Als der Abiturient Max Planck 1874 sein Interesse für Physik bekundete, riet ihm ein Münchener Professor dringend ab: In dem Fach sei schon so gut wie alles entdeckt. Planck hörte nicht darauf – und wurde zum Urheber der Quantenphysik, die das physikalische Weltbild von Grund auf umkrempelte.
In regelmäßigen Abständen entsteht immer wieder der Eindruck, die Naturwissenschaft sei im Wesentlichen fertig. Derzeit gibt sich der britische Theoretiker Stephen Hawking in seinen populären Bestsellern überzeugt davon, die Theorie von Allem sei zum Greifen nah.
Träfe das zu, so brächen für künftige Genies vom Kaliber Newtons oder Einsteins schwere Zeiten an. Angenommen, heute geborene Höchstbegabte widmeten ihr Leben einer

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1. Ideen in einer Denkpause
03.06.2013, Markus Hach, NeunkirchenIch bin der Meinung, es gibt heute immer weniger Genies, weil sie von den so genannten Eliten unserer durchorganisierten, mechanisierten und vernetzten Gesellschaft nicht mehr erwünscht sind. Die deutschen Universitäten haben mit der Umstellung auf das Bachelor/Master-System ihre Freiheit aufgegeben und ihre Forschung dem zielgerichteten und durchgeplantem Diktat der Wirtschaf(lichkeit) unterworfen und „produzieren“ am Fließband leistungsbereite, junge, oft psychisch angeschlagene Absolventen, die durch dieses System darauf trainiert wurden, in möglichst kurzer Zeit zu liefern, was von der Industrie gefordert und verlangt wird, anstatt ihrer eigenen forscherischen Neugier und Intuition folgen zu können.
(Ich hatte das Glück, Physik im Diplomstudiengang zu beginnen, und habe Vorlesungen und vor allem die Mentalität der Studenten in beiden Varianten erlebt, weiß also, wovon ich rede.)
Das Wesen des wissenschaftlichen Genies zeichnet sich dadurch aus, Neues zu schaffen, neue Ideen und Sichtweisen in die Welt zu setzen, oder ihnen zum Durchbruch zu verhelfen. Dieser Prozess ist per Definition nicht planbar, da die Idee während des psychisch-kreativen Aktes ihres Schöpfers aus seiner Intuition heraus, erst spontan, fast schon zufällig dann entsteht, wenn er über ungelöste Probleme unserer Gesellschaft oder der Menschheit nachdenkt. Meistens entstehen solche Ideen in einer Denkpause, im Moment zwischen zwei Gedanken, wenn das Genie gerade offen für eine derartige Eingebung ist.
Für solche Denkpausen bleibt im sich immer weiter beschleunigenden Forschungs- und Wirtschaftsbetrieb jedoch immer weniger Zeit.
Eine Erziehung, wie sie momentan an deutschen Universitäten praktiziert wird, fördert diese ungesunde Entwicklung, indem die Forschungsthemen vorgegeben werden und unter hohem Zeitdruck bearbeitet werden sollen.
Dieses System erstickt jede Kreativität. Für Genies ist der Weg Einsteins, sich außerhalb der universitären Forschung zu stellen, um seinen eigenen Gedanken nachgehen zu können, fast nicht mehr gangbar, da unser Wissen seit seiner Zeit derart angewachsen ist, dass es nicht mehr möglich ist, sich dieses Wissen in Eigenregie selbst anzueignen. Es ist ein Spagat einerseits ins universitäre System gehen zu müssen, um sich dieses Wissen anzueignen, aber andererseits nicht die dort vorherrschenden Denkstrukturen zu übernehmen, um sich seine Eigenständigkeit im Denken erhalten zu können. Der universitäre Forschungsprozess hat sich dermaßen beschleunigt, dass es fast nicht mehr möglich ist, ihn zu stoppen, um eigene Ideen einwerfen und zur Diskussion stellen zu können.