinem Plädoyer gegen fundamentalistisch-kreationistische Strömungen innerhalb der protestantischen Kirche der USA, welche die kosmologische und biologische Evolutionstheorie verneinen beziehungsweise torpedieren und meines Erachtens auf einseitige, zeitbedingte Aussagen des Alten Testamentes zurückzuführen sind. Wenn Atheisten auch oftmals "auf einem Auge blind" sind, indem sie nämlich nur die negativen Seiten des Christentums sehen, zumal die der katholischen Kirche, so bleibt doch deren berechtigter Zweifel am Wahrheitsgehalt der Religionen, den alle beanspruchen und den man nicht "blauäugig" ignorieren sollte.

    Wenn ich auch so viel verlässliches Wissen wie möglich ansammle (so für mich persönlich unter anderem im naturwissenschaftlichen Bereich der Relativitäts- und Quantenphysik), um meiner Religion vertrauen zu können, so habe ich doch keine "Gewissheit" bezüglich des Glaubens - wie es manchmal theologisch geäußert wird -, denn dann wäre es kein "Glaube" mehr.

    Wenn ich persönlich unter den drei monotheistischen Religionen die christliche als die glaubwürdigste ansehe, weil sie das oftmals archaische und gewalttätige Gottesbild des Judentums, das auch auf den Islam abgefärbt hat, zu dem eines allgütigen und freimachenden dreieinigen Gottes sublimiert hat, so ist der christliche Glaube nicht zu "beweisen"! Er bleibt im Letzten - auch angesichts des Leides und der "Störungen" in der Welt - ein Akt des Vertrauens in ein geistiges Prinzip, das primär Freiheitsgrade für Mensch und Natur innerhalb einer statistischen Naturgesetzlichkeit gewollt hat.
  • Evolutionsbiologie

    07.10.2013, Wolfram Obermanns
    Evolutionsbiologie steht nicht umsonst im Verdacht, eine Pseudowissenschaft zu sein, die eins ums andere mal in die onthologische Falle tappt. Religion und Naturwissenschaft diskutieren auf verschiedenen Ebenen, das ignorieren Kreationisten und immer mal wieder auch Evolutionsbiologen, die den deskriptiven Charakter von Naturwissenschaft auf normative Felder auszudehnen suchen. Dass Kreationisten den idiotischen Fehler begehen, das genaue Gegenteil zu tun, macht die fundamentale naturwissenschaftliche Unbedarftheit von Teilen der Evolutionsbiologie nicht besser.

    In Deutschland ist Kreationismus ein absolutes Randphänomen, keine der großen Kirchen unterstützt kreationistische Tendenzen. Hier soll wohl weniger verhindert werden, daß sich dieser Schwachfug ausbreitet, als ein wenig Spiegelfechterei betrieben werden. Wem das gefällt, wäre soziologisch und religionswissenschaftlich die eigentlich interessante Frage.
  • Der Zweck heiligt die Mittel

    07.10.2013, Dipl biol.Dr .Hans-Joachim Scheel
    die überwältigende Wirkung von Autan ließ wohl nicht warten, bis alles über das Mittel erforscht ist.Planungssicherheit sieht betimmt anders aus, aber normalerweise sollte ein Medikament erst abklärend erforscht werden, bevor es auf den Markt kommt.
  • Eine Lanze für den Kreationismus

    07.10.2013, Johannes Bohnenberger
    Es scheint mir hochmütig bis einfältig, in jedem Falle aber ein Rückfall in ein anthropozentrisches Denksystem zu sein, wenn man glaubt, "Design-Fehler" seien mit dem Wirken eines allwissenden, vorausschauenden Gottes unvereinbar. Er (oder Sie) wollte halt sehen, was passiert, wenn man ein Auge falsch herum baut – und die Erkenntnis ist: "geht doch". Ich finde das nachvollziehbar lustig. Und warum soll denn der Designer (m/w) gutwillig sein und uns nicht ein wenig mit ärgerlichen Stubenfliegen bis hin zu tödlichen Vieren piesacken wollen? Nein, das ist kein gutes Argument gegen Glauben – das es ohnehin nicht geben kann. Ich empfehle die Lektüre der Novelle "Candide oder der Optimismus", die Voltaire in Antwort auf Leibnitz‘ Auffassung von unserer Welt als der besten aller möglichen schrieb. Wo Skeptizismus fehlt, haben nachvollziehbare Argumente oder gar wissenschaftliche Beweise keine Chance. Oder haben die Kreationisten eben doch recht und der Designer (m/w) hat in seiner Voraussicht den Menschen so dumm gemacht, dass er Kreationist werden kann? So muss er sich wenigstens nicht mit allzu viel Denken abmühen.

    An dieser Stelle noch ein HOCH auf die USA, wo fast die Hälfte der Menschen (in Ägypten unter 10 Prozent) zumindest ahnt, was Evolution ist.

    Und, ehrlich gesagt, mir ist ein zum Erhalt der Schöpfung bereiter Kreationist – das müsste ja sein Bestreben sein - lieber als ein halbgebildeter "Evolutionist", der Kaninchen, Füchse und Aga-Kröten nach Australien bringt und meint: "die Evolution wird's schon richten".
  • Zu A.H. Dören

    07.10.2013, Boese Wolfgang
    Die Idee von A.H. Dören finde ich gut, wahrscheinlich werden aber die Kreationisten das jeweilige Leiden zur wohlverdienten Strafe Gottes erklären, und bei denen kommt man im günstigsten Fall mit einer reichlichen Spende davon. Aufgrund reichlichen Zugangs zu finanziellen Ressourcen (und wegen einiger psychologischer Faktoren) können sich die Kreationisten leider in der kulturellen Evolution noch lange eine große Nische halten.
  • Der Designer hat vieles vergessen bei der Erschaffung

    06.10.2013, H. Martin
    Wieso hat er vergessen, in grossen Teilen seiner "designten" Welt sauberes Trinkwasser bereitzustellen, damit nicht Millionen Menschen verdursten müssen ? Wieso hat er vergessen, dem menschlichen Hirn nur Güte und Menschenliebe zu verpassen, anstatt dieses mörderischste aller Tiere zu kreieren ? Weiss er, dass jeden Tag, an 365 Tagen im Jahr, 15000 Kinder unter 5 Jahren an Mangelkrankheiten sterben, und dass jeden Tag 15000 Mütter ihr geliebtes Kind, das sie 9 Monate lang getragen haben, beerdigen müssen, obwohl sie während Monaten gebetet haben? Was für ein Pfusch ist doch dieses Design. Wieso zeigt er sich nie, spricht nicht mit uns allabendlich übers Fernsehen? Wir lieben und erziehen unsere Kinder, während Jahren, sind immer für sie da, und dieser Designer spricht nie mit uns, schafft eine verkorste Welt, und überlässt sie dann ihrem Schicksal? Vielleicht hat er sie dann aber der Evolution überlassen!
  • Widerstände

    06.10.2013, L.Schawa
    Ich fürchte (!), zeitgleich geht man gegen Sie vor und zwar wegen Lästerung des I.D. Das kann, nach so mancher Erfahrung, schon bei einem weit geringeren Anteil an I.D- Anhängern in unserem Ländle geschehen.
  • Spannendes Lebensbild in unwürdigem Rahmen

    06.10.2013, Henrik Ullrich
    Wissenschaftshistorische Analysen sind bekanntlich immer wieder für Überraschungen gut. Wie kam es zu den großen Ideen oder Theorien in der Naturwissenschaft, welche individuellen und soziokulturellen Begleitumstände prägten Forscherpersönlichkeiten? Zahlreiche geniale Köpfe der Vergangenheit sind in Vergessenheit geraten und mit ihnen ihre großartigen Leistungen.

    Alfred Russel Wallace, ein Zeitgenosse von Charles Darwin, war ein solcher Forscher, dessen individuelle Lebensgeschichte und Leistungen als Biologe beeindrucken und darüber hinaus eine Fundgrube für das Verständnis des Wissenschaftsbetriebes im 19. Jahrhundert darstellen.
    Ulrich Kutscheras Aufarbeitung der einzelnen Lebensabschnitte des Mitbegründers der Selektionstheorie liefert viele spannende Ansatzpunkte, die das o.g. bestätigen.

    Leider büßt Kutscheras Arbeit Qualität und damit Zitierfähigeit ein, weil der Autor unbeirrt alle fachlichen und handwerklichen Missgriffe seiner früheren Werke fortsetzt. Dazu gesellt Kutschera einen zwar keineswegs neuen, jedoch für eine solche populärwissenschaftliche Publikation völlig deplatzierten Umgang mit seinen Gegnern. Die entwürdige und teilweise beschämende Art und Weise, wie u.a. evolutionskritische Positionen und deren Vertreter dargestellt werden, wirft ein trauriges Licht auf den Autor. Die kläglichen Versuche z.B., die Wahl des Eisvogels auf dem Cover einer Publikation der SG Wort und Wissen zu ergründen (S.260-262) oder der Vergleich deutscher "ID-Kreationisten" mit "dickleibigen, biertrinkenden Spießbürgern" (S. 344) sind dafür selbstredend.
    Gibt es beim LIT-Verlag keinen Lektor, der solche Entgleisungen verhindern könnte?

    Neben der Abqualifizierung seiner weltanschaulichen und wissenschaftlichen Kontrahenten liegt ein weiterer Schwerpunkt in Kutscheras Buch auf der Kritik des Design-Argumentes. "Design-Fehler" in der Natur sind - so es sie denn wirklich gibt und diese mittels naturwissenschaftlicher Methodik als solche auch klar definierbar wären - tatsächlich eine Herausforderung für alle, die von der Existenz eines genialen und kreativen Designer überzeugt sind. Kutschera ignoriert jedoch konsequent alle publizierten Kriterien, was im wissenschaftlichen Sprachspiel als designt gilt und was nicht. Nach eigenem Gutdünken, in welches zudem viele subjektive theologische Vorstellungen mit einfließt, legt Kutschera fest, was gutes Design in der Natur ist und wie der Designer zu handeln habe. Ein Kinderspiel ist es dann für ihn, diesen selbst geschaffenen Strohmann an eigenartig anmutenden Beispielen (wie die Kristallstruktur von NaCl, der Kreislauf der Gesteine, Sauerstoffradikale) zu zerpflücken. Kutschera bewegt sich damit völlig außerhalb dessen, was in der wissenschaftlichen Diskussion um das Designargument tatsächlich im inhaltlichen Zentrum steht.

    Die Gliederung und der Aufbau des Buches orientieren sich nicht an dem durch die Überschrift vorgegeben roten Faden. Dem Leser werden weite Sprünge zwischen Wallace`s Leben, den "ID-Kreationisten", Darwin und den ungeliebten Vertretern der Frankfurter Konstruktionsmorphologie zugemutet, eine gedankliche Kontinuität bleibt so weithin unkenntlich.

    Der Stil ist - gemessen an seinen bisherigen Publikationen - typisch für den Autor, geprägt von wiederkehrenden unbegründeten Pauschalaussagen und Worthülsen. Das bisher schon enorme Ausmaß an Selbstzitationen übersteigt in diesem Werk das Maß des Erträglichen.

    Wallace`s Leben und Werk, dem der Ruhm seines über allen geschätzten Vorbildes Charles Darwin verwehrt blieb, ist es wert, in Erinnerung gerufen zu werden. Kutschera gelingt es - wenn er sich auf dieses Thema konzentriert -, die ungewöhnliche Spannweite des akribisch arbeitenden, aber meist mittellosen Naturforschers und gleichzeitig verlachten, "tischerückenden" Spiritisten nachzuzeichnen.
    Dennoch, jeder der das Buch bis zum Ende aufmerksam liest, fragt sich, warum diese Lebensgeschichte in einem solch unwürdigen Rahmen eingefügt werden musste.