Als Lise Meitner (1878 – 1968) im Jahr 1907 in Berlin mit dem jungen Chemiker Otto Hahn die Radioaktivität zu erforschen begann, war Frauen das Studieren in Preußen noch generell verboten. Die angehende Physikerin schlich durch den Hintereingang ins Institutsgebäude, durfte die Vorlesungsräume nicht betreten und musste zum Verrichten der Notdurft ein nahe gelegenes Kaffeehaus aufsuchen. Für die Entdeckung der Kernspaltung erhielt Otto Hahn (1879 – 1968) im Jahr 1944 den Nobelpreis; auch seine langjährige Mitarbeiterin hätte diese Auszeichnung gewiss verdient.

Ein Jahrhundert später haben Frauen, zumindest in den Industrieländern, selbstverständlich freien Zugang zu einer naturwissenschaftlichen Laufbahn – was aber nicht ausschließt, dass Forscherinnen benachteiligt werden. Ob es auch heute noch Diskriminierung gibt, hat kürzlich ein interdisziplinäres Psychologenteam an der Yale University in New Haven (Connecticut) mit einem aufwändigen Experiment untersucht (Proceedings of the National Academy of Science 109, S. 16474, 2012).

Insgesamt 127 amerikanische Physik-, Chemie- und Biologieprofessoren erhielten fingierte Bewerbungsunterlagen für eine Stelle als Laborleiter – mit dem einzigen Unterschied, dass die Vornamen der Bewerber entweder "John" oder "Jennifer" lauteten.

Wie sich herausstellte, …