Wer nach mühsamer Forschungsarbeit seinen Artikel bei einer Fachzeitschrift zur Veröffentlichung einreicht, ist noch längst nicht am Ziel. Jetzt beginnt der nervenaufreibende Peer-Review-Prozess, die Begutachtung durch ausgewiesene Meister des Fachs.

Ein Neuling wird sich dem Urteil der Koryphäen bereitwillig unterziehen, ein gestandener Forscher dagegen nur äußerst unwillig. Einer meiner Freunde ist selbst ein international angesehener Biochemiker. Er schimpft wie ein Rohrspatz über das langwierige Redigieren und Revidieren; dass seine neueste Arbeit nicht dankend bei "Nature" oder "Cell" angenommen und schleunigst gedruckt wird, kann er sich allein durch Borniertheit oder Intrigen der Gutachter erklären. Tatsächlich soll es schon vorgekommen sein, erzählt mein Freund, dass jemand, dessen Werk abgelehnt wurde, seine Grundidee bald darauf in einem Vortrag seines Gutachters wiedererkannte.

Vielleicht tröstet ihn, was Vincent Calcagno vom Institut national de la recherche agronomique in Sophia-Antipolis (Frankreich) nun herausgefunden hat. Mit einem international zusammengesetzten Team betrieb der Ökologe gewissermaßen eine ökologische Studie über Wissenschaftspublizistik: Er befragte die Autoren von fast 90 000 zwischen 2006 und 2008 in knapp 1000 Fachjournalen erschienenen biowissenschaftlichen Artikeln und analysierte die Publikationsgeschichten (Science 338, S. 1065, 2012) …