Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Erfolgreiche Mission - unhaltbare Kritik

    05.12.2014, Michael Feuerbacher
    Rosetta ist eine Mission, die eine grosse Zahl an Experimenten als Nutzlast mit sich trägt. Der Philae Lander ist nur eine davon, und die gesamte Mission als gescheitert zu betrachten, weil die Landung anders verlaufen ist, als geplant, ist unangemessen.

    Rosetta war schon bevor die Landung überhaupt angesetzt wurde, ausserordentlich erfolgreich. Die in der Umlaufbahn um den Kometen durchgeführten Messungen haben viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse gebracht - nie zuvor konnte ein Komet derart exakt vermessen, charakterisiert und abgebildet werden, und auch die Reise zum Kometen hat viele wissenschaftliche Ergebnisse gebracht, z.B. der nahe Vorbeiflug an zwei Asterioiden. Ausserdem wurden einige technologische Herausforderungen bewältigt, z.B. die erstmalige Anwendung einer Hibernationstechnik bei einem Raumflug oder die Navigation eines Orbiters im minimalen Schwerefeld eines Kometen. Schon vor der Landung berichtete die ESA von 90 Publikationen, die bei namhaften Wissenschaftsjournalen wie Nature und Science eingereicht wurden. Die wissenschaftliche Ausbeute ist somit bereits jetzt ausserordentlich hoch, und der interessante Teil der Mission, der Flug durch den Perihel (sonnennächster Punkt der Kometenbahn) steht erst noch bevor.

    Auch die Landung war erfolgreich. Allein das genaue Absetzen des Landers auf dem Komenten war eine navigatorische Herausforderung - man bedenke: einen Punkt auf einem schnell beweglichen und rotierendem Objekt mit minimaler Schwerkraft in einer Entfernung von 500 Millionen Kilometern mit einer um 28 Minuten verzögerten Kommunikation auf etwa 10 meter genau zu treffen - zweifellos eine Leistung, die zu den Sternstunden der Menschheit gezählt werden darf. Vor der Abschaltung aus Energiemangel hat Philae 90 Prozent seines geplanten wissenschaftlichen Programms absolviert. Vielleicht wäre die Erkenntnisausbeute höher gewesen, hätte man es geschafft Philae an seinem ersten Landeplatz zu verankern. Vielleicht aber auch nicht - so hat man jetzt beispielsweie spektroskopische Daten von drei Stellen des Kometen statt von nur einer. Die jetztige Position des Landers birgt unter Umständen sogar neue Möglichkeiten: man war ursprünglich davon ausgegangen, dass Philae auf einem sonnennäheren Punkt der Bahn durch Überhitzung den Betrieb eingestellt hätte. In der verschatteten Lage, in der der Lander sich jetzt befindet, besteht die Möglichkeit, dass er nach erneutem Betrieb (was ab dem Erreichen einer Sonnennähe von ca. zwei astronomischen Einheiten zu erwarten ist) den Periheldurchgang überlebt, und Daten über den Durchgang hinaus liefert, was zu einer höheren wissenschaftlichen Ausbeute führen würde, als ursprünglich erhofft.

    Bei aller Kritik ist ausserdem zu bedenken, dass die gesamte Mission gar nicht für den angeflogenen Kometen P67, sondern für den wesentlich leichteren und schneller zu erreichenden Kometen Wirtanen geplant war. Aufgrund eines Startverbots der Ariane-Rakete (Ende 2002 war eine ähnliche Rakete kurz nach dem Start explodiert, und die darauf notwendige Ursachenforschung führte dazu, dass das Startfenster für Wirtanen nicht genutzt werden konnte) musste die Mission zu einem Kometen durchgeführt werden, für den die gesamte Hardware nicht optimiert war. Dass sie trotzdem so erfolgreich verläuft, ist beachtlich.

    Selbstverständlich sind die Wissenschaftler bei der Planung auch auf die Idee gekommen, eine nukleare Energieversorgung zu nutzen. Diese Alternative wurde aber nach reiflicher Überlegung verworfen. Eine nukleare Versorgung hätte den Einsatz von hochgiftigem und radioaktivem Plutionium erfordert, das aufgrund der Produktion des Raumschiffs an verschiedenen Standorten mehrmals durch Europa transportiert hätte werden müssen, was zu hohen Kosten und vermutlich auch erheblichen Protesten geführt hätte. Ausserdem musste die Sonde, um ihr fernes Ziel zu erreichen, mehrere erdnahe Swingbymanöver durchführen (auf dem Weg zu P67 waren es drei), die mit einer solchen Fracht ein höheres Risiko dargestellt hätten. Die Entscheidung für die Energieversorgung über Primärbatterien und Solarpaneele wurde also nicht fahrlässig sondern durchaus bewusst gefällt.

    Die Kosten einer solchen Mission werden übrigens gerne überschätzt. Das Gesamtbudget der Rosetta-Mission beträgt eine Milliarde Euro, was aber über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren zu rechnen ist. Deutschland trägt davon insgesamt einen Anteil von 290 Millionen Euro. Dies entspricht, auf's Jahr gerechnet, einem Hunderttausendstel (also einem Promille eines Prozents) des Bruttoinlandsprodukts. Davon können sie noch nicht mal 30 Kilometer Autobahn bauen….
  • Auftragsstudie mit unrealistischem Versuchsaufbau

    05.12.2014, Dyson Airblade
    Dyson stuft die Ergebnisse der Studie wegen eines unrealistischen Versuchsaufbaus als irreführend ein:

    Die Hände wurden getrocknet, ohne sie vorher zu waschen.

    Wenn die Hände vor dem trocknen gewaschen werden, gibt es „keine signifikanten Anzeichen einer Differenz zwischen den Händetrocknungsmethoden in Bezug auf die Luftkeimzahlen“, so das Ergebnis einer Studie des Forschungsinstituts Campden BRI im Auftrag des Papierhandtuch-Produzenten SCA aus dem Jahr 2013.

    Die Erhöhung der Bakterienanzahl in der Raumluft ist nicht signifikant und wird ohne Kontext präsentiert: Beim Ausziehen einer Jacke oder beim Wechseln der Schuhe wird beispielsweise eine größere Menge Bakterien in die Umgebungsluft freigesetzt.

    Wie Herr Fischer im Artikel im Artikel erwähnt, handelt es sich um eine Auftragsstudie, die vom European Tissue Symposium, der Branchenorganisation der europäischen Papierhersteller, finanziert wurde.

    Der Dyson Airblade ist der weltweit einzige Händetrockner, der von HACCP für den Einsatz in lebensmittelproduzierenden Betrieben zertifiziert wurde. HACCP überprüft und zertifiziert nach höchsten hygienischen Anforderungen Ausrüstung und Materialien für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie.

    https://www.youtube.com/watch?v=9zLCGWB3qJQ&list=PL4jd7XKkzhO-O_ut91QXscEhPcPwOyP7B&index=19

  • Tolles Projekt

    05.12.2014, Gert Weigelt
    voll funktionsfähig, aber noch keine Gelder für die adaptive Optik? Ist so etwas sinnvoll als voll funktionsfähig nutzbar. Ich hoffe, die weiteren Gelder kommen bald zusammen.
  • interressant

    05.12.2014, Hans Peter
    könnte dies auch Auswirkungen auf die Festkörperphysik/ Physik der Grenzflächen haben?
  • Sehr schöner und informativer Artikel

    04.12.2014, Werner Kohl
    Besten Dank dafür!
  • Fehlschläge

    04.12.2014, Arthur Rautenburg
    Wenigstens hatten die Planer und Entwickler dieser Mission diese Riesenportion Glück, so dass der Lander am Ende doch so auf dem Kometen liegen blieb, dass wenigstens einige der geplanten Messungen durchgeführt werden konnten. Wie konnte es nur dazu kommen, dass die geplante Landungsmethode fehlgeschlagen ist? Wieso wurden bei der Planung und Entwicklung keine funktionierenden Landungsmethoden gefunden? Hoffentlich werden die Ursachen gefunden und angemessene Konsequenzen gezogen. Anscheinend ist es leider auch nicht gelungen, wie geplant über den Bohrer SD2 Material des Kometen in den Ofen zu überführen und zu analysieren. Vom DLR habe ich dazu bisher nur die "Erfolgsmeldung" gefunden, dass der Lander alle Schritte durchgeführt habe, um Material aufzunehmen, in den Ofen zu überführen und zu analysieren. Bisher wisse man beim DLR aber angeblich nicht, ob dabei auch tatsächlich Material in den Ofen überführt wurde. Wie bitte, wer soll das glauben, dass in den übermittelten Daten nicht sofort erkennbar ist, ob Material im Ofen angekommen ist oder nicht? Ich vermute, dass das DLR versucht, diesen Fehlschlag zu verschweigen, und darauf hofft, dass es in Zukunft erneut Riesenglück hat und der Lander über die Solarzellen doch wieder soviel Strom erzeugen kann, dass weitere Bohrversuche durchgeführt werden können. Eine Radionuklidbatterie hielten die Planer ja anscheinend nicht für notwendig. Geht in Frieden, ihr in diese Mission investierten Steuermillionen. Es werden sicher noch viele in vergleichbar "erfolgreiche" Missionen investierten folgen.
  • Forschungsförderung durch Nudeln essen?

    04.12.2014, Liane Mayer
    Gibt's die Anelloni auch zu kaufen? Wer weiß, vielleicht tun sich da neue Möglichkeiten für die Forschungsförderung auf.....
    Jedenfalls gefiele mir die Idee, dass das Zubereiten (und anschließende Aufessen) von Anelloni künftig den Chemieunterricht auflockert!
  • Ich hätte es gut gefunden ...

    04.12.2014, Werner Kohl
    ... wenn Ihr Artikel einen Hinweis darauf enthalten hätte, dass es in dieser Region der Westantarktis starke vulkanische Einflüsse gibt:

    "Wie die Forscher nun anhand von Gravitationsdaten herausfanden, ist die Erdkruste unter diesen Gletscher mit nur 18 bis 24 km Dicke sehr dünn. Hier befindet sich ein vulkanischen Grabensystem, das die Gletscher von unten erwärmt."

    Quelle:
    http://www.wetter-center.de/blog/?p=1039
  • Politik ist die Kunst des möglichen

    03.12.2014, tp1024
    Wenn man die Entwicklung der Ariane 6 verfolgt und mit den Entwicklungen in anderen staatlichen Raumfahrtorganisationen vergleicht, ist das Ergebnis eigentlich wenig überraschend. Egal ob Russland, USA oder Japan, die Entwicklung von Raketen ist konservativ und ist immer konservativer geworden. Vielleicht lag es am Scheitern des Space Shuttle nach grandiose Versprechungen. Eine gesellschaftliche Tendenz zu immer konservativerem Umgang mit Technik ist auch nicht zu leugnen. Alles andere ist die Abweichung von der Norm, weshalb SpaceX auch etwas Besonderes ist.

    Der Nimbus der "Raketentechnik" hat sich gerade in der Politik sehr festgesetzt und immer mehr von der Realität entfernt. Aber genau deswegen muss man – leider – niedrige Maßstäbe anlegen. Selbst so ist das Ergebnis gemischt. Man hat sich vom Zwang zur Höchsttechnologie verabschiedet und verwendet größtenteils schon entwickelte Komponenten. Man nutzt zwei Tanks für Wasserstoff und Sauerstoff, anstatt nur einen mit Trennwand. Das heißt mehr Masse, aber auch leichtere Herstellung. Die Boosterraketen werden kleiner, zahlreicher und billiger - und werden noch dazu auch für die neue Vega-C verwendet.

    Das wichtigste ist aber der fixe Preis. In den USA hat das ein kleines Wunder bewirkt. Zuvor wurden Kosten erstattet und pauschal einige Prozent (15%?) als Profitpauschale aufgeschlagen. Um so höher die Kosten, um so höher der (absolute) Profit. Mit fixem Preis schafft man diese Perversion ab.

    Trotzdem ist die Entwicklung der Ariane 6 zu teuer und wird zu lang dauern. Sechs Jahre sind eine zu lange Zeit für eine Rakete, deren Triebwerke bereits entwickelt sind. (Die Booster fehlen noch, sie sind aber auch nur eine inkrementelle Verbesserung der P80-Raketenstufe der aktuellen Vega.) Auch der Bau der neuen Startanlage ist zu teuer und dauert zu lange. SpaceX baut sie für 100 bis 200 Millionen Dollar in zwei Jahren, die ESA braucht 800 Millionen Dollar und vier bis fünf Jahre.

    Die Ariane 6 ist enttäuschend. Aber jede positive Entwicklung aus einer enttäuschend schlechten Situation heraus - egal in welchem Bereich - fängt mit einem etwas weniger enttäuschenden ersten Schritt an. Die Ariane 6 könnte genau das sein.
  • auch mal an die Menschen denken

    03.12.2014, Sven K
    Vielleicht sollte Herr Stirn in der vorweihnachtlichen Zeit nicht zu sehr nach den Sternen greifen und ab und an, sofern er nicht gerade schriftlich innovatives Denken und Handeln fordert, an die betroffenen Menschen denken, für die jene positive Nachricht, hinsichtlich einem Jahr vollem Hoffens und Bangens, abschließend mit einem tiefen Durchatmen endet. Amen…

  • Keine Erklärung!

    03.12.2014, Ulrich Heemann
    Die Tatsache, dass man im Tomographen(?) Aktivitäten oder einen Rückgang derselben beobachtet, ist keine Erklärung des Verhaltens, sondern beschreibt nur auf neurologischer Basis das gleiche, was Eltern im psychologischen Verhalten der Heranwachsenden erleben. So können „diese Information vielleicht doch“ NICHT „dem elterlichen Verständnis helfen, warum manches Mäkeln schlicht ins Leere läuft.“ Es ist allenfalls zu schlussfolgern, dass die Erfahrung, Jugendlichen Zeit bei der Beurteilung anderer Sichtweisen zu geben und entsprechende Erläuterungen in ruhigem und möglichst rationalem Ton zu vermitteln, langfristig von größeren Erfolgsaussichten gekrönt ist. Leider ist diese Erfahrung aber nicht obigen tomographischen Untersuchungen zu entnehmen. Veröffentlichung also zu früh oder Untersuchung (noch) nicht konsequent weitergeführt.
  • Public Domain

    03.12.2014, Rita
    Nicht nur die Professuren sind staatlich gefördert - oft werden ganze Forschungsprojekte, die über mehrere Etappen laufen vom Staat finanziell gefördert. Doch die Ernte trägt der Verlag ein, der die daraus entstandenen Publikationen veröffentlicht. Das ist einfach nur Schwachsinn
  • Was bleibt noch von der DM

    03.12.2014, Gert Weigelt
    "... die einige Erklärungsversuche zur Dunklen Materie beendet. Bestimmte Modelle, nach denen Dunkle-Materie-Teilchen sich einander mit besonders hoher Rate auslöschen, wären demnach ausgeschlossen. "
    Welche Erklärungen bleiben dann noch für die Dunkle Materie?
  • Wesentlich länger "ausgereift"

    02.12.2014, Inge Schuster
    ist das Enzym CYP2E1, das hochkonserviert in den Säguetieren über die Evolution weitergegeben wurde (phylogenetische Studien sprechen hier tatsächlich von 60 Mio Jahren).
    CYP2E1 metabolisiert Ethanol und zahlreiche andere (relativ kleine) Moleküle, die natürlich auch aus Nahrung und Umwelt entstammen können. Dementsprechend findet sich das Enzym auch in den meisten Körperzellen und kann bei "Bedarf" verstärkt exprimiert (induziert) werden: ein Grund dafür, warum Trinker wesentlich höhere Mengen an Alkohol "vertragen".
  • 70 Millionen Jahre?

    02.12.2014, Dr. Matthias Delbrück
    Könnte 7 Mio gemeint sein? Das würde mit dem von den Bäumen runterkommen zusammenpassen ... Ansonsten ein wirklich interessanter Gedanke.
    Antwort der Redaktion:
    Hallo Herr Delbrück,

    in der Tat, 70 Millionen Jahre sind natürlich Quatsch - die Autoren schreiben in ihrer Studie von "rund 10 Millionen Jahren"; das kommt immerhin ein wenig besser hin. Ich habe meinen Fehler ausgebessert.

    Vielen Dank für Ihre Zuschrift,
    Jan Osterkamp (Redaktion Spektrum.de)