Springers Einwürfe
Das Klima ist vergiftet
Einleitend fragte ich ihn, ob er bestreite, dass seit Beginn der Industrialisierung der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre gestiegen ist und dass im selben Zeitraum auch die mittlere globale Temperatur zugenommen hat. Er fragte gekränkt zurück, ob ich ihn für einen Spinner halte; das seien Tatsachen, die jeder Kenner der Materie selbstverständlich anerkenne.
Ich war erleichtert. Damit sind wir uns im wesentlichen Punkt einig, dachte ich: Du erkennst an, dass die globale Erwärmung existiert und von Menschen verursacht wird. Ich nickte zufrieden, er zuckte die Achseln, und die Unterhaltung wandte sich anderen Themen zu.
Dass ich mich zu früh gefreut hatte


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1. Springers Abduktion
02.08.2010, Bernhard Becker, DuisburgIn der Logik führe dieser „synthetische“ Schlußmodus zwar, so Peirce, „indem wir eine Induktion völlig über die Grenzen unserer Erfahrung ausweiten“ zu einer kreativen Hypothesenbildung, die vor allen in Kriminalromanen sehr beliebt ist (und hier auch gar nicht bestritten werden soll). Doch wie man seit Hume wissen könnte, reicht das leider nicht für die Behauptung, X sei durch Y „verursacht“. Denn erst wenn die Billardkugel A immer wieder auf die Kugel B trifft – so Humes Argumentation – und diese sich daraufhin stets auf die gleiche Weise bewegt, sei es erlaubt, von „Verursachung“ zu reden, obwohl man beim x-ten Mal auch nicht mehr sieht als beim ersten Mal: nämlich bloß eine zeitliche Reihenfolge. Also: bei wie vielen Industrialisierungen hat es bereits eine Erderwärmung gegeben – oder: welche weiteren uns aus der Erdgeschichte bekannten Wärmeperioden waren „von Menschen verursacht“?
Das tatsächliche Problem kommt aber erst noch: Bei einer Billardkugel macht es, wie nicht nur Billardspieler wissen, durchaus Sinn, sie wissenschaftlich als „Ursache“ anzusehen, bei mehreren Milliarden von „Menschen“ zu verschiedensten Zeiten (oder gar dem berüchtigten Kollektivsingular: „der“ Mensch) jedoch nicht mehr: denn dieses „reduktionistische Motivkonzept“ , so Luhmann, versuche einfach nur „die Einheit des Systems auf der Ebene von Individualmotiven zu konstruieren“. Es möchte also die vertraute Fiktion der Aufklärung retten, es seien „doch immer Menschen, Individuen, Subjekte, die handeln“. Dass „der“ Mensch, nachdem er seine Verursacherrolle durchschaut hat, nun mit Hilfe dieses neuen Wissens alles zum Besseren wenden könne, ist freilich ungefähr so naiv wie die Annahme, wer einen Krieg anfange, könne ihn auch nach Belieben wieder beenden. Denn wäre hier der Spieler (bzw. handelndes „Subjekt“): ein fiktiver Weltgeist, der den Leviathan „Gesellschaft“ lenken könnte?
Klimaskeptiker wie -retter ertragen darum, so meine These, etwas ganz anderes nicht: dass nämlich durchaus eines Tages, so Adorno, die Welt „von einer Allheit in Brand gesetzt wird, die sie selber sind und über die sie nichts vermögen.“ Vielleicht – so meine Hoffnung – schaffen „wir“ aber nicht einmal das und der von Weltrettungs- wie Untergangsutopien geplagte Einzelmensch könnte sich endlich auf das konzentrieren, was Kant zufolge seine erste und vordinglichste Pflicht ist: das Gute zu tun, „das durch mich getan werden kann“ – in diesem Fall also: den Lesern eine bedenkenswerte Induktion nicht als zwingende Deduktion zu präsentieren. Denn selbst, wenn dadurch nicht die Welt gerettet werden könnte, würde es sie doch zu einer besseren machen.
2. Kausaler Zusammenhang?
04.08.2010, Christoph Deinhard1. Seit Beginn der Industrialisierung ist der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre gestiegen.
2. Seit Beginn der Industrialisierung ist die mittlere globale Temperatur gestiegen.
Nach Michael Springer folgt daraus, dass zwingend ein
Kausalzusammenhang besteht zwischen 1. und 2. Er geht sogar so weit, seine 'Logik' stillschweigend einem Freund zu unterstellen. Armer Freund!
Liebes Spektrum, haben Sie denn keine Lektoren? Seit wann haben gleichzeitig auftretende Phänomene zwingend einen kausalen Zusammenhang? Derartiger Unfug hätte Ihnen auffallen müssen, und es gehört zu Ihrer Aufgabe, den Abdruck von Unfug zu verhindern.
Ansonsten müßte ich zu dem Ergebnis kommen, dass Mainstream wichtiger ist als Logik, und dass Spektrum eine Konformitätsveranstaltung ist.
Herr Springer bietet ein treffliches Bespiel für die leider immer mehr um sich greifende Fernsehlogik, wonach der 'Moderator' seine Zuschauer ungestraft in die Irre führen darf, Hauptsache, die Quote (in diesem Fall: die Auflage) stimmt. Jedenfalls ist der Entwurf 08/10 ein treffliches Beispiel dafür, daß mit wölfischer Mainstreamheulung Geld
verdient werden kann. Oder hat Herr Springer für dieses Elaborat etwa auf sein Honorar verzichtet?
3. Korrelation und Kausalität
05.08.2010, Olaf Schlüter, BaldhamNun ist aber, wenn jemand anerkennt, dass es einen anthropogenen CO2-Anstieg gibt, und es einen Anstieg der globalen Temperatur gibt, nur noch unabhängig von diesen beiden Tatsachen festzustellen: Es gibt aus den Naturgesetzen herleitbar und auch experimentell überprüfbar einen Wirkungszusammenhang zwischen CO2-Anteil in der Atmosphäre und der globalen Temperatur.
Wissenschaftlich geht man ja auch immer von dem theoretisch gefundenen Wirkungszusammenhang aus, und prüft dann, ob Ursache und Wirkung wie von der Theorie vorhergesagt, in der Natur miteinander korrelieren. So machen das auch die Klimamodelle. Die prognostizieren einen Temperaturanstieg auf Grund des steigenden CO2-Anteils, und siehe da: Die Natur verhält sich so.
4. Nicht der einzige kausale Zusammenhang
06.08.2010, HJ Graf, Bad Soden-SaalmünsterEs ist schlimm, das Modellrechner nichts mehr beweisen müssen. Zu welchen Fehlurteilen und Kosten das führt, haben wir jüngst gesehen bei der Stilllegung des Flugverkehrs in fast ganz Europa (siehe auch Nachrichten für Chemie und Technik, Heft 7/8 2010, pp 740-743: Lähmendes Halbwissen).
5. Sind Klimaskeptiker verrückt?
25.08.2010, Bernhard Schwarz, WienAllen Klimaskeptikern - ob sie nun Blogs schreiben oder nicht - zu unterstellen, sie fühlten sich durch Verschwörungen verfolgt und seien damit mehr oder weniger geisteskrank, wird wohl nicht die Intention von Herrn Springer gewesen sein, hoffe ich.
6. Skeptiker und Dogmatiker
26.08.2010, Dr. Nico Bäcker, TeltowDer Dogmatiker unterbricht die Endlosschleife des Skeptizismus durch Dogmen, die nicht weiter hinterfragt werden und Ausgangspunkte von Thesen sind. Aus Sicht eines Gutteils pragmatisch denkenden Naturwissenschaftlers ist bei beiden philosophischen Richtungen das prinzipielle Scheitern vorprogrammiert. Mit Dogmen arbeiten auch die Naturwissenschafter (Naturgesetze, first principles, Axiome). Das starre Festhalten daran wäre jedoch für den wissenschaftlichen Fortschritt tödlich. Die Wissenschaft der Aufklärung sieht es also pragmatisch: Dogmen so viel wie nötig, so wenig wie möglich und stets zum Umstürzen bereit, wenn es die Erkenntnisse erfordern.
Skeptisch sein ist somit nicht schlecht, aber man muss auch wissen, was man will und wo Schluss ist. Ein bekennender Klimaskeptiker zeichnet sich vor allem durch zwei Merkmale aus: erstens die freimütige Interpretation von wissenschaftlichen Arbeiten durch selektives Zitieren oder eigenwilliges Darstellen und zweitens das notorische Umgehen, die eigentliche wissenschaftliche Arbeit zu verstehen und einzuordnen.
Der Klimaskeptizismus ist wie die auf der anderen Seite bestehende zu unkritische Interpretation wissenschaftlicher Ergebnisse ein Phänomen der öffentlichen Klimadebatte. Zu hoffen ist, dass die Wissenschaft dadurch nicht gestört wird.
7. Na klar doch
08.09.2010, Dr. Jan Daneke, EltvilleT • n • R = p • V , also dann Temperatur T als Funktion T = f (c CO 2)
Schon die van der Waalsche Gleichung für real existierende Gase
T • n • R = (p + a/ V ²) (V - b) beschreibt doch nur eine Näherung, ist also nur ein Modell für eine vermutete naturgesetzliche Kausalität.
Es ist ja sehr verdienstvoll wenn nun überall versucht wird den Einfluß der Kohlendioxydkonzentration zu erfassen, aber der Sonnenwind, die Zunahmen der Sonnenaktivität, albedo, Präzession der Erdachse, Staub in Luft und Weltraum, Bebauung, Land und Forstwirtschaft, Methan aus Permafrost, Tiefsee, Reisfeldern und Kühen, Kondenstreifen, Luftfeuchtigkeit und nitrose Gase und, und, und. Nicht zu vergessen sind die mathematischen Probleme der zeitlichen Abhängigkeiten von solchen Phänomenen wie Hysterese, Kippschwingungen und Chaostherorie mit Differentialgleichungen zu erfassen, viel Spaß noch.
Ich möchte nicht mißverstanden werden, auch ich fürchte daß wir mit der von der Industrialisierung verursachten Erhöhung der Kohlendioxydkonzentration einen noch richtig zu beschreibenden Einflluß auf eine Entwicklung angestoßen haben könnten, die aber so nicht einfach in die Flasche zurück zu bekommen ist wie das die Politiker gerne dem Volke und gewisse Klimaforscher (für ihre Etats) den Politikern weismachen wollen, etwa nach Art des Ohmschen Gesetzes
U = R • I.
So eine Formel wollen unsere Politiker haben , da können sie den Leuten nur in Deutschland für I die Steuern um sagen wir gnädige 30 % erhöhen, und schon würde die Temperatur von Berlin bis Tokio um mindestens ½ Grad C sinken. Die Formel die so etwas leisten würde möchte ich gerne mal sehen.
Was ist wenn schon im nächsten Jahr von dem ausstehenden Umkippen des Erdmagnetfeldes eine neue Eiszeit ausgelöst wird, alles umsonst?
Wenigstens habe ich mir einen großen Vorrat an alten Glühlampen angelegt, die wärmen auch etwas, genau in der Tages - und Jahreszeit, wenn sowie so geheizt werden muss.
8. Die Spreu vom Weizen trennen
08.09.2010, Gerd Zelck, Seevetalgerade habe ich Ihren Einwurf in der August-Ausgabe "Das Klima ist vergiftet" gelesen. Sie klagen >ein Menschenleben reicht nicht aus, allen Verästelungen der Argumente nachzugehen und die Spreu vom Weizen zu trennen<.
Das ist nun auch gar nicht notwendig. Mit der Kenntnis einiger wichtiger Grundsatzuntersuchungen zum Thema - durchaus pro und contra - und eigenen logischen Analysen kann man sehr wohl zu fundierten Erkenntnissen kommen, mit denen sich die Spreu vom Weizen trennen läßt. So war es für mich eine wichtige Erkenntnis, dass seit dem letzten Temperaturminimum von der so genannten Kleinen Eiszeit so um 1860 herum seitdem die Globaltemperatur ansteigt (mit einer Rate von etwa 0,55 °C/100 Jahre) und heute 0,8 bis 0,9 °C höher liegt (siehe hierzu Anhang "Anzeige Nr. 1" mit den Abb. 1,2 bis 1.4).
Der Beginn des Technischen Zeitalters mit vermehrter fossiler Brennstoffe wurde nun ebenfalls auf den Zeitraum um 1860 definiert, aber das ist reiner (geschichtlicher) Zufall! Trotzdem wurde daraus ein Zusammenhang zwischen Erwärmung und CO2 postuliert.
Ein gewisser Zusammenhang wird auch nicht bestritten, aber dieser ist klein und untergeordnet gegenüber anderen Einflüssen, auf die der Mensch keinen Einfluß hat. Es ist geradezu unwissenschaftlich, wenn man monokausal als Verursacher der Erwärmung nur die Zunahme des CO2 betrachtet und andere Einflüsse - die alle ausführlich dargelegt wurden und damit bekannt sein dürften, negiert.
9. Ist Kohlendioxid ein Treibhausgas?
08.09.2010, Horst Maurer, KielObengenannte Frage ist gar nicht Thema des Diskurses, denn dass Kohlendioxid ein Treibhausgas ist, ist in Fachkreisen allgemein bekannt. Die Frage, um die es geht, ist, ob der CO2-Anstieg vom Menschen verursacht ist und ob er damit das Klima beeinflusst. Selbst das haben viele "Klima-Ignoranten" leider nicht verstanden.
Die Ignoranten sterben leider nicht aus, die aus Bequemlichkeit oder wirtschaftlichen Interessen einen antropogenen Effekt kategorisch abstreiten. Sei es weil CO2 nur einen sehr geringen Anteil in der Atmosphäre ausmacht und daher ja gar nicht signifikant sein könne. Sei es, weil der antropogene CO2-Anstieg der letzten hundert Jahre ja nur im Promillebereich liege.
Noch hartnäckiger ist leider eine andere, noch faulere Spezies, die diese Scheinargumente einfach nachplappert und dabei nicht einmal den Anspruch hat, das Grundprinzip des Treibhauseffekts zu verstehen. Dennoch sind sie in jeder Diskussion zu finden.
Aber so funktioniert das Internet. Viel Lärm um nichts, denn wie Springer treffend schreibt: Im Internet tritt jeder mit derselben Autorität auf.